Ausgabe 
7.2.1903 Viertes Blatt
 
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imsere Karten für die diplomatischen Verhandlungen wegen de? Abschlusses von Handelsverträgen bereits so sehr aufgedcL worden, daß unseren Unterhändlern ihre an und für sich schon nicht leichte Position dadurch mindestens nicht erleichtert ist. (Sehr richtig I) Durch die detaillirtc Erörterung, die jede einzelne Tarifposirion, ihre Entstehungsgeschichte und chre Begründung, gefunden hat, ist die Situation für unsere Vertreter ein: erheblich schwierigere als für die Vertreter anderer Länder, bei denen die Zolltarife in sehr geräuschloser Weise in Erscheinung zu treten pflegen. (Sehr wahr I) Deshalb Qlaubt ich, daß es Zeit ist, nunmehr unseren Unterhändlcrii die Bahn frei, zu geben und die Diskussion über die Handelsverträge im Allgemeinen und im Besonderen zu schließen und so lange ge­schlossen zu halten, bis fertige Handelsverträge dem Hause den Anlaß bieten werden, sich wieder mit dieser Materie zu beschäftigen. (Sehr wahrlj

Nun hat der Herr Abg. Dr. Roesicke sich auch beschäftigt mit der Rede, die ich gestern Abend auf einem Banket gehalten habe. Ich loeitz nicht, ob Herr Dr. Roesicke auch da war (Abg. Dr. Roesicke: Nein!) das thut mir leid, es war ein sehr nettes Fest (Heiterkeit.); wenn er zugegen gewesen wäre, so würde er wissen, warum ich für die von mir aufgeftelltenBehauptungen nicht allzu viel Grunde anzugcben brauchte. Ich sprach vor sehr cin- stchtigen Landwirchen, und demgemäß brauche ich für meine Be­hauptungen nicht besonders viele Grunde anzuführen. (Abg. Singer (Soz.): Er klopft auf den Busch! (Heiterkeit.)) Ich wurde wirklich glauben, unhöflich zu sein, wenn ich annehmcn sollte, daß irgend Jemand im Ernst meinen iönntc, daß der neue Zoll­tarif nicht bedeutend agrarischer wäre, als der frühere Zolltarif. Ich habe den neuen Zolltarif mit Absicht und mit Bewußtsein agrarischer gestaltet, als den früheren Zolltarif. (Zuruf links: Leider!) Wie man aber bestreiten kann, daß er den Wünschen der Landwirthschaft nicht Weiler entgegengekommen ist, das ist mir. schleierhaft und wird auch vielen Herren in diesem Hause schleier­haft sein. (Sehr richtig! links.) Nun hatte Abg. Dr. Roesicke es mir auch übel genommen, daß ich gestern gesprochen habe von Un­dank gegen diejenigen, welche den Zolltarif zu Stande gebracht haben. Dabei hat der Abg. Dr. Roesicke zunächst verschwiegen oder übersehen, daß ich gestern nicht allein gesprochen habe für den Fall, daß man nicht anerkennen sollte, daß der neue

