„La Iberia6, er zugleich redigierte. Im Jahre 1870 zum Präsidenten der CorteS gewählt, trat er bald darauf als Minister des Innern in das Kabinet Malcampo ein, versuchte sich auch damals schon kurze Zeit klls Ministerpräsident. Wieder zurückgetreten, wurde er das gxiupt der konstitutionellen Partei, die sich der konservativen Partei, die unter Führung Canovas del Castolla stand, widersetzte. Seitdem war er abwechselnd Cortes- und Ministerpräsident, doch sind seine wiederholten Versuche, eine liberale Mehrheit zu bilden, stets gescheitert. Auch in den letzten Jahren trat Sagasta trotz seines hohen Alters wiederholt an die Spitze der Regierung. Zum letzten Male demissionierte er am 3. Dezember 1902, worauf Silvela das Staatsruder ergriff. Den Verlust Sagastas selbst wird Spanien schwer empfinden; war er auch nicht der große, energische Staatsmann und Reformator, den Spanien gegenwärtig nötig hat, so hatte er doch Autorität genug, um in den Tagen der Erschlaffung, Zerrissenheit und Korruption wenigstens das Aeußerste zu verhüten. Man darf begierig sein, auf welche Stufe Spanien jetzt ohne Sagasta sinken wird.
Deutsches Reich.
Berlin, 5. Jan. Tie llebersiedelung der kaiser- /ichen Familie vom Neuen Palais nach Berlin har sich zum teil bereits Western abend und heute vormittag vollzogen. Nur die Leiden Prinzen August Wilhelm und Oskar, die zu den Weihnachtsserien aus Plön gekommen waren, sind wagen Unpäßlichkeit im Neuen Palais geblieben und mit ihnen die Kaiserin. — Ter Kaiser sprach gestern vormittag beim Reichskanzler Grafen Bulow vor und hörte später im Schloß den Vortrag des stellvertretenden Civil- taBänettd.
— Tem Kaiser wurden von den Deutschen Hiawais Lei der Eröffnung der Kabelverbindung mit dem cunerika- nischen Festlande ehrerbietige Neujahrswünsche übersandt.
— Ter,Meichsänzeiger" meldet: In der Plenarsitzung Les Bundesrats am 3. Januar wurde zum Vorsitzen^ den der nach § 17 deS Börsengcsetzes zu bildenden ehrengerichtlichen BerusungSkammer der Direktor im Reichsamt des Innern Wermuth und zu dessen Stellvertreter der Geh'. Oberregierringsrat des, preußischen Hartdelsminisieriums Wendelstadt bestimmt.
— Baronin Julie Co hn-Op Yenheim ist gestern in Berlin gestorben.
— Zwischen dem Minister deö Innern und sämtlichen Oberpräsidenten fand gestern eine Konferenz, betr. das neue DotationSges.etz, statt, welche zu allseitig befriedigenden Beschlüssen aus der Grundlage geführt hat, daß lokalen Wünschen und besonderen Einrichtungen in allen Provinzen daS weitgehendste Entgegenkommen erwiesen werd eil soll unter Festhaltung an den Grundsätzen, welche notwendig sind, um eine willmrliche Verteilung und Verwendung der Totationsrente aus^uschließen. Hieran anschließend wurde auch die Beschäftlgung der RegierungS- referendare in ldler zukünftigen Gestaltung besprochen und den Absichten des Ministers des Innern ^ugestimmt, nach Lenen vorzugsweise ihre Ueberweisung an die Landräte und den Bezirksausschuß stattfinden und daneben die Tätigkeit in der Industrie, der Landwirtschaft oder in einem Bankhause in Aussicht genommen werden soll.
