Ausgabe 
6.5.1903 Zweites Blatt
 
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Privat-Diskont 3 Prozent.

u.

A

Telephonischer Kursbericht.

Echlußkurse.

212,00

811,00

14U.62

183,25

183,00

4»/: Italien. Rente 4«/,% Portugiesen 30/ Portugiesen. .

15» C. Türken . Türkenlose . . .

4°/0 Grieoh. Monopol

Reictmanieiho do.

Konsole . do. . .

Hessen .

Oberhessen

371% 8% 37,°/, 3% 871%

Oest. Kredit. Deutsche Bank Darmstädter Bank Bochumer ©ufj . Harpener Bergbau

Schluß-

, . 102.09 S/j Mexikaner

. . 92.15 4 Vi'7g Chinesen . .

. . 102.06 Electric, tichnckert .

. . 92.03 Nordd. Lloyd . .

. . 101.02 Kreditaktien

. . 101.02 Diskonto-Kommandit,

. 210,75

. 140,60

. 182,70

. 183,90

Tendenz: fcft.

AnsangS- . 212,00

. 27.04

. 93.35 . 99.03 . 103 05 . 211.09 . 190.0?

. 140.7;

. 150.0*

. 157.0$ . 147.05 . 15.0?

. 190.06 . 220.05 . 183.0L . 18L0"

Aus Hludt und Land.

Gießen, 6. Mai 1908.

- Personalien. Der Großh. Negierungsassesior Rudolf Lauteschläger in Büdingen wurde mit den - Dienst­verrichtungen eines KreiSamtmannS bei dem Grobherzoglichen Kreisamt Büdingen beauftragt. Der Stationsvorsteher m der Hessisch-Preußischen Lisenbahngemeinschaft, Karl Bach ert, zu Isenburg wurde auf sein Nachsuchen unter Anerkennung seiner langjährigen treu geleisteten Dienste in den Ruhestand versetzt und ihm auS diesem Anlaß die Krone zum Silbernen Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen ver­liehen. _ r

- Die Detailpläne zu den Arbeiten imBahn- hofSgebäude werden eben ausgearbeitet, sodaß voraus­sichtlich im kommenden Herbst mit den Arbeiten begonnen werden kann. Die Neugestaltung der Wartesäle, Schalter­räume, Vestibüle, Bahnsteighallen rc. wird auch den weitest­gehenden Ansprüchen gerecht werden.

- Die neuen Taschenfahrpläne, die derGießener Anzeiger regelmäßig halbjährlich seinen Lesern spendet, werden morgen früh unseren Stadtabonnenten, übermorgen unseren Lesern auf dem Lande zugestellt werden. Der Fahrplan ist giltig vom L d. Mts. ab.

Liebig-Feier. Geheimerat Volhard aus Halle a. d. S., der beim Festakt im Städischen Saalbau in Darm­stadt die Festrede über .LiebigS Leben und Witten" halten wird, entstammt einer bekannten Darmstädter Familie, hat dort seine Jugend verlebt und in Gießen, noch unter Liebig, seine Studien begonnen. Im Jahre 1855 hat er dort als Chemiker promoviert. Nachdem er in der Folgezeit unter anderm auch in London bei August Wilhelm von Hofmann seine Studien fortgesetzt hatte, habilitierte er sich in München, wohin Liebig übergesiedelt war, als Privatdozent der Chemie. Von da an blieb er mit Liebig bis zu dessen Tode in stetem nahen Verkehre. Einige Jahre später folgte er einem Rufe als ordentlicher Professor der Chemie nach Erlangen. Im Jahre 1882 wurde er an die Unioerlität in Halle a. d.&. berufen. In München hat er während einer langen Reihe von Jahren die praktischen Arbeiten der Studierenden in Liebigs Laboratorium geleitet. Nach Liebigs Tode übernahm er die Redaktion der von diesem im Jahre 1831 begründeten Annalen der Chemie" und setzte somit einen der wichtigeren Teile von Liebigs Arbeiten fort. Mit welchem Erfolge dies geschehen, weiß die wissenschaftliche Welt, welche der seit des Begründers Tode unter dem NamenLiebigs Annalen" er­scheinenden Zeitschrift, wie zu Liebigs Lebzeiten den ersten Rang unter allen chemischen Zeitschriften zuerkannt. Bei den vielseitigen und nahen Beziehungen, die Volhard mit Liebig jahrelang verbanden, ist es wohl anzunehmen, daß das, was er uns über Liebig mstzuteilen gedenkt, zumeist aus erster

Vermischtes.

