Ausgabe 
9.11.1903 Erstes Blatt
 
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Dolilischc Tagesschau.

Gegen den amerikavifchen Tabakstrust.

Eine in Dresden von über tausend Personen besuchte öffentliche Versammlung, an welcher auch ein Vertreter der sächsischen Regierung tcilnahm, beschloß, nach einem Vortrag des Hanfrelskammersyndikus S ch l o ß m a ch e r - Offenbach a. M. gegen die amerikanischen Trusts, den auf em gesetzliches Verbot des Gutscheinwesens gerichteten, an die Verbündeten Regierungen gelangten Antrag der Vereinigungen des deut­schen Tabakgewerbes zu unterstützen und der Staatsregierung angelegentlich zu empfehlen. m ,

Mch den Angaben SchloßmacherS gibt eS gegenwärtig m Amerika 82 Trusts mit einem Grundkapital von 17,25 Milliarden Mark. Der kleinste dieser Trusts sei jnit 40 Millionen Mark kapitalisiert. Sie schalteten mittelst dieser gigantischen Kapitalkraft jedweden selbständigen Wettbewerb aus. In Amerika zeige sich schon ein bedeutender Rückgang in der Zahl der einzelnen Unternehmungen. Tort seien viele tausend Familien ihres Wohlstandes beraubt. In Deutschland mache sich jetzt vor allen der Tabaktrust fühlbar, der vor zwei Jahren die große Zigarrettenfabrik von Iatzmatzi in Dresden ausgekauft habe, um nach und nach das gesamte deutsche Tabakgewerbe zu erdroffeln. Unzählige kleinere und mittlere Kaufleute und über 2 0 0 000 deutsche Arbeiter seien dadurch bedroht. Um em Fahr­rad oder sonst einen verlockenden Wertgegenstand durch Gut­scheine zu erlangen, muffe man jahrzehntelang die Trust­zigaretten maffenhaft konsumieren; die Gutscheine aber ver­fielen, was den meisten unbekannt sei, nach etwa vier Jahren.

Zu den viel besprochenen geheimen Konferenzen nimmt die Saale Ztg." nochmals Stellung und führt aus: An den Konferenzen zur Bekämpfung der Sozial­demokratie hätten dem Hose und der Regierung nahe stehende Persönlichkeiten, industrielle und sonstige Erwerbs­kreise teilgenommen. Die Grundstimmung der V?rsammlung ging dahin, auf neuen Bahnen zu versuchen, dem im Jntereffe des Staates wie der Gesellschaft erstrebenswerten Ziele der Bekämpfung der Sozialdemokratie nahe zu komm->n. In einer neuerlich in Berlin stattgehabten Konferenz sei auf dem Standpunkte festgehalten worden, daß eine wirksame Bekämpfung Hand in Hand sozialen Reformen gehen müsse, wobei man sich frellich nicht verhehlt, daß der Erfolg solcher Reformen solange zweifelhaft sei, als nicht die irre geführten und verhetzten Ar­beitermassen darüber aufgeklärt würden, daß sie den Agitatoren lediglich als M i t t e l z u m Z w e ck dienen. Man will deshalb zunächst versuchen, an Hand der sozial:, stischen Theorie sowie der Aeußerungen der Führer und Agi­tatoren, den Massen die Augen über die sozial­demokratisch cn Lehren zu öffnen und der sozia­listischen eine antisozialistische Agitation ent­gegen zu setzen. Zunächst soll ein Programm ausgearbeitet und mit diesem erft dann an die Oeffentlichkeit getreten werden, wenn es gelingt, die Ausführung des Planes auch nach der finanziellen Seite zu sichern. Das Blatt glaubt nach seinen Informationen versichern zu können, daß dies in nicht allzuferner Zeit der Fall sein wird.

KoloniaLpost.

