tt Ser Veglng heute 5leFe^r seines 70: SedurtSiageSunter lebhafter Teilnahme von nah und fern. Die Spitzen der Civil- und Militärbehörden erschienen! am Vormittag flirr Beglückwünschung. Die Städte Magdeburg und Stralsund verliehen ihm die Würde eineZ Ehrenbürgers. Der Prinz* reaent von Bayern sandte ein GlüMvunsckftelegramm. Nac^« nittagS findet ein Festmahl statt.
AuslanS.
variS, 6. Jan. Hiesige Blätter verzeichnen netter* dlnav daZ Gerücht von einer bevorstehenden Verlobung des deutschen Kronprinzen mit der Prinzessin Mee von Mbany, einer Nichte des Königs M>uard. — Die Bevölkerung des DevartementS Jinistöre hat sich mit der Bitte an die Mttglieder der Munn er und des Senats gewttndt, im Parlament filr die Verbesserung ihrer traurigen Lage ein^u treten, in welche sie bind) den wenig ergiebigen Sardinenfang geraten ist. Frauen und Kinder durchziehen bettelnd das Departemeitt, da eZl ihnen am allernottven- dkgsten fehlt.
Wien, 6. Jan. Wie verlautet, wurden in Nisch Wm Uchreibtische des Königs Alexander wichttge Auf- z ei chn u n g en, die sich auf die Mission des Grasen Lams- dorff bezogen, gestohlen.
Lissabon, 6. Jan. TaS Lissaboner Masser-Re- servotr ist plötzlich gestern geborsten. Eine gewaltige Menge Wasser überschwemmte den niedriger gelegenem Teil der Stadt völlig. Verschiedene Häuser wurden gänzlich weggewaschen. Tos Theater wurde völlig überflutet. Biele Menschen sind umgekommen, doch ist die genaue Zahl noch nicht bekannt. Eine große Panik herrscht in der Stadt.
M adrid, 6. Jan. Sagasta starb an einem alten hartnäckigen Bronchialleiden, welches plötzlich akut wurde. Tie spanischen Zeitungen haben ihm ost vorgehalten, er schütze nur sein Bronchialleiden vor, wenn er eine schwierige politische Angelegenheit verschieben wollte. SonntagnachmittogS wurde sein Leiden plötzlich schlimm. Die Aerzte erklärten sofort, es bestehe keine .Hoffnung, der Dod sei nur eine Frage weniger Stunden. Tie Nachricht verbreitete sich sehr schnell. In großer Anzahl" sammelten sich distinguierte Persöulich- ketien beim Portale seines Hauses, unter ihnen Silvela und Villaverde, Mitglied des Kubinetts. Auch viele Arbeiter kamen und hörten mit Bedauern die Nachrichten vom Befinden des populären Führers. Im königlichen Palaste herrschte ebenfalls große Teilnahme. Der König und die Königin-Mutter ließen sich alle halbe Stunde erkundigen. Viele Deputationen aus den Provinzen werden zum Begräbnisse erwartet.
— Ter Leichnam Sagastas wurde heute nachmittag nach der Teputiertenkammer überführt. Auf der Straße hatte sich eine zahllose Menge augesammelt, jbie in ehrfurchtsvollem Schweigen verharrte, als der Leichenwagen vorüberzog. Ter König begab sich nach der Kammer, um ein Gebet cust Sarge Lu verrichten.
— Wie auS Ceuta gemeldet wird, traten die ange- sehendsten Eingeborenen zusammen und beschlossen- Mafien und Munition anAukaufen für den Fall, daß dieBertider- und Suadara-K'abylen die Stadt angreifen sollten.
Ai» der zweite» Kammer.
Ms Drucksache 79 ist soeben eine Anfrag« deS Ahg. Leun über die Arbeitszeit de» Rangierpersonals auf Bahnhof Gießen erschienen. Herr Leun fragt an: ^Jst Großherzoglicher Regierung bekannt, daß sett wenigen Jahren fünf Arbeiter aus einem einzigen Ort (Großen- Linden) auf Bahnhof Gießen überfahren wurden, wovon drei sofort ihren Tod fanden und zwei zu Krüppeln wurden, und ist Großherzogliche Regierung bereit, Schritte zu tun, die eine größere Sicherung und Besserung der Verhältnisse herbeiführen?"
