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10.8.1903 Zweites Blatt
 
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Zweites Blatt.

Montag 10-Anglist 1903

Giehener Anzeiger

VezugspretSr

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monatl

General-Anzeiger

153 Jahrgang

Nr. 185

Srschet«! täglich außer Sonntags.

Dem Gießener Anzeiger werden Im Wechsel mit dem KeMschen Landwirt die Gießener Familien. Matter viermal in der Woche beigelegt.

Rotationsdruck u. Ver­lag der Brüh lachen Unweri^Buch-u.Stein- druckerer (Pretsch Erbens Redaktion, Expedition

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Vrrantworrltch Mr den poltt und allgem. Teil: P. ötttto: für .Stadl und Vanö* und .GerlchtLsaalE; August Götz; Mr den An- -eiqentetl: Han« Beck.

HWr- Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

VoMische Wochenschau.

Gießen, 10. August.

Tas Konklave ist so früh zu Ende gegangen, als man nur wünschen konnte; der Papst ist gewählt. Der heiße Kampf der Kurienkardinäle um den Stuhl Petri hat das Ergebnis gehabt, daß sie einen Männ gewählt haben, von dem sie selbst wenig wissen. Pius X., aus den einfachsten Verhältnissen hervorgegangen, hat seither eine Laufbahn verfolgt ganz abseits von der Politik des Vatikans. Mrd er nun, auf so hohen Play erhoben, wie so viel frühere Päpste, sich von seinem bisherigen stillen Priesterleben ab- wenden und ein Kämpfer, ein politischer Papst werden? Man sagst, daß er hoch begabt sei. Ader er ist ungeübt in diplomatischen Künsten, und darum ist es nicht ausge­schlossen, daß er aus purerFrömmigkeit" in die Hände der kirchlichenScharfmacher" gerät. Er hat indessen in diesen Tagen schon beim Empfang der Diplomaten, Worte des Friedens gesprochen. Und seine Haltung zur italieni­schen Regierung war bis jetzt nicht feindlich.

Wir Deutsche können mit der Wahl zufrieden sein. Pius ist, soviel steht fest, kein Gleichgesinnter Rampollas. Gestern fand seine Krönung statt, und wenn wir heute die zahl­reichen Meldungen von dem Gepränge und dem Aufwand dieser Feierlichkeit entgegennehmen, so geschieht es mit dem Interesse des zuschauenden Unbeteiligten. Die amtliche Rordd. Allg. Ztg." brachte am Samstag anläßlich der Krön­ung einen Glückwunschartikel in herzlichen Worten. Es steht darin, daß man hoffen wolle, die Persönlichkeit des neuen Papstes bilde eine Bürgschaft für die Erwiderung der ver­trauensvollen Gesinnung, mit der sich die deutschen Katho­liken ihrem höchsten Bischof zuwendeten. Die WahlPius X. habe die leitenden deutschen Kreise mit besonderer Befriedig­ung erfüllt, und es möge dem neuen Papste ein langes, gesegnetes, friedliches Pontifikat beschieden sein.

In unserem deutschen Vaterlande ist man besorgt dar­über, daß in der letzten Zeit große Bevölkerungsrreise vom Unglück heimgesucht worden sind. Das Hochwasser in Schlesien hat große Verheerungen und großes Elend ungerichtet. Die Minister sind im Überschwemmungsgebiet gewesen und haben Anordnungen zur Abhilfe getroffen. Auch die Kaiserin hat sich der Unglücklichen angenommen. lieber den nach der Ankunft des Kaisers von ferner Nord­landsreise bevorstehenden Kronrat wurde in den Müttern viel orakelt. Man! will wissen, über dem Ministerium schwebe Unheil. Mein das scheint ungerechtfertigtes Gerede zu sein. Es wird sich in diesem Kronrat wohl einzig und allein darum handeln, welche Maßnahmen zum Besten der durch das Hochwasser geschädigten Landesüile unternom­men werden sollen.

