Ausgabe 
8.12.1903 Zweites Blatt
 
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Birg Durch Die Presse (W. N. ist Redakteur) mit neun Monaten Gefängnis bestraft sei.

Ausland.

London, 7. Dez. Der Staatssekretär des Innern Mers Douglas hielt deute abcub in Shoreditch eine Rede, in der er aussührte, verbrecherische Ausländer sollten seiner Ansicht nach aus dem Lande a u s g e w i e , e n «werden Ter König ichrn Komm.ssckn für die ander ung von Ausländern sei es gelungen, diese sehr schwierige Frage zu lösen. TieAusgaben s ü r H e e r e s z lv e ck e gedenkt die englische Negierung stark h e r a b z u s e tz e n. Es sei ziemlich sicher, daß das Kriegs Ministerium gerade die Kosten für Feldmanöver uui) Sche.bm.ch.eßen geringer zu gejialieu beabsichtige. Die Kosten für die militüri,a)e Ausbildung waren von militärischer Seite für das Jahr 19(>4/05 auf ein Minimum von 400 000 Lstrl. berechnet wor­den. Tas Kriegsmiltisterium soll jedocy der Ansicht sein, daß 120000 fifirl., also noch nicht ein Drittel der van den Militärs für nioiruenbig erachteten Summe, genügen. Für die Ausbildung des irischen Militärs, einschließlich der Miliz, verlangten die nii.üärischen Sachverständigen 80ü(L Lstrl., wahrend das Kriegsministerium die Sumine aus 25 000 Lstrl. herunterdrückte. Für das 4. Korps, dessen Hauptquartier London ist, und dem neben Regulären auch Milizen uiid Botunteers in großer Anzahl zug.tviisen wur­den, lvill das Ministerium nicht mehr als 15 000 Lstrl. bewilligen statt der verlangten 40 000.

Aach dem Handelsausweis betrugen die E.nnahmen im November 48 723 591 Pfund Sterling. Tas bedeutet eine Zunahme von 3605535 Pfund Sterling gegen Nuaenibct 1902. Tie Ausfuhr betrug 23 037 793 Pfund Sterling, d. L eine Abnahme gegen November 1LÖ2 von 1610 44u Pfund Sterling.

T.r Abschluß eines englisch-amerikanischen Schiedsgerichtsvertrages nach dem Muster des englisch-französischen, wird von hervorragenden Staats­männern besünvortet.

TieTally DNail" erhielt aus Peking die Nachricht, es herrsche dorr große Erregung in Regierungskceijen über die britische Expedition n a ch T i b e t, da man an- uahm, daß sie sicher zu einer d a u e r n d e n Be s e ß u i» g dieses Gebietes durch England auf gleicher Grundlage wie die russische Okkupation der Maird>churei fuhren werde. Nach einem Telegramm aus Peking bi.chloß China im .Falce eines rusji',ch-japaniichen Krieges 100 oou a n n zu mobilisieren, um die Provinz Tschili zu schützen. Ter chinesische Gesandte in Petersburg telegraphierte an seine Negierung, Rußland sei genecht, eine friedliche Po­litik zu verfolgen.

Konstantinopel, 6. Tez. Tie türkische Negierung hat beschlossen, die bisher zwanzigJahredauernde militari, che Tienftzeit in folgender Weise zu ver­teilen: 9 Jahre Nijam, davon gesetzlich 4 Jahre unter der Jahne, 9 Jcu-re Rebif und 2 Jahre Mustahfcs. Somit be­steht für die Nijam- und Nedtjbacaillone die gleiche Anzahl Jahrgange, was den Lcdürjnt,,en dieser beiden entjpricht. Tie EinfuhrungSbestimmungen zu dieser Ätaßregel sind noch nicht erlassen.

Warschau, 7. Tez. Polnische Matter melden: Die Heber,uhrung der Zaren von Stiernewice nach Zarskvje- Selo er,olgte unter Anwendung bepiiüeier Bo rjieq cs maß­regeln unter Begleitung dreier Aerzte mrd zweier Pflege- rinnen.