— Tie „berliner Korrespondenz" bemerkt, die ZeLtungs- meldung, daß auf der kürzlichen Konferenz im Ministerium der öffentlichen Arbeiten die Frage der Neuordnung der StaaLLeisenbahn-Verwaltung, namentlich der Bildung größerer Generaldirektionen und Umwandlung der jetzigen Eisenbahndirekttonen in Betriebs- direMonen behandelt worden sei, beruhe auf müßiger Erfindung. Tie Berwaltungsordnuug der Staatsbahnen vorn April 1895 bewähre sich
— Ter Berliner Polizeipräsident hat auf pie Ergreifung der Täter/ die in der Nacht zürn Ooti*# an verschiedenen öffentlichen Bauwerken schwere Beschädigungen hervoraerufen haben, eine Belohnung von 1000 Mr. ausgesetzt. Tre Uebeltäter gehören wahrscheinlich einer jugendlichen Bande an. Als verdächtig wurden Wei Arbeiter festgenommen, die aber bestreiten, an den Schandtaten beteiligt zu sein.
— Beim Empfang der Halloren am Kais er Hofe bestätigte der Kaiser, wie aus Halle gemeldet wird, daß er in ' diesem Jahre die Manöver im südöstlichen Teile der Provinz Sachsen abhalten, in Merseburg residieren und nach Halle kommen werde.
— Ueber die in der Nacht zum Sonntag verübten Beschädigungen an Monumentalwerken wird amtlich gemeldet: An der Prometheusgruppe des Marstall- gebäudes auf der Schloßplatzseite ist das linke Ohr eines Pserdekopses abgeschlagen. Tie Hufflossen eines anderen Pferdes sind leicht beschädigt. Ebenso sind von einem Sandsteinsockel des MarstallgebäudeA neben dem Eingang in der Breitestraße eine Ecke, am Sandsteinbrunnen der Roßstraßenbrücke zwei Frösche zur Hälfte weggeschlagen. An' beiden Geländern der Kaiser Wilhelm-Brücke sind an vier Stellen die scharfen Kanten der Graniteinfasung abgeschlagen. Tie Täter sind unbekannt.
Dresden, 5. Jan. Ueber das Besinden König Georgs erfahren die „D. N. N.", daß der König die verflossene Nacht verhältnismäßig gut verbracht hat und die Besserung auch heute eine fortschreitende ist. Ter König fühlt süt). heute wesentlich kräftiger und wird auch am heutigen Tage einige Stunden außerhalb des Bettes zubringen. Bon anderer Seite verlautet: Im Befinden des Königs ist ein erfreulicher Umschwung zu verzeichnen. Noch im Laufe des Samstag ist der König von den Angehörigen der Königlichen F-amilie öfters denn sonst besucht worden, und die Prinzessin Josepha, die in Wien verheiratete Tochter des Königs, soll telegraphisch an das Bett des hohen Kranken berufen worden sein. Nun hat aber in der Nacht vom Samstag zum Sonntag der Wechsel im Befinden des Königs stattgefunden, und auch im Laufe des Sonntags ist eine zwar langsame, aber anhaltende Kräftezunahme bemerkbar geworden. Ter hohe Patient nahm die ihm zweistündlich zu reichenden, leichwerdaulichen Speisen mit besserem Appetit, und die Herztätigkeit ist eine kräftigere. _____________________
Ausland.
Wien, 5. Jan. Heute nachmittag wurde der neu ernannte deutsche Botschafter, Graf v. Wedel, vom Kaiser in Antrittsaudienz empfangen. Der Kaiser nahm das Beglaubigungsschreiben entgegen
— In der gestern abgebaltenen Sitzung der mährischen Teilnehmer an der Ausgleichskonferenz bezeichnete Ministerpräsident v. Körber als außerordentlich wünschenswert, daß
Vertreter Mährens ohne besonderen Landlagsbeschluß
zu einem Ausschuß sich -zusammenfänden, um die vom nährischen Ausschuß ün Jahre 1900 an gebahnten Verständigungsversuche fortHusetzen. Der Ministerpräsident entwickelte sodann die Grundzüge des nenen Sprachenelaborats der Regierung, das er den Teilnehmern an )er Konferenz noch härte übermitteln werde. Auf die Ausführungen mehrerer Redner stellte der Ministerpräsident mit großer Genugtuung fest, daß die Anregung der Regierung allseitig sympathisch ausgenommen fei, und empfahl den Parteien anaesichts der ernsten Lage und der wichtigen Fragen, die nicht nur an das Parlcunent, sondern auch an das Reich heranträten, tunlichst zu Beginn der nächsten Woche eine Erklärung abzugeben.
