führt, und in dieser Zeit leqte jemand auf die Aufforderung des Herrn Fly einen beliebigen Gegenstand m cm bereit» gehaltenes Kästchen. Frau Slade, die wieder heremgeführt wurde und weder mit Fly noch dem Kästchen, das dieser m der Hand hielt, in Berührung kam, trat hinter den Herrn, der den Gegenstand in den Kasten gelegt hatte, forderte ihn auf, an den Gegenstand zu denken, betastete ihm hierauf Stirn und Schläfen und nannte in allen Fällen prompt Zigarren, Taschenmesser, Chokolabe u. s. w. Niemand konnte da§ Kunststück erklären, das Frau Slade mit einem vom Publikum vorher genau geprüften schwarzen Tuch vor den Augen ausführte. Frau Slade erriet mit erstaunlicher Schnelligkeit die Vornamen und Geburtstage von Damen und Herrn aus dem Publikum, die diese vorher Herrn Fly ins Ohr geflüstert litten. Da das Künstlerpaar beim Beginn der Vorstellung bekannt hatte, sie machten weder Anspruch darauf, daß ihre Kunststücke nut übernatürlichen noch mit natürlichen Dingen zugingen, sondern die Erklärung dem Scharfsinn des Publikums überließen, kann man nur eben scharfsinnig feststellen, daß das Erraten der Gegenstände und Namen nur durch Vermittlung des Herrn Fly vor sich gegangen sein kann. Wie das geschehen sei, darüber konnte man sich vergeblich den Kopf zerbrechen. 'Ein Studiosus bewegte sich auf die Einladung des Künstlers mit viel Formen und Interesse für die Sache auf das Podium und wählte sich bereitwillig eines der 6 Messer aus, mit dem er eine beliebige Dame ober einen Herrn aus dem Publikum »im Geiste töten sollte". Er wählte dann als Angriffsstelle für das blitzende Mordinstrument das Herz eines anwesenden Mannes in der fünften Reihe. Frau Slade betrat dann wieder mit verbundenen Augen den Saal, ergriff den Herrn Studiosus an der Hand und fand den seinem Schicksal geweihten Herrn und sein bedrohtes Herz und darauf auch das Messer mit unheimlicher Sicherheit. Aber auch Herr Fly leistete wunderbare Geschichten. Er verteilte eine große Anzahl längerer Papierstreifen, deren jeder mit einer Merkzahl und darunter einer endlosen Reihe von Zahlen versehen war, unter das Publikum, ließ sich darauf die Merkzahlen nacheinander nennen und sagte mit grauenhafter Geschwindigkeit all die vielen Zahlenreihen richtig auf. Wir wollen von den Darbietungen nicht zu viel verraten. Die spiritistische Sitzung, in der Frau Slade, auf einen Stuhl gebunden sitzend, die unglaublichsten Leistungen vollbrachte, alles unter strengster Bewachung eines Komitees aus dem Publikum, erregte das meiste Staunen. Fly und Slade werden bei ihren Vorstellungen im Neuen Saalbau, der gestern abend bis auf wenig Plätze voll besetzt war, noch viel Menschen Kopfzerbrechen und Wnndergläubigen erbauliche Unterhaltung machen.
** Personalien. In den Ruhestand wurde versetzt der Bahnwärter in der Hess. Preuß. Eisenbahngemeinschaft Heinrich Sänger zu Angersbach auf sein Nachsuchen.
