Ausgabe 
6.5.1903 Zweites Blatt
 
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zy bringen. Im übrigen beantragt der Ausschuß mit allen gegen eine Stimme: den Antrag der Abgg. Lorell und Brauer abzulehnen.

Tie in Kommunatforstwarteien beschäftigten Forst­warte ersuchen in einer Eingabe um Aufbesserung ihrer Tienftbezüge. Der L Ausschuß beantragt, der Vorstellung leine Folge zu geben.

Kolltische Tagesschau.

Des Kronprinzen 21. Geburtstag.

In dem Marmorpalais zu Potsdam, in dem die Kaiserin zurzeit, von der Witterung in ungewöhnlicher Weise begünstigt, chre Wohnung aufgeschlagen hat und die letzten Spuren ihres Armbruchs auszuheilen sucht, hat heute vor 21 Jahren der deutsche Kronprinz das Licht der Welt erblickt. Ws die Nachricht dem kaiserlichen Urgroßvater gemeldet wurde, rief dieser in lebhafter Freude: ,Lurra, vier Kaiser!" Heute steht der Kronprinz dem Throne am nächsten, in ernster Vorbereitung für bie schwere, verantwortungsreichc Stellung, die ihm, hoffentlich erst nach langer Frist, einst zufallen wird. Während nach bürgerlichem Recht unsere Jugend erst mit der Vollendung des 21. Lebensjahres voll­jährig wird, ist der Kronprinz, wie alle Hohenzollern, be­reits mit der Vollendung seines 18. Lebensjahres voll­jährig geworden. Aber noch lange sind seine Lehrjahre nicht zu Ende. Zunächst hat er sich einer gründlichen mili­tärischen Ausbildung zu widmen, die er in den allernächsten Tagen wiederum in Potsdam beim 1. Garderegiment zu Futz beginnen wird, woran sich im Herbst schon die Teil- nähme an den Kaisermanövern anschlieyen wird. Daneben wird man aber auch frühzeitig darauf Bedacht nehmen müssen, den Kronprinzen mll den mannigfaltigen Gebieten der Verwaltung und Verfassung von Reich und Staat ver­traut zu machen, deren Kenntnis für ihn mit der Zeit unentbehrlich werden wird. Der Kronprinz hat es, so schreibt dieKöln. Ztg.", verstanden, sich während seines zwei­jährigen, allerdings häufig unterbrochenen Aufenthaltes auf der rheinischen Hochschule die Herzen aller derer zu ge­winnen, die mit ihm in Berührung zu kommen die Freude hatten. Er hat sich als ein ungemein frischer, lebhaft an­geregter, warm empfindender, liebenswürdiger, allen Künsteleien abholder Jüngling herausgestellt, dem nament­lich unsere holde Weiblichkeit von Herzen zujubelte und der weithin am Rhein sich ein gutes Gedenken und herz­liche Verehrung gesichert hat. Seitdem hat er eine beneidens­werte Reise zurückgelegt, die ihn trotz der kurzen Unter­brechung einer rasch überstandenen Erkrankung doch un­gemein viel Schönes hat kennen lernen und würdigen lassen, die ihn vor allem zu den Schätzen altklasfischer Kultur, zu den Ergebnissen erfolgreicher deutscher Aus­grabungen in Milet und in Olympia geführt hat, die ihm die Wunderschätze des Goldenen Horn, Athens, Neapels, Roms und Florenz' zugänglich gemacht hat, eine Reise, deren gewaltige Eindrücke sich in sein jugendsrisches Gemüt tief eingegraben haben und sicherlich nicht fürs Leben ver­gessen werden. Jetzt tritt er in sein 22. Lebensjahr unter dem strahlenden blauen Himmel Italiens, im Glanze des savoyischen Hofes, ein Stolz seiner Ellern, die Hoffnung des deutschen Volkes. Mll Trauer im Herzen wird er gerade an diesem Tage seine kaiserliche Muller vermissen, die sich so herzlich auf die Romfahrt gefreut hatte, und der die noch immer nicht ganz gehobenen Nachwirkungen eines bedauerlichen Reitunfalls das Fernbleiben von der Fahrt aufgenötigt haben. Möge das neue Lebensjahr dem deutschen Kronprinzen ein besonders gutes und glückliches werden!