Zolltarif der Landwirthschaft wesentliche Vortheile brachte, von Undank gegenüber den verbündeten Regierungen, sondern auch von Undank gegen alle diejenigen, die, wie ich mich ausgedrückt habe, als Parlamentarier oder Politiker oder Landwirthe den Zolliarif zu Stande gebracht haben. Ich finde dies Verhalten gerade so undankbar gegenüber den Mehrheitsparteien im Hause, die für den Zolliarif gestimmt haben, wie gegenüber den Herren, die sich hier auf dieser Bank befinden. Denn die Interessen der Land- ivirthschast sind meines Erachtens von den verbündeten Negierungen und von der Mehrheit dieses hohen Hauses ebenso sehr oder viel­mehr noch bedeutend wirksamer wahrgenommen, als vom Bunde der Landwirthe. (Sehr wahr!) Ich nehme selbstverständlich diZenigen Mitglieder des Bundes der Landwirthe aus, die für den Zolltarif gestimmt haben; und wenn ich mich nicht täusche, haben von den Herren, die dem Bunde der Landwirche angehören und zugleich Mitglieder dieses hohen Hauses sind, % für uni) % dagegen ge­summt. Was aber diejenigen Mitglieder des Bundes der Land­wirthe angeht, die gegen den Zolltarif gestimmt haben, so stehen ihre Dienste, die sie der Landwirthschaft geleistet haben, hinter den Verdiensten der verbündeten Regierungen und der Mehrheit dieses hohen Hauses zurück, wie Negation und Kritik Zurückbleiben hinter positiver Arbeit. (Lebhafter Beifall.) Ich verstehe es, meine Herren, wenn die schwierige, sehr schwierige Lage der Landwirth- schaft zu vielen Klagen geführt hat; nachdem wir aber den Zoll­tarif zu Stande gebracht haben, wäre es endlich Zeit, mit dieser immer wiederholten Krrtik zu brechen. Der Landwirchschaft, das fami ich Sie versichern, wird damit nicht gedient. (Beifall.)

Und nun, meine Herren, möchte ich noch Bezug nehmen auf eine Bemerkung, die gestern dem Abg. Müller-Meiningen ent­schlüpfte, den ich leider nicht an seinem Platze sehe. Als gestern der Abg. Gamp sein Vertrauen den verbündeten Regierungen aus- gprach, für das ich sehr dankbar bin, und dabei zurückkam auf das Zustandekommen des Zolltarifs und von den Verhandlungen sprach, die dabei vor sich gegangen sind, meinte der Abg. Müller-Meiningen, der mir gerade gegenüverstand, in Bezug auf meine Person: um- gcfallen ist er doch. (Heiterkeit.) .Dcr Abgeordnete Dr. Müllec- Meiningeu, der ein belesener Herr ist (Heiterkeit) und der ein geist­reicher Mann ist (Heiterkeit). Gewiß, meine Herren, das sage ich mit vollem Ernst der wird mich verstehen, wenn ich sage, daß das

Wort .Umfallen' doch zu den Dorten gehört, die sich einstellen, wo Begrifie fehlen. (Unruhe.) Als ich die erste Nachricht harte vom Zustandekommen des Kompromisses zwischen den verbündeten Regierungen unb der Mehrheit dieses hohen Hauses, eines Kom­promisses, zu dessen Zustandekommen mitgeholfen zu haben ich mir immer zum Verdienst anrechnen werde, da las ich am nächsten Tage in einer angesehenen, weit verbreiteten Berliner liberalen Zeitung: ich hätte derartig nachgegeben, daß jedes Vertrauen zu mir, nicht nur im Jnlande sondern auch im Auslande, in allen fünf Welt- theilen für immer und ewig erschüttert sei. (Große Heiterkeit.) Am selben Tage las ich in einer sehr angesehenen, sehr verbreiteten agrarischen Zeitung (Erneute große Heiterkeit), daß die verbünde­ten Regierungen, meine Wenigkeit auch rein gar nichts loncedirt hätten, nicht die allermindeste Konzession, nicht das allerkleinste Zu- gcständniß gemacht hätten. (Vereinzeltes: Sehr richtig! rechts.) Diese beiden Artikel habe ich mir aufgehoben, ich möchte sie in mein Fa- milienarchiv legen (Heiterkeit), damit die Nachwelt sieht, wie ob- jeftiü Politik in unserer Zeit getrieben worden ist. Die Wahrheit ist, daß bei der Verständigung, die zwischen den Mehrheitsparteien des Hauses und den verbündcren Regierungen zu Stcnwe gekommen ist, von persönlicher Eigenliebe, von Eigensinn, Rechthaberei, Eitelkeit überhaupt nicht die Rede ist. Wenn verständige Leute chre kleinen Divergenzen einer großen Nothwendigkeit unterordnen, sich ver­ständigen, so fällt weder die eine Seite um noch die andere. Also mich lassen die häufig wiederholten Vorwürfe von Umfallen kalt, und ich denke, der Mehrheit des hohen Hauses, die unbekümmert um den Widerstand von links und rechts den Zolltarif zu Stande ge­bracht hat, wird cs ebenso gehen wie mir. (Beifall bei der Mehr­heit.)