__ Von dem Ausstande der Bondclzwarts in Deutsch-Südwestafrika werden nach einer Meldung aus London derDaily Mall" aus Kapstadt Einzelheiten berichtet. Darnach beträgt die Zahl der in Warmbad ermordeten Deutschen 50. Hierin sind zerstreu wohnende Ansiedler nicht eingerechnet. Unter den am Oranjefluß eingetroffenen Flüchtlingen befindet sich die deutsche Familie Pappge, der es gelang, über den Fluß zu setzen. Die Ursache der Revolte sei die Forderilng der deutschen Beamten, daß die Eingeborenen zeitweise ihre Waffen behufs Registrierung aus händigen sollten, was diese verweigerten. In emer deswegen oorgenommenen Unterredung wurde ein Häuptling frech, weshalb ihn Leutnant Jobst mit dem Revolver niederschoß, woraus die Emgeborenen ihn und drei Mann seiner Leute ermordeten. Die deutsche Garnison in Kees- maushop, die nach einer Londoner Meldung aus 60 Weißen

mit zwei Berggeschützen und einem Maximgestchütz besteht, wurde ebenfalls angegnffen.

Der Abschied des Zarenpaares.

R. B Darmstadt, 8. Nov.

Es war ein sesfelnfres, lebensvolles Bild, das sich am Samstag nach.mitto.-g beim Scheiden der russischen Kaiser- samilie und unseres Großherzogs mit Prmzeßchen Elisa­beth auf Station Egelsbow darbot. Der kleine, unschern­bare Landort, der von seinen dürftigen Verkehrsverhälb- nissen heute eine charakteristische Probe abgab, indem die weit am Ende des Torfes gelegene kaiserliche Postagentur sich außer Stande erklärte, Telegramme zur Beförderung anzunehmen, hat es sich bei Anlegung der Haltestelle der Main-9ieckar-Bahn gewiß nickt träumen lassen, daß er der­maleinst Wochen hierdurch die Aufmerksamkeit aus sich lenken und sogar den Vermittler einer Begegnung zwischen fron beiden mächtigsten Herrschern in der Welt bilden würde. Tas nur ein Viertelstimdcben davon entfernte ehemalige Jagdschloß Wolfsgarten blieb lange Jahre unbenutzt, und nur die Vorliebe der Zarin für ihre angestammte hessische Heimat und die schönen Erinnerungen an die glücklichen Tage der Kindheit, die sie dort verlebte, haben dem ge­räumigen, waldumrauschten Schlosse zu seiner jetzigen Be­rühmtheit verzollen. Aus der Baynstaüon Egelsbach bildet ein schmales Zinimerchen den Wartefaal 1. und 2. Klasse, und das letzte, nach Norden gelegene Zunmeichcn isst, zu einer Art Furstenjalon eingerichtet, in welchem zur Not etwa ein Dutzend Personen verweilen können.

Ta auch der schmale Bähngech keinerlei Platz zur Unterbringung größerer Menjchemrupvs bietet, so mußte schon am Donnerslag beim Empsang Kaiser Wilhelms die Ehrenschwadron der Darmstädter LeUwragoner unter Führ­ung des Rittmeisters v. Mattenden aus der dem Bahnhose gegenüber beginnenden Fahrstraße nach Wolssgarlen Aus­stellung nehmen, und gestern waren die Dragoner gegen­über in der Front der langen Dorfstraße postiert.

Nur wenigen Bevorzugten war es vergönnt, die Be- grußungs- und Abschiedsszene in der Nähe zu betrachten, 'tchchdem man eine Zeit lang vergebens auf die Antunsl des russischen Hofzuges gewartet hatte, sah man in zwei Hofwagen die vier kaiserlicy-en Prinzessinnen und Prinzeß Elisabeth mit ihren Hosdamen herbettommen. Zehn Mi­nuten später kamen auch in eleganter Fahrt die drei be­kannten Automobile heran, im ersten offenen der Zar mit dem Großherzog, im zweiten die Kaiserin mit ihren Hos­damen und zuletzt Prinz und Prinzessin Andreas von Griechenland.

