Kraf Mülow und die deutsche Landwirtschaft.
Berlin, 5. Febr. Bei dem Festmahl des deutschen ^andwirtschaftsrates sprach zuerst v. Schwerin-Löwitz. Er betonte, das; die Stimmung der deutschen Landwirtschaft noch immer eine gedrückte sei, warnte aber vor Mutlosigkeit. In dem Kampfe um den Zolltarif mußte eine Einigung erzielt werden, um nicht vor dem gemeinsamen Feinde das Feld rühmlos zu räumen. Ter Entscheidungskampf stehe bevor, bei dem die Vertreter der.Landwirtschaft, wie er erwarte, Schulter an Schulter zn- sammenstehen würden, und bei dem es auch in der Hand der Regierung liege, das erschütterte Vertrauen der Landwirtschaft entweder zu beseitigen oder vollends zu vernichten. Der Redner sprach den Wunsch aus, daß der Reick)skanzler und die Verbündeten Regierungen durch kraftvolles Auftreten gegenüber dem Auslande und baldige Kündigung der geltenden Verträge alles in ihren Kräften Stehende tun werden, um die bedauerliche Vertrauens- losrgkeit eines Teiles der ländlichen Bevölkerung zu überwinden. Er hob hervor, daß ein monarchischer Staat eine zuverlässige Stütze gegen revolutionäre Bewegungen nur tn der ländlichen Bevölkerung finden könne, und schloß mit einem Hoch auf den Kaiser, die deutschen Fürsten und die freien Städte.
Sodann begrüßte Frhr. v. Soden die Gäste.
Hierauf hielt Graf Bülow folgende Ansprache: Ich möchte zunächst Frhrn. v. Soden für die liebenswürdigen Worte, mit denen er mich soeben begrüßte, meinen herzlichen Dank «a ussprechen. Ihnen allen danke ich für Ihre freundliche Einladung. Ich weiß den Wert der Stunden, wo ich zu den hervorragendsten Vertretern der vaterländischen Landwirtschaft in ungezwungenen persönlichen Verkehr treten kann, besonders zu schätzen. Seit ich das letzte Mal in Ihrer Mitte weilte, ist nach heißen Kämpfen der Zolltarif Gesetz geworden. Lang und dornenvoll war der Weg und in der Geschichte unserer Reichsgesetzgebung wird die Feststellung des neuen Zolltarifs zu den schwierigsten Aufgaben gezählt werden. Bei diesem Rückblick ist es mir ein Bedürfnis, von dieser Stelle aus allen Landwirten zu danken, die zum Zustandekommen des Zolltarifs mitgewirkt haben. Ich danke vor allem Ihrem ständigen Ausschuß dafür, daß 'er unter Verzicht aus manche weitergehende Wünsche sich schließlich einmütig aus den Boden des Tarifentwürfs gestellt und sein gewichtiges Votum für Die Annahme der Vorlage abgegeben hat. Daß der neue Tarif der Landwirtschaft wesentliche Vorteile bringt, ist unbestreitbar. Warum hatten sonst diejenigen, welche eine besondere Berücksichtigung landwirtschaftlicher Interessen prinzipiell verwerfen, unseren Tarif mit solcher Hartnäckigkeit bekämpft? Das ist ein argumentum e contrario, gegen das keine Dialektik aufkommt. (Sehr richtig.) Brauch' ich im einzelnen daran zu erinnern, daß für nahezu alle landwirtschaftlichen Erzeugnisse der autonome Zollschutz erheblich verstärkt worden ist, daß vor allem für die vier Hauptgetreibearten Mindestzölle gesetzlich festgelegt sind, die gegen die jetzt geltenden Vertragssätze öen Zoll für die Tonne Weizen um 20 Mark, für die Tonne Roggen um 15 Mark, für die Tonne