Von Köhler-Langsdorf liegen wiederum zwei Drucksachen vor. Die eine betrifft die Interpellation des Abgeordneten wegen Einführung von Realstem zur Kontrolle des Viehhandels in Hessen, und enthält einige Schilderungen über bereits bestehende Viehkontrollen, die andere beschäftigt sich mit der Wasserpest in der Horloff und fragt an: „Welche Maßregeln gesenkt die Großherzogliche Regierung demnächst zu ergreifen, um eine gründliche Tilgung der Wasserpest in der Horloff und ihren Neben- gewässem zu bewirken und die Gefahr der ^Verseuchung benachbarter Gewässer zu verhindernd
Kus Stadt und Land.
Gießen, den 7. Januar 1908.
• * In unserer Unterhaltungsbeilage beginnen wir heute mit dem Abdruck des Romans »Eine verhängnisvolle Fahrtt von B. M. Croker.
* * Auszeichnungen. Das Ehrenzeichen für Mitglieder freiwilliger Feuerwehren wurde von S. K. H. dem Großherzog dem Mitgliede der freiwilligen Feuerwehr zu Wimpfen a. B. Hermann Muckh verliehen.
* • Personalien. In den Ruhestand wurde versetzt der Lokomotivführer in der Hessisch-Preußischen Eisenbahn- gemeinschast Adam Friedrich Sebastian Willmuth zu Mainz mit Wirkung vom 1. Januar 1903 an.
* * Das Großh. Regierungsblatt Nr. 1, auSge- geben am 5. Januar d. I., enthält: 1. Bekanntmachung, die Einführung einer einheitlichen deutschen Rechtschreibung betreffend. Vom 31. Dezember 1902. (Wurde bereits im amtlichen Telle d. Ztg. bekanntgegeben.) 2. Bekanntmachung, die Abänderung der Vorschriften über die Einrichtung und den Betrieb der Apotheken vom 14. Januar 1897 be- tteffend.
• * In den wohlverdienten Ruhestand trat der hiesige Laternenwärter Emil Ohr, nachdem er über 33 Jahre lang seinen zwar einfach scheinenden, aber nicht unwichtigen Dienst bei der städtischen Straßenbeleuchtung in ununterbrochener Pstichttreue versehen hatte. Er fühlte sich infolge körperlicher Beschwerden und in Anbetracht der Anforderungen, welche dieser Dienst — oft bei den ungünstigsten Witterungsverhältnissen — an fernen Inhaber stellt, veranlaßt, um Enthebung von seinem Amt zu ersuchen. Nachdem die städtische Verwaltung diesem Ersuchen auf Grund der Bestimmungen, betreffend, die „Fürsorge für die städtischen Arbeiter und Bediensteten" in wohlwollender Weise entsprochen hatte, trat Herr Ohr vor kurzem in den Ruhestand, in den ihn unsere besten Wünsche begleiten.
** Hessisch -Thüring. Staatsl-rtterie. (Telegr. Bericht.) Die Prämie von 50 000 Mk. fiel auf Nr. 1212, die zuletzt mit 300 Mk. gezogen wurde. Ferner fielen 30 000 Mk. auk Nr. 44740, 5000 Mk. auf Nr. 71589,
8000 Mk. 88791, tOOO Mk. auf Nr. 47345, 1000 Mk. auf Nr. 4477 14543 51011, 400 Mk. auf Nr. 69486 76300 79847 81009 88490 92610, 800 Mk. auf Nr. 1212 15999 23563 61545 66740 72685 79574 89683 90613 97517. (Ohne Gewähr.)
