Ausgabe 
9.3.1903 Erstes Blatt
 
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Neuerung nicht auf die einzelnen Betriebe, sondern auf die Kreise ausgeschlagen werden, mithin Beschwerden nicht Vor­kommen könnten. Ueber die Haftung des Rheders aus dem Frachtvertrag" berichtete Herr Mees- mann. Die vereinigten Rheder von Hamburg, Bremen und Lübeck haben in einer Denkschrift den Vorschlag ge­macht, daß sie nur für Schäden von Waren verantwortlich gemacht werden beim Abladen von Bord an das Quai und bis zur Empfangnahme an den Besteller. Nach längerer Debatte, an oer sich die Herren Schlo ßmacher, Kom­merzienrat Melchers-Mainz, Geheimrat Michel, Stahl- Friedberg, Kommerzienrat C o b l e n z - Bingen Kommerzienrat Baruch-Worms beteiligten, wurde dem Vorschläge der vereinigten Rheder zugestimmt, da dieser riue Besserung in den seitherigen Verhältnissen herbeiführe.

lieber dieK a u f m a n n s g e r i ch t e" referierte Herr Schloßmacher. Don den radikalen Parteien werde fortgesetzt für die Errichtung eines Sondergerichts mit An­gliederung an die Gewerbegerichte gefordert. Aus recht- lrchen, sozialen und wirtschaftlichen Gründen habe sich der Ausschuß des deutschen Handelstages gegen die Schaff­ung von Sondergerichten ausgesprochen, dagegen aber die Errichtung einer Gerichtsabterlung mit Anschluß an die Amtsgerichte gutgeheißcn. Und zwar derart, daß, wie bei den Schöffen und Geschworenen befähigte Mitglieder als Beisitzer ausgelost würden. Bei der Errichtung eines kaufmännischen Schiedsgerichts mit Anschluß an dre Ge- werbegerichte werde der Wahlkampf eröffnet und damit die Klassengegensätze zwischen Handlungsgehilfen und Prin­zipalen hinemgetragen. Die Handlungsgehilfen seien im Gegensatz zu den Arbeitern eher in der Lage sich selbst­ständig zu machen und nähmen in vielen Fällen Ver­trauensstellungen ein. Die Prozesse könnten vereinfacht und beschleunigt, außerdem müßten die Gebühren für Ge­richt und Rechtsanwälte herabgesetzt werden, so daß die Gehilfen zufrieden sein könnten. Der Referent sprach die Erwartung aus, daß der Bundesrat einen Entwurf dem Reichstage in diesem Sinne vorlege. Sekretär Frö hlich- Morms hält den Anschluß an die Amtsgerichte nicht für zwectmäßig, da dieselben gerade genug überlastet seien. Der Anschluß an die Gewerbegerichte sei nur zu empfehlen. Herr Stahl-Friedberg sprach sich im Sinne des Herrn Schloßmacher aus, da die Schaffung von Sondergerichten eine große Gefahr für die Rechtsernheit bildeten. Schließlich kämen noch alle Stände und verlangten für ihre Gerichte Errichtung von Sondergerichten. Seine Handelskammer sei nur für ein beschleunigtes Verfahren vor den Amts­gerichten.