Rom, 5. Jan. Garibaldis Tochter Teresita, Gattin deS Generals Ecmzio, ist heute früh plötzlich auf Capreva gestorben.
Mazatlan, 5. Jan. Hier ist der Ausbruch der Pest festgestellt worden.
Fünfer Umschau,
Deutsche Mädchen, geht nicht nach Paris!
Es ist leider ganz und gar nicht überflüssig, diesen Warnungsruf ^ertönen lassen. Wie die Verhältnisse liegen, müßte man ihn eigentlich säst täglich ausstoßen. Es ist schreckhaft, welche Fülle frischer junger deutscher Mädchen jahraus jahrein nach Paris herüberflattern und Hier zu Grunde gehen. Tie Statistiken unseres! Konsulats und unserer Hilfsvereine wissen ein trauriges Lied davon zu singen.
Zur ersten Regel sollte sich jedes deutsche Mädchen, sei es Dienstmädchen oder Gouvernante, oder Stütze der Hausfrau, machen, sich vor Annahme einer Stellung in Paris oder vor der Mreise dahin mit einer Anfrage an das dortige deutsche Konsulat zu wenden» das Rue de Lille 78 installiert ist, jede Auskunft aus das bereitwilligste erteilt. Es liegen gewiß für manches Diädchen Gründe vor, ins Aüsland und auch nach Paris! zu gehen, aber es sollte sich dazu erst entschließen, wenn es, durch eine offene Anfrage ans Konsulat den Weg tu großen Umrissen kennen gelernt hat, den es hier zu gehen bestiurmt ist.
Zweiteiis soll sich das deutsche Mädchen, das sich doch entschließt, herzukommen, unter keiner Bedingung von seiner zukünftigen Pariser Herrsch ast das Reisegeld schicken lassen. Es soll sich nicht durch eine falsche Scham abhalten lassen, sich das Reisegeld wenn nötig von Verwandten oder Freundinnen zu borgen. Nimmt es von seiner Uckünftigen Herrschaft das Reisegeld, so ist es vollständig in bereit Händen. Es ist nie im stände, psas Reisegeld zuruckzuzahlen. Kommt, wie das in neunzig unter hundert Fällen der Fall, schon in den ersten Tagen der Krach, sieht das Mädchen ein, oaß es gröblich getäuscht worden ist, so wird es durch die Daumschraube "des ausgelegteu Reisegeldes festgehalten.
Meist verlangen die Pariser Herr schäften, die ein deutsches Mädchen suchen, daß sich dieses auf ein oder zwei Jahre bindet. Sie wissen ganz genau, was sie damit verlangen. Keinen französischen Dienstboten bekämen sie unter dieser Bedingung. Der französische. Dienstbote verpflichtet sich, wacher Art eS auch setz lüüglich auf acht Tage. DaS ist eine ganz uujunstöWche Regel. Das. deutsche Mädchen sollte deMeicheu tun.
Und wenn sich das deutsche Mädchen diese beiden Regeln fest eingeprägt hat, dann soll es auch nur Herkommen, wenn es schon einige Lebenserfahrung besitzt und nicht mehr ein blutjunges unerfahrenes Ding ist. Mädchen von 17, 18 Jahren, wie inan sie hier so häufig trifft, gehören überhaupt nicht nach Paris,
Die Eltern junger Mädchen kann man aber nicht ein- dringlllchi genug auf. die Gefahren aufmerksam machen, die ihren Kindern in einem raffinierten Kulturmilieu wie Paris' drohen.