Hafer um 22 Mark und für die Tonne Braugerste um 20 Mark erhöhen, an die Wertzölle für Pferde und die Gewichtszölle für alle anderen Viehgattuugen? Für die Einführung von Ur» sprungszeugnissen, Beschränkung gemischter Transitlager und Aust-ebung der Zbllkredite bei der Einfuhr von Getreide sind gesetzliche Bestimmungen getroffen worden, die wiederholt geäußerten. Wünschen der Landwirtschaft wirksam entgegenfommen. Der Zolltarif kommt in erster Linie der Landwirtschaft zugute. Herr v. Soden richtete an mich die Frage, wann die Handelsverträge gekündigt werden würden. Diskretion und Rücksicht aus die Verbündeten Regierungen, deren Mandatar ich bin, verbieten mir, mich über diese Frage auszusprechen. Das aber kann ich sagen, wir werden bei den Handelsvertragsunterhandluligen die Interessen der Landwirtschaft mit besonderem Nachdruck vertreten. (Lebhaftes Bravo.) Daß nicht alle Wünsche der Landwirtschaft erfüllt werden konnten, weiß ich so gut tote irgend ein Landwirt, aber das ist kein Grund zum Undank — ich scheue mich wicht, das Wort auszusprecheu — gegen Diejenigen, die den Tarif mit größter Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit vorbereitet, mit pflichttreuem Eifer vertreten, mit ihrer Verantwortung gedeckt und ihre ganze politische Stellung für ihn eingesetzt haben. Dabei denke ich nicht nur au Minister und Staatssekretäre, sondern ebenso an diejenigen Parlamentarier, Politiker und Landwirte, die für den Tarif gestritten haben. In der Politik muß man mit dem Möglichen, man darf nicht mit dem Wünschenswerteren rechnen. Als die Kaiserin Maria The- rejia einst ihrem Kanzler, dem Fürsten Kaunitz, vorwarf, er gehe nicht auf ihre Wünsche ein, erwiderte ihr der kluge alte Staatsmann: „In allen Dingen, so den allerhöchsten Dienst betreffen, bemühe ich mich, die Dinge zu nehmen, wie sie fein und nicht, wie sie vielleicht sein sollten". Meine Herren! Mit verstärktem Zvllschutz allein ist es nicht getan. Das erkennt niemand bereitwilliger an als ich. Tas ist von meiner Seite keine allgemeine Redewendung, sondern ich denke dabei an konkrete Maßnahmen, vornehmlich an die Verbesserung der Verkehrs- Verhältnisse auf dem Lande durch den Bau neuer Schienenwege und befestigter Straßen, an eine kräftige innere Kolonisation und an die Hebung des technischen Betriebes der Landwirtschaft, namentlich auch in den Kreisen des kleinen bäuerlichen Besitzes, an eine - intensive Förderung des landwirtschaftlichen Bildungswesens, des Genossenschaftswesens und der Landesmeliorationen, an die Hebung der Viehzucht, besonders durch wirksame Bekämpfung der Viehseuchen mit den neueren Erfahrungen der Wissenschaft. Vor unS liegt ein weites Feld für eine ersprießliche Tätigkeit von Reich und Staat in verständnisvollem Zusammenwirken mit den geordneten Vertretungen der Landwirtschaft. Aber auch nur durch solche gemeinsame, positive Arbeit ist die praktische Forderung der Landwirtschaft möglich, nicht durch Spielen mit unerfüllbaren Illusionen, nicht durch künstliche Züchtung eines Klein-! mutes, in den der Deutsche leicht verfällt, der ihm aber nicht wohl ansteht.
