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9.11.1903 Zweites Blatt
 
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Nr. 268

Erscheint «ügltch au&et Sonntags.

Dern (Äietzener Anzeiger werden im Wechsel mit dein hessischen Landwirt bte Gietzener Familien- blätter viermal tn der Woche betflelegt.

RolalwnSdruck u, Ver­lag bei Brüh l'sehen Untvers.'Buch- u. Stein- b ruderet (Pietsch Arbers) Vtedatnon. Expedition und Druderen

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Adresse für Depeschen» «u;etger Gtetzcn.

Fkrnivrkchani6)tiißAr 51,

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Zweites Blatt«

Montag S. November 1903

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153. Jahrgang

VezagSpeer-t viertel­

jährlich Ml. SLY. durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch dtePost Ml. 2. viertel« jährt, ausscht. Bestellg. Annahme von Anzeigen üi die LageSnurnmer jifi vormMagS 10 Uhr.

^Ctlenprrtfl; total 18 Ps^ auöiodrtfl 80 Pfg.

tieia*ia»»rittdb für den polti. and atigern. LeU. P. Wittto. füt Stadl und Öantr und lSerichtSsaal"! August Götz, füt den An- zeigenteU: y»ans Beck.

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w General-Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

Bekanntmachung.

Donnerstag, den 12. d. M., vormittags 9 */2 Uhr wird zu Lich im Gasthaus zum Holländischen Hof eine Haupt­versammlung des Landwirtschaftlichen Bezirksvereins Gießen fftattfinden, zu der die Herrn Mitglieder des Vereins ein­geladen werden. Ein gemeinschaftliches Mittagessen zum Preise von zwei Mark (einschließlich 1 Schoppen Wein) wird sich um 12 1/i Uhr anschließen.

Der Generalversatnmlung geht um 9 Uhr eine Aus- schußsitzung voraus, die Herren Mitglieder des Ausschusses werden ersucht, hierzu zu erscheinen.

Gießen, den 6. November 1903.

Der Direktor des landwirtschaftlichen BezirksvereinZ Gießen.

Dr. Brerdert.

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Tagesordnung der Hauptversammlung.

1. Prüfung der Rechnung für 1902/03.

2. Feststellung des Voranschlags für 1903/04.

3. Vortrag des Herrn Universitätsprofessors Dr. Gisevius zu Gießen über Wahl unserer Getreidesorten.

4. Vortrag des Herrn Kreisveterinärarztes Schmidt zu Gießen über Viehseuchen.

5. Bekämpfung der Obstschädlinge.

6. Ergebnisse der allgemeinen Faselschau im Jahre 1903.

7. Verschiedenes.

Gießen, den 6. November 1903.

Vetr.: Die Kontrolle der Bierdruckvorrichtungen. , Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Großh. Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises.

Sie wollen binnen 8 Tagen ein Verzeichnis der Wirte Ihrer Gemeinden vorlegen, welche Bierdruckvorrichtungen im Gebrauch haben.

I. V.: Dr. Wagner.

Kekamttmachung.

Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß die nach § 6 des Reichsgesetzes vom 21. Juni 1887 über die Naturalleistungen für die bewaffnete Macht im Frieden ermittelten Durchschnittsmarktpreise, einschließlich eines Auf­schlages von Fünf vom Hundert, pro Monat Oktober 1903 für den Lieferungsverband Gießen pro 100 Kg. betragen:

Hafer Mk. 15.30, Heu Mt. 6.80, Stroh Mk. 4.30.

Gießen, den 6. November 1903.

Großher'-ogliches Kreisamt Gießen.

I. V.: Dr. Wagner.

Kekanntmachung.

In der Zeit vom 31. Okt. bis 7. Nov. 1903 wurden in hiesiger Stadt gefunden: 1 Taschenuhr, 1 Thermonieter und 1 Porte­monnaie mit Inhalt;

Verloren: 1 Haarnadel (Schildkröte) und 1 gelbledernes Portemonnaie mit 22 Mk. Inhalt.

Die Empfangsberechtigten der gefundenen Gegenstände belieben ihre Ansprüche alsbald bei uns geltend zu machen.

Gießen, den 7. November 1903.

Groß herzoglich es Polizeiamt Gießen.

Hechler.

Kaiser Wilhelm erkrankt!