Lindau, 5. Mai. Die Entbindung der Prin­zessin Luise von Toskana ist glatt von statten gegangen. Mutter und Kind befinden sich völlig wohl. Von der Familie Toskana weilt nur die Mutter der Prinzessin am Wochen­bett. x Tas Kmd befindet sich unter fortgesetzter Ueberwachung. Es wurde am Dienstag abend auf den Namen Anna Monica Pia getauft. In Dresdener unterrichteten Kreisen nimmt man an, daß als Vater des Kindes nur der Kron­prinz in Frage kommen kann, da das kronprinzüche Paar

. . 51.03 i Lombarden . . . 32.35 I Gotthardbahn .... . . 32 02 Lanrahütte ..... . . 130.08 Bochum ......

.-AnL 44.751 Harpener .....

4x/,% äussere Argentiner. 1 Tendenz: ruhig.

rat Dr. Gutfleisch zu gettnnnen, erfolglos geblieben. Es muffe dies umsomehr beklagt werden, als dieser Herr vom allgemeinen Vertrauen getragen fei, ihm auch die nationalliberale Partei das Mandat wieder­holt an ge tragen lstibe, und eine Kandidatur Gul- fleisch die beste Aussickst eröffnet haben würde, unfern Wahlkreis demnächst wieder in würdiger Weise vertreten zu sehen. Tie gebotene Umschau nach einer anderen ge­eigneten Persönlichkeit habe dazu geführt, Herrn Schloß- m acher, Syndikus der Handelskammer L ff end ach, in Aus- ich zu nehmen, der durch Behandtting wirtschaftlicher fragen vielfach hervorgetreten fei und fich in wetten 1 (reifen als entschiedener Verfechter der Han- »elSvertragSpolitik sich eines großen Ansehens er* reue. Don beiden Dereinsvorsländen um die Annahme der kandidatur gebeten, habe Herr Schloßmack)er sich bereit erklärt, falls er als gemeinsamer Kandidat erscheine und ine Handelskarnmer Offenbach sowie die Chemische Berufs- aenossenschaft, deren Geschäftsführer er sei, ihm ihre Zu­ti m m u n g zu erkennen gäben. Herr Georgi richtete an )ie Generalversammlung das Ersuchen, den geschilderten Schritten des Vorstands bezüglich der gemeinsamen Auf­teilung des Herrn Schtoßmacher ihre Genehmigung zu erteilen, was einstimmig geschah. Ter Vorsitzende hob aus drück ich hervor, daß die definitive Zusage des Herrn Schloßmacher nur im Einverständnis mit den er­wähnten Körperschaften gegeben werden könne, im An- chiutz hieran die Proklamation erfolgen werde.

AuS dem Theaterbureau. Eingetretener Um- tänbe halber kann die für heute, Mittwoch, angesetzte Wieber- )olung ber Operette ,DaS süße Mädel" nicht stattfinben. Um denjenigen, die gern baS »süße Mädel" hätten sehen wollen, einen Ersatz zu bieten, hat die Direktion eine volkStüm- ! iche Vorstellung für heute eingeschoben, und zwar wirb bie bei ber ersten Aufführung mit großem Beifall aufgenommenc Johann Sttauß'sche Novität .Wiener Blut" gegeben. Also eine Novität als volkstümliche Vorstellung! Für morgen hat bie Direktton auf allgemeinen Wunsch unserer Soubrette Frl. Mizzi Bartl ein Benefiz bewilligt, bie sich bie beliebte Operette von Johann Sttauß ,Der lustige Krieg" gewählt hat, worin sie bie Tulpenzüchtersgattin Else, eine echte Soubrettenrolle, barstellen wirb. Da auch bie anberen Haupttollen mit ben ersten Kräften besetzt sind, ifi bei ber Beliebtheit des Frl. Barll ein volles HauS mit Sicher­heit zu ermatten.

