Ausgabe 
7.4.1903 Zweites Blatt
 
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n Gründen für den Kan beraten, Gutsbesitzer Bein-

Wahl-Bcwcgung.

Q Ka sfel, 6. Aprll. Der tonservative Wahl- derein im Wahlkreise Kassel-Melsungen beschloß, bei der

den Jahresbericht de8 Vorsitzenden, die Rechnungsablage des Rechners und den Bericht des Wohlfahrtsausschusses, sowie das Referat des Schriftleiters des »Hesiischen Kirchen dlatteS* ein Vortrag von Pfarrer Lic. Dr. Dieckmann von Rodheim ,®iebt es einen Moralunterricht ohne Religionsunterricht?* und ein solcher von Pfarrer Hunzinger von Schafheim über den Vorsitz deS Geistlichen im Schulvorstand anschließen. Die Diskussion über letzteren wird von Dekan Wagner von Grünberg eingeleitet werden. Für die öffentliche Abendoer­sammlung mit offiziellen ^Begrüßungen, musikalischen Darbiet­ungen 2c. sind ebenfalls zwei Vorträge vorgesehen; von Pfarrer Werner von Södel: »Der evangelische Pfarrsland als Träger der Kultur in Zeiten der Unkultur und des Elends* (Bilder aus dem 30jähr. Kriege mit besonderer Be­rücksichtigung HeffenS) und von Pfarrer Schrimpf von Hirzen- Hain: »Herbstliche Wanderungen im Land des GlaubenS- frühlings*. Ju der Versainmlung am 6. Mai, die bereits um 8 Uhr vormittags beginnt, werden die nötigen Wahlen oorgenommen und über die Themata: »Engere Verbindung der deutschen evangelischen Landeskirchen*, .Die rechtliche Stellung des Pfarrers* und »Seelsorge an Seelsorgern* re­feriert werden. Als Redner sind Pfarrer Wahl von Langen, Pfarrer Köhler von Rohrbach und Pfarrer Nies von Mel­bach in Aussicht genommen. Den Jahresbericht über die Hilfskaffe wird Pfarrer Stock von Sprendlingen L Rh., den über die Sterbekaffe Dekan Wagner von Grünberg erstatten. Ein gemeinsames Mittagessen im Hotel Trapp soll dann die Tagung beschließen. (»D. Ztg.*)

-t- Rödgen, 6. April. Der Bürgermeister Jakob SteinII. hat sich dieser Tage, gelegentlich der Sezierung einer erkrankten Kuh auf der hiesigen Wasenmelsterei durch den Kreistlerarzt Schmidt aus Gießen, eine schwere und äußerst schmerzhafte Blutvergiftung an der linken Hand zugezogen. Roch an demselben Abend schwoll der ganze Arm heftig an und als in der Nacht die Schwellung immer stärker und die Schmerzen immer heftiger wurden, eilte Herr St. in Nacht und Nebel zu unserem Pfarrer, der in jungen Jahren auch Medizin studiert und sogar als einjähriger Arzt gedient hat, dieser vollzog sofort eine kurze Operation, die dem Patienten wesentliche Linderung verschaffte. Am andern Tage wurde der Großenbusecker Arzt zu Rate gezogen. Heute besindet sich Herr St. bereits auf dem Wege der Besserung.

Honibürg, 6. April. Der König der Belgier ist heute nachmittag hier eingetroffen und reiste nach kurzem Aufenthalt nach Wiesbaden zurück.

Vermischtes.

DHroroo, 6. April. Auf dem Schießstande des In­fanterie-Regiments Nr. 155 wurde ein Musketier durch einen unglücklichen Schuß getötet. Derselbe war Anzeiger an der Scheibe und erhielt den Schuß in den Halswirbel, so daß er auf der Stelle tot zusammenbrach.

Zürich, 6. April. Bademeister Keller im Schwanen- Hotel in Baden (Aargau) stürzte im Zustande des Schlaf- wandelns von dem Dachsirst ab und war sofort tot

Smyrna, 6. April. Der wissenschaftlich e Be­gleiter der kaiserlichen Prinzen, Professor Kl eh men, wurde während eines Ausfluges der Prinzen von Smyrna nach den Ruinen von Milet von einem Pferde so unglücklich geschlagen, daß seine lieber» ührung von hier nach dem deutschen Hospital in Kon­stantinopel angeordnet wurde.