Im Laufe des gestrigen Sonntags erhielten wir folgendes Telegramm:

Berlin, 8. Nov. *DieNordd. Allg. Sfg/ ist ermächtigt, das Folgende zu veröffentlichen: Se. Majestät der Kaiser

haben sich heute der Operation eines Stimmlippen. Polypen unterzogen. Die Operation wurde von Geheimrat Professor Moritz Schmidt ausgeführt und verlief ganz glatt. Sr. Majestät ist bis zur Hetlnng der Operatiariswunde nur die Enthaltung des Stimmgebrauchs auferlegt.

Potsdam, den 7. November 1903.

v. Leuthold. Moritz Schmidt. Jlberg.

DieNordd. Allgem. Ztg.* fährt fort: Das Ergebnis der von Geheunrat Orth ausgeführten mikroskopischen Unter­suchung ist folgendes: Der Polyp besteht aus sehr weichem, nur wenige Zellen enthaltendem Bindegewebe, das von regel­mäßigem, überall scharf gegen das Bindegewebe abgegrenzten Plattenepithel überzogen ist. Ein Teil der Bindegewebs­zellen enthält feine braune Pigmentkörnchen, offenbar von früher slattgchabten kleinen Blutungen herrührend. Der Polyp enthält eine größere Anzahl dünnwandiger Blutgefäße, es handelt sich also um einen durchaus gutartigen binde­gewebigen Polypen.

Berlin, 8. Nov. Der heutige Hofbcricht meldet: Der Kaiser und die Kaiserin unternahmen gestern einen Spazie r - gang. Zur Mittags- und zur Abendtafel waren Einladungen nicht ergangen. Zur heutigen Mittagstafel ist der Reichs­kanzler Graf Bülow geladen.

Berlin, 8. Nov. Tas heutige Bulletin meldet: Der Kaiser verbrachte den gestrigen Tag ruhig im Zimmer und schlief nachts ohne Unterbrechung. Tas Aussehen der kleinen Wunde ist durchaus zufriedenstellend. Schmerzen und sonstige Beschwerden im Halse sind Nicht vorhanden. Die Temperatur war morgens 36,3, der Puls 60.

NeuePalais, 8. Nov. Der Kaiser nahm heute Mittag den Vortrag des Reichskanzlers Grafen Bülow ent­gegen. Graf Bülow wurde sodann von den Majestäten zur Uühstückstafel zugezogen.

Berlin, 9. Nov. Im Laufe des gestrigen Tages und auch in den Abendstunden war das Befinden des Kaisers befriedigend. Der Patient- war fieberfrei und ver­spürte an der kleinen Halswunde keinerlei Schmerzen. Auch die psychische Stimmung des Kaisers ist keines­wegs gedrückt. Immerhin haben die Aerzte vorläufig dem Kaiser die größte Schonung auserlegt. Bereits gelegentlich der Kaiserbegegnung in Wiesbaden fiel das ange­griffene Aussehen des Monarchen auf.

Je weniger man bisher von einem Halsleiden des Kaisers gewußt hat, desto lebhafter, reiner und allgemeiner ist die Teilnahme aller Kreise des deutschen Volkes und der Wunsch, daß Kaiser Wilhelm noch der so glücklich verlaufenen und allem Anscheine nach so ungefährlichen Operation bald^völlig genese und seines Amtes wieder in ungeschwächter Frische walte. Die Wunde ist zweifellos derartig, daß man hoffen darf, sie werde schnell geheilt sein. Mag sie äußerlich auch eine Narbe zurücklassen, so darf man doch erwarten, daß sie die Stimmung des Kaisers selbst in diesen Tagen nicht beein­trächtigen wird.

Von ärztlicher Seite wird geschrieben: Nach dem tele­graphisch mitgeteilten Ergebnisse der Untersuchung handelt es sich bei der Erkrankung des Kaisers um einen Stirnrn- banopvlypen. Die Polypen zählen zu den sogenannten gut­artigen Geschwülsten; sie entstehen im allgemeinen bei chronischen Entzündungen der Schleimhaut des Kehlkopfes, indem an einigen Stellen die Schleimhaut in abnormer Weise wächst und wuchert. Die Erscheinungen, welche ein Kehlkopfpapillon macht, richten sich nach der Größe, Form und dem Sitz her Geschwulst. Zunächst werden die Stimmbänder natür­lich in ihrer Beweglichkeit und Schwingungssghigkeit ge­hindert üind es entsteht eine schnarrende, belegte Stimme, im schlimmsten Falle Heiserkeit. Wird die Geschwulst, welche vielfach a»n vorderen Vereinigungs- Winkel der Stimmbänder sitzt, groß oder gerät die an einem Schleimhautstiel sitzende Geschwulst in die Stimnzritze, so

kann ein derartiges .Ereignis Atemnot, ja im schlimm­sten Falle Erstickungsanfälle herbeiführen; auch sind die beweglichen, d. h. an einem Stil sitzenden Geschwülste im stände, beständigen Hustenreiz Yervorzurusen und zu unterhalten. Nach, den Untersuchungen von Professor Orth handelt es sich um einen einfachen sogenannten Kehl- topischleimhautpolypen, für dessen grünoluye Entfernung die Autorität des weltbekannten Prof. Schmidt in Frank­furt a. M. wohl hinreichende Gewähr bieten dürste. Gänz­liche Schonung des Stimmorgans, also Ver­meiden des Sprechens, wird für einige Wochen er­forderlich sein."