Herr Meesmann erklärte, daß die Mainzer Han- üelskammer auf dem Standpunkte des veröffentlichten Ent­wurfes stehe und mit der Angliederung an die Gewerbe­gerichte einverstanden sei. Die Wohltaten eines schnellen und billigen Gerichtsverfahrens müsse auch den vielen Handlungsgehilfen, die oft zu hunderten in einem Betriebe seien und schlechter als die Arbeiter bezahlt würden, zu teil werden. Die Gewerbegerichte führten eine ausglei- chende Gerechtigkeit herbei und es sei unrichtig, wenn be­hauptet werde, die Gewerbegerichte richteten parteiisch. Nach der Statistik seien hier die Mehrzahl der Prozesse zu Gunsten der Arbeitgeber ausgefallen. Die Handelskammer Dingen steht auf dem Stanopunkt von Offenbach, die von Darmstadt für Anschluß an die Gewerbegerichte. Herr Schloßmacher bemerkte, daß in vielen Groß­städten die Gewerbegerichte in Händen der Sozialdemo­kraten seien und vollständig zum Klassengericht ausge­wachsen wären. Die Beisitzer würden inoirekt durch ihre Parteizugehörigkeit zu ihrer Stellungnahme beeinflußt. Ein Gericht, das nur aus Anhängern einer Partei bestehe, könne bei einem rechtsuchenden Publikum niemals Anklang finden. Die Angliederung an die Amtsgerichte sei allein die ausgleichende Gerechtigkeit, da sie jedem Gehilfen dann auch in den kleinsten Städten zugute komme. Kommer­zienrat Koch-Gießen steht auf dem Standpunkte Of­fenbachs. Der Vorsitzende will von einer Abstimmung absehen, da durch die Aufklärungen vielleicht auch die hiesige Handelskammer zu einer anderen Ansicht gelange. Kommerzienrat Baruch- Worms will die Gerichte auf dem Standpunkt der Gewerbegerichte, die sehr segensreich wirkten, aufgebaut sehen. Tie Herren Geheimrat Stroh und Kegelmann-Offenbach sprachen irochrnals ent­schieden für die Errichtung der Kaufmannsgerichte unter Angliederung an die Amtsgerichte. Nach einem Resümee des Vorsitzenden unterblieb die Abstimmung, ebenso die Beratung der einzelnen Paragraphen des Entwurfes.

Ueber den Entwurf zurK r a n k e n v e r s i ch e r u n g s- Novelle" berichtete Direktor D ittma r. Die Kom­mission des Handelstages spreche sich zustimmend zu dem Entwürfe aus, nur wird in Bezug aus die Wöchnerinnen eine Abänderung dahin gewünscht, daß dieselben keine Rente mehr erhalten, wenn sie nach vier Wochen ihre Arbeit wieder ausgenommen. Gerügt wurde, daß Han­delskammern zu dem Entwürfe von der Regierung nicht gehört wurden. Regierungsrat Wagner erwiderte, daß die Ursache darin liege, dag ihm der Entwurf erst Sams­tags zuaegangen und am nächsten Montag die Sache in Berlin hätte telegraphisch erledigt werden müssen.

Der Handelskammertag war mit den Beschlüssen der Kommission für Sozialpolitik des deutschen Handelstages zur Krankenversicherungsnovelle einverstanden. Bezüglich des Reservefonds für die Berufsgenossen- schasten wird gewünscht, daß die Bestimmunaen des alten Gesetzes wceder Platz greisen und nicht Erhöhung er­fahre, da dieses der wirtschaftlichen Lage in keiner Weise entspreche. Die Aufstellung eines Statuts für den Handelskammertag sand in seiner Vorlage mit einigen Abänderungen Genehmigung. Auf Antrag von Offenbach sollen in Zukunft dre Sitzungen des hessischen Handelskammertages an Werktagen abgehalten werden.

Ueber den Be st a n d deskaufmannischenFort- bildungsschulwesens in Hessen referierte kurz Herr Schloßmacher. Es sind neun kaufmännische Fortbild­ungsschulen vorhanden mit 826 Schüler, darunter 778 Fort- bilbungsschulpflichtige. An den Schulen sind 62 Lehrer, (darunter 2 Lehrerinnen), im Nebenamte tätig. Wesentliche Fortschritte seien gemacht und marschierten die kaufmänni­schen Fortbildungsschulen in Hessen mit an der Spitze in Deutschland.

^ajmurgeridjt

-t. Gießen, 7. März 1903.

Am Samstag verhandelte das Schwurgericht gegen den 21 Kahre alten Landwirt Gustav Schell mann von Geiß- Nidda wegen Urkund en fäls chun g.