* Das SchulschiffGroßherzogin Elisabeth* ist, wie auS Dover gemeldet wird, noch nicht an einem Kanalhafen gemeldet worden. Englische Marinebeamte erklärten, daß alle kürzlich eingetroffenen Schiffe über furcht­bares Unwetter auf See berichtet haben. Viele Segel- chiffe und selbst Dampfer sind infolge des stürmischen Wetters mit großer Verspätung angelangt, Die Ansicht der Beamten geht dahin, daß auch die »Großherzogin Elisabeth* noch einige Tage überfällig sein wird.

Der Erfinder der Tüllspitze, auf welcher die ganze Plauen'sche Industrie beruht, Theodor Bichel,'ist heute, 65 Jahre alt, in Bozen in Tirol gestorben.

Der Musikkritiker der »PeterSb. Ztg.* schil- >ert in einer der letzten Nummern dieses Blattes mit großer Begeisterung ein Konzert der Moskauer Liedertafel. In der Kritik heißt cS u. a.: »Als das von Rubinstein komponirrte »Ucber allen Wipfeln ist Ruh* gesungen wurde, herrschte tm Saale eine solche Stille, daß man das Steigen der Blasen m den Champagnergläsern deutlich hören konnte . . .* Allen Respekt vor der Feinheit deS Gehörs dieses sektkundigen Rezensenten!

Der amerikanische Milliardär Carnegie soll eine bedeutende Summe zur Verfügung gestellt haben, um die Rehabilitierung des Generals Macdonald herbei- zufübren. Die Freunde Macdonalds versichern nämlich, daß derselbe vollständig unschuldig und daS Opfer von Verleum­dungen geworden sei.

Aus §tai)t und Land.

Gießen, 7. April 1903.

Empfänge bei Hof. S. K. H. der Groß Herzog empfingen am 5. April den Kgl. Großbritannischen Ge- chäftsträger Mr. Johnstone und am 6. April vormittags den Kgl. Preuß. Gesandten Prinzen zu Hohenlohe-Oehringen Durchlaucht, sowie deu Staatsminister Rothe.

** Das Großh. Regierungsblatt Nr. 23 enthält 1. Gesetz, die Vormerkung »streitig* in den Grundbüchern der Provinz Rheinhessen beir.; 2. Gesetz, die Entmündigung wegen Verschwendung oder wegen Trunksucht betr.

** Den Besuchern des Philosophenwaldes l önnen wir die erfreuliche Nachricht machen, daß man sich in ihm jetzt wieder in der angenehmsten Weise ergehen kann und ihn nicht mehr, wie setther, stundenlang wegen deS auf die Dauer oft unleidlichen militärischen Trommelns und BlasenS zu meiden braucht. Dem Vernehmen nach hatte man ich aus den Kreisen unserer Bürgerschaft an den jetzigen Regimentskommandeur gewandt und ihn um Erlösung der Gießener Waldspaziergänger von dieser üblen Macht der Töne gebeten, von denen man mit Wilh. Busch sagen konnte: »Musik wird oftmals schwer empfunden, Weil meistens mit Geräusch verbunden.* Der Herr Oberst hat nun, wie wir hören, das TrvmmlerkorpS an eine andere Stelle gewiesen, und zwar nach der Schneise Anstand IX, wo eS niemand stören kann und e5 wird auch hoffentlich ür die Zukunft nicht mehr in die Nähe beS Philosophen- waldcS plaziert werden. Dem Herrn Oberst aber mag an dieser Stelle der Dank vieler Freunde des Philosophen­waldes ausgesprochen fein.

Die Gießener Rudergesellschaft wird, ihrem rüHeren Beschliisse zufolge, nur alle zwei Jahre eine sport­liche Veranstaltung zu unternehmen, die nächste Ruder- Regatta 1904 abhalten. Dem Vernehmen nach soll auch bisher keine Neigung bestehen, auf dem Sportplatz an der Hardt in dieseni Jahre Radrennen zu veranstalten.

Für die Hauptversammlung deS Evangeli­schen PfarrvereinS im Großherzogtum Hessen, die am 5. und 6. Mai im Hotel Trapp in Friedberg abgehalten werden soll, wurde folgendes Programm ausgestellt. In der Versammlung am Nachmittag des 5. Mai werden sich an

Reichstagswahl aus t didaten derNatio

Kunst und yjillrnfdjufL

Ctn d) ön eS Honorar hat LudwigThoma, der Peter Schlemihl deZ ,6 i m p l i e i f f i m it 6* und ^nasser ber­auch in Gießen bekannten kleinen bramaiischen Scherze .Sie Lokalbahn* und »Tie Medaille* (Verlag von Alb. Langen in München), für den Abdruck feiner Bauemgcschlchle, »Tre Hoch­zeit" von der Redaktion derReuen Welt" verlangt. Er übmmeS nämlich den Betrag, den der Verlag ihm bot, einer armen 'llrbeüer- icimihe eine warmherzige Handlungsweise, bie mehr Lohn in sich birgt, als viele Kartelllyriker zu fünfzig Pfennig die Zeile sich ihn fematf erdichten werden.

