durch einen DerwaltungSrat geschehen, wozu sich gebildete Herren, Lehrer oder Kaufleute melden können.
** Aus derZweiten Kammer. Der WahlprüfungS- Ausschuß der Zweiten Kammer der Stände tritt am Donnerstag den 13. Januar zusammen.
•* Auszeichnung. Dem König!» Lokomotivführer der Main-Weserbahn und bisherigen Werkmeisteranwarter, LouiS Kinkel wurde zu seiner am 1. Januar 1903 erfolgten Ruhestandsversetzung das allgemeinen Ehrenzeichen verliehen. — Dieselbe Auszeichnung wurde den Weichenstellern Bandel und Loch in Gießen, sowie dem Weichensteller Hepp in Dutenhofen zuteil.
** Tagesordnung für die Sitzung der Stadt- verorHneten-Versamm'lung auf Donnerstag, den
dringen am Mittwoch, den 14. ds. Mts. als erste Gastspiel- Vorstellung die Novität „Das Glöckerl vom Birkenstein", Volksstück mit Gesang und Tanz in drei Akten von Hermann Schmid. Es ^mvsteblt fick. Billrts w
erschienen, ebenso aus seinem Filialdorf Oppenrod, auch die ganze Gemeinde nahm teil, sodaß die Kirche kaum die Leidtragenden zu fasten vermochte. Beiin Trauergottesdienst predigte Pfarrer Schulte-Beuern, während Dekan Strack- Leihgestern eine ergreifende Grabrede hielt. Beide Redner hoben die Verdienste und edlen Charakterzüge des Verstorbenen hervor.
g. Lützellinden, 11. Jan. Im Frühjahr soll hier mit dem Neubau eines Schulhauses begonnen werden. Dasselbe soll 4 Säle enthalten. Die seitherigen Schulsäle sollen in Lehrerwohnungen umgebaut werden. An unserer 3klassigen Schule wirken z. Zt. nur zwei Lehrer, die 3. Stelle soll nun auch besetzt werden.
Wetzlar, 11. Jan. Zur Feier des 25jährigen Jubiläums des Rektors Luerssen veranstaltete das Lehrerkollegium der evangelischen Stadtschulen vorgestern abend im „Deutschen Hause" ein Festessen. Als Gäste waren anwesend: Herr Superintendent Schöler, Herr Kreisschulinspektor Geibel, sowie Herr Seminarlehrer Padderatz.
b. Bad Nauheim, 9. Januar. Dem Großh. Bademeister Kissel hier wurde von dem Fürsten zu Schaumburg-Lippe das Schaumburg-Lippische Verdienstkreuz verliehen.
n. Friedberg, 10. Jan. Stadtrechner Maul hat dieser Tage sein Amt zum 1. April gekündigt. Seine Stelle soll laut Beschluß des Stadtrats ausgeschrieben werden, der AnfangSgehalt soll 2000 Mk., der Höchstgehalt 4000 Mk. betragen, wozu noch 300 Mk. für Bureaumiete kommen. — Die Stadtverordneten beschlossen ferner, gegen einen Besitzer,
Vorstellungen, deren Besuch bei der kurzen Dauer des Gast- piels voraussichtlich ein sehr reger werden wird, schon jetzt oei Herrn Ernst Challier zu bestellen. Abonnementsbillets haben keine Gültigkeit. Die Preise der Plätze stellen sich im Vorverkauf auf 3,50 Mk. für Loge, 3 Mk. fürSperr- itz, 2,25 Mk. für 1. Parquet und 1,25 Mk. für 2. Parquet. )ür die Herren Studierenden kostet die Estrade 1,50 Mk.
** Theaterverein. Die nächste (5.) Vorstellung des Theatervereins findet am Mittwoch den 21. Januar tatt. Zur Aufführung gelangt das schöne Stimmungsbild von Walter Schmidt-Häßler „Herbst" und die neue dreiaktige Komödie von Ludwig Thoma, „Die Lokalbahn". In beiden Stücken tritt Herr Krause vom Kgl. Hoftheater in Stuttgart als Gast auf.
