Ausgabe 
7.5.1903 Zweites Blatt
 
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Fakultät an der Kaiser Wilhelm-Universität in Straß­burg in zweiter und dritter Lesung nach den Beschlüssen der Kommission mit allen Stimmen gegen die des Sozial­demokraten Ernrnel zu. Ferner wurde folgende Resolution angenommen: Der Landesausschuß ersucht die Regierung, die Frage zu prüfen, wie die Gewährung eines Staats­zuschusses zur Einrichtung und Unterhaltung eines Prote­stant: scheu Predigerseminars durch die St. Tho­mas-Stiftung in Straßburg und die Gewährung von ent­sprechenden Staatszuschüssen an die bestehenden großen bischöflichen Seminare in Straßburg und Metz zu ermög­lichen ist, um dem Landesausschusse eine entsprechende Vorlage zu machen.

Wahl-Bewegung.

Im Wahlkreise Homburg-Höchst (Nassau) hat die freisinnige Volkspartei beschlossen, ihre Kan­didatur zurückzuziehen und gleich im ersten Wahlgange für den nationalliberalen Kandidaten Dr. Lotichius einzutreten.

Berlin, 7. Mai. Laut derNationalztg." stellte die nationalliberale Partei für die bevorstehenden Reichstagswahlen ungefähr 140 Kandidaten auf. Tic Veröffentlichung der Kandidaten erfolgt demnächst.

Kirche und Schule.

Das Verordnuugsblattfürdieevangelische Landeskirche, Nr. ü, ausgegeben Darmstadt, u0. April, hat folgenden Inhalt: Belailiitmachung vom 16. April 1903, betreffend Bildung einer evangelischen Kirchengcmeinde Nack. Verzeichnis der yit ersten Vierteljahr 1903 genehmigten Schenkungen und Vermächtnisse für evangelische Zwecke. Dienstnachrichten. Aufforderung zur Bewerbung.

Ausland.

Kopenhagen, 6. Mai. Ter Folketing nahm heute definitiv die Regierungsvorlage betreffend die Aufheb­ung der bisherigen Grundsteuern (Hartkorn- steuern) und die Einführung der einheitlichen Eigentums st euer nach dem Wert des Eigentums, sowie die Einführung der Einkommen- und Ver­mögenssteuerreform des kommunalen Steuer­wesens an. Gegen die Vorlage stimmten die Sozialdemo­kraten und zwei Abgeordnete der Rechten. Dor der Ab­stimmung spracht Finanzminister Hage die Ueberzeugung aus, daß die neuen Gesetze allgemeine Befriedigung Hervor­rufen werden.

London, 6. Mai. Chamberlain bringt eine Resolution ein, die Zinsen und das Kapital der Trans­vaal anleihe, die iin Betrage von 33 Mill. Lstr. aus- gegeben werden soll, durch das Reichsschatzamt zu garan­tieren. Chamberlain erläutert die Zwecke der Anleihe: die Ausdehnung des Vahnsystems und die Schaffung von Be­rieselungsanlagen seien dringend erforderlich. Die Kriegs st euer mit 30 Mill, würde ebenfalls durch die Anleihe aufgebracht. Eine Beisteuer Transvaals zu einem Kriegs ha feii sei recht und billig. Er schätze die Ueberschusje -Transvaals, abgesehen von den Eisenbahn-Ein- nahmeii für 1903/04, auf 11/2 Mill. Lstr. Redner weist schließlich auf die Resolution in Bloemfontein hm, Groß­britannien einen Vorzugszollsatz von 25 Prozent einzu­räumen. Die Resolution müsse als ein Beweis der Loya­lität angesehen werden. Tie Führer der Afrikanderpartei in der Kaplolonie versicherten ebenfalls, daß die Mehrheit der Afrikander einer Verbindung nut England loyal gegen­überstehe. Ein einigendes Band für die holländischen und britischen Stämme bilde die gemeinsame Hingebung an die Interessen des Reiches. Die Resolution wird angenommen. Auf eine Anfrage bezüglich der Verwendung von AuS- ländern in Transvaaldiensten erklärt Chamberlain, die Regierung beabsichtige nicht, andere als eng­lische Untertanen zu verwenden.

