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Magen-Leiden Darm-Leiden Durchfall Blutarmut Bleichsucht
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stadt, hat die Jungen einmal einer Prüfung unterzogen. Die Jungen waren durchschnittlich begabt, hatten in ihrem Verhalten nichts Auffälliges, sondern waren überaus fröhlich und manierlich.
Zeugin Frau Ujadel, Gärtnerswitwe von Mannsee, war Haushälterin im Koch'schen Hause zu Ballenstedt und hat sehr viele Mißhandlungen der Jungen wahrgenommen. Eines Morgens waren deren Betten derart mit Blut besudelt, als ob ein Mord drin geschehen sei. Im Bette fanden sichKnebel und Stricke, mit denen die Jungen ins Bett gebunden waren. Der Fußboden, Bettvorlage und Wäsche waren voll Mut; das Handtuch sah aus, als wenn einer seine blutigen Hände hingewischt hätte. Die Mißhandlungen sanden häufig statt. Stöcke wurden zerschlagen, daß man nicht glauben sollte, daß man mit so einem Instrument überhaupt einen Menschen schlägt. Ein daumendicker Rohrstock war total zersplittert, sodaß die Fetzen daran hingen, sogar die silberne Krücke war voll Blut. Dippold hat den Stock dann abgeschnitten und einen neben einziehen lassen. Die Füße waren bis z u denKnienblaugrün und dick geschwollen, ebenso die Hände bis zu den Ellenbogen, am ganzen Körper blaue Flecken. Heinz zeigte einmal drei fingertiefe Striemen. Die Knaben mußten beim Essen stehen und zitterten häufig am ganzen Körper. Zeugin erklärt, es seien ihr allerlei Gedanken gekommen, Dippold könne mit den Kindern andere Sachen treiben. Zeugin bekundet ferner, daß sie nicht wagen durfte, über die Miß Hand langen zu reben. Einmal habe sie es versucht, da sei Dippold furchtbar aufgefahren. Sie regte sich über die Angelegenheit so auf, daß sie krank wurde.
Wilhelm Reileck, Kätscher bei Direktor Kochi in Ballenstedt, sah einmal, wie Dippold den Heinz mit einem Stocke schlug Jojo hatte einmal ein blaues Auge. Auf einmal habe Holliz ganz elend und blaß ausgesehen.
Friederike Hamann, Schmiedsfrau in Ballenstedt, hörte die Jungen oft schreien. Einmal bekam Jojo furchtbar Prügel und flehte: ©nabe, Gnad e, aber Dippold hörte nicht auf. Sein Lieblingsausdruck war „Saukerl". Wenn Frau Kochi kam, war er plötzlich „liebevoll".
Paul Butzmann, seinerzeit Kunstgärtner bei Direktor Koch! in Ballenstedt, erzälstt: Ich, tarn am 27. Januar nachts y212 Uhr heim. Im Schlafzimmer der Kinder Kochs war Licht und wir hörten das Jammern eine halbe Stunde lang, sodaß ich ins Haus dringen wollte, wovon mich aber meine Frau abhielt. Am 29. Januar früh fünf Uhr tarn jemand an das Fenster meiner Kammer und rief: ,,Machen Six schnell aus." Es war Heinz Koch der mir um den Hals siel und mich flehenllicy bat, ihn vor Dippold zu schützen, er könne es nicht mehr aushalten, der schlage ihn tot. Der Körper des Knaben war dicht mit blutigen Striemen bedeckt, sodaß es mich! ganz empörte. Ich ging bann ins Haus hinüber unb teilte Dippold mit, daß Heinz bei mir sei. Dippold kam bann und riß den zitternden Jungen aus meinem Bett und nahm ihn mit. Dippold sagte, ich solle d en Bor g an g geheim halten. Der Verkehr zwischen ihm und den ZögUngen war äußerlich herzlich, doch schlug er sie häufig, weil sie weit im Lernen zurück seien. Als ich die Jungen fragte, warum sie denn nicht nach Hause schrieben, sagten sie mir, ihr Hauslehrer lasse fie keine Minute allein. Sogar
Handel und Verkehr. Volkswirtschaft.
Berliner Börse vom 8. Oktober 1903.