Zum Rücktritt de8 Erbprinzen von Sachsen Meiningen.

Uns wird geschrieben:

Tie Vorbereitungen zum Rücktrllt des Erbprinzen von Sachsen-Meiningen vom Kommando über das sechste Armeekorps in Breslau bedeuten für die rnillläri- schen Kreise eine vollkommene Ueberraschung. Man hat keinen Anhalt, welche Gründe den Erbprinzen zu so plötzlichem Scheiden aus dem ihm liebgewordenen Wirk­ungskreise betrogen haben können. Es wird in Erinnerung fein, daß der Erbprinz erstpor kurzem für den Bereich seines Armeekorps je einen Erlaß gegen den Alkoholmißbrauch und gegen bie Soldaten Mißhandlungen veröffent­lichte, von denen namentlich der letztere wegen seiner frei­mütigen Währung der Rechte des mißhandelten Unter­gebenen Aufsehen erregte und weitgehende Billigung in der Oeffentllchkeit fand. Tie Mögliastell, daß dieser Erlaß mißliebig bemerkt lvorden sei, wird in militärischen Kreisen als völlig ausgeschlossen betrachtet; denn nirgends finde das Bestreben, die Soldatenmißhandlmigen zu bekämpfen, rückhaltlosere Urllerstützung, als an maßgebender Stelle. Nicht umvidersprockstn ist milllräischerseits die Ansicht ge­blieben, die an eine Erwartung des Erbprinzen von Sachsen-Meiningen wegen Uebertragung des Komman­dos des Garde ko rps glauben machen will, eine Er­wartung, deren Erfüllung dem Erbprinzen fürs nächste nicht habe in Aussicht gestellt werden können Eine Per- sönlichlell, die jahrelang in engerem militärischen Tienst- verhältnis zum Erbprinzen stand, bcftrcitet aber das Vor­handensein einer derartigenErwartung". Ter Erbprinz habe den Befehl über das Gardekorps niemals höher be­wertet als den über ein anderes Armeekorps. Ebensowenig habe er den Offizieren des schlesischen Korps seine Ansicht, aus dem Frontdienst zu scheiden, zu erkennen gegeben. Tarüber, daß die Uebersiedelung von Breslau nach Stein­ingen gleichbedeutend ist mll dem Scheiden des Erbprinzen aus dem Frontdienst, kann wohl kaum ein Zweifel sein. Jedenfalls sehen die Männer des sechsten Armeekorps, die Träger der gelben Achselllappen, den Erbprinzen mit Be­dauern scheiden. Er hat sich große Verdienste uin das Korps erworben. Er war auch den letzten seiner Soldaten ein gütiger und gerechter Vorgesetzter. In Breslau genoß das erbprinzlichc Paar geradezu Volkstümlichkeit, wie sich bei der im Februar d. I. slallgehabten Sllberhock/zeit zeigte. Auch die Gemahlin des Erbpnnzen, bekanntlich die älteste Schwester Kaiser Wilhelms, wlld ungern die Provinz ver­lassen, in der sie viel Gutes gestiftet und sich wohl ge­fühlt hat.

Deutsches Keich.

Berlin, 5. Mai. TieNat -Ztg." bezeichnet die Blättermeldungen, daß der Kaiser aus seiner Rückreise aus Rom ineognito in Stündjcn eintreffen und mehrere Tage dort verweilen werde, als ebenso unzutreffend nne die Mit­teilungen über die angeblichen Ursachen, aus denen der Kaiser auf der Reise nach Rom Nlluuchen nicht berührt hat. Tie Gotthard krönte bot sich eben als der geeignetste Weg dar, sodaß für zdovibiimtivnen nicht dec geeuigste vor liegt.

Ter Kais er hat seine Reftedisposllionen geändert. Er reist am 11. Null stall von Donaueschingen nach Straß­

burg zunächst nach Karlsruhe zu einem dreisllrndigen Besuche des Großherzoglichen Paares, dann nach Straß­burg.

