Ausgabe 
8.12.1903 Zweites Blatt
 
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1 Monat Gefängnis, der Gerichtshof erkannte auf die niedrigste zulässige Strafe,' 1 Jahr Gefängnis.

ä. Ai a i n z, 7. Dez. Vor dein Schwurgericht ist heute der 25jährige Schlosser Hermann Valentin Fischer aus Darm­stadt, hier ivohnhait, des Totschlags uni) Tolschlagsveriuchs angeklagt. Tie Verhandlung fand unter Ausschluß der Öesjentlich- kett stall, atlch die Vertreter der Presse waren nicht zugelasjen. Die Frau des Angeklagien ivlirde bet ben Ellern ihres Mannes erzogen. Er heiratete sie, als sie kaum 18 Jahre alt war. Tte Ehe war Nicht glücklich, die Frau, die m Fabriken gearbeitet hatte, versla»td poii Haushalt nicht viel und verbrauchte mehr Geld, als sie von ihrem Aigune erhielt. Auch der Angeklagte fand in seiller Ehe keine Befriedigung, er brachte seine Zeil viel im Wirtshauje zu und es entstand dadurch viel Streit und Hader in der Familie. Im Früh­jahr verließ die Frau mit ihrem älteren Knaben ihren Alaun und begab sich zu dessen verheirateten Schwester tm Gartenfeld. Auf Bitten des Angeklagten kehrte sie mit ihrem inzwischen geborenen Sohn Ludwig zurück. Rach einigen Wochen verließ sie mit ihrem jüngsten Kinde ivieder ihren Alaun und begab sich zu dessen Schivester, wo sie Wohnung nahm. Dort soll sie nun mit zwei Fuhrleuten Wirtschaften 2C. besucht haben. Tas erboste den An­geklagten und er forderte je nie Frau auf, wieder zu ihm zurück- zukehreu. Ain Abend des 3. September begab er sich in die Woh­nung seiner Schivester und nahm seili jüngstes Kind. Alit deii beiden Kindern, seinem älteren Sohu Heriuaun imb dem jüngsten, Ludwig, segle er sich vor die Hauslüre und eiklärte, er werde nicht eher sorlgeheu, bis seine Frau nut ihm nach Hause ginge. Es kamen inzwischen die beiden Fuhrleute Werum und Dietzel, die auf den Tasilzelideu eingeschlagen haben sollen. Weinend riei Fischer ihnen zu:Tas habt ihr nur nicht innsoust getan", packle ferne Kinder auf und lief 311111 Rhein. Am Zollhafen stürzte er sich mit den Kindern die Kamiauer hinab tu den Rhein. Ter kleine Ludivlg verjchwaiid m den Wellen, während der Angeklagte und sein älterer Knabe aus den Wellen ausiauchten und um Hilfe schrieen. Schiffern und Hafenarbeitern gelang es, die beibcn zu retten; das jüngste Kitid ivar ertrunken. So weit der Sachverhalt!. Tie Geschworenen verneinten die ausgestellten Schuld! ragen, wo­raus der Augellagte s r e l g e s p r 0 ch e u unb aus der Haft enl- lasseii ivurde.

Dresden, 8. Dez. Vor dem Schwurgericht hatte sich der Frauenarzt Tr. Paul Planer wegen Ateinetdes zii ver- antworten. Er hatte im vergangeiien Jahre in emtm Prozeß gegen den Handelsmann Vöuhardt lvegeil Erpressimg umer feinem Eide bestritten, nut denen Ehesrau in intimen Verkehr gestanden zu haben. Bouhardt ivurde daraufhin zu 2 Jahren Geiängms ver­urteilt, brachte aber m der Folgezeit so viel Velastungs - Alaterial gegen den Arzt bei, datz gegen diesen em Verfahren wegen Atem- eides elngeteltet ivlirde. Tr. Planer, der verheiratet uni) Vater von vier Kindern in, wurde s r e l g e j p r 0 ch e n.

WivoisttätsGachi fristen.

Halle, 7. Dez. Der Professor der Geschichte an der hiesigen Universität, Lllbert Ludwig Ewald, ist g e st 0 r b e n.

Gisciilnilin-Zeitmig.

