Jer hessische ^andwrrtschastsrat.
31/2 Uhr geschlossen.
Ist heute bereits i genommen worden.
•* In Amerika verstörbene Hessen. In Biddle- born fand man in seinem Brunnen ertrunken den Farmer John KrauS, der geistig nicht normal entwickelt war; es waren ihm zweierlei Medizin verordnet, beide von roter Farbe, die eine für äußerlichen und die andere für inner- lichen Gebrauch. Nach Aussage des Coroners hat der Verstorbene aus Versehen die verkehrte giftige Medizin getrunken und dann in der Verzweiflung bett unglücklichen Sprung ge
graster Schuppen und Speicher von dem Sturme vollständig heruntergerisien.
♦ Ein Anhänger bis über den Tod Aus London wird geschrieben: Einen intelligenten Wähler scheint der Bezirk Newmarket zu besitzen, in dem am Freitag ein Vertreter im Unterhause an Stelle des kürzlich verstorbenen Colonel Mc Calmont gewählt wurde. Der Mann war augenscheinlich von den bürgerlichen Tugenden und politischen Fähigkeiten des Verstorbenen so überwältigt, daß er den Verlust noch gar nicht faßen konnte, obwohl es eigentlich Zett gewesen wäre, und man hörte chn einmal über das andere mal rufen: „Ich wähle Mc Calmont, tot oder ! ebendig!" Seine konservativen Gesinnungsgenossen suchten ihn vergeblich davon zu überzeugen, daß ein lebendiger Mr. Brassey wertvoller sei als ein toter Mc Calmont, wenigstens für ihre Zwecke. Der intelligente Wähler blieb fest und gab seine schätzenswerte Stimme dem Kolonel, worauf er, wie der Bericht weiter sagt, „sich durch die üblichen Kanäle Trost einflößen ließ". — Die Geschichte erinnert an den deutschen Wähler, der sein Leben lang für niemand anders stimmte als für Bismarck.
• „Rebekkas Töchter" machen im Lande Wales wieder einmal von sich reden. In der Umgegend von Rha- yader, in der Grafschaft Radnop, konnte man in den letzten Tagen an den Manern merkwürdige Zettel sehen, auf denen geschrieben stand: „Rebekka und ihre Töchter werden sich um ?V2 Uhr auf den Felsen versammeln." Etwa hundert Frauen und Mädchen, den Kopf in Shawls gehüllt, die in einer Hand eine Laterne, in der anderen ein großes Messer halten, finden sich jeden Abend am Treffplatze ein, um gegen dis strengen Maßregeln Verwahrung einzulegen, die zum Schutze des Salms im Flusse Wye gegen die Fischdiebe ergriffen werden mußten. Die alten und jungen Weiber steigen hinab zu den Ufern des Flusses, spießen die durch das Licht der Laternen angelockten Fische auf und nageln sie an die Türen der Häuser, in denen die städtischen Beamten wohnen. Durch nächtliche Versammlungen dieser Art widersprachen die Bewohner von Wales schon seit 1843 allen Maßregeln der Behörden, die ihre Unzufriedenheit erregen. Im gegenwärtigen Fall sind „Rebekkas Töchter" wieder Siegerinnen geblieben; die drei Flußwächter wurden gründlich geprügelt; Verstärkungsmannschaften konnten im ganzen Bezirk kein Unterkommen finden, da sie niemand aufnehmen wollte, und ein Gastwirt, der gewagt hatte, ihnen zu trinken zu geben, sah am nächsten Tage „Rebekka und ihre Töchter" in sein Haus eindringen und, ohne zu zahlen, das ganze Bier austrinken, das sich in der Kneipe befand. ______________
Vermischtes.
