Ausgabe 
9.2.1903 Drittes Blatt
 
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<yn Zroman oer saWsiyeu Kronprrnze^n.

Tie beiden Prozeßbevollrnächtkgten der Kronprinzessin Luise, Lachenal und Tr. Z e h m e, haben an das tz o f - marschallamt in Dresden folgendes Telegramm gerichtet:

Prinzessin Luise, welche die Beziehungen zu Giro n auf gegeben, hegt den dringenden Wunsch, den erkrankten Soyn Friedrich Christian zu sehen. In ihrem Auftrage ersuchen wir Sie, dem Kronprinzen die chrfurchtsoollfte B i tt c vorzulegen, daß^ die Mutter auf ei nigc Stunden an da s K ran­ke nlag er ihres Kindes treten darf. Prinzessin Luise wird nach dem Besuch Dresden wieder verlassen. Wir erbitten telegraphisch Aniwort."

Justizrat Körner legte am Samstag dem Kronprinzen die Depesche vor. Aach kurzer Konferenz begab sich der Kron­prinz zum König. Dieser beschied die Minister des! Aeußern uno des lünigl. Hauses zu sich, und beriet mit ihnen eine . Stunde über den Wunsch der Kronprinzessin. Die Konferenz war sich von Anfang an klar darüber, daß der Bitte unter keinen Umständen gewill­fahrt werden könne. Tie Rücksicht au; die Autorität des lgl. Hauses gebiete in erster Linie ein ablehnendes Ver­halten. Ueberoies dürfe man aber auch der augenblick­liche u, durch die eingeiretenenen Verhältnisse herbei- geführten Gefühls Wallung auf Kosten der höheren Gesichtspunkte nicht nachgeö'en. Schließlich war auch die Erwägung maßgebend, daß man bei Hofe Szenen vermeiden wollte, die sich zweifellos bei dem Erscheinen der Kron­prinzessin in Dresden ereignet hätten und unvermeidlich gewesen wären. Auch sei für das Versprechen der Kron­prinzessin, Dresden sofort wieder zu verlassen, keine Ga­rantie gegeben, da sie durch das Gesetz nicht zum Verlassen des Landes veranlaßt werden könnte. Dazu sei der Zustand des erkrankten Prinzen so be­denklich, daß jede Ausregung von ihm abzuwenden Pflicht sei. Aus allen diesen Gründen wurde nach ein­stündiger Beratung auf Ablehuung des Ansuchens erkannt.