Wenn wir die tausendjährige Geschichte des deutschen Volkes an unserem geistigen Auge vorüberziehen lassen, so sehen wir, daß auf Die Zeilen heroischer Anspannung Perioden folgen, roo sich Zweifel und Müdigkeit breit machen. Grade ui solchen Tagen heißt es, den Kops oben behalten und nicht in Pessimismus verfallen, vor welchem uns heute Ihr verehrter Herr Vorsitzender mit Recht gewarnt hat. Der Pessimismus als metaphysisches System soll seine Berechtigung haben. Ich selbst habe in jüngeren Jahren Schopenhauer mit Bewunderung studiert und ehre ihn noch heute als großen Sprachmeister, als einen unserer tiefsten Denker, in der Politik aber ist Pessimismus immer vom liebel, weil er hier mit einer Schwächung des Lebensmutes mich die Tatkraft lähmt, roqJÜ er unmännlich und unfrucht
bar ist. In der Politik — hak Thiers einmal mit Recht gesagt — gehört die Zukunft den Optimisten. (Sehr wahr.) Nur Völker und Schichten, die an ihren Stern glauben, kommen vorwärts und selbst, wenn Wolken am Horizonte stehen, was bei uns sicherlich nicht in höherem Grade der Fall ist als anderswo, so ist es immer noch besser, sich Hektor zum Vorbild zu nehmen, als Kassandra. Eins will ich jedenfalls erklären — gerade im Kreise von Vertretern der Landwirtschaft und für das Ausland, wo man das, was bei uns eine zum Teil etwas nervöse Presse an Schwarzseherei und Nörgelei produziert oder was im Parteiinteresse gelegentlich als Übertriebene Kritik zu tage tritt, gern zu Beweisen für eine Lockerung des Reichs--- gefügeS, für einen Rückgang unseres Nationalgefühls stem- jcln möchte, — also für Leute, die geneigt sein sollten, minder berechtigte deutsche Eigentümlichkeiten, daS Unter» einanderhadcrn, die deutsche Tadelsucht, den deutschen Kleinmut, für deutschfeindliche Zwecke auszunutzen, will ich hier nachdrücklich betonen, daß alle jene Erscheinungen bei uns nur Wellengekräusel an der Oberfläche sind, yervvr- gerufen durch wechselnde, vorüberwehende Winde. Unter diesem Gekräusel aber fließt der breite mächtige Strom unserer nationalen deutschen Entwickelung. Dafür, daß in der deutschen Landwirtschaft, von deren Gedeihen die innere Festigkeit des Reiches wie des preußischen Staates wesent- ich aohängt, die aber auch ihrerseits au der Erhaltung des Staates wie des Reiches uunmittelbar interessiert ist, wie kein anderer Svand (Bravo >, der Geist des Vertrauens und der Einsicht, ein im besten Sinne konservativer Geist die Herrschaft behalten möge, dafür, meine Herren, rechne ich auf Ihre Unterstützung! Mit dieser Hoffnung und in diesem Sinne erhebe ich mein Glas ans das Wohl der deutschen Landlvirtschaft und ihrer hier versammelten Vertretung. Tie deutsche Landwirtschaft und der deutsche Landwirt- chastsrat leben hoch! (Allseitiger lebhafter Beifall.)
Im preußischen Abgeordnetenhause kam am Donnerstag der Minister Frhr. u. H ainmer - kein beim Etat des Ministeriums des Innern auf die , olizei 1 ichen M i ß > unb U ebergriffe der letzten Zeit zu sprechen. Er gab zunächst zu, daß in einer Reihe von Fällen die Polizei-Organe nicht genügenden Takt bewiesen hälteii. Es feien tatsächlich sowohl,in Der Organi- ’atiou wie in den persönlichen Verhältnissen Zustände vorhanden, die er aufs tiefste beklage. Es sei sein Bestreben, diesen Ucbelftänbeit gründlich abzuhelfen unb jedem Preußen gleiches Recht und gleiche Behandlung zu teil werden zu lassen. Ein gut Teil Schuld an Den Vorfällen trage aber auch Das Publikum, welches Die Polizisten über Die Achsel ansehe. Bei Den sogenannten Polizeimißgriffen der letzten Zeit handle es sich nicht