153. Jahrgang
Nr. 288
Zweites Blatt.
Eeneral-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen:
Ile Heutige Yummer umfaßt 10 Seiten«
Tie ruf
Die Feldzngsbriese des Generals von Kretfchman,
werde."
Erschein, täglich mit Ausnahme de§ Sonntags.
D „Gietzc tu Zamilienblätter" werden dem „Anzeige^ viermal wöchentlich beigelegt. Der „hessische Landwirt" erscheint monatlich einmal.
Dienstag 8. Dezember 1903
Verantwortlich für den allgemeinen Teil: P. Wittko; für den Anzeigenteil: H. Beck.
f Jl Rotationsdruck und Verlag der Brühl 'scheu y Umversüätsdruckeret (Pietsch Erben), Gießen.
Deutsches Reich.
Berlin, 7. Dez. Gegettüber den in der ausländischen Presse verbreiteten veunruhigenden Meldungen über das Befinden des Kaisers erfährt die „Frks. Ztg." aus unanfechtbarer Quelle, daß die Heilung der Overativns- wunde in durchaus normaler Weise verlaufen ist. Es besteht volle Sicherheit dafür, daß der Kaiser
politische Tagesschau.
Russische Absichten
Rach einer Depesche des „B. T." aus London dauern die Reibungen zwischen den J a p a n e r n und sjl ussen fort. Tie Japaner haben als Pfmrd für das von den Russen in den Grund gebohrte spanische Schiff „Jakaimuru" durch das r u s s r s che Bo o t ar eß" das letztere mit Beschlag belegt. Tre Russen drohen mit Repressalien gegen die japanischen Schiffe m Wladiwostock, weil der Zujamnrenstoß auf hoher Ccc nor- tarn uni) die japanischen Gerichte weder für bte Beschlag nähme noch für die Verurteilung der russischen Reeder ru 15 000 Pfund Schadenersaß konrpetent seren.
8 ^Anzwischen betrat Rußland mit (Eifer den Ausbau
Uarteianträge im Reichstag.
Unser Berliner parlamentarischer Mitarbeiter schreibt nnterm 7. Dezember:
Es ift kaum noch zu registrieren, was alles an Parteianträgen im Reichstag eingegangen ist! Soviel gesetzgeberischer Fleiß ward noch nicht beobachtet. Sieht man jedoch genauer hin, so stellt sich Lei der großen Mehrheit der gewünschten Reformen heraus, daß man „alte Bekannte" vor sich hat. Entweder die Parteivertretungen denken „Steter Tropfen höhlt den Stein", oder diese Anregungen — um nicht viel mehr handelt es sich bei manchem Antrag — werden eingebracht, um die Gesamtwirkung zu steigern, den Besserungseifer in günstigere Beleuchtung vor den Wählern zu rücken. Das Meiste füllt ja doch unter den Tisch. Würde eö nicht zweckmäßiger im Interesse der Sache sein, es fände, statt dieser Ueberschüttung mit Material, eine Beratung unter den Parteiführern statt über solche Anträge, die ein besonderes dringliches Jntresse haben und von vornherein die Unterstützung der Mehrheit haben? So, wie es jetzt gehandhabt wird, geht das Gute und Beachte nswerte unter der Spreu vom Uebersl üssigen verloren. Der Oeffentlich,- keit vollends wird die Lust benommen, mit diesem ungesichteten Material sich näher zu beschäftigen. Oder es werden in einzelnen Kreisen Hoffnungen geweckt, deren Verwirklichung in langer Zeit nicht zu erwarten ist. Zum Beispiel, die Konservativen können nicht int Zweifel sein, daß der Antrag auf Einführung des Befähigungsnachweises im tz an d w er k bei der Regierung auf ein rckudes Nein stößt. Gleiches gilt von mehreren sozial- polttifchen Anträgen des Zentrums. Die u. a. geforderte Beschränkung der Beschäftigung verheirateter Frauen in Fabriken auf höchstens neun Stunden täglich, der Befähigungsnachweis im Baugewerbe, die Erweiterung des Gesetzes über den unlauteren Wettbewerb sind, nach den gelegentlichen halbamtlichen Mitteilungen zu schloßen, altes noch nicht spruchreife