Ausgabe 
9.7.1903 Zweites Blatt
 
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Nr. 158

tSgttch außer Sonntags.

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Kesfischen Landwirt die Gießener Kamilien- blütter viermal in der Woche beigelegt

KotattonSdruck u. Ver­lag bet Brüh lachen Untverh-Buch- u. Stein* brnckeret (Pietsch Srdech «rdattto^ tzpeditta« etb vtuomtu

Gchnlstraße L

Adresse für Depeschenr Anzeiger Gieße«.

Ferusprechcmschluß Nr. 5L

Zweites Blatt.

153. Jahrgang

Donnerstag N. Juli 4 808

Giehener Anzeiger

w General-Anzeiger w **

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

Dettr P. Witiko: für ,6tobt und ßonb* und .Gerichtssaal-r August Götz; für den An­zeigenteil: Hans Beck.

Be-«gSprei-r monatUch7dVf., viertel» sährlich Mt. SL0; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 60 Pf.; durch die Post Mk.2.viertel- jährl-, ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen für bte Tagesnummer bti$ vormittags 10 Uhr. ZetlenpreiS: lokal 12Pf^ auSwärtS 20 Pfg.

3>U heutige Hlummer umfaßt 8 KNte«.

KeKanntmachung.

Die am 19. Mai L angeordnete Sperre der Bahn- hosstraße zwischen Lüwengaffe und Marktstraße wird hiermit aufgehoben.

Gießen, den 8. Juki 1903.

Großherzogttches Polizeiamt Gießen.

I. V.: Roth.

Neue Auslandskreuzer.

Man schreibt «ns aus Berlin von besonderer Seite: Die unlängst von der ,Moss. Ztg." gebrachte Mitteilung, daß .die Vermehrurrgsbauten des u ä ch st en Marine- et a ts sich nur auf die Masse der Linienschiffe und Panzer- kreuzer erstrecken werden, während ein großer Kreuzer als Ersatzbau, zum erstenmal sei drei Jahren, nicht in Betracht kommen soll, ist mehrfach in dem Sinne aufgefaßt worden, daß die Marineverwaltung die Forderung neuer Auslands­kreuzer einstweilen vertagt. Das trifft nicht zu, wie sich auch aus der Tatsache entnehmen laßt, daß soeben erst durch kaiserliche Ordre eine Neuorganisation des M a s ch i n e n p e r s o n als bei den Werftdivisionen bewirkt worden ist, dergestalt, daß die in der Ableistung der gesetz­lichen Dienstpflicht begriffenen Mannschaften des Maschinen­personals von setzt ab eine Spezialabteilung bilden, die wieder in drei Kompagnien gegliedert ist: die Linienschifss- kompagnie, die Kreuzer!ompagnie und die Land­kompagnie. Es handelt sich bei dieser Gliederung augen­scheinlich um dre Heranbildung von Maschinen-Stamm- Mannschaften für die einzelnen Schiffsklassen, und diese Maßregel dürste mit dem gesetzlich festzulegenden Ausbau der Meuzerftotille in innerem Zusammenhang stehen. Ist die Neuorganisation nach der personalen Seite hin in die Wege geleitet, dann wird die entsprechende Umbildung nach der materiellen Seite hin, die Kr e u z e r v or l a g e, schwerlich auf sich warten lassen.

S&m anderer Seite wird uns geschrieben:

