Kolonialpost.
Deutsche Besiedelung Kleinasiens und SynenS.
Von delltscher Besiedelung Kleinasiens und Syriens ist wiederholt gesprochen worden, aber diese Andeutung allein versetzte die französischen Chauvinisten in gelinde Aaserei. In Deutschland selbst legte man solchen Anregungen, den Auswandererstrom nach jenen türkischen Provinzen hinzuwenden, wenig Bedeutung bei. Der Vorschlag taucht aber nachdrücklich und sehr ernsthaft auf, und zwar--von
französischer Seite in dem bedeutenden und lehrreichen Werke von Charles Morawitz: „Les finances de la Turquie“, welches kürzlich, übersetzt von Georg Schweitzer (im Verlage von Carl Heyrnann, Berlin) erschienen ist und gerechtfertigte Beachtung gesunden hat. In einer Schlußbetrachtung über die Hilfsquellen der Türkei schreibt der französische Verfasser u. a.: .Die Mineraljchätze des Landes sind wenig erforscht, doch weiß man, daß sie bedeutend sind; sie zu erschließen, werden sich schon Kapital und Arbeitskraft finden, wenn nur die türkische Regierung auf die widersinnigen und chikanösen Reglements verzichtet, deren Abschaffung bis heute vergebens verlangt wurde. Gewisse Teile von Kleinasien und Syrien, das Euphrat- und Tigristal, zählten einst zu den fruchtbarsten und blühendsten Gegenden der Welt; sie würden ihren früheren Wohlstand bald wieder finden, wenn man den Strom deutscher und italienischer Auswanderer, auf den Amerika eine so große Anziehungskraft ausübt, dorthin lenken könnte. Hierzu brauchte man weder Geldsubsidien, noch kostenfreie Landanweisungen 511 erteilen. Man müßte blos den Kolonisten, die sich m der Türkei ansässig machen wollen, die wesentlichsten Bedingungen jeder Kolonisation verbürgen: gesetzliche Möglichkeit, unanfechtbare Besitztitel zu erwerben; unparteiische Justiz und Sicherheit der Person und des Eigentums, gestützt auf eine wohlorganisierte Polizei. Für die landwirtschaftlichen und industriellen Unternehmungen, deren Durchführung dem Einzelnen unmöglich ist, würden sich bald Aktiengesellschaften finden, wenn man den Gründern außer den oben erivähnten Garantien noch das Recht geben würde, ihre Rationalität zu behalten." — Gegen letztere Vergünstigung sträubt sich indessen die Türkei noch immer hartnäckig, aus Furcht gegen fremdländische diplomatische Interventionen.
Aus Stadt unii Mnd.
Gießen, den 11. August 1903.
• Personalien. S. K. H. der Großherzog haben den Ober-Rechnungsrevisor Rechnungsrat Georg Fe ick zu Darmstadt auf sein Nachsuchen unter Anerkennung seiner treu geleisteten Dienste bis zur Wiederherstellung seiner Gesundheit in den Ruhestand versetzt. — Der Revisionsgehülse bei der Ober-Rechnungskammer Ferdinand Hoock aus Bensheim wurde zuni Ober-Rechnungsrevisor bei der 2. Justifikatur- Abteilung der Ober-Rechnungskammer ernannt.
* • Das Groß herzogliche Regierungsblatt, Beilage Nr. 22, enthält: 1. Uebersicht der für das Jahr 1903/04 genehmigten Umlagen zur Bestreitung der Kommu- nalbedürfnisse in der Stadt Friedberg, 2. Vorlesungsverzeichnis der Großh. Hess. Ludwigs-Universität zu Gießen, Winterhalbjahr 1903/04, 3. Konkurrenzeröffnungen.
* * Neuester Plan der Stadt Gießen. Das städtische Vermeffungsamt hat einen neuen Plan der Stadt Gießen im Maßstab von 1: 3000 angefertigt, der sich von allen bisher bestehenden Kartierungen unseres Gemeindewesens dadurch vorteilhaft auszeichnet, daß jedes einzelne Haus, sowie die öffentlichen Anlagen rc. darauf eingezeichnet sind. Vorerst sind für Zwecke der städtischen Verwaltung in Schwarzdruck eine Anzahl Exemplare dieser überaus übersichtlichen Karte von Gießen beschafft worden, doch hören wir, daß eine hiesige Verlagsanstalt (Roth-Marburgerslraße) mit Genehmigung der Bürgermeisterei dieselbe in Farbendruck Herstellen lassen wird, um sie für den allgemeinen Gebrauch in den Handel zu bringen.