Eine recht unheimliche Nachricht ist aus dem Ruhr­gebiet gekommen. In erschreckender Weise ist die Wurm- krankheit unter den Bergarbeitern ausgebrochen. Nun scheint diese entsetzliche Seuche auch nach Oberschlesien ein­geschleppt worden zu sein, da dort auch Erkrankungen fest­gestellt worden sind. Gestern fanden, wie wir schon am Samstag berichteten, im Ruhrgebiet 28 Bergarbeiterver­sammlungen statt, um über die durch die Krankheit ge­schaffene Lage zu beraten. Um dem durch die Seuche ent­standenen Elend abzuhelfen, bedarf es nicht erst der Klagen und Anschuldigungen des vorwärts" und anderer sozial­demokratischer Blätter, die schon gleich das traurige Er­eignis als ein Zerbrechen an der Arbeiterschaft" hin- stellen. Hier wird niemand die Hände in den Schoß legen, um der Seuche ent^eaenzutreten.

In Oesterreilp-Ungarn hatte man auch eine Ge­legenheit, die leidige Bestechungsaffäre, wahrge­nommen, um gegen einzelne Persönlichkeiten der Regier­ung vorzugehen. Das Ergebnis der Untersuchung ist nun aber schließlich, daß der Ministerpräsident Graf Khuen zwar nicht vollkommen unschuldig, daß aber der von der Oppo­sition versuchte Schuldbeweis ziemliche mißlungen ist. Da­gegen sind einzelne Mitglieder der Opposition selbst durch, den Verlauf der Untersuchung sehr kompromittiert wor­den. Einige haben tatsächlich Bestechungsgelder angenom­men. Ob nun Graf Khuens Demission bevorsteht, ist noch ungewiß. Heute, Montag, sind indesien Meldungen ein- aelaufen, die den Abgang des Ministers in sichere Aus­sicht stellen.

Gehen wir von Ungarn etwas weiter nach Osten, so sehen wir dort auch Kämpfe und Unruhen. Die macedo- nischen Aufstände stehen wieder einmal auf der Tages­ordnung. Europa kann diesen Ereignissen gegenüber sich ganz gleichgiltig verhalten; die Türkei wird mit den Auf­ständischen fertig werden; sie hat bis jetzt schon mit fester Hand und erfolgreich zugefaßt. Diese Macedonier können beute nicht mehr sagen:Dom Jovo ist eine Kuh ge­stohlen worden; was wird Europa dazu sagen?" Wem es 'heute in Makedonien gelüstet, sich von den Türken tot­schießen zu lassen, der tut es auf eigene Faust.

Nach Rußland werden sich in den nächsten Wochen unsere Blicke manchmal richten, denn in Petersburg haben die Verhandlungen über den neuen deutsch-russischen Han­delsvertrag eingesetzt. Es wird interessant sein, zu ver­folgen, wie unser neuer Zolltarif von den Russen ausge­nommen wird.- Auch in der Schweiz beginnen Verhand­lungen über den Handelsvertrag.

Der deutsche Reichstag wird zwar bei seinem Zu- sammentritt kaum schon fertige Handelsvertragsentwürfe vorfinden. Aber an Stoff zu Erörterungen wird es wahr­scheinlich nicht fehlen. Es wird sich zeigen, ob die Sozial­demokraten einen Sitz im Reichstagspräsidium beanspruchen wollen, es wird vielleicht die Hochwasser-Begebenheit er­örtert werden u. a. m. Vielleicht verliert man dann auch moch ein Wort über denFall Giesebrecht", den wir seither im unseren Spalten noch nicht erörtert haben, weil es sich

tatsächlich nicht lohnt. Nur die Sozialdemokratie, keine andere Partei, hat sich über diesen Fall hergemacht, weil sie sich, davon ein willkommenes Agitationsmittel verspricht. Dr. Giesebrecht hat aber sonst keinen Stein ins Rollen gebracht, und das Reichstagswahlrecht bleibt unange­tastet.

Nolitische Tagesschau.

Ein Aufruf zu Gunsten der durch Hochwasser Geschädigten.