Tie liberalen Stadtverordneten Liver­pools haben es abgelehnt, der Verleihung des Ehr en b ü r g e rr e chts an Chamberlain für seine dem Reiche in Südafrika geleisteten Dienste beizustimmen. Tie nnionistischeil Mitglieder des Liverpooler Stadtrates hatten vor zwei bis drei Nionaten den betreffenden Antrag gestellt. Zur Annahme eines derartigen AiitrageS gehör»! aber eine Majorität von zwei Dritteln sämtlicher Stimmen und die Verleihung des Bürgerrechts war gegen die Stim­men der Liberalen unmöglich.

Paris, 6. Mai. Fürst Ferdinand von Bul­garien stattete amtoicljmitiag Präsioent Loub et einen Besuch ab. Dem Gaste wurden die militärischen Ehren er­wiesen. Bald na eifern sich der Fürst entfernt hatte, er­widerte Präsident Loubel den Besuch.

Madrid, 6. Mai. Ein Telegramm desJinparcial" ans Melilla giebt das dort in Umlauf befindliche Gerücht wieder, der marokkanische P r ä t e n d en t sei im Lager bei Seluan ermordet worden.

Wien, 6. Mai. Ter Zo llausschuß nahm unver­ändert eine Reihe von Taris klassen, darunter dieRein- mbuftrie von Tonwaren" uni»T ab a k" an und stellte die Tarif klassenKolonialwaren" unb ,^Zucker" zurück. Der Finanzminiscer trat für den Kasfeez 0 ll, sowie für Zölle auf die übrigen zvolonialwaren nach dem RegierungÄ- entrowef ein, da für den durch Erniedrigung der Finanz- zökle entftehendeli Aiissall schwer Ersatz zu finden sei. Die Behauptung, daß der Kaffeetvnsmu mit der Herabsetzung des Zolles entsprechend ft eigen würde, werde durch die Erfahr­ung widerlegt. Der Ausschuß begann darauf die Beratung der Getreidezölle. Der Berichterstatter betonte in seinem Referat, uni die österreichische Landwirtschaft zu be­schützen, nuigten die Getreidezölle annähernd jo hoch sein wie in Deutschland, weil sonst die Einfuhr, die bisher nach 'Deutschland gebe, nach L esterreich-Ungarn abgedrängr würde.

Budapest, 6. Mai. (Abgeordnetenhaus) Bela Kubik (Kossiuhpartei, erregte einen großen Sturm der Entrüstung, indem er, auf die Mitglieder der Regier­ungspartei hiuw^isend, ausrief: Diese sind zu allem fah.g, sie herüben jede Schurkerei T e Mitglieder der lib.- ralen Parte i schrieen entrüstet: Er soll das Haus um .Ver­zeihung bitt u, hinaus mit i h in ! Am Schluß der Sitz­ung leistete Kubik öffentliche Abbitte und drückte fein Be­dauern aus, daß er sich von der Aufregung hmreißen ließ, das Ansehin bev Hauses zu verletzen und die Mitglieder zu beleidigen.

Washington, 6. Mai. Ter deutsche Gesandte, Der britische und italienische Botschafter erhielten die Er- mäckstiguich. mit Bowen das Pvotekoll zu unterzeichnen, nach welchem Die Frage der 3? .gsb. Handlung dem Haager Schiedsgericht unterbreitet werden soll.

Aus Ztadt und Land.

Gießen, 7. Mai 1903.