*'Die beiben weiblichen Sterne beS Operetten­ensembles werden morgen unb Übermorgen ihre Benefize haben. Beibe können ,ich kam, ich warb gesehen, ich siegte" sagen. Der Donnerstag bringt unS ben Ehrenabend beß Frl. Bartl, der Frettag ben beS Ftt. Stöger. Beibe sinb weber zu ausgelassen noch zu schüchtern, beibe übertreiben nie ben Realismus in ber Darstellung. Frl. Bartl hat etroaß reizenb Kapriziöses, sie ist, wenn sie bebeutenbere Aufgaben zu erfüllen hat, stets amüsant, ihre übermütige Keckheit hat etwas PrickelnbeS, ungemein Graziöses unb zugleich lieblich Mädchen-- hafteS, ihr Gesang ist stets von tabelloser Reinheit. Frl. Stöger ist eine sehr routinierte Sängerin, im Besitz ausgiebiger und gut gebildeter Stimmmittel. Ihr Sopran entfaltet sich in der Höhe zu blenbenber Fülle. Sie ist stets mit laberndem Feuer an ihrer Aufgabe, immer taktvoll, in jeglichem Sinne dieses Wort genomnum. Beide Damen werden jedenfalls volle Häuser erzielen.

Vom hessischen Bauernbund. Wtt lesen in der ,Volksmacht": Nach den Bestimmungen des Bürgert. Gesetzbuchs hat sich gezeigt, daß die Organisation der Bauernvereine in ihrer jetzigen Gestalt in vielfacher Hin­sicht zu schmeren Mißständen führen kann. Seit langem hat der Vorstand ermogen, roie diesen Mißständen abzuhelfen sei. In letzter Zett haben zu diesem Zmecke drei Vorstands­sitzungen stattgefunden, deren Ergebnis mar, den Vereinen anzuraten, sich der Genoffenschaftsbewegung, in der die Zu­kunft für die Landwirtschaft liegt, anzuschließen. Eine in Gießen unter dem Vorsitze des Anwalts des Allg. Ver­bandes der deutschen landwirtschaftlichen Genossenschaften, Abg Geh.-Rat HaaS abgehaltene Versammlung hat zu vollem Einverständnis geführt. Es soll nunmehr mit ben Vorarbeiten begonnen werben unb eS finden zu diesem Zwecke Versamm­lungen statt in den verschiedensten Orten des Kreises Gießen.

Fronhaufen, 5. Mai. Auf dem Gutshos Friedel- Hausen bedrohten vergangene Nacht polnische Arbeiter den Gutspächter dort, so daß polizeiliche HUfe telegraphisch von Gießen und hier verlangt wurde. (Hessische Landesz.)

Rauisch-Holzhausen, 4. Mai. Durch Kauf ging bie hiesige Apotheke in ben Besitz eines Herrn Jost aus Gießen über, welcher sie am 1. Juli übernimmt. (Hess. Lanbesz.)

Darmstabt, 5. Mai. Nächsten Montag, 11. Mai, finbet im.Kaisersaal" eine ebenso eigenartige, wie interessante Wohltätigkeits-Veranstaltung statt. Eine Anzahl unserer ersten Hoftheatermttglieder haben sich vereinigt, um einer erblinbeten unb gänzlich mittellosen Kollegin eine Un- tett'tützung zukommen zu lassen. Die als Abenbunterhaltung gebuchte Darbietung wirb sich nach vorausgegangenem Pro­log (gesprochen von Frl. Eichelsheim) aus einem dra­matischen Teil zusammensetzen. Während jenen die Großh. Hesi. Kammersängerin Frau FeliciaKaschowska im Verein mit den Herren Hofkapellmeister Willem d e H a a n, Hofopern­sänger Spemann unb Hofmusiker Breitschuck bestreitet, wird in diesem als Neuheit für Darmstadt Sudermanns trefflicher EinakterFritzchen" zur Darstellung gelangen. Dem Vernehmen nach mtereffiert sich Se. Königl. Hoheit ber Großherzog lebhaft für ben Abend, auch hat Herr Her­mann Sudermann sein Schauspiel tantiemenfrei zur Ver­fügung gestellt und Herr Generaldirektor Werner hat in ent- gegenkommendster Weise den Mttwirkenden die Erlaubnis zur Veranstaltung des Abends erteilt. (N. H. V.)