Hiermit schließt die Diskussion.

Der Etat des Reichskanzlers wird bewilligt.

Der dazu gestellte Antrag Barth auf Neu-Eintheilung der Reichstags Wahlkreise wird gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und Freisinnigen abgelehnt.

Sodann vertagt sich das Haus auf Sonnabend 1 Uhr (Etat des Reichsamts des Innern.)

Schluß 5 Uhr.

Das Hnde der Affäre Ktron.

Wir erhielten gestern abend folgendes Privat-Telegramm, das wir alsbald durch Aushang bekannt gaben:

Genf, 6. Febr. Advokat Lachenal und Dr. Zehme, die Vertreter der Kronprinzessin Luise, machen folgende Mit- teiluug: Girou hat heute abend Genf mit dem Pariser Schnellzuge verlassen, um sich zu seiner Familie nach Brüssel zu begeben, wo er morgen nachmittag eiutrifft und sich niederlasieu wird. Girou hat alle Beziehungen zur Kronprinzessin anfgegeben, um ihr die Wieder­aufnahme des Verkehrs mit ihren Kindern zu ermöglichen._______________________

Im preußischen Abgeorduetenhause wurde am Freitag der Gesetzentwurf betreffend Erweite­rung des StadtLerfes Münster in erster und zweiter Lesung angenommen. Alsdann wurde die zweite Berat­ung des Etats des Ministeriums des Innern beim Aus­gabetitel Ministergehalt fortgesetzt. Im Laufe der Debatte erklärte der Minister des Innern von Hammer st ein, die Regierung erwäge Abänderungen des Wahl- Reglements, die zwar noch nicht definitiv abgeschlossen seien, aber sich ungefähr in der Richtung bewegen würden, daß mehrere Wahlgänge in einen znsammen- gezogen, die Stichwahlen vereinfacht würden und daß die Wähler ihre Namen nicht mehr per­sönlich in He Listen einzuschreiben brauch­ten. Je nachdem sich diese Aenderungen bei den nächsten Wahlen bewährten, müßte die Aenderung des Wahlgesetzes ausfallen. Für eine gesetzliche Neuregelung des Wahl­systems, das im Prinzip jedenfalls nicht an­getastet werden dürfe, seien die Erfahrungen bei den nächsten Wahlen unerläßlich.

Parlamentarisches.

Berlin, 6. Febr. Die Budget kommission er­ledigte den Postet at und bewilligte mit 13 gegen 11 Stimmen die zweite Rate von Mk. 302 000 für Herstellung einer Telegraphenlinie von Mpapna nach Tabora (Deutsch­ostafrika). Sie bewilligte ferner Mi. 450000 als erste Rate für die Postanlagen des künftigen neuen Haupt­bahnhofes in Leipzig, sowie nach lebhafter Debatte Mark 56 555 für Grunderwerb des neuen Dienstgebäudes in Lippstadt. Die Kommission setzte schließlich die Forderung der Grundstückserwerbung in Gebweiler von Mk. 124 500 auf 74 500 Mk. herab und genehmigte die übrigen Forder­ungen des Extraordinariums.

Danzig, 6. Febr. Amtlich wird gemeldet: Bei der heutigen Landtagsersatzwahl im Wahlbezirke 2, Dan­zig, wurden 439 Stimmen abgegeben. Rechtsanwalt Ke- ruth-Danzig (fr. Vp.) erhielt 436, Hauptmann, Guts­besitzer Schreww-Pran gschin 3 Stimmen.

