- Oessentliche Lesehalle. Im Juli wurden 1804 Bände auSgeliehen. Es fommen aus: erzählende Literatur 869, Zeitschriften 342, Iugendschristen 204, Literaturgeschichte 28, VerSdlchtungen 37, Länder- und Völkerkunde 64, Kultur- geschlchte 23, Geschichte und Biographien 66, Kunstgeschichte 10, Naturwissenschaft, Technologie 105, Seewesen 19, Gesund- heitslehrc 6, Philosophie und Religion 12, Sprachwissenschaft 8, Fremdsprachliches 9 Bände. Nach auswärts kamen 39 Bände. — Wegen notwendiger Reparaturen bleibt Lesesaal und BücherauSgabe vom 8. bis voraussichtlich 24. August geschlossen. .
*• Den neuesten Scherz erlaubt sich die Biebertal- oahn. Sie verausgabt an Militärperjonen Hundebillets, die genau soviel kosten, wie die Fahrkarte für eine Militärperlon, nämlich 10 Pfg. Eine solche Fahrkarte wird uns von einem Soldaten überbracht mit dem Bemerken, daß er gestern damit gefahren sei, weil die Militärbillets vergriffen waren und xreue erst wieder beschafft werden müssen.
•• Keine Fleischwaren mitbringenl Eine große Enttäuschung erfahren, wie die „Allg. Fl.-Ztg." mitteüt, viele Kurgäste, die jetzt aus den ausländischen Badern, namentlich den böhmischen, zurückkehren und glauben, biqc Gelegenheit zum Mitbringen von Schinken und Wurst benutzen zu sollen. DaS reisende Publikum weiß meistens nicht, daß die Einfuhrverhältnisse für Fleischwaren seit Inkrafttreten deS Fleischbeschaugesetzes sich völlig geändert haben. Schinken werden von den Grenzbeamten angehalten und erst, nachdem sie vorschriftsmäßig untersucht sind, mit der Post den Besitzern nachgesandt. Dadurch entstehen erstens erhebliche Kosten und dann wird auch die Qualität der Schinken dadurch, daß diese zum Zwecke der Untersuchung in der jetzigen Jahreszeit einige Tage an der Grenze verbleiben, sicher ungünstig beeinflußt. Würste aber einzuführen, ist nach den neuen gesetzlichen 93c- stimmungen überhaupt verboten. Ihre Einfuhr wird also unter keinen Umständen gestattet und man kann infolgedessen z.B. in der sächsisch-böhmischen Grenzstadt Voitersreuth jetzt täglich beobachten, wie dort auf böhmischer Seite Würste, die an der deutschen Grenze zurückgewiesen wurden, zur Versteigerung gelangen. Das reisende Publikum wird daher gut tun, das Mitbringen von Wurst- und Fleischwaren aus dem AuSlande zu unterlassen.
a. Lollar, 10. Aug. Zum hiesigen Sprechverkehr wurde vom 8. d. MtS. ab Hirzenhain zugelassen. Die Gebühr für ein Gespräch von 3 Minuten beträgt 50 Pfg.
m. UdenHausen, 9. Aug. Die in der Nacht vom 23. aus 24. Juni d. IS., wie seinerzeit von uns gemeldet, einem hiesigen Einwohner von der Bleiche gestohlenen 6 Stück Seinen im Werte von ca. 120 Mk. sind gestern nachmittag beim Schneiden deS Kornes in einem dem Tatort benachbarten Kornacker versteckt aufgefunden worden. Das Tuch hat durch die Feuchtigkeit etwas gelitten, dürste aber im großen und ganzen noch brauchbar fein. Die anjängliche Vermutung, daß es sich hierbei nicht um einen Diebstahl, sondern um einen Racheakt oder auch einen rohen Schabernack handele, dürfte nun ihre Bestätigung gefunden haben.
