überreden, nicht die ganze Verantwortung der Vorgänge ans sie zu schieben Wer weiß, wie weit dies der mächtigen Polizei gelingen wird! Wahr ist, daß der reiche Kaufmann Perlmutter, der die Polizei gut bezcchlt hatte, verschont blieb. Aber solche Glücksmenschen werden zu Gunsten der Polizei aussagen. Der Zar weiß von alledem sicher nichts, denn in Mißland gilt das Sprichwort: „Der Himmel ist hoch, uivd der Zar ist weit." Keine Depesche durfte abgeschickt werden; Leute, die wegfahren wollten, wurden zurück^ehalten. Die Staatsanwälte von Charkow und Odessa sind letzt in Kischinew und führen angeblich eine strenge Untersuchung. Der Adelsmarschall und der Bürgermeister von Kischinew sind über die Vorgänge empört; ersterer spendete für arme Juden 10000 RubeL
Deutsches Reich.
Berlin, 7. Mai. In Donaueschingen ist der Kaiser heute abend eingetroffen. Zum Empfange auf dem Bahnhöfe waren der Fürst zu Fürstenberg und die Spitzen der städtischen Behörden erschienen. Die Stadt ist festlich beflaggt. Der Kaiser hrrb am nächsten Montag abeno in Straßburg eintreffen, Dienstag die Hohköniasburg besuchen, Mittwoch eine große Parade über die Straßburger Garnison abnehmen und Donnerstag nach Bitsch fahren.
— Die nächste Folge des Besuches des Kaisers im Vatikan dürfte, wie das „Bett. Tagebl." aus Rom erfährt, eine bedeutende Entwicklung des deutschen MisfionswesensinChinaundAfrika sein. Bischof Ancer soll abberufen werden, da er zu alt ist und nicht mehr auf der Höhe seiner Aufgabe steht. An seine Stelle wird eine jüngere energische fttaft treten. Bezüglich des Protektorats in Palästina dürfte vorläufig alles beim alten bleiben. Dagegen ist angeblich der Vatikan damit einverstanden, daß in Ostasien Deutfchland über seine Missionen das Protektorat ausübt. Der Kaiser sandte seinen Holl- mann-Drief mit einer eigenhändigen Widmung an den Kardinal Agliardi.
— Der Kronprinz und Prinz Eitel Friedrich sind heute nachmittag mit dem fahrplanmäßigen Schnellzuge in Lugano eingetrvffen und abgestiegen, um eine photographische Aufnahme zu machen.
— Wie aus Kiel gemeldet wird, hat das erste Geschwader unter dem Befehl des Prinzen Heinrich heute früh seine Uebungsreise nach dem atlantischen Ozean durch den Kaiser Wilhelm-Kanal an getreten Auf der Rückreise wird Prinz Heinrich mit der französischen Küste in Verbindung treten. Rach einer Pariser Meldung kündigt der „Gaulois" an, daß das Geschwader Anfang nächsten Monats auf der Rückfahrt von Lissabon im Kanal manövrieren werde und den Kreuzer „Blitz" erwarte, der beauftragt sei, in Brest Briese und Pakete abzuholen.
— Der Antrag auf Wiederaufnahme des Verfahrens gegen den Prinzen Prosper Arenberg stützt sich u. a. auf das Gutachten eines ehemaligen Schutztruppen- Arztes, der den Nachweis erbringen will, daß der Verurteilte schon bei Begehung des Mordes an einem Eingeborenen sich in einem unzurechnungsfähigen Zu- tande befunden habe. Weiter wird aus Hannover berichtet, xrß das dortige Amtsgericht den Prinzen wegen Geistes- törung entmündigt hat. Seine Uebersührung in eine Heilanstalt steht bevor.
— Kriegsminister v. G o ß l e r tritt am 15. d. M. einen dreimonatlichen Urlaub an, welcher der Vorbote seines Rücktrittes sein dürfte. Wie die „Preuß. Korresp." hervorbebt, waren für den Rücktritt lediglich gesundheitliche Rücksichten maßgebend.
— Minister Budde begab sich zur Beseitigung von Hämmorrhoidalbeschwerden in klinische Behandlung und unterzog sich heute einer Operation, die glücklich verlaufen ist.
— In der heutigen Sitzung des Bundesrates wurden die Resolutionen des Reichstages zu den Gesetzentwürfen betreffend die Feststellung des Reichshaushaltsetats und des Haushaltsetats für die Schutzgebiete auf das Rechnungsjahr 1903 teils dem Reichskanzler, teils den zuständigen Ausschüssen überwiesen.
