Ausgabe 
8.1.1903 Zweites Blatt
 
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Latbeffanb ergab, der sich tirte evr vvmnem Heft Dte Seiden fahrenden" Musikanten waren nämlicfi, wie die Kvcherner Zeitung schreibt. Geisteskranke, die in der Nacht vom ersten auf den zweiten Weihnachtsfeiertag ans der Irrenanstalt in Frankfurt a. M. entsprungen sind. Im Besitze hinreichender Geldmittel fuhren sie mit der Bahn über Koblenz, Trier und Luxemburg, nach Longwy, ließen sich dort für die Fremdenlegion anwerben imb wurden sofort ein gekleidet. Sie flüchteten dann vor einigen Tagen und wurden in Karden von ihrem Schicksal ereilt. Tie beiden Ausflügler wurden durch Beamte der Frankfurter Irrenanstalt abgebolt.

* Die städtische Verwaltung ohne Geld. Wie dem5X Bolksbl." von verläßlicher Seite mit geteilt wor­den ist, sind in München die städtischen Kassen in den letzten Wochen vollständig erschöpft gewesen- es war nicht einmal so viel Geld vorhanden, um die Gehälter aus­zahlen zu können, und konnte verschiedenen Kategorien, wie z. B. den Lehrern, ihr Geld erst dann ausbezahlt werden, als man vom Hause Warschauer u. Co. in Berlin von dem dort deponierten geringen Rest der vorjährigen großen Anleihe eine weitere Rate im Betrage von 500 000 Mark erhoben hatte. Daß Gehaltszahlungen aus Wnleihemitteln gedeckt werden müssen, ist wohl bis jetzt noch nirgends da- gewesen. Sollten die Dinge tatsächlich so liegen, wie sie hier geschildert sind, so würde das nicht von einer sorg­fältigen Verwaltung zeugen.

Die Neujahrsgrüße der Telegraphenämter. Um Mitternacht an der Jahreswende gehört der Telegraphen­draht einige Zeit den Beamten der größeren Telegraphen­stationen, die sich dann gegenseitig ihre Glückwünsche zusenden. München sandte beim diesmaligen Jahreswechsel Glückwunsch­telegramme nach Berlin, Dresden, Leipzig, Stuttgart, Karls­ruhe, Frankfurt, Konstanz, Bregenz, Salzburg, Innsbruck, Wien, Paris, sowie auch an bayerische Stationen und erhielt natürlich auch selbst zahlreiche Zusendungen. Nach Leipzig ging folgendes Telegramm ab:

,TaS klappert bei Tag und klappert bei Nacht, Hat nimmer Rast noch Ruh',

^Dirfpieten* undhorchen" mit fleiß'gem Bedacht Unb denken unS oft was dazu.

Der Text, wie ist er doch kunterbunt In wechselreicher Zeit

Dem Linen macht er das Glück wohl kund, Dem Andern viel Herzeleid.

Doch Euch, ihr lieben Kollegen wert, Euch sei im neuen Jahr

Nur Gluck und Heil und Freude bescheert! So wünscht es die Münchener Schar."

Von einem versuchten Raubangriff auf das Diamantenzimmer der Krönungsausstellung in Delhi, die am Sonntag durch den Vizekönig von Indien eröffnet wurde, berichtet dieDaily Mail". Der Versuch wurde von einer Anzahl Männer von dem afghanischen Stamme der PathanS ausgeführt, dessen Angehörige als be­rufsmäßige Diebe betrachtet werden. Sie hatten sich nach Verabredung in dem Juwelenzimmer zusammengefunden, wo Kostbarkeiten im Werte von ungefähr 6 Millionen Mark zur Schau gestellt waren. Bei Hellem Tageslicht gingen sie an die Ausführung ihres tollkühnen Planes. Die Polizei war jedoch auf Derartiges vorbereitet, da sie bemerkt hatte, daß feit einiger Zeit eine größere Anzahl PathanS in Delhi ein­getroffen waren. Infolge der Anwesenheit einer größeren Anzahl Polizisten im Juwelenzimmer, die, von den Juwe­lieren unterstützt, den Räubern entgegentraten, mißlang das Vorhaben, und nach einem Handgemenge wurden die PathanS aus dem Zimmer getrieben.