§ Butzbach, 9. Aug. Die von einer Anzahl Freunde und Förderer zeitgemäßer Wohnungsreform hier vor mehreren Wochen angeregte Gründung eines gemeinnützigen BauvereinS ist nun erfolgt. Er wird als Gesellschaft mit beschränkter Haftung demnächst bei dem Amtsgericht eingetragen werden und zählt 36 Mitglieder; dem Aufsichtsrate gehören 6 und dem Vorstande 3 Gesellschafter an. — Der hiesige Frauenchor unternahm heute mittag einen vom Wetter begünstigten Ausflug nach dem idillischen Münster im Jseltale. — Nächsten Sonntag wird in dem nahen Oppershofen bas herkömmliche Kirchweihfest gefeiert.
Bad-Nauheim, 9. Aug. Folgende Unterhaltungen werden in dieser Woche stattfinden: Dienstag nachm. und abends Konzert der Kurkapelle; abends „Im bunten Rock". — Mittwoch nachm. und abends Konzert der Kapelle des 8. Westpr. Jnf.-Regts. Nr. 172 aus Grandenz; abends Symphonie-Konzert der Kurkapelle unter solistischer Mitwirkung des ungarischen Violinisten Mr. Kalman K. Roth-Ronay. — Donnerstag nachm. und abends Konzert der Kurkapelle. Bei gutem Wetter Lanipionbeleuchtung der Terrasse; abends Tanz. — Freitag nachm. und abends Konzert der Kurkapelle; abends unter Mitwirkung der Kurkapelle: „Die Fledermaus". — Samstag nachm. und Abends Konzert der Kurkapelle; abends: „Der Hochzeitstag". — Sonntag Konzert der Kurkapelle mit Einlagen des Kasseler Waldhorn- Quartetts.
A Heldenbergen (Wetterau), 9. August. Sein 40- jähriges Amtsjubiläum begeht am 19. August der hiesige israelitische Religionslehrer Leopold Wertheimer, welcher seine ganze Dienstzeit in unserem Orte verbracht hat. Er ist seit Jahren Vorsitzender des israelitischen Lehrervereins im Großherzogtum Hessen, steht anfangs der 60 er Jahre und erfreut sich bester Rüstigkeit.
y. Aus Oberhessen, 9. Aug. Im Herbste vorigen and im Frühjahr dieses Jahres konnte man zur Zeit der Jagdverpachtungen aus vielen Orten in den Zeitungen die Notiz lesen, daß die Jagden durchgehends teurer verpachtet worden seien und zwar meistens an auswärtige Herren aus der Stadt. Im Interesse des Gemeindesäckels war dies ja eine recht erfteuliche Tatsache. Nun hat aber jedes Ding zwei Seiten und die schlechte kommt meist hinten nach. Wohl in keinem Jahre hat der Bauer so viel Wildschaden namentlich durch Hoch- und Rehwild gehabt als gerade jetzt; das merkt er nun so recht bei der Ernte, wo er die Lagerplätze des Wildes und die lichten Stellen in seinen Fruchtäckern, die in der Nähe des Waldes liegen, findet. Der Bauernjäger von früher war darauf aus, zum mindesten seinen Pachtpreis auf seiner Jagd heranszuschießen und wenn möglich auch noch etwas dabei herauszuschlagen. Dagegen sind die jetzigen Pächter, die reichen Herren aus der Stadt, zunächst nur darauf aus, einen möglichst guten Wildstand zu erzielen. Wohl mag ein solches Jagen waidgerechter und edler sein; ein Vorteil für unsere Landwirte ist es sicher nicht, zumal ba s Regeln der Ansprüche aus Wildschadenersatz immer eine recht schwierige Sache ist.
Darmstadt, 8. Aug. Von der Ministcrialabteilung für Landwirtschaft, Handel und Gewerbe waren am 5. l. M. die sämtlichen Gewerbe-Aussichtsbeamten des Groß Herzogtums zu einer Konferenz berufen worden, die außer zahlreichen anderen Angelegenheiten wesentlich der
Ausführung des ReichSgcsetzeS über die Kinderarbeiten in gewerblichen Betrieben und der Frage der Ausdehnung deS Bauarbeiterschutzes galt. Der Beratung deS erstgenannten Gegenstandes wohnte auch der Vorsitzende der Abteilung für Schulangelegenheiten bei. In einer weiteren Beratung am gleichen Tage wurden mit den Gewerbeinspektoren der Aufsichtsbezirke Gießen und Offenbach, sowie Vertretern der beteiligten Arbeiterkreise zwei im Reichsamt des Innern ausgearbeitete Entwürfe und Vorschriften zum Schutze der Zigarrenarbeiter erörtert.