Fragen. Was nützt es aber, der Regierung Winke und Weisungen zu geben, so lange die Regierung den Zeitpunkt nicht für gekommen hält, diesen Rechnung zu tragen? Ebenso steht es mit dem von sozialdemokratischer Seite wieder eingebrachten Antrag auf Aufhebung der Majestätsbeleidigungsparagraphen , als deren Gegner, in der Theorie wenigstens, sich kürzlich int Prozeß gegen den „Vorwärts" (Kaiserin sei) der Berliner Oberstaatsanwalt Dr. Jsenbiel bekannt bat Wir glauben auch nicht, daß die Regierung geneigt ist die „Klinke der Gesetzgebung zu ergreifen" tm Stnne des reichsparteilichen Antrags, der eine Bersch ä r f u n g des Strafgesetzbuchs gegen Wahlmißbräuche vorsieht
Man muß anerkennen, daß sowohl die Nation al- liberal en wie die Freisinnigen Selb stbe- schränkung bei ihren Anträgen geübt haben. Die Einbeziehung der Gehilfen der Rechtsanwälte usw. in die Schutzvorschriften des Hatidelsgesetzbuches und der Ge- werbeorvnung, die einheitliche Regelung t^s Verein s - u n d Ver s ammlungsrechts in den Bundes- fiaaien, die Sicherung der Ba u f o r der u n g e n, die Herbeiführung wirksamerer Verhinderung von Soldaten Mißhandlungen — das sind durchweg Forderungen von allgemeinem Interesse. Für einen Antrag wird wohl der Reichstag sorgen, daß er bald auf bte Tagesordnung gelangt: für den gemeinsamen Antrag des Zentrums und der Nationalliberalen auf Bewilligung von Anwesen heitsgeldern an die Reichstags m i t - g l i e d e r Dieser Gesetzentwurf wird auch diesmal wieder eine große Mehrheit erlangen. 2lber es scheint, daß trotz der persönlichen Synthie des Grafen Bulow mit den Zielen des Antrags die Schwierigkeiten fortbestehen. Wenigstens ist von einer veränderten Auffassung an einer sehr maßgebenden Stelle bisher nichts bekannt geworden.
in etwa 14 Tagen bis 3 Wochen wieder im u^gehinderten Besitz seiner Stimme sein wird, ^er Zeitpunkt hänge davon ab, wie die von Dr. Spieß vor zu- nehmenden Uebungerl fortschreiten. Es unterliege nicht dem geringsten Zweifel, daß der Kaiser in der Lage sein wird, den preuß. Landtagpersön 1 i ch zu e r ö f s n e n Ebenf o sei der gutartige Charakter der Erkrankung mit aller w issenschast lichen Sicherheit sest- g e stellt worden. Der entfernte Polyp war zum Zwecke dieser Untersuchung in 73 Schnitte zerlegt worden, ^er gutartige Charalter der Wucherung erhelle übrigens auch daraus, 'daß die Operation nach der Feststellung des Polypen noch zwei Monate bis nach dem Zarenbesuch hmaus- geschoben werden konnte.
— Der „Tägl. Rundsch.au" wird aus Kiel gemeldet: Die „H o h enzo ller n", die gegenwärtig auf der Werft unter Schutzdach im Winterlager liegt, hat Befehl erhalten, dem- nächst seeklar zu machen. Das Schiff soll an einem Tage, der noch nicht bestimmt ist, die Fahrt nach dem Mittelmeer antreten, um dort dem Kaiser bei seinem etwaigen Winteraufenthalt in südlicher Gegend zur Verfügung zu stehen. Der Komniandant der „Hohen- zoIlern", Flügeladjutant Kapitän zur See v. Usedom wurde- dieser Tage vom Kaiser empfangen, was mit der Reise in Verbindung gebracht wird.
— Wie das „B. T." aus Kopenhagen berichtet, wird sich demnächst der Gr o h h er z o g v o n Mecklenburg- Schwerin mit einer Tochter des Herzogs von
Der Gesamtverband der e van g el is che n Ar b eit er- D er ei ne Deutschlands hat Ende November und Anfang Dezember drei Petitionen an den Reichstag gerrchtet: t wegen Ar b eits kammer n, 2. wegen Paritätif eher Arbeitsnachweise, 3. wegen weiterer Auvgestalt" ii n a d e r G e w e r b e g e r i ch t e.
