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9.10.1903 Zweites Blatt
 
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Zweites Blatt.

ISS. Jahrgang

Freitag 9. Ottover 1903

Nr 237

Erscheint täglich außer Sonntags.

Dem Gießener Anzeiger werden fm Wechsel mit dem yesstfchen Landwirt . die Siebener Familien, blätter viermal in der 1

Woche betgeUgL Rotationsdruck u. Ver­lag der Brüh l'lchen Nntvers.-Buch- u. Stein­druckerei (Pietsch Erben) Redaktion, (fcrpebttton und Druckerei:

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Gießener Anzeiger

General-Anzeiger ** 3S3K

AmK- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen HMZ

-eigenteil: panS Beck.

Are Iesttage in Aarmstadt.

R. B. Darmstadt, 8. Okt.

Die glänzenden Hochtzeitsfeierlichkeiten am hiesigen Hofe sind vorüber, aber das festliche Gepräge und das stark pulsierende Leben in der Stadt scheint nur sehr allmählich wieder zurückzugehen. Heute wenigstens war das allgemeine Straßenbild noch außerordentlich belebt; die Palais um­standen viele Neugierige. Als erster der erlauchten Hoch- zeitsgäste ist heute früh der Vertreter des Königs von Eng­land, der Herzog von Teck, wieder abgereist, dagegen sind heute früh 6.55 die beiden Kinder des Großfürsten Paul hier ein getroffen und am Bahnhof vom Großfürsten und der Großfürstin Sergius empfangen worden. Im Garten des Neuen Palais wurden heute vormittag zahlreiche photo­graphische Aufnahmen von den dort wohnenden Gästen des Großherzogs gemacht. Später machten viele der fürst­lichen Herrschaften Spaziergänge in die Stadt, der König von Griechenland nahm irr Begleitung mehrerer anderer Fürstlichreiten an dem Frühstück des Offizierkorps des 1. Hess. Dragoner-Regts. Nr. 23 teil. Um 1 Uhr war Familien- tafel im Neuen Palais. Viel besprochen und belacht wird folgendes Vorkommnis: Während zahlreiche Neugierige das Neue Palais umstanden und die Ausfahrt der fürstlichen Herrschaften sehnsuchtsvoll erwarteten, hatten sich diese in aller Verschwiegenheit zwei Wagen der elektrischen Straßen­bahn nach dem Marienpla.^ bestellt und durch den nach Westen gelegenen Garten aus gang das Palais verlassen. Am Marienplatz bestiegen die Herrschaften die elektrischen Bahnwagen und fuhren die bekannte Strecke bis zu den Hirschköpfen, von wo sie sich zu Fuß durch den Wald nach dem städtischen Gasthaus Oberwaldhaus begaben. Es war für die Passanten ein gewiß einzig dastehender Anblick, oas Zarenpaar, den Großherzog und die vielen anderen Fürstlichkeiten gemütlich auf der Straßenbahn fahren zu sehen. Die Hostvagen fuhren bald danach leer nach Ober­waldhaus, und die Neugierigen hatten das Nachsehen. Heute abend besuchten sämtliche Fürstlichkeiten die auf aller­höchsten Befehl angesetzte Galavorstellung im Hoftheater Aida".

Von der Hochzeitstafel, die gestern abend sich im Alten Palais den kirchlichen Traufeierlichkeiten an­schloß, sind noch mancherlei Details zu berichten. Der große Festsaal war mit Blumen- und Pflanzen schmuck aufs präch­tigste geschmückt, ebenso die Festtafel. Die Menukarten der Neuvermählten trugen Myrtenzweig und Seü)enbantr Wäh- renb der Tafel wurde vom Zaren ein sehr herzlicher Trink­spruch auf das junge Paar ausgebracht.