NemYork, 7. Tez. Die heutige B o t sch a f t R o o s e - belts i,l für die bevorscehenoe Prä.WenrjchaflSknmpagne zugejchUitten, weshalb sie wenige poiirive Bo^fustc.ge ent­hält außer dem Bermngen wellerer Fonds für Bekämpf­ung derTrusts jowee für die K r a j t i g u n g 8er Wla» Tine. Ter Schluß der Botjchaft enlhäli eine staatsrecht- liuje Begrntid. ccg der Hu.tung Amerikas in der P a n a m a ^1 faire. ^iui,ü)en den Bereinigten Staaten und den separaiiven Elementen in Panama hätten ehemals ge­heime Abmachungen nienials bestanden._______________

Aus Stadl uui) Saiid.

(Sie üen, 8. Dezember 1903.

* Kreisausschuß. Montag den 14. Dezember 4. Js., vormittags 10 Uhr, findet im Sitzungssäle des Negierungsgebäudes hier, Bcandplatz Dir. 9, eine öffentliche Sitzung des KreiSauLfchuffeS statt. Tie Tagesordnung,' i,t ifolgenoe: 1. Rekurs der Georg Weber Erben gegen einen Polizeibefehl der Großh. Bürgermeisterei Gießen, betreffend die Diiedertegung des Hauses Dieuenbaue 20 in Gießen. 2. OrlSbürgernutzen zu Riamzlar. Hieran schließt sich eine Nichtöffentliche Sitzung.

Pr.ooinzialausschnß. Samstag den 12. De­zember l. Js., vormittags 9 Uhr, findet im Sitzungs­saale des Negierungsgebäudes hier, Brandplatz Dir. 9, eine öffentliche Sitzung des Provinzialausschusses nut folgender Tagesordnung statt: 1. Den Leichenbefchauer in der Ge­meinde Atzenhain. 2. Verteilung des Vermögens oer Hohcn- mark-Foritlasse; hier: Urteilsverkündigung. 3. Klage des Ortsarmenverbandes Franlsurt a. DJi. gegen den Ortsarmen- verband Friedberg wegen Berpflegiing der Äiargarethe Niäser aus Gelnhaar. 4. Die Unterhaltung der Durchlässe der Orts­durchfahrt Diicder-Gemündcn. 5. Gesuch des Georg Deiidel zu Rüddlngsham um Erlaubnis zum Betrieb einer Gast­wirtschaft. 6. Gesuch des W. R. Schneider zu Ober-Mörlen um Erlaubnis für Errichtung eines Ringofens m der Ge­markung Diieder-Niörlcn.

DaS Großh. Regierungsblatt, Beilage Nr. 28, enthält u. a.: Oeffentliche Anerkennung einer edlen Tat, Be­kanntmachung, Vermessungen und Vorarbeiten für eine elektrische Nebenbahn von Darmstadt über Nieder-Ramstadt nach Ober- Namsladt betreffend. Bekanntmachung, Vorarbeiten für eine Nebenbahn von Lich na ch Grü n b e cg betreffend. Zu­lassung zur Rechtsanwaltschaft. Dienstnachrichlen.

^Personalien. (Wiederholt.) Lurch Entschließung des Großh. Ministeriums der Justiz wurde LandgerlchtSrat Dr. Buff zum Vorsitzenden der Kammer für Handels,achen mit dem Sitz in Darmstadt, Landgerichtsrat Dr. Zimmer­mann zulu Stellvertreter des Vorsitzenden dieser Kammer, LandgerichlSrat Dr. Schäfer zum Vorsitzenden der Kammer für Handelssachen mit dem Sitz in Gießen, Landgerichtsrat We hner zum Stellvertreter des Vorsitzenden dieser Kammer, Landgerichtsrat Fabricius zum Vorsitzenden der Kammer für Handelsjachen mit dem Sitz in Mainz, Landgerichtsrat Pfannmü Iler zum ersten, Landgerichtsrat Nees zum zweiten Stellvertreter des Vorsitzenden dieser Kammer für die Ge­schäftsjahre 1904, 1905 und 1906 bestellt.