Mit der ^Fertigstellung eines Gesetzes über Erwerb und Verlust der deutschen Staatsangehorig- keit ist vorerst nicht zu rechnen unfeine onftprechende Vorlage kann in der gegenwärtigen L-eucon des Reicysrag^s jedenfalls nicht zur Beratung gelangen. Lte ÄlMierig- teiten bestehen hauptsächlich in der Regelung der Sicher- stellung der Wehrpflicht der st-eueschen im Aus lande. Ueber diese an und für ich sehr schwierige Materie konnte bis jetzt eine Übereinstimmung zwischen Reichsjustizamt, Reichsamt des Jnnerii einer-und denKriegs- ntinifterien und Reichsmarineamt anderer, eits nicht erzwli werden. Zu diesem Kapitel des Gesetzes wurde u. a auch die Behandlung F a h n e n f l ü cy 11 g er gehören, die aus dem Ausland nach längerer Zeit wieder in die deutsche Heimat zurückkehren.
seiner Kriegsflotte. Tie russischen Handelsinteressen haben damit nichts zu tun. Das zeigt sich daran, daß der Anteil der russischen Flagge am Seehandel in den chinesischen Gewässern im vergangenen Jahrzehnt zwar eine Steigerung erfahren hat, aber auch heute nicht mehr als iy3 Prozent anSmacht. Deutschland dagegen ist zurzeit mit rund 14 Prozent an diesem Handel beteiligt. An Kriegsschiffen andererseits unterhält Rußland in den chinesischen Gewässern nicht ineniger als 54 erstklassige, während Deutschlands ostasiatische Station im ganzen nur ein Dutzend zählt.
Zischen Seeinteressen werden in absehbarer Zeit her- uide Bedeutung im fernen Osten nickst erlangen, wie
die von feiner Tochter, Frau Dr. Lily Braun, heraus- 1 gegeben worden sind, werden vielfach von der sozial- ' demokratischen Presse abgedruckt, weil sie teilweise recht ungünstige Bemerkungen über unsere Soldaten und imfeie Kriegsführung enthalten. So hatte das Mainzer sozialdemokratische Blatt kürzticd folgenden Bries abgedruckt:
„Ader am 15. November, schreibt er aus Theil: Ob wir morgen hier bleiben, ist noch unbestimmt. Sens, ein Ort von 11000 Einwohnern, ist schon von den Steffen total ansgeplündert worden. Da wollen wir nicht hrn- gehen. Und Tags darauf doch ans Sens: Diesen Ort baden die hessischen Bundesbrüder in einer unglaublichen Meise mitgenommen. Ein Zivilist reitet auf der Straße, zwei Offiziere nötigen ihn vom Pferde, der eine nimmt dies, der andere den Sattel. Ein Stabsoffizier will einen Schrank öffnen, der Wirt gibt vor, keinen Schlüssel zu ljaben, und als sein Gast den Schrank erbrechen und er es verhindern will, da schießt der Stabsoffizier den Wirt tot. Solche Dinge können einem den Krieg' wirklich verleiden."
Tas Organ der hessischen militärischen Vereine war der Sache nachgegangen und veröffentlicht nun folgende Erklärung, die die völlige Haltlosigkeit der Behauptungen des Briefes erweist:
„Auf dem Vormarjwe an die Loire im November marschierte die hessische Division über Fontainebleau, gar nicht über Sens. Dieser Ort wurde vom 12. auf den 13. November besetzt gehalten von einem Seitendetachement, bestehend aus 2 Eskadvons Ulanen- Regiments Nr. 12 unter Major Freiherr v. Eglosfstein und der 2. Kompagnie des 1. Hess. (Garde-) Jäger-Bataillons (jetzt 10. Kompagnie des Infanterie-Regiments Nr. 115) unter Hauptmann Balser. Bei der Kompagnie, die damals nur 170 Mann stark war, befand stch noch ein Offizier, Leutnant Mickel. Also ein hessischer Stabsoffizier war gar nicht dort. Tie andere Epifode konnte sich also auch nur mit den beiden genannten Herren, abgespielt haben. Beide Herren sind noch am Leben, und der damalige Kompagniechef, heutige Oberstleutnant a. T. Balser fühlt sich und seinen Leutnant durch jene Verleumdung schwer gekränkt. Walache ist: Tas Detachement rückte am 12. Mvember, mittags 1 Uhr, in Sens ein, die eine Eskadron wurde weiter geschickt, die Ätannschaften