** Der diesjährige Gauturntag des Gaues Hesten findet am 25. Januar vormittags 9 Uhr in Steins Saalbau statt. Auf der Tagesordnung stehen u. A.: Bericht des Gauturnwarts; Rechnungsablage für 1902: Wahl des 1. GauternwartS, da der seitherige 1. Gauturnwart Schneider-Marburg im vergangenen Jahre starb; Fest- etzung des Gauturnfestes 1903, gemeldet haben sich Wetzlar, Schotten und Usingen; Gauturnfahrt 1903; Besprechung über Gründung einer eigenen Zeitung für den Gau Hessen; Anrag Bad Nauheim: „Beschwerde über Handhabung der Haftpflichtversicherung"; Antrag Gießen: „Auf den Gauturnesten und -fahrten soll wieder wie früher um Ehrenpreise ge- urnt werden"; Besprechung über das 10. deutsche Turnfest zu Nürnberg.
• * Erklärung, UnS wird geschrieben: Die in einem Blatte am 9. d. Mts. verkündete unerwartete Revision duch
gesagt, stark übertrieben fein. Eine „unerwartete" Revision ! ann niemals einen Angehörigen des Regiments bei dem Zustand, in dem letzteres sich befindet, in Angst versetzen. Es bat vielmehr jeden gefreut, Se. Excellenz, der stets für das Wohl des Einzelnen mit größtem Jntereste besorgt ist, persönlich kennen zu lernen. Was die Revision auf Rein- ichkeit der Ohren der Unteroffiziere anbetrifft, wie es der genannte Artikel ausführt, so ist diese Bemerkung eine Unwahrheit, die nur der Phantasie eines Menschen entspringen kann, der selbst mit seiner persönlichen körperlichen Beschaffenheit im Unklaren ist.
* * Wie schwer ist eine Million? Nach genauer Feststellung wurde ermittelt, daß das Gewicht einer Million beträgt: in Tausendmarkscheinen 2 Kilo, in Fünfhundertmarkscheinen 3,5 Kilo, in Hundertmarkscheinen 13 Kilo, in Fünfzigmarkscheinen 25 Kilo, in Zwanzigmarkscheinen 46,44 Kilo, und in Fünfmarkscheinen 145 Kilo.
* • Die Firma Haasenstein u. Vogler, A.-G., )dt auch für das Jahr 1903 ihren altbewährten Zei- ungskatalog herauSgegeben, der sich durch seinen ge- liegenen Inhalt ganz besonders auSzeichnet. An das allgemein gehaltene Vorwort schließt ein TageS- und Notizkalender, )ann folgt ein ausführliches Eingehen auf die Reichsbank und deren Geschäftsverkehr, daS Post-, Telegraphen- und Fernsprechwesen, ferner das Agentenverzeichnis der Annoncen- Expedition Haasenstein u. Vogler A.-G. (Deutschland, Schweiz, Italien und Oesterreich) und daS Ortsregister der politischen Zeitungen. Eine umfangreiche Zusammenstellung aller Tageszeitungen, die nach Staaten und Provinzen alphabetisch übersichtlich geordnet sind, ermöglichen eine schnelle Orientierung; ebenso zweckmäßig und von größtem Vorteil ist die bei jedem Orte vermerkte Einwohnerzahl. Dann folgen die nach Branchen aufgeführten Fachzeitschriften, ferner die Kurs- und Reisebücher-Kalender und empfehlenswerte Anzeigen vieler Zeitungen. .