* Unkenntnis der Recht schreibun g hat einen lieberen Ehemann in der nördlichen Karrharde (Äpenrade) n große Verlegenheit gebracht. M hatte nach langem Nach­innen beschlossen, seiner Frau ein paar große Haus­egen (Bilder) zum Weihnachtsfeste zu schenken. Er be- teltte sie schriftlich bei seinem Kaufmann in der Stadt und freute sich herzlich, als das große Paket gerade in Abwesenheit ferner Frau eintraf. Er verwahrte das Paket an einem sicheren Ort und am Weihnachtsabend über­reichte er es freudestrahlend seiner Ehehälfte. Diese nimmt mit herzlichem Danke das Geschenk entgegen und öffnet voll Spannung das Paket. Doch sie glaubt ihren Augen nicht zu trauen und auch ihr Ehemann steht da mit einem keineswegs geistreichen Gesicht. Zum Vorschein kommen nämlich zwei große Sägen, wie sie der Tischler gebraucht. Der gute Ehemann hatte Haussägen statt Haussegen ge­schrieben.

* Auf dem Gornergrat. Herr v. Stritzow: »Nu ja, Jejend iS ja nich übel; aber wenn man sich die Berge wegdenkt was bleibt denn da?"

* Die Vorbedingung. Trunken blickten sie einander tn die Augen lange Zeit, aber er konnte nicht das rechte Wort finden. Da plötzlich machte er eine Entdeckung.Sie haben die reizenden Augen Ihrer Mutter," sagte er. Sie fühlte, daß es Zeit war, den Trumpf auszuspielen.Ich habe auch," sagte sie,das entzückende Scheckbuch meines Vaters." . . . Binnen 30 Minuten waren sie verlobt.

Univerjitüts-Uachrlchten.

Professor Dr. v. Esmarch. Am 9. Januar voll­endet der Nestor der deutschen Chirurgen, Prof. Dr. v. E s m a r ch zu Kiel das 80. Lebensjahr.

An der Berliner Universität hat sich heute Herr Dr. Otto 608er t mit einer Vorlesung über die indirekte Entfernungs- mefsuug als Prioatdozent in der philosophischen Fakultät eingesührt.

. Nach einer Meldung aus Breslau starb der Geheime Me- oizmalrat Universitätsprofessor und Direktor der kgl. med. Klinik Dr. Alfred Käst in Nizza.

Landwirtschaft.

ö, Jan. Heute wurde der Vortragskurs unter sehr zahlreicher Beteiligung, namentlich der rhemhessischen Land­wirte, »m großen-^aa le der Liedertafel eröffnet, Geheimrat HaaS begrüßte die Teilnehmer und Vertreter der Großherzoglichen Re­gierung, Oberregrerungsrat Hölzinger und Regierungsrat Frei­herr v. Stark, den Provinzialdirektor Frei Herrn v. Gag er n und den Vertreter des Wemhandlerverbandes Herrn Harth. Herr Oekononuerat Lichtenstein begrüßte als Präsident deS Landwirt­schaftlichen Provinzialvereins für Rheinhessen insbesondere die Teil­nehmer aus den beiden anderen Provinzen mrd gab seiner Genug­tuung Ausdruck, daß in dem Vortragsprogramm auf die landwirt­schaftlichen Verhältnisse der Provinz Rheinhessen ganz besonders Rücksicht oenommen ist. Als erster Referent besprach Prof. Dr. Kuli sch-KolmarNeuere Erfahrungen auf dem Gebiete der Keller­wirtschaft", dem ein Vortrag von K. H. Koch-Mainz überDie modernen Anforderungen an die Qualität des Weines" folgte. Wie uns mitgeteilt wird, hat das Programm des Vortragskurses )ür praktische Landwirte, der vom 7. bis 10. Januar in Mainz ftattflnbet, irr letzter Stunde eine Abänderung erfahren. Herr Dri

Rabe-Halle, der Direktor der LandnürtschaftSkammer für die Pro­vinz Sachsen, wird erst am SamStag in der letzten VortraaSstunde sein Referat über die Landwirtschaftskammerfrage erstatten; dagegen wird der Vortrag von Herrn Geh. Rat Wagner überAllerlei Düngungsfragen" am gleichen Tage um eine Stunde früher gelegt und das Referat des Herrn Professors Dr. Albert-Gießen aus dem Gebiete der ^Fütterungslehre" von SamStag auf Donnerstag den 8. Januar, vormittags 1L80 Uhr verlegt.