Bereits gestern hat dieNordd. Allg. Ztg." ein ge­wisses Befremden Remitier ausgedrückt, daß der englische Premierminister Lord Balfour in seiner jüngsten Parla- mentsrede einzig und allein der englischen Flotte den Zweck der Verteidigung zugesprochen, also alle anderen Flotten als zum Angriff bestimmt charakterisiert hatte. Das offiziöse Organ wollte jedoch zunächst den Wortlaut der betreffenden Aeußerung abwarten. Aus dem Wortlaut nun, den die9t. A. Ztg." im englischen Original mitteill, geht unzweideutig hervor, daß Balfour in der Tat die Eigen­schaft der Friedensliebe auf der Well, soweit die Flolle rn Betracht kommt, ausschließlich England zuertennt. Hierzu bemerkt dieN. A. Ztg.", ürdem sie zweifellos die Auf­fassurig an leitender Stelle wiedergibt, die Meinung Bal­fours werde außerhalb Englands schwerlich Zustimmung finden-Um naheliegende Zeugnisse aus der jüngsten Ver­gangenhell anzuführen, sei nur auf die wiederholten Er­klärungen des Präsidenten Roosevelt hingewiesen, daß -ine * rke amerikanische Kriegsflotte die beste Friedens- ßu -ft bilden würde. Aehnliche Kundgebungen sind schon .oei verschiedenen Anlässen von den Regierungen ander Mächte ausgegangen." Auch von der deutschen Regierung, ist zu ergänzen, was Lord Balfour füglich wissen könnte. Aus der im diplomatischen Verkehr üblichen Höf­lichkeit -wird das nicht hinzugesetzt. Aber es ist ein Schluß zu de^ kleinen Note an die ,befreundete brllische Regier­ung"', der recht nahe liegt. Bei der Gelegenhell läßt sich mit Befti'edigung konstatieren, daß in neuerer Zell die Leit­ung '.üserer auswärtigen Politik häufiger und energischer als dies ftüher geschah, zu den Reden von Staatsmännern im Auslande durch offiziöse Kundgebungen Stellung nimmt, sobald es sich um Urteile handelt, welche die deutsche Politik in eine falsche Beleuchtung zu rücken geeignet sind. Die Nichtbeachtung solcher Unfreundlichkeit, oder mitunter auch Unwissenheit, mag vornehm sein; sie hat aber schon den Gegnern Deutschlands den willkommenen Anlaß gelie­fert, von einem ,cheschämten Schweigen" zu sprechen.

VoMische Tagesschau.

Zum Urteil zweiter Instanz gegen den Fähnrich Hüssener schreibt die in Essen erscheinendeRh.-W Ztg.":

Ein ganz anderer Mud weht heute in Kiel, als in den letzten Tagen des Mai, statt der scharfen Brise ein freund­liches Lüftchen. Gewiß ist es nicht mehr als gerecht, daß auch zu Gunsten des Angeklagten Hüssener angeführt wird, in der Verhandlung, was anzuführen ist. So hat sich in verstärktem Maße ergeben, daß deu unzureichenden, militärischen Instruktionen ein großer Teil Schuld bei der Bluttat zuzuweiseu ist. Aber es fällt dem­gegenüber auf, wie wenig inan auf das subjektive Moment Wert gelegt hat, wie wenig man sich bemüht hat, Hüsseners Tat zu verstehen aus dem Zusammenhänge seines Cha­rakterbildes, seines Vorlebens. Die Vorgänge im Essener Hof vor Jahresfrist sind viel zu wenig beachtet. Mv kornmen deshalb noch einmal darauf zurück. Der Fall lag ganz parallel. Als Hüssener von dem Leiter des Krupp­schen Hotels wegen ungebührlichen Benehmens zurechtge­wiesen war, ging er hinaus un^.-schnallte seine Dolchkoppel um. Er betrat dann wieder- das Zimmer, sich an den Hotelier wendend mit ben o reist en Worten:Bremer, kom­men Sie einmal her." Hätte nicht der genannte Herr seine Ruhe vollkommeil gewahrt, ivcr iveiß, ob nicht damals schon der Dolch von jäher Hand geführt ivüre, ob nicht jenem Herrn das Schicksal Hartmanns zu teil wurde. Die daraus­