** Der Abg. Kohler hat eine Anftage betr. das Gesetz über den Urkunden stempel vom 12. August 1899 an die zweite Kammer gerichtet. Er führt darin aus: „Den Bürgermeistereien sind während dieses Sommers Rundschreiben der Kreisämter zugegangen, mit dem Zweck, denjenigen Wirten, die seit 1900 bei Scheibenschießen, Holzversteigerung u. dgl. Angelegenheiten Wirtschaften im Walde usw. abgehalten und dazu keine verstempelte Genehmigung eingeholt haben, eine Nachter st euer uug von einigen Mark, aufzulegen. ... Es ist infolgedessen vielerorts nicht mehr möglich, einen Wirt zum Hinausziehen zum Scheibenschießen, zu einer Holzversteigerung usw. zu bewegen, es sei denn, daß irgend eine Korporation für den Mindeststempel von 3 Mk. (so wie es in hiesiger Gegend nun während dieses Sommers geschah) austommt. Vollends unmöglich wird es werden, einem Waldarbeiter (tvie es oft geschieht) während der Gemeinde- Holzversteigerungen den Verkauf von Kaffee, Wecken, Zigarren, Bier und Schnaps zu übertragen, der an solchem Kram ost nicht die Hälfte des Stempelbetrags verdient. Man ersieht hieraus, daß, so berechtigt die Einziehung von Stempelgeldern sonst bei städtischen großen Festlichkeiten sein mag, bei denen Tausende einkommen, Hunderte und Tausende mitunter rein verdient werden, so unberechtigt ist, hier in Bezug der Dorfwirte und ihres armseligen kleinen Geschäfts .... Aus diesem Grunde richte uh an die Großh. Regierung die Anftage: 1. Ist es chr b ekannt geworden, daß nunmehr die unteren Behörden sich anMcken, nun auch die kleinen und kleinsten Dorfwirtschaften bei Waldausflügen von Krieger-, Gesang-, Turn- usw. Vereinen, Scheibenschießen und im Auftrag von diesen Wirtschaft im Walde haltende Waldarbeiter der Stempelpflicht zu unterwerfen? 2. ob sie gewillt seh diesem üblen Beginnen Einhalt zu gebieten? und 3. ob sie es nicht auch endlich an der Zeit halte, das Stempelgesetz überhaupt einer gründlichen Revision zu unterziehen?"
** Die Gemälde-Ausstellung in Lonys Bierkeller, in welcher gestern eine Versteigerung der Gemälde sich vollzog, hat einen sehr günstigen Erfolg gehabt; es wurden, wie wir hören, 64 Gemälde vertäust. Von den wertvollen Bildern wurde nur ein Gabriel Max • verkauft, während die übrigen Bilder Preise von 100 bis 500 Mark erreichten. Die noch vorhandenen Bilder bleiben noch bis incl. Sonntag zum Verkaufe ausgestellt. Alles nähere ist im heutigen Inserate zu ersehen.
Nauheim, 8. Okt. Die in der Villa Saxonia überfallene Dame ist eine Frau Dr. Stroschein, die mit ihrer Nichte seit Jahren in Nauheim zur Kur weilt. Sie ist, nach der ,Srkf. Ztg.", die Gattin eines Augenarztes in Dresden, der ein Bruder des Besitzers der Chemischen Fabrik Stroschein in Berlin, des Gründers des Flottenvereins, ist. Die Nichte hat mit einem eisernen Stiefelknecht einen Schlag auf die Schläfe erhalten und ist betäubt gewesen. Frau Dr. Stroschein hat acht Schläge auf den Kopf erhalten. Der Arzt Dr. Bauer hat die Nichte verbunden und nachi Gießen bringen lassen. Der Einbruch ist morgens gegen 6 Uhr geschehen. Frau Dr. Stroschein hat geklingelt, der Täter ist daran durch das Fenster gesprungen. Uhr, Kette und Brillanten hat er liegen lassen. — Gestern abend kurz nach 7 Uhr wurde der verdächtige 25 Jahre alte Koch Karl Schutt in einer Wirtschaft auf dem Großen Hirschgraben in Frankfurt von der Kriminalpolizei festgenommen. Schutt gab zu, daß er der gesuchte Koch Schutt sei, bestritt aber, irgendwie an dem Nauheimer Einbruch beteiligt zu sein.
)( Friedberg, 8. Okt. Das Anwesen des Stadtverordneten Bus old ging in den Besitz des Gastwirts Ihl für 30 500 Mark über.
