Die heute im Stadt-
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Jahr Ge
tober aus dem Gefängnis zu Laudach aus. *rog eifriger Verfolgung tonnte er nicht erfaßt werden, bis heute der Händler W. Mohr aus Ettingshausen geschäftlich hier weilte und m einem bettelnden Stromer den Ausbrecher erkannte. Er benachrichtigte sofort die Ortspolizei, mit deren Hilfe Schreiber nach heftigem Widerstand verhaftet wurde. Die Gießener Gendarmerie wurde telegraphisch in Kenntnis gesetzt, und sie verbrachte am Nachmittag den Sch. nach Gießen. Dem Händler Mohr fällt eine Belohnung von 300 Mk. zu.
lung vom Vorsitzenden geschlossen.
r. Mainz, 9. Nov. (Eigener Drahtbericht.) Zur Beisetzung des Bischofs Brück sind anwesend: Erz- bischof Nörber aus Freiburg, die Bischöfe Ko rum aus Trier, Willy aus Limburg, Enzert aus Fulda und die Siebte von Maria-Lach und Marienslatt, ferner Staatsmmister Dr. Rothe und Hosmarschall v. Weflerw e lle r.
Mainz, 7. Nov. Einige halbwüchsige Burschen aus Mainz, darunter die beiden Brüder Jungblut, trieben sich vorgestern nachmittag im Finthener Wai.de herum. Als sie daun einen FuckMau treten, versuchte, nach dem „M. Tgbl.", der jüngere, etwa 16 Jahre alte Jungblut, hinein- zulriechen, klemmte sich dabei aber fest. Bei seinen Bemühungen, sich zu befreien, gab das lockere Erdreich nach, stürzte über ihm zusammen und erstickte ihn. Als in diesem Anblick zwei Jeldschützen auftauchten, liefen die anderen Burschen davon und überließen ihren unglücklichen Gejährten seinem Schicksal. Ob sie vorher versucht hatten, ihn zu befreien, steht noch nicht fest, es wird jedoch angenommen, daß dies nicht der Falt war und daß sie die zappelnden Bewegungen des Berschütreten für einen scherz hielten. Leider gelang es den vereinten Bemühungen der beiden Beamten nick-t, den jungen Menschen frei zu be- tmmnen, ment mußte erst iu das Dorf lausen, um Schaufeln zu holen und dann grub man einen — Erstickten aus. Nachdem. gestern vom Gericht die Ortsbesichllgung vorge- uommen worden war, tam die bis dahui an der cknglücks- jlütte bewachte Leich« nach Heidesheim, um von dort aus nach Mainz gebracht zu werden. — Man schreibt dem „M. Tgbl." aus Bischofs Herrn: Eine u n h e i m l i ch e E r s cy e i n - u u g, lnit einer Axt auf der Schulter und in weißem £enü)e, dazu barfuß, macht gegenwärtig dort viel von sich reden. Die Sack)« hat jedoch einen sehr ernsten .Hintergrurrd. oün 24jährrges Mädchen aus Bischofsheim, das mit einem jungen Manne verlobt war und demnächst herraten wollte, wurde durch das Zurücktreten des Bräutigams und seine plötzliche Abreise dermaßen erregt, daß es in plötzlicher Geistesverwirrung den bedauernswerten Eltern entlief unb sich nachts in der Umgebung des Ortes Herumtrieb, wobei es den Leuten an die Fenster klopfte, mit der Axt auf Bäume einhieb und die Vorübergehenden aufs höchste erschreckte. Endlich konnte man die Aermste fassen und ihren Eltern wieder zuführen, iu deren Obhut sie sich jetzt be-
; .......: _ , die nach der Offenb. Ztg., der Verein
zur Wahrung städtischer Interessen einberufen
sam entgegenzutreten.
** A u s dem Bureau des StadttheaterS. Als 5. Dienstagsvorstellung im Abonnement geht morgen den 10. November, Comtesse G u ck er 1", Lustspiel von
findet.
