Erstes Blatt
ISS Jahrgang
Domrerstag 8. Januar 1903
siehenerAnzeiger
6U? General-Anzeiger **
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
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indischen Tienern in prächtigen Gewändern sorgten für die Bequemlichkeit der Gäste.
vohlenschwarze riesige Nubier in und Turbanen aus
Nr. 6
»rschetnt täglich außer Sonntag?.
Dem (Siebener Anzeiger ^werden im wechsel mit dem Kesstichcn Landwirt die Glehener Familien« blätter viermal in der Woche beigelegt.
Rotationsdruck u. Verlag der Brühl'ichen Unioers.-Buch» u. Stern- druckerei(Pietfch ErbenZ Redaktion, Expedition und Druckerei:
Gchulstraße T.
Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen.
tzernsprechcmschluß Nr. bl.
— Die nächste Sitzung der medizinischen Gesellschaft findet am Dienstag, den 13. Januar im Hörsaal der chirurgischen Klinik statt. Vorträge werden gehalten von Herrn Prof. Leutert: „lieber otitische Pyämie", und von Herrn Dr. Klßkalt: „Ueber den gegenwärtigen Stand der Jmmunitätslehre." Aerzte sind als Gäste willkommen.
** Personalien der Ober-Postdirektion Darm- stadt. Verliehen ist: Von Sr. Maj. dem Kaiser dem Ober-Postsekretär Bernhard in Gießen der Charakter als Rechnungsrat; von Sr. Kgl. H. dem Großherzog dem Postsekretär Kohl in Mainz da§ Ritterkreuz 2. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen, dem Postpack- meister Zeisler in Mainz und dem Postschaffner LangS- dorf in Bad-Nauheim das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift: »Für langjährige treue Dienste"; allen dreien bei ihrem Scheiden aus dem Dienste. Versetzt ist: der Postassistent Wolf von Mainz nach Worms. Etats mäßig angestellt ist der Telegrafen-Hilfsmechaniker Laurens in Mainz als Telegrafcnmechaniker. Angenommen ist zum Postgehilfen der Realschüler Diry in Worms, zum Telegrafengehilfen der Realschüler Jochem in Mainz, als Tele- grafengchilfin Elisabeth Uhrig in Offenbach, zum Postagenten der frühere Landbriesträger Götzenleuchter in Bechtheim und der frühere Telegrafenassistent Karg m Hetzbach. Bestanden haben die höhere Verlvattungsprüfung der Postprakttkant Quenzlein in Gießen, die Telegrafensekretärprüfung der Ober-Postassisient Krämer in Darmstadt. Freiwillig ausgeschieden sind die Telegrafen- gchilfinnen Hitzel in Bingen, Schenk in Bad-Nauheim und Villinger in Offenbach, sowie der Postagcnt Möser in Bechtheim.
Aus Stadt und Zand.
Gießen, den 8. Januar 1908.
•* Gedenktage. Drei Reichsheere erlagen am 8. Januar 1422 der ungestümen Kraft der Hussiten bei Deutsch-Brod, die nicht nur in die böhmischen Kirchen und Klöster die Brandfackel warfen, sondern auch verheerend in die Nachbarländer eindrangen. ZiSka, des blinden Heerführers Name, war der Schrecken der Nationen. AuS Mangel regelmäßiger Waffen ergriff eine große Zahl des Volkes hölzerne Keulen, Feuerhaken, Dreschflegel. Ziska nannte sich „Johann Ziska von Kelch, Hauptmann m der Hoffnung GotteS der Taboriten".