Krieskasten der Redaktion.

(Anonyme ««frage« bleiben unberücksichtigt.)

An mehrere Fragefteller. Wenn von gewißer Seite der Versuch gemacht wird, den unabhängigen »Gießener Anzeiger" mit den Bestrebungen deS Abg. Köhler zu identifizieren oder unser Blatt gar als dessen .Moniteur" hinzustellen, so ist das ein geradezu verwerfliches und aufTäuschung des Publikums berechnetes Beginnen. Dasselbe ist der Fall, wenn die von uns bekannt gegebene amtliche Drucksache Str. 74, die den Antrag Köhler über die Professur für Nationalökonomie an der hiesigen Universität betrifft, als ein _An- grifidartifel" deSGießener Anzeigers" bezeichnet wird. Man kennt ]ö die Quelle, aus der solche Anzapfungeii stießen, ganz genau; wir halten es aber nicht der Mühe wert, uns näher mit ihnen zu beschäftigen.

Arbeiterbewegung.

Uebcr beschlossene Lohnrednktiouen wird vom Niederrhein geschrieben: Sämtliche Sammetfabrikanten des Niederrheins haben eine Reduktion der Löhne in Höhe von 810 pCt. beschlossen, welche mit dem 16. Januar in Kraft tritt Diese Lohnreduttwn ist für die Arbeiter umso empfindlicher, als die Arbeitszeit schon vor sechs oder acht Wochen eine bedeutende Einschränkung infolge des schlechten Geschästsganges erfahren hat. In einzelnen Fabriken wird m jenem Bezirk weniger als 30 Stunden wöchentlich gear­beitet. Unter der Arbeiterschaft herrscht eine große Erregung über das einseitige Vorgehen der Fabrikanten. Die einzelnen Crgam- sationen werden in nächster Zeit zu der Angelegenheit Stellung nehmen.

Gerichtssaal.

Franyurt a. M., 7. Jan. (Kriegsgericht der 21. Division.) Biel erlebt hat der Musketier Wilhelm Eppinger von der 8. Komp. 88. Jnf.-Ne?ts. (Mainz^, seit er denbunten Rock" trägt. Im Jahre 1899 wurde er zum ersten Male fahnenflüchtig und ging ins Aus­land. Er kehrte jedoch bald mittellos nach Deutschland zurück und wurde wegen Fahneiislucht bestraft Am 23. März 1900 hatte er die Strafe verbüßt, und drei Wochen später, am 13. April 1900, wurde er abermals flüchtig. Ein Jahr lang arbeitete er in Luxem­burg als Gärtner, dannwalzte" er in das schöne Frankreich hinein. Dort verübte er eines Tages in trunkenem Zustande groben Unfug und fiel einem GenSdarm in die Hände. Er wurde mit Zurückschiebung über die Grenze bedroht, roenn er nicht einen Revers unterschreibe, daß er bei der Fremdenlegion ein­treten wolle. Eppinger unterschrieb und bald war er in Algier. Als Legionär gefiel es ihm noch schlechter als bei dem deutschen Militär. Deshalb machte er zwei Fluchwersuche, die aber vereitelt wurden und ihm u. A. drei Jahre Gefängnis eintrugen. Nachdem er ein halbes Jahr gesessen hatte, gelang es ihm doch noch zu ent­wischen. Ein Dampfer brachte ihn nach England und von da nach Dänemark. Von hier aus wurde er als mittellos nach Deutschland abgeschoben. In Kiel, wo ihn die Dänen ablieferten, saß er einen Monat unter falschem Namen hinter Schloß und Riegel. Dann bekannte er erst, woher er kam der Fahrt. Er wird zu andert­halb I a h r e n ® e f fi n g ni S und drei Wochen Haft verurteilt Außerdem ©ediert er die Kokarde.

