der
Unter Vorsitz des Kaisers fand heute vormittag in
Aus Stadt und Kand.
satzung sind ertrunken.
* In K a r d e n an. der Mosel wurden zwei in französische Infanterie-Uniformen gekleidete männliche Personen auf* gegriffen. Sie musizierten in den Wirtshäusern und sam- melten fleißig Nickel ein, vermochten sich aber der Ponzer ", und wurden deshalb dem
Hofburg eine längere Beratung über die militärischen Angelegenheiten statt, an der der Erzherzog Franz Ferdinand, der Chef des Generalstabs Feldzeugmeister Freiherr v. Beck, der Reichskriegsminister v. Pitreich und der Vorstand des Präsidialbureaus des Kriegsministeriums Frhr. v. Weigl teilnahmen.
— Gestern vormittag von 9*/2 bis 12 Uhr und nachmittags von 3 bis 5 Uhr fanden hier Minister-Konferenzen statt, an denen von ungarischer Seite der Ministerpräsident v. Szell und von österreichischer Seite der Ministerpräsident v. Körber und der Finanzminister teilnahmen. Die Konferenzen betrafen die Festsetzung des Textes der in den Vertretungskörpern einzubringenden Gesetzesvorlage und der einschlägigen Abmachungen. Die österreichischen Minister begeben sich zum Zweck dec letzten Revision der nunmehr ausgefertigten Dokumente und deren Unterzeichnung am Samstag nach Budapest.
Bern, 7. Jan. Hier nimmt man an, Deutschland werde im Laufe des Februar oder März den Handelsvertrag mit der Schweiz kündigen. Voraussichtlich wird alsdann auch Italien seinen Handelsvertrag mit der Schweiz kündigen.
Madrid, 7. Jan. Die Leichenfeier für Sagasta fand in Anwesenheit sämtlicher Minister und unter großer Beteiligung der Bevölkerung statt. Die kirchlichen Zeremonien vollzog der Erzbischof von Toledo. Nach der Feierlichkeit wurde der Sarg einstweilen in der Krypta der Atochakirche beigesetzt.
Paris, 7. Jan. Aus Saigon wird gemeldet: Um die unter denTruppen überhand nehmende Trunksucht zu bekämpfen, hat General Coronat befohlen, daß in Zukunft jene Soldaten, welche dreimal wegen Trunkenheit bestraft werden sollten, eine besondere Uniform tragen, durch welche sie als Trunkenbolde gekennzeichnet werden.
Rom, 7. Jan. .Der Papst hat den Verfasser des Werkes „Der Katholizismus und das 20. Jahrhundert", Professor Dr. Ehrhard, ungemein wohlwollend, ja herzlich empfangen. Auch die Kardinäle und hohen Würdenträger der Kircke. denen Professor Ehrhard Besuche abltattctt
Ausland.
Wien, 7. Jan. Blättermeldungen zufolge wird
Reichsrat am 15. Januar wieder zusammentreten. —
~ ‘ " * '' “ p 1 ' l der
Bearbeitung von Prof. Dr. Karl Siegen in Szene, nachdem diese Bearbeitung bereits auf 84 Bühnen — u. a. allein in 11 Universitätsstädten — mit Erfolg zur Aufführung gekommen ist. Nach dieser Bearbeitung, die auf Kleists ursprünglichen Plan zurückgreist, erhält Kätchen lediglich zum Lohn für ihre treue Liebe als echte Tochter des Waffenschmieds Theobald Friedeborn die Hand ihres Ritters, während Kunigunde von Thurneck sich als tückischer Wasserkobold entpuppt. Herr Gerl ach hat unter dem vollen Beifall von Publikum und Kritik schon auf anderen Bühnen in Siegens Bearbeitung den Wetter Strahl gespielt und die Regie geführt. Wünschen wir dem beliebten Künstler an seinem Ehrenabend ein volles Haus!
•* Eisenbahnunfall. Der zweite der beiden von einem Personenzug überfahrenen Arbeiter ist ebenfalls einen Verletzungen erlegen.
•• Verabreichung warmer Getränke an datz Personal der Güterzüge. Der preußische Minister der ffentlichen Arbeiten hat eine Verfügung erlassen, derzufolge dem Lokomotiv- und Zugbegleitungspersonal der Güterzüge bei einer Kälte von mindestens —12 Grad C. und nach einer Fahrdauer von mindestens 3 Stunden und dann nach mindestens weiteren 3 Stunden auf der nächsten geeigneten Station mit Bahnhofswirtschaft wärmende Getränke auf Kosten der Verwaltung durch die Bahnhofswirte verabfolgt werden sollen, und zwar eine große Tasse (mindestens 1/4 Liter) heißen Kaffee mit Milch und Zucker oder J/4 Liter Warmbier, das mit Ei, Zucker, etwas Gewürz und geringem Zusatz von Mehl von den Bahnhofswirten zubereitet wird. Während der Nacht, wo die Bahnhofswirtschaften zum Teil geschloffen sind, und in den Vormittagsstunden wird grundsätzlich nur Kaffee abgegeben.