Wenige Minuten darauf kam auch der kaiserliche Sonder­zug, von zwei mächtigen deutschen Lokomotiven geführt; ein zehn Minuten sruher vorbeigesauster Schnellzug hatte die ganze primitive Station erzittern gemacht, der lange, stolze Kaiserzug mit den dicken Gummireifen an den Rädern kam majestätisch langsam und säst lautlos daher. Bei seiner Ankunft traten die Fürstlichkeiten aus dem kleinen Salon, und nun entwickelte sich ein äußerst glänzendes, malerisches Leben. Dem Grasen Lamsdorfs, der sieh noch einmal zur Verabschiedung eingefunden hatte und mit dem russischen Generaladjutanten Baron v. Frederickez zuerst dem Hofzug entstieg, jolgte eifrig salutierend die lange Reihe der Hos- beamten in ihren glänzenden, goldbefälen Uniformen, und daneben erschienen auch die hessischen Vertreter, Oberst- hosrnarschall v. Westerweller, Gene-aladjutant v. Wachter u. v. a. Auch Prinz Franz Joses von Battenberg und Gemahlin waren zur Lerab,chiedunL aus Darmstadt ein- getrossen. Der Zar, der ebenso wie der Großherzog Zivil­kleidung und schwarzen Schlapphut trug, schritt sofort aus seinen Minister zu und schüttelte ihm kräftig die Hand, dessen mächtiger kahler Schüdeh nur von ein paar ver­späteten Schößlingen von hinten her sanft umschattet, leb- hast kontrastierte mtt den Zahlreichen schwarzköpfigen Voll- blutrussen und den starten, spitzen Schnurrbärten der Ossi- ziere und Achutunten. Nach kurzem russischen Gespräch be­grüßte der Zar auch den Fürsten Kubascheff und den Kreis­rat v. Hombergk-Offenbaa)., indes der Großherzog sich zum Grasen Lamsdorfs und anderen russischen Herren walidte. Auch der Kaiser hatte viele der zurückbleibenden Damen und Herren noch mtt freundlichen Ansprachen ausgezeichnet und däbei wiederholt die Hoffnung auf einWiedersehen in Darmstadt'- ausgedrückt. Und als dann zum Abschied die Herren frer in voller jugendfrischer Schönheit und Anmut ersMch-lendbu Herrscherin galant die Hand küßten und die Tarnen sich ttef verneigten, da ging ein Zug tiefer Rührung über das Antlitz- der hohen Frau, ein inniges Gefühl der Wehmat, das die so beliebte hessische Fürstentochter auch mtt der Kaiserkrone auf dem Haupt beim 'Abschied von der

Heimat empfand. Unterdessen hakten die hohen Reisenden den Großherzog begleitet Oberststallmeister Freiherr, Riedesel wid Hofjagdzeug-Jnspektor Germann die Wagen bestiegen, und das Zeichen zur Abfahrt ertönte. Da traten Zar und Großherzog ans Fenster und winkten den Zurück- bleibenden Abjchiedsgrüße zu. Ein Pfiff, und unter lebhaftem 5)üteschwenken und begeisterten Hurrarufen fuhr der Zug von dannen, den wohl alle Anwesenden und das gMize Hessenland mit den besten Wünschen für eine glückliche Fahrt und eine frohe Wiederkehr unseres Großherzogs mit seinem Töchterchen begleiten.

Posen, 8. Nov. Der Sonderzug mit dem ruffi* schen Kaiserpaar und dem Großherzog von Hessen ist um 93/4 Uhr vormittags hier eingetrofsen und nach kurzem Aufenthalt weitergefahren.

Aus Klaöt uui) Land.

Gießen, den 9. 9!ovember 1903.