)( Marburg, 8. Nov. Während früher bei den Landtagswahlen an einer Wahlagisadwn in unserem Kreise gar nichts zu spüren war, ist diesmal gerade das Gegenteil der Fall. Dem kanalfreundlich gesinnten Landrat v. Negelein, welcher seither den Kreis vertrat sind bekanntlich noch zwei Kandidaten nämlich der nationalliberale Geheimrat Professor Dr. Lehmann und der Sekretär des Bundes der Landwirte Dr. Dietrich Hahn, entgegengestellt. Für Unterstützung des letzteren, der jeden Tag 3—4 Versammlungen in den verschiedensten Wirtschaften abhält, ist nun auch noch der Bundesdirektor Dr. Roesicke eingetrossen.
** Kassel, 7. Nov. Heute nachmittag zerstörte ein großes Feuer den Flügel eines früheren Pulvermagazins, das jetzt von einer Domäne als Stall, Scheune und Wohnung für die Diensträume benutzt wird. Binnen kurzem stand der Flügel in vollen Flammen und nur mit aller Mühe konnten von Mannschaften der gegenüberliegenden Kaserne die Viehbestände gerettet werden. Jedoch wurde die F e r n- jprechleitung Kassel-Frankfurt a.M. zerstört.
garten tagende Versannnlung Offenbacher Bürger erklärt das Proportionalwahlsystem zum Gewerbegericht als die für die Verhältnisse in Offenbach geeignetste Wahlsorm und empsiehlt daher im Interesse der ausgleichenden Gerechtigkeit die Durchführung dieses Systems". Nach einem Referat des Redakteurs Beer über „Vormittagsunterricht an d e n höheren Schulen" kamen über diese Frage in längerer Diskussion die wiedersprechendsten Ansichten zum Ausdruck. Ein Beschluß über die Frage wurde nicht gefaßt. Da die Zeit inzwischen weck vorgeschritten war, wurde um V21 Uhr die sehr anregend verlaufene Versamm-
Aus Hlaöl und Land.
Gießen, den 9. November 1903.
*' Unfall. In den Geleisanlagen des hiesigen Bahnhofs wurden gestern abend gegen 8 Uhr der Flurjchütz Heinr. Volk aus Ackendorf a. d. Lahn schwer verletzt aufgefunden, lieber die näheren Umstände, wie das Unglück sich ereignete, ist noch nichts bekannt. Wahrscheinlich überschritt gestern abend auf dein Heimwege der Verunglückte, um seinen Weg abzukürzen, dem Bahnkörper.
•• Zum Gieß en er Bahnh ofS-Um- und Erweiterungsbau erfahren wir, daß nach ministerieller Verfügung an dem Hosmannschen Plan für die Ausführungszeichnungen noch einige Aenderungen vorzunehmen sind, zumeist sehr unbedeutender Art. Das Wesentliche ist, daß eine organische Verbindung der oberhesjischen Perronhalle mit der Hauptfront angestrebt wird.