Krtelkatten der Diedalrtion.

W. P. Wähler für den Reichstag ist jeder Deutsche, der das 25. Lebensjahr zurückgelegt hat. Ausgeschlossen vom Wahlrecht sind nur Personen unter Vormundschaft oder Kuratel, ferner solche, über deren Vermögen Konkurs eröffnet ist, drittens Bezieher von Armenunterstützung und vierten- Leute, die nicht die bürgerlichen Ehrenrechte z. Z. der Wahl besitzen. Ob sie Steuern zahlen oder nicht, kommt bei der Reichslagswahl nicht in Betracht.

K. TaS neulich von uns erwähnte Büchelchen mit dem Titel Wodurch und wie verschafft man sich einen lohiiendcn Nebenerwerb" ist im Verlage von Hugo Steinitz in Berlin bW. erschienen unb durch jede hiesige Buchhandlung zu beziehen.

Ncuellc Meldungen.

Originaldrahtmeldungeu des Gießener Anzeiger».

Berlin, 6. Mai. Unterschlagungen zum Nach­teil des Oekonomierats Späth (e5 handelt sich um einen Betrag von annähernd 390000 Mk.) gelangten vor der Strafkammer des Landgerichts II zur Erörterung. Der 47- jährige Buchhalter Rättger wurde wegen dieser Unterschleife zu 4 Jahren Gefängnis und 5 Jahren Ehrverlust verurteilt. Im Jahre 1881 wurde vom Schwurgericht der Schuh­macher Rowitz wegen Ermordung seiner Frau zum Tode verurteilt und dann zu lebenslänglicher Zucht­hausstrafe begnadigt. Nunmehr ist ex, nachdem er 22 Jahr in den Zuchthäusern zu Sonnenburg und Raivitsch verbüßt hat, infolge guter Führung völlig begnadigt worden.

Stuttgart, 6. Mai. Auf Veranlaffung der Münchener Polizei wurde gestern abend in den Wirtschaften und Buch­handlungen die neueste Nummer des SimplizissimuS beschlagnahmt.

Lindau, 6. Mai. Die Taufe der neu geborenen Tochter der Prinzessin Luise von Toskana wurde von dem Dekan Aubele unter Assistenz des Kaplans Kuhn vollzogen. Die Großherzogin hob die Prinzessin selbst aus der Taufe. Das ganze in der Villa Toskana an­wesende Personal nahm an den Tauffeierlichkeiten teil.

Paris, 6. Mai. Ms Grund für den hiesigen Auf- ertthalt des Fürsten Ferdinand von Bulgarien wird die Notwendigkeit einer Operation angegeben.

Rom, 6. Mai. Wie auS bester Quelle mitgeteilt wird, kommt Präsident L 0 u b e t in diesem Herbst bestimmt zum Besuch nach Rom.

Rom, 6. Mai. Der Besuch Kaiser Wilhelms im Kloster von Monte Cassino bildete den Höhepunkt der Kaiserreife. Der Kaiser schenkte der Abtei die milttäri- schen Schriften Friedrichs des Großen. In der Unterhaltung mit dem Abte Krug, einem geborenen Deutschen, berührte der Kaiser die Regeln des Benediktiner Ordens und sagte unter Anderem: Ihr Benediktiner erfüllt das christliche Ideal: ora et labora. In der Unterhaltung des Grafen Bülow mit Rampolla kam das Gespräch auch auf die deutsche Jesuiten frage. Graf Bülow habe die Gründe auseinanderaesetzt, weshalbzurzeit die Abschaff­ung des 8 2 des Jesuttengesetzes untunlich sei.