* Personalien. Se. Kgl. Hoh. der Großherzog haben dem Hofjunker Dr. jur. Cornelius Freiherrn Heyl zu Herrnsheim zu Worms a. Rh. die Erlaubnis zur An­nahme und zum Tragen des ihm von dem Könige der Hellenen verliehenen Offizierkreuzes des Erlöserordens und den Nachfolgenden die Genehmigung zur Annahme und zum Tragen der ihnen von Sr. Majestät dem Kaiser von Rußland verliehenen Dekorationen erteilt: Den St. Stanislausorden 2. Klaffe: dem Dlajor a. D. Beck. Die Große Goldene Medaille am Bande des St. Annenordens: dem Oberwacht- meister Seibel im Großh. Gendarmerietörps. Die Kleine Goldene Medaille am Bande des St. Stanislausordens: den Wachtmeistern Kern, Herget und Weckmann im Großh. Gendarmeriekorps. Die Kleine Silberne Medaille am Bande des St. Annenordens: den berittenen Gendarmen Heß, Jäger, Jahres, Schmidt und den Fußgendarmen Fabian, Bauer, Diehl. Die Kleine Silberne Medaille am Bande des St. Stanislausordens: den berittenen Gedärmen Aßmus, Becker, Buhr und den Fußgendarmen Rockmer, wlau, Wenzel, Krämer, Lehr, Malsch, Gebhard, Waitz, Frühling, Bambey, Oestreich, Port, Bender. Den St. Stanislausorden 3. Klaffe: dem Hofmarstallamts-Assistenten Friedrich Engel. Die Große Goldene Riedaille am St. Stanislausordensbande: dem Hofstallsouragemagazinsoerwalter Georg Friedmann, dem Hofslallmagazinsverwalter Heinrich Kircher. Die Große Silberne Medaille am St. Stanislausordensbande: dem Sattelmeister Robert Müller, dem Leibkutscher Karl Schneider. Die Kleine Goldene Medaille am St. Annen- ordensbande: den Hofkutschern Konrad Weber, Karl Rtensens, August Er mel, Philipp Prät orin s, Heinrich Zimmer, Heinrich Heinz; den Hofreitknechten Peter Stein, Karl Christ, Kaspar Rickert, dem Hofwagenwätter Christian Döring, dem Fouragemagazinswätter Heinrich Bonarius und dem Hosstallsattler Christian Alüller. Die kleine Silberne Medaille am St. Stamslausordensbande: dem Hofwagenwärter Ludwig Metzger und den Hojltall- beiknechten Johann Weißgerber und Heinrich Zu lauf. S. K. H. der Großherzog haben den Dirigenten der Justisikatur der Ober-Rechnungskammer, Rechnungsrat Georg B e ck e n h a u b, auf sein Rachsuchen unter Anerkennung seiner langjährigen, treugeleisteten Dienste in den Ruhestand versetzt und ihm aus diesem Anlaß die Krone zum Ritterkreuz II. Klaffe des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. Der Ober-Rechnungsrevisor bei der I. Justikatur- "Abteflung, Rechnungsrat Heinrich Weber, wurde zum Dirigenten der Justisikatur, und der Revisionsgehilfe Georg Klippert aus Lauterbach zum Ober-Rechnungsrevlsor bei der Iustifikatur-Abtellung der Ober-Rechnungskammer. Das Ehrenzeichen für Mitglieder freiwilliger Feuerwehren ivurde verliehen den Mitgliedern der freiwilligen Feuerwehr zu Mainz August Julius Bockenheimer, Dlichael Resch, Heinrich Jakob Reidel, Emil Pross, Georg Glock, Josef Mandavia, Josef Geyer, Daniel Krabber und Leonhard Diehl. Der Vorstand des Erbschaftssteueramts, Geheimer Regierungsrat Muhl wurde auf sein Nachsuchen unter Anerkennung seiner langjährigen, treu geleisteten Dienste in den Ruhestand versetzt und ihm die Krone zum Ritter­kreuz I. Klaffe des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. Der Forstaffessor Hugo Gilm er aus Birkenau rvurde zum Forstassistenten ernannt. Ernannt wurde der

die kaum zu überwinden sind; die Margot des ersten und IM Theater einen litterarischen Anstrich zu geben ^0»^ |

vierten Aktes - m denen Frst Hohl recht glückliche Mio- aereitelnt P- W> ffSÄTS ü

mente hatte steht im strikten Gegensatz zu der des zweiten und dritten.