Der Angeklagte war der ihm zur Last gelegten Tat ge­ständig. Tie Mur!e des Angeklagten, die Witwe Schell­mann, erwarb bei einer zwangsweisen Versteigerung die Kühnfcbe vofrarte, wobei ihr zur Pfkiclst gLmackU wurde, den

Kaufschilling an die Kühnschen Gläubiger zu entrichten. Sie verkaufte nun, um Geld zu bekommen, das ihr und ihrem verstorbenen Gatten gehörende Anwesen zu Geiß-Nidda, allein der Erlös dafür langte nicht aus, um die Kühnschen Gläubiger zu befriedigen. Es wurden nun die beiden minorennen Kinder der Witwe, der Angeklagte und dessen Schwester Ottilie, als Miteigentümer der Hofraite einge­tragen, und dann bei der Niddaer Sparkasse ein Darlehen aufzunehmen versucht. Es sollten der Kasse eine Reihe von Grundstücken, die dem Angeklagten und dessen Schwester gehörten, hypothekarisch ve^p,ändet w.rdcn. Das Ta.lehen sollte 3330 Mk. betragen. Die Hypothek wurde erteilt, mit dem ausdrücklichen Vermerk,daß die Auszahlung des Be­trages von 3330 Mk. bei Meldung doppelter Zahlung an den gerichtlich bestellten Pfleger Landwirt Köhler zu Geiß- Nidda zu erfolgen habe." Die bestellte Hypothek wurde von der Gerichtsschreiberei des Amtsgerichts'Nidda an den An­geklagten ausgehändigt, damit er sie dem Pfleger zur Geld- erhebung weiter gebe. Der junge ^-chellmann tat dies jedoch nicht, sondern ging selbst damit zum Rechner der Sparkasse und verlangte gegen Aushändigung der Obligation die Aus­zahlung des Darlehens. Ter Rechner Raigelhausen jedoch verhielt sich ablehnend, auch ein zweites Mal, als der Pfleger die Annahme des Betrages ablehnte, weil er noch keine gerichtliche Weisung wegen der Verwendung des Geldes in Händen habe. Anfangs dieses Jahres erschien der Anae- ftagte das dritte Mal bei der Kasse; er überreichte Die Urkunde mit dem Bemerken:So, jetzt ist alles in Ordnung, jetzt kann ich meinen Teil bekommen." Der Rechner der Kasse bemerkte, daß von unberufener Hand an der Obligation Veränderungen vorgenommen worden waren. Auf Vorhalt erklärte Schellmann, die Abänderung sei vom Gericht vor­genommen worden, worauf ihm der Bescheid wurde, daß man, um sich Gewißheir zu verschaffen, die Urkunde erst dem Gericht vorleaen werde. Von diesem vernommen, bestritt Schellmann, daß er die Fälschung vorgenommen habe, ge- tand dies jedoch später, als er in Haft genommen worden war, zu, indem er angab, er habe sich in den Besitz der Hälfte des Betrages setzen wollen. Er habe den Inhalt der Bestätigungsklausel nicht begreifen können, insoweit diese die Auszahlung der ganzen Summe an den Pfleger seiner minorennen Schwester anordnete. Er sei großjährig ge­worden und habe, weil die Hälfte der verpfändeten Siegen» chaften ihm gehöre, sich auch hier berechtigt gehalten, min­destens die halbe Summe des Darlehens zu erheben; weiter sei durch die Abänderung des Dokumentes seinerseits nichts bezweckt gewesen. Die Beweisaufnahme bestätigte alle Punkte der Anklage. Die den Geschworenen vorgelegte Schuldfrage lautete: ,^at der Ange Äugte in rechtswidriger Absicht eine inländische öffentliche Urlunoe verfälscht und von derselben zum Zwecke der Täuschung Gebrauch gemacht, und hat er diese Urkundenfälschung begangen in der Absicht, sich ober einem Anderen einen Vermögensvorteil zu verschaffen?

Ferner war für den Fall der Bejahung der Schuldfrage im vollen Umfange die Frage auf das Vorhandensein von mildernden Umständen gestellt.