Hessisch.Thüringische Staatslotterie. Am heutigen ersten Ziehungstage der 2. Klasse fiel ein Gewinn von 25 000 Mk. auf Nr. 90551, ein Gewinn von 10 000 Mk. (uif 9tr. 12272, drei Gewinne von je 1000 Mk. auf Dir. 32273 37829 62452. (Ohne Gewähr.)

* * /Verein ehemaliger Jäger und Schützen Gießen und Umgebung^ Der neugegründete Verein erläßt an alle ehemaligen Jäger und Schützen die tämerad- jchafiliche Aufforderung, sich ihm anzuschließen, dessen Haupt­aufgabe es sein soll, die Bande der Zujammengehörigkeit, die die Beteiligten während ihrer aktiven Dienstzeit vereinigt hatte, cuicl) fernerhin zu erhalten und zil festigen, die Liebe und Treiie zii Kaiser und Reich, Landesfürst und Vaterland zii pflegen und zu stärken und die militärische Kameradschaft auch un bürgerlichen Leben zu betätigen. Tie Zusammen­künfte finden jeden Samstag Llbeud 9 llhr im Hotel-Restau­rant Buschmann statt, wohin auch sämtliche Nachrichten und Anmeldungen zu richten sind.

* * Aus dem Bureau des Stadttheaters. Noch­mals sei auf die morgige Schülervorstellung der »Ge­schwister" und »Wallensteins Lager" hingewiesen, die zu besonders ermäßigten Preisen stattfindet. Freitag, öei. 11. Dez. findet vielseitiger Anregung zufolge eine Wieder­holung von PhilippisWohltäter der Menschheit" statt Die erste Aufführung des Werkes Hai bekanntlich all- gemein angesprochen.

c/H Groß-Karben, 7. Tez. Im Sommer wurde mit dem Bau einer Kreisstraße von hier nach Kaichen be­gonnen. Die Kosten find auf 88 000 Mark veranschlagt. Der auf die Gemarkung Groß-Karben entfallende Teilbetrag beläuft sich aus 38 000 'Mark. Durch diesen Slraßenncubau wird einem dringenden Bedürfnis abgeholfen.

-i- Londorf, 7. Dez. Am 5. d. Nils, sprach im hie­sigen Gewerbeverein Landesivohnungsinspeklor Gretzschel aus Darmstadt überdie W ohn ungsgesetz g e bung im Großherzogtum Hessen". Der Redner schilderte in fast einstündlgem Vortrag die verschiedenen in Bezug auf eine Verbesserung des Wohnungswesens in Hessen erlassenen Ge­setze und kam auf das vom August 1902 datierte hessische Wohnungsfürsorgegesetz zu sprechen und zeigte, wie an Hand dieses Gesetzes durch Gründung gemeinnütziger Baugenossen­schaften dem minderbemittelten Bürger und Arbeiter zu einem eigenen Heun zu helfen sei, welches den Anforderungen, die man in Bezug auf Gesundheit und Sittlichkeit an eine Wohnung stellen müsse, genüge. Sei nun, so führte Herr Gretzschel weiter aus, nach dem, was er hier bereits gehört, anzunehmen, daß em Mangel an Wohnungen existiert, so würde er sich freuen, wenn sich auch hier eine gemeinnützige Baugenossenschaft bildete, um diesem Nkangel abzu­helfen. 9!ach weiteren Besprechungen dieses Themas von verschiedenen Herren wurde ein Komitee gewählt, um die Gründung einer gemeinnützigen Baugenossenschaft für Londorf m die Wege zu leiten. Alsdann dankte die Versammlung dem Vortragenden für seinen lehrreichen Vortrag, von welchem zu hoffen ist, daß er sich als sehr nützlich für das hiesige Wohnungswesen erweisen wird.