*♦ Die Eisenbahnangestellten mehrerer hessischer Städte haben mck einer größeren Anzahl von Ladeninhabern in ihren Orten Verträge abgeschloffen, wodurch den Mck- gliedern erhebliche Rabattsätze beim Einkauf eingeräumt werdest. Bezeichnend ist eine Instruktion an die Mitglieder, wonach diese ersucht werden, die mit den Lieferanten getroffenen Vereinbarungen geheim zu halten und bei den Einkäufen erst bei der Zahlung sich durch Vorzeigung der Mitgliedskarte in unauffälliger Weise zu legitimieren, damit die Käufer vor Uebervorteilung bewahrt bleiben und anderen etwa anwesenden Käufern die Rabattbewilligung nicht bekannt wird. Hier hat bekanntlich der Detaillisten-Verein Stellung dagegen genommen. Auch in Mainz wird öffentlich das Rabakt- markenwesen als häßlicher Auswuchs unseres Erwerbslebens verurteilt und die demnächstige Veröffentlichung der Lieferanten- liste in Aussicht gestellt. Daraufhin hat bereits eine größere Anzahl der Ladenbesitzer den Vertrag gekündigt. Der Vorstand des Vereins Mainzer Kaufleute beschloß, geeignete Schritte zu unternehmen, um diesem Rabattmarkenwesen wirk-
. m. Lollar, 7. Nov. In den hiesigen Fernsprechverkehr wurden die nachstehenden Orte einbezogen. Ein Gespräch von 3 Minuten kostet 20 Psg. nach Kirchhain (Bez. Kaffel), Amöneburg und Großseelheim; 25 Pfg. nach Frankenberg (Bez. Kassel), Geismar, Neustadt (M.-W.-B.), Treysa-Ziegenhain, Wasenberg und Loshausen; 50 Psg. nach Borken (Bez. Kassel), Arnsbach, Singlis, Kassel, Bettenhausen, Harleshausen, Kirchditmold, Nothenditniold, Wahlershausen, Waldau, Wilhelmshöhe, Wolssanger, Fritzlar, Ungedanken, Gudensberg, Jesberg, Melsungen, Malsfeld, Wildungen, Albertshausen, Braunau (Waldeck), Reinhardsquelle, Wega und Wecken (Waldeck); 1 Mark nach Eschwege, Eltmanns- Hausen, Niederhone und Reichensachsen.
Darmstadt, 7. Nov. Den Armen der Stadt hat das Zarenpaar ein Geschenk von 5000 Mk. überwiesen.
(D. Tgl. Anz.)
*• Offenbach, 7. Nov. In der B ü r g e r v e r -
— Der Großherzog und die kischinewer Juden. Nachträglich wird der N. Zur. Ztg. berichtet, daß S. St H. der Großherzog sich an den Sammlungen für die kischinewer Juden beteiligte und dem Darmstädter Rabbiner Marx versprach, seinem Schwager dem Zar, die jüdische Darstellung der kischinewer Judenverfolgungen zugänglich zu machen.
-Der Oberhessische herein für innere Mission rüstet stch zur Begehung der Feier seines fünfundzwanzigjährigen Bestehens. Seine Jahresfeste erfreuen sich schon seit langen Jahren großer Teilnahme aus wecken Kreisen der evangelischen Gemeinden unserer Provinz und bilden einen Sammelpunkt für alle, die für die Arbeiten der christlichen Liebe Sinn haben. Besonders pflegen die Abendversammlungen in Steins Garten eine große Anziehung zu üben. Auch die für diesmal auf Dienstag Abend im Neuen Saalbau angesetzte Versammlung darf darauf rechnen, da ein Rückblick auf die verflossenen 25 Jahre, wie er da geboten werden wird, des allgemeinen Jntereffes gewiß sein kann. Die Beratungen, die in der Nachmcktagsversammlung im Konfirmandensaal über die Behandlung der inneren Misflon im Religions- und Konfirmandenunterricht geführt werben, werden wohl auch die Herren Lehrer besonders interessieren. Die Verhandlungen endlich, die bei der Jahresversammlung am Mittwoch über die Frage: SBie, können wir Autorität und Pietät in unserem Volksleben wiederherstellen" in Aussicht stehen, erwecken durch die Bedeutung sowohl des Themas, wie des Redners Herrn Pfarrer Lic. theol. Weber aus M.-Gladbach, nicht geringe Erwartungen. Im Mittelpunkt steht natürlich der Festgottesdienst, der am Dienstag abends G1/^ Uhr, in der Stadtkirche gehalten wird. Da er durch den Gesang des Kirchengesangvereins und der Knabenchorschule geschmückt sein wird und Herr Professor D. Drews predigen wird, so wird er, wie wir hoffen, dem Feste die rechte Weihe geben.