wurden, was nicht auf Wache kam, im Priesterseminar untergebracht, die Offiziere im Hotel de Viren. Die Verpflegung wurde von der Stadt geliefert. Tas Detachement verließ seinen exponierten Posten am 13. November, vormittags 10y2 Uhr wo es von einer preußischen Kompagnie vermutlich vom Jäger-Bataillon Nr. 9, abgelöst wurde. In der Zeit von 1 Uhr mittags am 12. bis IO1/2 Uhr morgens am 13. kam in Sens nichts vor, was die Oesfentlichkeit zu scheuen hätte. Die Bevölkerung war fteundlich, die Stadt lieferte alles, und das schwache Detack)>ement in einer Jndustriestadr von 12 000 Einwohnern hätte gewiß alle Ursache gehabt, leinen Unwillen in der Bevölkerung wachzurufen. Außerdem wollen wir hier bemerken, daß Herr Überftleutnant Balser in der Lage ist, Briefe au feine Tsrau nachzuweisen, die in Sens und unmittelbar nach Sens geschrieben find, und jedenfalls die Sachiage dort aus eigener Anschauung schildern und anders lauten, als die des Herrn v. Kretschman. Andere hessische Truppen waren im November nicht in Sens. Die je Angaben können voii sämtlichen noch lebenden damaligen Angehörigen der Mmpagnie, gerade wie von deren damaligem Ehef, Leutnant und Feldwebel, eid lich b e kr äf- tigt werden."
vorragende Bedeutung im fernen L';ten niaerlangen, wie denn überhaupt die russiscke H.andelsschiffahrt aus eigener Kraft ficb nicht aufzufchwuigen vermag. Es wird deshalb jetzt die Staatshilfe mobil gemacht und zwar in doppelter Beziehung. Einmal i'st die Errichtung einer M usterwerft in Petersburg beab,ichtigt, auf der nur Handelsschiffe gebaut werden sollen. Angeregt ist diese Idee durch den früheren Finanzminister Witte, und sie zielt ab auf eine technische Vervollkommnung, der Fal>r- zenge. Zu den Kosten der Anlage zahlt die Regierung 11/2 Millionen Rubel. Weiterhin hegt die Gründung eines Kreditinstituts, das Seeschiffe beleihen soll, im Plane. Tie Regierung will al,p d.e Handeis^reife zum Schiffbau ermutigen, indem sie einen Teil der Baukosten vorstreckt, gewissermaßen Gelder auf schwimmende Hypothek ausleiht. Mögen die Bedingungen, zu denen dies geschieht, auch so wenig drückend wie möglich sein, ein gewißenhafler Kaufmann Durfte es sich reicylich überlegen, ehe er eine Schuldverpflichtung eingeht, deren Risilo ihm die Regierung. nicht zum kleinsten Teil abnimmt. Durch solche Mittel wird die Lage der russischen Handelsschiffahrt schwerlich durchgreifend gebessert werden. Tie Haupifache, an der es fehlt, ausreichende Beschäftigungs-und Verdienstgelegenheit, kann auch die Regierung den Handelsfahrzeugen auf diesem Wege nicht scharfem
Cumberland verloben.
— Als dritter Schriftführer des Reichstags ging der Abg. Carl Bl eil von der frei) innigen Volkspartei aus der Wahl hervor. c c
— Wie der „Frkf. Ztg." berichtet wird, ist der Reichs- tagsabg. v. Vollmar seit längerer Zeit an Influenza erkrankt unb Mar ist der Verlauf Der Krankheit fern gutartiger. Der Patient Dürfte in dieser Session feine Mandate nicht ausüben können. ,
— Der ftühere Ooerpräsident der Provinz Sachsen, v. Pommer Esche, ist gestern abend hier im Alter von 67 Jahren gestorben.
— In der heutigen Sitzung des Ausschus;e§ öes deutschen H a n d e 1 s t a g e s, die sich mit der Binnenschiffahrt^, frage beschäftigen sollte, teilte Geheimrat Frentzel mit, daß auch ihm auf Erkundigung bei dem Minister amtlich erklärt worden fei, daß die preußische Regierung nicht beab- ichtige, eine Vorlage über Erhebung von Schisfahrts - ab gab en auf den» freien Strömen einzubringen. Der Llusschuß beschloß deshalb, in eine sachliche Erörterung der Frage nicht einzutreten, beauftragt aber das Präsidium, en nebelte zu bleiben, um eventuell sofort gegen Schiff- ahtsabgabeu Stellung zu nehmen.