* * Di e Arbe iten unserer Kanalisation werden in der Folge, soweit sie in der Altstadt herzustellen sind, in
folgender Weise sich gestalten. Nachdem der Rohrkanal Marktplatz—Marktstraße mit seiner Mündung in das Hauptsiel an der Ecke der Bahnhofstraße und der Neustadt, an dessen Herstellung man eben tüchtig arbeitet, fertig gestellt ist, wird ein weiterer Rohrkanal in Angriff genommen, welcher von der Wetzsteingasje über den Linden-, Kirch- und Marktplatz durch die Mäusburg verlegt und mit seiner Mündung in ein gemauertes Siel auf dem Kreuzplatz endet, das von der Schulstraße durch die Sonnenstraße ziehend, den Kreuzplatz quert, um die Kaplansgasse entlang zu ziehen, an deren Treffpunkt mit der Bahnhofstraße in das dort angelegte Hauptsiel zu enden. Dieses Nebensiel wird später von der Schulstraße aus weiter ausgebaut. Weitere gemauerte Kanäle sind, in das Siel in der Bahnhofstraße mündend, vorgesehen: vom Seltersweg die Wolkengasse entlang, wo man übrigens jetzt schon arbeitet, sowie Teuselslustgärtchen-Löwen- gaffe. Am Seltersweg ist nur auf der Strecke Mcugasse bis Kreuzplatz ein gemauertes Siel vorgesehen, während bis zuni Selterstor Rohrkanäle hergestellt werden. Der Leiter unseres Tiefbauamtes, Baumeister Braubach, versicherte uns, daß die vorstehenden Arbeiten so schnell als nur möglich ausgeführt würden, daß dabei tunlichst die weitestgehende Rücksicht genommen iverde, daniit der Verkehr so wenig als möglich gehemmt wird, und daß, was wohl für die Ladeninhaber die Hauptsache fein wird, die Straßenzüge, die wir oben auführ- ten, sänitlich spätestens am 15. November vollständig für den ungehinderten Verkehr wieder frei werden, damit das Weihnachtsgeschäft durch die Kanalbauten nicht gestört wird.
* * Einbruch. In vergangener Nacht wurde in dem Laden eines hiesigen Geschäftsmannes durch ein Fenster von dem Hose aus eingestiegen und ein kleiner Geldbetrag gestohlen, sowie die Geschäftsbücher beschmutzt.
* * Frequenz des Freibades. Im städtischen Freibad an der Lahn haben im Monat Juli d. Js. 10 480 Personen gebadet. Im Ganzen sind in dieser Saison, seit dem 23. Mai, in der Anstalt 20 000 Bäder genommen worden.
• * Für Zwecke von Ausgrabungen in der Nähe unserer Stadt hat ein Freund der Altertumsforschung dem Vorstand einen größeren Betrag zur Verfügung gestellt.
Fußwettlaus gegen Radfahrer. Ortßgue, ein französischer Fußwettläufer, will nächsten Sonntag auf dem Sportplatz a. d. Hardt sich produzieren. Er fordert sämtliche Reiter, Rennfahrer und Fußgänger aus, sich mit ihm zu messen.
n. Vilbel, 10. Aug. Auf dem Besitztum von Herrn Fritz Hinkel, Besitzer des Hassia-Mineralbrunnens, wurde ein mächtiger kohlensäurereicher Mineralwasser-Sprudel e r b 0 h r t.
y. Groß-Eichen, 10. August. Gestern fand in der hiesigen Merz'schen Gastwirtschaft der Sängertag des „Ohm-Lumdatal-Sängerbundes" statt. Die Anzahl der erschienenen Abgeordneten und Vereinsmitglieder mochte ca. 50 betragen. Ta sämtliche Bundesvereine Fahnenweihfeste gefeiert haben, so beschloß die Versammlung, von nun ab Sängerfeste zu feiern, die zugleich 25-jährige Stiftungsfeste der betreffenden Vereine sind, von anderen Festen aber abzusehen. Zum schönen Verlauf der Bundesversammlung trug namentlich ein Sängerquartett aus Deckenbach bei.
Laub ach, 10. Aug. Ein hiesiger Kunstjünger, der in München dem Studium obliegt, hat die in der Luftlinie ca. 350 Kilometer betragende Strecke in einem Zeitraum von fünf Tagen zu Fuß zurückgelegt; natürlich mußte er auch die Nächte dazu benutzen, da er täglich etwa 15 Stunden Wegs zurückzulegen hatte. Dies ist gewiß für einen Fußgänger eine recht anerkennenswerte Leistung.
x. Homberg a. O., 10. August. Infolge eines Schlaganfalles verschied plötzlich der hiesige Lehrer der Ober- klasse, Herr Müller. Der Verstorbene erfreute sich einer robusten Gesundheit und befand sich noch im rüstigsten Mannesalter.