— Für eine neue Militärvorlage, so wird der „Magdeb. Ztg." aus Berlin telegraphiert, sind bereits jetzt mannigfache Vorbereitungen im Gange. Es dürfte sich wesentlich um die Bildung der dritten Bataillone bei den Regimentern handeln, die gegenwärtig nur zwei haben. — Nach den Andeutungen in der Nudgetkommission sollte nur die Errichtung eines dritten Bataillons für einige in den Grenzbezirken dislozierte Regimenter in Frage kommen. Wenn alle Infanterie-Regimenter, die jetzt nur zwei Bataillone haben, ein drittes Bataillon erhalten, so würde das einer Verstärkung des Heeres um 4 3 Bataillone oder eine Erhöhung der Friedenspräsenzstärke um 3 0 000 Mann aleichrommen. Die Regimenter mit zwei Bataillonen sind bekanntlich 1897 gebildet worden dadurch, datz man die 1893 geschaffenen 173 Halbbataillone zu 86 Votlbataillonen und 43 Regimenter zusammenlegte.
— Der Cafstierkongretz nahm heute folgende Resolution an: „Ter erste deutsche Cafstierkongreß identifiziert sich mit dem Vorgehen der Gastwirte Deutschlands gegen die aus den Anträgen Douglas hervorgegangene Resolution des preußischen Abgeordnetenhauses und die darin vorgeschlagenen Maßregeln gegen die Existenzmög- lichkeit der Gastwirte und weist entrüstet die Vorwürfe zurück, daß der Stand der Gastwirte ein Interesse am Mißbrauch geistiger Getränke habe, oder sogar Förderer der Trunksucht sei. Nicht durch äußerliche polizeiliche Maß- nahmen, sondern durch erziehliche und soziale Förderung der Volksivohlfahrt-Jnteressen kann in ethischer Beziehung dem Allgemeinwohl gedient werden." W folgte ein Dor- trag, in welchem die Bundesratsverordnuna betreffend die AnMlimg der Angestellten in Gast- und Schankwirtschaften kritisiert und als abänderunasbedürftig bezeichnet wurde. Direktor Dr. Wallbcrg (Berlin) sprach danach über das Biersteuerprojekt der Regierung. Der Redner wandte sich mit großer Entschiedenheit gegen die beabsichtigte Steuererhöhuna, die dem deutschen Volke drohe. Deshalb sei es Pflicht der Gastivirte, Cafstiers ic., bei den bevorstehenden schien nur Kandidaten ihre Stimme zu geben, von denen sie die Versicherung haben, daß sie für Handelsverträge und gegen jede Erhöhung der Biersteuer stimmen werden. Mitteilungen über die Organisation des Stellen- vermittclungswesens schlossen den Kongreß.
Eisenach, 7. Mai. Der hiesige Gemeinderat beschloß, beim Ministerium die A m t s e n t s e tz u n g des Oberbürgermeisters Dr. v. Fewson ni beantragen.
Leipzig, 7. Mai. v. -rreischke, kommandierender General des 19. Armeekorps, erklärte einer Deputation von Brauerei- und Saalbesitzern, daß, nachdem die Sozialdemokratie die Hcrgabc von Sälen au Versammlungen zur Machtfrage gemacht, ein dauerndes Militärverbot alle GtLwlisfementS bei auch mir einmaliger hergabe der
treffen werde. Die Saalbesitzer beschlossen unter solchen Umständen von einer Einwirkung auf die Mitglieder zur Hergabe ihrer Säle abzusehen.
Dresden, 7. Mai. Heute brachten die Studenten der Technischen Hochschule in Dresden, der Bergakademie in Freiberg und der Forstakademie in Tharandt dem König vor dem Opernhause in Form eines Fackelzuges eine Huldigung dar. Auf eine Rede des Vorsitzenden dankte der König in bewegten Worten für die ausgesprochene königS- treue Gesinnung. Die Huldigung schloß mit dem Gesang „Gaudeamus igitur".
Stuttgart, 7. Mai. Regierungsbaumeister Blaich aus Reutlingen hat vom Rei^marineamt eine Berufung nach Kiautschou erhalten.
Heer und Flotte.
— Wie gerüchtweise verlautet, soll der Erbprinz von Meiningen die 2. Armee-Inspektion erhalten, die seit der Thronbesteigung des Königs von Sachen frei ist. Von anderer Seite war bekanntlich Graf Haeseler für den Posten genannt.
Breslau, 7. Mai. Wie der r$. G -A.* erfährt, ist an Stelle des Generals der Infanterie Stölzer, der zum Nachfolger des Grafev Haeseler bestimmt ist, der bisherige Kommandeur der 17. Division, Frhr. v. Egloffstein, für den Metzer Gouoerneurposten in Aussicht genommen.
