Dr. Crnflcr ssreis. vv- sehr schwer veNtSnvuro, na er bcr Tribüne den Rücken kehrt): Herr Trimborn rühmte cs so sehr, das? der Zolltarif audi die Wittwen- nnd Waiscndcrsorgrmg er- möqlichr hätte, er hat aber nicht gesagt, daß diese Versicherung erst im Jahre 1910 in ftraft tritt. Auch handelt es srch dabei doch nur um die Wittwen und Waisen der Arbeiter; die Wittwen und Waisen der anderen, minder wohlhabenden Berufsklassen, bic hoch auch unter dem neuen Zolltarif leiden, erhalten nichts. Die ■.vrr[-,citerung der Lebenshaltung der Arbeiter durch den neuen Zoll- tarif ist weit größer, als die Wohlthat der Wittwen- und Waucn- ixriidierung. Wie sehr wird nicht allein das Brod durch die cr- Getreidezölle vertheuert! Mit den sozialpolitischen For- > . junger des Abg. Roesicke bin ich 'M Großen und Ganzen ein- i'cr’tanben. Ick weiß allerdings nicht, wie er sich eine Arbeits- l. ' nVersicherung denkt. Wenn man eine solche Forderung aufstellt, nw.ß man doch einen bestimmten Weg angeben können. Wenn man di? Mirstände auf dem Gebiete der Arbeiterfürsorge in der Land- wir: ^schäft ganz beseitigen will, muß man d!e Landwirthschaft auch unie" l":? Gewerbeordnung stellen, dies ist schon deshalb nörhig, weil b.T Maschinenbetrieb in der Landwirthschaft täglich zunimmt. Die licgctibcn Anträge Hai man mit Recht einen Wettlauf vor der - i bezeichnet. Den Befähigungsnachweis kann man unter i\-p n Verhältnissen nicht mehr einfi'chren, das zeigen bic .<• ■ - • • n, die man in Oesterreich damit gemacht hat. Selbst in r. ■ 1 eisen der Handwerkskammern ist man sich über die Nütz- ficijcir des Befähigungsnachweises nicht einig. Wünschenswerth
wäre es, naß Die urganc Der yannwertstammern nm nur um ihr Gewerbe kümmerten, nicht in hoher Politik machten und sich feder gehässigen Polemik enthielteit. Die Gastwiriosgehilfen-Verordnung ist sehr reformbedürftig, Tausende von Erifienzen werden dadurch sehr geschädigt. Auch die Arbeitgeber wollen, daß den. Gehilfen eine eursorechende Ruhezeit gewährt wird, aber sw verlange,t, daß nicht so schematisch vorgegerngen, sondern bi;_ Verschied?!iar■ ?gleit der Vewmllniiie berücksichtigt wird. Mir ist gesagt, wenn die Pol'-- zci nicbt das größte Entgegenkommen gezeigt hätte, würde es in ganz Deutschland keine irnbcstraften Gastwirthe geben. Dem Antrag Groeber werden wir zusrimmcii, es ist dringend nöthig, daß den Be rufsvercinen endlich die Rechtsfähigkeit verliehen wird.
Abg. Frhr. von Richthofcn ikons.): Meine Freunde werden unentwegt weiter an dem Ausbau der sozialvolitischen Gesetzgebung arbeiten. Wir hoffen, daß dieser Reichstag, den man den Novellen-Reichstag genannt hat, sich auch mit der Novelle zum Krankengesetz beschäftigen wird. Doch muß man sich bei dieser Novelle mir den Vorschlägen des Bundesraths begnügen und nicht etwa alle möglichen Fragen, wie die s?(cr5tcfrage, dabei aufwerfen. Wie wir die Wittwen- und Waiscnversichcrung machen werden, läßt sich erst übersehen, wenn wir die nörhigen finanziellen Unterlagen haben. Wenn die Ergebnisse des Zolltarifs und der zukünftigen Handelsverträge es uns ermöglichen, mehr zu thun, als ursprüng- lich beabsichtigt wae, werden wir uns freuen. Die Sozialpolitik darf sich aber nicht nur mit den Arbeitern beschäftigen, auch den kleinen Handwerkern-und Gewerbetreibenden mutz die Gesetzgebung
ui .vnirr tornmen, Dtc lelbstanvigen kleinen Existenzen müßen er* halten bleiben.