Ausland.

Stockholm, 6. Stpril.AstvnBlodett* meldet aus Helsingfors: Der russische Kaiser unterzeicl-nete am 26. Mürz eine Kundgebung, nach der der Generalgou- verneur von Finland Bobrikiof berechtigt ist, wenn die Maßnahmen der finischen Behörden unausreichend er­scheinen, aus eigene Verantwortlichkeit jeden ihm passenden Schritt zu unternehmen. Zugleich ist in der Kundgebung vorgeschrieben, daß der Generalgouver- neur als höck/ste Gewalt alter finischen Bhörden vetrachtvl Werde, mit Einschluß der kommunalen Behörden in Stadt und Land. Bobnkos erlangte hiermit, wi» bad Blau weiter meldet, die diktatorische Gewa.. über Finland,

ver Damalige Krieg^m knister seines Kabinetts, istm diesen Brief niemals zur Kenntnis gebracht habe. Brisson wendet sich zu Cavaignac und ruft:Sie verdienen in den An- Tlagezustand versetzt zu werden. Sie «gehören nicht mehr der Republik an." Cavaignac erwidert erregt, er habe damals seine Pflicht getan, ernster als Brisson zur Zeit des Panamaskandals.

Vniverliläts Nachrichten.

Die Technische Hochschule zu Tarmstadt hat aus einstimmigen Antrag sämtlicher Abteilungen durch Beschlug von Rektor und Großem Senat Sr. Excellenz dem Herrn Staatsminister Tr. Rothe, sowie Sr. Excellenz dem Herrn Finanzm mister Dr. Gnauth die Würde eines Doktor-Ingenieurs Ehrenhalber ver­liehen in Anerkennung der hohen Verdienste, die sich Ihre Excellen- zen durch das erfolgreiche warme (Eintreten für die Erweiterung der Hochschule um bie Forderung der technischen Wchenschasreu er­worben haben.

In der Erörterung über die evangelisch-theologi­schen Fakultäten im preußischen Herrenhause wurde regierunqs- scing auch erwähnt, daß nach Bon.» zur Zeu zwei positive Professoren berufen werden. Wie der »Rcichsbote* hort, ist der eine davon Professor Tr Ecke aus Königsberg, bekannt durch feine frühere Tätigkeit in Bremen als Diakomssengeistttcher und sein Werk über bie Ritschlsche Schule.

deren Anwendung bereits begonnen hat, indem er den Ge- : meindevorstänben auf dem Lande und den Magistraten 1 in den Städten befahl, in jeder Landgemeinde einen, in jeber Stadtgemeinde drei der bei der vorjährigen Ausschreib­ung ausgebliebenen Wehrpflichtigen zu verhaften und nach Helsingsors schassen zu lassen, wo weiteres ver­anlaßt werden wird.

Kopenhagen, 6. Aprils Der Landsthing nahm endgiltig den Gesetzentwurf an betr. Einführung der Ein­kommen- und Vermögenssteuer.

Brest, 6. April. 200 Hafenarbeiter hielten gestern hier eine Versammlung ab. Nack Schluß derselben wurde ein vom Syndikat der Arbeiter verfaßter Bericht an den Marineminister gesandt, worin die Abschaffung jeg­licher religiöser Autorität für die Mann­schaft e nd e r M a r i n e verlangt und der Minister beglück­wünscht wird, daß er den Posten des Marinepredigers ab­geschafft hat.

Lissabon, 6. April. Bei dem gestrigen Galadiner im königlichen Schlosse brachte König Carlos einen Trinkspruch auf König Eduard aus, in welchem er den König als seinen sehr teuren Alliierten anredete, auf die warme, althergebrachte Allianz zwischen Groß­britannien und Portugal hinwics und erklärte, das portugiesische Volk wisse sehr wohl, ein wie großer loyaler Freund König Eduard stets für dasselbe war. König Eduard erwider te mit gleicher Herzlichkeit und sagte, die bewährte Allianz, die seit Jahrhunderten zwischen beiden Ländern bestehe, werde für alle Zeiten dauern.