** FrüdiabrSpferdemarkt. Im Sitzungssaal >er Bürgermeisterei tagte gestern abend die Pferdemarkt- Kommisfton, um über die Vorbereitungen zu dem am 26. März ab-uhalteuden Frühjahrs-Bferde markt zn beraten. Dee Vorsitzende erstattete über den letzten Herbfi-Pferdemarkt den Rechenschaftsbericht, der durch 2tin- schafsungen verschiedener " größerer Jnventarstücke mit einem kleinen Fehlbetrag aoschloß. Dem Rechner wurde Entlastung erteilt Der Lotterieptan pro 1903 erhielt insofern eine Aenderung, als diesmal it a. zwei komplett bespannte Wagen zur Verlosung kommen, und zwar als erster Preis: eine Equipage mit Pferd und silberplattier- tem Geschirr, als zweiter Preis: ein sogenannter Lauter- Bücher Wagen nebst Pferd und komplettem Geschirr: es find wie seither 20 000 Lose je Mark 1 vorgesehen und ist jer Mleinvertriebi Herrn Buch acker. Neuen Bäue, übertragen worden. Der Vorsitzende referierte alsdann über die im Herbst stattsindende landwirtschaftliche Ausstellung und teilte'mit, daß bereits Verhandlungen gepfiogen seien, den Herbst-Pferdemarkt mit der gleichzeitig stattfindenden Ausstellung zu vereinigen; die Mmmission erklärte sich hiermit einverstanden und beauftragte die beiden Borfitzenden, >ie hierfür notwendigen Bestimmungen und Abmachungen mit dem geschäftsführenden Ausschuß der landw. Ausstellung zu treffen. Für das Jahr 1904 wurde für die Pferd e- nrärrte alsdclnn noch der 16. März und 7. September in Mssicht genommen.
** Stadttheater. Ter Kasseler Hofschauspieler Eduard Schm ar sow hat sich durch seine Gastspiele am hiesigen Theater schnell einen so vorteilhaften Ruf bei unserem Publikum erworben, daß ihm bei feinem Auftreten stets ein gut besetztes Haus gesichert scheint. An ;en beiden letzten Abenden gastierte er wiederum mit bestem Erßolg, vorgestern als, An ton Hase mann in dem alten köstlichen Volksstück von L'Arronge „Hasemanns Töchter" und gestern in der Titelrolle der Gesangsposse von Moser und L'Arronge „Ter Registrator aus Reisen". Beide Komödien sind fast ein Menschenalter auf den Bühnen heimisch und toerben überall da gern gesehen, wo man dem breiten Berliner Possenwitz ein liebevolles Verständnis entgegenbringt. Daß das namentlich gestern auch hier der Fall war, zeigte der lebhafte Beifall, mit dem die Zuhörer den meist doch recht faden und abgestandenen Witzen folgten. So ein Registrator aus einem Berliner Ministerium, der wie! ein Cirlusklvwn auf der Bühne umherlaufen und das Blaue vom Himmel berunterreden muß, lediglich um die Lachmuskeln des Auditoriums einigermaßen, in Bewegung zu erhalten, mag vor 30 Jahren auf der Berliner Possenbühne eine ganz originelle Figur gewesen sein, heute erscheint er als ein fader Schwätzer, und seine Kömik wie ein altes, abgedroschenes Trommelfell. Der Gast des WendS war mit Glück und Geschick bemüht/ ben Berliner Possenreißer mit Mutterwitz und Satire auszustatten, unb wir können uns im allgemeinen ganz mit dem Urteil einverstanden erklären, das wir in der Montagsnummer über Herrn Schmarsows Cäsar Wichts aus einem Berliner Blatt zum Abdruck brachten: in der Masks beS von dem billigen Rotwein berauschten RentterS Müller zeigte sich der Gast auf der vollen Höhe feiner Bühnrnkomtk, und ihm schlossen sich Herr Heypertz als Baurat, Herr Becker als der sächselnde Gerichtspat Hetdenreich, Herr Ger lach als Jn- g erneut Weller, Herr Ramseyer als. Gastwirt zum roten Ochsen und Herr Harts Zo d e r als ZeitungSrevorter bestens an. Recht ansprechend war deL GerichtDrats Töchterchen Emma (Frl. Käthe B ü n a tt), und auch Frau Frieda Kruse alS Registratorsgattin und Frl. Brücher als Schauspielerin boten einswandKfteie Leistungen.