Handel und Verkehr. Volkswirtschaft.

Wetzlar, 7. Jan. Bei Ausschüttung der KonkurS-Maffe der Firma Müller, Packard». Eie. werden 17,2 Prozent zur Verteilung gelangen.

Neueste Meldungen.

Origi«aldrahtmeld«ngen des Gießener Anzeiger.

Berlin, 8. Jan. Aus Tanger berichtet derSo tat- Anzeiger" Über die Wirren in Marokko: Gestern ging die französische beim Hose des Sultans attachierte Militär- Kommission nach Fez ab zur Ersetzung der mit der Instruktion der marokkanischen Artillerie betrauten Kom­mission. Sie wird von dem ersten Sekretär der französischen Gesandtschaft begleitet, der zwar private Interessen vor- schützt, tatsächlich aber eine besondere Mission seiner Re­gierung erfüllen durste. Wie dasselbe Blatt ans Paris meldet, gift der Weg von Tanger nach Fez jetzt als sicher. In Fez sind 4000 dem Sultan treue Reiter eingetroffen, die an dem bevorstehenden Sühne-Feldzug gegen Buhamara teilnehmen sollen. Dieser sammelt seine Streitkräfte bei Tazza. In seinem Lager herrscht angeblich Hungersnot. In derselben Angelegenheit berichtet noch die ,/Voss. Ztg." in Gibraltar: Hier steht man den Vorgängen in Ma­rokko sehr pessimistisch gegenüber. En.glische, portugiesische und spanische Kriegsschiffe liegen bereit. Tie englische Ad­miralität hält eine Intervention für wünschenswert. Gleich­zeitig wird gemeldet, daß unter den Rebellen Uneinigkeit herrsche und der Sultan daraus Vorteil zieht.

Berlin, 8. Jan. Nach dreijähriger Pause sollen in diesem Winter am Berliner Hofe die großen Festlich­keiten wiÄrer in vollem Umfange ftattfiubeu. Das erste Fest ist auf den 15. ifci. M. angesetzt. Ten Abschluß bildet am 24. Februar ein Fastnachtsball im königlichen Schloß. In dem bekannten Künstler-Prozeß Geyger- Klinger ist nunmehr ein neuer Termin zur Hauptver­handlung auf den 12. d. M. vor dem hiesigen Schöffen­gericht anberaumt. Alle Versuche, einen Ausgleich zwischen den Parteien zustande zu bringen, sind gescheitert. Nach einer Newyorker Meldung liegt der bekannte Komponist Sousa an einem schweren Lungenleiden darnieder. Sein Zustand soll hoffnungslos sein.

Berlin, 8. Jan. Die Berliner Handelskammer wählte für das Jahr 1903 zum Präsidenten den Geh. Kom­merzienrat Herz, zu Vizepräsidenten den Geh. Kommerzien­rat Arnold und den Generalkonsul v. Mendelsohn. Die Kammer setzte eine ständige Kommission zur Bearbeitung von Börsen angelegenhetten ein.

Lanau, 8. Jan. Bei der vorgestern und gestern statt- gehaoten Stadtverordneten-Ersatzwahl erhielt der sozialdemokratische Kandidat Reis 1278 und der Kan­didat der vereinigten bürgerlichen Parteien, Rotermundt, 1058 Stimmen. Mit Reis zieht der fünfte Sozialdemokrat in die Stadtverordneten-Versammlung ein.

Dresben, 8. Jan. Der Kronprinz wohnte gestern dem Gottesdienste in der Hofkirche bei. Als der Geistliche in seiner Predigt die Kronprinzessin erwähnte und zu Gott betete, sie auf den richtigen Weg zurückzuführen, schluchzte der Kronprinz mehrere Male laut auf.

London, 8. Jan. Nach einer Meldung aus Caracas ist es unmöglich, die Geschütze wieder nach Puerto Ca­bello zu bringen, da sie gegenwärtig von der venezolani­schen Negierung gegen die Revolutionäre gebraucht werden.

Varis, 8. Jan. Der Maxüneminister richtete an die Seebehörden ein Rundschreiben, in dem er mitteilt, bei allen Arsenalen und Werkstätten/ außerhalb der Häsen den

Achtstundentag einzufllhren, da sich der an mehrere« Stellen gemachte Versuch hiermit bewährt habe.