immer um wirkliche Mißgriffe, onbern mehrfach seien die Polizeiorgane durchaus sachgemäß unb rechtlich verfahren. Im Falle Tramp ke sei nur ber Fehler gemacht worden, baß ein Unterbeamter Den Wunsch TrampkeS, einen Oberbeamten sprechen zu wollen, dieseii dem letzteren iiicht übermittelt hat. Im Falle R ap p ap o r t - Altona muffe feftgeftellt werden, daß Frau Rappaport bei ihrer Vernehmung angegeben habe, sie sei krank. Sie sei darauf sofort der Instruktion entsprechend >em Gefängnisarzt vorgeführt worden, habe sich willig untersuchen laffeit und der Arzt habe sie bann ins Krankenhaus geschickt, da er bic Frau für geschlechtskrank hielt. Er müsse Der Altonaer Polizei, die es in einer Hafenstadt besonders schwer habe, seine volle Anerkennung in dieser Angelegenheit aussprechen. — Die Fesselung eines polnischen Redakteurs in K' a t k o w i tz sei als unnötig z u bedauern. Immerhin werde ber Redakteur jetzt nach einer Verurteilung als flüchtig steckbrieflich verfolgt. Der Minister ging dann auch auf die Kieler Fälle ein. Hier eien die Polizeibeamten nur in dem einen Falle zu tadeln, wo sie zivei Matrosen und ein junges Mädchen verhaftet hätten. Diese Verhaftung sei unzulässig gewesen. — Die Verordnung des B ü r g c r m e i ft e r 5 u. Treptow an der Rega, daß nach 11 Uhr abcnbs sich Franc n auf ber Straße nicht mehr ausha11eu Dürfen, habe sehr segensreich gewirkt, Denn feit Erlaß dieser Verordnung hätten die nächtlichen Belästigungen durch Frauenzimmer in Treptow auf gehört. Er habe eine Verfügung erlassen, daß die Fesselung Gefangener, besonders politischer, nicht mehr im Belieben des Transporteurs stehe, sondern u o n der vorgesetzten Behörde bestimmt werden müsse. Eine angemessene yumane Behandlung der Gefangenen sei den Polizeivrganeu zur Pflicht gemacht worden. Zur besseren Ausbildung Dee unteren Beamten seien Po l ize is ch u l e n eingerichtet worden. Außerdem werde er daraus hinwirken, daß die oberen Beamten die unteren besser belehrten und kontrollierten. Er hoffe, daß durch diese Maßregeln eine Verbesseruiig des Verhältnisses zwischen Polizei und Publikum herbeigeführt werde. — Im weiteren Verlauf Der Verhandlungen nahm Der Minister das Wort zur Affäre Willich unD hielt feine in Der BuDgetkommissiou abgegebenen Erklärungen aufrecht. LanDrat v, Willich sei nicht getrieben worDen, feine Versetzung nachzujuchen, sondern er habe persönlich und mehrmals ihn, Den Minister, um seine Versetzung gebeten. Tie Regierung habe Den Landrat nicht im Stiche gelassen, sondern ihm vielmehr öfter ihr Wohlwollen zu erkennen gegeben, Denn es fei Der OberpräsiDent von Posen gewesen. Der Millichs Ernennung zum Kammerherrn vorgeschlageu habe. Bezüglich der Kaifergeburtstagsfeier verhalte sich Die Sache jo, Daß Wittich persönlich ihn, Den Minister gebeten habe, ihm Die Möglichkeit zu bieten, sich von Der Feier fern zu halten. Denn er stehe jetzt so sehr im Mittelpunkte Der Parteistreitigkeiten, Daß er fürchte, ein Teil königstreuer Manner roerDe an Der Feier nicht teil» nehmen, wenn er präsiDiere. Darum habe er, Der Minister, Wittich am 26. Januar nach Berlin zitiert. Tie Nervosität Des Landrates sei Schuld an seinem Tode. Im übrigen solle man aus Ehrfurcht vor der Majestät des Todes Die ganze Angelegenheit ruhen lassen unD sie nicht parteipolitisch ausnutzen. Das wünsche auch Die Witwe des Toten.
Im weiteren Verlauf erklärte Der Minister v. Hammer- ftein, Daß er in einer der nächsten Sessionen voraussichtlich einen Gesetzentwurf zur teilweisen Abänderung des Wahlrechts vorlegen werde.
Parlamentarisches.