folgenden Vorgänge in Hüsseners Wohnung beweisen genug. Mrm hat sich also unseres Erachtens in der zweiteu Ver­handlung um Hüsseners Persönlichkeit zu wenig bekümmert. Außer den äußeren Umständen bei der Tat werden zur Ent­schuldigung angeführt Hüsseners Jugend und die Schwierig- kett der Ätuation. Das Gericht stelll damll selbst fest, daß es schwierig ist, die richtige Ausführung der mllllärtschen Instruktionen im Augenblick zu übersehen. Daraus ergiebt sich, daß diese Jnstrullionen unzureichend und einer Re­vision dringend bedürftig sind. Mr sagten, die Justruk- tionen sind nicht schuldig, aber mitschuldig. Das erste llr- ttil sagt: die Instruktionen sind ganz unschuldig. Das zweite Urteil sagt: sie find schuldig. Der Zeuge Kapitäuleutnant Küsel hat ausgesagt, die Fähnriche seien nur aus den Kriegs- artikelu über den Wafsengebrauch instruiert worden, be­stimmte Fälle seien nicht an gezogen worden. Ja, weshalb sind denn solche Fälle nicht angezogen worden? Darin liegt ja gerade der schwere Fehler, daß den jungen unreifen Leuten nicht mll aller Bestimmtheit gesagt wurde, in den und den Fallen habt chr euch so und so zu verhalten, daß man ihnen an der Hand von drastischen Beispielen, wie sie in den Jnstruktionsbüchern der gewöhnlichen Leute verzeichnet sind, nicht llipp und klar sagt, wie sie sich zu verhallen haben. Gerade die als Entschuldigungsgrund angeführte Jugend und Unreife des Fähnrichs, die Gefährlichkeit der Waffe hätte den Vorgesetzten in erhöhtem Maße die Pflicht auserlegt, hier nicht durch die bekanntemilitärische Blume", sondern deutlich und allgemein verständlich zu sprechen. Wenn sich jetzt aus der Revisionsverhandluug ergcebt, daß Hüssener nicht einmal wegen Ungehorsams gegen einen Dienstbefehl zu bestrafen war, daß er in wellgehendem Maße durch zum großen Teil mißverstandene militärische Instruktionen gedeckt war, dann trifft die Marine erneut ein schwerer Vorwurf, dann ergrebt sich, daß die Jnstrulliou schwer mitschuldig ist an der blutigen Tat. Eine durchgreifende Aenderung der militärischen In­struktionen über den Wafsengebrauch ist daher unbedingt und schnell erforderlich.

Wie aus Kiel gemeldet wird, hat sich der Fähnrich zur See, Hüssener, bei dem Urteil des Oberkriegsgerichts beruhigt und aus die Einlegung der Revision ver­zichtet.

Deutsches Reich.

Berlin, 8. Juli. Der Kaiser ist Dienstag nach- mlltag auf der ,Hohenzollern", die Kaiserin mit chren Sühnen August Wilhelm und Oskar abends aus der ,Lduna" vor Saßnitz eingetroffen. Nach einem Telegramm aus Saßnitz verbleibt der Kaiser heute vor Saßnitz. Der Kaiser machte einen Spaziergang nach StubbenLunmer. Das Wetter ist schön, an Boro ist alles wohl.

Me in Kiel die Besatzung der amerikanischen Kriegs­schiffe, so hatten sich, wie dieNat.Ztg." schreibt, während der darauffolgenden Travemünder Regattatage auch die Besitzer der dort anwesenden amerikanischen Jachten ganz besonderer Aufmerksamkeit und liebens­würdigen Entgegenkommens von fetten des Kaisers zu erfreuen. Hatte eine amerikanische Jacht einen Sieg errungen, so stieg ihr zu Ehren sofort die be- tteffende Flagge der Jacht aus demMeteor" empor, und an ;edem der Travemünder Tage erschien der Kaiser auf einer der prächtigen, aufs luxuriöseste eingerichteten ame- rikanischen Jachten. Wie das Kaiserpaar nach Schluß der großen, sich infolge des lauen Wirtdes überaus lang aus­dehnenden Wettfahrt, auf der Lübecker Bucht Mrs. Goelett auf chrer JachtNahma" besuchte, so wellte es verschiedent­lich auch auf der fürstlich eingerichteten Jacht Vanoerbills North Star". Auf dieser fand am Samstag, als dem Erinnerungstag der amerikanischen Unabhängigkellserklär- ung, ein Festessen statt, an dem gleichfalls der Kaiser, sowie Prinz Heinrich teilnahmen. Die ,^ohenzollern" feuerte mittags 1 Uhr dem Zeitpunkte, an dem das Festessen begann einen Salut von 21 Schüssen ab. Zu dem Feste hatte Vcnrderbill die Travemünder Kurkapelle engagiert, die il a. neben klassischen, sowie amerikanischen Komposi- ttonen denSang an Aegi^, die bekannte Kornpositton des Kaisers, auf Wunsch Vanderbilts spielen mußte.