DasWiener Frcmdenölatt" veröffenAichr eine Unter­redung seines Spezialkorrespondenten in Dresden mit dem sächsischen Minister des tönigl. Hauses von Scyde- witz. Der Minister erklärte: Der Hof und das Ministe­rium sind durch die Nachricht von der Trennung der Kron­prinzessin von Professor Giron ebenso überrascht wor­den, wie das Publikum, umsomehr, als sie nur aus den Zeitungen über diese neue Phase der Angelegenheit in­formiert sind. Allerdings sei richtig, daß der Prozeß­anwalt der Prinzessin, Dr. Zehme, wiederholt bei seiner Klientin in Genf weilte, um seinen Einfluß für die Lösung der Beziehungen geltend zu machen und der Prinzessin die Forderungen des sächsischen Hofes bekannt zu geben. Auch mit Giroir habe Dr. Zehme wiederholt Unterredungen in diesem Sinne gehabt, doch nie im Auftrage des sächsischen .Hofes, als dessen Vertreter nur Justizrat Körner fungiere. Vor drei Tagen reiste Dr. Zehme nach Genf ab, um mit dem Paar vor dem letzten Ehetrennungstermin am 11. Februar die letzte Unterredung zu pflegen, doch hatte er auch diesmal kein Mandat von Seiten des Hofes. Der Mi­nister bezeichnet die Behauptung, der sächsische Hof habe Giron durch eine namhafte Summe zum Abbruch der Beziehungen zur Kronprinzes­sin bewogen, als vollständig unrichtig. Der sächsische Hof habe niemals mit Giron verhandelt, sondern stets nur mit der Kronprinzessin und von ihr den Abbruch der Beziehungen verlangt, niemals von Giron; am aller­wenigsten sei es dem sächsischen Hofe eingesallen, Giron selbst darum zu bitten. Daraus ergebe sich auch die Antwort auf die Frage, ob die erste Ehetrennungsverhandlung aus dem Grmide vertagt wurde, die Höhe der finanziellen Ent­schädigung Girons festzustellen.Meine subjektive Auf­fassung", sagte der Minister,geht dahin, die Kron­prinzessin beginnt tiefe Reue zu fühlen, erkennt allmählich die wahre Natur Girons und will ihn los sein." Auf die Bemerkung, daß es zur Trenn­ung von Giron nicht eines Anwalts bedurft hätte, er­widerte der Minister, die Kronprinzessin fürchtete viel­leicht den Einfluß Girons und wählte die Anwesenheit eines Anwalts zur entscheidenden Aussprache mit Giron, um nicht ohne männlichen Schutz zu feilt. Für den Hof und für die Beurteilung des Geschehenen sei die neueste Wendung vollkommen belanglos, denn der Hof stehe nicht auf dem Standpunkt, es sei jetzt alles gut, nachdem die Prinzessin mit Giron gebrochen habe. Das Gerichtsverfahren werde seinen ord­nungsmäßigen Weg nehmen. Der letzte Ter- mi n finde unwiderruflich am 11. Februar statt. Das Ge­richt werde sich jedoch nur mit der Frage beschäftigen, ob das vorliegenoe Beweismaterial genüge, auf Trennung der Ehe zu erkennen, keinesfalls aber, wie behauptet worden sei, mit der Festsetzung der Höhe der alljährlichen Apanage der Kronprinzessin; hierüber hätten allein die Höfe in Dresden und Salzburg zu entscheiden.

Die Anwälte der Kronprinzessin erhielten bereits am Samstag von dem Vertreler des Kronprinzen von Sachsen, Justizrat Körner, auf ihr Telegramm folgende Antwort:

Seine Königliche Hoheit lehnt die Erfüllung der Bitte definitiv und unter allen Umständen ab. Körner.

Auch das Ersuchen der Kronprinzessin, um direkre N a ch r i ch t c n ü b e r d c n G e s u n d h e i t s z u st a n d des Kindes, wurde ab gelehnt, doco erhält die Prinzessin Nachrichten indirekt, allerdings mit Verspätung.

Prinzessin Luise, die über die Antwort aus Dresden sehr betrübt ist, bat ihre Anwälte Lachenal und Zehme, neue Schritte zur Erfüllung ihres Wunsches zu tun.

Wie aus Salzburg telegraphiert wird, wären der G r o ß h e r z o g u n d. d i e G r o p h e r z o g i n von Tos­kana einer Versöhnung mir der Tochter nicht ab­geneigt, zweifeln aber an der Aufrichtigkeit der Treirnung von Giron. Auch für den Fall, daß sich die Trennung als ernst erweisen sollte, stehen Hin­dernisse im Wege. Deren Hinwegräumung gilt, wie '.s heißr, die Ankunft der Großherzogin in Wien.

Nach einer anderen Meldung stellt der toskanische Hof jede Kenntnis von dem Plan einer Reise der Prin­zessin Luise nach Salzburg in Abrede. Ein Brief- vechsel der Prinzessin mir ihren Eltern habe seit . hr er Flucht nicht st a t t g e f u n d'en. Tie Großher­zogin sandte nur zweimal Nachrichten über die Krankheit des Prinzen Christian an Lachenal. Zur Zeit liege kein Ersuchen der Prinzessin um eine Zusammenkunft mit ihren Eltern vor. Tie G r v ß Herz o g i n glaubt aber, daß die Bitte um eine Zus a in in c n t u n f i in einem Grenz­orte gestellt werden würde und auch dies wolle sie ver­meiden. Ferner meldet ein Telegramm aus Wien, daß die Trennung der Prinzessin Luise von Giron zu spät erfolgt sei. Vor dem 28. Januar, dem Dresdener Ver-

i)anmungs-?Termtn wäre em Arrangement: noch möglich gewesen, daß die Kronprinzessin ihre Kinder hätte sehen können.