§ Nidda, 10. Aug. Ein hiesiger Landwirt machte bei dem Betreten seiner Scheune eine sonderbare Entdeckung. Ein
mit Brennstoffen gefüllter Sack lag in der Tenne und war schon bis zur Hälfte verkohlt. Auf dem Sack stand ein Ge- bund Stroh, dessen Ende nach dem Heustock reichte. Offenbar hat man es hier mit einer mißglückten Brandstiftung zu tun; ein von dem Manne kurz vorher entlaßener Knecht steht im Verdachte.
? Gedern, 10. Aug. Lehrer Hermann gründete vor einigen Tagen einen gemischten Chor, dessen Mitglieder meist dem Bürgerstande angehören.
-h-, Herchenhain, 10. Aug. Das neu erbaute Haus an der Kreisstraße nach Sichenhausen giebt Wohnung für einen Forstwart.
Schotten, 10. Aug. Die Sommerfrische „Post- Häuschen", dem Posthalter und Beigeordneten Th. Cellarius gehörig, ist lt. Schott. Kreisbl. mit sämtlichem Inventar von dem seitherigen Pächter Jean Merz für 25 000 Mk. erworben worden. Herr Merz wird im Herbst das Etablissement aus eigene Rechnung übernehmen.
Darmstadt, 10. Aug. Wie die „D. Z." erfährt, wird am Sonntag, 16. August, die feierliche Grundsteinlegung zu der evangelischen Kirche in Zeltweg in Steiermark stattsinden, zu deren Baufonds die evangelischen Glaubensgenossen im Großherzogtum Hessen in besonderem Maße beigesteuert haben. Die Feier beginnt vormittags 11 Uhr mit einem Festgottesdienst, in dem Senior Kotschy aus Wald die Festpredigt halten wird. — Freundliche Gaben für den Kirchenbau, deren derselbe noch dringend bedarf, bittet man an Herrn Pfarrer Lic. Waitz in Darmstadt ober Herrn Kapitänlentnant a. D. Grill in Bensheim gelangen lassen zu wollen.
Offenbach, 10. Aug. Auf einem Obstrest, den jemand leichtsinnig fortgeworfen hatte, glitt am Sonntag ein junger Mann aus und brach sich beim Fallen den rechten Arm. In einer Droschke wurde er, nachdem ein Arzt einen Notverband angelegt hatte, nach Hause gebracht. (O. Ztg.)
Mainz, 10. Aug. Auf der üblichen Rennstrecke zwischen der Eisenbahnbrücke und Weisenau hielt gestern nachmittag der Freie Deutsche Ruderverband em Wettfahren ab, das mit einem Anfänger-Vierer eröffnet wurde. Hierzu erschienen am Start die Frankfurter „Borussia", die Mainzer „Fortuna" und Frankfurter „Hellas". Das letztgenannte Boot war besetzt von den Herren K. Kurzrock, W. Eckert, W. Frank, M. Straub und wurde gesteuert von Herrn A. Freund. In der Mitte der Strecke etwa fing das Boot bei dem starken Wellenschlag Wasser und begann zu sinken. Von der Badeanstalt rief man ihnen zu, heranzufahren, doch die Bootsinsassen glaubten, die ganze Strecke noch bewältigen zu können. Allein schon nach einigen weiteren Metern ging das Boot unter. Zwei von den Leuten trieben auf die in der Nähe verankerte Baggermaschine zu, wo sie die Frau des Baggermeisters Kerz so lange über Wasser hielt, bis man sie herausholen konnte. Der Baggermeister selbst hatte sofort emen Nachen losgemacht und fischte darin die übrigen drei Leute noch auf. Alle fünf erholten sich nach kurzer Zeit wieder vollständig. Die übrigen Rennen gingen nach dem „Mainz. Tgbl." ohne Unfall und flott von statten.
Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. In Friedberg veranstaltete am Sonntag der Athletenverein ein großes Sommerfest. — In R 0 d - heim v. d. H. wird z. Z. der Turm der großen Kirche, welcher gelegentlich des großen Brandes im September 1901 stark beschädigt wurde, wieder hergestellt. Die. damals vom Feuer zerstörte kleine Kirche ist wieder aufgebaut. Ihre Einweihung findet im Oktober statt.