(Mftgeteilt von der Bank für Handel und Industrie, Gießen.)
Wie die vorhergehenden, so verkehrte auch die heutige Börse in durchaus fester Haltung. Auf dem Montanmarkt wurden heute Eisenwerte bevorzugt, für welche auf die Nachricht von der Erhöhung der Eisenpreise größere Kaufaufträge vorlagen. Kohlenwerte lagen trotz größerer Gewinnrealisationen andauernd in guter Tendenz. Die besseren Nachrichten über die Lage auf dem Balkan führten zunächst zu einer festeren Haftung der Türkenwerte, aber auch österreichische Fonds zeigten auf die Meldung, daß die bulgarischen Banden vorläufig die Feindseligkeiten einstellen werden, bessere Haftung. Bankaktien lagen bei mäßigen Umsätzen recht fest; Renten gut behauptet, nur Spanier gedrückt auf das unbestätigte Gerücht, daß der Finanzminister Btllaverde zurücktrete. Von Bahnen verkehrten italienische in leicht abgeschwächter Tendenz, während für Prince Henry wieder lebhafte Nachfrage herrschte. Auf dem Kassaindustriemarkt waren vorwiegend Kursaufbesjerungen wahr- zunehmen. Lebhaftes Geschäft per Kasse und per Ultimo entwickelte sich in den 4 pEt. San Louis u. Francisco Bonds, für welche man west bessere Kurse sieht.
Privat-Diskont 3 Prozent.
Oest. Kredit .
Harpener Bergbau
I Schluß-Tendenz: Fest.
— $ttt industriellen Lage. Die deutsche Gasglühlicht- Gesellfch'afl zahlt, wie schon mitgeteilt, eine Dividende von 9 pEt. liebet das laufende Geschäftsjahr erfährt man, daß sich die Glühlichtabteilung normal entwickelt hat. Vom 1. Januar wird das Gasglühlicht eine Erweiterung erfahren, es soll eine Exportabteilung eingerichtet werden, lieber die Osmiumlampe wird mitgeteilt, daß sie sich gut bewährt hat und daß dH Einführung einen geregelten Fortgang nimmt. — Die Düsseldorfer Eisengießerei und Draht- Industrie hat im abgelaufenen Jahr einen Reingewinn von 104 505 Mk. erzielt, wodurch sich die Unterbilanz aus 754 096 Mk. vermindert. Heber das neue Geschäftsjahr wird gemeldet, daß die Besserung an hält, lieber den eventuellen amerikanischen Wettbewerb habe mail kein Urteil, doch wird geglaubt, daß sich die Unternehmung bei ihren vorzüglichen technischen Elmchtungen auch künftig als wettbewerbsfähig erweisen wird.
— Bom Petrolcum-Alarkt. Die Petroleumpreise steigen an allen Hauptstapelplätzen. In Hamburg find dieselben um 75 Pfg. pro Zentner in die Höhe gegangen, in Mannheim ebenfalls um 70 Pfg. Die Preiserhöhung erstreckt sich auf alle Petroleummarken. Auch in Newyork haben sie angezogen. Weiler liegt ein Rundschreiben der Deutsch-Amerikanischen Petroleumgesellschaft vor, in welchem sie mitteill, daß sie gezwungtn ist den Preis für aus Straßenwagen bezogenes Petroleum ab 7. Oktober um 8/< Pfg.
doch tüchtig zu arbeiten. Darauf habe Heinz zu seinem Vater gesagt, er könne seinen Papa gar nicht mehr lieben. Er sei mit seiner Frau unb zwei Töchtern,nach Cannes gereist zur Erholung unb es war bie erfreuliche Nachricht von Dippold eiugetr offen, baß seine beiden Zöglinge sich in bester körperlicher unb geistiger Verfassung befänben. Plötzlich sei am 10. März bie telegraphische NachricA von bem' Tode des armen Heinz eingetroffen. Heber die Todesursache tonnten sie sich gar keinen Begriff machen.