Tie WienerNeue Freie Presse" will wissen, daß die Zusammenkunft der Prinzessin Luise mit ihrer Mutter, der Großherzogin von Toscana, in Rosenheim erfolgen und vor allem den Zweck haben soll, feslzustellen, ob die Trennung der Prinzessin von Giron zeitlich oder dauernd ist. In letzterem Falle wäre eine Milderung der von den Höfen in Wien und Dresden über die Prinzessin ver­hängten Maßregeln möglich, insbesondere in dem Sinne, daß die Vaterlandslosigkeit, welche die Folge dieser Maßregel ist, auf geh oben und es der Prinzessin mög­lich gemacht würde, einen Namen zu führen. Tie Pria- zessin soll das telegraphische Ersuchen ihrer Anwälte an den Kronprinzen zur Erlangung der Erlaubnis eines Be­suches ihres fr an (en Sohnes mit einem eigenhändigen Briefe unterstützt haben, der sehr bußfertig gehalten und in reuevollem Tone von ihrem Fehler sprechen soll.

Von unterrichteter Seite wird noch aus Wien gemeldet, daß die Trennung von Giron vorher zwischen einer Mittels­person des toscanischen Hofes und Der Prinzessin genau fixiert worden sei. Die Sinnesänderung der Prinzessin sei lediglich ihrer eigenen Initiative entsprungen, weil sie, wie es in einem Briefe an ihre Mutter (?) heißt, wie ein gehetztes Wild zusammenbrach und Enttäusch­ungen fand.

Aus Brüssel wird telegraphiert, Giron sei dort eingetroffen. Er habe seinen intimen Freunden mitgeteilt, daß die T r e n n u n g von der Prinzessin Luise n u r a u g e n- blicklich sei, hervorgegangen aus seinem Wunsche, die Prinzessin aus ihrer verzweifelten Lage so schnell wie möglich befreit zu sehen. Was die Prinzessin für die Zukunft beschließe, stehe ihr allein anheim, er werde sich ihren Wünschen niemals unterordneu. Giron stieg in Brüssel bei einem seiner Freunde ab, da sich seine Fa­milie infolge seines Verhältnisses mit Der Prinzessin von ihm los gesagt hat. Gleichzeitig mit ihm soll ein säch­sischer Geheimpolizist zu feiner Beobachtung dort cingetroffen sein.

Wie römische Blätter melden, hat sowohl die ita­lienische Regierung als auch der Vatikan chifjrierte De­peschen aus Dresden und Wien erhalten, daß die Prin­zessin Luise die ihr gestellten Bedingungen für die Rückkehr angenommen hat. Die Wendung ist wesent­lich ein Verdienst des Advokaten Lachenal, der in sehr ge­schickter Weise Giron zu bestimmen wußte, nach Brüssel zu- rückzukehren. Für den Entschluß Girons sollen auch (??) mater ielle Erwägungen entscheidend gewesen fein. In vatikanischen Kreisen schreibt man die neuesten Ent­schlüsse der Kronprinzessin hauptsächlich den väterlichen Ermahnungen und den Ratschlägen zu, die ihr der Pap st wiederholt durch Vertrauensmänner zukommen ließ.

Erzherzog Leopold weilt noch immer in Mentone und kommt täglich zu seiner Schwester nach Genf.

Der Zustand des Prinzen Friedrich Christian ist meist unverändert. Die Temperatur hält sich immer noch auf 39,8. Das Allgemeinbefinden ist befriedigend.

Die Königin-Witwe von Sachsen hütet feit mehreren Tagen das Zimmer. Tie seelischen Aufregungen in den letzten Wochen griffen die hohe Frau sehr an.