Staatsanwalt Hoos bittet die Geschworenen, nicht nur )ie Schuld frage, sondern auch die Frage nach mildernden Umständen zu bejahen. Der Verteidiger, Rechtsanwalt Metz-Nidda, ist der Ansicht, daß sein Klient einfache Ur­kundenfälschung begangen habe. Er bittet, die Schuldfrage dahin zu bejahen, daß der Angeklagte zwar schuldig der Urkundenfälschung, daß es aber nicht erwiesen sei, daß er damit einen Vermögensvorteil erstrebt habe. Die Geschwo­renen folgten mit ihrem Wahrspruch den Ausführungen des Verteidigers, worauf der Staatsanwalt auf 3 Monate Ge­fängnis zu erkennen beantragte. Der Verteidiger trat für eine wesentlich geringere Strafe ein. Im Urteil, welches auf 3 Monate Gefängnis lautete, wurde die Straf- Höhe damit begründet, daß es sich um eine gerichtliche Ur­kunde handele, die der Angeklagte gefälscht hat. Die Unter­suchungshaft kam voll in Anrechnung, ferner wurde der An­geklagte aus der Haft entlassen.

Ans Stad! und Kand.

Gießen, den 9. März 1903.

Das Regierungsblatt enthält die Bekannt­machung, daß der Butzbach-Licher Eisenbahn-Akt.- Ges. in Butzbach die Genehmigung zur Ausgabe von 550 000 Mk. 4proz. Schuldverschreibungen erteilt worden ist.

Irene Triesch kommt wieder nicht! Der Theaterverein hatte am Sonntag seinen Mitgliedern durch Postkarte mitgeteilt, daß Irene Triesch am nächsten Mittwoch alsHedda Gabler" hier auftreten würde. Jetzt hören wir, daß gestern folgendes Telegramm eingetroffen sei:

Leider Repertoire-Veränderung. Kann unmöglich Mittwoch spielen. Ern anderes Mol."

Also wir werden zum zweiten Male auf später ver­tröstet. Nun geht aber die recht unfruchtbare diesmalige Theatersaifon mit Riesenschritten ihrem Ende entgegen, sodaß die Aussicht auf ein dieSwinterliches Gastspiel der Triesch immer geringer wird. UebrigenS werden viele Theatervereins­mitglieder mit dem Tausch von SchnitzlersLiebelei" m Hedda Gabler" nicht recht einverstanden fein. Wir haben dieses Jbsenstück erst vor Jahresfrist in der meisterhaften Darstellung durch die reisende Lindcmann'sche Gesellschaft ge­sehen, Schnitzlers entzückendeLiebelei", dieses Hohelied auf daskleine Mädchen", dagegen ist vielen Gießener Theater­freunden noch ganz unbekannt. Es wird erzählt, daß sich Schwierigkeiten bei der Rollenbesetzung derLiebelei" ergaben. Dann dürfte da§ Engagement eines zweiten Gastes sich mehr empfehlen als eine so schnelle, vielen unerwünschte Wieder­holung derHedda Gabler". Die nächste (8.) Theater­vereins-Vorstellung findet also, wenn nichts dazwischen kommt, Freitag den 13. d. Mts. statt und bringt das Jürgensen- Gastspiel (Hans Jürge" von Holtei undDer Geizige" von Moliöre).

Hessisch-Thür. Staatslotterie. Bei der heute fortgesetzten Ziehung der 6. Klasse wurden folgende Gewinne gezogen: 5000 All. auf Nr. 1473 17442 48948 55178, 3000 Mk. auf Nr. 1137 1724 4781 9275 11293 21969 25012 28441 33688 (nach Gießen) 45713 48908 59170 66483 92030, 2000 Mk. auf Nr. 606 4765 8548 11030 12615 (nach Gießen) 19725 24498 25236 25846 30405 35726 37469 45164 44793 48830 52436 53696 54802 61762 65581 67113 68493 68586 68991 69377 73476 78753 84623 86093 86970 95547 97406. (Ohne Gewähr.) l. c- bie Gasexplosion im Stadt- lheate.. um ocr mir bereits ht der heutigen Paria- MMvtsMlSgtwe Ahntailinrg madyten, liegt inis folgender