Wahl-Bewegung.
— Die Hebungen der Reservistsn sind neuerlich vielfach hinter den Wahltag, 16. Juni, gelegt worden, aber man hat nicht berücksichtigt, daß in der Mehrzahl der Wahlkreise Stichwahlen stattfinden in den letzten Tagen des Juni, und daß gerade diese Stichwahlen für die Entscheidung des WahlergebnisieS diesmal ganz besonders in daS Gewicht fallen werden.
Ausland.
Londvn, 7. Mai. Die Prinzeffin Margarete von Großbritannien, die 1882 geborene Tochter des Herzogs von Connaugcht und seiner Gemahlin, Prinzessin Luise Margarete von Preußen, soll sich demnächst mit dem russischen Großfürsten-Thrvnfvlger verloben. (Angesichts der vielen Gerüchte über Verlobungen in den Kreisen der europäischen Herrscherfamilien, die sich nachher nicht bestätigten — die Prinzessin Margarete ist ja auch schon als künftige Braut des deutschen Kronprinzen genann/t worden, — wird man auch dieser Meldung zunächst skeptisch gegenüb erst eben müssen.)
— Wie das- Schatzamt nunmehr bekannt aiebt, belaufen sich die Kosten für den südafrikanischeu Krieg auf 211 Millionen Pfund Sterling. (Sie waren zuerst mit 6 Millionen veranschlagt!!)
— (Unterhau s.) Gibson Bowles fragt an, ob ein authentischer Bericht über die Unterredungen zwischen König Eduard und den Königen von Italien und Portugal, dem Papst und dem Präsidenten Loubet bei den letzten Zusammenkünften vottiege. Lord Balfour erwidert, private und freundschaftliche Unterhaltungen ver lieren den privaten Charakter, wenn ein amtlicher Bericht darüber ausgenommen wird. (Gelächter.)
— Das Oberhaus nahm die dritte Lesung der Vorlage betreffend Erhöhung des MannschaftsvestandeS der Flottenreserve an.
— Die Transvaalanleihe von 30 Mill. Pfund verzinsbar zu 3 Pv^., wird zu pari emittiert. Die Anleihe ist 1953 rüchahlbar mittels Amortisationsfonds von 1 Prvz Tie Regierung garantiert sowohl Kapital wie Zinsen. Ob- gleich die Regierung zur Emission von 35 Millionen Pfund ermächtigt ist, werden gegenwärtig erst 30 Millionen emittiert.
Madrid, 7. Mai. Aus Melilla eingegangenen Nachrichten zufolge fand in der Nähe von Fez ein blutiger zehn- tündiger Kampf zwischen Auf stürmischen und Sultanstruppen statt. Tie Ausständischen bemächtigten ich der Stellungen der kaiserlichen Truppen welche zahlreiche Tote und Verwundete zurückließen. Auch die Aufständischen erlitten große Verluste und verlangten vom Prätendenten Verstärkungen.
Rom, 7. Mai. Mehrere Blätter, die kaum ihre Genug hnrna darüber verhehlen können, daß in den letzten Doastev Kaiser Wilhelms und Viktor Emanuels Oester reich unerwähnt blieb, bringen scharfe Artikel geger ein Wiener Blatt, das die Römer wegen ihres Jubels für verrückt erklärt hatte. Wie der „Resto del Carlino" mitteilt bestand Viktor Emanuel auf der Nichterwähnung, um den Kaiser Franz Josef zu! zeigen, wie sein Fortbleiben von Rom mit dem Dreibund unvereinbar sei. Infolge dieser Haltung )es Königs soll man am Mener Hofe eine Reise des Kai sers Franz Joseph nach Rom planen. Nach oberitalienischen Blättern ist auch die Reise des Präsidenten Loubet nach Rom für den Herbst gesichert, aber ohne Besuch des Papstes.
— Ter Papst hat dem Grafen Bülow ein kostbares Mosaikbild zum Geschenk gemacht. Ter Papst empfing den Pater Jean Baptiste, welcher vom Erzbischof von Baltimore, Kardinal Gibbons, beauftragt war, dem Papste anläßlich des Pontifikats-Jubiläums die Glückwünsche des Präsidenten Roosevelt zu übermitteln und eine aus zehn Bänden bestehende Sammlung von Botschaftern und offiziellen Schreiben der Präsidenten der Vereinigten Staaten von 1789 bis 1897 zu überreichen. Tie Sammlung trägt eine eigenhändige Widmung des Präsidenten Rovse- velt.