Hs. Einbruchsdiebstahl. In der Nacht vom Dienstag auf Mittwoch wurde in dem Trödler- und Antiquitätengeschäft der L. Rothenberger Wtw. am Neuenweg ein frecher Einbruchsdiebstahl ausgeführt. Der Dieb oder — wie angenommen werden muß — die Diebe, welche mit den dortigen Verhältnissen wohl sehr vertraut gewesen sein muffen, haben sich nach Mitternacht in fragliches Geschäft Eingang zu verschaffen gewußt, und es gelang ihnen, ohne daß im Hause jemand etwas gewahrte, an Bargeld, wertvollen Münzen, Uhren und Goldsachen eine recht wertvolle Beute in Sicherheit zu bringen. Nach dem plumpen Erbrechen der Schlösser zu urteilen, scheint man cs mit Gewohnheitseinbrechern hier nicht zu tun zu haben. Bis jetzt fehlt leider von den Tätern jede Spur.
p. Friedberg, 6. Jan. Für die freigewordene Stelle des im Herbst pensionierten Lehrers Landau an der Taubstummenanstalt hatte sich bis Neujahr noch keine Lehrkraft gefunden. Anscheinend herrscht Mangel an Taubstummenlehrern. Die Zahl der Lehrkräfte betrug im vorigen Sommer acht Personen, während dre Anstalt 54 Zöglinge hatte. Sett 1902 ist der Kursus siebenjährig, früher war er sechsjährig.
Nidda, 6. Jan. Durch den unaufhörlich bei Neber niedergehenden Regen und das dadurch. verursachte Anschwellen aller Bäche ist in der Nidda Hochwasser eingetreten und füllen sich die Niederungen mit Wasser. Die feuchtwarme. Witterung hat nun auch bei un8 der Influenza den Weg gebahnt, sie tritt allenthalben auf, glücklicherweise meist nicht bösartig; häufigere Komplikationskrankheiten sind Lungenentzündung oder Rippenfellentzündung.
z. Homberg a. d. Ohm. Mittwoch Abend kurz nach acht Uhr brannte ein Teil der südlich unseres Städtchens gelegenen „Obersimühle" (Besitzer Langstroff) nieder.^ Bis die Feuerwehr eingreifen konnte, waren Scheuer und Stallgebäude den Flammen bereits zum Opfer gefallen. Von dem Großvieh, an das man erst spät dachte, waren fünf, Stück erstickt. Wie man hört, ist der Abgebrannte versichert. Ucber die Entstehungsursache ist bis jetzt noch nichts bekannt.
Lauterbach, 6. Jan. Die langanhaltende Trockenheit im vergangenen Herbst und der hierdurch zutage getretene Wassermangel hat noch eine weitere Anzahl von Gemeinden unseres Kreises veranlaßt, der Einrichtung von ge- ' meinschaftlichen Wasserversorgungen näher zu treten. In letzterer Zeit haben die Ortsoorstände von Hörgenau, Eichelhain, Hopfmannsfeld, Frischborn und Hutzdorf die Ausführung von Gemeindewasserleitungen beschlossen. Andere Gemeinden stehen noch in Aussicht. Es ist sehr zu = begrüßen, daß seitens des Staates die Gemeinden, insbeson- ’ dere die ärmeren, bei derartigen, mit großen finanziellen > Opfern verbundenen Unternehmungen jetzt in größerem Maße : unterstützt werden können, als wie dies früher der Fall war.
Kleists gegenüber nicht ausMiweisen
ch der | Amtsgericht in Kochern vorgeführt, wo sich d-ann folgender.
Vermischtes.
• Düsseldorf, 7. Januar. Auf der Gewerkschaft „Christinenburg" bei Lintorf geriet ein Kessel voll Oel in Brand, wobei zwei Arbeiter derart schwere Brandwunden davontrugen, daß sie nach Ueberführung ins Krankenhaus starben. ,
* Landstuhl (Pfalz), 7. Jan. Wie aus Antwerpen gemeldet wird, ist dort der Mörder Heinrich Kehrer aus dem benachbarten pfälzischen Dorf Queidersbach, welcher in der Neujahrsnacht den dortigen Polizeidiener erstochen hat und dann geflohen ist, kurz vor Abgang des Schiffes, das ihn nach Amerika bringen sollte, verhaftet worden.