bestreut mit goldschimmerndem Saude, die Erfrischungen von unbeschreiblicher Mannigfaltigkett, und die ganzen Anordnungen feenhaft schön wie im Märchen aus 1001 Nacht. Am Eingänge ftonit die berittene Leibwache des NizamA "ge Nubier in goldströmenden llnifiormen f weißen Pferden, und Hunderte von
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In dieser Beziehung wird die Mitteilung interessieren, daß heute schon für kleine Kreuzer Längöabmessungen gewählt werden, die diejenigen der Linienschiffe der ,^8randen- burg-Klasse übertreffen. Darauf gründet sich auch die Vermutung, daß die letztgenannten Schiffe, solange die parlamentarische Bewilligung beS neuen Auslandsgeschwaders aussteht, im überseeischen Dien st Verwendung finden sollen, in dem sie sich — Aktion gegen China — bereits bewährten. Tie Baukosten der großen Kreuzer also haben sich denjenigen der Linienschiffe einigermaßen genähert; die „Spannung" — von der Armierung abgesehen — beträgt gegenwärtig etwa 4 Millionen Murrk. Ter stärkere Pan^erschutz, den die neuen Linienschiffe erhalten sollen, dürfte die Spannung nicht erheblich verschieben.
Ter Marmeetat für 1903 fordert wettere 450 000 Mk. für ein zweites Flußkanonenboot. Hier liegt eine Preiserhöhung vor, denn ursprünglich waren die Gcsamt- baukosten aus je 400 000 Mk. veranschlagt. Tiefe Fahrzeuge sind bekanntlich dazu bestimmt, die deutsche Flagge auf den großen Strömen Chinas zu zeigen und ins Land hinein- zuttagen, soweit die deutschen Interessen es erforderrr. Es wird beim Bau aus möglichst geringen Tiefgang Bedacht genommen, aber auf starke Armierung mit Schnellfeuergeschützen und Maschinengewehren. Tas bereits auf der ostasiatischen Station befindliche Außenboot hat den gehegten Erwartungen entsprochen.
Gemäß den Bestimmungen des Flottengesetzes enthält der neue Marineetat auch die erste Rate für eine weitere Torpedobootsdivisivn. Tue Gesamtkosten für solche Tiviswn belaufen sich auf rund 5 Millionen Mark. In den letzten Jähren sind die Anschlagssummen für diesen Schiffstyp gleichfalls erhöht worden, weil man den Bau der kleinen S-Boote, der ursprünglichen Repräsentanten der Torpedo- klasse, sistiert hat, und die Tivisionen nur noch aus großen Hochseebooten zusammensetzt. Tie S-Boote können für ^bx§» bildungszwecke noch auf Jahre hinaus verwendet werden.
Tie finanziellen Wirkungen der Venezuela-Aktion zeigen sich im Etat bei den fortdauernden Ausgaben. Hier ist bei dem Titel ^Jndiensthaltungen" eine Mehrfvrderung von fast zwei Millionen Mark eingestellt Tie dem Reich durch diese Aktion entstehenden Kosten werden aber einigermaßen ausgewogen durch die vom Kriegsschiff ,Ma- zelle" bewirkte Besitzergreifung des venezolanischen Kreuzers „Nestauraovr", der militärischen Wert hat und als S. M. Schiff dem ostamerikanischen Geschwader einverleibt werden dürste.
Ans dem ReichShauShaltSelat.
Ueber den Entwurf des Etats der Reich spv st- und Telegraphenverwaltung bringt die „Nordd. ßlllg. Ztg." nähere Mitteilungen, von denen von allgemeinem Interesse insbesondere diejenige ist, daß als einmalige Ausgabe des außerordentlichen Etats rund 22 Millionen für Fernsprechzwecke verlangt werden. Tankenswert energisch wird in Deutschland an der Ausgestaltung des Ferniprechwesensl lAearbeitet. Anzuerkennen sind auch die auf Vervollkommnung der Apparate gerichteten Bestrebungen. Noch steht das l an tsp rechende Telefon auf der Wunschliste; dieser Apparat existiert, und man konnte sich aus 'der Berliner Feuer-Schutz-Ausstellung davon überzeugen, daß er ün Stadtverkehr einwandsfrei funktioniert und das Gesprochene klar intb oeutlich vernehmbar wieder- giebt. — Aus dem Etat des Reichsamts des Innern ist hervorzuheben die erste Rate von U/s Millionen Mark für die Beteiligung des Reichs an der Weltausstellung in St Louis. Wiederum sind ferner 4 Millionen Mark ein- gesteNt im außerordentlichen Etat zur Förderung der Herstellung geeigneter Kleinwohnungen für Arbeiter und gering besoldete Beamte durch Gewährung von Darlehen au private und an gemeinnützige Unternehmungen sowie zum Erwerb geeigneten Baugeländes. Die Wohnungspolitik des Reiches hat sich im allgemeinen bewährt, und es fehlt nur noch als notwendige Ergänzung, daß das Reich wenigstens dre Grundzüge für eüt Wohnungsgesetz liefert und den Emzelstaaten die Ausführungsbestimmungen überläßt. Die Summe von 150000 Mk. ist ausgeworfen zur Forderung der Bekämpfung des Typhus. Dagegen ver- mißt man einen Beitrag des Reiches zur Bekämpfung der Krebskrankhett; die bisherigen wissenschaftlichen Forschungen haben das' Dunkel dieser verbreiteten und furchtbaren Krankheit nicht zu lichten vermocht. Endlich sei erwähnt, daß Reichsbetträge von 10000 bis 15 000 Mk. in Aussicht genommen sind für die Beteiligung an mehreren internationalen Kongressen von hervorragender Bedeutung.