Wien, 7. Mai. Im Zollausschuß hob bei der fortgesetzten Beratung der Getreidezölle der Berichterstatter Marchet hervor, daß gegen österreichische Gerste in Deutsch- land ein Feldzug mit teilweise illoyalen Mitteln geführt werde. Er beantragte Rückstellung der Position für Gerste und Malz. Tie agrarischen Vertreter traten für den Schuh der Landwirtschaft durch erhöhte Getreidezölle ein, nament- lich um den Gerstenbau konkurrenzfähig zu erhalten, wäh- rend die industtiellen Vertreter auf die Notwendigkeit eines Entgegenkommens der Landwirtschaft gegenüber der Jn- !>uftrie hinwiesen. Ter Ackerbauminister erklärte, die Land- Dirtfcfiaft sei unzweifelhaft notleidend. Tie geltenden Zoll- ätze genügten nicht, um der ausländischen Konkurrenz zu begegnen. Ta Oesterreich-Ungarn seinen Konsum durch eigene Produktion zu decken vermöchte, sei nicht anzunehmen, dag die inländischen Getreidepreise stark steigen würden. -Llc Einfuhr Oesterreich-Ungarns betrage nur 1 Prozent der Produktion, während Deutschland 85.4 Prozent der MaiS- rroduktton und 10.13 Prozent der Rogqenproduknon ein- uh^k. Tie Zolle sollten nur eine Ueberiluruna durch ausländisches Getreide verhüten.
— Die Verlobung der Erzherzogin Maria Henriette, Tochter des Erzherzogs Friedrich, mit dem Prinzen Ludwig von Bourbon, Grafen von ltu, steht bevor.
Aus Stadt und Land.
Gießen, am 8. Mai 1903.
* * Personalien. Se. Kgl. H. der Großherzog haben dem Landesgeologen bei der Geologischen LanbeS- anstalt, Dr. Alexauder Steuer, den Charakter als Bergrat verliehen. — Mit Ermächtigung Sr. K. H. des Großherzogs wurde der Geheime Oberfinanzrat Gustav Weigel auf sein Nachsuchen von der Stelle eines Mitgliedes der Prüfungskommission für das Finanz- und technische Fach enthoben.
* * Wahl zum Beigeordneten. Die Stadtverordneten wählten gestern in nichtöffentlicher Sitzung den seitherigen MagistratSaffeffor Curschmann zum besoldeten Beigeordneten der Stadt Gießen.
* * Silberne Hochzeit. Heute feierte Heinrich Geng» nagel und dessen Ehefrau daS Fest der silbernen Hochzeit.
" Die studentische Reformverbindung „Adel- phia" veranstaltet am 9. d. M. im oberen Saale de« Cafs Ebel einen FestkommerS auS Anlaß der Feier ihres 33- jährigen Stiftungsfestes.
** Hofmann-Medaille. Der hundertste Geburtstag des größten hessischen Gelehrten, des Chemikers JustuS von Liebig, steht für die nächsten Tage bevor. Aber noch ein anderer Gedenktag fiel in diese Zeit. Vor 85 Jahren, am 8. April 1818, wurde hier zu Gießen ein zweiter bedeutender Chemiker, ein Schüler Liebigs, Aug. Wilh. v. Hofmann, geboren, der vor genau 60 Jahren in LiebigS £a- boratorium seine ersten Untersuchungen über daS Anilin machte. Er starb am 5. Mai 1892. Die auS Anlaß feines 70. GeburtS- tags irn Jahre 1888 gestiftete und zur Verleihung an AuS- länder bestimmte goldene Hofinann-Medallle wurde an dem diesjährigen Todestage HofmannS zum ersten Male von der deutschen chemischen Gesellschaft verliehen und zwar an Henri Moisson in Paris und William Ramsay in London. Moissan erhielt die Auszeichnung für .ausgezeichnete Leistungen auf dem Gebiete der organischen Chemie, im besonderen ffir die Entdeckung des FluorS und die Verwendung deS elektrischen DfenS*, Ramsay für ausgezeichnete Arbeiten auf dem Gebiete der allgemeinen Chemie, im besonderen für die Entdeckung neuer Bestandteile der Luft«. Da die beiden Forscher voraussichtlich an dem Anfang Juni in Berlin tagenden 5. Jntemattonalen Kongresse für angewandte Chemie teilnehmen, so wird ihnen bei dieser Gelegenheit die Medaille durch den Vorstand der Deutschen chemischen Gesellschaft über- reicht werden. Die Medaille — von Prof F. Schaper ent* warfen — zeigt auf dem Revers ein Reliefbild HofmannS und trägt auf dem Revers die Aufschrift: .Hofmann-PreiS, verliehen von der Deutschen chemischen Gesellschaft^.