• • Einrichtung einer d eutschen Po st an st alt in Nanking (China). In Nanking (China) ist eine deutsche Postanstalt eingerichtet worden. Ihre Tätigkeit erstreckt sich auf den Briefpost-, ZeitungS- und Postanweisungsdienst sowie auf die Annahme und Ausgabe von gewöhnlichen Paketen mit oder ohne Nachnahme und von Briefen, Kästchen und Paketen mit Wertangabe und mit oder ohne Nachnahme. lieber die Taxen und Versendungsbedingungen gebe^ die Postanstalten auf Verlangen Auskunft. — Ferner ist in Agome Palime (Togo) am 1. Januar eine Post- agentur eingerichtet worden, deren Tätigkeit sich auf den Briefpost-, ZeitungS- und Postanweisungsdienst erstreckt. Nachnahme ist bei eingeschriebenen Briefsendungen zugelaffen. Die Taxen und Versendungsbedingungen sind dieselben wie für die übrigen Postanstalten des Togo-Schutzgebiets. — Infolge der Unruhen in Maro cco ist der Postanweisungsdienst in Fes und Marrakesch bis auf weiteres eingestellt worden. Postanweisungen und Briefsendungen mit Nachnahme nach diesen beiden Orten können daher vorläufig nicht angenommen werden.
*• Die bösen Freitage. Das Jahr 1903 zeichnet sich durch etwas ganz Besonderes aus, durch eine Merkwürdigkeit, die abergläubische Gemüter mit Furcht und Schrecken erfüllen könnte. Es hat nicht weniger als drei Freitage, die mit dem 13. eines Monats zusammenfallen, und zwei dieser Freitage kehren sogar in zwei aufeinanderfolgenden Monaten, im Februar und März, wieder. Der dritte „Freitag der 13/ des Jahres 1903 wird im November fein. Im verflossenen Jahre hatten wir nur einen bösen Freitag, den uns der Juni brachte. Französische Journalisten sind bereits dabei, eine der bedeutendsten Pariser Wahrsagerinnen zu befragen, ob wir von der ungewöhnlichen Häufung der bösen Freitage im Jahre 1903 besonderes Unglück zu erwarten haben. Kluge Leute werden jedenfalls gut daran tun, vorzubeugen und sich auf alle Eventualitäten vorzubereiten.
8. Großen-Buseck, 10. Jan. Gestern fand die Beerdigung unseres leider so plötzlich verschiedenen Pfarrers Hermann Deichert statt. Er war im Jahre 1844 als Sohn deS Pfarrers Deichert in Grüningen geboren. Nach Vollendung seiner Studien in Gießen, woselbst er der Verbindung der Wingolf angehörte, absolvierte er daS Predigerseminar in Friedberg. Als Gehülfe wirkte er dann in Hungen, später als Pfarrverwalter bezw. Pfarrer in Ermenrod und Merlau, wozu noch Flensungen gehörte. In unserem Ort war Herr Deichert etwa 20 Jahre tätig und er hat es verstanden, sich die Herzen der Einwohner zu gewinnen. Er stand im 59. Lebensjahr. Zu seiner Beerdigung waren aus seinen bereits genannten Wirkungsorten zahlreiche Leidtragende
übrigen ca. 40 Eigentümer einverstanden erklärt hatten, das Enteignungsverfahren einzuleiten.
-ü- Michelbach bei Schotten, 10 Januar. Gestern starb nach kurzem Krankenlager unser langjähriger Bürgermeister und Ortsgerichtsvorsteher Johannes Wagner, wohl einer der ältesten Bürgermeister Hessens, im Alter von 80 Jahren. Vor vier Jahren feierte der Verstorbene sein 50jähriges Dienstjubiläum und erhielt anläßlich dieser Feier das Verdienstkreuz. Im vorigen Jahre lehnte er mit Rücksicht auf fein hohes Alter eine nochmalige Wahl ab, behielt aber das Großh. Ortsgericht.
** Gedern, 11. Jan. Heute wurde der in weiteren Kreisen bekannte Gastwirt Landmann zu Grabe getragen. Der Verstorbene hatte in der Leibkompagnie deS Gießener Regiments den ^clbäug gegen Frankreich mitgemacht und war Mitbegründer der hiesigen freiwilligen Feuerwehr. Bis zum vorigen Jahre bekleidete er das Amt eines Kommandanten der Wehr. Sein Nebenmann im Feldzuge, Metzger Reinhard Reinhard hier, starb vor 14 Tagen.