Stuttgart/ 6. Febr. Die Kammer hat heute nach Ablehnung der verschiedenen Anträge der Sozialdemo­kratie, der Voltspartei und des Zentrums mit 48 gegen 30 Stimmen des Zentrums und der Sozialdemokratie den Kommissionsantrag angenommen, nach welchem als Ober- schulbehorde für die evangelischen Bottsschulen statt des Konsistoriums ein evangelischer Oberschulrat gebildet wer­den soll. Für die katholischen Volksschulen verbleibt der katholische Kirchenrat mit der Bezeichnung katholischer Oberschulrat.

Die «Lage in Südamerika.

Gegenüber der Wiener9?. Fr. Pr." bemerkt die9ft)rdd. Allg. Ztg.", daß die venezolanische Angelegenheit in keinem Stadium einen bedrohlichen Charakter angenommen hat.

Der englische Botschafter hat in Washington gegen Bolvens Auftreten scharf protestiert. Staatssekretär Hay erklärte, die Union könne dafür nicht verantwortlich gemacht werden. Man möge eine Beschwerde an Castro richten. Bowen sei zurzeit nicht Beamter der Ber­einigten Staaten. In Newyort heißt es, die verbün­deten Mächte f e i c ii abgeneigt, mit B o w e n weiter zu verhandel in Sie wollten den Streitfall vor das Haager Schiedsgericht verweisen, falls ein neuer Versuch. Roosevelt für das Schiedsrichteramt zu gewinnen, fehl schlüge. Bowen erklärt, einen etwaigen neuen Versuch, Roosevelt dazu auszufordern, ohne Erlaubnis Venezuelas, für eine Beleidigung. Er wurde einen solchen Vorschlag ablehnen. Deutschland fordere, so heißt es weiter, 5 5 00 P f u n d als e r st e Zahlung. Sobald diese bezahlt, die Schiedsrichter ernannt und das Protokoll unter­zeichnet sei, werde es die Blockade aufheben

Die Vertreter der Staaten im südlichen Zentral-AmeriLa baten den Staatssekretär Hay um Vermittelung der Union gegen den drohenden Ktieg. Der Sekretär erfiärte eine Einmischung der Vereinigten Staaten für unmöglich, ver­sprach aber deren gute Dienste zur Beilegung der Streitig­keiten.

Aus Stadt und Saud.

* Ung-lücksfall. Gestern mittag ereignete sich auf dem hiesigen Bahnhof am sogenannten Rangierkopf ein bedauerlicher Unglücksfall. Der Hilfsweichensteller Müller aus Büdingen, der zu seiner Ausbildung zum Weichen­steller 1. Kl. bezw. Haltestellen-Aufseher hier beschäftigt war, wurde beim Rangieren einer Weiche vmi einem ab­gelaufenen Wagen überrascht, wobei ihm das linke Bein unterhalb des Knies üb er fahr en wurde. Nach An­legen eines Notverbandes wurde der Bedauernswerte, ein junger Mann von 24 Jahren, in die hiesige Klinik ge­bracht. ,

k Stockhausen (Kreis Gießen), 6. Febr. Zu der hier in nächster Zeit stattfindenden Bürgermeister- Neuwahl haben sich in unserem Dörfchen zwei Parteien gebildet. Dieser Tage fand eine Sitzung der einen Partei beim Wirt I. statt. Gegen 11 Uhr abends kamen zwei Gäste der Gegenpartei in diese Wirtschaft. Sie wurden mit Murren empfangen, und &alb* wurde es ungemütlich. Es kam zu einem heftigen Wortwechsel, dem Tätlichkeiten olgten. Der Schwiegersohn des Wirtes ergriff einen der päten Eindringlinge und wollle ihn ins Freie befördern. Natürlich half diesem sein Kamerad, un'd alsbald stürzte ich die ganze andere Partei über beide her, sodaß sich in der Stube ein förmlicher Menscheukuäuel bildete, wobei der Landwirt K. B. schlecht wegkam. Als er sich an der Kehle gewürgt fühlte, muß er ein scharfes Instrument benutzt haben, denn einer seiner Angreifer trug eine bedeutende Kopfwunde davon, die ärztliche Behandlung erforderte. Auch er selber hat ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen müssen. Die Sache soll bereits zur Anzeige gebracht worden sein.