Berlin. 5. Febr. Mehrere Abendblätter veröffentlichen eine längere Erwiderung des früheren Provinzial-Steuer-- Direktors Löhning auf die Ausführungen des Finanzministers v. Rheinbaben im neuen Abgeordnetenhause. Löh- mng hält darin »eine bisherigen Angaben aufrecht unb weist die Vorwürfe als unberechtigt zurück. Die il)in, Löhning, nachges.gten Aeußerungen über die Polenpolitik seien nichts als Ent sie Hungen und die Vernehmungen, auf welche
sich Der Minister berufen hatte, hätten offenbar erst nachseinem, Löhniugs, liebertritt in den Ruhestand ftattgefunben. In Wirklichkeit sei er, Löhning, bas Opfer Der Sta nbes- oorurteile, des Kasteng erst es unb verächtlicher Angebereien geworben. A
Berlin, 5. Febr. In ber heutigen Sitzung Der BuH- get-Kom Mission bes Reichstages würbe die Erörterung des Orbinariums des Po st e tat s fortgesetzt. Zu verschiebenen Erweiterungsbauten werben eine Million Mark verlangt, die nach längerer Debatte bewilligt wurden. Außerdem wurde u. a. 179 155 Mk. als letzte Rate für bas neue Dieust- gebäubc in Bab -Nauheim angenommen.
Braunschweig, 5. Febr. Der braunschweigische Landtag ist heute zusammengetreten. Die Kommission für bas Innere hat einen Antrag der Deutsch-sozialen Partei auf Besteuerung Der Warenhäuser Der Regierung zur Berücksichtigung empfohlen, desgleichen ferner eine Eingabe von braunschweigischen Frauen auf Abänderung des Vereins- und Verfammlungsrechtes mit ber Einschränkung, baß Frauen die Beteiligung an Versammlungen, welche sich auf berufliche Angelegenheiten ober auf Angelegenheiten ber Nächstenliebe oder dergleichen Dinge erstrecken, erlaubt sein soll. Die Kommission wies dabei auf Die bayrische Gesetzgebung hin.
Stuttgart, 5. Febr. Die K a m m e r ber Abgeordneten nahm heilte gelegentlich ber Beratung bes Gesetzentwurfs betreffend Abänderung einzelner Bestimmungen der Gesetze über das Volksschulw esen den Artikel 4 des Entwurfs, soweit er die Bezirksschulaufsicht betrifft, in der Fassung des Komniissionsantrages an. Danach wird die Bezirksschulauf- sicht in der Regel als Hauptamt ausgeübt. Als Bezirksschul- arifseher im Hauptamt werden Schulmänner oder Geistliche angestellt. Zii Bezirksschiilaufsehern im Nebenamt kann von ber Ortsschulbehörde auch ein Geistlicher in widerruflicher Eigenschaft bestellt werden. Das Zentrum stimmte gegen jede Aenderung in ber Bezirksschulaufsicht.
Zur «jage in Südamerika.
Aus den amerikanischen Nachrichten geht hervor, daß die Stimmung in ber Union sich seit Speck v. Sternburg s Ankunft entschieden zugunsten Deutschlands geändert hat. Der britische Botschafter Sir Michael Herbert hat sich mit Bowen überworfen, während Sternburg sich vorzüglich mit den amerikanischen Staatsmännern steht unb ihnen das größte Vertrauen einslößt. — Der Newporter Times-Korrespondent mclbct, der britische Botschafter habe gegen Bowens sofortige Veröffentlichung ber Antwort der Verbündeten protestiert. — Nach einer Meldung aus Washington erhielt Speck v. Sternburg eine wichtige Mitteilung von der deutschen Regierung, die er sofort Bowen übermittelte, Ihr Inhalt ist noch unbekannt, doch glaubt man, sie sei einer Beilegung des venezolanischen Streites günstig, ©ternburg erklärte nach Empfang der Depesche, er hoffe auf eine schnelle Erledigung ber Angelegenheit.