**DerEisenbahnverein hielt am Samstagabend eine Generalversammlung ab, welch« sehr schwach besucht war. Der Vorsitzende, Eisenbahn-Bau- unoBetriebsinspektor Schmidt, eröffnete die Versammlung um 9y< Uhr. Auf der Tagesordnung stand der einzige Punkt: „Anschluß des Eisenbahnvereins Gießen an den Verband der Staats-Eisenbahnvereine im Direktionsbezirk Frankfurt a. M., welcher einstimmig angenommen wurde. Die von dem Verbands- Vereine bereits gegründete Zeitschrift ,/Verbands-Zeitschvist der Staatseisenbahnvereine", welche einmal im Monat erscheint, erhält jedes Mitglied von den Dienststellen-Vor- stehern unentgeltlich zugestellt. Es werden darin wichtige Fragen von allgemeiner Bedeutung erörtert, Einrichtungen im Interesse der Beamten und Arbeiter besprochen. Ferner sollen Nachrichten aus dem Vereinsleben, Berichte über Festlichkeiten und Ausflüge aufgenommen und Todesfälle von Mttgliedern bekannt gemacht werden. Erörterungen über dienstliche Angelegenheiten, sowie politische und konfessionelle Fragen sind in der Zeitschrift ausgeschlossen. Nach Schluß der Versammlung hielt ein Vertreter der Gesellschaft „Maggis Suppenwürze" einen Vortrag über den Nutzen und die Verwendung von Maggis Suppenwürze, wobei an jedes erschienene Mitglied eine Probe, die aus einer Tasse Bouillon und einem Teller Erbsensuppe bestand, abgegeben, was ganz vortrefflich, mundete. Die Versammelten unterhielten sich, noch einige Zeit gut zusammen. — Auchi in diesem Jahre wird der Eisenbahnverem den Geburtstag Sr. Kgl. Hoheit des Großherzogs festlich begehen. Am Samstag, den 28. November, abenos 8 Uhr, wäden sich die Vereinsmitglieder mit ihren Damen bei
Eingesandt.
(Für Form und Jnhau amu umei dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)
Ihrem Herrn Mitarbeiter wäre also eine revidierte Faust-Ueberarbeitung lieb; da muß ich! doch schon bitten, mich unverfälscht und unver-bessert(?) zu nehmen, wie ich bin! Gerade die Ausführungen Ihres Mttarbetters rn Nr. 258 zeigen doch, wie schön noch alles stimmt, was ich in meinem Faust geschrieben: denn wie trefflich paffen nicht da meine Zeilen als Motto, wie passend liegt in ihnen der Kern seiner Ausführung^! Oder sagt er nicht )asselbe wie ich mit den Versen:,
„Der Geist der Medizin rst lerchi zu fassen;
Ihr durchstudiert die groß' und kleine Welt, Um es am Ende gehn zu lassen,
Wie's Gott gefällt."
Freilich legte ich diese Worte dem Teufel in den Münd; doch, läse er die Ausführungen Ihres Schülers — Verzeihung! — Mitarbeiters, so müßte er doch zweifellos an diese alten Worte erinnert werden. Der gute Eckermann war auch, so ein Schüler —
Doch! nun einmal ernstlich zur Sache! Sehn Sie, schpn 1831 habe ich gelegentlich an Jacobi geschrieben:
„Die Menschen werden durch Gesinnungen geeinigt, durch Meinungen getrennt Die Freundschaften der Jugend gründen sich aus's Erste, an den Spaltungen des Alters haben die Letzteren schuld. Würde man dies früher gewahr, so würde man viel verträglicher fein und würde das durch Gesinnung wieder zu sammeln fudjien, was die Meinung zersplittert bat"
