Ausgabe 
6.1.1903 Zweites Blatt
 
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Hause, wv er unter Vorwürfen der Gatttn bereu uüWWeK Menteuer erfuhr.

Worms, 5. Jan. In einer von mehreren hundert uatioualliberalen Wählern auS Stadt und Lcmd be­suchten Versammlung in Westhofen sprach gestern Reichs- tagsabgeordneter Frhr. Heyl zu Herrnsheim über daS Zolltarifgesetz. Sein Festhalten am 6-Mark-Zoll für alle Getreidesorten bis zum letzten Moment und sein Be­streben, schon tn der Kommission auf dieser Basis den Kom- promiß der Mehrheit herbeizuführen, fand allgemeine Billigung. Die Meinung, daß auf diese Weise ein höherer Wcizenzoll erreicht worden wäre, wurde einstimmig kundgegeben, weil die Nachgabe der Regierung in 63 Positionen den Beweis dafür erbrachte. Stürmische Zustimmung fand der Redner bei seiner Begründmrg über die Notwendigkeit der Kündig­ung der Meistbegünstigungs-Verträge. Ohne diese Kündigung seien Handelsverträge mit den Minimalzöllen des Zolltarifs abzulehnen. Die Versammlung protestierte energisch gegen die von den nationalliberalen Abgeordneten mderzweiten Kammer herbeigeführte Wahl eines Sozial­demokraten in das Bureau der Kammer und sprach darüber einstimmig ihr Mißfallen aus.

Marburg, 5. Jan. Am Samstag abend bemerkte man hier heftiges Wetterleuchten. Wie nun aus der Gegend von Erndtebrück und aus dem Fürstentum Lippe ge­meldet wird, gingen dort um dieselbe Zeit heftige Gewitter nieder.

AuS Nassau, 4. Jan. Sowohl an der Lahn als auch auf dem ganzen nördlichen Taunus grassiert gegen­wärtig die Influenza so stark, daß in vielen Ortschaften kein Haus ohne einen oder mehrere Kranke ist. Mitleidige Nachbarn müsien oft die notwendigsten häuslichen und wirt­schaftlichen Arbeiten der von der Krankheit Betroffenen ver­richten. Während aber die Influenza an der Lahn durch­weg mllde auftritt, führt sie auf dem Taunus meist Lungen­krankheiten mit sich, die nicht selten den Tod zur Folge hatten.

Hanau, 5. Jan. Ueber die Höhe der Unterschlagung deZ in Haft befindlichen Bankiers Lilienfeld bringen die Blätter höchst unzuverlässige Meldungen. Wie ich auS bester Quelle erfahre, betragen die Veruntreuungen die Summe von 22 000 Mk. Ueber die Deckung des Betrages werden schon längere Zeit Verhandlungen gepflogen. Lilien­feld bot 11000 Mk., welches Ansinnen die Gläubiger nicht cingingen und die Sache der Staatsanwaltschaft übertrugen.

8 Windecken, 5. Jan. Der hiesige Ortsbürger Kon­rad Fuß und seine Gattin Margaretha, geb. Klosterbccker, begingen in geistiger Frische das goldene Ehejubiläum im Kreise von Kindern, Enkeln nnd Urenkeln._______________

Handel und Verkehr. Volkswirtschaft.

Märkte.

Gießen, 6. Jan. Marktbericht. Alls dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Butterpr.Pfd. 0,8090,03)11., Hühnereier 1 St. 810 Pfa^ 2 Stck. 0000 Pfg_ GänseeierOO00 Pfg., Enteneier 00 Pfg^ Käse pr. Stck. 58 Pf., Kasematte 2 Stck. 56 Pfg., Erbsen pr. Liter 21 Pfg., Linsen pr. Liter 32 Pfg., Tcurben pr.Paar 0,700,95Mk., Hühner pr. St. 2,001,20 Mk^ Hahnen pr. Stück 0,801,40 Mk., Enten pr. Stück 6,002,60 Mk., Ganse pr. Pfd. 5870 Pfg., Ochsenfleisch pr. Pflück) 1676 Pfg^ Kuh- unb Rindfleisch pr. Pfund 6064 Pfg^ Schweine­fleisch pr. Pfund 7080 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 84 Pfg^ Kalbfleisch pr. Pfd. 6872 Pfg^ Hcmrmelfleisch pr. Pfund 5070Pfg^ Kartoffeln pr. 100 Kar. 6,000,00 Mk., Weißkraut per Stück 0000 Pfg., Zwiebeln pr. Zentner 3^04ch0 Mck^ Milch per Liter 18 Pfg. Aepsel per Pfd. 000 Pfg., in Körben 0000 Pfg.: Trauben 0000 Pfg.

Krieskasten der Redaktion.

(Anonyme Anfragen bleiben unberücksichtigt.)