Acnezueta.

Nach den nunmehr an Berliner amtlicher Stelle ein- gegangenen Berichten hatten die Verhandlungen in Washing­ton folgenden Verlauf. Ter Deutfüje Vertreter hatte den Vorschlag gemacht, den Blockade-Mächten drei Monate lang Vorzugsbedingungen bei der GesamtschulDentilgung Vene­zuelas zu gewähren. Ter Vorschlag hatte einige Aussicht auf Annahme. Nunmehr trat aber Der englische Geschäfts­träger Herbert auf und forderte weitergehende Konzefsionen an die Blockade-Ackichte. Bowen babc sich mit Herbert nicht einigen können. Deutschland und Italien haben sich dem Vorschläge ihres Verbündeten (Englands) angeschloften. Ta jedoch eine Einigung auch jetzt, nicht erzielt werden konnte, wollte man den Präsidenten Roosevelt zum Schiedsrichter über diese eine Angelegenheit der Vorzugsbehandlung Der Blockade-Mächte berufen. Roosevelt lehnte dies ab, sodaß nunmehr damit zu rechnen ist, daß diese Vorzugsangelegen­heit, in der die Verbündeten vollkommen einig sind, dem Haager Schiedsgericht unterbreitet wird. Ein anderer Aus­weg wäre nur möglich, wenn Bowen, dem die jo geschaffene Situation keineswegs angenehm sein kann, in letzter Stunde einen entgegenkommenden Vorschlag macht, der den ver­bündeten Mächten annehmbar erscheint. Außer dieser Vor­zugsangelegenheit stehen die Unterhandlungen gut. Es kann angenommen werden, daß alle weiteren Streitpunkte in Washington erledigt werden. Tie Blockade bleibt vorläufig bestehen, bis völlige Klärung herrscht.

Zu Der Ablehnung Des Schiedsrichteramtes durch Roose­velt meldet man noch ans Newyork: Ter Antrag wurde nicht formell gestellt und war insofern unvollständig, als Caftto sich ihm nicht angeschlossen hatte. In Washington wollte man sich nicht einer eventuellen Ablehnung Castros ausfetzen, andererseits aber auch nicht seine Zustimmung riskieren, da sonst Roosevelt gar keinen Vorwand für die Ablehnung gehabt hätte.

Sofort nach Eingang Der Nachricht, in der Roosevelt es. ablehnte, den Schiedsspruch zu übernehmen, besuchte Bowen die britische Botschaft auf Ansuchen Herberts, der an Influenza ertrankt ist. Herbert teilte ihm mit, daß das Protokoll angetommen^ sei, ivelches er für Die Unterschrift Bowens vorbereitete. Sternburg besuchte später Bowen und teilte ihm mit, daß er das deutsche Protokoll erhalten habe. In amtlichen Kreisen verlautet, daß die amerikanische Re­gierung Bowen nicht von den Verhandlungen ausschließen wollte. Zudem hätte Roosevelt, von dem jetzl offiziös ge­meldet wird, daß er sich erkältet habe, die Einladung zur Abgabe eines Schiedsspruchs gar nicht annehmen können, elbft wenn er gewollt hätte, ohne die Zustimmung Bowens. Diese hätten aber die Vertreter der Verbündeten Regie­rungen weder erlangt noch verlangt.

In Washington ist nach Reuters Bureau der obwaltende Eindruck der, d- die Frage bezüglich Der getrennten Be­handlung der Forderungen an Venezuela bald als abgetan betrachtet werden kann. Im Interesse der raschen Ent­scheidung wird angenommen, daß sich alle Parteien über Die Person als Schiedsrichter einigen werden, und daß hierfür Der niederländische Minister des A u s bärtigen gewählt werde.

Khtlmvcriain und die UnriN.