Straßburg i. E., 7. Jan. Auf dem hiesigen Bahrn» Hof explodierte heute abend gegen 5 Uhr 30 Min. ein Gaskessel in der Fettgasanstalt, wobei mehrere Arbeiter verschüttet wurden. Gegen 6 Uhr 50 Min. waren, ein Toter und vier leicht Verletzte geborgen. Es rst noch unbekannt, ob sich noch weitere Personen unter den Trümmern befinden. Die Feuerwehr ist mit den Aufräumungsarbeiten beschäftigt. Die in der Nähe der Explosronsstelle gelegenen Häuser wurden durch den Luftdruck erschüttert und die Fensterscheiben derselben zertrümmert.
• Seattle (Staat Washington), 7. Jan. Die nor» wegische Bark „Prince Arthur" strandete am 2. ds. in der Nähe des Kap Flattery. Achtzehn Mann der Be-
Gießen, 8. Januar 1902.
— Personalien. Ernannt wurde am 2. Januar Pfarrer Georg Stock zu Ober-Breidenbach zum Pfarrer der evangelischen Pfarrstelle zu Sprendlingen, Dekanat Wöllstein.
* • Militärdienstnachricht. Dem Garnrsons-Bau- inspektor Schild in Darmstadt wurde der Charakter als Baura mit dem persönlichen Range der Räte 4. Klaffe verliehen.
* * Aus dem Theaterbureau. Es sei schon heute darauf hingewiesen, daß in kommender Woche (Mittwoch, den 14. ds. Mts.) die „Schliersees im hiesigen Stadttheater ein auf drei bis vier Abende berechnetes Gastspiel beginnen und neben bewährten älteren Stücken auch einige Novitäten zur Aufführung bringen werden.
* • Das Kätchen von Heilbronn. Am morgigen Freitag geht zum Benefiz des Herrn Regiffeurs Heinrich Gerl ach nun auch im Gießener Stadttheater fxV-r4a .Kätchen von Heilbronn" zum ersten Mal nach
Setterschaft zu tun haben, der schließlich alle- zu Bieten ist. Und auf dem Standpunkt des „non olett' stehen sie schon längst. _____________
Deutsches Reich.
Berlin, 7. Jan. Ter Kaiser empfing den Direktor im Auswärtigen Amte FrcmtziuS, den Gouverneur von Neu- Einea Dr. Hahl, llniversitätsprofessor Doktor Ober- mmer-München und den Gesandten Grafen Wallwitz in Qienz. Dem von hier abberufenen serbischen Gesandten Stejttsch hat der Kaiser den Kronenorden L Klasse vergehen.
— Am gestrigen Todestage der Kaiserin Augusta War das Mausoleum in Charlottenburg reich mit Blumen geschmückt. Ter Kaiser legte um 9y4 Uhr vormittags persönlich einen Kranz am Sarkophage nieder. Auch das erbgrvßherzogliche Paar von Baben ließ einen Qorbeer- kranz niederlegen.
— Die angebliche Potsdamer Duellrede des Kaisers bat zu einem Strafprozeß gegen die Potsdamer Zeitung und deren Gewährsmann bekannttich Veranlassung gegeben und nun auch die Wirkung gehabt, daß der einsttge Mitbesitzer und Chefredakteur des Blattes Martin Berger seinen Abschied als Reserve-Offizier genommen hat, nach- oem er vom Ehrengerichtshofe des Offizierskorps wegen i^fährdung der Standesehre eine Warnung erhalten hatte.
— DasOrganisationskomitee des 9. int er * nationalen Kongresses gegen den AlkoholiÄ- muS, der in Bremen vom 14. bis 19. April 1903 stattfinden wird, und dessen Ehrenpräsidenten Staatsminister Dr. Graf v. Posadowsky-Wehner und Bürgermeister Dr. Pauli, Bremen, smd, erläßt soeben ein Einladungsschreiben, wonach auf Beschluß des 8. internationalen Kongresses gegen beu Alkoholismus in Wien im Jahre 1902 der 9. Kvngreh dieses Iaht in Btemen tagen ttriro. Tas Otgani- sationskomitee hat nach Anhörung verschiedener Veteine Dafür die Zett vom 14. bis 19. April festgesetzt.