M. 7. Sitz haben weitere Ansprüche gegen Ihren Prinzipal nicht mehr zu erheben. Die bereits angezogene gesetzliche Be­

stimmung giebt nur eine Maximalgrenze für die Verpflichtungen des Prinzipals; die Geltendmachung eines kürzeren ßüttbtgungß- rechtes wird durch jene Bestimmung nicht gehemmt.

Neueste Melduugeu.

Origirmldrahtmeldrrngen des Gießener Anzeiger.

Berlin. 6. Januar. Nach der ,^Voffischen Zeitung" hat der Kaiser dem Präsidenten des Reichs-Militär­gericht S über die Personen deS Soldatenstandes seines Dienstbereichs die DiSziplinar-Strafgewalt und die Urlaubs- Befugnis eines kommandierenden Generals verliehen.

Berlin, 6. Jan. Die Morgcnblätter melben: Don der Rotte Bmffchen, welche in der Nacht zu Sonntag die gemeldeten Verstümmelungen an den Baudenkmälern ver­übten, wurden auch am Kaufhaus Rudolf Hertzog an zwei Bronzereliefs Beschädigungen verursacht.

Berlin, 6. Jan. Der »Lok. Anz.* meldet auS Rosen­berg (Westpreußen): In dem Abbau Rosenberg wurden die Eheleute Ackermann in ihrer Wohnung ermordet und be­raubt aufgefunden.

Berlin, 6. Jan. Zur Lage in Marokko meldet der ,^Lokal-Anz." über PariZ: Nach den neuesten Meld­ungen aus Fez berief der Sultan unmittelbar nach den seinem Bruder Mulay Dtuhameü von der Bevölkerung dar- gebrachten Huldigungen einen großen KriegArat. Nach hefti­ger Diskussion wurde eine neue Expedition beschlossen, deren Führer und Plan Geheimnis sind. Der Sultan hofft Dauk der Versöhnung mit seinem Bruder die mächtigsten Stämme, welche bei dem Kampfe am 23. Dezember an der Umzingelung der Truppen des Sultans den Hauptanteil hatten, dem Buhamara abwendig zu machen. Alle Welt in Fez ist überzeugt, daß Buhamara mit dem mystisch veranlagten Mulay Mclzamed, dem Onkel des Sultans, identisch ist.

Berlin, 6. Jam Nach einer bisher noch unbestätig­ten Meldung der römischenTribuna" verlieh Kaiser Wilhelm dem Monsignore Gasparri, dem Sekretär der außerordentlichen geistlichen Angelegenheiten, wegen seiner Verdienste um das Zustandekommen der katholisch theolo­gischen Fakultät Straßburg den Schwarzen Wlerorden.

London, 6. Jan. TerGlobe" berichtet aus New- Pork: Staatssekretär Hay konferierte am Samstag mit dem Vertreter Kolumbiens, Horran, über den Panamakanal. Fast sämtliche schwebenden Fragen sind gelöst und die Grund- Kge des Vertrages in gegenseitigem Eiiwerstündnis fest- gewgt worden. Gerüchtweise vergautet, falls die Vereinigten Staaten den Kanal nicht bauen sollten, würde ein deutsches Syndikat die Rechte der französischen Gesellschaft ankaufen.

Loudon, 6. Jan. Nach einer telegraphischen Mel-, düng aus Teheran wurdre neuerdings, ein Revolver- Attentat auf den Schah von Persien verübt- welches aber mißglückte.

Madrid, 6. Jan. Als der Prinz von Asturien gestern von einem Spaziergange ins Palais zurückkchrte, trat chm ein Mann mit dem Rufe entgegen:Es lebe Alfons XIII., nieder mit Casertal" Der Schreier wurde verhaftet. Er ist ein früherer Karlist. Man glaubt, daß er geistesgestört ist. Er wird vor das Kriegsgericht gestellt.

Madrid, 6. Jan. Der To d SagastaS trat um 6y, Uhr abends ein. Die Nachricht wurde in der Stadt nnt allgemeiner Teilnahme aufgenommen. Der König äußerte den Wunsch, Sagasta zu besuchen, man benierkte chm jedoch, daß dies gegen die Etikette verstoße. Der König äußerte hierüber sein tiefes Bedauern. (Vergleiche auch unter Pol. Tagesschau.)

Madrid, 6. Ihn. Ueber die letzten Stunden Sa­ga staö wird noch gemeldet: Tie am Sterbelager weilende Familie glaubte bereits um 6 Uhr abends, daß Sagasta gestorben sei, aber er zeigte noch schwache Lebenszeichen. Der Tod trat um 11 Uhr ö Min. ein. Die Beisetzung wird voraussichtlich Mittwoch stattftnden.