ausführlicher Bericht vor: Als der Wirt No kl gestern abend, ca. 5 Minuten vor V28 Uhr, den kleinen Garderobe» raum, der am Eingänge des Theaters zur Linken liegt, betrat, nahm er einen leichten Gasgeruch wahr. Er zündete ein Streichhölzchen, und mit diesem den Lampenanzünder, eine lange Stange, die am oberen Ende ein Wattebäuschchen stur Aufnahme von Brennspiritus trägt, an. Als N. dann die Stange in die Höhe schob, um den, von der Decke herab­hängenden Lustre anzuzünden, erfolgte eine furchtbare Explosion. N. wurde aus der Garderobe her­ausgeschleudert und blieb schwerverletzt im Vesti­bül des 2.Heaters liegen. Herbeigeeilte Leute trugen ihn in feine Wohnung, wo ärztliche Hil.se alsbald zur Stelle war. Im Augenblick der Explosion befanden sich in dem, neben der Garderobe liegenden Billetausgaberaum außer dem Kassierer D e b u s drei Personen aus Kinzenbach und stwci Musiker. Alle wurden mehr oder minder verletzt, doch sind die Verletzungen nid)t schwer. Durch die Gewalt der Explosion wurden sämtliche Fenster- und Tür- scheiben in At0 m e zertrümmert, zum Teil wur­den auch die Fensterkreuze mit herausgerissen. Die durch die Explosion hervvrgerusene Erschütterung war so groß, daß die O b er li ch t fenster au f d e r B u h n e samt dem eisernen Gitterwerk herab stürzten. Ein weiterer Schaden ist nicht entstanden. Die Vorstellung muffte indessen aus fallen. Durch einen eigentümlichen Umstand ist der Theaterdlrektor Kruse eventuellen Ver­letzungen entgangen. Herr Kruse, der sonst nie den Seitenausgang benutzt, um auf den Platz vor dem The­ater zu gelangen, vielmehr bei Beginn der Kassenöfsnung stets in dem SiUetauSgabcrauin weilt, wich diesmal ganz ausnahmsweise von feiner Regel ab, und ging durch den Seitenausgang. Dies wurde seine Rettung; denn kaum auf dem Vorplatze angciangt, erfolgte die Explosion. Ueber die Ursachen der Explosion konnten wir folgendes fest- stellen: In die Garderobe waren Bäume, die zu Deko­rationszwecken gedient hatten, gebracht worden. Es wird angenommen, daß die hiermit betrauten Personen so unvorsichtig mit den Bäumen umgegangen sind, daß durch häufiges Anstößen an den Lustre dieser stark beschädigt wurde. Ter Lustre wies bei der heutigen Untersuchung einen Riß auf, durch den das Gas vermutlich in den Raum gedrungen ist. Ganz aufgeklärt ist die Ursache indes noch nicht und wird es vielleicht auch niemals wer­den. Nach einer weiteren Meldung erfolgte die Explo­sion in dem Moment, in dem der Wirt Noll das Streich­hölzchen entzündete. Da 9Z. nicht verne hmungs fähig ist, tonnte hierüber bisher nichts Zuverlässiges restgestellt werden. Im Theatersaal selbst smd keine Beschädigungen vorgekommen, umso merkwürdiger ist es, daß das Oberlichtfenster der Bühne mitsamt dem eisernen Rahmen herabgestürzt ist. Allem Anschein nach ist dieser Umstand auf eine mangelhafte Befestigung des Fensters zurückzuführen.

** Von Seiten der deutsch-sozialen Reform» partei wird uns mitgeteilt, daß m der gestern hier im Löwen" stattgehabten Vertrauensmänner-Versammliuig des Wahlkreises Gießen-Grünberg-Nidda der seitherige Reichs- tagSabg. Köhler-Langsdorf wiederum als Kandidat für die bevorstehende Reichstagswahl einstimmig ausgestellt worden ist, und zwar unter der Bedingung, daß er Mitglied der Reformpartei wird. Die Unterstü tzung deS Bundes der Landwirte wurde ihm, wie wir von an­derer Seite erfahren, zugesagt.