Staatsanwalt: Haben Sie erlaubt, mit einem Ziegenhainer von 3 Zentimeter Durchmesser Ihre Sohne zu prügeln? Zeuge: Das ist ganz und gar ausgeschlossen. Von der ersten großen Züchtigung habe ich direkt nichts erfahren, weil man mir bie Auflegung mit Rücksicht auf meine Geschäftsüber lastung ersparen wollte. Am 27. Januar bekam
hxrnz vor, welches anfängt: Saukerl habe ich Herrn Haus- i Lcbrer geheißen, well er bie Knochen abkaut unb mit dem : Messer ißt, das nehme ich als unwahr zurück^ daß er mit < "Rädchen unsittlichen Verkehr pflegte, nehme ich zurück. In i diesem „Selbstbekenntnis" werden die Geschwister und bie ! Ellern des Heinz .ikoch in geradezu unglaublicher Weise 1 beleidigt, es sind teuflische Ei-sinbungen, deren diese Per- 1 fernen beschuldigt werden. Schließlich schreibt Heinz Koch: • Ich bereue es, dies alles gesagt zu haben und widerrufe es | als unwahr. Unterschrift: Heinz Koch Gelesen: Jojo Koch. 1 Frau Koch war über den Inhalt dieses Selbstbekenntnisses : entsetzt, sie hielt ihren Sohn Heinz für unzurechnungs- 1 Mia, fürchtete bas Schlimmste für ihn unb schrieb in : biefem Sinne an Dippold. Dieser trieb die Sache noch . toeiter. Heinz Koch mußte ein weiteres Selbstbekenntnis schreiben. Er begann: Aus meinem Diarium der Selbst- : erkenntnis. Erblich belastet, sage ich: Wie bie Alten summen, zwitschern auch die Jungen. Was der Knabe sündigt, > nnch der Jüngling büßen. — Dippold stellte Heinz noch bin, als ob er den Unterschied zwischen mein und dein nicht kenne. Direktor Koch schrieb an seine beiden Söhne unb ermahnte sie ernstlich, ordentliche und brave Menschen Lu werden, dies könne aber nur geschehen, wenn sie ihrem Lehrer Dippolb in jeder Beziehung folgen. Direktor Koch hielt seine Söhne mehr für i^nglücklick) als wie für schlecht. — Aus diesem umfangreichen Briefwechsel geht hervor, daß Dippold entweder der raffiniert este Gauner oder geisteskra nk ist.
Heinz Koch gestand am Neujahr 1903 seiner Mutter, daß er ihr 5 Mk. gestohlen habe und gab ihr reumütig diesen Betrag zurück. (Soll Tippold augeftiftet haben.) Frau Direktor Koch schrieb unterm 5. Januar d. I. einen Brief an ihren Sohn Heinz, der den ganzen Jammer eines gequälten Mutterherzens widerspiegelt. Sie schrieb:. Als Du mir das Bekenntnis ablegtest und mir das Gelb gabst, kämpfte ich mit aller Gewalt bie Empftnbungen nieder, die mein armes Mutterherz durchdrangen. Wo ist mein kleiner unschuldiger Heinz hingeraten, nun ist er ein Dieb. Wie soll ich nur diesen Jammer ertragen. Wir müssen uns auf lange Jahre trennen, bis Du Dich besserst. Papa darf von Deiner Schande nichts wissen ?c. Am 20. Februar, gelegentlich des Geburtstages ihres Sohnes Heinz und nachdem Dippolb in einem Briefe hatte durchblicken lassen, daß bei Heinz eine Besserung bemerkbar fei, schrieb Frau Koch! nach Drofendorf: Meine Verzeihung ist Dir gewiß, wenn ich wieder ein reines treues Herz bei Dir finde.
Präs.: Wie kommt es, baß Sie mit dieser schwergeprüf- - ten Frau gar keinen Funken Milleid hatten. Angell.: Es tat mir weh; ich habe mich der Sache Tag unb Nacht ge- widmet und habe sogar mein ganzes Studium deshalb aufgegeben. Ich habe mich jeden Genusses von Wein und Bier «mthallen unb auch des Rauchens. Ich habe mich körperlichen Beschäftigungen unterzogen, bie mit meiner Stellung nicht im Einklang stauben. Man hat mich deswegen in der ganzen Umgegend verlacht und verhöhnt und tnotzdem habe ich ausgehalten. Daraus spricht Anteilnahme genug! Ick) liebte meine Zöglinge und opferte mich, ihnen Tag unb Nacht, um sie zu erziehen. Ich habe gedacht, jebes Mittel zur Heilung der Knaben von ihrem Laster anwenden zu müssen und zu dürfen. Und ich werde noch beweisen, baß Prügel bas einzig wirksame Mittel gegen solche sexuelle Ausschreitungen sinb. (Große Bewegung im Publikum.)