)( Grünberg, 8. Okt. Von einem harten Schlag wurde die Familie des hiesigen Gastwirts und Metzgermeisters H. betroffen. H. war gestern wegen einer gering
fügigen Sache von dem hiesigen Schöffengericht zu 20 Mark Geldstrafe verurteilt worden, und das scheint der Bedauernswerte sich so sehr zu Herzen genommen zu haben, daß er den Tod suchte. Heute ftüh wurde die Leiche nn Merlauer Weiher aus gefunden. Das Mitleid mit der so chwer betroffenen, allgemein geachteten Familie ist groß.
() Ruppertusburg, 7. Okt. Der böse Volksmund ägt einem der auf der Strecke Laub ach — Hungen verkehrenden Zuge nach, daß dieser abends nur bis in den Rupperlusburger Wald kam und ihn dann die Kräfte verließen. Wegen Wassermangels mußte das Zügle mit seinem einzigen Passagier wieder nach Laubach zurück- kehren und erst sich speisen lassen, um dann mit etwa einer Stunde Verspätung doch noch in Hungen einzulaufen.
(—) Mücke, 8. Okt. Nicht geringes Auffehen erregten zwei heute morgen hier vorgekommene Selbstmorde. Ein Anfangs der 20er Jahre stehender junger Manu, der Gehilfe bei' dem hiesigen Geometer Philippi war, schoß sich heute morgen mit einem Revolver eine Kugel in die Schläfe, die durch den Kopf drang. Die Wunde war nicht sofort tätlich, erst in den heutigen Nachmittagsstunden starb der Lebensmüde, lieber die Beweggründe verlautet nichts icheres, doch vermutet man solche in Liebesgeschichten. — In dem Teiche beim benachbarten Kammerwalde fand man ebenfalls heute morgen die Leiche eines jungen Mannes, der sicherem Vernehmen nach ein Grünberger Bürger sein öll. Zu dieser traurigen Tat sucht man die Gründe in einer Strafe, die ihm schöffengerichtlich wegen einer begangenen Mißhandlung zuerkannt worden war. Einige Tage vorher hatte gleichfalls ein Grünberger Einwohner in hohem Alter den Tod im Wasser gesucht und gefunden. Er hatte sich infolge geistiger Störung in die sogenannte „Hösentränke" gestürzt.
R. B. Darmstadt, 9. Okt. (Eigener Drahtbericht.) Für die am 15. Oktober bevorstehenden Landtagsersatzwahl en haben jetzt die Parteien schon Vorbereitungen getroffen. Die n a t i o n a l l i b e r a l e Partei stellte gestern in einer Vertrauensmännerversammlung den Landgerichtsrat Buff und den Stadtbaubeamten Architekten Heinr. Müller aus. Die Sozialdemokraten haben sich jetzt definitiv auf die Kandidaten Sparr und Friedrichs vereinigt. — &ie Galaaufführung im Hoftheater „Aida" von Verdi hatte äußerlich ein etwas andersartiges Gewand, da die Herren in Zivilkleidung erschienen. Sämtliche hier weilenden Fürstlichkeiten wohnten der Vorstellung bei. Fr. Kaschowska und Frau Tolli, die Hauptdarstellerinnen, wurden mit großen Lorbeerkränzen geehrt.
d. Mainz, 9. Okt. Die 23jährige Marie Koch von hier war längere Zeit in einem Restaurant der Bahnhofstraße als Bufsetdame tätig. Sie unterhielt mit einem jungen Mann ein Verhältnis, das nicht ohne Folgen blieb. Der Betreffende zog nach Frankftrt und heiratete dort ein anderes Mädchen. Die betrogene Kock) nahm sich die Sache so zu Herzen, daß sie sich mit V i t r i o l v e r g i f t e n wollte. Gestern morgen wurde das unglückliche Mädchen von einem Schützen hinter der Anlage im Felde bewußtlos aufgeftm- ben. Sie wurde ins Rochushospital verbracht; man zweifelt an ihrem Aufkommen.