•* Hochwasser. Eine Folge des anhaltenden Tauwetters und der starken Regengüffe der letzten Tage ist da§ überall mit großer Gewalt austretende Hochwasser. Zahlreiche Telegramme au§ WormS, Mainz, Köln, Trier, Kassel und entfernteren Gegenden melden ein rapides Steigen der Flüffe und mannigfachen, damll verbundenen Schaden.
** VorbereitunHSkursuS für die Meisterprüfungen. Die Anmeldungen zur Tellnahme an diesem Kursus sind, wie wir von der Schulleitung der Gewerbeschule erfahren, so zahlreich eingegangen, daß derselbe Dienstag, den 13. Januar, seinen Anfang nehmen kann. An wöchentlich drei Tagen — Dienstag, Donnerstag und Frettag — von 9—12 Uhr und 2—i/2ö Uhr findet der Unterricht statt unb erstreckt sich auf alle in der Meisterprüfung vorkommenden Prüfungsfächer, nämlich Buchführung, Wechsellehre, Versicherungsgesetze, Gewerbeordnung und Aufgaben über besondere Fachkenntnisse.
** Die Ein ziehung der Taler geht noch weiter, alS bisher berichtet wurde. Die Taler älterer Jahrgänge, d. h. die bis einschließlich 1856 geprägten, welche etwas größer sind als die nach 1856 geprägten Vereinstaler, werden bereits feit Jahren ausgesondert und in bestimmten, vom Reichsschatzamte festgesetzten Raten den Münzstätten zwecks Umprägung in Fünf-, Zwei- und Ein-Mark- stücke zugeführt. Binnen Jahresfrist dürften bie Vorräte von dieser Münzgattung bei der Reichsbank erschöpft sein. Es soll nun auch, wie wir schon meldeten, mit den Ver- einstalern aufgeräumt werden, und demgemäß lautet eine Verfügung des Reichsbankdirektioriums an sämtliche rhm unterstellte Dienststellen im Reiche, wonach vom 2. Januar d. Js. ab Talerstücke nicht wieder zu verausgaben imb. Das betrifft demnach alle Taler ohne Ausnahme, und nach den seither gemachten Erfahrungen kann angenommen werden, daß nach Verlauf von zwei bis drei Monaten Die zur Zeit noch umlaufenden Talerstücke in der Hauptsache bei oer Reichsbank eingelagert fein werden. Es dürfte dann binnen etwa Jahresfrist vom Bundesrat der En^ termin festgesetzt werden, bis zu welchem die ^aler noch als Zahlmtttel anzusehen sind. So beliebt die Taler in vielen Schichten der Bevölkerung auch sind, so wünschenswert ist es andersetts, daß mit dem Ausscheiden der Taler die Reinheit der deutschen Münzwährung vollständig erreicht wird. . . n
*» Die Landes-Hypothekenbank in Darmstadt wird am 17. Januar begründet; sie tritt mit diesem Tage inS Leben.
ps. Nidda, 5. Jan. Alljährlich, wenn dieWeihnachtS- klänge verrauscht sind, begeht der Eisenbahnverein Nidda sein Weihnachtsfest; denn während der eigentlichen Feier- tage ruft den Eisenbahner die Pflicht, mit ganzer Kraft den Verkehr bewältigen zu helfen. Am 3. Januar hatten sich nun die Mitglieder des Vereins wiederum versammelt, um nach ernsten Stunden auch das Weihnachtsfest zusammen zu feiern. Herrlich wie immer prangte' der Festsaal im duftigen
Tannengrün, bestrahlt von den Kerzen zweier mächttgrn Weihnachtsbäume. Schon vor Beginn der Feier war der Saal bis auf den letzten Platz gefüllt. Eine markige Fest- rede wurde gehalten, die in einem Hoch auf Se. Maj. den Kaiser und Se. Kgl. H. den Großherzog gipfelte. ES folgte ein gut gesprochener Prolog einer Vereinsdame. Die beiden Theateraufführungen, betitelt: „Friede auf Erden* und „Die Deputation von Oberochsenheim" wurden tadellos gespielt. Die Mitwirkenden ernteten reichen Beifall.