15. Zeuge: Rudolf Koch, TgL Kommerzienrat, Direktor der Deutschen Ba nk in Berlin, gibt an, daß er mit seiner Frau in außerordentlicher Fürsorge für feine Knaben den Dippold für kurze Zeit engagierte. Die beiden Knaben waren nette, reizende Jungen, ohne besorgniserregende Eigenschaften. Bei dem getöteten Heinz mar vom Scharlach her ein Ohrenleiden zurückgeblieben. Seine Frau habe behauptet, sie hätten jetzt eine Persönlichkeit gefunden, die im stunde sei, die Knaben in ihrer Ausbildung dahin zu bringen, wohin sie gebracht werden sollten. Dem Zeugen ist nicht im mindesten ein Gedanke an das Laster gekommen, das seinen beiden Söhnen von Dippolb an gedichtet wurde. Hier stehe er vor einem vollständigen Rätsel. Im November erhielt er die erste Nachricht darüber. Zeuge erklärte es sofort für unmöglich. Wenn er sich bas blühenbe Leben seines Heinz mit dem weichen Gemüte und seinen lebenslustigen Jojo vorsteile, bann könne er jetzt noch diese Beschuldigungen nicht begreifen. Zu Weihnachten sah er bie Jungen toieber, sie sahen elender aus und Heinz war magerer geworden, was man den vielen körperlichen Hebungen zuschrieb. Zeuge erklärte, daß ihm bei seinem vielseitigen und anstrengenden Berufe weyig Zeit übrig bleibe, sich um bie Erziehung seiner Kinder zu tümmern. Er habe die Erziehung seiner Frau üb erlassen müssen, die dabei von Dippold auf das Schmählichste hintergangen worden sei. Das „Selbstbekanntnis" von Heinz erkläre er für bie größte Inf amie und die elendeste Büberei, die denkbar ist. Nichts, kein Wort daran ist wahr. Ich hätte mein ganzes Vermögen meinem Sohne Heinz überlassen und kein Pfennig wäre von Heinz entwendet worben. Das ist ja das Schändlichste, daß die Ehre meines Sohnes in einer so fürchterlichen Weise angegriffen wird. Diese Ideen (in bem Selbstbekenntnis) sind aus meinem Sohne her aus gezogen worden. Meine Söhne wären aus sich heraus niemals auf solche Sachen und Gedanken gekommen. Heinz soll sich einen 1000 Mark-Schein angeeignet haben. Niemals habe ich einen solchen Schein bei mir gehabt und auch nicht vermißt. Der Junge hatte niemals Gelegenhell, Geld oder einen Check zu nehmen. Im Hause gab es außer einem kleinen Haushallungs geld überhaupt fein Gelb. In bieser Hinsicht ist alles erlogen. Auch sind mir feine Pretiosen abhanden gekommen, nicht der geringste Gegenstand ist mir weg gekommen. Auch in dem Kaufhaus Wertheim in Berlin habe Heinz nach dem „Bekenntnis" Kleinigkeiten entwendet. Er (Heinz) habe aus Eisen und Blech falsche 10 Pfennigstücke gemacht und diese in die Automaten in .betrügerischer Absicht geworfen. Auch habe er Umgang mit Dirnen gepflogen usw. Im Tagebuch des Dippolo staub, Heinz sei einmal in einer Unterredung mit seinem Vater von diesem ermahnt worden.
