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8.1.1903 Erstes Blatt
 
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Weisung der H. einen en bcffen Dtonstherrn Sch. tn Oder- Erlenbach, inhaltlich befien dieser an L>. etwas Fleisch, Wurp und Tabak schicken und zwar die Gegenstände ihm entweder selbst bringen oder einem Bierfuhrwerk auS Homburg mttgeben sollte. H. laS den Bries, unterschrieb ihn und gab ihn den; Angeschuldigten mit. Dieser fälschte den Bries nachher m der Weise, daß er zu den begehrten Gegenständen noch ,2 Ml." htnAufüate und außerdem den Erhalt dahin änderte, daß die Gegenstände ihm, dem Ueberbringer, eingehLndigt werden sollten. Der Angeklagte zeigte den Bries dem Adressaten Sch. vor und erhielt auch tatsächlich von ihm 2 Mk., etwas Schinken, Wurst u. s. w. Er behielt alles für sich, während der H. nichts von den Gegenständen zu sehen bekam. Der Angeklagte ist im wesentlichen geständig und wird zu 8 Monaten GesängniS verurteilt. Der Bergmann G. auS Potultza in Polen, 89 Jahre alt, in Utphe wohn­haft, hat gegen ein Urteil des Schöffengerichts Hungen, das ihn wegen Hausfriedensbruchs zu einer Geldstrafe von 10 Mk. ver­urteilte, Berufung eingelegt. Er war am 6. März 1902 mit mehreren polnischen Arbeitern zusammen in der Wirtschaft von B. in Trais-Horloff und benahm sich, ebenso wie die anderen, sehr roh und machte Skandal. Er wurde deshalb von der Wirtin wiederholt zur Ruhe vermahnt und nach ihrer Angabe auch auf- gefordert, das Lokal zu verlaffen, welcher Aufforderung er jedoch nicht Folge leistete. Da das Gericht nicht die volle Ueber- zeugung gewinnen konnte, daß eine bestimmte und unzwei­deutige Aufforderung an den Angeklagten zum Verlaffen deS Lokals erging und daß sie tn dem Tumult von ihm gehört wurde, aab es der Berufung statt und sprach den Angeklagten frei. Der bVjLhr. Gastwirt B. von Bellersheim ist der fahrlässigen Körper­verletzung angeklagt, da er am 26. September 1902 bei Ausübung der Hühnerjagd in Der Gemarkung Bellersheim den Taglöhner W. daselbst und deffen lljähr. Tochter, die auf dem Felde mit Kar­toffelausmachen beschäftigt waren, durch einen Schuß derart un­glücklich traf, daß W. eine Verletzung an der Hand und am Auge davontrug und infolgedessen etwa drei Wochen nur leichte Arbeiten verrichten konnte, wahrend die Tochter an der Hand und am Amt verletzt wurde. Daß eine Verletzung am Kopse des Kindes, die nach einigen Tagen vom Arzte konstattert wurde, auf jenen Schuß zurückzuführen sei, erachtete das Gericht nicht für sestgestellt. Der neben dem praktischen Arzt Dr. Saffert in Hungen als Sachver­ständiger zugezogene Prof. Dr. Sommer hier, der das Kind einige Zeit nach dem Unfall und unmittelbar vor der Verhandlung noch­mals untersucht hat, gab fein Gutachten dahin ab, daß das Mäd­chen einen dauernden Schaden nicht davontragen wird. In An­betracht der grobfahrlassigen HandlungSweife des Angälagten glaubte daS Gericht auf eine empfindliche Strafe erkennen zu fallen und verurteilte den Angeklagten in eine Geld st rase von 800 Mark.