"Die Unwetter an denWeihnachtstagen haben, wie der „Danz. Ztg." aus Riga mitgeteilt wird, viel mehr Menschenleben gefordert, als anfänglich schien. Es Haven insgesamt mindestens 100 Fischer ihr Leben emgebußt, ivährend anfangs nur von 50 Opfern geschrieben wurde. Aus Schlock wird gemeldet, daß dort gegen 60 Fischer sei fünf Tagen vermißt werden, die allem Anscheine nach während des Sturmes verunglückt sind, da vielfach schon die gekenterten Boote gefunden wurden. Im Lande selbst fehlt es ebenfalls nicht an Opfern. Durch herabgeworfene Schornsteine, umstürzende Bäume, abgedeckte Dächer wurden eine Reihe Menschen sehr schwer verletzt. So besonders in Riga, Mitau, Windau und anderen Plätzen. In Riga wurden die Dächer
Kunst und Wissenschaft.
— LeoucavalloS „Roland von Berlin" soll nun wirklich sertia werden. Einem Berliner Freunde sott der Komponist getrieben baden: „Ich komme im Mai nach Berlin und bringe den vollendeten '„Roland" mit." - Die Botschaft hör' ich roo^ 2_‘ Bierbaum alö Dramatiker. Otto Julius Bierbaum hat P;n nieraktiaes Schauspiel „Stella und Antonie" vollendet. DaS Stück - in Prosa - spielt in Schlesien im Anfang des 18. Jahrhunderts. Man wird ja sehen, wie dem Kling-Klang-Gloribusch- "nriker der Ausflug ins Dramatische bekommt.
— Die Berliner Sezession hat die Professoren Wllhelm Trübner und Louis Tuaillon in den Vorstand gewählt. — Die Berliner Nationalgalerie hat ein großes Bild Wilhelm Trübners, das Portrait des Mannes im grünen Sessel, durch Ankauf erworben.
— Wetterdienst und DvurtsttL Zu einem «Vortrag über diesen Gegenstand hat für heute abend die Sektion Gießen t>eS Alp envereinis nach ihrem- Sektionölokale (Weidig) eingeladen. Ter Redner, Oberlehrer Freybe aus Weilburg, Leiter der dortigen meteorologischen Station und Herausgeber der bekannten, in unserem Blatte bereits erwähnten Wetterberichte und Wetterprognosen, wurde in der Testen Zeit wiederholt durch besondere Aufträge zur Abhaltung von „Wetterkursen" an ber Berliner Landwirtschaftlichen Hochschule ausgezeichxnet. Da der Vortrag von allgemeinem Interesse sein dürfte, teilen Vir auf Ersuchen gern, mit, daß auch Richtmitglieoer als Gäste willkommen sind.
- Der hessische Fechtverband „Waisenschutz" Gießen hat der Bürgermeisterei hier zu Weihnachten 1902 einen Waggon Brikett frei hiesiges Bürgerhospital im Werte von ca. 135 Mk. mit dem Wunsche zur Verfügung gestellt, s >lche an Familien zu verteilen, in welchen ein Familienhaupt verstorben sei und Halbwaisen vorhanden sind. Es konnten
Gerichtssaal.
B. Gießen, 6. Jan. Strafkammer. Ter 24jährige Tag- lohner W. aus Ossenheim bei Friedberg, der bereits zweimal wegen Diebstahls vorbestraft ist, hat sich wegen dreier im Oktober und November 1902 in Friedberg begangenen Diebstähle zu verantworten. In der Nacht vom 17. auf 18. Oktober hat er tn dem Himerhaus deS Wirtes K. in Friedberg, bei dem er bedienstet war, dem Schweizer S. gehörige Papiere aus dessen Schlafzimmer entwendet. Ferner har er am 23. November in der erwähnten Wirtschaft ein Paar Schuhe weggenommen, die ein gewisser Sch. ausgezogen hatte, um sie zu trocknen. Endlich hat er am 22. November sich eine fernem Stiefvater W. gehörige Weckeruhr angceignet. Der Angeklagte hat sich für feine Handlungen verschiedene Erklärungen zurechtgelegt, denen jedoch vom Gericht fein Glauben beigemeffen wird, zumal sie durch die bestimmten Angaben der Zeugen widerlegt sind. So behauptet er, die Uhr, die er sich