Man soll die Tinge beim rechtest Namen nennen und nicht spröde hinter dem Berge hallen. Das französische Gesetz schützt daS verführte Mädchen absolut nicht. Man denke daran, daß es hier immer noch verboten ist, den Vater eines unehÄlchen Kindes zur 'Rechenschaft zu ziehen. Hat sich erst ein junges Ding verficht en lassen, dann ist es verloren." Und die Versuchung ist so groß.
Die deutschen Eltern sollen nicht vergossen, daß selbst eine gute Herrschaft durchaus außer stände ist, die geringste Ueberwachung übar das' Dienstmädchen zu leisten. Tie Tienstmädchen und sonstigen Dienstboten des ganzen Hauses wohnen alle zusammen im sechsten Stock. Und was dort oben geschieht, das wissen nur die Dienstboten selbst. Dazu kommt dann, wenn das Mädchen ein hübsches junges, frisches Ding ist, der Hausherr, der Sohn des Hausherrn, oer Vetter des Hausherrn, der Vetter des Sohnes des Hausherrn. Sie alle sind hinter dem Mädchen her. Ten Rouös ist das ein gefundenes Fressen. Ich tadele sie nicht weiter. Ich konstatiere nur. In Paris mehr als anderswo liegt die Liebe in der Lust, schwebt über allein, durchdringt alles, bestimmt alle Handlungen, ist ün Grunde das einzig Maßgebende im Leben des Parisers. Und der Gewalt dieses liebedurchtränkteu verführerischen Milieus unterliegt das unerfahrene junge Ting unweigerlich. Es ist viel zu schwach, um auch nur den geringsten Widerstand zu leisten.
Zum Schluß noch eine besonders eindringliche Warnung an die deutschen Eltern: Laßt euch nicht durch Annoncen ftanzösischer Familien in deutschen Zeitungen verführen. Tas sind meistens Leute, die in Paris verschrieen sind und durch kein Bermietungshureau mehr einen Dienstboten er- halten.
Aus MM und Amid.
Gießen, den 6. Januar 1903.
Hess.-Thüring. Staatslotterie. Aus Darm- stad t wird uns folgende Gewinnliste telegraphisch gemeldet: Es sielen 1 Gewinn von 10 000 Mk. auf Nr. 73948, 1 Gewinn von 2000 Mk. auf Nr. 89734. 1 Gewinn von 1000 Mk. auf Nr. 58652, 4 Gewinne von je 400 Mk. auf Nr. 16244 25295 53536 71474, 10 Gewinne von je 300 Mk. auf Nr. 3616 4160 20500 13661 13898 26258 39942 57919 65362 65900. (Ohne Gewähr.)
** Städtebund-Theater. In der gestern nachmittag im Beratungszimmer der Bürgermeisterei abgehaltenen Sitzung der städtischen Theaterkommission wurden die Bewerbungen um die ausgeschriebene Stelle eines Direktors des Städtebund-Theaters vorgelegt; wie wir hören, haben sich über 50 Herren um die Stelle beworben, unter denen sich hervorragende und bekannte Namen von Direktoren und Künstlern aus allen Teilen Deutschlands befinden. Der Kommissionssitzung haben außer den hiesigen Mitgliedern der Vertreter der Kurdirektion von Bad-Nauheim, Herr v. Grol- mann, sowie der Vertreter der Stadt Marburg, Herr Prof. Leonhard, beigewohnt. Cs sind zehn Herren in die engere
Wahl gekommen und sollen die Namen dem Ministerium alsbald unterbreitet werden.