Bloemfontein, 7. Febr. Bei Der gestrigen Unter» rcbitng, Die Chamberlain mit Den Buren hatte und Die Den Zwiespalt, Der in ihren Reihen besteht, noch erweitert, wurde Chamberlain eine Petition überreicht, in Der nach Aufzählung einer Reihe von Beschwerden Die Ueberzeugung

ausgesprochen wird. Daß Die Verwaltung oer uranje» Kolonie beabsichtige, Den Bewohnern Derselben eine sie ruinierende finanzielle Last auszuerlegen, Die Doch so schon Da? Bewußtsein von Mangel au Wohl­wollen für sie bei Der gegenwärtigen Regierung hätten. In Der Erwiderung Chamberlains heißt es noch. Die Adresse erwähne eine Zahl von eingebildeten Mißständen und unbegründeten Besehwerdeu. In der Behandlung Der Rebellen liege nichts, was eine Verletzung Der Friedens- bcDingungen sei. Wie könnten die Buren Davon sprechen, daß Die Regierung ihnen keine Sympathie entgegenbringe, wenn die Siegicrung Tag und Nacht Daran arbeite unD Millionen Darauf verwende, im Lande Reformen durchzusühren. Chamberlain bestritt entschieden Die Behauptung, Daß Den Buren eine sie ruinierende Last aufgebürDet werde. Wenn sie auf ihrer Politik Des Murrens beharrten, wäre es z w e ck- los, Dem Volke, Das beij«§ so erhebliche Geschenke ohne ein Wort Des Tankes angenommen hätte, noch weitere Zugeständnisse zu machen. Darauf nahm Christian Dewet das Wort und erklärte, Daß kein Zusammen­wirken möglich sei, solange Piet Dewet und Christian Botha das Burenvolk verträten. Er würde nicht rasten, biS er eine Rebellion hervor gerufen habe, nicht eine bewaffnete, sondern eine solche der Ag itation der Unzufriedenheit gegen Die Regierung.

Parlamentarisches.

Berlin, 8. Febr. In parlamentarischen Kreisen hält man die Möglichkeit nicht für ausgeschlossen, daß das Arbeits­pensum des Reichstages noch vor Ostern erledigt werden könnte, so daß Der Schluß der ReichStagSsession zu Ende dieses Zeitpunktes erfolgen kann. Das Zustandekommen Der Vorlagen, betreffend Die KrankenversicherungS- Novelle und die kaufmännischen Schiedsgerichte, erscheint dabei allerdings in hohem Grade zweifelhaft.

Aus Stadl und Sand.

** .D e r Groß Herzog in Indien. Ueber den Aufenthalt S. K. H. Des Großherzogs in JnDien ist Des Weiteren briefliche Nachricht aus Gwalior, 23. Jan., eingegangen, die meldet: 5. K. H. Der Großherzog be­suchten wäyrenD seines Aufenthaltes in Agra am Freitag, 16. Januar, Den Taj Mahal unD Das Staatsgefängnis. Am Nachmittag fuhren S. K. Hoheit nach SikanDara, um die Dortige Missionsstation zu besuchen. Arn salgenDen Tag, Samstag Den 17., wurde ein Ausflug nach Fatshpur Sikri unternommen. S. K. Hoheit blieben dort über Nacht und kehrten am 18. nach Agra zurück, um von da am 19. zu einem mehrtägigen Aufenthalt nach Gwalior zum Besuche des Maharajah zu fahren, in dessen Palast der Großherzog mit Gefolge Wohnung nahm. S. K. Hoheit wohnten am 20. einer Truppenübung bei und begaben Sich am Nachmittag auf das Fort von Gwalior zur Be­sichtigung der dortigen Tempel und Ruinen. Nachdem S. K. Hoheit am 21. Die Stadt und deren Sehenswürdigkeiten besucht hatten, begaben Sich Allerhöchstdieselben am fol­genden Tag, den 22., zur Jagd und erlegten 7 Blackoucks (schwarze Antilopen).

Vermischtes.