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WUtische Tagesschau.
Neues vou der Marine.
Aus Fachkreisen wird uns geschrieben:
Seitdem das Flottengesetz in Kraft getreten ist, hat der Reichstag bekanntlich nicht mehr darüber zu entscheiden, wieviel Kriegsschiffe alljährlich auf Stapel zu legen sind. Maßgebend sind allein die Bestimmungen des Gesetzes, die dahin lauten, daß alljährlich im Durchschnitt zwei Linienschiffe und ein großer Kreuzer in Angriff genommen werden sollen. Auch der Etat für 1903 fordert die entsprechenden drei Raten für Schiffe größeren Typs. Man begegnet des öfteren der Bemerkung, daß die Kriegsschifssbaut'osien zurzeit höher feien als in früheren Jahren. Tas trifft auf Linienschiffe nicht zu; es ist hier im Gegenteil infolge der niedrigeren Panzerplattenpreise eine Ersparnis von ungefähr einer Million Mark für jeden Neubau möglich. Lludererseits stellt sich der Bau der großen Kreuzer gegenwärtig teurer als sei.her, weit das Konstruktionsbureau des Reichsmarin-.'uu:to für oi.sen Schiffstyp immer größere Timensiouen zu Grunde legt.
Ale indischen Krönuvgssestltchkeite».
Don den indischen Kaiser-Festtagen in Telhi wird aus Telhi unter dem 3. Januar gekabelt: Die mit so nnge- heurem Prachtaufwande eingerichteten Festtage zur Feier der Verkündigung König Eduards alS Kaisar-i-Hind bilden cm? glänzende Häufung von ausgesuchter morgenländ-o'cher uno europäischer Prunffucht und Verherrlichung des englischen Königtums, wie eine solche Schaustellung nur in dem alten geschichtlichen Herrschersitz Delhi als Hintergrund erfolgreich angeordnet werden, kann. Ter Gegensatz zwischen den unsäglich kostbaren Gewändern und Kleinodren der indischen Großen, den glänzenden Uniformen der Europäer und den seinen, höchst zeitgemäßen Trachten der unzähligen herbei- geeitten englischen Damen machen das Bild der verschiedenen täglichen „Nummern" des großen FestplaneÄ unbeschreiblich farbenprächtig und blendend, wie cs die Welt schwerlich jemals gesehen hat.
Ter Vizekönig Lord Curzon bildet zwar den Mittel- punkt der Feftlichreiten, als Vertreter des englischen Königs und indischen Kaisers unb der englischen Regierung, aber
vezugSpret»: monatlich 7b öiertd-
iährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 6o Pf.; durch diePost Mk.2.— viertel- jährl. auSschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen für bte TageSnummer bis vormittags 10 Uhr. Zeilenpreis: lokal ILPs* auswärts 80 Pfg.
Verantwortlich für den polit. u. allgem. Teil L9L: Fr.Hannemann; für,Stadt xl Land* und -GerichtLsoal*: Curt Plato; für den Anzeigenteil: HanS Beck.
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Kolläadisch-deutsche Stimmungen.