** Dem Brieftauben-Klub Gießen wurde vom Kaiserlichen Kriegs-Ministerium für besonders hervorragende Leistungen seiner Brieftauben für das Jahr 1902 die bronzene Staats-Medaille verliehen. Diese Medaille ist dem Mügliedr, Herrn Bäckermeister Forbach, für die beste Leistung seiner Tauben zugcfallen.
•* Eine wichtige postalische Neuerung wird in nächster Zeit Angeführt werden. Die Abschnitte der Postanweisungsformulare sind bisher nur durch einen Srrich gekennzeichnet und müffen mit einer Scheere abgetrennt oder abgerissen werden. Herbei paffierte es nun häufig, daß die Anweisungsformulare oder die Abschnitte zerriffen und etwaige Notizen auf denselben unleserlich wurden. Auf verschiedenen Postämtern in Berlin sind nun für den inneren Dienst Formulare angefertigt, bei welchen die Abschnitte weitlochig perforirt sind und infolgedessen mit Leichtigkeit und sauber abgetrennt werden können. Die Veffuche haben sich so vorzüglich bewährt, daß nunmehr sämtliche Postanweisungen in dieser Weise hergestellt werden sollen.
§ Butzbach, 5. Jan. Der auch in weiteren Kreisen als Poet bekannte hiesige Lehrer S t o r ch ist zum Oberlehrer an unserer Stadtschule befördert und heute in sein Amt eingewiesen worden. — Hier und in mehreren Nachbarorten herrscht unter den Erwachsenen die Influenza ziemlich heftig, in Griedel forderte sie bereits zwei Opfer. — Wegen einer angeblich versuchten Verleitung zu einer entlastenden Aussage vor Gericht ist der Landwirt H. von Oes in Untersuchungshaft genommen worden.
Darmstadt, 5.Jan. „Loß'n nor emol geh', was er mache will." Mit dieser Devise wurde gestern der diesjährige Fasching in der neuen Turnhalle durch das erste karnevalistische Konzert eröffnet. Die Zusammenstellung des Programms war eine vorzügliche, und zeigte der reiche Beifall nach den einzelnen Nummern die Zufriedenheit des Pub< likums mit demselben. Durch Absingung gemeinschaftlicher Lieder wurde die fidele Stimmung nur gehoben. Die Karnevalsredner sanden lebhastrsten Beifall. Der Saal war biL auf den letzten Platz gefüllt. — Der infolge des Ablebens des Pfarrers Dr. Grein zur provisorischen Versetzung der Ostpfarrei berufene Pfarrverwalter Friedrich Germer vor Frischborn stellte sich gestern vormittag im HauptgotteLdienst« der Stadtkapelle einer zahlreichen Gemeinde vor.
Offenbach, 4. Jan. Gestern morgon stürzte offen bar in schlaftrunkenem Zustande ein 26 Jahre alter fcbigei Portefeuiller aus dem Fenster seiner im 4. Stock in einen Hause an der Ecke der Herrnstraße gelegenen Wohnung au die Straße und blieb mit zerschmettertem Schädel tot liegen — In der Offenbacher Feuerbestattungsanstal^ sind seit ihrem Bestehen, also seit Dezember 1899 bis jetzt 325 Leichen verbrannt worden. Das Jahr 1902 weist ec heblich mehr Feuerbestattungen auf als die Jahre vorher Wie die ^Offcnb. Ztg.^ mitteilt, waren von den 325 Per sonen 208 Männer, 111 Frauen und 6 Kinder.