Don der Handelskammer zu Frankfurt a. Ak. ist den Aeltesten der Berliner Kaufmannschaft eine an den Aiinister der öffentlichen Arbeiten gerichtete Eingabe wegen Verbesserung d e r R a ch t- S ch n e l l z u g 0 e r b i ii d it n g B e r l t n - F r a n k s u r t a. Ak. zugegangeii. Die 9lelteftcn haben beschlossen, den Antrag aus das w a rmiie zu unreif lüge u.

Kandel und ycrkcljr. ValliLwiitschasl.

Berliner Börse vom 7. Dezember 1903.

(Mtgeteili von der Bank für Handel und Industrie, Gießen.) Tie neue Woche eröfsnele auf aller,i Gcbteteli in äußerst fester Haltung. Für Eisenwerte traten ivieder gilt rheinische Käufer auf, so daß man ivohl anuchmen darf, daß die Aiissichlen aus Zustande­kommen des Slahlwerksverbandes günstige sind. Bankaktien lagen ebenfalls recht fest, obgleich zieinlich stark realisiert tvoiden ist. Oeslerreichische Kreditaklien ivurden anhaltend für Wiener Rech­nung gekauft, ebenso Franzosen, während Lombarden vernachlässigt wurden Von sonstigen Bahnen sind Priuce Henry auf die guten Einnahmen hm als besser zu erwähnen und Akeridionaux auf das Gerücht, daß die Kontrakte mit dem Staate aus längere Zett ver­längert wurden. In Schissahrtsaktien fanden grobe Umsätze bei stark anziehenden Kursen statt; die günstige Entwickelung unserer Schiffahrtsgesellschaften veranlaßt täglich gute Kreise ziiin Kans der Aktleii. Tie Ttvidendenlaxe von 6 pEt. für Packetsahrts-Altien wirkte sehr animierend. Auf dem Kassaindustriemarkt erfreuten sich besonders Zemenliverte großer Beliebtheit und Elektrizitätsaktien infolge der weiteren Fusioiisnachrichlen.__

Privat-Diskont 38/6 Prozent.

Anfangs- u. Schlußkurse.

Ceft. Kredit. 218.10 216.80

Deutsche Bank . . . 225.50 225.62

Darmstädter Bank . . 148.30 148.U0

Bochumer Guß . . . 190.25 190.62

Harpener Bergbau . 204.20 204.30

Tendenz: fest.

Japan und Korea. Von Zeil zu Zeit kann man in den Börseliberichlen lesen, daß die Börse infolge des Konflikts, der zwischen Japan und Rußland besteht, verstimmt ist. Geivöhnlich hat aber die Börse schon andern Tags die Verstimmung oder wenigstens die Ursache derselben ganz vergessen. Es darf dies wohl als ein Zeichen dafür angesehen weiden, daß die Gegensätze nicht derart sind, um zu kriegerischen Verwicklungen zu führen. ES ivird zivar gemeldet, daß cm Vertrag zur Regelung der ostasiatischen Frage zustande gekommen sei, wonach Rußland die früher zwischen Japan und Korea getroffenen Vereinbarungen anerkeiilit, währeiid Japan den zlvtschen Rußland und Ehina wegen der Alandschurei abgeschlosseiien Vertrag gtilheißl. Andererseits hört man jedoch auch, dag die öffentliche Meinung ui Japan die Räumung der Mandschurei seitens der Rußen und die Erössiiung der Haupihäien wrdert. Dies wäre allerdings der Krieg, bei dem aber Deutsch­land kaum direkt in Alitletdenschast gezogen würde; im Gegenteil, es könnte eher daraus für Haiidel und Industrie stützen ziehen.

Märkte.