Aus Kassel wird geschrieben: Am Mittwoch wird >er Hof- und Hausmarschall Frhr. v. Lyncker hier ein- tteffen, um die hiesigen königlichen Schlösser au besichtigen. Man nimmt an, daß die Kaiserin mll den jüngeren kaiserlichen Kindern diesmal früher als sonst in Wil- Hel m sh ö h e Aufenthalt nehmen wird.

TemReichsanzeiaer" zufolge ist der Kolonial­rat auf den 18. Mai einberufen.

Wahl-Bewegung.

Wahlkreis Offenbach - Dieburg. Nachdem der Stadtv. Böhm die Kandidatur abgelehnt hat, sind Unter­handlungen mit Dr. Becker in Sprendlingen angeknüpft worden, die zum Ziele geführt haben. Tr. Becker hat die Kandidatur angenommen unter der Bedingung, daß sich alle vaterländisch gesinnten Kreise aus seine Kandidatur einigen. Das wird nach der .Volksmacht" der Fall fein» Der Kan­didat schließt sich keiner Partei an.

fc. Erbach L O., 5. Mai. Fabrikant Scior ist von der ihm seitens vieler Freunde und Parteigenossen in Erbach und Umgegend angetragenen Reichstagskandidatur für den Wahlkreis Erbach-Bensheim desinitiv zurückgetreten. Als alleiniger nationalliberaler und überhaupt bürgerlicher Kandidat steht demjenigen der Sozialdemokraten nunmehr noch Geh. Regicrungsrat Haas aus Darmstadt gegenüber.

Ausland.

Stockholm, 5. Mai. Ter Reichstag beschloß heute die Beibehaltung des Mai s zoll es. Die Regierung hatte >ie Aufhebung dieses Zolles vorgesck)lagen.

Der König von Spanien ernannte zum Ob er - chiedsrichter in der gemeinsamen Kommission zur Zrüfung der unerledigten schwedisch-norwegischen Reklama­tionen gegen Venezuela den spanischen Gesandten in Earaeas, Robert de Avala.

London, 5. Mau Der König ist heute nachmittag auf der Viktoriastotion angekommen.

Daily Mall" berichtet, der König werde, nachdem er seinen Schwiegervater im Juli in Kopenhagen besucht hat, Ende Juli nach Petersburg reisen. Bei seiner Rückkehr von dort werde er Anfang August zu einem drei­tägigen Besuch in Berlin eintreffen.

Paris, 5. Mai. Präsident Loubet sandte folgendes Telegramm an König Eduard nach Portsmouth:Ich in hocherfreut über den guten Eindruck, den Ew. Majestät von dem Aufenthalte in Frankreich geivonnen haben und danke herzlichst für die wohlwollende Gesinnung, die Eure Majestät dem französischen Volke und der französischen Regierung gegenüber zu bekunden die Güte hatten."

Die Pariser Journalisten nahmen in ihrer gestrigen Versammlung folgende Tagesordnung an: Die ranzöfischen Journalisten, welche anläßlich des Empfanges ihrer englischen Kollegen bei Gelegenheit der An­wesenheit des Königs Georg in Paris versammelt sind, drücken den Kollegen ihre freundschaftlichen Gefühle aus und wünschen, daß die guten Beziehungen zwischen Frank­reich und England auf der Basis des internationalen Schiedsgerichts bestehen bleiben mögen und zwar in end- glltiger Weise. Sie sprechen weller die Hoffnung aus, daß oemnächst im englischen Parlament eine Gruppe des inter­nationalen Schiedsgerichtes gebildet werde, die sich im französischen Parlament bereits organisiert hat.

Nancy, 5. Mai. Ms die Staatsanwaltschaft im Kloster der Oblaten Vernehmungen vornahm, kam es zu Ruhestörungen. Mehrere Gendarmen und eine Frau wurden verletzt. Die Gendarmen mußten mehrere Barrikaden niederreißen, die auf der Straße errichtet waren.