Ihr Herr Mitarbeiter hat offenbar eine vortrefflich«? Gesinnung, er möge sie mir auch zugestehen und fine ira et studio ausnehmen, was ich ihm hier zu erwidern habe. Im Streit um die Wahrheit! — Zunächst einmal freut es mich zu bemerken, daß wir im Gru n d e ziem- lich einig sind: Die Natur heilt, der Arzt hat nur dafür zu sorgen, daß diese Heilung unterstützt, daß aus dem Weg geräumt werde, was sie hindert Tie Verhältnisse sind fast bei jedem Kranken verschieden: „wir können eben ntd)t die Krankheit, sondern müssen den Kranken behandeln!" Sehr richtig! Nur liegt, bäucht mich, ein Keiner Widerspruch darin, wenn gleichwo^
Schönthan und Koppel-Ellfeld, in Szene mit den Damen Hohl, Hellberg imd Fischer sowie den Herren Direktor Steingoetter,Haag, Teleky, Tamke in Hauptrollen. Der Jndendant des Groß. Hostheaters Oldenburg, Exzellenz von Radetzky-Mikulicz, wird der Vorstellung beiwohnen, da er eins unserer ersten Mitglieder zu ehen wünscht. — Die „Don Carlos" Vorstellung, die zur Erinnerung an Schillers Geburtstag auf Dienstag den 10. Nov. geplant war, ist im Interesse einer sorgfältigen Vorbereitung auf den nächsten hiesigen Spieltag, aus Freitag den 13. Nov. verschoben worden, und zwar gelangt Schillers Werk als 3. Volksvorstellung zur Aufführung.
Langgöns, 7. Nov. Verhaftet wurde hier heute vormittag der steckbrieflich verfolgte Agent Josef Schreiber aus Sindlingen, zuletzt in Frankfurt wohnhaft. Schreiber war am 23. Oktober vom Amtsgericht Laubach zu einem esängnis verurteilt worden, brach jedoch am 25. Ok- I dem Gefängnis zu Laubach aus. Trotz eifriger Ver-
— Die „Nordd. Allgem Ztg." schreibt: Die jüngsten Begegnungen der Kaiser Wilhelm und Nikolaus unter Teiln^chme des ReiclOkanzlers Grafen Bülow und des Grasen Lamsdorff haben einen sehr herzlichen Verlauf genommen und auf beiden Serien höchst be friedig end e Eindrücke hinterlassen. Sie boten Gelegenheit zu vertrauensvollem Gedankenaustausch über politische Fragen. Der Wert dieser Aussprache ist ohne Deutelei darin zu erblicken, daß sie die Bürgschaften für die Erhaltung des Weltfriedens vermehrt hat In dem Verhältnis zwischen Deutschland und Rußland bekräftigen die Wiesbadener und Darnistädter Tage abermals, daß die Beziehungen von Dlonarch zu Monarch von Regierung zu Regierung so ungetrübt gut sind, wie es die persönliche Zuneiguug der Herrsckrer, die wechselseitige Wertschätzung der Staatsmänner und nicht zuletzt das Fehlen aller und jeder politischen Streitpunkte zwischen beiden befreundeten Nachhavreichen möglich machen.
— Den Morgend lättern zufolge wird im Reichs Po flamt wie früher wahrscheinlich noch im November eine Konferenz stattsind en, in der einzelne Fragen aus dem Gebiet des Post- und Telegraphenwesens mit den Vertretern der Handels- und Jndustriekreise besprochen werden sollen.