angeeignet haben soll, fei sein Eigentum gewesen oder er habe sie wenigstens für fein Eigentum gehalten, ine Wegnahme der Schuhe des Lch. habe lediglich cm Scherz fein sollen; auch habe er sich die Papiere des S. nicht aneignen wollen, vielmehr habe er sich für berechtigt gehalten, die Papiere an sich zu nehmen, da er schon mehr im Auftrag des Wirts K. die Papiere der Gäste entgegengenommen. Da sich alle diese Angaben als leere Ausreden herausstellren, wurde der Angeklagte der drei Diebstähle für schuldig erkannt und tn eine Gesamlgefängnisstrafe von 10 Monaten verurteilt. - Der 42 Jahre alle Taglöhner W. aus Obersinn, zuletzt m Nieder-Esch- bacb wohnhaft, ist der Urkundenfälschung und des Betrugs beschuldigt. Der Angeklagte lag im Juli oder August v. I. mit dem Dienstknecht H. von Ober-Erlenbach zusammen im Hospital zu Lilbel. Bei seiner Entlassung schrieb er un Auftrag mid nach
than. Der Verstorbene wurde am 1. Dezember 1850 in Hessen-Darmstadt geboren und kam im Jahre 1852 mit seinen Eltern, Daniel und Katharina Kraus, nach den Vereinigten Staaten. — Frau Elisa bet Schneider, geb. Stock, Witwe von Georg Schneider, 87 Jahre alt, gebürtig aus Wallbach, starb zu Wallace, Ont. — In Elain starb, 77 Jahre alt, gtau verw. Marg. Bode, geb. Kammeter, gebürtig aus Hessen-Darmstadt. — Aus Darmstadt stammend ist zu Day- ton im Soldatenheim Heinrich Stössel im 68. Jahre gestorben. — Im Alter von 71 Jahren starb in Chicago Valentin Wildner. — In Albany verschied Katharine Hook, geb. Heiser, im Alter von 82 Jahren. — Heinrich Doreider, geb. 1831 zu Wendelsheim, kam als 6jähriger Knabe mit seinen Eltern nach Amerika; er starb in Defiance. — Wllhelm WeiSheimer, auS Eppelsheim stammend, verstarb im 5S.Jahre zu HillStown, — In Troy, JlO, starb Frau Elisabet Eckert, geboren in Hessev-Darm- stadt, im Alter von 68 Jahren.
)( Grohen-Buseck, 5. Jan. Heute verschied infolge eines Schlaganfalles oer Pfarrer De ich er t hier. Sein Tod wird nicht allein in unserem Orte, sondern auch tu de« Filialen, welche er besuchte, aufs tiefste betrauert.
Darmstadt, 7. Jmr. Im Ho ftheater ging gestern abend Maeterlincks vielbesprochenes Schauspiel „MW n n a Vanna" zum ersten Male tn Szene. Tie Wirkung des Stückes ist mehr auftegend racks ergreifend, der Schluß insofern nicht befriedigend, als die ganze Handlung auf einen tragischen Ausgang sich zuspitzt und man an einen versöhnlichen nicht recht glauben' kann. Nicht yim wenigsten verdankt das Stück seinen Erfolg der geschickten Technik, obwohl gerade der undramatischste Akt, nämlich der zweite, mit dem Zwiegespräch Bannas und Prinzivattis im Zelte inhaltlich der schönste ist. Tas Publikum folgte der Aufführung mit größter Aufmerksamkeit unb nabnt das Stück beifällig, wenn auch nicht gerade enthusiastisch auf. Tis Hauptrollen wurden von Irl. Eichelsheim (Äanna) und den Herren Friedrich (Guido), Hacker (Prinzivalli) und Wagner (Marco) gespielt. Für die Szene in Prinzivattis Zelt waren von Herrn Hoftheatermaler Kempin neue, prachtvolle Tekorationen.Mernalt worden.
33 Familien bedacht werden.
** Die Witterung der letzten Tage zeigt im allgemeinen trotz lebhafter Schwankungen eine erhöhte Wärme. Ter Thermometer erreichte am Tage eine Höhe von 9Vz Grad L. und sank während der Nacht bis 2.3 Grad C. Ta die Influenza und ähnliche Krankheiten zurzeit hier sehr heftig auftreten, ist größte Vorsicht geboten. Insbesondere sei davor gewarnt, zu leichte Kleidung zu benutzen.