)( Grün berg, 7. Dez. Im Gasthaus zum Hirsch ver­sammelten sich hcuie nachmittag die Bürgermeister und Ge- melnderäte von Riunster, Ettingshausen und Ober-Bessingen, um mit dem gleichfalls erschienenen Provinzialdirektor Dr. Breidert über eine gemeinsame Wasserte itung vor­genannter Ortschaften zu beraten. Em auswärtiger Fabri­kant beabsichtigt, hier an der Bahnlinie eine größere Fabrik, zur Herstellung von E is enb a hn kupp et un gen u. s. w. zu errichten. Verhandlungen wegen Gebäudeerwerbes sind be­reits eingeleitet.

sc. Fri edberg, 7. Dez. Zur Gründung eines Re- visiousverbaudes hallen sich heure vormitlag imHvttl Trupp" dahier 4 0 Vertreter h e f f i scher B a u v e r - eine versammelt und zwar aus den Städten und Dörfern: Gießen, Friedberg, Butzbachi, Alsseld, Lich, Nidda, Ost-- heim, Darmstadt, Offenbach, Bensyeim, Groß-Steinheim, Mainz, Wornis und Nüsselsheim. Kirchenrat Meyer-Fried­berg führte in der Versammlung den Vorsitze Der Bor- itzeude oes Friedberger BauveremsEigener Herd", Langs oorf, erörterte Zweck und Ziele des Verbandes. Seiner Aufforderung, dem Verbände beizutreten, entsprachen sofort die sämtlichen anwesenden Verlreler namens ihrer Bau­vereine, mit Ausnahme derjenigen von Butzbach,, Alsfeld, Nidda, Beusheim und Rüsfetsheiin, die erst nottji mit den Vorständen ihrer Vereine Rücksprache nehmen wollen. Rendant Döring-Gießen sprach dann in tangeren Aus- ührungen über die Entwickeluirg der Baugenossenschaft des evangelischen Arbeitervereins m Gießen, wobei er be- onders auf die SllZoierigkeit der Beschasiung der Mittel hinwies. In den Vor)taub des Nevisioiisoerbandes wur­den gewählt: Landiswohuungsinsp.k^r Gretzschel-Darm­stadt, Rendant Döriiig-Gießen und Direktor ^ochgesand- Worms. Ter Vorstand soll die Statuten ausaobeiten. Es wurde daraus aufmerksam gemacht, in die Stauten die Be- stiuunung auf^uuehmen, daß die Wohnungen auch an Ajter- mieter abgegeben werden können und dem Besitzer des Hauses das Nechtt ein geräumt wird, das Haus zu verkaufen. An die Versammlung schloß sich eine Besichtigung der vom Friedberger BauvereinEigener Herd" ausg.'führten, aber teilweife noch nicht ferttggestell- ten einstöu.igen Arbeitshäuser in der SclMidt- und Mittel- siraße.

Aus Friedberg wird geschrieben:Goethe in der Musik" waren zwei Abende gewidmet, durch deren würdige Veranstaltiing im Fcstsaal des Gymnasiums Dr. K. Schmidt sich den Dank derer erworben hat, die Jung und Alt für die Kunst besser erzogen wissen wollen. Nach lyrischen Liedern und Balladen, un 18. und 19. Jahrhundert komponiert, bildetenPrometheus",Ganymed" (nach Reichardt, Schubert, Wolf),Grenzen der Alenschheit" (Schubert-Wolf) den Schluß. Dec GesangSpart war bei Frau 9latorp- "Mülheun a. Ruhr und den Herren F. Waßmuth und H Appunn-Hanau gut aufgehoben.

4- Ulrichstein, 6. Tez. Unser Städtchen plant den Bau einer Wasserleitung; die Arbeiten wurden dieser Tage zu rund 35 000 Mark vergeben, die Quellen liegen 5 600 Meter entfernt in der 9tühe von Rebgcshain und Enqclrod. Auch die benachbarte Gemeinde Seibertcn- cod beabsichtigt die Anlage einer Wasserleitung. Die Ge­meinden Engelrod, Hör genau und Hopfmannsfeld wollen nächstes Frühjahr eine gemeinsame Wasserleitung erbauen.