— Der deutsche Ze n t r a l v e r e in für Jugendfürsorge hielt seine Generalversammlung im ReichstabZ- lebäube ab. Den Bericht über die Tätigkeit des Vereins erstattete der Generalsekretär des Vereins Rektor Pagel- Verlin. Außer dem Köiiig und der Königin von Sachsen, sowie der Königin von Württeniberg haben ihre Anerkennung und Zustimmung ausgesprochen unb tatkräftige Unterstützung in Aussicht gestellt Der Kronprinz bes Deutschen Reiches, Prinz 2llbrecht von Preußen, Priliz-Regent Luitpold von Bayern, Groß Herzog voll Hessen, Erbgroßherzog voll Baden, Großherzog von Sachsen, Herzog von Meinmgen, Fürst zu Waldeck, Fürst Reuß usw.
Ko bürg, 7. Dez. Prinzessin Beatrice von Koburg- Gotha, welche anläßlich des Todes der Prinzessin Elisabeth von Hessen ihre Besuchsreise in England unterbrochen hatte, begibt sich in den nächsten Tagen wieder von hier nach der Insel Wight zum Besuch ihrer Tante, der Prinzessin Heinrich von Battenberg, Schwester des Königs von England, und wird mit dieser und deren Kindern eine Reise nach Aegypten unternehmen. Der Llufenthält in 2lfrika soll ca. ein halbes Jahr dauern
Stuttgart, 7. Dez. Die Landesversammlung des Bundes Der Landwirte in Württemberg sprach die bestimmte Hosfnullg ans, daß die württembergische Staatsregierung, sowie die Reichsregierung beim Abschluß neuer Handelsverträge die Lebensinteressen der deutjchen Landwirtschaft, insbesondere auch Der Viehzu cht, bes Wein-, Hopsen- unb Gartenbaues nachdrücklichst wahren
Keer und Alotte.
— Wie die „Wg. Ztg. des Judentums" seststellt, befindet sich in der Linie der bayrischen Armee feit Jahren kein einziger jübischer Ofsizier mehr.
Ki e l, 7. Dez. Die in Reserve liegenden großen Kreuzer , Kaiser" und„Teutschland" sollen mit einem Kostenaufwand von je 700 000 Mark um gebaut und der Klasse der Küstenpanzer eingereiht werden.
— Heber einen sozialdemokratischen Vize-» felbwebel als Reichstagskandidaten geht der „Kreuzzeitung" von einem Abgeordneten eine Zu'.chrift zu, der wir folgendes entnehmen: In einem Wahlkreise der Provinz Sachsen wurde am Vorabend der Reichstagsstichwahl der sozialdemokratiscye Kandidat in den Lokalblättern mit folgendem Aufruf empfohlen: „Tas Vaterland ist nicht in Gefahr, wenn N. N. gewählt wird, denn dieser ist ein viel besserer Deutscher als die anderen Schreier! Am 26. Juni macht N. N. als Vizefeldwebel eine 21 tägige Hebung. N. N. ist fähig, zu jeder Zeit, wenn das Vaterland ruft, eine Kompagnie oder ein Bataillon gegen den Feind zu führen." Ter patriotische Wähler, der dies las, war mit seinem Urteil bald fertig; „Plumper Wcchlschwin- bel von dieser verlogenen Gesellschaft. Sozialdemokratischer Kandidat und Vizefeldwebel, fn^ar zur Hebung eingezogen, ganz undenkbar!" Um die Wahrheit zu erfahren, bat ich bas beireffenbe Bezirksöommando um Auskunft und erhielr zu meinem größten Erstaunen die Antwort, daß N. N. in der Tat Vizefeldwebel unb zu einer Hebung ein- berufen sei. Er habe sich während seiner militärischen Dienstzeit vorzüglich geführt, erst uad) seiner Beförderung politisch Farbe bekannt, unb eine Entfernung von seinem Dienstgrade sei nach den jetzt bestehenden Bestimmungen nicht möglich, trotzdem er weH-^; W.ai.estätsbeleidig-
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