Personalien. Se. Kgl. H. der Großherzog empfingen am 6. Mai u. a. den Hauptmann v. Roques, Bezirksofftzier beim Bezirkskommando Gießen, den Major v. Friedeburg, Flügeladjutanten des Kaisers, den Ober­amtsrichter Gebhardt von Gießen, den Gutspachter Hahn von Büdingen, den Kreisrat Wallau von Lauterbach, den Geh. Justizrat Jöckel von Friedberg, den Kreisassistenzarzt Dr. Curschmann vom Hygienischen Institut zu Gießen, den Grafen zu Solms-Laubach. Herr Arthur James Herbert, welcher an Stelle des bisherigen Geschäftsträgers Honourable Alan Johnstone zum Kömgl. Großbritannischen Geschäftsträger ernannt worden ist, hat Sr. Exz. dem Staats­minister am 2. d. M. fein Beglaubigungsschreiben überreicht. Se. K. H. der Großherzog haben dem Obersten John von Freyend, Kommandeur des Infanterie-Regiments Prinz Moritz von Anhalt-Dessau Nr. 42, seither im Großh. Hess. Infanterie-Regiment Nr. 115, das Ehrenkreuz und dem Major Babst, Bataillonskommandeur im 4. Magdeburgischen Infanterie-Regiment Nr. 67, seither im Jnfanterie-Leibregi- ment Großherzogin Nr. 117, das Ritterkreuz 1. Klaffe mit der Krone des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. Der Pnoatdozent an der Technischen Hochschule in Darmstadt, Prof. Tr. Georg Heyl, wurde zum vor­tragenden Rat für pharmazeutisch-technische Angelegen­heiten bei der Abteilung für öffentliche Gesundheitspflege des Ministeriums des Innern mit dem Amtstitel D b er- medizinalrat ernannt.

** Dien st Nachrichten. Ernannt wurden: Pfarr- ,amtskandidat Horst zu Rimhorn zum Pfarrvikar in Rim­horn, Dekanat Reinheim; Pfarramlskandidat Beyer zu freien feen wm Pfarrassistenten in Fränkisch-Crurnbach, Dek. Reinheim; Pfarramtskandidat Becker zu Rieder-Gemunden zum Pfarrassistenten im Kirchspiel Wald-Michelbach, Dek. Erbach; Pfarramtskandidat Zilles zu Hofheim zum Pfarr­verwalter in Gedern, 2)eL Schotten; Pfarramts tändidat Goeckel zu Offenbach zum Verwalter der Pfarrgehilfen- teile zu Ober-Ofleiden; Pfarramtskandidat Röder zu Rieder-Wöllstadt zum Pfarrassistenten in Rieder-Wöllstadt, Dek. Rodheim; Pfarrvikar Vogt zu Meiches zum Pfarr­assistenten in Rieder-Wöllstadt, Dek. Rod he im; Psarrafiistent Schäfer zu Darmstadt zum Psarrverwatter in Crumbach, Dek. Cberstadt; Pfarramtslandidat Marguth zu Michel- tadt zum Pfarrassistenten in Tarmstadt, Dek. Darmstadt; Pfarramtskandidat Weber zu Heubach i O. zum Pfarr­vikar in Ilbeshausen, Dek. Lauterbach; Pfarramtskaudidat Em m e l zu Hof Warthof zum Pfarrvikar in Großen-Linden, Dek. Gießen; Pfarramtslandidat Ködding, vorher zu Dotzheim, Konsiswriaibezirk Wiesbaden, zum Pfarrverwalrer in Gelnhaar, Dekanat Büdingen.

** Französische Vorträge und Rezitationen. Wir machen nochmals auf die Lichtbilderoorträge des LeklorS Goetschy aufmerksam, die ihren Anfang morgen mit einer Beschreibung von Pans nehmen werden. Am 15. Mai findet die erste Rezitation statt, die unter anderem folgende Stücke bieten wird: a) Gustave Plaubert: Lne noce noruiande. b) Gyp : Miquette, c) Po6aies diverses, d) Paul de Nay : Noel aux avont potiles, e) Aiphonse Daudet: Le eure de Cucugnan.