Danzig, 7. Febr. Wie dieDanz. Ztg." meldet, soll e§ einem hiesigen Arzte gelungen sein, wichtiges neues Material in Der Winterschen Mordsache von einem bisher nicht vernommenen Zeugen zu erhallen. Die Mit­teilungen führen zum Teil auf ganz neue Spuren. Die Staatsanwaltschaft hat eine neue Untersuchung nach dieser Richtung bereits eingeleitet.

* T i r l e m o n t, 8. Febr. Die hiesige Zuckerfabrik wurde durch eine große Feuersbrunst vollständig zer­stört. Der Schaden ist bedeutend.

Gerichtssaal.

Berlin, 7. Febr. Der Buchdruckerekbesitzer Ludwig Mraebel wurde heute von der 8. Strafkammer des Land­gerichts I wegen Aufreizung zu Gewalttätigkeiten, begangen durch Herausgabe und durch Verbreitung eines polni- scheu Liederbuches zu 300 Mark Geld stra se, eventuell 30 Tagen Gefängnis verurteilt.

G l a tz, 7. Febr. Wegen Verbrechens gegen das keimende Leben wurde der 50jährige Kreisarzt Franz Scholz aus Glatz und seine Köchin Kropatschek aus Jschlancy von der Strafkammer nach sechsstündiger Verhandlung ersterer zu Drei Jahren Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust, letztere zu einem Jahr sechs Monaten Gefängnis verurteilt.

Montpellier, 7. Febr. In dein Prozesse gegen Araber, welche sich im Dorfe Margueritte und in oer Umgebung empörten, sprach das Gericht heute abend 80 Angeklagte frei. Vier weitere Angeklagte wurden zu lebens­länglicher Zwangsarbeit verurteilt. Sieben Angellagte er­hielten Zwangsarbeit von fünf bis 15 Jahren, zwei Zucht­haus von fünf Jahren und fünf eine Gefängnisstrafe. Ten übrigen Angeklagten wurden Aufenthaltsbeschränkungen auferlegt.

Spielplan der vereinigten Frankfurter Stadttheater. Lperuhaus.

Dienstag Den 10. Februar"):Tie Stumme vnn Portici". Mittwoch Den 11. Februar:Hänsel und Gretel/ Hierauf: Cavalleria runticana*. Donnerstag Den 12. Februar, abends 6 Uhr: Zur Erinnerung an Richard Wagners Todestag (13. Feb­ruar 1883):Tie Meistersinger von Nürnberg". Freilag den 13. Februar geschlossen. Samstag Den 14. Februar:Undine/ Sonntag Den 15. Februar, nachmittags halb 4 Ubr:Frau Holle/ Abends'7 Uhr:Ter Troubadour." Montag den 16. Februar: Zum ersten Male:Tie kleinen MichuS". Operette in 3 Aufzügen von A. Danloo und G. Duval. Deutsch von Bolten-Baeckers. Musik von Andrä Messager.

Schauspielhaus.

Tienstag den 9. Februar*):Der Pfarrer von Kirchseld". Mittwoch den 11. Februar, nachmittags halb 3 Uhr: Volksschüler- Vorstellung:Wilhelm Tell." Abends 7 Uhr:Ter arme Hein­rich." Donnerstag den 12. Februar: Einmaliges Gastspiel der Madame Maeterlinck-Leblanc mit ihrer französischen Gesell­schaft:Monna Banna". Freitag den 13. Februar:Der arme Heinrich." Samstag den 17. Februar:Im bunten Rock". Vorher: Ist Mitleid Sund?" Sonntag den 15. Februar, nachmittags halb 4 Uhr:Alk-Heidelberg"; abends 7 Uhr:Lorbeerbaum und Bettelstab." Montag den 16. Februar:Sonnwendtag." Dienstag den 17. Februar: Zum ersten 'Male:Venus Ana- dyo meuc". Schauspiel in 3 Akten von Rudolf Presber."

*) Am'ang, wenn nicht anders bemerkt, abends um 7 Uhr.

Gegen Schnupfen: Forman-Acther-Watte (Dose 30 Pfg.).