Darmstadt, 11. Jan. Herr Ludwig Hallwacks, Großh. Wirkt. Geheimrat, Exc., der frühere Leiter des hessischen Justizwesens und Vorsitzender des Zentralausschusses der evangelischen Kirchengesangvereine für Deutschland, ist, wie wir schon meldeten, am Freitag, 76 Jahre alt, gestorben. Er erhielt, wie wir dem „T. Tgbl." entnehmen, nach abgeschlossenen juristischen Studien und Zurücklegung deS Vorbereitungsdienstes am 15. Avril 1858 seine erste Anstellung als Staatsanwalts-Substitut, am 22. Januar 1862 erfolgte seine Ernennung -um Hofgerichts- Assessor, am 25. September 1865 zum HofgerichtSrat. Anfang Oktober 1872 wurde er in das Ministerium berufen, dem er bis -um 15. April 1896 an gehörte. Am letzteren Tage, nach 43 Jahren, schied er aus dem aktiven Staatsdienst aus. Bor seiner Berufung in das Ministerium und schon zu Anfang der 60er Jahre war der Verftorbene auch häufig im polittschen Leben hervorgetreten, immer unter Betätigung streng konservativer Grundsätze, denen er auch als Mitglied der Regierung stets treu blieb. Nach feinem Eintritt in den Ruhestand, an seinem siebzigsten burtstag, wurde ihm die Freude zuteil, daß ihn die theologische Fakultät der Landesuniversität zum Tr. theol. hon. causa ernannte, in Anerkennung der großen Verdienste, die er sich um das kirchliche und religiöse Leben erworben. Unterm 7. Mai 1898 wurde er als lebenslängliches Mitglied in die 1. Kammer der Landstände berufen.
Offenbach, 11. Jan. Heute sind 20 Jahre vergangen, seitdem Oberbürgermeister Brink als Bürgermeister der Stadt Offenbach bestätigt wurde.
Mainz, 10. Jan. Neunzehn Einbrüche sind in den letzten Wochen in der Neustadt ausgeführt worden, wobei die Diebe zumeist Wertgegenstände unberührt ließen und ausschließlich Nahrungsmittel mitnahmen. Trotz der fieberhaften Tätigkeit, die die Polizei entwickelt, ist es noch nicht gelungen, der Diebe habhaft zu werden. — Ter Handelskammer ist unter Kreuzband Mdruck eines von den drei hiesigen kauftnännischen Vereinen an die Großh. Bürgermeisterei Mainz und die Stadtverordnetenversammlung gerichteten Gesuches zugegangen, worin eine Abänderung der seitherigen Bestimmungen über die Sonntagsruhe vorgeschlagen wird. Dieselbe soll im Wesentlichen darin bestehen, daß für Fabrik-, Engros-, Bank- und Warenagenturgeschäfte die Beschäftigung von Handlungsgehilfen und Lehrlingen an Sonn- und Feiertagen, abgesehen von einzelnen, in jedem Fall der vorherigen polizeilichen Erlaubnis bedürfenden Ausnahmen, überhaupt nicht zugelassen und die Beschäftigung in Ladengeschäften, von einigen für Lebensmittel-, Tabak- und Eisgeschäfte vorgesehenen Ausnahmen abgesehen, nur von IO1/2—I Uhr gestattet sein soll. Die Kammer beschloß, sich gegen die Vorschläge auszusprechen, da eine weitere ortsstatutarische Einschränkung der gegenwärtig zuge- lassenen Stunden zur Zeit untunlich ist und ohnedies in großen Geschäften die Handlungsgehilfen und Lehrlinge nur zu den notwendigsten Arbeiten herangezogen werden. — Aus Kostheim wird gemeldet: Einen schweren Unglücksfall traf einen hiesigen Bäckermeister. Er hustete so stark, daß im Halse eine Ader platzte, die sehr stark blutete. Tie herbeigerufenen Llierzte legten einen Notverband an und brachten den Verletzter: nach dem Rochusspital in Mainz. Dort wurde eine Operation vorgenommen, die gut verlaufen ist.