Rom, 5. Mai. (Kammer.) Aus eine Anfrage Ciccottis, wie die Regierung den englischen Vorschlag einer gleich­zeitigen Herabsetzung der Flottenausgaben auf­genommen habe, erwiderte' Unterstaatssekretär Baccelli, die englische Regierung habe sich bereit erklärt, die Rüstungen zur See zu vermindern, wenn andere Riäclste das Gleiche tun, habe aber den Mächten keine Vorschläge gemacht. Für Italien wäre ein solcher Vorschlag inopportun, da in den letzten Jahren die Ausgaben für die Flotte herabgesetzt seien. Jetzt habe Italien aber eine star ke Flotte nötig.

Wien, ö. Mai. Das Abgeordnetenhaus nahm die Dringlichkeit des Antrags Stransky über dieR e k t u s"- Affäre an. Hruban sprach für Kohn. Das erregt stürmische Rufe bei den Alldeutschen. Wir lassen diesen Vertreter des jüdischen Blutsaugers Kohn nicht reden! Es ist eine Schweinerei, für den Lumpen Kohn zu reden !Los von Roms! Da das Haus beschlußunfähig ist, wird die Sitzung geschlossen.

Ter Zollausschuß erledigte die Tarifklasse Leder und Lederwaren und beschloß die Zurückstellung der Positionen Sohlleder, Kalbleder und Schafleder, die übrigen Positionen wurden unverändert angenommen, ebenso Kürschnerwaren. Der Ausschuß nahm die Klasse Glas und Glasivaren unverändert an und begann die Beratung der Klasse Steinwaren. Abg. Sehnel beantragt Erhöhung des Zemen t zolles gegenüber der zunehmenden deutscheu Ueberproduktion.

Aden, 5. Mai. Hier geht das Gerücht, der Mullah habe die englischen Truppen bei Galadi angegriffen, sei aber unter schweren Verlusten zurückgeschlagen worden; die Ver­luste der Engländer seien beträchtlich.

Newyork, ö. Mai. Die Inhaber der San Do­mingo-Bonds drohen, die Zollämter zu beschlagnahmen, sofern die Republik die weitere Zinszahlung unterlagt. Es herrschen dort höchst traurige Zustände. Die Bons­zinsen find zweifellos unerlangvar und die amerikanische Regierung befürchtet ein ziveites Venezuela, nur daß dieses zahlen kann, wogegen San Domingo unfähig ge­worden ist. Die Bundesregierung beabsichtigt, Kriegs­schiffe nach San Salvador zu senden. Der dortige Kongreß hat die Teckung des Schiedsgerichtserkenntnisses von einer halben Million verweigert.

Fiozetz ZSo^ff vor dem Derwattuugsgerichlsyof.

(Originalbericht von unserem 9t B.-Korrespondenten.)

V.

Darmstadt, 5. Mai.

In der heutigen, um 9> _ Uhr eröffneten Sitzung wurde zunächst von Oberlandesgerichtsrat Tr. Langen mll der Verlesung der Aktenstücke fortgesahren. Es tarnen die Be­richte über die Verhandlungen imGroßen Kolleg" zu Ofsenbach gegen Wolff und seinen Konflikt mll Medizinal­rat Tr. Köhler und dem städtischen Krankenhaus zur Ver­lesung, ferner die Allen über die vom Lberregierunasrat Hölzinger geführte Tisziplinaruntersuchung wegen Tienst-

v er geh en in Sachen Kost ic. Tem Kreisrat v. Homberg? wurde von Wolff zum Vorwurf gemacht, daß er ihm gegen­über nicht loyal gehandelt habe und daß die vom Kreisamt jegen ihn getroffenen Disziplinarmaßregeln einem Vor- tandsmitglied der Ortsllan reu lasse bekannt geworden resp. durchgesickert" seien. Daneben werden aber aur»> die zu Gunsten des Angeklagten sprechenden Aussagen verschiv- jener Offenbacher Bürger, so des Vorsitzenden des Äauf- männischen Vereins, des Tetaillisten- und des Handwerker­vereins zum Vortrag gebracht, die das diensteifrige, ent­gegenkommende Verhalten Wolffs in jeder Weise anerferaien und bekennen, mit ihm stets gut ausgekommen zu sein. Auch die Allen aus Friedberg unb Niederrad über den Ver­walter Schiff, die bis auf 25 Jahre zurückgehen und über )as nicht immer einwandsfreie Privatleben Schiffs Aus­kunft gaben, wurden verlesen.