Abg. von Salisch ldcutschkons.i klagt über die großartige Verschwendung, die mit den Geldern der Alters- und Jnvalidcn- n rsicherungsanstalten getrieben werde. Tie Gelder der Anstalten sind nicht dazu, um den Architekten Ruhm zu schaffen. Am schlimmsten wird die Verschwendung in der Stadt Berlin getrieben. Für den Bau der Anstalt für Lungenkranke bei Berlin sind 9 Millionen verausgabt worden. (Abg. Singer (Soz.): Bravo!) Ja, Sie rufen Bravo! Es ist ja sehr schön, Geld auszugeben, aber der Säckel mutz langen. Was hilft es, Geld auszugäien, wenn man auf der anderen Seite sparen muß! Die Anstalt ist auf da? Luxuriöseste ausgestattet worden. Allein eine Kegelbahn hat dort 18 OOO Mk. gekostet I U,rd dabei wird an den Renten geknavst, und Jnvaliditätswochen werden in Abzr gebracht! Wenn wirtlich Millionen übrig sind, so müßen sie . utzt erden, um thatsäch- lichen Mißständen abzuhelfen.
Die W eircrber athung wird hierauf auf Dienstag 1 Uhr vertagt. (Außerdem Interpellation Nißler über die Kriegsinvaliden.)
Schluß 5l4 Uhr.
Parlamentarisches.
Berlin, 9. Febr. Im preuß. Abgeordnetenhause wurde heute der Gesetzentwurf betreffend Erweiterung des Stadtkreises Münster debattelos in dritter Lesung angenommen und alsdann die zweite Beratung des Etats des Ministeriums des Innern beim Ausgabetitel laudrat- liche Behörden fortgesetzt. Es gelangten verschiedene Titel zur Annahme. Nächste Sitzung Mittwoch. Fortsetzung der Etatberatung.
Marienhafe (Regierungsbezirk Aurich), 9. H-ebruar. (Amtlich.) Bei der Landtagsersatzwahl im hiesigen Wahlbezirk wurden insgesamt 224 Stimmen abgegeben. Davon erhielt Gutsbesitzer Willrath (fr ei ko ns.) 121, Gutsbesitzer v. Huelst (natl.) 103 Stimmen._____________________
Mttische Tagesschau.
Eine Bundesrede.
Als Vorbereitung zur großen Versammlung des Bundes der Landwirte in Berlin kann eine Rede betrachtet werden, die der Reichstagsabg. Sch rem pf in der württembergischen Landesversammlung des Bundes der Landwirte in Bretten dieser Tage gehalten hat. Im Berichte des amtlichen Bundesorganes heißt es wörtlich:
„Redner kommt nun auf den Großgrundbesitz in Ost- elbien zu sprechen. Derselbe sei aus der geschichtlichen Entwickelung und besonders deshalb entstanden, weil dort der Boden zu schlecht ist, sodaß sich nur der Anbau eines großen Komplexes einigermaßen lohnend erweist. Hierbei erinnert er an den Ausspruch eines Großknechtes, der auf die Mitteilung, daß sein Herr ihm den ganzen Hof vermacht habe, erklärte: „Dann verklag' ich ihn!" (Heiterkeit.) Der Mann hatte aus eigener Erfahrung gesehen, wie schwierig es ist, eine Rente aus einem solchen Gut herauszuschlagen. Waren nicht auch Bismarck nnd Moltke norddeutsche Junker? Wenn wir die nicht gehabt hätten, wo wären wir hingekommen? Trotz unserer süddeutschen Sängerfeste! (Heiterkeit und Beifall). Und wie fest und standhaft zeigten sich die ostelbischen Junker bei der Kanalvorlage! Hätten wir nur von der Raffe im Süden einige! (Beifall.) Wir müssen scharfe Leute haben in einer so waschlappigen Zeit. (Bravo!) Wir haben Geistliche, die sind Raumannianer, und wir haben Lehrer, die wissen nicht recht wohin sie gehören in politischer Beziehung. Wir haben Psarroereine und Lehrervereine, wenn die zusammenkommen, sprechen sie auch nicht von den Fixstetnen (Heiterkeit), sie sprechen von Gehaltsaufbesserung. Wer will es ihnen zum Vorwurf machen? Redner erzählt ein Stückchen vom alten Fritz. Ein Soldat verkaufte als Amulett ein Säckchen, das die Soldaten hieb- und kugelfest machen sollte. Als ihm der alte Fritz darüber einen Vorwurf machte, öffnete der Soldat ein solches Säckchen und zog daraus den Inhalt, bestehend aus einem Zettel, auf welchem geschrieben stand: „Hundsfott, wehr dich!" So müsse man heute auch dem Mittelstand zurufen, der sich nicht seiner Haut wehrt: „Hundsfötter, wehrt Euch!" Das soll keine Beleidigung sein, aber Tatsache ist, daß der Bürgerstand sich um alle möglichen Dinge gekümmert hat, blos um seine Existenz nicht. (Beifall.) Wir sind mit Naturnotwendigkeit darauf hingewiesen, die Mittelstandsfrage zu lösen.