Das letzte, heute vormittag um IN/4 Uhr auf unserer Redaktion eingetrossene Telegramm lautet:

Neues Palais, 9, November, 11.45 Uhr. Das heute Morgen ansgegebene Bulletin lautet:Die'nach der Operation selbstverständlich auftretende entzündliche Reaktion läßt bereits nach. Man darf demnach mit dem Aussehen der linken operierten Stimmlippe zufrieden sein. Immerhin wird die Heilung der kleinen Wunde voraussichtlich noch einen Zeitraum voll acht Tagen in Anspruch nehmen. Das Allgemeinbefinden des Kaisers ist gut. Temperatur und Puls sind normal. Leuthold. Schmidt. Jlberg". Ter Hofbcricht meldet:Der Kaiser hörte gestern Vormittag den Vortrag des Geheimrats Dr. v. L u c a u u s."

VoMische Tagesschau.

Panama.

Der französische Ingenieur Bunau Va­ri l l a, welcher von der neuen Republik Panama zu ihrem Gesandten in Washington ernannt wurde, war längere Zeit als Generaldirektor des Panamatänalbaues tätig und an dem Unternehmen mit großem Kapital beteiligt. Als in­folge der Aufdeckung des Panamaskandals und des Zu­sammenbruchs der Gesellschaft die Förderung des Baues mit französischem, Geld unmöglich war, entfaltete Bunau Varilla in Nordamerika eine eifrige Propaganda zu Gunsten dieses Projektes.Gil Blas" sagt, man könne behaupten, daß Bunau Varilla der eigentliche Urheber der Revo­lution in Panama sei und daß er hierbei die Unter­stützung der Vereinigten Staaten von Nord­amerika gesunden habe. Bunau Varilla ist der Brudep des Herausgebers des PariserMatin", welcher jüngst die französische Regierung aufforderte, Kriegsschiffe nach Co­lumbia zu entsenden, da die dortige Regierung die Absicht habe, die der französischen Panamageselljchaft erteilte Ver­längerung der Konzession als verfassungswidrig nicht zu ratifizieren.

Bunau Varilla ist inzwischen in Washington ein getroffen und hat seine Beglaubigungspapiere und Vollmachten als bevollmächtigter Minister und außerordentlicher Gesandter der Republik Panama überreicht, ©r wird den Staatssekretär Hay sofort davon in Kenntnis setzen, daß er bereit und er­mächtigt ist, Verhandlungen über den Bau eines Pa­nama-Kanals einzuleiten. Er iift| der Ansicht, daß die Bevölkerung der Republik Panama ihrem neuen Präsidenten Vollmachten geben wird, sofort einen Vertrag abzuschliehen. Er erklärte, daß er Ehes-Ingenieur der alten Panama-Ge­sellschaft gewesen fei, niemals aber Angestellter der neuen Gesellschaft.

Ein Telegramm aus Panama besagt, daß die Republik die von Columbien seinerzeit eingegangenen Verpflicht­ungen übernehmen werde; es seien deshalb bereits ent­sprechende Vorkehrungen getroffen. Nach Meldungen aus dem Innern des Landes werden an allen Ortschaften, die sich der Unabhängigteitsbewegung angeschlosien haben, Truppen ausgehoben. Der amerikanische KreuzerBoston" ist in Panama eingetrossen.

Deutsches Keich.

Berlin, 8. Nov. An der am 27. und 28. November stattftndenden Letzlinger Hofjagd werden der Kaiser und der Kronprinz teilnehmen. 9kach Beendigung der Jagd ist ein Besuch der Stadt Tangermünde vorgesehen.

Kammermusik.

Gie ß en, 9. Nov.