HeideSheim, 5. Jan. Verschüttet wurde der 62jährige Landwitt Jos. GeinS durch herabfallendeS Geröll in einem Steinbruch. Er konnte nur noch als Leiche hervorgezogen werden.
Lauterbach, 5. Jan. Von einem schweren Unglück wurde die Familie des Ingenieurs Skinner hier betroffen. Der einzige, 14jährige Sohn war auf einem ihm gehörenden Esel ausgeritten. Als nach langem Ausbleiben der Esel allein nach Hause kam, suchte man nach dem Knaben unb fand ihn blutüberströmt und besinnungslos auf einer steinigen Wiese liegen. Es ist anzunehmen, daß der Knabe abgeworfen wurde und dabei einen schweren Schädel- bruch erlitten hat, und außerdem von dem durchgehenden Tier ein Stück geschleift wurde. Der bedauernswerte Knabe ist seinen Verletzungen erlegen.
sd. Mainz, 6. Jan. Unter dem Vorsitz des General- Staatsanwaltes Dr. Pre etorius hielt heute der Hessische Schutz verein für entlassene Gefangene im SitzungS- saale des Negierungsgebäudes zu Älainz Mitglieder-Versammlung ab, die sich eines verhältnismäßig guten Besuches zu erfreuen hatte. U. a. wurden dem Hess. Landesverein gegen den Mißbrauch geistiger Getränke auf dessen Ersuchen zur Beihilfe für die Trinkerheilftätte in Burg Berg-Bieber 500 Mk. bewilligt. In den Ausschuß wird für den verstorbenen Provinzial-Direktor v. Bechtold, deffen Nachfolger Provinzial-Direktor Dr. Breidert gewählt. Der Ausschuß besteht nunmehr aus den Herren: Provinzial-Direktor Dv Breidert-Gießen, Frhr. v. Gagern-Mainz, Frhr. v. Graney« Darmstadt, Exz. v. Goldmann-Darmstadt, Oberbürgermeister Köhler-Worms, Major a. D. v. Kröll-Darmstadt, Stadt pfarrec Petersen-Darmstadt, Pfarrer Schlosser-Gießen, Donv kapitular Dr. Selbst-Mainz.
Mainz, 6. Jan. Ein in einer hiesigen Anstalt schor seit mehreren Jahren bedienstetes Mädchen wurde gestern iü Kastel wegen eines Kindesmordes verhaftet. Das Mäd< chen, daS sich seither gut geführt haben soll, hatte mit einert jungen Manne in Kastel ein Verhältnis, das nicht ohrt Folgen geblieben ist. Alsbald nach der von dem Madcher verheimlichten Gebutt wickelte es daS Kind in Papier uni steckte es ins Bett, worin das Kind erstickte. Bei der zw künftigen Schwiegermutter in Kastel wurde daS Mädchen vev haftet unb die Leiche des KindeS erstickt im Bette vorgefimden — Unter dem Verdacht, sich schwer an seiner eigenen ©tief tochter vergangen zu haben, wurde em in der Neustadj wohnender Taglöhner in Hast genommen. Die Tat deS Unmenschen qualifiziert sich alö Notzuchtsverbrechen, daS mit Zuchthaus zu bestrafen ist. — DaS „Kleine Witzblatt* wurde gestern in mehreren hiesigen Buchhandlungen und bei den Kolpotteuren konfisziert. Die Konfiskation des Blattes erfolgte, wie das „Mainz. Journ.^ meldet, wegen seiner „Laszivität^.