** Aus dem Theater-Bureau. In der morgen, Freitag, ftattfindenden Benefizvorstellung für Frl. Stöger pielt die Benefiziantin die Titelrolle in der Operette: Ran 0 n, die Wirtin vom goldenen Lamm". Ihre Rivalin Rinon wird Frl. Barth spielen. Die Melodien der Ranon ind bekanntlich Voltssagentum. Wir erinnern nur an das allbeliebte:Anna, zu Dir ist mein liebster Gang". Im Samstag findet noch eine volkstümliche Vorstellung tatt, und Sonntag, den 10. Mai, ist dann Abschieds­vorstellung des Operettenensembles. Für diesen Tag bietet die Direktion noch was ganz Besonderes, die große Ausstattungsposse und Novität:Eine tolle Nacht", ür welche große Vorbereitungen bereits getroffen sind. 'Nähere Mitteilungen folgen.

** Fußball-Sport. Am Sonntag wird der Gießener Fußbaltz-Klub 1902 gegen den Marburger akademischen Fuß- ball-Klub in Marburg einen Match ausfechten. Der Gießener Verein wird einem tüchtigen Gegner gegenübertreten. ES ist übrigens geplant, die Fußballwettkämpfe abwechselnd in Marburg und Gießen abzuhalten.

** Der Lahn-Pokal, Wanderpreis für Einer, ge- tiftet vom Deutschen Ruderverband für die Gießener Re­gatta, ist von Dem Stifter zurückgefordert worden für Den Fall, daß die Gießener Nuder-Geiellschaft nicht alljährlich eine Regatta abhielte. Der Vorstand Der G. R.-G. weigert ich mit Recht, Dem Ansinnen des Deutschen Ruderverbandes tattzugeben, da an die Stiftung nicht Die Bedingung ge- nüpft wurde, daß um den Wanderpreis alljährlich ge° tartet werden muß und weil es im übrigen Sache des Üegatta-Ausschusses sei, darüber zu befinden, ob eine Re- gatta alljährlich oder alle zwei Jahre stattfinden soll. Be­kanntlich sollen nur alle zwei Jahre auf dem Gießener Wasser Wettkämpfe im Rudern stattfinden.

** Hausbau. Nicht roeit von Der Gießener Gemark- ungSgrenze, auf Wieseckcr Gebiet an der Marburgerstraße, erbaut Herr Dorfeld ein Haus, welches er für Restaura­tionszwecke einrichten läßt. Bekamülich konnte der Bauherr auf Gießener Gebiet zur Errichtung eines Hauses keine Bau- erlaubniS bekommen.

Der Flieder blüht. Die große Wärme der ersten Maitage hat schnell die zarten Blüten allenthalben zum Er­schließen gebracht und von weißen Fliederbüschen strömt nun der süße Duft aus, den einzuatmen man niemals müde wird. Die Fliederblüte ist in diesem Jahre sehr früh, da sie sonst gewöhnlich erst in die zweite Hälfte des Monats Mai fällt. 'Anfangs aber sah es sogar so aus, als ob wir uns ihrer noch viel zeitiger würden erfreuen können. Denn schon vor Ostern streckte Der FlieDer Die Knospen empor, soDaß man bei Dem Kälterückfall im April beinahe für die vorzeitigen Triebe fürchten mußte. Solche Besorgnis ist aber unnötig gewesen, Denn so Dicht wie nur je mit Blütentrauben bedeck: zeigt jid) jetzt der blühende weiße und der noch knospende rote Flieder, schade nur, Daß Die liebliche Blume so bald verblüht. Em paar heiße Tage, und Die ganze Herrlichkeu verschwindet ebenso schnell wie sie gekommen ist, zumal jeder Ltrauch seinen ganzen Reichtum mit einem Male preiSgieb: und nicht, wie die Rose, Damit haushälterischer umgeht und ihn allmählich aufschließt.