Die Herren Trautmann, Hegar und^ Redner, (deren Konzerte sich schon seit Jahren einer großen Beliebt­heit erfreuen, haben auch in diesem Jahre ihre künstlerische Tätigkeit mit einer in jeder Hinsicht wohl gelungenen Kam- imermnsik eröffnet. In der großen Aula, die für diese Konzertunternehmungen verwendet wird, hatte sich ein zahlreiches Publikum eingefunden, ein Beweis, wie gern man sich an den Darbietungen des geschätzten Trios erfreut 'Alles, was wir gestern zu hören bekam, trug den Stempel höchster Vollendung, was bei der großen Routine im Ensernblespiel, die eine Folge fleißigen und gewissenhaften Studiums ist, nur die höchste Anerkennung verdient. Die Reihe der Vorträge eröffnete gestern ein Trio in H-dur, op. 8 des unvergeßlichen Johannes Brahms. Der Opuszahl hach gehörte diese Komposition zu den früheren Schöpf­ungen des Meisters, doch> ersahen wir aus dem Programm, daß noch eine zweite Bearbeitung existiert, die gestern zu Gehör gebracht wurde. Das klangschöne Werk, das in jedem der vier Sätze Allegro-oon^brio-Scherzo Allegro molto- Adagio-Allegro eine Fülle musikalischer Kostbarkeiten ent­hält, stellte die geehrten ausführenden Künstler vor eine zwar schwere, aber sehr dcurkdare Aufgabe, die sie zu all­gemeiner Befriedigung losten. Der stürmische Applaus, den

das beifallsfreudige Publikum nach jedem Satz spendete, ist der beste Beweis dafür.

Einen gleichen Erfolg erzielten mit einer Sonate für Pianoforte und Violoneello von Richard Strauß in F-dur, op. 6, die Herren Trautmann und Hegar. Auch diese Kom­position gehört zu den ersten Dondichtungen des großen Meisterst, doch birgt sie in den drei Sätzen Allegro con brio-Andante ma non troPPo-Finale Allegro eine große Fülle klanglicher Schönheiten, die in der geistvollen Inter­pretation der beiden Herren einen großen Eindruck machte, und gleichfalls durch reichlichen herzlichen Beifall ausge­zeichnet wurde. Me Schlußnummer des interessanten Pro­gramms bildete ein Trio in G-dur op. 1 Nr. 2 von L. van Beethoven. Diese Komposition ist weniger reich an tech­nischen Schwierigkeiten, aber sie wirkt durch die heitere Stimnmng, welche die Sätze eins, drei und vier durchweht, und durch den ernsten Satz an zweiter Stelle, der in all der Fröhlichkeit eine angenehme Abwechslung bietet.

Als einen mit vorzüglichen Stimmmitteln begabten Tenoristen, der auch in Bezug auf Aussprache, Atetn- holen und Vortrag nichts zu wünschen übrig läßt, lernten wir gestern den Herrn Koh mann ans Frank­furt a. M. kennen, der mit der Arie: Mit Würd' und Hoheit angetan (Haydn) und mit den Liedern: Geheimnis (Schu­bert) und Geständnis (Schumann) die Zuhörer so begeisterte, daß sie ihn nicht ohne Zugabe, Sehnsucht von Rubinstein, ziehen ließen. >Pr.

Nach Mommsens Tode. Anläßlich des Todes des Professors Mommsen gab der italienische Unter­richt sminister in einem an den preußischen Kultus­minister ae^ch^ten Telegramm seiner und der Gelehrten Italiens Teilnahme Ausdruck. Das italienische Tele­gramm lautet übersetzt: Der Tod des Professors Mommsen ist ein besonderer Verlust für Nom und Italien, deren Geschichte er seine ganze Genialität des Geistes und ganze Größe der Arbeitskraft widmete. Niemand beherrschte in größerem Umfange als er die ganze Wissenschaft des Altertums in bewunderungswürdigem Zusammenfasfen. Alle unter uns, die siudierend und unterrichtend Verehrung hegen für die Höhe des menschlichen Wissens, vereinigen sich mit mir, um den Gelehrten Deutschlands den Ausdruck tiefsten Beileids zu übermitteln. £)er preuß. Kultus­minister antwortete ebenfalls in italie­nischer Sprache: Mit aufrichtigem Danke für den teilnehmenden Ausdruck des Schmerzes, den der Unterrichts- minister zusammen mit den Gelehrten Italiens wegen des Todes Mommsens empfindet, Tyoffc ich lebhaft, daß das enge Band, das durch die Arbeiten des unsterblichen Er­forschers der römischen Geschichte und Bürgers der ewigen Stadt zwischen den wissenschaftlichen Studien beider Natio­nen gewoben ist, für alle Zeit erhalten bleibe.,