** Ueber die Wippenbacher Mineralqu eile in Selters bei Ortenberg, über deren Erbohrung wir bereits berichteten, wird unL beute noch geschrieben: Nicht Profeflor Lepsins auS Darmstadt, wie irrtümlich gemeldet worden war, sondern Professor Tr. Chelius, Großh. hessischer Oberbergrat aus Darmstadt hat am 23. Dezember die Quelle besichtigt und geprüft. JSinc ^veite Tiesbohrung
Der Hess. Landwirtschastsrat trat am 5. Januar in Darmstadt im Landtagsgebäude zusammen, um eine umfangreiche Tagesordnung zu erledigen. Nach geschäftlichen Mitteilungen wurde die Ersatzwahl für die aus Gesundheitsrücksichten ausgetretenen Mitglieder Hirsch und Möllinger bekanntgegeben, die Rechnung des Hess. Landwirtschaftsrates pro 1000/1901 vorgelegt. Der Erhöhung der Dotation des Landwirtschaftsrates für 1093/04 konnte von feiten der Regierung nicht stattgegeben werden, die Provinztalvereine werden daher in die Lage kommen, den Landwirtschaftsrat bei der Durchführung dringendster Maßnahmen aus ihren Mitteln zu unterstützen. — Die Schaffung einer berufsständigen Vertretung für die hessische Landwirtschaft, b. h. «die Errichtung einer LandwirtschaftLkanrmer wurde nach dem Bericht des Ausschusses 1, der sich im wesentlichen dem Regierungsentwurf anfchließt, nach längerer Auseinandersetzung gutgeheißen. — Danach kam der Antrag des Vorsitzenden des Ausschusses für Handel, Verkehr und Versicherungswesen betreffeno die Bekämpfung der Beschlüsse der Handelskammern über beit Verkehr mit Kleie zur Verhandlung. Nach diesen Beschlüssen sollen in Zukunft im Handel Kleie heißen die Rückstände eines marktgängig gereinigten Getreides bei der Mehlbereitung. Reine Kleie, die als Viehsutter verbraucht wird, besteht aus den zahlreichen Häuten des Getreide ko rnes. Tas, was die Handelskamniern und mit diesen der deutsche Handelstag in Zukunft Kleie nennen will, würde bestehen aus den Samenschalen des Getreidekornes und den sonstigen Abgängen, die sich bei der nochmaligen Reinigung des marktgängigen Getreides in den Mühlen vor dem Vermahlen ergeben. Das sind Unkrautfämereien, Schmutz rc. Wenn diese Abgänge — wie das vielfach heute schon geschieht, fein gemahlen und unter die Kleie gemischt werden, so wird die Kleie dadurch minderwertig unb für die Tiere schädlich. Es ist selbstredend, daß sich die Landwirte dagegen wehren, eine solche gefälschte Ware als Kleie dem Muller und Kindler abzunehmen. Der Hessische Landwirt- schaftsrat beschließt einstimmig dem Mirage: Der Hes.
Wiiversstäts-Nachrichten.
— Arthur a u tz f ch, Professor der Chemie in Würzburg nahm den Ruf als Nachfolger von Wislicenus an die Universität Leipzig an.
— Dr. Wilhelm Pfitzner. a. 0. Prof, unb Prosektor des anatomischen Instituts in Straßburg i. E., ist im Alter von 49 Jahren gestorben. .
— Privatbozent Dr. Karl H a m p e in Bonn ist als Nach- olger bes nach Berlin berufenen Professors Diedrich Schäfer zum ordentlichen Professor der Geschichte in Heidelberg ernannt roorben. ^ferrt Lafitte, Professor am College be
France in Paris, ist gestorben.