Kolonialpoft.
Berlin, 9. Febr. .Herr von Loßberg erklärt es für unwahr, daß der Geheimrat Hellwig um vertrauliche Mitteilungen ersucht habe, die cs einzelnen Mitgliedern der freikonservativen Partei ermöglichen sollten, auf eine erneute Behandlung des Falles Peters im Reichstage zu verzichten. Geheimrat .Hellwig habe vielmehr ihn direkt zu veranlassen gesucht, diese Herren möglichst zu bestimmen, die beabsichtigte Interpellation im Reichstage zu unterlassen oder sich wenigstens vorher mit dem Kolvnialamt in Verbindung zu setzen.
Aenezuela.
Wie die „NaL-Ztg." von unterrichteter Seite erfährt, sind die zur Regelung der Venezuelaangelegenheit in Washington vorbereiteten Protokolle entgegen anders lautenden Mitteilungen bis jetzt noch nicht unterzeichnet. Die Protokolle stellen fest, daß zunäch.st sedem der Verbündeten 5500 Pfund Sterling zu zahlen sind. Nach der „Post" steht der Abschluß der - Handlungen in Washington unmittelbar bevor. Die Vertreter der Mächte werden jeder für sich ein Protokoll unterzeichnen. Ein weiteres Protokoll unterzeichnen sie gemeinsam über die Aufhebung der Blockade.
Der Zloman der sächsischen Kronprinzessin.
Die „Schweizerische Depeschenageutur" meldet: Nach zuverlässigen Informationen soll eine Verschiebung der auf den 11. Februar angesetzten Verhandlung im Eh e- Prozeß der Prinzessin Luise mögft.ä sein. Ferner wird versichert, Leopold Wölfling ß- he in keinerlei Bezieh ung zu den Entschließungen der Prinzessin Luise und Gi rons. Es sei ihm gestattet worden, seine Schwester in
5er Nervenheilanstalt La Metairie zu besuchen. Von La Metairie trafen günstige Berichte ein. Die Prinzessin bewohnt eine zur Anstalt gehörende Villa und' ist mit den Einrichtungen zufrieden. Die Kammerzofe, welche die Prinzessin nach Mentone begleitete, ist entlassen.
Die Anstalt, in welcher sich die Prinzessin befindet, wird von einem früheren Dozenten der medizinischen Fakultät an der Genfer Universität, Dr. Jcck' Martin, geleitet.
Der Entschluß der Prinzessin, in einer Nervenheilanstalt Aufnahme zu suchen, wird in allen Kreisen Dresdens mit Genugtuung ausgenommen. Die Anregung dazu ist allein von den Rechtsanwälten der Prinzessin ausgegangen. Der sächsische Hof hat in dieser Beziehung nichts getan.
Der Kronprinzessin Luise, welche nicht interniert wird, ind zwei Pflegerinnen zugewiesen worden. Dr. Zehme ver- prach ihr, regelmäßig Bericht über ihre Kinder zukommen zu lassen. Nach Empfang einer neuen abschlägigen Depesche aus Dresden wurde die Prinzessin von einem Wein krampf befallen. Sie erklärte später, ür ihre Person nicht mehr bürgen zu können. Wie auch den „Dr. N. Nachr." aus Genf berichtet wird, bleibt der Prinzessin im Sanatorium vollständige Bewegungs-Freiheit. Sie kann Ausflüge nach Genf machen, so oft und wann sie will. Nur ist vereinbart worden, daß ie im Falle einer längeren Abwesenheit Lachenal darüber unterrichtet. Eine längere Abwesenheit ist indes ausgeschlossen.
Wie wir aus zuverlässiger Münchener Quelle erfahren, hat die Prinzessin Therese von Bayern m i t E r f o l g bei der Großherzogin von Toskana für die Prinzessin Luise interveniert. Das Verbot, ins elterliche Haus zurückzukehren, wird jedoch hiervon nicht berührt.
Prinz Friedrich Christian hat die Nacht gut und den größten Teil ruhig und ohne Delirien verbrachst. Tie Temperatur zeigte gestern in den Morgenstunden die gewünschte Ermäßigung bis 38,5 Grad.