Das Reichskomitee zu Gunsten der durch Hochwasser Geschädigten (Vorsitzender Staatssekretär Graf Posadowsky) erließ einen Aufruf, worin auf die schweren Hochwasser­schäden dieses Jahres hingewiesen und die Privatwohl­tätigkeit zur Mithilfe aufgefordert wird. Es heißt in dem Aufruf:Zahlreiche Familien sehen den Erfolg ihres Fleißes verloren; die Ernte ist an vielen Orten völlig vernichtet, die Aecker sind verschlämmt und verwüstet, die Häuser zerstört, das ganze wirtschaftliche Leben in den überfluteten Gegenden ist ins Stocken geraten. Mit schweren Sorgen sehen Tausende in die Zukunft. Schnelle Hilfe tut not. Die Staatsregierung hat bereits erhebliche Mittel zur Verfügung gestellt, um den drohenden unglücklichen Folgen der Ueberschwemmung, vor allem dem Ausbruch von Seuchen zu begegnen und die zerstörten öffentlichen Anlagen wieder herzustellen. Große und umfassende Auf­gaben bleiben aber der privaten Wohltätigkeit. Die Kräfte der durch. das Unglück der Hochwasserfiut betroffenen Pro­vinzen reichen dazu nicht hin. Die Unterzeichneten rufen daher, die Deutschen aus allen Gauen unseres Vaterlandes und im Auslande auf, schnell und reichlich zu helfen. In engem Zusammenschluß mit den Provinzialkomitees in den geschädigten Provinzen werden wir Sorge tragen, daß die uns anvertraute Gaben fachgemäße Verwendung finden. Wir bitten, daß sich an recht vielen Orten Hilfskomitees bilden, die wir ersuchen, mit uns in Verbindung zu treten. Alle Geldsendungen bitten wir einzuzahlen an die Deutsche Bank, Depositen kas.se A zu Berlin, Mauerstraße, auf das Konto: Reichskomitee zu Gunsten der durch Hochwasser Geschädigten."

Das neue preußische Wohnnngsgesetz.

Der Entwurf eines neuen Wohnungsgesetzes für Preu­ßen ist den Regierungspräsidenten und Gemeinden zur Be­gutachtung vorgelegt worden und hat im allgemeinen die Zustimmung dieser Faktoren gefunden; doch werden Aen- derungen noch vorgenommen werden. Mm den vier Haupt- gebieten des neuen Entwurfs dürften die Bestimmungen über den Bebauungsplan, den Kleinwohnungsplan und die Hygiene keine Schwierigkeiten bereiten. Die Polizei- Verordnungs-Bestimmungen des Entwurfes sind jedoch auf erheblichen Widerstand gestoßen, da die dort niedergelegten Befugnisse der Baupolizei als viel zu weitgehend angesehen werden. Man. will der Baupolizei eine solche Macht nicht zugestehen, wie sie dort verlangt wird. Dieser Punkt dürste auch im preußischen Landtage auf Schwierigkeiten stoßen, und es ist nicht unmöglich, daß die Befugnisse der Baupolizei etwas herabgesetzt werden. Wenn dies in an- gnnessenen Grenzen geschieht, dürfte die Regierung auch nicht viel dagegen einzuwenden haben. Das im ©nttour: vorgesehene Wo hnungsamt, das jede Stadt über 10 000 Einwohner einzuführen hat, soll folgende Auf­gaben erfüllen: 1. Der Stand des Wohnungsmarktes soll durch fortlaufende Erhebungen feststehend gehalten werden, um hieraus die notwendige Grundlage für etwaige weitere Maßnahmen zu gewinnen. 2. Gegen ungesundes Wohnen, insbesondere auch soweit es von Ueberfüllung herrührt, soll durch Einführung einer regelmäßigen Wohrrungsinspcktion vorgegangen werden. 3. Es oll ein öffentlicher Wohnungsnachweis eingeführt werden. Weiter soll eine Wohnungsmeldepflicht eingeführt werden; zu melden sind alle zu vermietenden und vermieteten Wohnungen. Der Wohnungsnachweis kann durch kostenlose Abgabe eines Wohnungs-Anzeigers geschehen, auch können auf dem Amte selbst Beschreibungen und Pläne der Wohn­ungen niedergelegt werden. Das Wohnungsamt ist mit wei bis vier Beamten für je 200 000 Einwohner zu be- 'etzen. Die Wohnungsstatistik bezieht sich auf folgende Punkte: Uebersicht über die Bewegung des Wohnüngs- marktes, Durchschnittspreise jeder Wohnungskategorie, Ein­teilung der Wohnungen in Preisklassen, Lage der Wohn­ungen nach Stadtteilen, Zahl der leerstehenden Wohn­ungen, Zeitdauer des Leerstehens.