-o. Bieber, 7. Okt. In unferm Dörfchen herrschte in den letzten Wochen eine fieberhafte Tätigkeit. Zwei große Zigarrenfabrikeu sollten auf einmal entstehen. Der Bau der Firma Rinn u. Cloos in Heuchelheim ist denn auch schon bis zur Vollendung des Keller- und des Erdgeschosses gediehen, während an dem der Firma Gail in Gießen bis jetzt nur die Fundamente gelegt sind. In Bieter freute man sich in der Aussicht auf reiche Arbeitsgelegenheit und dankte es besonders der Firma Rinn u. Cloos, die den Anstoß zu dieser segensreich erscheinenden Entwickelung unseres Dorfes gegeben hatte. Die Firma Rinn u. Cloos hat ihre zur Hälfte fertige Fabrik samt den dazu erworbenen Ländereien an die Firma Gail verkauft, und der Bau der Gailschen Fabrik wird eingestellt und unterbleibt Diese Wendung der Dinge ist im Interesse unseres Dorfes sehr zu bedauern. Denn die Preise für Baugelände sind nun sehr in die Höhe getrieben worben, aber der Arbeitsverdienst geht wahrscheinlich zurück. Die Firma Rinn u. Cloos hat bereits vor einigen Jahren in Fellingshausen die Eröffnung einer Fabrik in Angriff genommen, dann aber plötzlich aufgegeben.
Kassel, 8. Okt. Die hiesige Stadtsynode beschäftigte sich heute mit dem Vortrage des Professors Laden bürg über: „Weltanschauung" aus der Versammlung der Naturforscher und jAerzte. Sie faßte folgende Resolution: Die Stadtsynode spricht ihr tiefstes Bedauern über die Art und Weise aus, in der nach bisher unwidersprochenen Berichten der Tagesblätter auf der 75. Jahresversammlung des Vereins deutscher Naturforscher und Aerzte zu Kassel durch den Eröffnungsvortrag des! Geheimrats Ladenburg aus naturwissenschaftlichen Voraussetzungen unberechtigte, das Gebiet dieser Wissenschaft überschreitende Folgerungen gezogen wurden, welche gegen die christliche Weltanschauung Sturm läuten und jedes religiöse Empfinden verletzt. Die Die Synode bekennt sich aufs neue freudig zu der durch keine Wissenschaft zu erschütternden Wahrheit des Evangeliums.
Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Wie man uns heute mitteilt, ist der Rendant Seipp aus Dir stein durch ein schweres Leiden, das infolge eines Brandes zum Ausbruch kam, zu der gemeldeten unseligen Tat veranlaßt worden. — Die Krone zum Komturkreuz zweiter Klasse des Großh. Hess. Verdienstordens Philipps des Großmütigen ist dem Präsidenten der Eisenbahndirektion in Köln (ftüher in Mainz) Breitenbach; das Ritterkreuz erster Klasse desselben Ordens dem Regierungs- unb Baurat Bremer, Mitglied der Eisenbahndirektion in Königsberg i Pr; das Großh. Hess. Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift: „Für treue Arbeit" dem Straßenwärter Mohr zu Vetzberg verliehen worden. — Der bekannte fteis. Abg. Dr. Ernst Müller-Meiningen, Landgerichtsrat in Aschaffenbur g, hat sich mit Frl. Frida Steinhard in Frankfurt a. M. verlobt — In Eltville wurde der Obertelegraphen-Assistent Kepper aus W i e s b a d e n, der die Telegraphenleitungen einer Revision unterzog, als er einem Güterzuge ausweichen wollte, von dem D-Zuge 51 überfahren und sofort getötet.