Wie „Petit Bleu" aus Brüssel zu berichten weiß, erhielt Giron gleich nach seiner Ankunft in Brüssel von einer hervorragenden sächsischen Persönlichkeit ein Glückwunschschreiben zu seiner Haltung. Obgleich Giron privat wohnt, behauptet er,_ mit seiner Familie auf bestem Fuße zu stehen. Jedenfalls ist die öffentliche Meinung ihm nicht g ü n st i g, und man hat allgemein den Eindruck, als ob er wieder Brüssel verlassen wird. Erwiesen ist, daß bis gestern sein brieflicher und telegraphischer Verkehr mit der Prinzessin nicht unterbrochen war.
Aus Stadt und Land.
** Das Groß h. R c g i e r ii n g s b l a r t N r. 7, ausgegeben am 7. Febr. d. I., enthält: Bekanntmachung, die Errichtung der Hessischen Landcs-^Hhpothekenbank betreffend.....Auf Grund des § 1 Absatz 2 des Reichs-
Hypothekenbankgesetzes vom 13. Juli 1899, sowie der Artikel 1 und 10 des Gesetzes vom 12. Juli 1902, die Errichtung einer Hessischen Hypothekenbank betreffend, erteilen wir hierdurch der Hessischen Landes-Hypothekenbank, Aktiengesellschaft mit dem Sitze in Darmstadt, die Genehmigung zur Ausübung ihres Geschäftsbetriebes nach Maßgabe des (im Großh. Regierungsblatt in einer Ausfertigung beigehefteten) Gesellschaftsvertrages. Zugleich gestatten wir der genannten Bank auf Grund des § 11 Absatz 2 des Reichs-Hypothekenbank- gesetzes die Beleihung landwirtschaftlicher Grundstücke in dem ganzen Gebiete des Großherzogtums bis zu zwei Drittel des Wertes. Auch ermächtigen wir die Bank auf Grund des § 795 des Bürgerlichen Gesetzbuches und des Artikels 67 des Hessischen Ausft'ihrungsgcsctzes zu demselben vom 17. Juli 1899 zur Ausgabe von Schuldverschreibungen auf den Inhaber unter den in den §§ 6—9, 41 des Reichs-Hypothekenbankgesetzes bezeichneten allgemeinen Bedingungen mit der Maßgabe, daß die Ausgabe der einzelnen Serien jeweils der Genehmigung des Großh. Ministeriums der Finanzen als Aufsichtsbehörde bedarf.
() Schwalheim bei Friedberg, 9. Febr. Selbstmord infolge Geistesumnachtung verübte gestern in frühster Morgenstunde der Landwirt Konrad Dietz, welcher in wohlhabenden Verhältnissen lebte. Er versuchte zuerst, sich in seinem Zimmer mittels eines Rasiermessers den .Hals zu durchschneiden, was ihm nicht gelang. Hierauf begab er sich auf den Speicher und erhängte sich mit einer Ackerleine. Als seine Kinder im Alter von 19, 17 und 15 Jahren am Morgen nach dem Vater sehen wollten, fanden sie sein Schlafzimmer leer und vor dem Bett eine Blutlache, ebenso Blut auf der Treppe. Auf dem Speicher wurde er dann gefunden. D. verlor vor drei Jahren seine Ofattin, mit der er in glücklichster Ehe lebte; seitdem stellte sich Menschenscheu und Melancholie ein, sodaß D. in einem Augenblick völliger Gcistesumnachtung selbst Hand an sich legte.
Vermischtes.
* Ein Unwetter hat auf den G e s c l l s cha f t s i n s e l n mehrere Tage gewütet. Die ersten Nachrichten wurden am 26. Januar vom Schuner „Eimea" nach Papeete gebracht. Am nächsten Tage ras der Dampfer ..Ercclsior" mit 400 Ueberlebeuden ebendaselbst ein. Der Kapitän schätzte den Verlust aus den Inseln Hao» Hiknero und Marakau allein
auf achthundert Personen. Auch acht Weiße sind ertrunken. Der Sturm erstreckte sich bis Raitea, wo viel Schaden angerichtet ist, aber feine Menschen um gekommen sind. Man befürchtet, daß noch viele ll eberlebende auf den Gesellschaft^- und Paumotuinseln umkommen werden, ehe Nahrungsmittel, welche die französischen Behörden schon abgeschickt haben, dort eintreffen können. Tausende von Tonnen Copra und über 200 Tonnen Perlenmuscheln sind verloren gegangen.
* Die häßliche Braut. Erster Leutnant (ledig): „Gratuliere zur Verlobung, Herr Kamerad. Hat Fräulein Braut keine Schwester?" — Zweiter Leutnant: „Nee, sonst hätte ich schon selbst die Schwester genommen!"