[ ] Marburg, 9. Aug. Seit gestern feiern die Em- wohner unserer Vorstadt Weidenhausen ihr historisches Grabenfest und zugleich das 100jährige Bestehen des Weidenhäuser Wassergrabens, durch dessen Anlage im An- änge des vorigen Jahrhunderts eine große sumpfige Wüste in ein fruchtbares Gartenland umgeschaffen und den Weiden- siäuser Bürgern, der sogen. Erlengraben-Gesellschaft, als erbliches Eigentum überwiesen wurde. — Zwecks Vollendung der historischen Wandmalereien in der Universitätsaula ist der Schöpfer der Gemälde, Kunstakademie-Direktor Professor Janssen au§ Düsseldorf, sowie Professor Schill von dort und Maler Osten aus Köln hier eingetroffen.
Hrste Kießener Ziegenschau.
Die am Samstagvormittag auf unserem Viehmarkt platz jensetts der Lahn abgehaltene erste öffentliche Veranstaltung des Ziegenzucht-Vereins für Gießen und Umgegend gewährte ein schönes Bild der Leistungsfähigkeit der Mitglieder dieses Vereins auf dem Gebiet der Zucht, Haltung und Pflege von Ziegen, dieser volkswirtschaftlich besonders für den kleinen Mann überaus wichtigen Milchtiere. Es si.nd noch keine 5 Jahre her, da wollte man in denjenigen Kreisen, welche besonders berufen erscheinen,,die andwirtschaftliche Prodtlktion aus allen Gebieten zu fördern, nicht daran glauben, daß es möglich sein würde, der Ziegenzucht in Oberhessen einen Aufschwung zu geben. Erfreulich ist nun die Tatsache, daß die überall bei uns entstandenen Spezialvereine bahnbrecheno gewirkt haben. Zwar werdet! immer noch alljährlich durch den landwirlschastlichen Provinzialverein eine größere Anzahl Schweizer Ziegen 6efi uns eingesührt, aber die Gießener Schau beweist, daß die Zeit nicht mehr fern ist, wo man des eingesührten Materials für Zuchtzwecke in dem bisherigen Umfange entbehren kann, wo mau für Zuchtzwecke ausgezeichnete Tiere im Lande genug haben wird. Immerhin inuß auf dem Gebiete noch erheblich mehr geleistet werden; besonders für die Ausdehnung der Ziegenhaltung sollte von Staats wegen noch mehr geschehen, denn keines unserer Haustiere ist so berufen, den Wohlstand der arbeitenden Bevölkerung in Stadt und Land heben zu helfen, als dies die Ziege vermag. Wer am Samstagvormitlag Gelegenheit hatte, die etwa 120 Ziegen jenseits der Lal)n zu betrachten, muß gestehen, daß ganz vorzügliches Zuchtmaterial in Menge darunter war. Die Zahl der Besucher der Ausstellung war, obwohl fast so gut wie gar keine Reklame gemacht worden war, recht groß. Erfreulich ist die Tatsache, daß eine große Anzahl der Stadtverordneten durch längeres Verwetten ihr Interesse für die Ziegenhaltung an den Tag legten. Der Hauptzweck der Vorführung der Ziegen war, eine Musterung, abzuhalten, um zu sehen, was man als Bestes auf die große landwirtschaftliche Ausstellung im September bringen könne und um sich auch einmal ein klares Bttd über das tatsächlich in unserer Stadt vorhandene Material für Zuchtzwecke machen zu können. Bei der stattgehabten Prämiierung erhielten folgende Besitzer von Ziegen in nachjbenannten Klassen Auszeichnungen: Klasse 1 (Tiere, welche mehr als einmal gelammt haben): Ehr. Rebe 1. Preis, Aug. Nöding 2. Pr., Karl Neuling 2. Pr., Conrad Rübsamen 2. Pr., Georg Schäfer 3. Pr., Hrch. Rabenau 3. Pr., Gg. Schubecker 3. Pr.; Anerkennungen erhielten in dieser Klasse: Gg. Friedrich- Balth. Weber und PH. Biebricher. — Klasse 2 (Jährlinge, Ziegen, die einmal gelammt haben): Conrad Mbsamen 1. Pr., Hrch. Müller 