Gerichtssaat

Frankfurt a. M., 6. Febr. Der verantwortliche Re­dakteur derFr. N. dttichr.", Julius Wertheimer, wurde heute von der hiesigen Strafkammer wegen Ma­jestätsbeleidigung zu zwei Monaten Fest­ungshaft gemäß dem Anträge des Staatsanwalts ver­urteilt. Die Majestätsbeleidigung wurde erblickt in einer Kritik, welche am 6. Dezember an der bekannten Breslauer Rede des Kaisers an eine Arbeiter-Deputation geübt wurde.

Brüssel, 6. Febr. Bor dem Schwurgerrchte begann heute der Prozeß gegen Rubino, der am 15. No­vember in der Richtung des Wagens, in welchem sich der König befand, R e v o l v e r s ch ü s s e abgegeben hatte. Es sind starke polizeiliche Maßregelll getroffen worden, um die Ordnung aufrecht zu erhalten. Nach Verlesung der An- Nageschrift greift Rubino die moderne Gesellschaft scharf an und erklärt, er habe dasLebendes Königs der Belgier treffen wollen, weil dieser ein Vertreter dieser Gesellschaft fei. Er habe die Absicht gehabt, nach Italien zu gehen, um einen Mordanschlag aus­zuüben, aber die Hilfsmittel hätten ihm nicht gestattet, sich dorthin zu begeben. Im wetteren Verlauf des Verhörs erklärte Rubino unter der Heiterkeit des Publikums, er habe, als er das Attentat aussührte, gehofft, er könne den König, den Prinzen Albert und einige von der Geistlichkeit töten. Der Staatsanwalt legt in seinem Plaidoyer den unregelmäßigen Lebenswandel Rubinos dar und wirft ihm begangene Bettügereien vor. Hiergegen erhebt Jttibino nn so lärmender Weise Einspruch, daß der Präsident ihn zur Ruhe mahnen muß. Der Staats­anwalt fordert strenge Bestrafung des von Rubino began­genen Verbrechens.

Vermischtes.

* Brüssel, 6. Febr. In der Vorstadt St. Gilles wurde auf dem Fenstergesims der Wohnung des Substi­tuten Jattraud, der die Verhandlung im Vandermeulen- Prozeß geleitet hatte, eine Bombe mit brennender Lunte entdeckt. Die Untersuchung ergab jedoch, daß es sich um einen schlechten Scherz handelt, da die Bombe Sand enthielt.

* Paris, 6. Febr. Die Polizei beschlagnahmte einen Brief Emil d'A ur ignaes, den dieser aus dem Ge­fängnis an feine Geliebte durch Mittelspersonen zu be­fördern wußte. Das Schreiben enthielt Nachrichten über Wertpapiere und Gelder.

* VomUebergiger1". Wir lesen in einem Lon­doner Brief der Hamburger ZeitschriftDer Herrenkonfek- tionär": Den Sammetgehrock, den blauen Frack, die rote und schieferblaue Farbe haben wir zu verdanken dem jungen Marquis von Anglesy, einemllebergigerl". Von diesem beachtenswerten jungen Edelmanne behauptet die Fama, er besitze die größte Sammlung der Well von Krawattennadeln, Hemd- und Manschettenknöpfen, Ringen, Uhrketten und Armbändern. Er besitzt eine Zigaretten­büchse, auf deren Innen- und Außenseiten mtt Diamanten, Rubinen und Smaragden Bllder eingelegt sind, die man nur in sehr ungenierter Gesellschaft zeigen kann. Für dieses Etui wollte ihm der König, als er noch Prince of Males war, tausend Pfund in Barem schuldig bleiben. Als dieses llebergigerl kürzlich auf die Jagd ging, über­gab es dem Direktor des Hotels, in dem es nächtigte, Schmuck im Werte von 70 000 Pfiuid (1400000 Mark) zur Aufbewahrung. Nebenbei hat Marquis von Anglesy die vollkommenste Sammlung von Krawatten, Wäsche, Schuhen, Anzügen und Hüten. Da er nichts anderes zu tun hat, beschäftigt er sich in den letzten zwei Jahren fast aus­schließlich mit dem Erfinden von Moden. Er hat zu diesem Zweck in seinem Palais ein vollständiges Schneideratelier eingerichtet, in dem die zwei besten Zuschneider Londons, die er mit kolossalen Gehältern engagiert hat, nur für ihn arbeiten dürfen. Desgleichen hat er einen Schuhmacher und einen Wäschezuschneider für sich allein gemietet. Von Zett zu Zett pflegt er dann mit Hilfe einer Schar gleich- gesinnter Freunde, die von ihm pekuniär abhängig sind, die Londoner Gesellschaft durch eine neueMode"' zu ver­blüffen.