Der englische Botschafter Herbert befragte am 5. b. M. den Staatssekretär Hay über die Haltung ber Vereinigten Staaten zu bem Gebauten, bic Frage Der Vorzugsbehandlung der verbündeten Mächte dem Haager Schiedsgericht zu überweisen. Er sand, daß die Regierung dafür ist, daß diese Frage in Washington erledigt werde.
Einem Telegramm aus Caracas zufolge sollten die blockierenden Mächte Den Behörden in La Guaira bekannt gegeben haben, daß sie bas Fort bombardieren würden, wenn sie venezolanische Soldaten in der Stadt sähen. Diese Be- tänntmachung erschien unerklärlich angesichts der Tatsache, dag die Soldaten zur Bekämpfung der Aufständischen gelegentlich den Weg durch die Stadt nehmen. Nun meldet em späteres Telegramm aus Caracas, daß die Nachricht unbegründet ist.
Auiveijitüts-Uimpichteu."
Marburg, 5. Febr. Professor Elster hat den an ihn ergangenen Rlü nach London a b g e l e l) n t.
Gerichtssual.
Karlsruhe, 5. Febr. Tie Straflaimner verurteilte heute bit S t u D i c r e n b e n ber technischen Hochjchule Waldemar Ziefer aiis Hamburg und Otto L l b b e r tz aus Dresden wegen Herausforderung zum Duell und Kartelltragens zu zwei Monaten bezw. einer Woche Festung. Die Verhandlung bildet ein N ach spiel zu bem unglücklich verlaufenen P i st o t e u d u e 11 Rus s - R e i ß. Ziefer, der mit Ruff in Der verhängnisvollen Nacht im (Safe Bauer gewesen war, hatte gleichfalls dem im Duell nachher gefallenen Studenten Reiß eine Forderung, und zwar auf Sabel, durch Libbertz überbringen lassen. Tie traurige Dnellasfaire Ruß-Reis fchemt zudem noch einmal die Gerichte beschäftigen zu mallen, beim heute meldet der Polizeibericht, baß zivei Studenten ber hiesigen technischen Hochschule verhaftet würben unter bem Verbacht, in der Dnellasfaire Nnff-Reiß Zeugen zum M e i n c t b ver° leitet zu haben.
Arbeiterbewegung^
Amsterdam, 5. Febr. In einer besonderen Ausgabe des Organs der Vereinigung der E i s e n b a h n a n g c st e 111 c n heißt es, es würden genaue Vorkehrungen getroffen, um den allgemeinen Ausstand herbeizuführen, sobald der Gesetzentwurf, der Den Eisenbahncmgestellten die Teilnahme am Ausstande unterlagt, den Kammern vörgelegt würde, um so dessen Annahme möglichst zu verhindern.
Heimle Mewliugen.
Originaldrahtmeldttngeu des Gießener Anzeigers.
Berlin, 6. Febr. Dein Reichstag ging von der sozialdemokratischen Partei ein Antrag zu, der u. a. Festsetzung der Mai imalarbcitszeit fordert für alle irn Lehr-, Ärbeits- und Dienstverhältnis im Gewerbe-, Handcls- und Verkehrswesen beschäftigten Personen aus vorläufig zehn Stunden unb Verkürzung berselben nach gesetzlich scstzulcgenben Fristen auf acht Stllnben,
Düssclborf, 6. Febr. Bei ben Abbruchsarbetten aus bem Ausstellungsgelänbe verunglückten brci Arbeiter. Zwei würben sofort getötet, einer schwer verwunbet.
Marseille, 6. Febr. Im mittellänbischen Meere unb im Golf von Lyon herrscht ein furchtbarer Sturm. Alle Postbampfer haben Verspätung, einige suchten Zusluchtshäfcn auf. Mehrere Dampfer erlitten Beschädigungen.
Chicago, 5. Febr. Die „Tribun" meldet aus Bay Ciry (Michigan): Eiii siirchtbarer Sturm zertrümmerte m der Vonigaubay eine Eisstäche, auf der 40 Fischer in Hütten wohnten. Von diesen Fischern hat man bisher nichts mehr gehört.