Die Ausschußsthung des l’anöw. Aereins Mr die Iroviuz Höerycffen.
hat am 8. d. M. hier im Hotel Prinz Karl stattgefundem Man berichtet uns darüber folgendes:
Durch die landw. Ausstellung des Provinzialvereins war die Ausschußsitzung diesmal weit hinausgeschoben worden. Der Vorsitzende eröffnete sie, indem er die zahlreich Erschienenen begrüßte, insbesondere den Vertreter der Regierung, Landesökonomierat Dr. Müller und den Vertreter des hessischen Landwirtschaftsrates Pfreimbörer
Se. Durchlaucht der Fürst Solms-Hohensolmss- Lich war in seiner Eigenschaft als Mitglied des Ausschusses zum ersten Male anwesend und wurde vom Vorsitzenden und gleichfalls namens des Ausschusses begrüßt. — Bor kurzem schieden aus diesem Leben die Mitglieder Ruppe l- Kloppenheim und Oberverwalter Beil st ein-Laubach. Ihrer wurde in anerkennenden Worten gedacht und die Versammelten ehrten die Verstorbenen in der üblichen Weise. Rund 50 neue Mitglieder wurden alsdann aufgenommen, die Wahl der Referenten in den Ausschuß vollzogen, welche eine Wiederwahl der bisherigen Referenten ergab. — Die Austrittserklärung des Professor Dr. A l b e r t infolge seiner Berufung nach Königsberg i. Pr. nahm der Ausschuß mit Bedauern entgegen. Der Vorsitzende versprach, dem Prof. Albert in einem Antwortschreiben diesem Bedauern Ausdruck zu geben und ihm die besten Wünsche des Vereins zu übermitteln.
Ter Punkt 3 der Tagesordnung beschäftigt sich mit der Revision des Reichsgesetzes betr. die Abwehr und Hut er» drückun g von Viehseuchen. Der Hess. Landwirt- chastsrat hatte eine Anzahl Abänderungsvorschläge gemacht, die in dem Referat des Kreisveterinärarztes Schmidt- Gießen befürwortet wurden. Abwehrmaßregeln gegen die Einschleppung von Seuchen aus dem Auslande sind geboten. Um die Maul-und Klauenseuche und die Tuber - kulose einzudämmen, ist es notwendig, unsere Molkereien zu z w i n g e n, die Abfallprodukte: entrahmte Milch usw., derartig durch geeignete Maßnahmen unschädlich! zu machen, daß eine Verbreitung jener Seuchen durch die Molkereien ausgeschlossen ist. Erhitzung der Abfallprodukte der Molkereien auf 850 ist nach den Ermittelungen des Reichsgesundheitsamtes ausreichend.
Ter Handel mit Klauen Vieh soll bei Seuchengefahr nicht allein eingeschränkt, sondern verboten werden können. — Tie Viehverladestellen an den Bahnhöfen sollen so hergerichtet werden, daß sie undurchlässig sind und so leicht desinfiziert werden können. Ebenso sollen Stallungen, in denen Handelsvieh vor den Märkten eingestellt wird, so eingerichtet fein, daß eine gründliche Reinigung und Desinfektion möglich ist. — Die Händler sollen gehalten sein, Handelsregister zu sichren, um es zu ermöglichen, festzustellen bei Ausbruch einer Seuche, von wo die Seuche eingeschleppt wurde.
Tauschhandel und Ueberlaffung von Vieh seitens der Händler an Landwirte re. ist gleich zu achten dem Verkauf. Es darf nicht zulässig sein, daß von feiten der Händler der Schein erweckt wird, es handle sich nicht um den Verkauf des Viehes, sondern nur um ein Eintauschen oder Abgeben von Vieh an Interessenten. Bei eintretender Seuchengefahr mutz auch ein solcher Vertrieb von Klauenvieh verhindert werden. — Schutzimpfungen gegen Raus ch- brand oder Milzbrand soll die Regierung anordnen können, ebenso Schutzimpfungen gegen Schweine- seuche.
Die Verhandlungen über diese Punkte führten zu lebhaften Auseinandersetzungen. Einstimmig war man der Ansicht der Regierung das Recht einzuräumen, aufs Schärffte gegen die Ausbreitung von Viehseuchen auch, im Jnlande vorzugehen. Sie Sorge des Lmwwirts, daß seine mit großen Opfern herangezüchteten Viehbestände einer leichtfertig eingeschleppten Seuche zum Opfer fallen, sollte tunlichst von ihm genommen werden.