Gießen, 8. Dez. Marktbericht. Auf heutigem Wochenmarkt kosteten: Butler pr. Psd. 1,201.25 Alk., Hühnereier 1 St. 810 Vfg., 2 et cf. 00-00 Psg., GänseelerOO00 Pig., Enteneier 80 Pfg., Käse vr.Stck. 68 Ps., Käsematte2 Sick. 56Psg., Erbsen pr.Liter 21 Psg., Linsen pr. Liter 32 Pfg., Taubeti pr.Paar o,7o09,oAlk., Hühiter pr. St. 1,301,80 Alk^ Hähne pr. Stück 0,701,50 Alk., Emen pr. Stück 1,702,20 Alk., Gänse pr. Psd. 5060 Pig., Lchsensleisch pr. Pfulid 6878 Pfg., Kuh- und Rindfleisch pr. Pfund 6266 Pfg., Schweine­fleisch pr. Pfund 6676 Psg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 80 Pfg., Kalbfleisch pr. Psd. 7076 Psg., Hammelfleisch pr. Pfund 6574 Pig., Kartosfeln pr. 100 Kgr. 5,005,50 Alk., Weißkraut per Stück 57 Pfg., per Zentner 1.1.60 Alk., Zwiebeln pr. Zentner 4,505,00 Aich Aiilch per Liter 18 Pfg., Aepsel per Zentner 16 bis 02 Alk., in Körben 0000 Pig. Nüsse 100 St. 3540 Psg.

Spielplan der vereinigten Frankfurter Sladttheater. Opernhaus.

Mittwoch den 9. Dezember geschlossen. Donnerstag den 10. Dezember*):Violetta." Freitag den 11. Tezember: Zu Berltoz' 100.Geburtstage: Zilin erneii AlalePFausts Verdammung". Dramatische Legende in 4Abteilungen sürSoli, Ehor und Orchester non Hector Berltoz. Samstag ben 12. Dezember:Ter Postillon von Loujumeau." Sonntag den 13. Dezember, nachmittags halb 4 Uhr:Aiartha" oderTer Alarkt zu Richmond." Abends 7 Uhr:Oberon." Atoiltag den 14. Dezember geschlossen.

Schauspielhaus.

Mittwoch den 9. Tezember, nachmittags 2 Uhr: Schüler- Vorstellilng:Wilhelm Teil." Abends 7 Uhr:Tas große Geheirn- nis." Tonnerstag den 10. Dezember*):Zapfenstreich." Freitag den 11. Dezember:Tie Jungfrau von Orleans." Samstag deii 12. Dezember:Freund Fritz." Sonntag deii 13. Dezember, nach­mittags halb 4 Uhr:Tas Glück im Winkel." Abends 7 Uhr: Ter blinde Passagier." Aiontag beu 14. Tezember:Das große Geheimnis."

*) Anfang, wenn nicht anders bemerkt, abends um 7 Uhr.

Linie |ie lilfluiuujni.

Originaldrah tmeldungcn des Gießener Anzeigers.

R. B. Darmstadt, 8. Dez. In der heutigen Sitz- ung der 2. Kammer gab Präsident Haas den Gefühlen innigster Teilnahme zum TodederPrtnzessinElisa- beth Ausdruck und verlas die Vot.fu.Mit des Großherzvgs. Das Haus hatte sich von den Sitzen erhoben; cs beschloß

eine Adresse an den Großherzog. Dann beg lück- w ü n s ch t e die Kammer die Alchg. Reinhard und Schön­berger zu ihren Jubiläen und den Abg. Möllinger zu seinem 80. GeburtSiage, woraus die Vereidigung der drer neuen Mgg. Tr. Buff Müller und Adelung er­folgte. Dantl wurde aber den Gesetzentwurf bete, das K on- d 0 m i n a t K ü r n b a ch beraten. Ueber den Antrag der Abgg. Baer und Ulrich- die Sache noch einmal an die Kom­mis sion zurü.ckzuverweisen, wurde die Sitzung bis morgen

früh- 9 Uhr vertagt. _____________

Berlin, 8. Dez. Wie der ,Zokal-Anz." erfährt, iff die Verzögerung in der Einbringung- der Novelle zum- Bür senge setz im Reichstage auf den Umstand zurück" zuführen, daß die Fertigstellung der Begründung längere Zeit in Anspruch genommen Hut, als von vorneherein in Aussicht genommen war.

S t 0 a h 0 l m, 8. Tezc Bertha v. Suttner erhält den Nobelpreis.

Wien, 8. Dez. Hier verlautet, daß Manlicher, der Erfinder des.gegenwärtigen österreichischen Armee-Ge­wehrs, in Berlin wegen Einführung seines neu erfundenen automatischen Repetiergewehres für die deutsche Armee unterhandelt. . 1 J <

Oran, 8. Dez. Infolge der an der algerischen Küste herrschenden Stürme treffen die fälligen Schiffe mit großen Verspätungen ein. Einzelne können die E.nfahrt in den Hafen nicht gewinnen, andere nicht auslausen. An der Küste beim Fort Tenes ist ein englisches Frachtschiff gescheitert. Die Besatzung wuroe gerettet.