Mainz, 6. Jan. Zu dem SekVmordversuch ded Weinhäntzlers Albert Kern am Samstag wird weiterhin genießet: Kern hatte sich mittelst eines Flobertgewehrs eine Kugel in den Kopf geschlossen. Anfänglich glaubte man an seinen Tod; er kam aber später wieder zum Bewußtsein. Ter sofort herbeigerufene Arzt verfügte die Uebersührung des Schwerverletzten in das Rochushospital, wo sich Kern sofort einer Operation unterziehen mußte. Sein Zustand ist lebeuZgefährlich. Kem wollte sich durch Selbstmord seiner Verhaftung entziehen, die wegen Dieb^ stahlsverdachts in mehreren Fällen bereits gegen ihni ungeordnet wär. Kern wird u. a. beschuldigt, auS einer Badekabine einem seiner Bekannten 140 Mk. gestohlen hu haben, ferner soll er in einer Konditorei wiederholt betrage entwendet haben, unter welchen Vorkommnisse!!, die Angestellten der Konditorei, von denen einige entlassen wurden, schwer zu leiden hatten. Auch .in einer Früh^ stücksstube in der Betzelssttaße kam ein erheblicher (Selb* betrag abhanden, wie man jetzt vermutet, durch Kern, von dem damals jedoch der Restaurateur behauptet hatte, er käme gar nicht in Bettacht. Einer von Kerns Kunden^ der in einer Stadt im Odenwald lebt, behauptet, daß er vor Jahren an Kern eine Rechnung bezahlt und nach Kerns Weggang 1500 Mk. vermißt habe. Gegen Kern, der in manchen Kreisen ein gern gesehener Gesellschafter war, häuften sich in letzter Zeit die ^DerdachtAmomente, nament- lich seitdem einem Restaurateur eine Geldbörse mit 800 Mk. Inhalt entwendet wurde. Damals waren in dem betreffeni den Raum nur Kern und ein in der Neubrmrnensttaße wohnender Herr gewesen. Letzterer hatte inzwischen ent anderes Restaurant aufgesucht und mußte sich dort von der Polizei, die der Wirt und Kern verständigt hatte, eine körperliche Visitation gefallen lassen, während gleichzeitig ein anderer Polizeibeamter das Dienstmädchen des Ver- dächttgen ausfoiffchte, wann sein Herr zuletzt zu Hause gewesen fei. Eine Haussuchung unterblieb nur ans dem Grund, weil der Verdächtige seit dem Diebstahl noch nicht nach Hause gekommen war. Inzwischen soll jener Herr den Restaurateur und Kem auf 5000 Mk. Schadenersatz verklagt haben. Gleichzettig nahm sich die Staatsanwaltschaft der Angelegenheit aufs eifrigste an. Der Verdacht, den Diebstahl ausgeführt zu haben, verschärfte sich gegen Kern, als an den Restaurateur dieser Tage eine Postalttversung über 600 Mk., ab gesandt von einem „Ehrenmann", emlief und man feststellen konnte, daß an jenem Tage Kem nach, Frankfurt gereist war. Kern hatte einige Tage vorher dem Wirt die 600 Mk. persönlich angeboten, um die Geschichte aus der Welt zu schaffen, wie er sagte; der Wirt hatte, sich aber nur zur Annahme bereit erklären wollen, wenn Kem den Diebstahl eingestehe, was jedoch verweigert wurde. In den letzten Tagen fanden nun wiederholt Vernehm* ringen in dieser und den vorher geschilderten Angelegen* Heiken vor der Polizei statt, zuletzt am Samstag, und die Verhaftung Kerns stand unmittelbar bevor. Erwähnung verdient auch noch folgendes Vorkommnis, das ein Be* fannter Kerns erzählte. Kem habe häufig bei ihm auf dem Bureau verkehrt und er habe ihm solches Vertrauert geschenkt, daß er ihn öfters längere Zett dort allein lleß^ wenn er selbst im Keller zu tun hatte. Einmal behauptete nun Kem, daß Der Kassenschrank beim Oesfnen ein entsetzliches Geräusch mache, und er holte Oel und schmierts