Petersburg, 6. April. In letzter Woche wurde hier eine neue umfangreiche Verschwörung entdeckt, die sich gegen dasLeben zweier Minister richtete. Ter Plan wurde rechtzeitig entdeckt und zahlreicheBer- Haftungen lieferten fast alle Komplizen in die Hände der Polizei. Heber die ganze Affäre wird sttengstes Still­schweigen beobachtet.

B u k a r e st, 6. April. Die Kaufleute und Industriellen veranstalteten anläßlich der Aufhebung der Ge­meindeauflagen zu Ehren des Finanzministers ein Bankett. Der Finanzminister hob in einem Trink­spruch hervor, daß die wirtschaftliche Lage sich nicht auf der Höhe der n ationalen Arbeit befindet und führte hierfür Gründe an, indem er sagte, das Land könne aus seiner Arbeit keinen Nutzen ziehen, weil es jährlich 300 Mill, für eingeführte Waren und 80 Millionen an Zin- I en für auswärtige Schuld zahlen müsse. Es müsse daher die nationale Industrie und die na­tionale Arbeit durch Zölle geschützt werden. Jedoch dürfe der Zollsatz kein übertriebener sein, weil er sonst den Fortschritt hindern und die Indolenz ermutigen würde.

Pera, 6. April. Gestern mittag trafen der Kron­prinz und Prinz Eitel Friedrich unter dem Salut >er Geschütze in den Dardanellen ein und wurden dort im Namen des Sultans vom Zeremonienmeister Ghalib Bey, von v. Kamphoevener Pascha, ferner vom türkischen Ehrendienst unter Führung Turkhan Paschas und von dem kaiserlichen Geschäftsträger Frhrn. v. Wangenheim begrüßt. Heute morgen trafen die Prinzen vor Dolma Bagdsche ein und wurden durch den Prinzen Burhaneddin Effenoi an Bord willkommen geheißen und bei der Landung von den Mitgliedern der kaiserlichen Botschaft, des Generalkonsulats und den deutschen Offizieren und Beamten, die in türkischen Diensten stehen, empfangen. Sodann empfing der Sultan im Yildizpalais den Be­such der Prinzen und erwiderte ihn alsbald im Maraszim- Kiosk, wo die Prinzen mit ihrem Gefolge Wohnung ge­nommen haben. Der Sultan begrüßte seine Gäste in liebenswürdigster Weise und Verweilte längere Zeit bei ihnen in angeregtem Gespräch Es folgte ein Frühstück bei den kaiserlichen Prinzen, an dem außer dem Gefolge der türkische Ehrendienst und die Mitglieder der kaiserlichen Botschaft teilnahmen.

Milwaukee, 6. April. Während einer Festlichkett im hiesigen deutschenKlub übernahm Präsident Roose- vell das Präsidium selbst und leitete die Gesänge, bis der Präsident des Klubs wieder den Vorsitz übernahm und das Gaudeamus igitur an stimmen ließ. Präsident Roosevelt verließ die Festlichkeit erst, nachdem er wieder­holt erinnert worden war, daß er noch anderen Verpflicht­ungen Nachkommen müsse.

Deutsches Deich.

Berlin, 6. 2ftwil. Man meldet aus Kiel: Die Jacht ^ohenzollem" mit dem Kaiser an Bord ist heute nach- toiittag gegen 4 Uhr, gefolgt vom Keinen KreuzerNymphe" und dem DepeschenbootSleipner" hier wieder eingetroffen. Beim Passieren der Schiffe des ersten Geschwaders para­dierten Die Mannschaften dieser Schiffe und brachten HurrahS aus. Der Kaiser, welcher heute abend bei dem Prinzen und der Prinzessin Heinrich das Diner einnahm, gedenkt bis morgen mittag an Bord derHohenzollern" hier zu verbleiben. Einer Kopenhagener Depesche zufolge wurden bei der gestrigen königlichen Tafel zwischen den beiden Monarchen kurze Trinksprüche gewechselt. Der Kaiser dankte herzlich für den angenehmen Aufenthalt und äußerte, er habe sich so wohl gefühlt, daß er, wenn möglich, im Sommer Kopenhagen wieder be­suchen werde. Später wiederholte der Kaiser, daß der Kopenhagener Besuch ihm unvergeßlich bleiben werde und sprach fick über die dänische Hauptstadt und ihre Institu­tionen sehr begeistert aus. Den Armen Kopenhagens über» wies der Kaiser 5000 Kronen. Das Hofpersonal erhielt, zahlreiche sehr wertvolle Geschenke. Aus London wird berichtet, daß der Kaiser im Sommer wahrscheinlich Mit König Eduard und dem Zaren in Fre- densborg zusammen treff en werde. (??)