Märkte.

Frankfurt a. M., 6. Febr. Der Frühjahrs- Pferdemarkt wird wieder eine bedeutende Zahl von Händlern hier vereinigen, mehr noch als gelegentlich der früheren Märkte, da nicht allein alle hiesigen und größeren deutschen Händler oertreten sein werden, sondern auch aus verschiedenen Nachbarländern, so aus Oesterreich, Frankreich, Belgien, der Schweiz große Transporte angesagt sind. Es wird sich somit eine erstklassige Ware schöner Pferde prä­sentieren und den Liebhabern und Kauflustigen, die zum Frühjahr neues Material ihren Ställen einverleiben wollen, eine sicherlich sehr schöne und umfangreiche Auswahl ge­boten werden. Diesmal fällt der Pferdemarkt mit dem Frühjahrsrennen des Rennvereins zufälligerweise zusam­men; es ist daher auzunehmen, daß die Sportwelt diesem so bewährten Altfrankfurter Unternehmen, dem Pferdemarkt, ihre Aufmerksamkeit zuwenden wird. Die mit Werkpreisen reich ausgestattete Prämiierung wird Aiontagnachmittag siattfindeu. Die Vorführungen sind entweder im Freien oder in der festlich beleuchteten Halle vorgesehen, wozu das Komitee eine Militärkapelle sich gesichert hat. Turch diese Neuerung glaubt das Komitee beim Publikum noch, mehr Beifall und Unterstützung zu finden. Endlich sind auch für die Lotterie wieder Veröesseruligeu vorgesehen.

Kirchliche Nachrichten.

Evangelische Gemeinde.

3n der Stadtkirche.

Sonntag, Sepluagesimae, den 8. Februar.

G o t 1 e s d i e n ft.

Vormittags 9Vs Uhr: Professor 0. Stamm.

Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Matthäusgememde. Pfarrassistent Vogt.

Abends 6 Uhr: Pfarrer Scheunemann.

Beichte und heiliges Abendmahl für Malchaus- und Mar- cusgemeinde. Anmeldungen vorher bei dem Pfarrer jeder Ge­meinde erbeten. .

Die Versammlung der konfirmierten männlichen Jugend mufj verschoben werden.

Neueste Meldungen.

Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers.

London, 7. Febr. Ter König und die Königin unternal)men gestern eine einstündige Spazierfahrt.

Bloemfontein, 6. Febr. (Reuter.) Dewet und 40 andere Buren der extremen holländischen Partei hatten eine zweistündige Unterrebungmit Cha mb er l a i n, die erregte Vorgänge auf wies. Tcwet beschuldigte die Regierung, die F r i e d e n s b e st i m m u n g e n von Ver- eeniging verletzt zu haben. Chamberlain lehnte eine ihm angebotene Adresse ab und machte den, ihm die Adresse überbringenden Delegierten heftig e & orwurfe, daß sie den guten Glauben der englischen Regierung und seinen eigenen guten Glauben angegriffen hätten.