Vermischtes.
• Die blaue Farbe des Himmels ist eine allbe» kannte Erscheinung, aber über die Ursachen derselben gehen die Ansichten der Forscher auch heute noch sehr auseinander. Der berühmte englische Physiker Lord Rayleigh ist zu dem Ergebnis gekommen, daß das schöne Blau des wolkenfreien
Ein eigenartiges Werk, das sich viel Freunde erobern I wird, bringt der neueste Band der Illustrierten Monogra- phien (Verlag von Velhagen & Klasing; herausgegeben von H. v. Zobeltitz): „Die Landschaft" nennt es sich, und der Verfasser ist der rühmlichst bekannte Münchener Gelehrte Prof. Max Haushofer. Ein rechtes Heimatsbuch ist es in seinen Schilderungen der Beziehungen zwischen Landschaft und Menschheit, in feinem liebevollen Eingehen auf all b’ie Schönheiten, die den Reiz der Landschaft bedingen und sie uns lieb und teuer machen. Das Werden der Landschaft aus Feuersgluten und Wasserfluten schildert das reizvolle Buch- all die Umgestaltungen, die sie erfuhr im Laufe der Jahrtausende, bis der Mensch in ihr Heimatsrecht erwarb und sie nun zum Werkplatz seines Tuns wurde. Lehrreich ist das treffliche, meisterlich geschriebene Buch in mannigfachster Weise; darüber hinaus aber bietet es, auch Dani der ausgezeichneten Illustration, einen ästhetischen Genuß ganz eigener, feinster Art. Wer Auge und Herz für die Landschaft hat, — gleichviel ob Künstler, ob Laie, — wird herzliche Freude an dem Werk haben.
Hermann Bahr: Rezensionen. (Wiener Theater 1901—1903.) S. Fischer, Verlag, Berlin. Geh. 5 Mk. Ein neues Kritiken-Buch von Hermann Bahr ist wohl geeignet, die Aufmerksamkeit aller literarisch Kundigen und Literatur freunde zu erregen. In diesen gesammelten Rezensionen ist soviel theoretische und praktische Aesthettk, daß sie mit großem und unmittelbarem Nutzen gelesen werden dürften. Bahr ist ein glänzender Stilist, ein feiner und begeisterter Kenner aller Regungen der Kunst, und dazu besitzt er eine Klärung, eine Gerechtigkeit, die ihn niemals im Negativen, im Nörgeln und Schmälen @enüge finden läßt, sondern zur positiven Mitarbeit mit Rat und Tat gelangen lassen.
Eine Broschüre von dem Straßburger Prof. Dr. Albert Lang, betitelt Nietzsche und die deutsche Kultur (Köln, I. P. Bachem, 1903, 59 S., 1.20 Mk.) ist soeben in zweiter Auflage erschienen. Der Verfasser greift im ersten Essay iTas Kulturproblem, S. 3—30) aus der ersten Pericve Nietzsches (1868—1878) sein Urteil über die moderne unc speziell über die deutsche Kultur heraus. Diese wird von Viic che schon in seiner ersten philosophischen Schxist auf5 schärfste verurteilt. Prof. £ang untersucht die Gründe der Herden Kritik Nietzschies über die deutsche Kultur und findet sie in deren Grundlagen, dem Intellektua
lismus, Optimismus und Kommunismus. In den entgegengesetzten Extremen sieht daher Nietzsche die Voraussetzungen einer wahren und praktischen Kultur, sodaß er als Bausteine des neuen Kulturgebäudes betrachtet wissen will den Voluntarismus oder die dionysische Kunst und Weisheit, den Pessimismus und aristokratischen Individualismus. Im zweiten Essay (Darwin und Nietzsche, S. 30—59) geht der Verfasser, der seit Tilles gutem Buche „Von Darwin bis Nietzsche" her allgemeiner betannten Verwandtschaft zwischen Darwin und Nietzsche nach und kommt zu dem Schlüsse, daß des letzteren Lehre vom Uebermenschen, und was damit zusammenhängt, sich sehr leicht als logische Schlußfolgerung aus den darwinischen Prinzipien (und einfache umreijrung des Jordanschen Optimismus) ableiten läßt, auf das ethisch^soziale Gebiet übertragen. Im Nachweis hierfür wird zugleich die Lehre vom Uebermensch- tum einer kritischen Beleuchtung unterzogen.