Nacktem die Altenverlesung erschöpft war, nahm Mi­nisterialrat B e st als Vertreter der Anllagebehörde das Wort zu einer etwa zweistüiidigen Begründung der Anklage: Mein Anllag ist auf Dienstentlassung des Beigeordneten Wolff gerichtet. Dieser Antrag wird nicht gestellt auf Grund einzelner Vorgänge, die lln Lgufe der Verhandlungen hiev vorgeführt wurden, sondern infolge der diesen Vorgängen zu Gruiide liegenden Tatsache, daß Wolff sich seinem ganzen Verhalten nach der Achtung und des Vertrauens für ein Amt, wie er es bekleidet, als unwürdig erwiesen hat und auf Grund der Tatsache, daß Wolff mll allen Personen, mll denen er dienstlich zu tun Halle, in Konflikt kam Der Grund hierfür liegt darin, daß es ihm an der erforderlichen Achtung und Ehre seiner Mitmenschen, an Wahrhellsliebe und Objektivität, und an dem im amtlichen Leben erforder­lichen Takt absolut gefehlt hat. Wolff ist seit dem 17. Ok- tobet 1895 Beigeordneter von Offenbach gewesen. Alan war bei seiner Wahl davon ausgegangen, daß das Jusllz- ministerium ihm das Amt eines Ortsgerichtsvorftehers übertragen wurde, was auch geschah. Aber der Ton, den Wolff dem Amtsgericht gegenüber anschlug, war um p ungehöriger, daß das Justizministerium wiederholt Ver­anlassung nehmen mußte, ihm mit Dienstentlassung zu drohen. Es ist dabei dem Wolff gegenüber mit der größten Nachsicht verfahren worden, wie auch die Allen ergaben, namentlich in Rücksicht auf die dabei beteiligten Interessen der Stadt Offenbach. Die Vorgänge, die in demFall Kost" äufammengifajjt worden, sind vetannt; auch hier ist der Mangel an Achtung vor der Ehre anderer Personen bei Wolff eklatant zu tage getreten. Wolfs berief sich und beruft sich noch heute daraus, daß ihm Oberamtsrichter Bauer gesagt habe, Kost lasse sich in seinem Amte Geschenke geben. Bauer hat aber schon 1897 ausdrücklich an die Bürger­meister geschrieben, er habe nichts darüber in Erfahrung bringen können, daß sich Kost bezahlen lasse. Ter Redner führt dann weiter aus, daß Wolfs noch 1896 zu Gunsten des Kost eine Gehaltserhöhung beantragt habe; aber diese wohl­wollende Gesinnung sei nach einigen Monaten in das Gegen­teil u mgeschlagen. Im April 1897 stellte Kost fest, daß Wolfs ihn eineninfamen Lügner" genannt habe. Ende Juli fand wieder eine scharfe Auseinandersetzung zwischen beiden stall, die damit endete, daß Wolff den 5lost vom Tienft suspendierte und ihm die Schlüssel abverlangte. Kost war seit 1877 mit den Rechten eines Gemeindebeamten m Offenbach angestellt. Tie Stadtverordneten beschlossen dar­aus, Kost solle von Wolfs zunächst nicht in der Ausübung eines Amtes gehilidert werden, und sie beauftragten ben Oberbürgermeister Brinck mit der Einleitung der Untersuch­ung gegen Kost. Brinck ersuchte nun Wolff um Mil ilung feiner Beschwerden gegen K., aber W. verweigerte das mll Dem Hinweis: Ihnen sage ich es nicht, sondern nur dem Staatsanwalt. 