— Die staatSwtssenschaftliche Doktorwürde (doctor rerum poHtlcarum) soll in Preußen zum ersten SDlale von der rechts- unb staatSwissenschaMichen Fakultät her UniveStät Münster verliehen werden. — Die Universitäten Straßburg, München und Tübingen haben bekanntlich schon eine eigene staatSwissenschastlich, Freibiirg und Würzburg eine rechts- und staatSwissenschastliche Faiultüt. Die Bestimmungen, unter denen Munster den ftQatSTOlgenlcbaft- lichen Doktor verleiht, lauten nach der „Rhem.-Westf. Ztg. fol- aendermaßen : Die Bestimmungen über den Erwerb der juristischen Doktorwürde finden auf die staatswissenschaftliche (doctor rerum politicarum) jedoch mit folgenden Eichungen Zuwendung t 1 Der Bewerber hat in der Regel den Nachweis eines dreijährigen akademischen Studiums zu fuhren, innerhalb dessen er sich mit den Staaiswissenschasten eingehend beschäftigt hat. 2. Die Dorjulegenbe Doktorarbeit (Dissertation) muß einen Itaatswissenschaftlichen Gegenstand behandeln. 3. Die mündliche Prüiung erstreckt sich au allgemeine und spezielle Volksw.n chaftslehre, Finanzwissenschaft und Statistik, allgemeine Staats- und Gefellfchaftslehre, sowie die Grundzüge des Staats- und Verwaltungsrechts.
Landwirtschastsrat wolle die Beschlüsse der Handelskammern I bekämpfen dadurch, daß er den Deutschen Landwirtschafts- i rat ersucht, Schritte bet der Reichsregierung zu tun, bamit rem Beschluß deS Deutschen Handelstages die Anerkennung ; versagt werde, zuzustimmen. — Auf Antrag des 1. Vize- ' wüfidenten wurde nun über Punkt 10 der Tagesordnung: < Angriffe, betreffend die Verwendung der Staatsmittel für Förderung der Viehzucht zunächst verhandelt. Diese Angriffe, die tn öffentlichen Reden zum Ausdruck kamen und 1 n zahlreichen Blättern des ganzen Landes verbreitet tour- ren, richteten sich allgemein gegen die tn unseren landtoirt- chaftlimen Vereinigungen selbstlos tätigen Mitglieder. Es waren oie Herren Fabrikant Ntk. Reinhart und Freiherr v. Hehl zu Herrnsheun, die sich in öffentlichen Reden über )ie verkehrten Viehzuchtbestrebungen im Lande und be- onders über die Verschwenoung der Staatsgclder bei jenen Bestrebungen ausließen. So berichtete die Nr. 252 der „Wormser Zeitung^ nach der Rede des nationalliberalen Mgeordneten Reinhart: Verschwendung (staatlicher Mittel) ei nur auf landwirtschaftlichem Gebiete eingetreten, hier habe man 150 000 Mk. für Viehzucht ohne jegliche Kon- trole der Stände und der Regierung für die Verwendung dieser Summen zum Fenster hinausgeworfen. — Freiherr v. Hehl zu Herrnsheim äußerte hierzu nach der „Wormser Zeitung": Für Simmenthaler Vieh sind in dem letzten Jahre 150 000 Mk. aufgebraucht worden, wie Herr Reinhart mitteilt. Ich muß aber konstatieren, daß nach meiner Berechnung — und ich bin Mitglied des Finanzausschusses der ersten Kammer — bisher ein Betrag von einer Million aufgewendet worden ist. Diese Million ist größtenteils ver- chwendet. — Es würde hier zu weit führen, alle die unwahren und unrichtigen Behauptungen jener Herren, die auch in der Presse Aufnahme fanden, hier wiederzugeben. Der Ausschuß für Viehzucht hatte eine Resolution, die sich gegen die Ausführungen der genannten Herren richtet, vorgeschlagen, dieselbe kam zur Verlesung und wurde zur Besprechung gestellt. Ehe der Vorsitzende die Diskussion eröffnete, kam ein inzwischen eingelaufenes Schreiben des Abgeordneten Reinhart zur Verlesung, in welchem derselbe dem Hess. Landwirtschaftsrat gegenüber erklärt, daß seineAeußerungen,diehessischenVieh zücht s- bestrebun-gen und die Verwendung der Mittel betreffend, nicht richtig seien, daß er geirrt habe, er sei nicht richtig