Madrid, 8. Jan. Tie Beerdigung SagastaU gestaltete sich zu einer großartigen Trauerkundgebung^oormr alle Bevölkerungsschichten teilnahmen. Truppen in Gala^ Uniform bildeten Spalier und schlossen sich später dem ge­waltigen Zuge an, dessen Spitze das gesamte Ministerium, die Kammer-Präsidenten, Prälaten und die Verwandten deS Verstorbenen bildete. Ter König hatte nach dem ^Berliner Tageblattt' Hellebardiere und berittene Leibgarde gesandt. Tie kirchliche Zeremonie vollzog der Bischof von Toledo. Tie Leiche wurde interimistisch in der Nähe des Monument- Prims beigesetzt.

Barcelona, 7. Jan. Der AuSstand bcrflru&r* leute wird immer ernster. Die Ausständigen begehe« Gewalttaten und versuchen den Ausstand w einem all­gemeinen zu machen. Die Polizei schützt die Freiheit der Arbeit. Dabei kommt es zu Zusammenstößen, wobei ge­schossen wird. Die Ausständigen haben die PettoleumdepotS der Nordbahngesellschaft unter Wasser gesetzt und drohen, sich an den auf verschiedenen Stationen lagernden Waren zu vergreifen. Zwei Oriinibomben, ähnlich denjenigen, welche das Unglück im Liceum verursachten, wurden auf einem Felde bei der Stadt aefunben. Die Entdeckung wird unter den gegenwärtigen Umständen als bedeutsam cm- gesehen. Der Gouverneur hat die Zusammenziehung der Bürgergarde angeordnet.

Wien, 8. Jan. Im Redoutensaal der Hofburg fand gestern unter dem üblichen Gepräge der Hofball statt in Anwesenheit des Kaisers, der kaiserlichen Familie, der Hof- und Staatswürdenträger, des Ministers deS Aeußern, Grafen Goluchowski, des Kriegsministers v. Pitreich, der Minister­präsidenten v. Körber und v. Szell, der österreichischen Minister, des diplomatischen KorpS, deS Hochadels, der Mit­glieder beider Hauser des ReichSradS, der Generalität u. s. w. Der Kaiser zog die meisten Mttglieder deS diplomattfchen Korps m3 Gespräch.

Wien, 8. Jan. Nach Genfer Privatdepescben ergaben sich in den gestrigen Verhandlungen ttvischen den Rechts­anwälten des Kronprinzen mrd der Kronvrinzesstni von Sachsen wesentliche Schwierigketten In der Frage der künstigen Stellung der Lronprinzessin als Mutter. Die Kronprinzessin verlangt weitgehende Zugeständnisse hinsicht­lich ihrer mütterlichen Rechte, insbesondere die ErlonbnrS^ wann und wo immer es ihr beliebt, ihre Kinder sehen yt können. Ter Kronprinz erklärt hierauf nicht eingehen «u; können. Tie Kronprinzessin gab die bestimmte schriftliche Erklärung ab, sie wünsche die völlige Auflösung inrer ©ge und werde sich dann mwerzüglich mit Giron verheiraten.

Wien, 8. Jan. Die ,N. W. Ztg." meldet aus Salz­burg: Gestern abend fand in der Kaiserlichen Familie ein Familienabend statt. Im Famllienrat wurde beschlossen, dem Erzherzog Leopold Ferdinand das ganzeErbtell ans- zuzahlen und alle Beziehungen mit ihm abzubrechen.

Belgrad, 8. Jccn. Die Regierung hat mtt 11 östrsich- ungarischen Fabriken die Lieferung von 4Q Millionen Stück Patronen abgeschlossen.

Konstantin opel, 8. Jan. Nachdem die Pkorte da-» von Kenntnis erhalten baden toiH, daß die Machte auf Vorschlag Rußlands und Oesterreichs beabsichttgeu, ein autonomes Macedonien ui schaffen, wäches von einem durch sie ernannten christlichen Gouverneur ver­waltet und konttolliert werden soll, geht die Pforte mtt der Wsicbt um, diesem Schritt der Mächte KnvorMkommen und für die von Christen überwiegend bewoHlten Poovtn^o christliche Gouverneure zu ernennen.