2. Pr., Karl Renting 2. Pr., Jean Weisel 3. Pr., Wilh. Denner 3. Pr., Georg Schläfer 3. Pr. — Klasse 3 (Zeit- ziegen, die noch nicht gelammt haben): Ehr. Rebe 1. Pr., Gg. Schubecker 2. Pr., Joh. Vogel 3. Pr. — Klasse 4 (Ziegenlämmer): Joh. Vogel 1. Pr., Aug. Nöding 2. Pr., Karl Neuling 2. Pr., Herrn. Weisel 3. Pr., Gg. Schubecker 3. Pr., LouiS Stroh 4. Pr. Anerkennungen: Hch^ Stichler und Hch Nabenau. — Klasse 5 (Bocklämmer): Aug. Nöding 1. und Ehrenpreis, Adam Beinborn 2. Pr., Kart Neuling 3. Pr., I. Vogel 4. Pr.; Anerkennungen: Beruh. Weidenhaus und Georg Schäfer. Einen Ehrenpreis für die beste ausgestellte Kollektion Ziegen erhielt Ehr. Nebe bei sehr scharfer Konkurrenz. Es war den Preisrichtern schwer, zu entscheiden, zwischen der Kollektion von Karl Neuling uno der des Chr. Nebe, welche beide hervorragend schöne Tiere vorführten. — Diese wohlgelungene und interessante Veranstaltung sollte alljährlich wiederholt und zu einem Markt ausgestaltet werden. Bemerken wollen wir noch daß die Preise in nützlichen Gegenständen bestanden; zu empfehlen wäre allerdings, statt dessen Geldpreise zu gewähren. Erhielt doch einer der Aussteller lauter GebrauchSgegenstände, welche er alle in seiner Wirtschaft bereits hat, was selbstverständlich bei der anwesenden Ehefrau Mißbehagen erregte.
Vermischtes.
* Wer ist grausam und blutdürstig? Der „Frks. Ztg." schried man: Dieser Tage besuchte ich den Zoologischen Garten in L. Zahlreiches Publikum stand vor dem Lvwentäfig und bewunderte den König der Tiere. Dieser lag ausgestreckt, das mächtige Haupt auf die Vordertatzen gelegt, und musterte mit weltverachtendem Philosophenblick die ihn anstaunenden Menschlein. Plötzlich erscholl eine Kinderstimme: „Mama, lug da, a Mäusle!" Aller Augen folgten dem Fingerzeig des Kindes und siehe da, ein Mäuslein war in der Tat hervorgekrochen, und näherte sich, von Zeit zu Zeit schnuppernd um sich äugend mit raschem Trippelschritt dem riesigen Raubtier. Es lie auf die Vordertatzen zu, zwei Finger breit von diesen entfernt, machte es Halt und schnupperte uni sich. Atemlose Stille. Jetzt kriecht cs die erste Tatze hinaus. Der Löwe macht eine ruckartige Bewegung mit dem Kops und heftet einen durchdringenden Blick aus das kühne, winzige Tierchen. Die Maus hält inne und schnuppert zu den großen Augen des Löwen aus. Dann springt sie herab mitten zwischen beide Tatzen, auf die zweite hinaus, diese wieder hinab uub schnuppert an einem Knochen, der von des Löwen Mahlzeit übrig geblieben war. Dieser, der bis dahin mit Kops uno Auge jeder Bewegung des Müschens gefolgt war, u.mutt keine weitere Notiz von ihm, sondern mustert wiedct mit alter überlegener Würde das atemlos wartende Publitum. Das Mäuschen aber hält reichliche Mahlzeit von den Resten der Löwen-Mahlzett, dann trippelt es
weiter, kriecht durch das starke Gitter an den Rand deS Käfigs und schnuppert, Männchen machend, in die nunmehr lebendig gewordene Menschenmenge. Ahnungslos verlaßt es den Käsig. Kaum aber war es in den Bereich der Menschheit gelangt, als diese mit Stöcken und Steinen unter Johlen und Schreien seinem vertrauensvollen schuldlosen Leben ein Ende machte. Der Löwe, durch den Lärm aus seiner philosophischen Beschaulichkeit aufgeweckt, ließ ein verhaltenes Knurren vernehmen und streckte sich verachtend zur Seite. Ich aber ging bestürzt und beschämt von bannen unb fragte mich: W o ist das Raubtier?