informiert gewesen und nehme seine Aeußerunge n zurück Der Hess. Landwirtschaftsrat erkannte an, daß die eingebrachte Resolution unter diesen Umständen sich nicht mehr gegen den Abgeordneten Reinhart richten tonne, sondern nur noch gegen Herrn v. Hehl. Man trat in die Besprechung der Resolution ein, die naturgemäß einen ziemlich erregten Verlauf nahm. Es wurden besonders von zwei Rednern die großen Verdienste des Frhrn. v. Hehl um die Landwirtschaft hervorgehoben und deshalb eine schonendere Fassung der Resolution befürwortet. Von anderer Seite wurde dagegen geltend gemacht, daß man von dem Frhrn. v. Hehl, der Mitglied der 1. Kammer und Mitglied des Finanzausschusses derselben sei, und der ausdrücklich hervorhob, daß er deswegen gut unterrichtet sei, habe erwarten dürfen, daß er bei seinen Behauptungen nicht unrichtige Zahlen anwende. Daß er die Erfolge der Viehzucht im Lande, auf die die hessischen Landwirte stolz seien, habe kennen müssen, wenn er darüber habe öffentlich sprechen wollen. — Die Resolution gelangte schließlich zur Annahme gegen eine Stimme. Die Resolution sowohl tote die ganze Verhandlung wird nach den stenographischen Berichten tu der landwirtschaftlichen Zeitschrist veröffentlicht werden. — Da der Abg. Reinhart seine viel schwächeren Ausführungen als irrige anerkannt, ist Frhr. v. Hehl eigentlich gar nicht in der Lage, seine noch weitergehenden Be- chuloiguugen auftecht erhalten zu können. Ob er das anerkennen wird? — Die Maßnahmen zur Förderung der Zucht aus Leistung wurden nach dem Bericht deS Ausschusses für Vtchzncht gutgeheißen. Beschlußfassung über die Wänderung bei Bestimmungen betreffend bte Verwendung der Staatsmittel für Förderung der Viehzucht mußte ausgesetzt werden. — Dre Beschickung der Wanderausstellung der deutschen Landwirtschaftsgesellschaft in Hannover 1903 wurde endgültig beschlossen, ebenso die Be- chickung der Allgemeinen Ausstellung für hygienische Milch Versorgung in Hamburg 1903. Die Punkte 11 und 12 der Tagesordnung betrafen die Maßregeln zur Förderung des Ackerbaues und die Maßnal)men zur Bekämpfung der Feldmäuse. Diese Nagetiere haben seit dem Monat Jul: vorigen Jahres bis in die neueste Zeit in der Provinz Rheinhessen besonders übel gehaust. In sehr vielen Gemarkungen sind die Kleefelder vollkommen verwüstet oder überaus stark beschädigt, sodaß viele Landwirte Rauhfutter im kommenden Jahre kaufen müssen, um ihren Rindviehbestand ausreichend ernähren zu können. Auch die Wintersaaten sind stark mitgenommen und müssen hier und da ganz umgepflügt werden. Den besten Erfolg bei der Vertilgung der Schädlinge hatte man durch das Giftlegen. Da das aber nicht allgemein geschah, batten die Einzelnen, die ihre Kulturen damit zu retten suchten, keinen vollen Erfolg. Die Kreisämter lehnten es in einzelnen Fällen ab, das Legen von Gift allgemein anzuordnen, und merkwürdigerweise wurde die ablehnende Haltung damit begründet, etwa leichtfertig gelegtes Gift könnte dem Wilde Nachteil bringen. Der durch die Mäuse angerichtete Schaden in Rheinhessen und in Teilen der Provinz Oberhessen ist auf über eine Million Mark angeschlagen. Die Bekämpfung der Mäuseplage sott in der Folge durch ein Jnfekttonsver- fcchren, das im großen Maßstabe durchzuführen ist, geschehen. Der Hessische Landwirtschastsrat beschließt die emlettenden Schritte, um für die Folge gerüstet zu sein. — ^nt Mai wird der 100jährige Geburtstag Justus v. Liebrgs in Darmstadt festlich begangen werden. Der Hessische Landwrrt- i jchastsrat beschließt, sich namens der hessischen Landwirte ; an der Feier zu beteiligen. — Die Sitzung wird nachmittags