Das in Utrecht erscheinende „Provencial En Stedelijk Dagblad" legt Gewicht darauf, daß eS schon seit langer Zeit gemahnt habe, aus den Ereignissen in Südafrika die für bte Niederlande erforderlichen Folgerungen zu ziehen. Neuerdings knüpft es an den Besuch der Burengenerale in Utrecbt wiederum die Mahnung an, aus dem Schicksale von Südaftika die Gefahren zu erkennen, welche dem Weiterbestehen des niederdeutschen Volkstums drohen, da in erster Linie Großbritannien, dann aber auch Japan und Austtalien als Feinde angesehen werden müßten, die gierig nach den holländischen Besitzungen ausschauen und eine Gelegenheit suchen und bei ihrer Uebermacht sicher auch finden würden, um Holland zu zerschmettern. Auch dann würden die Großmächte stillschweigend zuschauen und mit gekreuzten Armen den Untergang Hollands beobachten. Bei dieser Sachlage müsse das Utrechtsche Dagblad immer und immer wieder seine warnende Stimme erheben. Diese Warnung laute: „Sucht bei Zeiten Anschluß anstärkereFreunde und schafft auf eigenem Grund und Boden eine Bürgschaft gegen eine Wiederholung dessen, was da unten in Südafrika geschehen ist. Wendet die Äugen auf Eure germanischen Stammverwandten und festtgt in dem nichtigen deutschen Kaiserreich pflichtgemäß den Linker Eurer Unabhängigkeit." Gegen diese Warnung war jüngst eine Beschwichtigungsbroschüre des Generalleutnants Den Beer Poortugael erschienet:, die in dem bestehenden Völkerrecht einen Trost für die Holland drohenden Gefahren sand. Erklärlicherweise hält das Uttechter Dagblad das Völkerrecht für keinen genügenden Schutz des Schwachen gegen den Starken. Mer eS freut sich, mit dem Generalleutnmtt Den Beer Poortugael in den sollenden Gedankengängen übereinstimmen zu ldnnen:
^Für die erste Zett und in diesem Augenblicke ist eine politische Annäherutca zwischen den Niederlanden und Deutschland unmöglich. Solange die Haltung des Kaisers und die Gesinnung seines Volkes, mit welchem unser eigenes Volk so warm syntpathisiert, in der Bewunderung und in dem Mitleid en für die Leihen afrikanischen stammverwandten Völker, durch eine tiefe Kluft geschieden wird; und ferner, solange die Regierrrng des Deutschen Reiches der Volks- ftimme Schweigen aufevlegen und das Volksgewissen teil- lveise lähtnen kann, o lange können beide Staaten sich nicht bewußt werden des gemeinschaftlichen Ursprungs ihrer Völker. Aber wer darf es wagen, zu versichern, daß oies so bleiben wttd. Wer soll unö verbieten, der Hoffnung Ml leben, daß über kurz oder lang ein kräftiger Einfluß oe- Volkes auf die Regierung überspringen und die Harmonie Herstellen wird, welche filr die Festigung und bie Entwicklung dieses jungen Kaiserreichs so dringend notwendig ist.
Wemt diese Zett gekommen ist, wird die Gelegenhett nicht mangeln, um aus die Frage zurückzukommen, ob denn keine Möglichkett besteht, um unter Anerkennung unserer Unabhängigkeit eine internationale Annäherung vorzubereiten, welche einen Schild bieten kann gegen die keineswegs in der Einbildung schwebenden Gefahren der Zukunft. Inzwischen wollen wir Geduld haben und dieses Thema vorläufig ruhen lassen. Aber nicht ebenso wollen wtt es mit unserer eigenen Sache machen. Nach gemeinsamer Ueber- zeugung aller, die noch zu Fürst und Vaterland und die ebenso wie die Buren für das Bestehen ihres eigenen Volkstums Gut und Blut zu opfern bereit sind, besteht diese eigene Sache in der sorgfältigen Vorbereitung unserer Wehrkraft."