Im. Nebensaal waren die zahlreichen herrlichen Hoch- Keitsgeschenke ausgestellt. Das Hauptstück derselben bildet ein wunderbares Brillantdiadem des Zarenpaares, das gleichfalls höchst kostbare BrillantkoÄier des Groß­fürsten und der Großfürstin Sergius hatte die Braut gestern bei den Vermählun^zeremonien angelegt. Ganz entzückend ist auch das außerordentlicb kunstvoll in Gold gearbeitete Diadem, das der Großherzog gespendet hat und sehr prunk­voll wirkt ein kostbarer Tafelaufsatz des englischen Königs- paares. Auch die frühere Großherzogin von Hessen hat schöne Geschenke gesandt, so ein Lronenartiges goldenes Diadem und kostbare Spitzenstickereien, denen die Visiten­karte ,,Viktoria Melitta" beigelegt ist. Neben diesen und vielen anderen Gaben zieren Pvacchwerke, heimliche Blumen­arrangements ic. 2C. die Geschenke. Viel bestaunt wurde ferner noch her mächtige Hochzeits kuchen, der in hrei Teilen aus London hierher gesandt wurde und, hier zu­sammengesetzt auf silbernem Tablett, 120 Pfund wiegt. An den einzelnen Teilen sind kunstvolle Blumen, Jasmin, Rosenknospen 2C. angebracht, und das Ganze bildet ein Meisterwerk moderner Zuckerbäckerkunst.

Heute nachmittag hat sich Prinz Ludwig von Batten­berg mit seinem Sohn wieder nach London zurückbegeben. Morgen abend werden die Königin von England und das griechische Königspaar Darmstadt wieder verlassen.

Kirche uud Schule.

Rom, 8. Okt. Der Papst empftng den Direktor der Medizirlalangelegenheiten des preußischen Kultusministe­riums LBerregierungsrat Dr. Förster mit Gemahlin in Privataudienz, sowie den Prälaten de Wagl. Letzterer überreichte seine Biographie des Papstes, der hierbei er­klärte, er verstehe gedrucktes Deutsch gut.

Hamburg, 8. Okt. Auf das Huldrgungstelegramm der Hvuptversauunlung des Gustav Adolf-Vereins an den Kaiser ging folgende Antwort ein: Se. Majestät haben den Huldigungsgruß der. Hauptversammlung gern entgegengenommen und lassen Sie ersuchen, der Versamm­lung Allerhöchst-Jhren Dank für die freundlichen Segens­wünsche auszusprechen. Se. Majestät werden die t^ueArbeit der Gustav Adolf-Vereine auch ferner mit Allerhochft-Jhrern warmen Interesse begleiten und wünschen der _Tätigkeit der Vereine reichen Segen. Auf Allerhöchsten Befehl: Geh. Kabinettsrat v. Lueanus. - Ms Ort der nächMhriaen Hauptversammlung des Gustav Adolf-Vereins wurde Heidel­berg bestimmt. Die Wahl für die diesmalige größere Liebes­gabe des Gustav-Adolf-Vereins im Gesamwetrage von 22 805 Mk. siel mit 97 Stimmen auf die deutsch-evangelische Gemeinde zu Esperanzla in Argentinien. Czersk m Westpreußen erhielt 96, Gr o ßauh eim in Hessen 4o Stimmen.

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Kihunq -er Stadtverordneten.

8. Oktober 1903.

Anwesend Bürgermeister Mecum, Beigeordneter Georgi, die Stadtverordneten Brück, Emmelius, Euler. Faber, Hanau,

Haubach, Heichelheim, Helfrich, Huhn, Jann, Jughardt, Kirch, Löber, Petri, Schaffstaedt, Schwall und Wallenfels.

Entschuldigt: Beigeordnete Curschmann und Heyligenstaedt, die Stadtverordn. Dr. Gaffky, Dr. Gutfleisch, Keller, Krumm, Leib, Loos, Orbig, Pirr, Dr. Schäfer, Schiele.

Oberbürgermeister Mecum bringt ein Schreiben des Polizeiwachtmeisters Kasper, des Kriminalschutzmannes Pfeffer und des Schutzmannes Göbel zur Kenntnis, in dem die Genannten für die ihnen anläßlich ihres 25jährigen Dienst­jubiläums gewordenen Gratifikationen ihren Dank abstatten.

Der Rechnungsabschluß des Realgymnasiums und der Realschule, der u. a. einen städtischen Zuschuß von 40 800 Wik. (einschl. der sachlichen Ausgaben) und eine Ein­nahme von 50 236 Mk. an Schulgeld verzeichnet, wird ge­nehmigt.