Wie aus Rom telegraphiert wird, ist am italieni­schen Hofe die Nachricht eingetroffen, daß sich im Gefolge des deutschen Kaisers auch Graf Walderfee befinden werde.

Die Erbprinzessin von Sachfen-Al ten- fcurg ist heute früh in Potsdam von einer Prinzes sin entbunden worden.

Dem Prinzen Friedrich Karl von Preu­ßen, Sohn des Prinzen Friedrich Leopold, wurde anläßlich seines 10. Geburtstages der Schwarze Adler- vrden verliehen. Gleichzeitig wurde der Prinz zum Leutnant im L Garderegiment z. F. ernannt.

Der Kriegsmini st er macht imReichsanz." tteuerdings bekannt, daß es den Unteroffizieren und Mannschaften verboten ist, sich mit dem Ver­triebe von Druckwerken innerhalb der Truppen­teile zu befassen.

Der Chefredakteur derNat.-Ztg.", Köbner, ist gestern abend gestorben.

Nach denBerl. Pol. Nachr." nahm der Bundes­rat Aenderungen an den Ausführungsbest im­mun g en zum Tabak st euer ge setz vor.

Magdeburg, 6. April. Die von der hiesigen So­zialdemokratie auch in diesem Jahre bei der Polizei nachgesuchte Erlaubnis zur Veranstaltung eines Um­zuges am 1. 9JI ai wurde vom Polizeipräsidium unter Hinweis auf die §§ 9 und 10 der Verordnung vom 1L Mai 1850 wiederum verweigert.

Stuttgart, 6. April. Heute früh ist in Donsdorf die Gräfin Walpurga v. Rechberg-Rothenlöwen, ältestes Mitglied des württemoergischen standesherrlichen Adels, die Mutter des Präsidenten der Kammer der Stan- desherren, 94 Jahre alt, gestorben.

München, 6. April. Unter Vorsitz des Ministers Frhrn. v. Feilitzsch und in Anwesenheit des Reichskom­missars für die Weltausstellung in Saint Louis fand gestern im Ministerium des Innern eine Besprechung von Vertretern des bayrischen Kunstgewerbes über die Beteilig­ung an der Weltausstellung statt. Schließlich wurde eine Kommission gebildet, toeldje zusammen mit dem bayrischen Kunstgewerbeverein sofort die nötigen Vor­bereitungen zu einer lebhaften Beteiligung des bayrischen Kunstgewerbes an der Weltausstellung treffen soll.

Hauer, einzutreten. Eine starke Minderhett, darunter der Vereinsvorsitzende v. Löbbecke, sprach sich für ein Zusam­mengehen mit den Deutschsozialen aus. Herr von Löbbecke legte nach der Beschlußfassung sein Amt als Vereinsvorschender nieder. Eine Vertrauensmänner-Ver- sammlung des Bundes der Landwirte, die dann gestern in Guntershausen stattfand, erhob den Kandidaten der Deutschsozialen, Amtsrichter Sattmann, auf das Schild.

Im 3. nassauischen Reichstagswahlkreise wurde vom Bund derLand wirte der Gutsbesitzer Wilhelm Brand- Netzbach als Kandidat aufgeftclU.

Eine s a ft unbegreifliche Wahllauheit so lesen wir in dem bündlenschen Organ, derDeutsch. Tagesztg." herrsche jetzt leider Gottes ohnehin. Diese Lauheit würbe noch gesteigert durch Mischmasch-Kandidaten, welche man hier und da präsentiere. Die große Menge der Wähler verlange einen Mann, und ein klares festes Bekenntnis, keinen eigenartlosen und rückgratlosen Mische maschpvlitiker.

Kirche und Schule.

Rom, 6. 2lpril. Heute Dormittag wurden die Der- kiner Lehrer und Lehrerinnen, die sich zu einer Rom-Pilgerfahrt vereinigt hatten und bie Ver­treterinnen bes deutschen Leyrerinnen-DerbarrbeS vom Papst empfangen. Er erwibertc aus die Ansprache deS Führers und gab seiner Freude über ihr Erscheinen Ausdruck, dankte und segnete die Lehrpersonen und bie ihnen unterstellten Schulltnber. Sodann wurden alle zum Handkuß zugelassen.