Stettin, 7. Jan. Wie die Stettiner Abendpost" meldet, nahmen gestern abend 1600 Arbeitet der hiesigen Vulkan-Werft in einet Vetsammlung, die einen ziemlich stürmischen Verlauf nahm, eine Resolution an, in welcher sie erklären, daß sie mit der Unterschriftensammlung zu dem Ergebenheits-Telegramm in Sachen Kvupp an den Kaiser und dem Inhalt dieses Telegramms nicht einverstanden sind. Sie erklären vielmehr dieses Telegramm „für eine Mache" zu hem Zweck, den Kaiser über die wahre und ehrliche Gesinnung der Ardetterschaft des Vulkans zu täuschen. Dieser Beschllrß der Vetsammlung ist dem Kaiset telegraphisch zur Kenntnis zu bringen.
Dresden, 7. Jan. Gestern nachmittag reiste Prof. Tr. Curschmann nach Leipzig zurück. Gegen mittag empfing der König, der einen großen Teil des Tages außer Bett zubrachte, den Kronprinzen Friedrich August, sowie den Prinzen Johann Georg nebst Gemahlin, die Königin-Witwe Carola und Prinzeß Mathilde. Auch erledigte der Monarch einige Regierungsgeschäfte. Er nahm das Mittagsmahl noch allein ein. Am Wend um 7 Uhr sprach der StonigL Leibarzt Tr. Fiedler beim Körrig vor.
Mannheim, 7. Jan. Ter Wgeordnete Basser- mann erklärte heute in einer nationallitietalen Pcrrtei- versammluna, auf Grund guter Informationen versichern zu tönnen, daß der eine oder andere Handelsvertrag spätestens im Juni dem Reichstag vorgelegt werde.
Straßburg, 7. Jan. Bischo ftFritzen erklärte in einer Zuschrift an den hiesigen „Elsässer" gegenüber Angriffen, dre in anderen katholischen Blättern gegen die neue katholische theologische Fakultät laut geworden waren: Ich bedauere diese Angriffe seht, da sie nicht Mr dazu angetan sind, in die Rethen unseres katholischen Volkes! Verwirrung und Mißstimmung zu tragen, sondern auch ganz und gar ungerecht sind und in keiner Weise dem Tat* bestände entsprechen. Ich reift hoffen, daß die katholischen Blätter nun endlich zur Einsichr gelangen werden, daß die sortwährenden Angriffe und Sttcheleien auf die katholische theologische Fakultät, die vom Heiligen Stuhle genehmigt ist, der Ehrfurcht und Unterwürfigkeit widersprechen, dre die Katholiken dem Heiligen Stuhle schuldig find.
nahmen ihn mit großer Freundlichkeit auf. Die ihm er- ■ roiefene Aufmerksamkeit verdient um so mehr beachtet zu : werden, als sein Werk bekanntlich in manchen kirchlichen Kreisen heftigen Angriffen ausgesetzt war, und seine I Gegner verlangten, daß eS auf den Index gesetzt werde, \ Die Wirkung dieser Angriffe ist auSgeblieben, Dr. Ehrhard ! erhielt vielmehr im Verlaufe der Audienz beim Papst, sowie ! im Verkehr mit den Kirchenfürsten Gelegenheit, sich gegen- । über dem Vorwurf, er sei vom rechten Glauben abgewichen. : zu rechtfertigen. 1
Washington, 7. Jan. Die Antworten Deutsch- ands und Englands an Castro sind hier eingetroffen und Castro übermittelt worden. Beide enthalten dieselben Bedingungen, über die eine Verständigung zu Wege gebracht werden mnß, ehe der Fall dem Schiedsgericht unterbreitet wird.
La Guayra, 7. Jan. Das amerikanische Kanonenboot „Marietta* ist gestern mit großen Postsendungen von Curacao hier eingetroffen. Der Kapitän begiebt sich morgen nach Caracas zu einer Besprechung mit dem amerikanischen Gesandten Bowen. Fischerbooten wurde die Erlaubnis, den .Dafen zu verlassen, versagt, weil sie den Bestimmungen der Blockade zuwider gehandelt haben.
Krsstscher Schutzverein für entlassene Gefangene.