Leipzig, 6. Jan. Das Landgericht I in Berlin hat am 17. Juli den Privatgelehrten H. von der Anklage des unlauteren Wettbewerbs freigesprochen. Auf Grund mehrerer von ihm erlaffener Zeitungsanzeigen hat die Berliner Aerztekammer Straf­antrag gegen ihn gestellt. H. befaßt sich seit Jahren mit der Hei­lung von Krankheiten. In seinen Anzeigen heißt es:Ohne Gift, ohne Schneiden; jedem noch so schwer Kranken kann ich zurufen: verzweifle nicht, ich heile!" Nachdem dann eine Reihe von Krank­heiten aufgezählt worden sind, heißt es:Verfahren sicher, einfach, billig, keine einseittge Wafferanwendung". DaS Urteil sagte: Der Tatbestand des § 4 des Gesetzes ist durch diese Anzeigen nicht er­füllt. Der Angeklagte hat nicht wider besseres Wissen seine Be­hauptungen aufgestellt.Ich heile" heißt nicht auchjeden Kranken". Der Angeklagte hat die Krankheiten ausgezähll, tn denen er Hei­lungen erzielt hat. Es ist noch nicht festgestellt, daß dieS nicht der Wahrheit entspreche. Die Ausdrücke,überraschende Erfolge, ver­blüffend, schnell und sicher" enthalten nicht die Behauptung von Tatsachen, sind vielmehr nur Urteile. Die Revision des Staats-

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Verhandlung vor dem Reichsgericht der

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allerdings die Feststellung, daß die Angaben des Angeklagten über fein Heilsystem nicht wider beffereS Wiffen gemacht seien, ebenso daß der Angeklagte in allen genannten Krankheiten Hellungen er­hielt bade. Aber daß die Heilungsicher" sei, ist kein Urteil, son­dern die Aufstellung und Behauptung einer bestimmten Tatsache. DieSicherheit" kann sich nur auf ben Heilerfolg beziehen und bedeuten, daß in jedem Falle ein Hellerfolg erziät werde. Das Reichsgericht hob das UrteU auf und verwies die Sache an das Landgericht zurück.

Der Pro»etz -ege« bett Bankier Gerhard Terlinden, der unter Anklage Der Wechselfälschung, deS betrügerischen Bankerotts und der Unterschlagung steht, und der in den ersten Tagen des neuen JahreS »ur gerichtlichen Verhandlung gelangen sollte, ist in letzter Stunde oiS zur nächsten Gchwurgenchtsperiode im Monat März d. I. vertagt worden. Terlinden, der schon bei seiner Fest­nahme in Amerika und während der langwierigen Auslieferungs­oerhandlungen allerlei Schwierigkeiten machte, spielt neuerdings im Untersuchungsgefängnis in Duisburg denwilden Mann" und verlangt energisch eine Beobachtung feines Geisteszustandes, da er die ihm zur Last gelegten Millionenfälschungen in völliger Unzurechnungsfähigkeit angeordnet haben will. Wie bekannt, be­diente sich Terlinden zur Ausführung seiner Schwindeleien des Buchhalter« KoSbath, der sich ebenfalls im Untersuchungsgefängnis in Duisburg befindet und Der inzwischen ein volles Geständnis dahin abgelegt hat, daß er nur em willenloses Werkzeug in ben Händen Terlindens gewesen sei. Nachdem durch die Untersuchung festgestellt worden ist, baß Terlinden selbst Bilanzfälschungen in großem Umfange vorgenommen hat, scheint es ihm das Beste zu sein, Geistesgestörtheit zu simul eren, um dadurch einer Bestrafung au entgehen. Unter diesen Umständen haben bereits ferne beiden Verteidiger tbr Mandat niebergelegt, und ba Terlinden auch die ihm weiterhin bestellten Anwalt« abgelehnt ober boch in einer Weise behandelt hat, daß sie von feiner Vertretung Abstand nehmen mußten, so hat die Staatsanwaltschaft im letzten Moment davon abgesehen, den Prozeß noch in der bevorstehenden SchwurgerichtS- periobe zur Verhandlung au bringen. Demnach dürfte der Fall Terlinden frühesten« im Marz aut Erledigung kommen. Von einer Ueberführung deS Angeklagten in eine Irrenanstalt zur Beobachtung seines Geisteszustandes verlautet bisher nichts.