Rom, 6. Mai. Der Papst ließ ben Kardinal Agli- ardi rufen und sich über den Verlauf des Frühstücks beim Gesandten von Rothenhan und die dabei geführten Tischgespräche genauen Bericht er­statten.

Belgrad, 6. Mai. Nach den letzten Berichten ist es in Macedonien wieder zu heftigen Kämpfen zwischen türkischen Truppen und bulgarischen Banden gekommen. Bei Malesch, wo die Bulgaren auf türkische Soldaten Bomben warfen, fielen 50 Bulgaren. 40 tür­kische Soldaten wurden teils getötet, teils ver­wundet. In dem Kampfe bei Kundin«, der 24 Stunden dauerte, fielen mehr als 50 Bulgaren. Bei bet* schienen weiteren Gefechten betrug bie Zahl ber ge­töteten Bulgaren insgesamt hundert. Nach amtlichen Melbungen aus Prischtina find bie altserbischen Städte Ipek, Tjakova und Novibazar von ben Albanesen von allem Verkehr abgesperrt. Offizielle Kreise glauben, daß dort eine große Masse von Albanesen stehen, die fick zu einem bedeutenden Gewaltstreich vorbereiten. Schakir Pascha hat 22 Albanesenführer gefangen genommen, die in Asien interniert werden sollen. Tie Haupt-Rädelsführer befinden sich aber noch in Freiheit. Die Botschafter von Deutschland, England, Frankreich und Italien haben der Pforte mitgeteilt, sie würden ormelle Ansprüclie auf Schadenersatz mr die in Saloniki bei den Ruhestörungen ihren Landsleuren zugefügten persönlichen uiw sachlichen Beschädigungen erheben. Nach einer Tepescl-e aus Athen erließ infolge freundschaftlicher Vorstellungen des cortigen türkischen G.sandren eie gru.. .].je Regierung das strengste Ausfuhrverbot für Waffen jeder Art unb verschärfte ihre Beiehle für ben Grenzbienst.

sich unsittliche Angriffe zu schulden kommen lassen, trotzdem er aus den Akten ersehen konnte, daß es sich hier nur um ein unverbürgtes Gerücht handelte, für das er keine Be­weise besaß. Aehnlich sind die Beleidigungen des Spar- kassenrcchners Kumpf, auf bie der Redner ebenfalls näher einging. W. habe hier bie Absicht der Beleidigung ao habt, er mußte wissen, daß er keinen Beweis für seine Be­hauptungen hatte. Der Vorwurf gegen die Ortsgerichts­männer wirkt um so schwerer, a!5 er oegen Männer erhoben wurde, mit denen W. in jahrelanger Gemeinschaft gearbeitet bat; er war sich bewußt, daß diese Männer auch die Verant­wortung für ihre Unterschriften in pekuniärer Hinsicht tragen Weiter erhob W. in öffentlicher Sitzung gegen den Oberbürgermeister den Vorwurf, daß derselbe in 27 Fällen bie Stadt um 2600 Mk geschädigt habe; die Untersuchung ergab bie Haltlosigkeit dieser Beschuldigung. Es kommt noch in Bettacht, daß W. jahrelang Material gesammelt hat, um e» gegebenenfalls in geeigneter Weise zu verwenden. Auch dem Regierungsrat Rach warf er vor, dieser wolle ihn mir aus dem Schiedsgericht heraus bringen, das fei eine ^Stänker«".