— Ter wegen seiner Kritik eines als Zeugen von dem Breslauer Sck-ösfengericht ausgetretenen Gendarmen von seinen richterlichen Funktionen suspendierte Gerichts-Assessor Simon erklärt in einer Zuschrift an das „B. T.", daß er sich in einer Broschüre gegen alle Angriffe verteidigen lverde, sobald er sein bereits ein gereichtes Entlassungsgesuch bewilligt und seine Zulassung als Anwalt erhalten habe. ,
München, 7. 91ov. In der heutigen Sitzung^ der 2. Kammer erklärte Kriegsminister FTHr. v. Asch, die Soldat e n mi ß h a n d l nn g e n hätten sich wenigllens in Bayern nicht vermehrt, leider aber sei auch keine Abnahme zu konstatieren. Alle seine Anstellungen und Bestrebungen, sie einzuschränken, seien nicht aus fruchtbaren Boden gefallen. Er werde mit aller Kraft dahin wirken, Mißhandlungen hintanzuhalten. Ter Minister hebt hervor, daß aus den Kasernen unter allen Umständen parteipolitische Umtriebe, von welcher Partei auch immer sie kommen mögen, ferngebalten werden niüßten. Bemerkenswert i)t auch das Urteil des Ministers über die viel bemängelten Recker- attacken. Im künftig en Kriege würden, führt er ans, besonders zu Anfang große Kavalleriekörper aufeinander stoßen, und man müsse die Kavallerie daraus vorbereiten. Die s 0 z ia Idemokratische Fraktion wird folgenden Antrag zum Militäretat einbringen: Die Kammer wolle beschließen, das Kriegs Ministerium zu ersuchen, dahin zu wirken, daß Offiziere und Unteroffiziere, deren Mitschuld, sei es durch aktive Beteiligung, |ei es durch Mangel an pflichtgemäßer Aufsicht an systematischen Soldatenmihhandlitngen nachgewiesen ist, u n n a ch s i ch t - lich aus dem Heere entfernt werden.
Konzert, Theateraufführung, Gesangs- und deklamatorischen s a m m l u n g
Vorträgen im neuen Saalbau versammeln. zur Wrhru„ , . , - . .
** Der evangelische Arbeiterverein hatte y^te, wurde nach einem Referat des Stadtr. Nessel folgende gestern für den diesjährigen Winter seinen ersten Vortrags- Resolution einstimmig angenommen: im Swdt-
abenb !m Vereinssaal bei Sauer veranstaltet. Es spracht , 1-----r----
vor gefülltem Saale Privatdozent Dr. K'oeppe über ba£ Verhallen bei Erkrankungen bis zur Ankunft des Arztes. Die Ausführungen brachten eine Fülle des Interessanten und Nützlichen aus einem für jedermann wichtigen Gebiet. Der Vortragende erläuterte u. a. an Beispielen ans der Praxis, wie oft leicht vermeidbare Unzuträglichkeiten entstehen durch die Art, wie der Arzt gerufen wird, durch ungenügend informierte Voten, durch leicht übertriebene Eile, welche den Tagesplan des Arztes zerreißt, den Arzt ablenkt von anderen, wirklich dringenden Fällen und durch Sondergang des Arztes erhöhte Kosten verursacht. Der Vortragende sprach dann über ben Punkt: Wie sind Erkrankungen zu erkennen, namentlich bei Kindern und speziell bei Säuglingen, welch letztere eine besondere Aufmerksamkeit der Mutter erfordern. Da die verfchiedeniten Krankheiten mit gawzf ähnlichen Symptomen austreten, so ist nur dem ge,chulten, erfahrenen Fachmann möglich, durch weitere Nachforschungen eine richtige Diagnose zu finden, nach welcher eine zweckmäßige Behandlung einzusetzen hat. Bei stürmisch eintretenden Erkrankungen beschränke sich der Laie darauf, die Symptome, Fieber, Krampf, Schmerzgefühl zu lindern, bis der Arzt eingetrossen ist. Nach dem Vortrage erhielten aus dem Zuhörerkreise geftellte Einzelfragen sachkundige Erläuterungen. Es zeigt sich auch hier die Neigung des Laien, ans austretenden einzelnen Symptomen sofort auf eine bestimmte Krankheit zu schließen, die er unter ähnlichen Erscheinungen bei sich oder anderen auftreten sah, um dann freigibig mit Ratschlagen und Anwendungen zu sein, die in bester Meinung geschehen, doch leicht gegenteilige Folgen herbeiführen. Der geschulte Fachmann sucht vor allem die richtige Diagnose unb handelt bann aus bestimmten Gründen. In fesselnder, an Beispielen leicht verständlicher Weise legte dies der Vortragende dar und erntete am Schluß lebhaften Beifall der Zuhörer.