* Besitzwechsel. Die Villa Burk an der Ost­anlage 14 ging für den Preis von 105 OoO Mk. durch Kauf in den Besitz des Fabrikanten Georg Noll über.

* * Unfall. Am verflossenen Samstag stürzte in der Steinstraße ein Maurer vom Neubau und zog sich schwere Verletzungen zu, sodaß er in die Klinik verbracht werden mußte.

** Wegen eines Sittlichkeitsoerbrechens, Der* übt an einem 4 jährigen Mädchen, wurde gestern nachmittag ein hier wohnhafter verheirateter Arbeiter verhaftet.

** Grober Unfug. In vergangener Nacht wurde in der Bahnhofstraße mutwilligerweise ein Briefkasten ab­gerissen und beschädigt.

** A11 s dem Theaterbureau. Die gestrige Abend­vorstellung mußte leider ausfallen und wirdDer Trom­peter von ©ä cf in gen" am Donnerstag den 12. d. Mts. zur Aufführung gelangen. Die für die gestrige Vor. stellung gelösten BilletS haben am Donnerstag Gültigkeit. Gelöste Billets, welche am Donnerstag nicht zur Verwendung kommen können, werden von Herrn Ehallier gurüefgenommen. Morgen Dienstag, den 10. d. M. wird als Voks- Vorstellung zum zweiten MaleFlachs mann als Er­zieher" in Scene gehen.

§ Gedern 8. März. Im Alter von 79 Jahren ver» starb hier nach kurzem Krankenlager Hofprediger Heinrichs. Bis vor wenig Tagen versah er in Treue und Gewissen­haftigkeit sein Amt. Vor mehreren Jahren feierte er sein 50jährigeS Dienstjubiläum und wurde ihm damals eine hohe Auszeichnung zuteil.

li . 13. Darmstadt, 8. März. Der evangelisch, soziale Kongreß, der m der Pfingstwoche hier ftattfinben wird, findet hier allgemeine Aufmerksamkeit. Heute abend war der große Ausschuß außerordentlich zahlreich zu einer Sitzung beisammen, welcher auch Prof. 1). Dr. Harnack aus Berlin beiwohnte. Derselbe teilte mit, daß als Haupt­themata folgende vorgesehen seien: Vortrag des Prof Her- mann-Marburg: Wie steht es mit der uns in der Berg­predigt entgegentretenden Ethik mit Bezug auf die Anforder­ungen an die moderne Zeit? Vortrag deS Geh. Rat Pros. Tr. Adolf Wagner-Berlin: Tie sozialen und ethischen Grundsätze für Staats- und Gemeindesteuern (mit besonderer Berücksichtigung der hessischen Verhältnisse), und Vortrag deS Geh. Justizrats Prof. Kahl-Berlin: Welche Wunsche und Anforderungen sind bei der bevorstehenden Revision bc5 Strafgesetzbuchs vom evangelisch - sozialen Standpunkt zu stellen? Auch die Fr au en frage wird emo eingehende Erörterung erfahren durch die Behandliing dc§ Themas. WaS soll'das Ziel der höheren Mädchenschule sein? Nach dem Vortrag deS Prof. Harnack nahm die Versammlung noch die Wahl der verschiedenen Ausschüsse vor.

Frankfurt a. M., 9. März. Der Magistrat bcan* tragt* die Stadtverordneten-Versammlung wolle zustimmen, daß 1. zur Beschaffung der Mittel für Erweiterung der Elek- trizuäts- und Bahnamtsbetriebe, deS Schlacht- und Vieh- Hofes, der Hafen-- und Lagerhausanlagen, des Fuhrparks, der Kanalisation, der firanfenanftaüen^ für die Errichtung von Gaswerken, für den Bau höherer schuleii unb sonstige bau»

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