Ter Hess. Landwirtschaftsrat wendet sich um Beschaffung von Mitteln an die Provinzialvereine, um seine Aufgaben fort führen zu können. Ter Vorsitzende und mit ihm der Ausschuß, erkennen an, daß das unter den obwaltenden Umständen notwendig ist und versprechen Abhilfe.
Der Ausschuß billigt nachträglich die Ausgabe von 100 Mk. zur 100jährigen Liebigsfeier, ebenso die Stiftung von sechs Stipendien für die Studienreise nach Rheinland und Belgien von feiten hessischer Landwirte. Die Anträge des Auffichtsrates der Molkereischule Lauterbach und des Auffichtsrates der tzaushaltungsschule Lindheim auf Genehmigung des Voranschlages pro 1903 werden gutgeheitzen. — Tie Wiederwahl der Mitglieder des Kuratoriums der landw. Versuchsstation Darmstadt wird vorgenommen.
Herr Gg. Bichl er a. d. Hardt wird in den Ausschuß des Landespferdezuchtvereins gewählt und Herr Klein, Hofgut Alb ach, in die Aufsichtstommission für die Zuchthöfe von Vogelsberger Vieh.
Hieran anschließend kamen die Anklagen des Altbürgermeisters Feldmann in Lauter zur Besprechung, die derselbe gegen den Inhaber des Zuchtvieh Hofes für Vogelsberger Vieh I. Zimmer auf der Bingmühle bei Lauter gerichtet hatte. Feldmann hatte Zimmer beschuldigt, betrügerische Handlungen vor genommen zu haben und so den Provinzialverein wie auch die Abnehmer des Zuchtviehes schwer geschädigt UU haben. Die eingeleitete gerichtliche Verhandlung ergab die vollständige Unhaltbarkeit der Feldmannschen Beschuldigungen. Nur dadurch, daß das Schöffengericht in Grünberg annahm, daß der Altbürgermeister Feldmann als Mitglied des landw. Vereins in Wahrung berechtigter Interessen gehandelt habe,^ schützte Feldmann vor einer empfindlichen Strafe. Auf Vorschlag des Vorsitzenden übernahm der Provinzialverein sämtliche Gerichtskosten, zu denen der unschuldig angegriffene Zuchtviehhofinhaber I. Zimmer unter den Umständen verurteilt worden war. Damit wollte der Provinzialverein anerkennen, daß er gleichfalls von der vollständigen 'Lchuldlosi^ keit Zimmers überzeugt sei und ihn nicht auch noch pekuniär leiden lassen wollte unter einer falschen Anklage, trotz des Urteilsspruches, in dem es hieß, daß die Gerichtsverhandlung auch nicht den Schratten» eines Verdachtes gegen Zimmer ergeben habe.
Der Provinzialverein erkannte noch den Kreisziegerr- zuchtverein Friedberg an, weiter den Ortszuchtverein Ulrich- stein, Unter-Seibertenrod, Feldkrücken und den Ortszucht- veroin Stumpertenrod. .. _ . , , ,, _
Darauf schloß der Vorsitzende bte Provrnzralausschuß- sitzunq unter Worten des Dankes für bte Erledigung einer Tagesordnung, die 12 Skummern umfaßte._______________
~öcrmÜctyte».
* Kiel, 8. Okt. Die von ihrem Ehemann getrennt lebende Frau Jöhnk würbe durch Beilhiebe ermordet im Bette aufgefunden. Ihr Stiefbruder, Schlosser Behrend, lag daneben mit burchfchniite n er Kehle. Das Gericht nimmt an, Behrenb tötete bie Frau unb sich.
* Breslau, 8. Okt. In bie Stabtkirche bes österreichischen Grenzortes Oberberg brangen nachts Diebe ein, bie im Gotteshaus alles, was sie erreichen konnten, vernichteten. Der verursachte Schaben beläuft sich auf etwa 20 000 Gulben.
* Dresben, 8. Okt. Die Stabtverorbneten-Nersamm- lung beschloß, bie Konsum vereine st äbtischer Arbeiter zu verbieten.