R.-B Darmstadt, 7. Dez. Se. Kgl. Hoheit der Großherzog begab sich heute vormitlag mit einer größeren Gesellschaft von Herren nach den Waldungen zwischen Ein- siedel und Ntessel, um auf Sauwild zu jagen. Die Herrschaften kehrten erst nachmittags gegen 4 Uhr von der Jagd wieder nach Darmstadt zurück.

r. Ätainz, 7. Dez. Wegen der diesseitigen Anlagen für die neuen Bahnlinien MainzWiesbaden und Mainz Bischofsheim hoben eine Reihe von Grundbesitzern von Ntom- buch jetzt Besitzstörungsklagen gegen die Eisenbahn- verwaltüng ongeiirengt. Sie behaupten, insofern in ihrem Besitz gestört worden zu sein, daß ihnen durch die hohen Dammanlagen der Zugang zu ihrem von der Bahn nicht erworbenen Gelände sehr erschwert und teilweise sogar ganz unmöglich gemacht worden sei. Die Grundeigentümer ver­langen, daß die Bahnoerwaltiing entweder ihr übriges Terrain auch noch erwerbe oder bessere Zilfuhrwege Herstellen lasse, wobei sie behaupten, daß bei dem Offenlicgen der Baupläne sich der dermalige Zustand nicht hätte erkennen lassen und nachträglich noch viele Aenderungen vorgenommen worden feien.

Oppenheim, 7. Dez. Der Führer eines Motor» wagens aus Koblenz wollte m der Hinteren Landstraße Benzin auffüllen, als cs Feuer fing, so daß der tDiann plötzlich in hellen Flam m e n stand. Er wäre sicherlich verbrannt, wenn mcht sogleich einige Arbeiter, die sich m der Nähe befanden, ihm geholfen hätten. Er trug aber dennoch schwere Brand­wunden an den beiden Armen davon.

Frankfurt, 7. Tez. Die am 23. Oktober bei Rümpen» heim geländcte Leiche ist inzwischen als die des 1885 ge­borenen, zuletzt in Kreuznach wohnhaft gewesenen KaufmannZ Otto Jung erkannt worden. 'Jung hat sich am 4. Oktober nachmittags per Rad von Kreuznach wegbegcben, um eine Tour zu machen. Ailßerdnu sühru' er nut sich: einen goldenen Ring mit rotem Stein, ein Breitling, ches Perlmutter-Tajchen- uiessec, ein schwarzbiaunkederneö Portemonnaie nut dem Namen Otto Jung, eine silberne Remontoiruhr mit Kette. Da diese Gegenstände bei der Leiche nicht vorgefunden wurden, befteht der Verdacht, daß entweder die Leiche beraubt ober daß Jung noch bei Lebzelten ferner Wertsachen be­raubt und dann in de n Ntain ge w o rsen wurde. Spuren eines stattgehabten Kampfes waren allerdings an der Leiche nicht zu konstatieren.

Franksurt, 8. Dez. (Eigener Drahtbericht). In dem Betrieb der Firma Simon u. Co. in der Weser­straße fand heute vormittag eine Dampfkesfelexplosion statt, bei welcher der Heizer Fleischer schwer verletzt wurde. Er wurde in das städtische Krankenhaus gebracht.

Kleine sJJi i 11 e 11 u n q c n aus S? e 11 e n und den Nachbarstaaten. Man meldet au3 Limburg a. d. L.: Am 7. d. Nis. entgleiste bei der abschüssigen Einfahrtitelle m Den Bahnhof Zollhaus ein Güterzug der Kleinbahn Na­stätten-Zollhaus. Vier Wagen wurden vollständig zer- trümmert. Personen sind nicht zu Schaden gekommen.

Vermiete*«

Nom, 7. Dez. Auf der Ueberfahrt des Dampfers Singapore von Alexandria nach Niessina stürzte sich eine deuliche Frau Propper ins 21)1 eer.