* Das Fcstwesen in der Schweiz. Die großen und kleinen Festlichkeiten in der Schweiz erreichen das Jahr durch eine unheimliche Zahl. Schon wiederholt ist eine Ein- chränkung verlangt und darauf hingewiesen worden, daß die vielen Feste eine schwere ethische und wirtschaftliche Schädigung aller Schichten der Bevölkerung zur Folge haben müßten. Die Schweizerische Gemeinnützige Gesellschaft Hai nun die ersten Schritte getan, um gegen die „Festseuche" ins Feld zu ziehen. Zur Unterstützung ihrer Bestrebungen hat ie sich zunächst an die kantonalen Regierungen gewandt. Sie macht geltend, daß durch die von Jahr zu Jahr sich häufenden Feste, die meistens durch Spekulation veranlaßt seien und denen kein idealer Zweck und kein höherer Gedanke zugrunde liege, Geld und Zeit nutzlos verschwendet werden. Der Kampf geht nicht gegen die in größeren Zwischenräumen wieder- ehrenden nationalen und kantonalen Feste und auch nicht gegen die beruflichen künstlerischen und wissenschaftlichen Vereinigungen, sondern gegen das Uebermaß der kleineren Feste der vielen kleinen Vereine in den Bezirken und in den Gemeinden. Die Eingabe an die Regierungen beklagt, daß auch ür die kleinen Feste vielfach die finanzielle und moralische Unterstützung der Behörden beansprucht und gewahrt werde. Diese möchten daher mit niaterieller und persönlicher Unter» tützung der kleinen Vereinsfeste zurückhalten, wodurch zweifel- los eine ernüchternde und vorbeugende Wirkung gegen die ungesunde Festinitiative erreicht würde. Die Schweizerische Gemeinnützige Gesellschaft wünscht von den Kantonregierungen, älls sie deren Zustimmung finde, daß den Bezirks- und Gemeindebehörden die Befolgung der Anregung nahegelegt werde. Die Regierung des Kantons Zürich hat sich bereits vernehmen lassen. Sie erklärt ihre lebhafte Sympathie und ihr volles Einverständnis mit den Bestrebungen auf Eindämmung des überhandnehmenden schädlichen Vereins-Fest- wesens. Seit langer Zeit habe die Züricher Regierung derartige Festlichkeiten weder finanziell noch anderweitig unter» tützt, ebensowenig die Bezirksbehörden. Die Regierung müsse es aber ablehnen, eine amtliche Kundgebung an die Bezirksund Gemeindebehörden zu erlassen, weil einem solchen Erlaß leicht der Charakter eines der heutigen Zeit ungewohnten Sittenmandates beigelegt werden könnte. Die Regierung giebt der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft den Rat, unter Mitwirkung der gemeinnützigen Gesellschaften in den Kantonen und Bezirken kräftig und nachhaltig auf die aus dem übermäßigen Festwcsen entstehenden wirtschaftlichen und ethischen Schäden hinzuweisen und zu ernstlicher Zurückhaltung zu mahnen.