Die Pflicht der Presse. Im Zeitungsverlag, dem Organ des Verein« deutscher ZeitungSverleger, findet sich folgender Pro- Aeßbericht aus Gera. Wegen Beleidigung desspiritistifchen Me­diums" Frau N. N. hatte sich am 18. Dezember vor dem Schöffen­gericht der Chefredakteur deS Geraifchen Tageblattes, Mar Sonne­mann zu verantworten. Die Verhandlung endete mit der Frei­sprechung deS Angeklagten. In der Begründung des freisprechen­den Urteils wurde darauf hingewiesen, daß sich Sonnemann zwar beleidigender Aeußerungen über die N. N. schuldig gemacht und Sachen behauptet habe, deren Nachweis ihm nicht gelungen sei, daß er aber dabei In Wahrung berechtigter Jnteress en und in gutem Glauben ge Hanbeit habe. Den Redakteur einer Zeitung, die belehrend und ausklärend wirken wolle, müsse man anders beurteilen als einen Privatmann. Der Redakteur, der feine Leser über alles auf dem Lausenden erhalten müsse, habe nicht nur b a 5 Re ch t^ sondern auch diePflicht, weitere Kreise berührende Mißstände öffentlich au behandeln, um feine Leser vor Schaden zu bewahren. Diese Pflicht habe dem Redakteur Sonnemann in dem Fall ganz besonders obgelegen. Recht und Pflicht der Presse, Mißstände öffentlich zu rügen, rout- den bekanntlich bisher von den Gerichten nicht anerkannt.

Handel und Verkehr. Aallrümrtschafi.

Limburg a. d. L., 7. Jan. Fruchtmarkt. Durch­schnittspreise pr. Matter. Roter Weizen 13.33 M., Weißer Weizen

00.00 Mk., Rom 10JM Mk., Derfte 8JX) Mt, yeqer «jw 3EX~ Erbsen 0.00 Mk^ Rartoffeln 0.00 Mk.

Kirchliche Nachrichten.

HottesdienK btr israelitischen Keligionsgesellschast.

Sabbathfeier am 10 Januar 1908.

Freitagabend 4.15 Uhr. Samstag Vormittag 8JO Uhr.

Nachmittags 8.30 Uhr. Sabbathausgang 6.30 Uhr.

Wochengottesdienst: Morgens 7,10 Uhr, abends 4.80 Uhr.

Gottesdienst in der Synagoge, Südanlagr.

Israelitische Religionsgemeinde.

Samstag, den 10. Januar 1903.

Vorabend 4.16 Uhr. Morgens Ö Uhr.

Nachmittags 8.30 Uhr. Schristerklärmug.

Sabbathausgang 6.30 Uhr.

Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen.

»öchste Temperatur am 6.-7. Januar + 9,4« C.

liedrigste , 6.-7. , + 2,3® C.

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Norddeutfcher Lloyd.

In Gießen vertreten durch Earl Loos, Kirchenplatz.

Bremen, 7. Jan. (Per transallanttschen Telegraph.) Der Doppelschrauben'PostdampferFrankfurt" Kapit, P. Albrecht vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, ist gestern 6 Uhr abenbß wohlbehalten in Galvestone angekommen.

An kalten Wintertagen, bei feuchter Witterung oder Schneefall eind Erkältungen und Magenverstimmungen unausbleiblich. Das beste Mittel hiergegen ist ein wärmender Magenbitter, der als Hausmittel in keiner Familie fehlen soll. Aber die Zahl dieser wohltätigen Liköre ist Legion, deshalb verfehlen wir nicht, unsere geehrten Leser auf das noch verhältnismässig junge, aber schon rar Genüge erprobte und ausgezeichnet wirkende Alpenkräutcr-Destillai aufmerksam zu machen. - Den Magenbitter^äntfa fabriziert die Firma Dr. W. Knecht & Co. in Frankfurt a. M. Als hygienisches Haus- und deliziöses Genussmittel hatS&utle* gestützt auf ärztliche Empfehlungen, die grössten Erfolge autzuweisen Probeflasohe Mk. 1., grosse Flasche Mk. 3.50. Ueberall erhältlich. Vertreter: Oh. Ludwig Thomas, Bahnhofstrasse 87. 884

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