(!) Wiesbaden, 12. Jan. Hier wurde gestern tm Theatersaal des Etablissements Walhalla unter Leitung des Vorsitzenden des hiesigen freisinnigen Wahlvereins, Justizrat Tr. Alberti, der nassauische Parteitag der fr eist n n i g e n Volksvartei abgehalten, um die Taktik für oen bevorstehenden Wahlkamps zu vereinbaren. Es wurde ein Landesausschuß unter dem Vorsitz von Tr. Alberti- Wiesbaden gebildet, zu dem alle in Betracht kommenden Wahlkreise 7 Mitglieder stellen. Ihre Wahl wurde tecks bereits von der Versammlung vorgenommen, teils den
15. Januar 1903, nachmittags 4 Uhr. 1. Auslosung von Schuldverschreibungen der Anleihe von 1896. 2. Des gl. von 1897. 3. Baugesuch Schwieder für Ecke Marktplatz und Schulsttaße. 4. Baugesuch Pfaff für Ecke Hillebrand und Crednersttaße. 5. Baugesuch Pfaff für den Schiffender ger- weg. 6. Baugesuch der Deutsch-Amerikanischen Petroleumgesellschaft für die Franksurterstraße. 7. Anbringung eines Schildes an dem Gitter an Schülers Garten. 8. Bürgersteig in der Marburgerfttaße. 9. Anlage eines neuen Friedhofs, hier: Einrichtung einer elektrischen Klingelleitung. 10. Anlage einer Hürde und eines Grabens auf dem alten Rödger Weg. 11. Rechnungsabschluß des Gas- und Wasserwerks für 1901/02. 12. Ausdehnung der Ortswasserleitung in Queckborn. 13. Submissionsholzverkauf aus den Gießener Stadtwaldungen fürs Wirtschaftsjahr 1902/03. 14. Vergebung von Unterhaltungsarbeiten an /städtischen Gebäuden. 15. Festsetzung des durchschnittlichen Jahresarbeitsverdienstes der in land- und forstwirtschaftlichen Betrieben beschäftigten Arbeiter. 16. Die Löhne der städtischen Taglöhner. 17. Gesuch des Wirts Fritz Teigler um Erlaubnis zur Benutzung städtischen Geländes und eines städtischen Brunnens. 18. Besetzung von Lehrerstellen. 19. Gesuch des Karl Döring zu Gießen um Erlaubnis zum Wirtschaftsbetrieb im Hause Dammstr. 39.
♦* 93er ein für jüdische Geschichte und Literatur. Uns wird geschrieben: Der Berliner Schriftsteller Dr. Karpeles, sprach gestern abend in dem vollbesetzten des Hotels „Großherzog von Hessen" über „Was haben die Juden für die Kultur der Menschheit geleistet" im hiesigen „Verein für jüdische Geschichte und Literatur".