9iun erhob W. gegen K- beim Staatsanwlt eine Reihe von Beschwerden, in denen er K. der Urkunden­fälschung, Unterschlagung rc. bezichllgte. Die Beschuldig­ungen erwiesen sich als hinfällig. Unterschlagen sollte ein Posten von 493 Mk. sein; es stellte sich aber heraus, daß W. sich geirrt hatte und einen weiteren Betrag von ca. 400 Mark hatte K-, ha er verreiste, der größeren Sicherhell halber, bei der Bank ausdrücklichfür die Ortskranken­kasse" deponiert. Trotz dieser Beweise aber ließ sich W. nicht von seiner Besck)uldigung des 5t abbringen. Besonders bezeichnend für W. als Ortsgerichtsvorsteher war der Vor­wurf der Urkundenfälschung gegen K, was den Selbst­mord eines Offenbacher Bürgers zur Folge hatte; es wurde aktenmäßig feftgeftellt, daß die Verlesung des in Frage kommenden Protokolls von Wolff selber beglaubigt worden war. Tas Gericht stellte unter diesen Umständen das Ver­fahren gegen K. em, er tourbie aber auf Verfügung des Justiznilliisters nickst mehr aus dem Ortsgericht beschäftigt. Wolff erllürte in öffentlicher Stadtverordnetensitzung, man habe dieSchmierereien" des 5t gekannt, aber sie doch ge­duldet. Tie letzteren bestanden lediglich darin, daß K. auch nicht amtliche Geschäfte gegen Bezahlung machte, worin nichts strafbares zu finden sei. Gegen Wolfs wurde nun von der Stadtverordnetenversammlung im Ok.vber 1898 geltend gern acht, daß fein Verhalten gegen K nicht dem eines Vor- aesetzten gegen feinen Untergebenen entspreche, es wäre feine Pflicht als Beamter gewesen, sich erst besser von der Schuld oder Mchtschuld des 5t zu überzeugen. Tie Stadt­verordneten besckstossen dann eine Erklärung, daß W. sich nicht eines Beamten würdig gezeigt habe. Tie Enchebung Wolffs von dem Amt eines Ortsgerichtsvorftehers erfolgte bann am 21. Dezember 1898, als der Konflikt mll den Ortsgerichtsmännern kam und diese sich weigerten, mit W. zusammen noch länger ihres Amtes zu walten. Aber nicht nur als Ortsgerichtsvorsteher, solidern auch als Bei­geordneter hat Wolff vielfach ew Verhalten an den Tag gelegt, wie es mit den Rechten und Pflichten eines Beam­ten absolut nicht in Euiklang zu bringen ijt Ich will nicht die vielen Pslichwerletzungen und Besttafungen des Wolff hier wiederholen, sondern nur einiges daraus anfühven. Ter am nächsten liegende Fall bezieht sich auf eine Dis- ziplinaruntersuchung wegen Beledigung des Kreisrats von S>ombergt, begangen durch amtliche Berichte an das 5ireis- amt unb das Ministerium. Tas augenscheinliche Mißllauen, bas seitens Wolffs in seinen Berichten gegen das Kreisamt zu tage trat, basierte auf der völlig haltlosen Annahme, als ob das Kreisamt das Vertrauen gegen Wolfs in der Orts­krankenkasse zu erschüttern suche, '^olfs beruft sich zur Be­gründung seines Verdachts aus eine Unterredung mll v. Homberg!, die noch dessen Versicherung dazu dienen sollte, 23. vor einer beleihigenben Abfassung seiner Berichte zu warnen. 23olfs brachte es fertig, aus einem an sich harm­losen Vorgang berartige Verdächtigungen zu erheben, sich dieselben gewissermaßen aus den Fingern zu saugen. Das beweist an sich, daß er nicht den nötigen Begrifs von der Veramwortlichkell seiner Stellung hat. Der in der An­klage betonte Mangel an Achtung vor der Ehre seiner Mll-. mcnschen zieht sich wie ein roter Faden durch die ganze Dienstsührung Wolffs hindurch. Nachdem das Vorfahren gegen Kost eingestellt war, Hai Wolf; m öffentlicher Stadt- verordnetensitzung den Vorwurf gegen ihn erhoben, er hätte