Eine der schwersten Pflichtverletzungen Wolffs bildet fein Verhalten gegenüber dem Medizinalrat Dr. Köhler, auf das der Redner ebenfalls noch eingeht. (Tas Nähere darüber ist bereits in dem Auszug aus der Anklageschrift enthalten gewesen.) Köhler wurde von W. ckls Eisenbart, Renten quetschet re. bezeick)net, von,Wissenschaftlichem Chat- lataniSmus" undgeistiger Beschränkung im Bewußtsein seines Handels" gesprochen ic. Auch den Konflikt Wolffs mtt dem Vorsitzenden der Ortskrankenkasse, Streb, und die Fälle Hausmann, Schüßlor, Schäfer rc. beleuchtete Redner noch des Näheren, um dann den bekanntenFall Schift" eingehender zu erörtern. Aus allen diesen Konflikten, dem Vorwurf gegen das Kreisamt, zwei verschiedenartige Ver­fügungen in einer Sache erlassen zu haben, sowie der überall zu Tage getretenen Gehässigkeit und mangelnden Wahrheits­liebe gehe hervor, daß W. nicht bie erforderliche Würde und Objektivität für das Amt eines Beigeordneten besitzt. Es sei ja ausgeschlossen, daß W. wieder als Beamter nach Offenbach kommen könne, denn es fehle chm jetzt jede Acht­ung und Wertschätzuna seiner Mitbürger. Der Redner bean­tragt schließlich die Dienstentlassung Wolfts und Verurteil­ung desselben in die Kosten des Verfahrens.

In der Nachmittagsfttziuig, die um 3 Uhr begann, nahm jer Verteidiger des Angeklagten Wolff, Rechtsanwalt Jäger das Wort zu einer etwa dreistündigen Ver­teidigungsrede, in der er zuerst mtt lebhaften Worten die juristische Seite ber Sache beleuchtete und bann materiell auf bieselbe einging, wobei er jeben einzelnen der erhobenen Vorwürfe der Anklage in ausführlicher Weise zu entkräften suchte. Eine Verurteilung des Angeklagten auf Dienstent­lassung hatte er für ausgeschlossen. Er bitte um dessen Frei- spreck>ung, eoent um die Festsetzung einer kleinen Geldstrafe.

dtach einer kurzen Replik und Duplik zwischen Mmiste- twlrat Best und Rechtsanwatt Jäger nahm auch der Angeklagte selber noch das Wort zu einer gut iVistündigen Verteidigungsrede. (Wir kommen auf die letzten Redner noch ausführlicher zurück.) Der Gerichtshof verkündete gegen 8 Uhr abends nach foulet Beratung seinen Entschluß dahin, daß die Urteilsverkündung nächsten Samstag nachmittag 4 Uhr erfolgen werde.

Quelle fließt. (D. T. A.)

** Generalversammlung des Vereins der deutschen Volkspartei. Den Vorsitz in ber geimgen geschlossenen Generalversammlung ber Mitglieder hatte, so schreibt man uns, in Verhinderung der Vorstandsmit­glieder Kommerzienrat Georgi übernommen, über bie hinsichtlich der bevorstehenden Reichstags- wahl von dem Vorstand entwickelte Tätigkeit bezüglich ,i>er Aufstellung eines Kandidaten und gab bem Sebauern Ausdruck, daß die vielfachen Bemühungen, hierfür ^uAz-

4% Oesterr. Goldrente . . 103.06 Darmstädter Bank . 41 % Oesterr. bilberrente 101.00 i Dresdener Bank . . 4% Ungar. Goldrente . . 102.55 * Berliner Handelsges.

104- Oesterr. Staatebahn .

in der kritischen Zett auf einer Reffe nach Pari« begriff« war, während Gtron damals auf Urlaub weilte. Nach den gesetzlichen Vestimmungen wird baß Kind wahrscheinlich am Dresdener Hofe erzogen werden. Die Frage der Aus­lieferung wurde durch ein Privat-Ueberrinkommen zwischen dem König und der Prinzessin geregelt. Die letztere wird nach ihrer Genesung eine Heilanstalt oder ein geistliche 8 Institut aufsuchen, jedoch kein Kloster, und später baS toskanische Schloß Schlackenwerth beziehen. Ein Aufenthalt der Prinzessin in Sachsen ist für immer au8- geschlosicn. ____

Berliner Börse vom 5. Mai 1903.

(Mitgeteilt von der Bank für Handel und Industrie, Gießen.)