Nicht sein Geist und sein Herz sprachen zu den mit gespanntester Aufmerksamkeit seinen Worten lauschenden Zuhörern, sondern eine Reihe von Geschichten, die er in chronologischer Darstellung, beginnend von den ältesten Tagen menschlicher Geschichte bis zum heutigen Tage, frei aus dem Gedächtnisse wiedergab. Der Stammvater Abra- ham, das Sittengesetz am Sinai, die Gesetzgebung Moses, die Propheten, der jüdische Philosoph Philo in Alexandrien, der Talmud — das unschätzbare Denkmal der Llnteilnahme Israels an allen Kultur aufgab en der Welt — die jüdischen Astronomen, Mediziner und Philosophen in den ersten Jahrhunderten nach Christt Geburt, sie alle waren die Kulturträger der Menschheit. Kein Gebiet des menschlichen Wissens war den Juden fremd. Die Aufgabe Israels war nicht gebunden an eine Stadt, an ein Land, sondern hin- auszu-iehen in alle Länder der Erde. Und was nahm es mit sich? Keine Schätze und keine Kostbarkeiten, sondern nur sein Buch, seine göttliche Lehre. Der Hauptfaktor, wodurch Israel in der Geschichte der Menschheit eine Führung fand, war sein leichtes Erfassen aller fremden Sprachen und sein Verständnis für Assimilation. Das erste Grundbuch für Geometrie schrieb ein spanischer Jude, Wraham ben Chia, die bedeutendsten Lehrer der Hochschulen zu Montpellier und Salerno im achten Jahrhundert waren Juden. Der bedeutendste Philosoph und Dichter im elften Jahrhundert, der nebenbei bemerkt das klassischste Arabisch schrieb, war ein Jude, Salomo Iben Gebirol. Wer machte die Philosophie des Aristoteles in Europa bekannt? Kein anderer als der Jude Moses Maimonides im 12. Jahrhundert durch fein philosophisches Werk „Führer der Verirrten". Die Hauptbegrünoer der christlich-scholastischen Philosophie benützten nicht nur dies Werk, sondern lernten erst daraus, sich in dem Widerstteit zwischen Glauben und Wissen zu- rechtzuftnden. An der Wiege der spanischen Poesie standen Juden, der angesehenste Theaterdichter dieser Zeit und der moderne Calderon, war der jüdische Dichter Don Antonio Jose de Silva. Juden waren es, die die astronomu- scheu Berechnungen machten, wodurch Cristoph Columbus und Vasco de Gama ihre Seereisen antreten konnten. Juden begleiteten sie und hatten hervorragenden Anteil an all den Erfolgen dieser kühnen Seefahrer. Die berühmteste Schauspielerin Roms war ein Jude, Alitiro. Bekannt ist der Juden Liebe zur Musik und ihr Verständnis für Handel und Weltverkehr. Und auch in der neuen Zeit traten die Juden hervorragend auf. Juden waren die Lehrer von Martin Luther, der Renaissance und der Humanisten. Ein Jude war es im 18. Jahrhundert — Moses Mendelsohn, auf den die deutsche Literatur stolz sein kann. Tie Chorführer des „jungen Deutschland" waren zwei Juden, Heine und Börne. Und im vergangenen Jahrhundert waren es die Berliner jüdischen Salons der Henriette Herz und der Rahel Levin Varnhagen, welche die Gesetze der Geselligkeit lehrten und durch die Macht des Geistes glänzten. „Die Kultur der Juden stand zu keiner Zeit unter dem Niveau der allgemeinen Kultur, ja meistenteils über demselben" Jagte ein hervorragender christlicher Theologe. Mit den Worten, die Rahel Varn- hagen tiefbewegt in ihrer Sterbestunde _ausrief: „Was so lange Zeit meines Lebens mir die größte Schmach, das herbste Leid und Unglück war, eine Jüdin zu fein, um keinen Preis möchte ich das jetzt missen" schloß der Redner, dieses Bekenntnis seinen dankbaren Zuhörern als Lehre mit auf den Weg gebend, seinen wirkungsvollen und erhabenen Vortrag. Der „Verein für jüdische Geschichte und Literatur zählt zur Zeit 110 Mitglieder. Möchte kein Jude in Gießen es versäumen, welcher religiösen Richtung er auch an gehöre, Mitglied dieses Vereines zu werden, der der Wecker unseres nationalen Selbstbewußtseins, der Prüfstein für Intelligenz und Bildung und der Sammelpunkt für alle diejenigen ist, die Belehrung suchen oder solche zu geben im stände sind.
'* Zur Abwechslung ist es seit gestern wieder einmal kalt geworden. Gestern morgen zeigte der Thermometer noch + 8,4 Grad C., bann fiel er aber rapide und zeigte heute Morgen nur noch 0,8 Grad C. Eine Folge dieses Temperatursturzes war ein kleiner Schneeball, der heute morgen niederging.
- Aus dem Theaterbureau. Die „Schlierseer"
mit dem man sich bei dem Austausch deS Geländes an der
Se. Excellenz Generalleutnant Frhr. v. Gall dürfte gelinde k Mainzertoranlage nicht einigen konnte, nachdem sich die


