ihre Aufgabe noch viel weiter gesteckt. Sie suchen durch ein Netz von Vertrauensmännern im ganzen Lande nicht nur stete Führung mit den entlassenen Kranken zu behalten, sondern auch weite Kreise der Bevölkerung zur werktätigen Mitarbeit an der Fürsorge für die Geisteskranken zu erziehen und damit einerseits das Jrrenwesen volkstümlicher zu machen, andererseits eine wohl unterrichtete öffentliche Meinung zu schaffen, die durch ihren Druck stetig werteren Verbesserungen den Weg bahnt. 1
() Marburg, 5. Nov. Die Zahl derStudenten <nt hiesiger Universität belauft sich nach ben heute zu Ende gegangenen Immatrikulationen aus nmb 1120, doch sind iinmerhin noch einige Nachzügler zu erwarten. Im Sommersemester zählte man 1305 und im letzten Wintersemester 1096 Studenten. Die zum Hören der Vorlesungen Berechtigten sind bei den genannten Ziffern nicht mit einbegriffen. — Am nächsten Mittwoch abend bringt die gesamte Studentenfchaft dem abgegangenen Rektor der Universität, Herrn Professor Mrt, einen Fackelzug. — Professor Disse hat sich bereit erklärt, in diesem Wintersemester in Form von Vorlesungen und Demonstrationen einen anatomischen Kursus für Turnlehrer einzurichten.
Ier Irojctz wegen Kinvcsunlerlchieönng gegen die Gräfin Kwltkckt.
VIIL
Berlin, 5. November.
Zu Beginn der heutigen Sitzung wird die Ladung einer Anzahl Zeugen beschloffen, welche über die Aehnlichkeit des strittigen Knaben mit der Gräfin und dem ältesten Sohne der Frau Meyer ihre Angaben machen sollen. Frau Hechelski bestätigt die Angaben ihres Mannes. Auch über Frau Hechelski ist nichts Nachteiliges bekannt. Die folgende Zeugin Frau Kaskowiak schildert, wie Hechelski sie aus- gefragt habe. Sie habe ihm gegenüber bestritten, daß das Kind untergeschoben sei. Sie selbst habe gesehen, wie die Gräfin sich in anderen Umstanden befunden habe. Hechelski habe gesucht, sie für seine Sache zu gewinnen, was sie aber entschieden abgelehnt habe. Hechelski bestreitet, der Vorzeugin irgendwie nahe gelegt zu haben, etwas Unrichtiges zu tun. Als nächster Zeuge wird der Stiefsohn der alten Andruszewska vernommen. Derselbe bekundet, daß seine Stiefmutter ihm gegenüber erklärt habe, die Gräfin habe richtig geboren. Ihm sei auch die große Aehnlichkeit zwischen dem Kinde und der Gräfin aufgefallen. Des weiteren sagt er aus, daß die alte Andruszewski klug und intelligent war. Die Hedwig halte er für wunderlich und nervös. Große Mühe verursacht die Vernehmung der Frau Wieskowska aus WroblLwo. Dieselbe erklärt, daß an dem Tage, an dem die Nachricht von der Entbindung der Gräfin nach Wroblewo gekommen, die alte Frau Andruszewska nicht verreist gewesen sei. Auch am Tage vorher sei sie zu Hause gewesen.
Der Vorsitzende hält chr eindringlich vor, daß sie dem Untersuchungsrichter gegenüber das grade Gegenteil unter ihrem Eide bekundet habe. Zeugin behauptet, daß sie beim Untersuchungsrichter nur habe sagen wollen, daß die alle Andruszewska nach der Entbindung der Gräfin einmal verreist gewesen feu Trotz aller Bemühungen des Vorsitzenden sind die Widersprüche nicht aufzuklären. Die Zeugin behauptet, von keiner Seite aus beeinflußt worden zu sein. Der Vorsitzende ermahnt sie, die Sache zu überlegen und ihr Gewiffen zu prüfen. Zeugin erklärt, sie könne nichts anderes sagen. Hierauf beantragt der Staatsanwalt, die Zeugin wegen wissentlichen Meineides zu verhaften. Die Verteidigung stellt den Antrag, vor der Entscheidung Dr. Rosiuski zu beauftragen, die Zengin körperlich und geistig zu untersuchen. Der Gerichtshof beschließt jedoch die Verhaftung der Zeugin, da diese des Meineides und der Begünstigung dringend verdächtig sei. Auch bei dem folgenden Zeugen Vogt Biskuy stellen sich Widersprüche haraus. Früher habe er erklärt, die alte Frau Andruszewska sei am 28. Januar verreist gewesen, jetzt, daß die alte Frau Andruszewska einmal nach Posen gefahren wäre. Auch mehrere andere Zeugen wißen nichts von der Reise der allen Frau Andruszewska. Nachdem noch Zeuge M i e ch e ls k i über den Leumund des Hechelski vernommen worden, der ihm nachsagt, daß er ein gefährlicher Mensch sei, wird die Sitzung aus morgen vertagt.