ich bann einen Brief vom Kastellan in Ballenstebt, daß Heinz zu ihm gekommen fei unb geklagt habe, er leibe an einer unheilbaren Krankheit. Auf biese Nachricht hin wurden Rittmeister Bugge und Professor Dr. Bogt nach Ballenstedt gesandt, um die Knaben zu untersuchen. Das Resultat war, daß uns erklärt wurde, die Erziehung der Knaben sei in den besten Händen, Dr. Vogt gratulierte sogar meiner Fran zu dem „idealen Erzieher". Eine körperliche Untersuchung der Knaben hatte nicht stattgefunden. Meine Frau wollte haben, daß bie Knaben in freier Natur aufwachsen unb durch keine Gesellschaft im Lernen gestört werden sollten. Deshalb sollten die Knaben während der Ferien nicht einmal nach Hause kommen, sondern mit ihrem Erzieher eine Reise machen. Meine Frau hängt sehr an ihren Kindern, sie ist bie beste Mutter und hätte ihr Leben für biese zwei Mab en hergegeben.
Nun erschien Frau Rosalie Koch in tiefer Trauer. Sie erzählte, wie sie den Dippolb als ^Hauslehrer anstellte unb wie sie itym ihr ganzes Vertrauen schenkte. Die Geschichte am Sylvestertage, wo Heinz ihr bas Geständnis ablegte, sie bestohlen zu haben, sei ihr unvergeßlich. Heinz habe erklärt, Dippold habe zu ihm gesagt, man dürfe das Jahr nicht zu Ende gehen lassen, ohne seine Sünden eingestanden zu haben. Als sie am nächsten £ag>? dem Dippolb darüber Vorhalt gemacht, wie Heinz sagen könne, er habe seiner Mama 5 Mk. gestohlen, habe Divpold entgegnet: Alles dies basiert auf Lüge. Was Dippolb bezüglich des ihm eingeräumten Züchtigungsrechtes anlangt, so sind dies grobe Lügen, niemals hat er mir gegenüber von der Anwendung eines Stockes gesprochen. Auf die Frage, warum es Dippolb so lange hingezogen habe, bis er sie (die Zeugin) von den geheimen Sündjen. der Knaben verständigte, habe Dippold gesagt, er habe sich erst ein klares Bild schäften müssen, bis er mit einer solchen Anklage her- vortreten könne. Er könne diese geheimen Süiiden in 14 Tagen heilen, denn er habe sich viel mit Medizin beschäftigt unb er sei viel in Krankenhäusern gewesen.
Präs.: Sinb Ihnen beim nie Bedenken gekommen, daß diese Sachen gar nicht wahr seien? Zeugin: Für mich war es entsetzlich, daß meine Söhne so entartet sein sollten; ich Hable« mich geschämt und mit meinen Knaben nicht über eine solche Sache sprechen können. Dippold sagte, in 14 Tagen sei alles vorbei. Als meine Söhne bei mir waren während der letzten Weihnachtsferien, beobachtete ich sie, sie schliefen fast bie ganze Nacht durch. Als ich diese Wahrnehmung Dippold mitteilte, sagte er, dies ist Verstellung, die s ckstafen nicht. Nach dieser Unterredung kam Heinz zu mir und sagte: Mama, wir verstellten uns, wir haben nicht geschlafen. Dippold stellte sich als den reinsten Engel dar, aber er hat gelogen, vom ersten bis zum letzten Wort!
Der Angeklagte erklärte, daß er auf die Aussage der Frau Koch nichts zu erinnern habe.
Medizinolrat Dr. Kraußold bemerkte, Frau Direktor Koch habe in der Voruntersuchung sich dahin ausgebrückt, sie habe bie feste Ueberzeugung, baß Dippolb die Knaben selbst zu b en geheimen Sünden benützte.
Zeuge Dr. Friedrich Garing, Sanitätsrat in Ballenstedt, hatte den Jojo einmal in Behandlung wegen eines verstauchten Handgelenks. Später sagte ihm fein Masseur, der den Jojo massierte, das Handgelenk sei infolge von Schlägen durch den Hausle hrer so geworden. Die Jungen wären sehr lebendig und sogar Wild sänge. Daß sie sexuell auf Irrwege gekommen sind, glaubt Zeuge nicht.