Mailand, 6. Jwn. In ganz ObertEen herrscht starke Influenza. In Padua zählt man allein 15ÖQÖ Erkrankungen bei täglich 20 Todesfällen.

Triest, 6. Jan. In Dalmatien wütet ein f bare r Orkan, welcher großen Schaden anrichtete. Temperatur ist rapide im Steigen begriffen.

Zürich, 6. Jan. Nachdem Erzherzog Leopold der Presse mitgeteilt hat, daß vier Millionen Gulden ans dem Vermögen Johann OrtbS auf der Bank von Zürich deponiert feien, und von Wien aus die Existenz jedes der» artigen Vermögens bestritten wird» gab gestern die Di­rektion der Bank folgende Erklärung ab: W ist unrichtig, daß bet unserem Institut Gelder Johann OrthS liegen. Richtig aber ist, daß bei einem anderen Schweizer Band- Institut solche Depots vorhanden sinch wegen deren Lev- ausgabe sich bereits ftüher ein Prozeß abgespielt Har.

Wien, 6. Jan. Wie in Hofkreiseu verlautet, toid> der Kronprinz von Sachsen in nächster Zeit eine Zu» sammenkunst mit Kaiser Franz Josef haben^ wächr m Budapest stattftnden soll. Bei dieser Gelegenheit werbe auch die Affäre der Kronprinzessin zur Sprache kommen Der Reich, spat wird am 13. dL wieder zusammen» treten.

Gibraltar, 6. Jan. Hier eingegangene Nachricht« auS Marokko besagen, daß die aufrührerischen Stämme sich dem Sultan unterwerfen und daß die Beunruhigung sich legt

Caracas, 5. Jan. Die finanzielle Panik, welche dadurch entstanden war, daß die Bank von Venezuela ihre Noten nicht einzulösen vermag, ist vorübergehend dadurch gemildert worden, daß die bedeutendsten Firmen von Cara­cas, La Guaira, Valencia und Puerto Cabello sich bereit erklärten, alle Zahlungen in Noten anzunehmen.

Caracas, 6. Jan. Gestern wurden hier etwa 1500 Aufständische unter Ramos Penalofa, welche auf Cara­cas marschierten, unweit Guaüre von den Regierungstruppen geschlagen.

Caracas, 6. Jan. Die Lage wird immer ernster. Die Revolution dehnt sich weiter auS. Der Prä­sident befindet sich in großer Verlegenheit

La Guayra, 6. Jan. General MateA erwartet die Einnahme von Coro, um nach Venezuela zurüötzu- kehren und das Kommando der revolutionären Streit­kräfte zu übernehmen. Er hat einen Aufruf erlassen, worin, die Bevölkerung aufgefordert wird» bte Waffen zu er­greifen. Matos rechnet auf die Unterstützung Rolandos^ dessen Streitkräfte gegen Caracas marschieren. Man glaubt, daß wenn Matos ans Ruder kommt, er den Kon­flikt mit den Brächten schnell erledigen und auch die. Finanzkrisis beseiligen Werpe.

Newyork, 6. Jan. Die Blätter besprechen daS (Siu treffen des letzten Kuriers yus Caracas, welcher Träger; amtlicher Dokumente über den venezolanischen Kon­flikt ist. Es geht aus denselben hervor, die Ansicht der venezolanischen Regierung sei die, daß Deutschland die Initiative zu den Feindseligkeiten gegen Venezuela ergriffen, habe. Castro weist darauf hin, daß England anscheinend, nur mit großer Reserve an den Operationen teiLvahm.

Telephonischer Kursbericht«

372% Reichsanleihe . . 102.45

3% do. ... 91.95

3V,% Konsole .... 102.40 3% do. .... . 91.95 3%% Hessen .... 101.20 3% Oberhessen , . . 99.60 4% Oesterr. Goldrente . . 103.45 47,% Oesterr. Silberrente 101.35 4% Ungar. Goldrente, . . 101.65 4% Italien. Bente . . . 103.40 47,% Portugiesen ... 50.40 80/,, Portugiesen. .... 31L0 1% 0. Türken .... 29.45 Türkenlose......123.80

4% Grieoh. Monopol.-AnL 44.70 4* 1/, % äussere Argentiner.

8% Mexikaner .... 24.90 W/o Chinesen .... 91.06 Electric. Schuckert ... 80. Nordd. Lloyd . . . . 96.90

Kreditaktien.....218.60

Diakonto-Kommxndit . . 192.60 Darmstädter Bank . . . 136J0 Dresdener Bank .... 146. Berliner Hondelages. . . 158.60 Oesterr. Staats bahn . . . 149. Lombarden.....16.7Y

Gotthardbahn . . . . ' . 179.50 Laurahlitte . . . . . . 21LL0 Bochum ...... 179.80 Harpener......168J0

Tendenz: fest.

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