Vermischtes.
* Köln, 4. Nov. Der frühere Stadtverordnete Bauer, welcher wegen Veruntreuungen zu anderthalb Jahren Zuchthaus verurteilt wurde, der dem Untersuchungsrichter vorgeführt werden sollte, ist entflohen. Er hatte den ihn begleitenden Schutzmann zu bewegen gewußt, mit ihm nach seiner Wohnung zu fahren und diese Gelegenheit zur Flucht benutzt.
* Dortmund, 4. Nov. Eine Skandalgeschichte bildet das Tagesgespräch. Die beteiligten Persönlichkeiten, die Gattin des Industriellen Baron v. Romberg und der Hauptmann Meincke sind, wie es heißt, nach Brasilien durchgegangen.
Bochum, 5. Nov. In Langendreer scheute während der Entleerung einer Jauchegrube das Pferd des Jauchekarrens und ging durch. Zwei Frauen und vier Kinder wurden überfahren. Drei Kinder und eine Frau wurden schwer, die übrigen leichter verletzt.
Saarbrückens. Nov. In der hiesigen Gefängnis- Kapelle wurde ein kürzlich zu acht Jahren Zuchthaus verurteilter Gefangener mit seiner Braut getraut, nachdem vorher die standesamtliche Trauung vollzogen worden war. Die junge Ehefrau mußte dann gleich auf 8 Jahre von ihrem Mann Abschied nehmen.
* Trier, 4. Nov. Der mutmaßliche Mörder des Wirts Jovys aus Kylsburg ist in der Person emes Italieners verhaftet worden.
* Kiel, 4. Nov. Auf der Uebungssahrt von Swine- münde nach Neusahrwasser kollidierten zwei Torpedoboote. Eines derselben erlitt eine Havarie am Bug und wurde, es seeuntüchtig geworden, nach Kiel eingeschleppt.
* Kiel, 4. Nov. Der Forschungsdampfer „Poseidon" kollidierte mit den Seglern,Hinrich" und.Gretchen", die erhebliche Havarien erlitten. Während„Poseidon" die Fahrt
fortsetzte, mußten die Segelschiffe Kiel als Slothafen an- lausen.
* Thorn, 4. Nov. Der Gutsbesitzer Voeste auf Gut Malankowo im Kreise Briesen wurde durch Selbstent- ladung seiner Jagdflinte sofort getötet.
* Weimar, 4. Nov. Der Großherzog begnadigte die zu drei Monaten Festungshaft verurteilten Duell g eg ne r Juslizrat Vogt und Rechtsanwalt Aurae. Nur A. Halle zwei Wochen der Haft verbüßt.
* Augsburg, b. Nov. Die große Bleicherei Martini u. Co. ist in der verflossenen Nacht vollständig nieder- gebrannt. Das Feuer brach nach Arbeitsschluß in einem Bodenraum der Bleicherei aus und verbreitete sich mit rasender Heftigkeit. Es wurden 8 oder 9 Feuerwehrleute leicht verletzt. Der Schaden ist sehr bedeutend, doch größtenteils durch Versicherung gedeckt.
Ansbach, 4. Nov. Der 28 Jahre alte Bank- Kommis Paul Hohenberger, welcher bei dem verkrachten Bankier Ellenrieder angestellt war, hat sich gestern in der Wohnung seiner Mutter in Ansbach erschossen. Das Motiv zur Tat ist bis jetzt noch nicht bekannt, jedoch dürfte es in Zusammenhang mit der Flucht Ellenrieders stehen.
* Ehristiania, 4. Nov. Die Zeitung „Verdensgang" meldet: Bei einer Hochzeit in Sjoegssoerden explodierte gestern ein Packet mit Dynamit, elf Personen wurden verwundet, davon vier tätlich. Das Hochzeitshaus wurde teilweise zerstört.
* Antwerpen, 5. Nov. In der Wohnung einer Frau Dens wurden von Dieben für 50 000 Frcs. Schuldverschreibungen der Stadt Brüssel und Antwerpen gestohlen.