Pretoria, 7. Jan. Aus einem ihm zu Ehre» ver- anstatteten Bankett hiett Ehamberkain eine Rede> tu welcher er bemerkte, er und Milner Hütten sich über den Plan geeinigt, die Regelung der Entschädigungs-Anstzrüche zu beschleunrgen.

Peking, 7. Jan. Sämtliche Gesandten, mtt Ausnahme desjenigen der Vereinigten Staaten, unterzeichneten nunmehr die gemeinsame Note, in der China auf die durch baß Friedens­protokoll übernommene Pflicht, die EntschLdigungSzahlung auf der Goldbasis zu leisten, ernstlich hingewiesen wird.

Washington, 7. Jan. Der deutsche Botschafter Dr. v. H o l l e b e n, welcher an einem ernsten Jnfluenzaansaü ev» krankt war, suchte einen längeren Urlaub nach.

Washington, 8. Jan. Die Antwort Italiens auf die Vorschläge Castros ist hier eingegangen. Dem Ver­nehmen nach ist sie nach demselben Gesichtspunkt abgefaßt, wie die Antwort Deutschlands und Oestreichs, und wird, wie letztere, dem amerikanischen Gesandten Bowen zur lieber» reichung an Castro übermittelt werden.

Washington, 7. Jan. Präsident Roosevelt konferierte heute mit dem Sprecher Handersson Und dem Mitgliede des Repräsentantenhauses, Govemon, über die gegen die Trusts geplante Gesetzgebung. Es verlautet, der Präsident habe ihnen seinen Wunsch dargelegt, dass in der gegenwärtigen Tagung des Parlaments eine Gesetzgebung ein geleitet werde, die sich mtt dieser Frage befasse. Der Senatsausschuß für auswärtige Angelegenheiten genehmigte einen günsrig lautenden Bericht über den allgemeinen inter­nationalen Schiedsgerichtsvertrag, welcher auf dem jüngsten panamerikanischen Kongreß als wünschenswert bezeichnet wurde. Der Vertrag entspricht völlig dem Haager Schiede gerichtsvertrag, bezieht sich aber nur ans die westliche 5^alb kugel. Im Senat brachte Ho ar ein Gesetz gegen die Trusts ein. Das Gesetz bezweckt die Beschleunigung deS Verfahrens bei unter dem bestehenden Äntitrustgesetz an­hängig gemachten Klagesachen. Littlefield brachte int Repräsentantenhause ein ähnliches Gesetz ein.

Pitts bürg, 7. Jan. In der Nähe von DuqueSne stieß ein Passagierzug der Pittsburg-Virginia-Eisenbahn mit einem Güterzuge zusammen. Nach Berichten von Eisen- bahnbeamten wurden zehn Personen getötet und eine große Anzahl verletzt.

Telephonischer Kursbericht

. 85.26

3l/e% KeiohBanleJhe

do.

3«/o

102.70

91.95

102.55

91.90

101.35

99.80

103.35

4»/ Italien. Rente 4/»% Portugiesen \0j Portugiesen. . \% C. Türken Türkenluee . . .

S^/o Mexikaner . . 4Vs7c Chinesen . . Electric. Bchuckert . Nordd, Lloyd . .

Kreditaktien . . , Diakonto-Kommandit. Darmstädter Bank . Dresdener Bank . . Berliner Handelsgea. Oeeterr. Staatebalin . Lombarden « G-otthardbahn . . . Laurai ütte . . . . Bochum . . . . .

103.50

81*40

. 91.45 . 79.50 . 9520 . 21730 . 192.40 . 136.80 . 146. . 158.70 . 148.80 . 15.80 . 181.80 . 215.50

. 182.

3Vt% Konsole . 3°/<, do . . . 3Hessen . .

3 % Oberheseen

456 Oesterr. Goldrente

4/3% Oeeterr. Silber reute 101.10 4% Ungar. Goldrente, . . 101.65

4% tiriech. Monopol.-AnL 4V,% äussere Argentiner

44.80

Harpener......

Tendens; feet»

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