3U dem Besitzw echfel. Den wir in Nr. 104 meldeten, wird uns geschrieben. Daß daS Doppelhaus Kap-

lanSgaffe 5 gegen Tausch mit dem Besitztum DeS Rentier« Schmall, Grünbergerstraße 13, (nicht Schmall'schen Besitztum, Großer Steinweg) an Bauunternehmer Winn übergegangen ist. Zugleich wird bemerkt, daß die betr. Gebäude, insbe­sondere Das neue Nebenhaus, sich in einem keineswegs unwohnlichen Zustande befinden.

§ Ober-L hmen, 6. Mai. Ter hiesige Landwirt St, ein Mann im Alter von 73 Jaliren, aber noch in voller Gesundheit und von großer Rüstigkeit, begab sich heute morgen hinaus auf das Feld, um zu ackern. Im Begriffe, die Egge vom Wagen zu heben, sank er äu Boden und verstarb auf der Stelle. Tie anwesende Tienstmagd brachte die Todesnachricht nach Hause.

T Aus dem Kreise Schotten, 6. Mai. Dieser Tage wurde in dem Orte L. unseres Kreises eine Hochzeit gehalten. Als nach dem Hochzeitsmathle der Bräutigam leinen Hochzeitsrock, Den er vorübergehend ausgezogen hatte, wieder anziehen wollte, war er verschwunden. Alles Suchen war erfolglos, der Rock blieb verschwunden. Tarvb gab es seltsame Augen, und man wußte nicht, waS man lagen sollte. Zwei Xage nadi der Hochzeit kam der ver­loren geglaubte Rock, säuberlich verpackt, mit der Post an den erstaunten jungen Mann. Ein Hochzeitsgast muß sich demnach diesen absonderlichen Scherz erlaubt haben.

sj Fronhausen, 6. Mai. Hier sand heute eine zahl- reich besuchte Versammlung des landwirtschaftlichen Kreisvereins statt. Bei der Erörterung über Die Ernte­aussichten im Kreise wurde konstatiert Daß in Diesem Jahre eine ganz vorzügliche Klee-Ernte und eine mittelgute Roggen­ernte zu erwarten sei. Auch Die Sommerfrucht berechtige zu guten Hoffnungen.

0 Marburg, 6. Mai. Die Gesamtzahl der Stu­dierenden im diesmaligen Sommersemester beziffert sich nach den heute beendigten Immatrikulationen auf 1275, so­daß man unter Hinzurechnung der Nachzügler rund 1300 sagen kann. Im letzten Wuttersemester mären es 1111 und im Sommersemester 1334 Studenten. Die Ziffer vom vori- gen Jahr ist also noch nicht ganz erreicht worden.

0 Marburg, 6. Mai. Hier wird am 16. Mai die Hauptversammlung des Heffen-Naffauischen Vereins für das höhere Mädchenschulwesen abgehalten.

fc. Hanau, 5. Mai. Die Kapelle unseres (166.) In­fanterie-Regiments wird, Der Genehmigung Des Kaisers vorausgesetzt, im nächsten Jahre auf der We l taus stellung in St. Louis konzertieren. Der RegimentskommanDeur Hai seine Zustimmung bereits gegeben.

Vermischtes.

* Berlin, 7. Mai. In einer Apotheke in der Elsoffer- stroße entstand bei der Destillation von Präparaten eine Explosion, durch die das Laboratorium in Brand gesetzt wurde. Der Apothekenbesitzer und sein Assistent wurden in einen Nebenraum geschleudert, glücklicherweise aber unerheblich verletzt.