Q uentin, 4. Nov. Ein Eisenbahnzug ist in der Nähe von Ribemont e n t g l e i st. Die Lokomotive und ein Wagen stürzten den Eisenbahndamm hinab. 8 Personen wurden verletzt, darunter 5 schwer.
* Lissabon, 4. Nov. Der Dampfer „Duisburg", der in der Nähe von Liffabon gestrandet ist, wird für verloren angesehen. Die Ladung konnte nur teilweise gerettet werden.
* Wien, 4. Nov. Der Herzog Philipp von Orleans, der mit seiner Gemahlin, der Erzherzogin Dorothea, und zwei Chauffeuren im Automobil fuhr, hatte gestern bei Melk ein Unfall. Das Pferd eines entgegenkommenden Wagens scheute und der Kutscher wurde verwundet. In Amstetten wurde das Automobil des Herzogs von der avisierten Gendarmerie zum Halten gezwungen, und sodann samt Insassen zum Bezirksgericht eskortiert, wo dem grnßherzoglichen Paare da§ Nationale abgenommen wurde. Nach Erlag einer Kaution von 1000 Kronen setzte der Herzog die Fahrt nach Linz fort.
• Glatz, 5. Nov. Der Magistrat teilte der Stadtverordnetenversammlung mit, daß der städtische Steuererheber Gollenta feit 1. Oktober 1900 in zahlreichen Fällen Unterschleife an eingegangenen Beträgen der Staatsund Kommunalsteuer verübt habe.
* Newyork, 4. Nov. Die RegierungSmagazine auf der Hudsoninsel Jona in der Nähe von Peetskill, welche Explosivstoffe enthielten, sind in die Lust geflogen. Die explodierenden Geschosse wurden teilweise in die Umgegend geschleudert. Mehr als 20 Personen sind urnge- kommen.
* Newyork, 5. Nov. In den Staaten Illinois, Indiana, Missouri, Mississippi und Kentucky haben heftige Erdbeben stallgefunden. Nähere Nachrichten fehlen noch.
Vom Karzer. In Bonn ist, wie vor kurzem Rektor Zillelmann mitteilte, die Karzerstraße von der Universität gänzlich abgeschafft worden. Vielleicht interessiert da eine Erinnerung über die Karzerstrafe, wie sie Max Müller, der verstorbene große Sprachforscher, in seinem Buch „Mein Leben" erzählt, in dem Kapitel, das seinen Aufenthalt in Leipzig schildert. „Ich bekam einen kleinen Vorgeschmack von einem Leden hinter den Gefängnismauern (ber Unioer- ität) zu kosten zur Strafe dafür, daß ich die Farbe einer verbotenen Verbindung getragen hatte. Ich kann nicht behaupten, daß mir das Unbehagen meiner zweitägigen Hast viel ausgemacht hätte, da meine Freunde freien Zugang zu mir hatten und nach Belieben — natürlich auf meine Kosten — in meiner Zelle rauchten und Bier tranken; aber ich mußte befürchten, durch meine Untat des Stipendiums ver- ustig zu gehen, auf welches allein ich zur Fortsetzung meiner Studien in Leipzig angewiesen war. Bei meiner Entlassung aus der Gefangenschaft ging ich zum Rektor der Universität und setzte ihm die Verhältnisse auseinander: daß die Einbuße meines Stipendiums für mich das Aufgeben des Universitätstudiums bedeuten würde. Zu meiner großen Erleichterung sagte mir der alte Herr: ,Jch weiß von nichts, und wenn man mich darum befragt, so kann ich nicht ermitteln, welchen von den vielen Müllers, die hier studieren, die Sache betrifft/ — Ich muß aber bekennen, daß ich und meine lustigen Gefährten uns öfters noch eines Frevels schuldig machten. Ich erinnere mich, daß wir bei einer Gelegenheit, vor der Einführung der Droschken, sämtliche Sänften Leipzigs nebst ihren gelbröckigen Trägem mieteten und in feierlichen Zuge durch die Straßen zogen, zu nicht geringem Aerger der guten Bürger, denen jedes Fortbewegungsmittel genommen war, bis unserem Spaß ein Halt geboten wurde. Noch nicht befriedigt von dieser Heldentat, mieteten meine Freunde und ich die ersten 30 oder 40 Droschken, auf die sich Leipzig schon gefreut hatte, für den ganzen Tag und fuhren damit auf das Land. Die Leipziger, die sich des lange erwarteten Vergnügens, in einer Droschke zu fahren, so schnöde beraubt ahen, waren natürlich sehr empört und setzten eine Polizei- oerorbnung durch, nach welcher niemand mehr als zwei Droschken auf einmal mieten durfte. Das waren sehr un- chuldige und, wenn man will — sehr törichte Späße, aber es war doch eine unaussprechliche glückliche Zeit. Lian darf nicht vergessen, daß wir unmittelbar aus der strengen deutschen Schuldisziplin in die Ungebundenheit des deutschen Studentenlebens übergegangen waren." In Leipzig waren Übrigens die Wände des Karzers auf dein Universilätshofe derart mit Malereien und Gedichten dort inhaftierter Musensöhne über» äet, daß kaum noch ein Plätzchen frei war. Besuche auf dem Karzer konnte man ebenso wie' einst Max Müller auch in den 80 er und Anfang der 90 er Jahre noch empfangen, oviel man wollte, und wenn auch die strenge Karzerordnung nur zwei bis drei Flaschen Bier täglich gestattete, so war doch der Pedell, und namentlich die sehr liebenswürdige und
schöne junge Frau Pedellm stets so freunöiia), den tsamormus* trank in ungemessenen Mengen heranzuschaffen. (D. Red.)