Mainz, 5. Jan. Jüngst ging die Nachricht durch bti Zeitungen, daß die Grundbesitzer von Kastel beschloffen hätten ihre Zustimmung zum Bau der elektrischen Bahn nac( Wiesbaden nicht eher zu erteilen, als bis die Entschä- bigungSfrage zur Zufriedenheit aller Grundeigentümer erledigt sei. Nun würbe aber der S. E.-G." als Erbauerin der elektrischen Bahn seinerzeit von der Regierung das Recht erteilt, das Enteignungsverfahren einzuleiten. Kommt zwischen der S. E.-G. und den Grundeigentümern eine Verständigung wegen der Entschädigungsfrage nicht zu stände, so wird die Batzngesellschaft auf gründ des Enteignungsgesetzes in den Besitz des zu benötigenden Baugeländes, auch ohne die Zustimmung der Grundeigentümer, eingesetzt und es erfolgt dann später eine Regelung der Entschädigungsfrage. — Mit einem Schuß in den Unterleib wurde vorgestern abend der 14jährige Ludwig Schilling aus Finthen in das RochuS- hospital eingebracht. Er hatte sich beim Neujahrsschießen durch Unvorsichügkeit mit einer Pistole in den Unterleib geschoßen. Die Verletzung ist eine sehr schwere. Der Vater des Verletzten war der Meinung, er könne seinen Sohn gleich wieder nach der Operation mitnehmen und wollte darauf ,cin bischen warten". — Der Schuloochand hat beschloßen, für Mainz fünf Schulärzte anzustellen.
Mainz, 5. Jiui. Gin heiteres Mißgeschick paffieut» in der Sylvesternacht einer hiesigen ehrsamen Hausfrau, deren Cheliebster, ein wackerer Sangesbruder, sich tm Kreise seiner Freunde so mollia fühlte, daß, er total ixw Heimgehen vergaß. Längst nach Mitternacht wartete die Frau noch immer wachend auf ihren Mann und uiachte auf einmal die Entdeckung, daß nicht allein der sondern auch daS Petroleum ausgegangen war, das Licht nicht mehr brennen wollte. Kaum hatte die Gattin chrer ältesten Tochter mit dem Rufe: ,^JesseS^ Anna, jetzt geht aach noch's Licht auS!" die neueste Uuaunehmlichkeit mu- geteilt, und die Tochter die durchaus nicht tröstliche Antwort: „No, do fehlt nor noch, daß der Vadder voll häm- kimmt!" gegeben, da kam schon ein, dem unsicheren Gangwerk nach, total betrunkenes Menschenkind durch den dunklen HauSgang getappt, rannte an die Stiege an und — lag der Betrunkene auf der Treppe! Mutter und Tochter eilten sofort die zwei Treppen hinunter und griffen herzhaft dem daS Gleichgewicht Verlorenen unter die Arme. Ter Mann brummt etwas, worauf die Frau aber sofort mit der Mahnung: „Bist Tu ruhig! — Tu Volleil!" Ruhe stiftete und nun den Mann nach der Wohnung schaffte, wo die beiden, Mutter und Tochter, sofort mit dem AuSkleiden des Dilslosen begannen. Eben faßte die Tochter nach dem Halse des Mannes, um ihm den tagen abzuknöpfen, als sie plötzlich laut auffchreiend diese Arbeit aufgab, nach der Türe eilte und der Mutter zurief: „Mutter, loß den los, daß iS der Vadder jo gar nit, deß is en fremder fterL der hot jo en Bart! — Hilfe! Hilfe!" — Tie Mutter griff erst einmal nach dem Gesicht des Mannes- und ua )te richtig ein bärtiges Gesicht befühlte, sekundierte )ie sofort der Tochter beim Hilferuf, und dabei halsen den beiden im Schreien noch zwei kleinere Sprößjinge, die.urzwiichen erwacht waren — mit einem Worte: es war ein Mor^- spektakel. Daraufhin eilte eine Frau aus dem dritten Stock mit einer Lampe herbei, und als man dann nach dem Manne lugte, rief die ziuletzt Eingetrosfane: „Je^eS, Jefies. deß iS jo mein Mairn!" Nun packte man den letzteren gemeinschaftlich und brachte ihn nach seiner Behausung. Spät, oder eigentlich sehr früh, kam darin Anblick der //richttge" Mruann in ziemlich „gutem, Zustande nach