* Wien, 7. Tez. Aus der Gemsjagd am Hoch­schwab sind drei Personen im lockeren S ch n ee abgestürzt. Emer wurde getötet, die anderen wurden schwer verletzt. Aus der ganzen Aionarchie laufen Hiobspolten über Wetterkatastrophen ein. In Mähren überschwemmten Regengüsse weile Felder; es traten Bahndammrutschungen ein. In Krain ist infolge starken Schneefalls der Verkehr vielfach unterbrochen. Bei Abbazia wurde durch den Sirokko em ganzer Wald lueggcriffen.

* UeberStudenten-Unruhenin Kiew, die immer noch andauern, wird von dort telegraphiert: Die Polizei verhaftete auf der Straße 82 Personen, darunter 8 0 Stu­denten. Der dritte Teil der Verhafteten sind Juden. Bel der Verhaftung erhielt ein Student eine tiefe Kopfwunde. Ein Feftgenommencr warf einen geladenen Revolver fort. Vor der Universität steht jetzt eine Polizeiwache. Seit dem frühen sJ)lorgen wurden in verschiedenen Räumen des Polytechnikums Ausrufe zur Veranstaltung einer Versammlung angeschlagen. Mittags sand im großen Hörsaale des Hauptgebäudes eine Versammlung von Studenten der Ableitung für Mechanik statt. Von den 330 Hörern der Abteilung waren 217 an* locienb, außerdem 200 Studenten zweier anderer Abteilungen, jedoch ohne Anteil zu nehmen. Die Versammlung erhob Einspruch gegen den Beschluß des Profefforenrats, den Dekan Der Abteilung für Mechanik Professor Sworykin um Zurück­nahme seines Abschiedsgesuches zu bitten und ihm das Ver­trauen des Professorenrates anszusprechen. Um 4 Uhr ging die Versammlung auseinander. Auf Atontag ist eine solche aller Polytechniker emberufen zur Beratung über die llebergabe der Studenten an das Universitätsgericht. Täglich werden im Lcsesaal und den Hörräumen neue Aufruse veröffentlicht. Wie aus Petersburg berichtet wird, brachen auch dort am Freitag nachmittag Unruhen aus. Die Studenten ver­sammelten sich ohne Erlaubnis des Rektors in der Univer­sität, um Protest dagegen zu erheben, daß die Polizei sie mit Knuten schlage. Die Aufforderung des Rektors zum Auseinandergeyen wurde mit Pfeifen und Geschrei be­antwortet, so daß der Saal von der Polizei geräumt werden mußte. Die Universität ist noch nicht geschtossen, doch be- sürchtet man em weiteres Umsichgreifen der Unruhen, weil die Stiidenten auf Gewährung ihrer Forderungen bestehen.

Gerlchtsßiai.

R. B. Darmstadt, 7. Dez. Eine Anklage wegen vor­sätzlicher B r a n ö ft i \ t u n g beschcistigle heute die hiesige Slraikammer. Angetlagl war die am 6. Juli 1889 geborene, also e r st 14 Jahre alte At a r i e Di. a u m a n n aus Mörielden, die Hosraste des Konduors Kuno Faltensiem m Groß-Gerau m B rand g e |l e cf t zu haben. Das Aiadchen fland bei Faltensiem in Dienst, sie war aber nachlässig und halle keine Lust zur Arbeit. Aiis Heimweh und in der Absicht, recht bald wieder zu ihren Ellern zurückkehren zu können, beschloß sie, emiacl) das ganze Anwesen durch Feuer zu zerstören. Um das zu erreichen, züiidele sie auf dem Raum über der Backstube Kisten mib sonst leichl brennbare Stoße an. Tas Feuer wurde aber bald entdeckt und gelöscht, so dasz nur ein Schaben von etwa 300 Mk. ensland, der durch Ver­sicherung gedeckt ist. Die jugendliche Mißeiaterm war sehr reu­mütig und gesländig. In Rücksicht daraus beantragte der Staats­anwalt auf Gründ des § 306 Str.-G.-B. eine Strafe von 1 Jahr