* Eine Ulk-Offe rte. Wir lesen in der „Dtsch. Uhrmacherztg": Kollege N. in N. sucht durch Inserat einen Großuhrmacher, v-on dem er Tüchtigkeit, Sauberkeit, gute Kleidung und gutes Benehmen forderte. Daraus erhielt er u. a. folgende Offerte: Auf Ihre W-erte Annonce bewerbe ich mich um Ihre Stelle. Tüchtig bin ich sehr. Ich repariere Uhren nach bewährter Methode, ohne Auseinandernehmen, durch Suggestion. Das ist billig und schnell. Auch bin ich sauber. Ich wasche mich jeden Tag einmal, mindestens bis au den Kragen; bas ist weit genug. Das Andere sieht mau ja nicht. Benehmen 1 f. Ich bewege mich mit gleicher Ungezwungenheit auf den Parketts ber obersten Behörden, wie aus dem Linoleum ber Crapule. Kleiber aufs beste, was Sie daraus ersehen, baß ich meine abgelegten an meine bisherigen Prinzipale zum We-iter- tragen abgab. Sie Würben stets gern angenommen. An sonstigen Tatsachen teile ich Ihnen mit, baß ich einen guten Appetit habe, was ich beim Gehalt zu berücksichtigen bitte. Gegen Einsenbung von Reisegelb kann ich sofort kommen. Mit kollegialem Gruße August Knieptang. — Wenn „August Äuie.ptaug" (Kneifzange) mit seinem Werkzeuge ebensogut umzugehen versteht, wie mit seiner immerhin etwas „ungewaschenen" Feber, so würben wir, so schreibt bas genannte Fachblatt launig, nicht anftehen, ihn trotz seiner Ulkneigung, ben Kollegen zu empfehlen.
* Der Fall Kwilecka ruft mancherlei Erinnerungen an überlieferten merkwürdigen Natur- und Himmelssegen wach. Erwähnenswert ist wohl das Zeugnis eines Grabsteins, das Theodor Fontane in seinen Wanderungen mitteilt. In ber Kirche zu Blankensee bei Trebbin — heißt es da __
gleich links am Eingang der Tür befindet sich ein sehr alter Grabstein zum Andenken an die „gottseelig in Kindesnöten entschlafene Anna v. Schlabrendorf v. Thümens ehelich Gemahl". Fontane berichtet von einem hierzu gehörenden Bilde mit folgendem Reimspruche:
Hier liegt begraben ohne Qual Kuno von Thümens ehelich Gemahl, Die tugenbjame Frau Anna gut Von Schlabrendorf das edle Blut Welche gegeben war von Gott Dem Kuno von Thümen bis in ben Tod. Als sie ihm eine Tochter gebar, Zählte sie sieben und sechszig Jahr, Am ersten Jammertag es war.
Sei chr gnädig Herr und Gort Und Helf auch uns aus aller Not.
* Ein Straßburger Studentenstreich. Vor kurzem war an einem Hause der Vogesenstraße in Straßburg nächtlicherweile das auf einige 30 Mark bewertete Firmenschild des Musikinstituts Fabian entwendet und durch em Seifenplakat ersetzt worden. Die Täter haben sich nun. zwar ohne Namensnennung, gemeldet, und den größten Teil des Schadens ersetzt. Der Geldsendung haben sie folgende Reime beigefügt:
Wertgeschatzter Pianist! Das Schild im Rhein versenket ist. Statt seiner nimmt Herr Fabian Gewiß die 20 Märklein an I Zwar härt' er lieber dreißig, Doch überleg' er bei sich, Daß 30 Mark für solchen Quark — Verzeih mir's Goll — em bißchen stark, Und schließlich auch das Seifplakcll Nicht ohne Wert ist in der Tat. Doch hat er nicht genug davon, So giebt's noch viel, o Musensohn: Enameline und Jaool, Herrn Maggis Würze und Odol, Seiseu von Töhring, Sunlight, Ray Und Neslles leck'ren Kinderbrei, Was alles gern zu nächtiger Zeit Für ihn zu stehlen wir bereit Gott geb’, er find' noch später, Was ihm jetzt fehlt — die Täter!