New yor k, 8. Dez. Tie Bo tf a)a ft des Präsidenten Roosevelt, mit der der Kongreß der Vereinigten' Staaten eröffnet wurde und welches die dritte Jahresbot- jchaft des Präsidenten ist, unter,cheidet sich von den früheren durch Kürze und Wegfall des 5^inweifes auf die blühenden Jinanzverhältnisje Amerikas. Im Gegen, teil kündigt die Botschaft ein Defizit an uno empfiehlt in der Theorie Sparjamkeit, praktisch fordert sie bo« gegen Budget-Erhöhungen durch Vermehrung der M a r i n e urrd Subventionen für die Han­delsflotte. Ferner emvsiehlt die Botschaft Eintreten gegen die sich mehrende Korruption, wie sie in der jüngsten Zen stärler denn je hervocgetreten sei. Schließ lia, rechtfertigt die Botschaft die amerikanische 5:andlungswei,e gelegentlich des Panama-Coups.

Telephonischer Kursbericht* l'ranklurt a.

3Va% Reichsanleihe . . 102.20 3f,/;i do. ... 91.55 3x/9% K<*nb018 .... 102.45

3% do.....91.40

Jl/e°/> Hessen .... 101 40 ^1,% OberhessPn . . . 100.00 4% Oesterr. Go.drente . . 102.95 4\6% Oesterr. bilberrente 101.15 496 Ungar, tioldrente . . 100.50 4°/ Italien. Rente , . . 103.60 4*2% Portugieser » . . 64.15 °/ Portugiesen 32.70 1% C. Türaen .... 37.50 l'ürkenlose 144 00

4% Uriech. Monopol.-Anl. 44.95

41 % äussere Argentiner 42 95

14.. 8. Dezemoer 1903.

3u/0 Mexikaner .... 2615 4»/27o Chinesen .... 91.80 Electric, öcluckert . . . 113.50 Nordd Lloyd . . , . 105 70

Kreditaktien .... 217.00 Diskonto-Kommandit. . . 198.00 Darmstädter Bank . t . 148.40 Dresdener Bank .... 159.80 Ber iner Handelsges, . . 166 20 Oesterr. Staate bahn . . . 145.75 Lombarden .... 17.40 Gottharabahn 189.50 Laurailütte ..... 240.70

Bochum ...... 190.00 Harpener 205.60 Tendenz: fest.

Alle Frauen sind entzückt davon.

Mit Myrrholin Seife und Myrrholm Glycerin war ich sehr zufrieden. Aieiue Frau empfiehlt sie besonders noch als Kinderselse, da ihre gute Wirkung sich gleich bei den ersten Proben geltend macht. Ebenso auch das neu eingeführte Myrrholin Glycerin als gutes Alittel zur Hautpflege. Die Seife benütze ich jetzt schon über em Jahr und kann ich dieselbe jedermann bestens empfehlen.

Bürstadt (Hessen). Ph. Fettel, Schlosser.

Alan kann nur allen mit empfindlicher Haut, insbesondere auch den Kindern, die Anwendung der Alyrrholin-Präparate (Seife, Glycerin, Puder) besleiis empfehlen. Erhältlich in Apotheken, Dro­gen- und Seifengeschästen.

lieber das Welter soll man nicht reden, jßv aber wenn's gar nicht besser werden will und die Influenza förmlich in der Luft liegt, da ist em Gespräch vom Wetter - doch das Natürlichste. Alle Welt ist erkältet und einer bietet dem andern launig seinen Katarrh an, ohne daß er Abnehmer fände. Aber schließlich ist ein Katarrh noch nicht das Schlimmste, eine Schachtel von Fay'S ächte« Sodeuer Miucralpastillen genügt zumeist, auch den stärksten Katarrh zu beseitigen unö der ganze Spaß kostet nur 85 Pig. 6911

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Sb. Die unter 1. aufAesi'lhrten Lache» sind neu und findet die Versteigerung bestimmt statt.

Gleszeii, Den 8. Dezember 1903, 9154 Seipel, Gerichtsvollzieher.

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