Vorfälle außer Programm. lieber einen heiterenFall" bei der Rundfahrt des Kaisers durch Rom läßt sich dasB. 2." von Dort telegraphieren: Auf dem Rand der großen Fontaine des OuirinalplatzeS war eine Anzahl Schaulustiger hinaufgeklettert. Darunter ein um« angretcher Priester, der sich besonders begeistert ge­berdete und nicht müde wurde, fein Jesuiterhütlein zu schwenken undEvoiva" zu rufen. Im Augenblicke Der höchsten Be­geisterung glitt Der Geistliche aus unD faufte köpf über in das große Wasserbecken der Fontaine. Ta das ganze In­teresse der Menge sich auf den Kaiser konzentrierte, ließ Das Publikum den Aermsten zappeln und schwimmen, bis endlich einige Menschenfreunde denReverendo" unter Der Heiter­keit des Publikums mehr tot als lebendig aus dem nassen Elemente zogen. Ter König, der die Szene beobachtet hatte, machte bei der Vorüberfahrt den Kaiser auf den tragi-komischen Vorgang aufmerksam. Ter Kaiser wandte sich um und brach in herzliches Lachen aus. Pariser Blätter berichten über eine nicht ganz programmmäßige Szene, die sich bei der An­kunft des Königs Eduard in Cherbourg abspielte. Ter König hatte sich von Den Personen, die ihn bis Cher­bourg begleitet hatten, verabschiedet und wollte zu feiner Jacht hinüberfahren. Tie Schaluppe, in der er fuhr, hatte kein Verdeck. Plötzlich erhob sich ein furchtbares Unwetter und ein prasselnder Gewitterregen ging nieder. Der König hatte keinen Mantel, und im Boot befand sich auch kein Regenschirm. Die mitfahrenden Offiziere suchten den König nach Möglichkeit zu schützen, aber da die Ueberfahrt eine Viertelstunde Dauerte, wurde der König natürlich so durch­näßt, als ob er im Wasser gelegen hätte. Er machte gute Miene zum bösen Spiel und grüßte die Schiffe, die ihre Salutschüsse abgaben. Der engliche Botschafter und andere Personen auf dem Cuai sahen Der Fahrt mit einigem Ent­setzen zu.

* ZurFleischteuerung. Interessante Anträge wurden in der Gemeinderatssitzung von Graz in Oesterreich zur Bekämpfung der Fleischteuerung vorgelegt: 1. Die Fleischteuerung wird als nicht begründet angesehen. 2. Tie Ständebesitzer haben das Ochsenfleisch um 12 Heller und das Kuhfleisch um 16 Heller unter Dem seit 1. Mai be- stehenden Niaximalpreise zu verkaufen. 3. Dieser Beschluß hat keine aufschiebende Wirkung. 4. Das Marktkommissanat wird beauftragt, Nachschau zu halten, ob dieser Beschluß von den Ständebesitzern eingehalten wird und Dem Stadtrat hierüber Bericht zu erstatten. 5. Denjenigen Fleischständebesitzern, die diesen Beschluß nicht einhalten, sind Die Stände auf 14 Tage zu kündigen und hat Der Stadtrat bis zum 25. Mai hierüber dem Gemeinderate Bericht zu erstatten.

* P räs ident Roosevelt und die Sabic». Die Reise des Präsidenten Theodor Roosevelt nach 2t Louis, wohin er sich zur feierlichen Uebergabe des Weltausstell- ungsgebäudes an die AuSstellungsbehörden begeben l-atte, aeiialtete sich zu einem Triumphzug, der Die wachsende Populärttät des Präsidenten glänzend bekundete. Auf allen, großen Stationen hatte sich eine zahlreiche Menschenmenge eingefunden, an Die der Präsident zumeist aus Dem Steg- rei; Ansprachen richtete. In einer Versammlung in Kansas, ?u Der man zahlreiche Kinder und Baöies gebracht hatte, bcm.'rfte der Präsident, indem er einige von den Micuten küßte, er sc: von Der Qualität und von der Anzahl Der ngen Rachkommensck>aft entzückt. Im Staate Iowa de- i. nitrierte Dl Bevölkerung Dem PräjiDenten in liibcn^- »üretger Weise ad oculos, daß Dorr von DemRassen,'elbst- moiD", vor dem er kürzlich warnen Ku wüssen geglaicht harre