Daraufhin will der eingefeifte Musikus die Missetäter laufen lassen.
UniversiMs Nachrichten.
Bonn. 4. Novbr. An der hiesigen Universität promovierten summa cum laude die Damen Busch und E d e n-' Hülsen als Doktoren der Medizm.
— D i e Geschenke Kaiser Wilhelms für das germanische Museum der Harvard-Universität m Nordamerika sollen, wie aus Cambridge gemeldet wird, am nächsten Dienstag in feierlicher Weise übergeben werben. Zu dem Zwecke wird in der neuen Vorlesungshalle der Universität em Festakt stattsinden, welchen Prosessor v. Jagemann zu leiten gedenkt. Die kaiserlichen Geschenke wird Präsident Eliot im Namen der Universität entgegennehmen. Weitere Ansprachen sind angemeldet vom Präsidenten der germanischen Museums-Assoziation Karl Schulz und vom Kurator des Museums Professor K. Francke. Sieben dem früheren amerikanischen Botschafter in Berlin Andrew D. White sind die sämtlichen Mitglieder der Museumsgesellschaft, welche sich aus den hervorragendsten Deutsch-Amerikanern zusammensetzen, zu der Feier geladen worden.
— Wissenschaft und Buchhandel. Wie der bisherige Rektor der Universität Leipzig, Prof. Wach, in seiner beim Rektoratswechsel gehaltenen Rede mitteilt, sind dem „Akademischen S ch u tz v e r e i n“, der die Interessen der Autoren und der Bücherkonsumenten gegenüber dem Börsenverem deutscher Buchhändler wahren will, trotz der notwendigen zeitraubenden Vorarbeiten bereits sieben akademische Z w e i gv e r e i n e, und zwar in Leipzig, Freiburg, Gießen, Gölluigen, Rostock, Marburg unb Würzburg, beigetreien. Der Redner sprach die Hoffnung aus, die Schutzvereine auf alle deutschen Hochschulen und auch über Deutschlands Grenzen hinaus auf alle akademisch gebildeten Beruislreise ausgedehnt zu sehen zum Stutzen der Wissenschaft und gewiß nicht zum Schaden des gesunden Buchgewerbes. Die jetzige Preissteigerung sei ungesund: weder die Kaufkraft der Blbliolhekeii noch die des wissenschasllichen Publikums sei derselben gewachsen. Die Minderung des Absatzes bedrohe die wissenschaftliche Produktion und iolgeweise unser ganzes geistiges Leben mit ernster Geiahr. — Benn Rektoratswechsel gingen die akademischen Fasces auf Professor Bücher über, den bekannten Verfasser der ersten gegen ben Börsenverein ber Buchhändler gerichteten Kampfschrift. Wie erinnerlich, gab seinerzeit em einstimmiger Beschluß des Senats unb ber Dozenten ber Leipziger Hochschule ben Anlaß zu ber ganzen Bewegung, die immer weitere Kreise zieht.
— Der Diplomat als Universitätslehrer. Der frühere badische Gesandte in Berlin, Wirkt. Geh. Rat v. Jagemann, der vor Kurzem in ben Lehrkörper der Universität Heidelberg eingetreten ist, hat jetzt sein erstes Kolleg eröffnet, deffen Steina die deutsche Reichsversassnng ist. lieber die erste Vorlesung des einstigen Diplomaten wirb deiichtei: Vor einem dicht- gebrängten Zuhörertreis von ©tubierenben unb älteren Akademikern begann Tr. Jagemann mit einigen per,onlichen, für bie Geschichte seiner Pensionierung vielleicht UUiiuaiwen Vorbemerkungen. Als er im Februar d.Js. ben Entschluß iatzte, sich für ben Herbst aus dem aktiven Staatsdienst zurüctzuziehen, habe er sich dre Frage vorgelegt, wie er eine stille 'Muße geistig ausfüllen solle. Ta seien ihm die Worte in ben Sinn gekommen, nut benen ein badischer Staatsmann, Stabet, seinen Komuiemar zum „Code civüa