** Aus dem Theaterbureau. Morgen, SamStag, findet noch eine volkstümliche Vorstellung statt und zwar wird die beliebte Operette .Vogelhändler^ gegeben. __
Am Sonntag verabschiedet sich unser so schnell beliebt gewordenes Operettenensemble. Die Direktion hat für diesen Abend die Premiöre der großen AuSstattungSposse „Eine tolle Nacht" angesagt. Dazu hat der Komponist EinödS- Hofer eine prickelnde Musik geschrieben. Zuerst fuhren uns die Verfasser nach Berlin unter die Linden, eS schneit, eine volle Kompagnie Soldaten in Uniform, voran ein Trommler- »nd Pfeiferkorps sowie die RegimentSmusik zieht auf Wache. TaS zweite Bild bringt uns in den „ZickuS Renz" und endet mit einem grandiösen Schlußeffekt, in dem der Insekten- oulversabrikant Pieper (Herr Bruck) auS einer Kanone in die Lust geschossen wird. Der dritte Akt spielt in den „Cbambres <6par6ea" und im vierten werden wir in die Geheimnisse der Polizeiwachtstube eingeweiht, während der letzte einen großen Wintergartenball bringt. (Scheiden tut weh. WaS werden die Gießener bei diesem Abschied machen? Statt daS Publikum in Trauerspielstimmung zu erhalten, wird da gepfiffen, getrommelt und gar mit Kanonen geschossen! Tränen der Trauer werden sich mit Lachtränen mischen. Hoffentlich tut sich niemand ein Leids an. D. Red.)
** Brieftauben -Sport. Auf der UebungStour nach Rom begriffen, treffen die Tauben der Köln-Aachener Reise- Vereinigung, ca. 6—7000 Stück, Sonntag, den 10. Mai, auf dem hiesigen Bahnhofe ein. Die Tiere werden hier in Frei- heit gesetzt, damit sie nach ihrem heimatlichen Schlage zurück- stiegen. Dasselbe geschieht dann in 8—14 Tagen in Büdingen, Würzburg, AnSbach, Ingolstadt, Mühldorf, Berchtesgaden, Bologna, bis die Endtour Rom erreicht ift Die ganze Strecke Rom-Köln hat eine Länge von 1100 Kilometer Luftlinie, tiefem Fluge ab Rom wird in Züchterkreisen mit großer Spannung entgegengesehen, da man eS früher überhaupt nicht für möglich hielt, daß eine Taube den Weg über die Alpen findet. Schon bei dem vorjährigen Fluge ab Rom erreichten 15 pCt. der dort aufgelaffenen Tiere ihre Heimat. Der hiesige Anflug dürste voraussichtlich nicht vor 8 Uhr stattfinden.
** Besitzwechsel. Bauunternehmer Abermann erwarb in der Plockstraße von Kaufmann Bach zwei neben Cafö Skalitzky liegenden Bauplätze zum Preise von 50 Mk. pro Clubratmeter. Die Bauplätze haben eine ziemliche Tiefe, da sie bis zum Gebiet der Brauerei Friedel u. ASprion heran- reichen.
Vom DünSberg. Wenn man unseren über 500 m hohen DünSberg erstiegen hat, um in der Schutzhütte dott Atem schöpfend das darin aufliegende Fremdenbuch studiert, dann begegnet einem mindestens auf jeder dritten Seite die immer wiederkehrende Klage der Bergsteiger, daß man nach mühevollem Ausstieg auf der Höhe kein bierspendendes Wesen antreffe. Hierin will der Tünsberg-Verein, wie wir erfahren, teilweise Wandel schaffen. Es besteht die Absicht, jeden ersten Sonntag im Monat, wenigstens während der besseren Jahreszeit und gut Wetter vorausgesetzt, einen Wirt zu veranlassen, oben auf dem Gipfel des Tunsberqs einen Ausschank zu etablieren. Man roirb auch versuchen, den Witt zu verpflichten, oben zur Stelle zu sein, unb Getränke zu verabfolgen, rvenn an anberen Tagen bei genügenber Beteiligung Vereine nach bem DünSberg einen AuSflug unternehmen unb fich vorher mit bem betrcffenben Witt in Verbinbunq setzen.
"DereinhessischerLehrerrnnenzurGrün- dung eines Heims. Man schreibt und: Vor mehreren erwarb her du öduti Haus m der Lies-