Aus privater amerikanischer Quelle verlautet, der Kaiser habe sich bei einem kürzlichen Luncheon an Bord der zur Meler Woche erschienenen Jacht Vanderbilts seinem Gastgeber anläßlich einer Unterhaltung über den Ausfall der Reichstagswahlen dahin ausge­sprochen, daß er n i ch t daran denke, den Reichstagauf- zulösen, selbst dann nicht, wenn die neuen Mili­tärforderungen nicht dnrchgehen sollten, was kaum zu befürchten wäre. Er, der Kaiser, habe das An­wachsen der sozialdemokratischen Stimmen vorausgesehen, hege aber dieserhalb keineBesorg- nis für die parlamentarische oder Weltmachtsstellung Deutschlmrds. Was ihm bei gewissen, der sozialdemokrati- chen Partei angehörigen Leute unsympathisch sei, wären )ie gehässigen Angriffe auf hervorragende Männer Deutsch­lands, die besseres um ihr Larrd verdient hätten." Im 23er- lause der Unterhaltung soll der Kaiser dann noch auf die Tatsache zu sprechen gekommen sein, daß die Sozialdemo­kratie in den Vereinigten Staaten fast gar keine Fort­schritte mache, obgleich man ihm geiagt habe, daß die soziale Lage der Arbeiterklassen auch in Amerika viel zu wünschen übrig lasse.

Kaiser Wi l h^e lm erhielt die Nachricht von der schweren Erkrankung des Papstes Sonntag morgen an Bord der ,^ohed^ern". $ci dem Schiffsgottesdienst spra ch hierauf der Kaiser ein Gebet für den Papst. Der Kaiser sagte: Depeschen aus Rom enthalten schlechte Nach­richten.Der Papst, den ich kenne, liebe und verehre, ist in Gefahr. Beten wir für ihn." Der Kaiser sprach sodann

einfach und eindrucksvoll ein Gebet für Leo XIII Der Schlußsatz des frei gesprochenen Gebets, das auf die An­wesenden tiefe Wirkung ausübte, lautete:Die Welt braucht große, gute Männer, möge der allmächttge Gott dem heiligen Vater noch viele Jahre schenken."

Wie eine hiesige Lokalkorrespoudenz wissen will, hat der Kaiser den Anttitt seiner Nordlandreise aus unbestimmte Zett verschoben. Sie erfolgt erst, wenn der Papst außer aller Gefahr ist. Sollte während der Ab- wesenhett des Kaisers der Tod des Papstes erfolgen, jo wttd der Monarch die Reise sofort unterbrechen und nach Kiel zurückkehren, um sich von dort aus nach Italien zu begeben, umderBeisetzungder Leiche des katholischen Oberhauptes persönlich beizuwohnen.

Der König von Sachsen hat auf die Ansprache des Bürgermeisters von Zwickau, der über die trüben Zetten in Sachsen sprach, unter anderem erwidert:.Den Mut wollen wtt nicht sinken lassen, wenn auch die Zeit ernst ist, gerade da heißt es Mut zeigen uckd aushalten, es wird schon besser werden."

In Würzburg fand in Gegenwart des Prinzen Leopold von Bahern unter großen Kstlichkeiten bte ®nt- hüllung des &tanbb i 1e^ des Prinzre genten Luitpold statt.

Als ältester Reichstagswähler wurde zuerst der 98jährige Jakob Westen in Lüttinghausen namhaft ge­macht. Er wurde aber überholt durch den 100jährigen Medizinalrat Dr. Wittth, ällesten Korpsstudenten des Deup- jchen Reiches zu Freiburg i. 23r. Dann wurde der 102jährige Holsteiner Grünwald entdeckt. Nunmehr hat aber die eben genannten Vorgänger und hochbetagten Mitbürger über­flügelt der 110jährige G. Becht in Delkenheim. Er soll, wie das23olk" meldet, in großer Rüstigkeit am 16. Juni seiner Wahlpflicht genügt haben. Damtt dürfte nun doch wohl der älteste deutsche Reichstagswähler endgüllig festgestellt sein, wenn nicht mtt dem Eintreten der Hunds­tage noch ältere zum 23orschein kommen sollten.

Der deutsche Katholikentag, der im Laufe des August in Köln stattfinden soll, wird durch das Hin­scheiden des Papstes eine Vertagung erfahren.