Lujo Brentano über die Zukunft de8 Liberalismus.

Den in Aussicht genommenen Anschluß der National­sozialen an die Freisinnige Vereinigung begrüßt in der Nation" Professor Lujo Brentano alseines der hoff­nungsreichsten (Äeignisse in unserm trübseligen politischen Leben". Das ist doch wohl etwas überschwenglich gesagt. Brentano meint, daß die Nationalsozialen den großen Fehler begangen hätten, sich an die falsche Adresse zu wen­den: statt das Bürgertum für ihren sozialen Jdeenkrcis, ächten sie die Arbeiter für ihre nationale Denkweise zu gewinnen. Daß dies ein Fehler gewesen, begründet Brentano folgendermaßen:

Gewiß müssen die Arbeiter, wenn sie selbst und das deutsche Vaterland einer neuen, großen Zukunft entgegen­gehen sollen, dieser gewonnen werden. Mein diese (Äv- lution in der Denkweise der Arbeiter muß aus ihren Kreisen herauskommen; sie kann niemals durch Predigen 'eitens Draußenstehender oder gar durch Gründung einer- nationalen Arbeiterpartei, die mit der bestehenden Sozial­demokratie in Konkurrenz tritt, herbeigeführt werden. Ja, es wird die erstrebte Evolution der Sozialdemokratie durch alle solchen Bemühungen geradezu hintangehalten; denn

das Wirken derjenigen ihrer Angehörigen, welche die Not­wendigkeit solcher Evolution selbst erkennen, wird da­durch erschwert. Dabei kann diese Evolution in der Denk­weise der Arbeiter um so weniger stattfinden, je länger das liberale Bürgertum in seinem die sozialen Aspira­tionen der Arbeiterklasse ablehnenden, intoleranten Dog­matismus verharrt. An die Adresse des Bürgertums also hätten die Nationalsozialen vor allem sich wenden sollen, statt an die Arbeiter."

Das Kammergericht über Streikposten.

Das Kammergericht hatte sich in seiner letzten Sitzung abermals mit dem Streikpostenstehen zu beschäftigen. Nach- dem in Berlin ein Ausstand der Rohrleger ausgebrochien war, wurden auch Streikposten ausgestellt. Ein Polizei­wachtmeister forderte mehrere Rohrleger, die in Siner Sttaße Streikposten standen, auf, sich zu entfernen. Als diese aber der Aufforderung nicht Folge leisteten, sondern erklärten, nachdem sie auf dem Straßendamm Aufstellung genommen hatten, Streikpostenstehen sei zulässig, wurde gegen, die Streikposten Anklage auf Grund einer Straßen- polizeiverordnung erhoben, wonach sich derjenige strafbar macht, der den zur Erhaltung der öffentlichen Ordnung, Ruhe und Sicherheit auf der Straße erlassenen Anord­nungen der Aufsichtsbeamten keine Folge leistet. Das Land­gericht sprach jedoch die Angeklagten frei, weil diese den Verkehr, auf der Straße nicht gestört hätten. Dieses Urteil focht die Staatsanwaltschaft durch Revision beim Kammer­gericht. an und betonte, den Anordnungen des Polizeibeam­ten wäre auch dann Folge zu leisten gewesen, wenn die Gefahr einer Verkehrsstörung anzunehmen gewesen wäre«; eine solche Gefahr habe aber Vorgelegen, weil eis' an vorher­gehenden Tagen schon zu Reibereien gekommen sei. Das Kammergericht erachtete auch die Revision für begründet, hob die Vorentscheidung auf und wies die Sache zur ander- weiten Verhandlung an das Landgericht zurück, da schon dann der Aufforderung des Polizeibeamten von feiten der Angeklagten hätte Folge geleistet werden müssen, weün eine Gefahr für die Sicherheit und den Verkehr auf der Straße vorgelegen hätte.