Wie wir gestern schon auszugsweise mitteüten, tagte am 6. Januar in Mainz der Hessische Schutzverein für entlassene Gefangene. Der Vorsitzende, Generalstaatsanwalt Dr. Preetorius, eröffnete die Versammlung mit der Mitteilung, daß dies die erste Mitgliederversammlung des Schutzvereins sei, der aus dem Verein für Unterstützung und Besserung entlassener Sträflinge gebildet worden wäre. Auf die neuen Satzungen des Vereins eingehend, teilte der Vorsitzende die wichtigsten Unterschiede gegenüber jen alten mit. Dem seitherigen Brauche, die Mttglieder- versammlungen abwechselnd in Gießen, Darmstadt und Mainz abzuhalten, fei man treu geblieben, doch sollen für >ie Folge die Versammlungen nicht alle zwei Jahre, son- jern alljährlich abgehalten werden. Besonders wichtig sei, daß der Verein das Recht einer juristisch en P e r* s o n erworben habe, was eigentlich schon lange hätte geschehen müssen. Weiter berichtete der Vorsitzende über eine Bemerkung in der letzten Mitgliederversammlung, daß es auffallend erscheine, daß in der Provinz Starkenburg viel mehr Unterstützungen gewährt worden seien als in Rheinhessen. Dies wäre durchaus keine Bevorzugung, käme vielmehr daher, daß von da viel mehr Gesuche an den Vorstand, der sich in Darmstadt befände, entliefen als von anderswo. Uebrigens feien auch die Beiträge der Provinz Starkenburg größer als diejenigen der reicheren Provinz Rheinhessen. — Vom Sekretär, Amtmann Dr. Stammler, wrrd der Rechenschaftsbericht über das abgelaufene Berichtsjahr erstattet. Im ab gelaufenen Jahre wurden 152 Strafgefangene unterstützt, davon kamen 81 auf Starkenburg, 24 auf Oberhessen und 48 auf Rheinhessen. Die Anzahl der Pfleglinge unter 20 Jahren betrage nur den 17. Teil aller Pfleglinge; dies hänge bamit zusammen, daß die jugendlichen Pfleglinge meist in Zwangserziehung kämen. Die Summe, die für die entlassenen Gefangenen aufgewendet worden sei, betrage 4082,90 Mark. Die Gesamteinnahmen des Vereins hätten 9396 Mark und die Ausgaben 6493 Mk. betragen, so daß ein Kassenüberschuß von 2903 Mk. verblieben sei. Das Gesamtvermögen betrage jetzt 58426 Mark.
Es wird nunmehr in die allgemeine Diskussion ein* getreten und besonders hier die Frage berührt, in welcher Weife das Interesse des Vereins in wettere Kreise getragen werden könne. Der Vorsitzende ist der Ansicht, daß vorzugsweise in Rheinhessen noch sehr viele Leute sich befänden, die von den humanitären Bestrebungen des Vereins keine Kenntnis hätten. Die Herren Oberstaatsanwalt Dr. Schmitt und Provinzialdirettor Frhr. v. Gagern sind gleichfalls dafür, daß Propaganda gemacht werde, bamit sich der Kreis der Vereinsmitglieder erweitere. Kreisrat Süssert von Alzey ist der Meinung, daß man zur Erlangung von größeren Mitteln sich an die verschiedenen Kreise um Beiträge wenden möge; sein Kreis sei bereit, Mittel hierzu zu bewttligen Von großer Wichtigkeit sei es auch, den entlassenen Gefangenen alsbald Mbeit zu verschaffen. ES wttd nun Wetter hervorgehoben, daß verhältnismäßig wenig Geld für die entlassenen Gefangenen aufgewendet würde. Generalstaatsanwalt Dr. Preetorius erwidert, daß er nur über 5000 Mark zu verfügen habe, er müßte deshalb sparsam zu Werke gehen; wenn ihm größere Mittel zur Verfügung ständen, würde er mit Freuden auch größere Beträge verausgaben. Kreisamtmann Wolf von Alzey weist auf die Organisation des Vereins zur Unterstützung Geisteskranker als Vorbild hin; dieser Verein zähle jeK 50 000 Mitglieder. Auch sonst könne man mehr für das Bekanntwerden des Vereins tun, z. B. auch durch kurze Mitteilungen in den Zeitungen. Oberstaatsanwalt Dr. v. Geßert von Darmstadt spricht sich ebenfalls für eine energische Propaganda aus. Kreisrat Dr. GötteImann von Heppenheim ist dafür, daß man den Verein durch Staatsmittel unterstütze; wenn man au dem Lande Mitglieder für den Verein werben wolle, so treffe man immer dieselben Leute: Beamte, Lchrer, Geistliche usw.; die große Masse stehe solchen Besttebungen fern. Die Staatskasse möge dre erforderlichen Mittel lersten, denn es sei Pflicht der Gesellschaft, für die entlaßenen Gefangenen einzutreten. t,
Heber die übrigen Verhandlungsgegenitande haben totr bereits berichtet.