Dr. Wette, Oberlehrer am Realgymnasium zu Halb er -
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vor der Aborttür ging er auf und ab. Heinz hatte einmal furchtbare Striemen von den Schultern auf die Brust zu. Sein Urin war getrübt unb schlammig und ließ einen Bodensatz zurück. Zeuge ergänzt dann seine Aussagen dahin, daß Heinz, als er frülj fünf Uhr zu ihm kam,, auf bie Frage, was er denn habe, gesagt hatte: „Ich leibe an einer unheilbaren Geschlechtskrankheit." Butzmann setzte sich mit Bürgermeister Wendt von Ballenstedt in Verbindung, 10b er nicht nach Berlin berichten sollte. Beide schrieben dann an Frau Direktor Koch, daß die Kinder stark mißhandelt würden und sie sähen ganz greisenhaft aus. Von Direktor Koch lief dann ein Schreiben ein, sie seien über die Vorgänge orientiert und es seien Adotive dazu vorhanden, die ie (in Ballenstedt) nicht verstehen könnten. Die Knaben klagten außerdem über zu wenig Essen. Früh bekämen sie eine halbe Semmel, mittags zu wenig und abends eine halbe Semmel mit etwas Milch, „Wir verhungern entweder oder er erschlägt uns!" Zeuge mußte ür Dippolb Stöcke zum Prügeln besorgen, die aber zu chwach waren nach Dippolds Meinung, denn einer sei schon bei dem ersten Hiebe aus ein and erge fahren. Er sagte: „Von jetzt an werde ich mir selbst meine Stöcke besorgen." (Anhaltende Bewegung im Publikum.) lieber Dippolds sonstiges Verhalten äußert sich der Zeuge dahin, daß er sich, gern als Antisemit und Bauernbündler aufspielte, auch! zeigte er sich als großer Egoist. Besonders auf die besitzenden Klassen war er nickst gut zu sprechen. Reiche Leute kämen nicht in den Himmel, z. B. die Bankdirektoren. (Allgemeine Heiterkeit.) Die Offiziere waren ihm ein Dorn im Auge, weil sie sich zu viel einbilbeten, bloß mit dem Säbel rasseln könnten und doch Hohlköpfe seien. Er habe 7000 Mark Schulden, jedoch 3000 Mark bereits bezahlt. In Rußland habe er auch schon einmal ein Kind unterrichtet. Das sei aber gestorben. Seine Erziehung sei die „Zwangserziehung". Ohne Prügel könne kein Mensch ordentlich erzogen werden. Er gedenke ein Buch über „moderne Erziehungskunst" herauszugeben. (Allgemeine Heiterkeit.) — Hochinteressant gestalten sich die letzten Aussagen des Zeugen: Dippvld hat sich in der Badeanstall den Kindern ohne Badehose gezeigt. Auch liefen die Kinder beim Ballspiel mit aufgeschlagenem Hemd und herab gelassen er Hose herum. Dem Zeugen ist dies sehr verdächtig vorgekommen. Es gewinnt immer mehr den Anschein, als ob Dippo 1 d d en Knaben die sexuellen Verirrungen selb st suggeriert habe.
Bayreuth, 8. Okt.
Die Zeugenvernehmung wurde heute geschloffen und gestaltete sich, sehr belastend für den Angeklagten, namentlich die Schilderung des kleinen Joachim Koch über die unmenschlichen Graus amkeiteu, welche Dippold an seinem Bruder und an ihm beging, übten eine vernichtende Wirkung aus. Die acht medizinischen Sachverständigen erachteten den Angeklagten in moralischer Beziehung zwar für minderwertig, allein strafrechtlich vollständig verantwortlich für seine Tat. Sie erklärten den Angeklagten für grausamer und verrohter wie den gemein ft en Lu st morde r. Sein Hochmut und Eigendünkel grenzen nahezu an Größenwahn. — Das Urteil wird voraussichtlich morgen abend gefällt werden.
pro Liter zu erhöhen.
Märkte.
§ Butzbach, 8. Okt. Ter heutige Schweinemarkt erfreut* sich bei günstiger Witterung eines guten Besuchs. Wegen der in Nachbarkreisen bestehenden Seuchengefahr war der Auftrieb heute etwas geringer als sonst; trotzdem behaupteten sich die Preise auf der bisherigen Hohe.__
Anfanqs-
u. Schlußkurfe.
. 204.50
205.75
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216.37
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140.60
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190.62