Bei der Vorlage des Rechnungsabschlusses des Gas- und Wasserwerks für 1902/03 fragt Stadtv. Kirch über dre Durchführung des s. Z. gefaßten Beschlusses wegen Auf­gabe des Verkaufs von Gaseinrichtungsgegenständen, Leucht­körpern u. s. w. an. Oberbürgermstr. Mecum bemerkt, daß Neuanschaffungen nicht mehr gemacht worden seien, der Bestand nach und nach geräumt werde. Der Rechnungs­abschluß des Gaswerks enthält u. a. folgende Angaben:

Die Einnahme verzeichnet 193 850.61 Mk. für Gas an Private, 31 799.77 Mk. für die Straßenbeleuchtung der Stadt und 2 024.50 Mk. Selbstverbrauch. Die Summe der Betriebseinnahme, also mit Nebenprodukten und Ein­richtungen, beträgt 572 427.78 Mk. Für das Ver­mögen ist eine Kapitalausnahme von 11057.68 Mk. hin- zugekommen. Die Summe der Betriebsausgaben beträgt 447 450.74 Mk.

Aus dem Rechnungsabschluß des Wasserwerks sei folgendes mitgeteilt:

Eingenommen wurde für Wafferzins von Privaten 98 841.41 Mk. und für öffentliche Zwecke 9902.60 Mk. Die Summe der gesamten Betriebseinnahme beträgt 205 218.96 Mk. Für das Vermögen wurde eine Kapitalaufnahme von 17 728 36 Mk. erforderlich. In Ausgabe kamen für den Betrieb im ganzen 169 551.74 Mk.

Die Rechnung des Elektrizitätswerks für 1902/03 konnte noch nicht vorgelegt werden, weil eine Sitzung der Deputation nicht stattgestmden hat.

Die Abführung der Abwässer aus dem Siech en - h a u s hat im Laufe des Sommers Anlaß zu Klagen gegeben, weshalb Oberbgm. Mecum Voranschlag über Anlage eines Rohrkanals an Stelle des nach dem alten Stein­bacher Weg führenden Grabens eingefordert hat. Derselbe beläuft sich auf 300 Mark. Der Betrag wird genehmigt, nachdem Stv. Schaffstaedt bemerkt hat, daß er die Abstellung ähnlicher oder noch schlimmerer Mißstände in der Stadt für nötiger halte. Oberbgm. Mecum bemerkt, daß die An- wohner des Stadtgrabens selbst Schuld an den Zuständen seien, weil sie allen Unrat, tote Katzen u. s. w. hineinwürfen; der Graben werde wahrscheinlich im Laufe des nächsten Sommers verschwinden. Stv. Schwall pflichtet den Aus­führungen Schaffstaedts bei, hält aber auch Verbefferung der Abwässerabführung am Siechenhaus für geboten.

Brauereibesitzer G g. Bichl er will dem Waffermangel auf dem Hardthof durch Anlage einer Leitung von der Brauerei aus abhelfen. Die Stadtverordneten-Versammlung gibt ihre Zustimmung zur Benutzung der Feldwege unter den üblichen Bedingungen.

Der Besitzer der aus der Südseite der Rodheimer- straß e errichteten Neubauten hat die Herstellung eines befestigten Bürgersteigs entlang der Neubauten bean­tragt. Der Voranschlag für Basaltschichtpflaster beziffert sich auf 3400 Mk., bei Verwendung von Gail'schen Klinkern auf 3000 Mk. Es wird beschlossen, die Pflasterung mit Gall'schen Klinkern ausführen zu lassen.

Das Dispensgesuch wegen Errichtung eines Gebäudes am Gail'schen Tonwerk wird befürwortet.

Auf Grund der s. Z. zwischen der Stadt Gießen und der Gemeinde Queckborn wegen Ankaufs des Quellen- gebiets für die Gießener Wasserleitung geschloffenen Vertrags hatte die Stadt Gießen sich verpflichtet, für die Ge­meinde Queckborn eine Wasserleitung anzulegen. Dieselbe muß jetzt infolge Errichtung von Neubauten um 3 Anschlüsse er­weitert werden. Die Versammlung beschließt demgemäß, und stimmt weiter einem die Ableitung von Abwässern regelnden Vertrag zu.