* Felsenmalereien in per Sa Hara. Uebereine ehr bemerkenswerte Entdeckung von Felsenmalereien in Afrika wird in einem Briefe berichtet, den Gautier, der Gelehrte, der den Kommandanten Laperrine bis Jn-Zize im Herzen der Sahara begleitete, an dre „Annales de Gepgra- phie" gerichjtet bat. „Eine ziemlich unerwartete Entdeckung war, daß der Mouydir unb besonders der Ahnet ein interessantes Feld für archäologische Entdeckungen sind. Der Ahnet ist mit Felsenmalereien in unglaublicher Fülle illustriert. Alle diese großen Felsenklippen von pechschwarzem devonischen Sandstern sind vom Gipfel bis zur Basis tätowiert. Ich habe, f=o gut es ging, die meisten abgezeichnet und photographiert; es sind genau genommen mehr Zeichf- nungen durch Wegnahme der Patina. Viele sind gut gelungen. Sie stellen Tiere dar, darunter einige, die schon aus dem Lande versch>wunden sind, wie die Giraffe, den Strauß, den Eber. Im ganzen ist jedoch diese Felsenfauna ziemlich aktuell, Ziegen, Hunde, Schafe; zu bemerken ist die Abwesenheit des Elefanten, des Äihinozeros, des Bubalus An- tiquus, die häufig mehr im Norden, im Atlas gefunden werden. Die menschliche Gestalt ifl auf zwei verschiedene Arten bargeftellt: bald ist es ein völlig nackter Fußgänger, der einen runden Schjild trägt, bald ist es ein bekleideter Kamelreiter; der Fußgänger und der Kamelreiter stehen häufig gegeneinander und scheinen miteinander zu kämpfen. Das alles erinnert in seiner Art an die Zeichnungen von Süd-Oran und Marokko; aber sie scheinen jünger zu sein, jedenfalls aus späterer ^eit als dem siebenten Jahrhundert, b. h. nach der Einführung des Kamels in berberischen Länbern. Man möchte annehmen, baß diese Felsenbarstellungen von Süd-Oran und von Ahnet Zeuge für das andauernde Zurückgedrängtwerben einer Rasse sind. Man müßte sie genauer studieren, sie vollständig sammeln und sich in den unzähligen Inschriften zurechtfinden lönnen, die dazugeschrieben sind; man kennt die gewöhnliche Bedeutungslosigkeit dieser Sgraffiti. Gleichilvohl können sich einige auf die Bilder beziehen, und der Vergleich beider kann einige Aufklärungen geben. UebrigenS sind das nicht die einzigen archäologischen Denkmäler. Es giebt auch Einzäunungen von Steinen, streng kreisförmig gehalten, die interessant zu durchsuchen sein müßten. Sie haben sicher nichts mit der gegenwärtigen Generation gemein."
* Papier eigarren. Das Papier hat bereits die mannigfachste Verwendung gesunden; matt hat es zur Herstellung von Waggonrädern, von Häusern, von Booten usw. benutzt, aber man hat bisher noch nichts davon gehört, daß es auch zur — Fabrikation der Cigarren dienen kann. Wie ein Pariser Blatt berichtet, erzielt eine Fabrik in Newyork beträchtliche Gewinne, indem sie ein besonderes Papier für die Zigarren herstellt. DaS Verfahren, durch, das diese neuartigen Blätter gewonnen werden, wird folgendermaßen beschrieben: Miau taucht Papierblätter in Bottiche, die mit Tabaksaft, der von der Zubereitung deS gewöhnlichen Tabaks herrührt, gefüllt sind; dann bringt man sie in Pressen, die sie in Form gewöhnlicher Blätter schneiden, luobei sie zugleich Gewebe eindrucken, die zur Vervollstanoigung der Illusion dienen sollen. Nur die Rippe fehlt diesen künstlichen Blättern, was übrigens eine wirtliche Ueberlegenheit über die natürlichen Blätter bedeutet. Und was das Merkwürdigste ist, diese Cigarren sind von den Liebhabern gc^ raucht und für — ausgezeichnet erklärt worden.
Unbegreiflich,
ess er, Sonunerwrosseu und jon|t unreine Hanl noch entstellen laßt während doch Obermeyer.s Herba-Seile garantiert sichere Hil> dagegen bringt. Z. h. i. all. Apoth.. Drog. u. Pars. 5956