Mir betrachten diese und ähnliche Aeußemngen zunächst lediglich als Symptome einer Stimmung, die durch den südasrikanischen Stricg hervorgerufen ist und bei dem ausgesprochenen Selb ständig keits- und Unabbängigkeits- aesühl der Holländer kaum nachhaltig treibende Wurzeln fassen wird. Als Symptome Heben wir sie auch nur wieder. Die Zeit zu einer Union zwilchen Holland und Deutschland ist noch lange nicht gekommen; die Verhältnisse zwischen beiden sind zu ungleich, als daß aus einer Vereinigung irgend etwas Ersprießliches hervorgehen könnte, zudem aber ist die weltpolitische Situation jetzt und voraussichtlich auf längere Zeit hinaus derart, daß ein holländisch-dentsches Bündnis, es mag verklausuliert fein wie es will, auf die Konstellation zwischen den Mächten in einer Weise einwirken würde, die unter Umständen größere Gefahren in sich schließt, als sich auch nur vorausahnen läßt. Für Holland wird daher nach wie vor strikte Neutralitär in den weltpolitischen Fragen, soweit diese es nicht bireti angehen, die klügste Politik sein, und es wird dabei ganz gut fahren.
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der Herzog von Connaught, der früher Oberkommanbieren- der in Indien war uno jetzt mit feiner liebenswürdigen Gemahlin seinen königlichett Bruper persönlich vertritt, stellt an Volkstümlichkeit den sehr hochmütigen und etwas protzenhaft veranlagten Lord Curzon enffchieden in den Hintergrund. Besonders die indischen Fürsten und Prinzen logen sich darauf, das herablassende und gnädige Berho-lten deS Vizekönigs nach Kräften zu übersehen und ihre aany Aufmerksamkeit dem stattlichen, liebenÄoürdigen und sehr natürlich auftretenben Herzog von Connaught zuzuwonden^ während gleichzeitig die dutzendweise von England nach Telhi gekommenen Herzoginnen, Gräfinnen, Marquisen, Sabies usw. des englischen Lldels sich von vornherein sehr kräftig dagegen verwahrt haben, die Gattin bes Lord Curzon, geborene Leiter von Newyork (Schwester des bekannten Getreidehändlers Leiter) als ,>Vizekönigin" anzuerkennen und dieser sehr anspruchsvollen Tame irgendwie zu huldigen. Tie Damen des englischen Hochadels ließen es sich sogar nicht nehmen, vor Begttui der Festlichkeiten von England aus iMe amtliche Erklänmg tzu erwirken, daß die ,Lady Curzon", wie sich dies von selbst verstehe, durchaus keinen Rang bekleide, auch nicht neben ihrem Gatten in amtlicher Eigenschaft erscheinen dürfe mid sich bei dem Dur- bar usw. mit dem ihr als ,^Ladv" zukommenden Platz unter den übrigen Frauen von Lords begnügen müsse. Die Folge dieser Rangfragen ist, daß zwischen Frau Cur^n und den stolzen englischen Herzöginnen usw. durchaus Tein innige- Einverständnis in gesellschaftlicher Hinsicht besteht, daß die meisten der blaublutigen Damen von Alt-Enaland die Tochter des amerikanischen Emporkömmlings nach Möglichkeit übersehen und schneiden, und daß selbst der Vizekönig, der sich mit seiner Gattin schon auf ihren großen und glänzenden englischen Hofstaat gefreut hatte, sehr stark gegen bie englischen Besucher verschnupft ist.
Tie indischen Fürsten lassen sich die Gelegenheit nicht entgehen, ihrerseits große Privatfeste zu geben und besonders den Herzog und die Herzogin von Connaught zu bewirten. Ter Ni^am von Hyderabad, der „Premier-Fürsti', also der höchst stehende Prinz von Indien, veranstaltete am Samstag in Telhi eine Garten-Gesellschaft, bie ihm über 100 000 Lstrl., also über 2 Millionen Mark gekostet haben soll. Tie Erfrischungs-Zelte und Sonnendächer waren von herrlichster farbenprächtiger Seide mit Goldstickereien und ungezählten Blumen der kostbarsten Arten, Tische und Stühle aus Rosenholz mit echten Gold- und Ebelstein^er- zierungen, sämtliches Geschirr bis auf die Theetassen und NSlöfselchen aus reinem Gvlbe, die Teppiche und Vorhänge in ben Zetten von großartigster Arbett, die Gartenwege
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