Infolge vorgebrachter Klagen über verspätetes An­zünden der Straßenlaternen hat das Gaswerk mit­geteilt, Lraß jetzt aus jeden Laternenwärter eine Anzünde- zeit von 40 Minuten komme; eine Vermehrung des Personals um zwei Laternenanzünder werde 1300 Mk. jährliche Mehr­kosten verursachen, und die Anzündezeit jedes Wärters nur um 6 Minuten verkürzen. Der Vorschlag des Gaswerks, bei trübem Wetter mit dem Anzünden der Laternen 10 Minuten früher zu beginnen, was einem Mehrkostenbetrag von jähr­lich 190 Mk. entspreche, roirtf zum Beschluß erhoben.

Der Anlage einer KabÄabzweigung vom Kirchenplatz nach dem Burggraben zum Anschluß des Cafe Ebel an das Elektrizitätswerk wird zugestimwt. Köstenvoranschlag 240 Mk.

Nach dem § 5 der Bedingungen über die Abgabe elektrischer Energie ist es gestattet, in Räumen, in denen Elektromotoren in Betrieb sind, zwei Lampen anzubringen,

deren Speisung aus der Leitung für Kraftzwecke zu dem da­für angesetzten niedrigeren Preise erfolgen kann. Da dies zu mancherlei für die Stadt ungünstigen Auslegungen der bez. Bestimmungen geführt hat, ist beantragt worden, daß von der Leitung zu den Motoren in Zukunft Lichtleitungen nicht mehr abgezweigt werden dürfen. Ueberfteigt jedoch der Kraftbedarf eines Motors einen Kllowatstrom ( 1 Pferdestärke), so ist die Abzweigung von Lichtleitungen bis zu zwei Lampen gestattet. Der Antrag wird zum Beschluß erhoben.

In der Polizeiverordnung, betreffend das Ausmelken der Kühe vor dem Austrieb auf den Viehmarkt, ist die Be­stimmung enthalten, daß die beaufsichtigenden Schutzleute darüber zu besinden haben, ob bei Kühen das Euter so ge­spannt ist, daß Anzeige wegen Tierquälerei erfolgen kann. ^)iese Bestimmung hat in den Kreisen der Händler Mißfallen erregt, da sie den Schutzleuten die nötige Kenntnis darüber, ob ein Euter infolge Milchüberfüllung gespannt ist, absprechen. Es wird auf Antrag der Deputation beschloffen, daß in Zu­kunft nur dann eingeschritten werden soll, wenn durch einen Tierarzt die Ueberspannung des Euters festgestellt ist. Nach Mitteilung des Polizeiamts sind im ersten Vierteljahr nach Erlaß der bezügl. Polizeioerordnung 57 Anzeigen wegen des angeführten Vergehens erstattet worden; es wurde von Seiten der landwirtschaftlichen Kommission und der Jntereffenten, so«, wie von einigen Mitgliedern der Stadtverordneten-Versamm­lung der Befürchtung Ausdruck gegeben, daß der Fortbestand der angezogenen Bestimmung das Verziehen der Händler nach anderen Märkten zur Folge haben würde.

In dem Droschkentarif der Stadt Gießen sollen be­züglich der Fahrten nach dem Schliefplatz am Mittelweg die­selben Sätze in Anwendung kommen, wie solche für Fahrten nach der neuen Kaserne festgesetzt sind.

Die Wirtschafts-Konzessions-Gesuche von Karl Geffert, Bleichstraße 31, und Albert Edmund Wild, Wallthor- straße 46, werden befürwortet, da es sich um bereits bestehende Wirtschaften handelt.

Vor Eintritt in die nichtöffentliche Sitzung teilte Ober» bürgermeister Mecum mit, daß am nächsten Donnerstag wieder eine Stadtverordneten-Versammlung stattfindet.

Kin Arägelprozeß.