Die übrigen Figuren des Stückes, die fast das ganze Personal auf die Bühne sühtten, sind zumeist nur kurz episo­disch behandelt und geben zu Erörterungen kaum Anlaß. Nur Herr Linzen sei noch erwähnt, der die kleine Rolle des Admirals Cöllgny recht wirkungsvoll spielte. Die In­szenierung verdient volles Lob. Sind aber im Louyre wirk­lich die Schlafzimmer so nischen-, küren- und säulemeich und zudem so offenen Hallen ähnlich?

Der äußere Erfolg blieb nicht aus, und besonders nach den Szenen der zweiten Hälfte war der Beifall außerordentlich lebhaft, und zwar wohl nicht allein um der, im ganzen gelungenen Darstellung willen. Auch der geschichtliche In­halt der Dichtung dürste das Publikum besonders erregt haben. In unserer Zeit der y£o§ von Hom "-Bewegung in Oesterreich, Frankreich und Spanien, in unserer Zeit, da so tapfere Zeitschriften, wie die ^Wattbrirgstimmen",bie Freistatt" und dieJugend" ihre Berechtigung haben, hat dieses Lindnersche Drama, so folterns es auch auf den Beschauer wirkt, weil es von keinem Lichtsttahl erhellt wird und in seiner düsteren Stimmung von Anfang bis zum Ende behartt, ein besonderes historisches Jnstreffe. Freilich, jene Zeit gehört einer schwarzen Vergangenheit an, da, um das schauerliche Bild Heinrich Heines zu gebrauchen, die graue Bartholomäusnacht mit rotem Schattenfinger ans Fenster klopfte. Die Battholomäusnacht bleibt das krasseste und abschreckendste Beispiel von brutaler MeinungSverwaltigung und tyrannischem ^Umsturz von oben."

Der Besuch ließ leider im Parkett viel zu wünschen übrig. Gehött es denn noch immer zr.m sogenanntenguten Ton" in Gießen, den Sonntagsoorstellungen fernzubleiben, und will man das Bestteben der Direktion, auch den Sonntagabenden