* Im Eifer. Feldwebel: „Beim Parademarsch wird morgen nur der Herr General angesehen! Daß mir keiner nach dem Herrn Oberst oder Herrn Hauptmann oder nach mir oder anderem Blödsinn glotzt!"
* Zwei verwandte Seelen. Student (der Bc- frachtung eines Schiffes zusehend): „Wofür wird denn all das Trinkwasser mitgenommen?" — Kapitän: „Nun, wir haben doch Frauen und Kinder an Bord!"
Gerichtssaal.
Berlin, 9. Februar. Im Ku r p su f ch e r pro zeß N a r d e n k ö t t e r ist ein Brief Nardenkötters eingegangen, daß er die Flu ch t ergriffen habe. Der Gerichtshof beschloß auf Antrag des Staatsanwalts, einen unumschränkten Haftbefehl zu erlassen und Nardenkötters Papiere, sowie sein Vernrögen in der voraussichtlichen Höhe der Straft und Gerichtskosten zu beschlagnahmen, im übrigen weiterzuverhandeln und den Mitangeklagten Dr. Kron- h e i m zu verhaften.
Handel und Uerlrelir. Volkswirtschaft
Berlin, 9. Febr. In den heute hier und in München äbgehaltenen Sitzungen des Aufsichtsrats bon Siemens u. Halske, Aktien gesell schäft und der trizitäts-Aktiengesellschaft vorm. Schuckertu. Co. wurden die Anträge der Vorstände beider Gesellschaften genehmigt, welche die Begründung eines gemeinsamen Unternehmens in der Weife zum Gegenstands haben, daß beiderseits das Fabrikations- und Vertaufsgeschäft auf dem Gebiete des Starkstroms fortan durch das neue Unternehmen betrieben werden soll. Die Firma Schuckert bringt somit ihre gesamten Nürnberger Fabriken und die Firma Siemens u. Halske außer ihrem Charlottenburger Dynamowerk auch das Kabelwerk im Westend in die Gemeinschaft. Die Form der Gesellschaft soll eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung mit einem Kapital von 90 Millionen Mark sein. Beiderseits wird das entsprechende Betriebskapital an Material, Fabrikaten und Außenständen zu ungefähr gleichen Einlagen aufgebracht und von der neuen Gesellschaft übernommen unter Garantie seitens der Stammgesellschaften und unter Ausschluß aller Effekten,beteiligungen, Unternehmungen und bestehenden Garantieverpflichtungen. Tie zu begründende Gesellschaft, welche den Namen Siemens-Schuckert Werke, G. m. b. H., annimmt, soll mit dem 1. April 1903 in Tätigkeit treten, sofern die betreffenden Verträge durch die alsbald zu berufenden Generalversammlungen der Aktionäre ihre Genehmigung gefunden haben.
»cnOf Ilcbrrlidjt der T-desf-IIe in der Stabt stießen.
5. Woche. Vom 25. Januar bis 31. Januar 1903.
' Einwohnerzahl: angenommen zu 26 400 (inft. 1600 Mann Militär Sterblichkeitsziffer: 21,25, nach Abzug von 4 Ortsfremden: 13,537«’.
Kinder
Es starben an: Zusammen: Erwachsene: un
1. Lebensjahr: 2.-
vom
-15. Jahr
Diphtheritis
KD
—-
—
1 (1) 1(1)
Scharlach
1 (1)
—
—
Keuchhusten
1
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1
—
Tuberkulose
1 (1)
1 (1)
—
-
Lungenentzündung Gehirnschlagfluß
3
1
—
1
1
—•
Krebs
1 (1)
1(1)
Altersschwäche
1
1
Verunglückling
1
1
—
Anm.: Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, rote der Todesfälle in der betreffenden .Krankheck auf von auswärts nacr Gießen gebrachte Kranke kommen.
Neueste yifliunifleiL
Originaldrahtmeldttttgeu des Gießener Anzeigers.
Essen, 10. Febr. Auf der Zeche Zollverein erfolgt: eine Dynamitexplosion. Ein Schießmeister wurd. getötet, mehrere Bergleute leicht verletzt.
Wittenburg, 10. Febr. Bei einem Brande ift der Taglvhner Cate und dessen 16jähriger Sohn verbrannt. Die Eltern wurden leicht verletzt.
Barcelona, 10. Febr. Eine Anzahl von Ausstan- digen, die einen Straßeukarren aufhalten wollten, feuer« tcn auf einen Volizeisergeanten und den Wagensuyrer. Beide wurden leicht verletzt, ein Angreifer wurde sestge- nommen.
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