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Bayreuth, 7. Oft

11. Zeuge: Dr. Hermann Lintz, Leiter der Kiuderer^ieh- ungA-Jn sti tute Jlscrck»nrg im Har^ und Laub enda in Thü­ringen, bestätigt, daß Heinz Ä)ch in den beiden Instituten vom 9. Januar 1901 bis Ostern 1902 untergebracht war. Ter Knabe war durchaus harmlos, gutmütig, humorvoll, ohne Charakterfehler. Körperlich war er kräftig entwickell; er war phlegmatische geistig war er nicht stark veranlagt, das Arbeiten fiel ihm schwer, besonders das Studium der fiemden Sprachen. Man konnte dem Knaben nicht richtig böse sein, weil er einen guten Willen hatte, er war frank und einfach. Zeuge hatte niemals Anlaß, chn M züchtigen. Alle Lehrer des Instituts urteilten gerade so über chn. Von sexuellen Ausschweifungen habe weder der Zeuge noch einer seiner Kollegen das Allergeringste bemerkt. Nach dem Verhalten des Knaben sei es ausgeschlossen gewesen, daß irgend so etwas vorgelegen habe. Der Knabe war frisch, er erging sich gern in frischer Lust und war immer munter. Das seien nach den Ersahrungen Knaben nicht, die mit solchen Lastern behaftet seien. Von einem llhrendiebstahl, dessen der Heinz Koch verdächtigt sein sollte, ist dem Zeugen nichts bekannt. So viel ich mich erinnern kann, gaben mir die Eltern an, Heinz leide an Lässigkeit, Trägheit, Apathie und sei schwerfällig im Lernen, lieber sexuelle Dinge ist nichts angegeben worden. Angell.: Ich bitte den Zeugen zu (tagen, ob sich Heinz nicht manchmal hinter seinem Rücken Sachen schicken ließ? Zeuge: Ja, daran hat sich Heinz beteiligt, einige Knaben haben sich manchmal Näsche­reien schicken lassen, das waren keine bösen Charakterfehler. Angell.: Ich bitte, den Zeugen zu fragen, ob er nicht Frau Direktor Koch die Austrittserklarung gab, Heinz sei nicht erziehbar. Zeuge: In dieser Form wohl nicht; ich hätte den Knaben gern behalten, aber bei seinen mangelnden Anlagen hielt ich es für besser, den Knaben in einem klei­neren Kreis erziehen zu lassen. Heinz hatte ein Ohren­leiden, er wurde von seiner SJhitter ft eiwillig aus der Anstalt genommen. Zum Schlüsse erklärt der Zeuge noch, Heinz sei nicht leicht zu nehmen gelv-eseu. Der Lehrer mußte den richtigen Ton treffen. Mit Güte konnte man alles erreichen. Wenn einer Erzieher sein will, dann muß er das eben auch einsehen.

Zeuge Geh. Sanitätsrat Dr. Volbarth war Hausarzt bei der Familie Koch und hat die Buben wiederholt be­handelt. Sie haben einen guten Eindruck auf ihn gemacht. Die Knaben waren stets frisch und munter. Von sexuellen Ausschweifungen konnte Zeuge nichts bemerken. Der Prä­sident verliest aus den persönlichen Aufzeichnungen 'des Dippold: Heinz habe 15000 Mk. gestohlen und habe das Geld zur Heilung von Syphilis verwendet und zwar bei Sanitätsrat Dr. Volbarll). Angeklagter: Ich behaupte, das Tagebuch sei nicht maßgebend. Ich habe nur hinein geschrie­ben, was die Schüler mir diktiert haben. (!)

Die Verlesung der Briefe, loelche zwischen dein Ange­klagten und Herrn sowie Fra-.i Direktor Koch gewechselt wurden, beanspruchte fast eine etuitbe. Die Eltern waren erfreut über die Fortschritte ihrer Söhne infolge der Er­ziehungsmethode des Dcppolo; Koch bemerkte in einem Briefe, er danke Gott, daß er ihm die bewährte Kraft des Dippold gesandt habe. Am 14. Januar d. I. legte Drppold der Frau Direktor Koch ein Selbstbekanntnis ihres Sohnes