Von der franzofischen Marine.

Der Marineminister Pelletan hat die Taufe der neuen Schiffe, die bisher üblich war, "schafft. Dar­auf war man eigentlich schon gefaßt, da ' Unister sich

mehrmals abfällig über denabergläul.- Gebrauch" geäußert hatte. Weit mehr überrascht eine :ieue Verord­nung, welche die Gala-Uniform der Marineoffi­ziere abschafft, nämlich den gestickten Frack und das Beinkleid mit. goldenen Tressen, durch die die französischen Seeoffiziere sich vor ihren Kollegen anderer Nationen in auffälliger Weise auszeichneten, wie Pelletan meint. Diese Reform wird ihn unter dem Flottenpersonal nicht be­liebt machen.

Eine Krifis in Australien.

Sdjon seit längerer Zeit hat man in englischen wirt­schaftlichen und politischen Kreisen die Ueberzeugung ge­wonnen, daß in der australischen Kolonie durchaus nicht alles so ist, wie es sein sollte. Es gab eine Zeit, in der man mit berechtigtem <5tot& auf die rasche und offenbar glänzende Entwickelung des jungen anstrebenden Staaten­gebildes hinwies, als Beweis für die Kolonisattons-kraft und -Fähigkeit Großbritanniens. Wenn auch nur die Hälfte der aus Sydney und Melbourne an die englische Presse ge­langenden Berichte auf Wahrheit berrrht, dann übt die Ar­beiterpartei in Australien tatsächlich ein wahres Schreckens­regiment. aus und dieses Schreckensregiment zieht selbst­verständlich die unausbleiblichen Folgen nach sich, das heißt, jeder, der nicht einen direkten Vorteil davon hat, beeilt sich, aus dem Bereiche des Terrorismus zu entfliehen. DaS Bewußtsein, die Herrschaft in ihrer Hand zu haben, hat offenbar die Arbeiterpartei übermüttg gemacht, und es werden Gesetze erlassen und rigoros in Kraft gesetzt, die allen Unternehmungsgeist ertöten müssen und im höchsten Grade geeignet sind, privates Kapit al von den austra­lischen .Küsten fernzuhalten. Aber das ist es gerade, was die Arbeiterpartei beabsichtigt. Der Staat soll der einzige Arbeitgeber sein, und der Staat ist irr den Händen der Arbeiter, das heißt selbstverständlich nur der organisierten Arbeiter. Es ist noch nicht soweit gekommen, daß unorgani- ierte Arbeiter durch ein Gesetz am Betreten des australi- chen Bodens verhindert werden können, aber man macht ihnen auf alle Weise das Leben sauer, und das Resultat ist, daß mit jedem abgehenden Schiffe Scharen von ent­täuschten, arbeitsfähigen und arbeitswilligen Männern das Land verlassen. Selbst die geduldigen Chinesen kehren in großer Zahl in ihre .Heimat zurück, und es ist bereits von den Gewerkschaftern mit Freude und von anderen ernst­haften Polittkern mit peinlicher Ueberraschung bemerkt worden, daß der Ueberschuß der Einwanderung über die Auswanderung bedenklich im Schwinden begriffen ist. Unter solchen Umständen ist eine Reaktion unvermeidlich. Die nächsten Wahlen dürsten eine gründliche Veränderung herbeiführen. Je länger aber der gegenwärttge Zustand andauert, um so schwerer muß die. Krisis werden.

Aus Studt und Lund.

Gießen, 10. August 1903.

Personalien. S. K. H. der Großherzog haben am 8. August l. Js. den Hauptsteueramtsassistenten in Mainz SSctcr Jakob Karn zum Revisionskontrolleur bei dem Haupt- teueramt Main^ ernannt.

** Der Winterfahrplan der Königs. Eisenbahn- Direktion Kassel, gültig vom 1. Oktober an, ist uns heute zugegangen.