Ueber William Shakespeare schpiillt die Literatur immer mehr an, aber die Aufsätze und Beiträge, die Tr. Max I. Wolff über den großen Engländer veröffentlicht (Leipzig, Hermann Seemann Nachfolger, Preis 3.50 Mark) heben sich wegen des umfasseiiden lieb er Miete 3, den sie geben, daraus empor. Tr. Wolff weiß die Persönlichf- teit Shakespeares klar und plastisch hinzustellen, und auch die bedeutungsvollen Etappen, in denen seine Dramen und Sonette entstanden, insbesondere auch durch reiche Vergleiche mit anderen kongenialen Geistern, klar herauszuarbeiten. Ter Shakespeare-Gemeinde hat der Verfasser mit seinem Buch ein neues vorzügliches Werk über ihren Helden geschenkt.
„Al olochEhre — ein freies Wort gegen das Duellunwesen". Von Curt Müller. Verlag von Paul Waetzel, Freiburg i. Br. Die Duellgegner werden an dem Wertchen ihre Freude haben. Es giebt für das Duell keinen .Grund — das ist das Ergebnis der Untersuchungen des Verfassers. Das Heftchen ist zum Preise von 1 Mk. durch jede Buchhandlung zu beziehen.
Zu den hervorragenden Erscheinungen auf dem Gebiete sozialpolitischer Fachliteratur gesellt sich das von den Kaiserlichen Expedierenden Sekretären im Reichsversicherungsamt Ernst Funke und Walter Hering verfaßte Werk- ch.en: „D i e reichsgesetzliche Ar b e i t er v e r s i ch er - ung (Kranken-, Unfall- und Invalidenversicherung)", dessen, zweite, das 6. bis 15. Tausend umfassende Auflage (138
Seiten Oktav, Preis 60 Pfg.) im Verlage von Franz Vahlen in Berlin W. 8, Mohrenstraße 13/14, erschienen ist. Diejes Schristchen will den weitesten Schichten des Volkes ein klares und anschauliches Bild von den Arbeiterversicherungsgesetzen geben, insbesondere die Versicherten darüber belehren, welche Rechte ihnen die Kranken-, Unfall- und Invalidenversicherung bieten, und wie sie gegebenenfalls ihre Rechte zu verfolgen haben. Es behandelt auf allen drei Gebieten der Arbeiterversicherung den Kreis der Versicherten, ihre Ansprüche, die Verfolgung der Ansprüche und die Kosten des Verfahrens nach dem neuesten Stande der Ge-- setzgebung und Rechtsprechung (die vorliegende Auflage berücksichtigt auch die neueste Novelle zum Krankenversicherungsgesetze vom 25. Mai 1903). Das Werk wird si chgewih nicht nur in den Kreisen der Versicherten, sondern auch bei Behörden, Ausführungsorganen, Auskunftsstellen, unter den Beamten, Aerzten, Rechtsanwälten, Geistlichen, Lehrern, Arbeitervertretern, immer weitere Freunde erwerben. Alle Arbeitgeber, welchen daran gelegen ist, daß das Friedenswerk sozialpolitischer Gesetzgebung zur vollen Würdigung und Betätigung gelangt, und daß die Ansprüche ihrer Arbeiter nicht an deren Gesetzesuntenntnis scheitern, sollten dafür Sorge tragen, daß das Werkchen ihrem Betriebspersonale zugänglich gemacht wird.
Max Klingers mächtige Künstlerpersönlichkeit kann heute der größte Stolz des künstlerischen Deutschland genannt werden. Klingers Schaffen hat mit der Vollendung des Beethoven einen Höhepunkt und eine Abgeschlossenheit erreicht, die es rechtfertigen, daß seine Künstlerbiographie: geschrieben wurde. Lothar Br i e g e r-Wa s s e r v 0 gel unterzieht sich in seinem Klingerbuche dieser Aufgabe auf die selbständigste Weise. (Band 12 der Sammlung „Männer der Zeit", Verlag Hermann Seemann Nachfolger, Leipzig, Preis 3 Mk.) Sein Werk überrafcht durch Mt Vielseitigkeit der Ausblicke in alle Gebiete geistig.n cü;affend um) läßt eine bedeutende ästhetische Schulung v.ao ein tiefes Eiiidringen in die philosophische und künstler.'che Gedankenwelt des Meisters von Plagwitz erkennen. Die dem Andenken Hermann Gramms gewidmete Biographie ist go eignet, die allgemeine Bmounoeeung, die dem großen Zeitgenossen gezollt wird, auch iu<., mir dem intimen Verstand nis für [eine Schöpfungen zu erfüllen und damit einer echten Kennerschaft für Klinger den Weg zu bahnen.