- Der erste Kongreß polnisch-katholischer A r pe c t e r v e r e i n - Deutschlands soll im Herbst in Berim stattfinden. Hauptsächlich ist die Errichtung eines General­sekretariats der polnischen Arbeiterbewegung mtt Ausschluß der sozialdemokratischen 23ereine, sowie eine gemeinsame Regelung des Unterstützungswesens in Aussicht genommen. Die Zahl der Berliner Polen-23ereiue wttd sich demnächst wieder um zwei vermehren. Ein Verein der polnischen Schuhmacher sowie eine polnische Vereinigung im Süden Berlins sind in der Entstehung begriffen.

Nach einer Meldung desSchles. Vollsztg." schärfte bte Regierung zu Oppeln sämtlichen Kreisschulinspettoren die Goßlersche 23ersüguug ein, die den Lehrern die Teil­nahme an polnisch en Vereinen, welchen Namen diese auch führen mögen, untersa gt und trägt diesen arch sofort geeignete 'Schritte zu tun, um die Lehrer AU ver­anlassen, aus den betteffeuden Vereinen auszuscheioen.

Me sich 'diejpamb. Nachr." melden lassen, darf es als sicher angesehen werden, daß in den zuständigen Regierungskreisen jetzt die ersten Vorbereitungen für den Abschluß neuer Handelsverträge mit drei Auslandstaaten zu Ende geführt sind. Man wird demnächst an die gleichen Vorbereitungen für die Erneuer­ung der Verträge mtt anderen Staaten herantreten.

Breslau, 8. Juli. Die23resl. 23olkswach^ erzähtt folgenden 23orfall: Der Sohn des Geh. Justizrats Freund in ätteslau, Vorsitzenden der Breslauer Anwaltskammer und Vorstehers der Stadtverordnetenversammlung, kam kürzlich als Assessor nach Oels. Als er dort im Wirtshause am u r i st e n t i s ch e" Platz nehmen wollte, bedeutete chm ein höherer 23eamter des Gerichts, daß Juden an diesem Tische nicht Platz nehm en dürften.

Austtnö.

L o n d 0 n, 8. Juli. Heute nacht herrschte im S ch l 0 j s e von Windsor allgemeine Aufregung. Es er­schien dort ein Frcnrder, der trotz der ungewöhnlichen Stunde den Rentmeister des Königs zu sprechen verlangte. Man nahm den Mann fest, erkannte aber bald, daß er geistesgestört war. Er verfiel in Tobsucht und mußtt in die Irrenanstalt gebracht werden. Der Unglückliche heißt Klingen st ein und ftammt aus Frankfurt a. Vi. Die Meldung von einem Attentat auf Loub et wird dementiert.

Brüssel, 8. Juli. In der heitte stattgehabten Kon­ferenz nahmen die Vertreter der Zuckerindustrie Deutschlands, Oesterreichs, Rußlands, Frankreichs, Belgiens und Hollands mehrere Beschlnßanttäge an. Um eine Ueber- schwemmung des englischen Marktes zu verhindern, sollen Ausfuhren aus den Durchschnitt der letzten Jahre beschränkt werden. Von jedem der beteiligten Länder soll ein Kon^ tingent ausgestellt werden, die Dauer der Konventton soll dieselbe sein, wie die der Brüsseler internationalen Konven­tion. Durch dieses Kartell, welches der Zustimmung der interessierten Mächte bedarf, hoffen die Zuckerfabrikanten den gegenwärtigen Preis in Europa anfrechtznerhalten und den Preis in England um 1 oder 2 Frs. zu steigern.

Athen, 8. Juli. Die Nachrichten ans der Provinz lauten Hochernst. In Elis haben bewaffnete Bauern ver schiedene Eisenbahnzüge angehalten, um nach Athen zu ge­langen und daselbst wegen des Gesetzentwurfs betreffend das Korinthenmon o po l zu manifestieren. Nachdem sie daran verhindert wurden, z e r st örte n sie die Eisen­bahnlinie an mehreren Punkten. In Pyrgos bauern die Kundgebungen fort. In Gargaliani wurde der Stmtts anmalt gezwungen, sich an die Spitze der Starrtfeftonten