" ----.tt-, teils Brandgräber ent-

ULCLLCU, ivuwcu |U1WVI ehemaligen Bodenoberfläche, wie auch unter derselben, also in dem gewachsenen Boden eingegraben, angetroffen. Die Grabfunde bestanden aus mehreren Eisenstückchen, Dongesäßen, Hals- und Armringen ans Bronze, einem kleinen Bronzemesser usw. An vielen Stellen des Hügels, vorzugsweise in seiner östlichen Hälfte, wurden muldenförmige, mit dunkler Erde und Asche aus­gefüllte Vertiefungen wahrgenommen, die häufig in den gewachsenen Baden eingegraben erschienen, aber keine Spur von Grabanlagen zeigten. Eine solche wnrBe jedoch 25 Ctm. unter der Oberfläche im nördlichen Teile des Hügels ge­funden. Der zweite der umstellten Hügel enthielt eben­falls drei Grabstätten, von. freiten die eine, welche 5 Meter nördlich von der Mitte gelegen war, nur winzige Knochen­teile und Reste von seinen Steinwertzeugen, sowie Stetn- splitter entlfielt, während in der zweiten, welche 2,5 Meter von der Mitte uiid 30 Ctm. unter der Oberfläche gelegen war, nur zwei Armringe aus Bronze nebst einigen bear­beiteten Jeuersteinchen gefunden wurden. In dem Hauftt- grabe endlich, standen sieben Tongefäße, zwei Urnen, zwei Becker und drei Schalen; in der einen lag ein sehr kurzes, halbjichelförmiges, mit zwei Nieten versehenes Eisenmesser. Tie beiden Urnen waren reich verziert durch eingeritzte Linien und rundliche Vertiefungen, die mit einer weißen Masse ausgesüllt waren. Auch in diesem Hügel fanden sich verschiedene muldenförmige Vertiefungen, die mit Asche und einzelnen KohlenstückHen angefüllt touren. In einem der übrigen Hügel lag dicht bei Kttochenresten, die nicht vom Feuer berührt waren, eine zerbrochene dolchartige Eisen'wasfe, ein kleiner zum Wehrgehänge gehöriger Bronze­ring und Reste eines dünnen Gewebes aus Silberfäden. An verschiedenen Stellen des 5)ügels tourden dicht bei Aschen­haufen ungebrannte Tierknoeyen gefunden, die von Herrn Konservator Msthardt im Großh. Staatsmuseum als Tier- lnocl)en bezeichnet wurden. Tas in der Mitte befindliche Lauptgrab enthielt nur einen Halsring aus Bronze; eine imeite Nachbestattung ergab zwei Bronze-Armrmge. Die Mehrzahl der Gegenstände gehört der spätesten La-Tsue-

Aufdeckung von Hügelgräbern. Kürzlich wur­den auf Befehl des Großherzogs von Hessen unter Leitung des Hofrats Kohler im Kranichsteiner Park Untersuchungen von Hügelgräbern vorgenommen, bei denen sich, u. a den Kaiser und die Kaiserin von Ruh­la n fr, der Gr o ß h e r z o g und P r i n z u n d P r in z e s s i n Heinrich von Preußen beteiligten. Die sechs unter­suchten Hügel gehören einer Gruppe von 15 Hügelgräbern an, die etwa 10 Sm. nordöstlich von Darmstadt ans einer Sandfrüne liegen. Ihr Durchanefier beträgt 1422 Meter, ihre Höhe zwischen 0,40 und 1,80 Meter. Juns der geoss- neten Hügel enthielten je 25 Grabstätten, die an ver­schiedenen Stellen und in verschiedener Höhe angelegt waren, oer sechste zeigte keine Grabanlage, sondern IVz Meter östlich von der Mitte und 45 Cent, unter der Oberfläche eine etwas mehr denn einen Meter im Durchmesser haltende Asche- und Kohlenschicht, und neben denselben eme aus- gehobene, mit dunkler Erde ausgesiillte Grube. Diese Asche- und Lohlcnschicht war kegelförmig mtt kleinen, kaum faust­großen Gneisstücken überdeckt. Da man dres Gestein nicht in der dortigen Gvgend bricht, jo mußten diese Stücke im nahen Rutschbach ausgesucyl »norden jein. Die Mehrzahl dieser Steine war durck) Feuer fclpoarz gebrannt. 2r/s Meter westlich- von drejer Stelle fand sich in derselben Tiefe euie gleich große Afchenfchicht mit aufgehüuslcn Kvhlenstücken an ihrem nordöstlichen Rande; eine andere Stelle lag 45 Meter entfernt von der Mitte in südöstlicher Richtung. Gilt» seine Scherben verjchiedenartiger Tongefäße sanden sich au vielen Stellen, lieber die Bedeutung dreser eigentümlrchen Anlage konnte bis jetzt nieyts näheres festgestellt werden. Auch- die übrigen Hüzel enthielten ähnliche mit Asche und Kohlen aufzesüllle Stellen, zum Teil in unmittelbarer Rahe von Grabstätten, zum Teil in größerer Entfernung von ihnen. Fn dem letzteren Falle werden diese Platze von vielen Forschern für Stätten gel-alten, wo bet den Begräbuissererlüchteiten Opfer dargebracht wurden. Die