Ausgabe 
5.2.1903 Drittes Blatt
 
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Parlamentarisches.

Berlin, 4. Febr. Das preußische Abqe ordneten- haus hat heute die zweite Beratung des Gestütsetats fortgesetzt. Sämtliche Ausgaben wurden ohne Debatte be­willigt und damit der Etat der Gestütsverwaltung erledigt. Auch der Etat der Seehandlung wurde ohne Debatte angenommen. Auf der morgigen Tagesordnung steht der Etat des Ministeriums des Innern.

Are Krovprinzesstu von Sachsen.

Gens, 4. Feor. Die Kronprinzessin von Lachsen und Giron sind heute mittag hier eingetroffen und am Bahnhof von ihrem Bruder Leopold Wölfling begrüßt worden, der die Schwester zärtlich umarmte und Girou die Hand schüttelte. Alsdann begaben sich alle drei ohne der Zollrevision beizuwohnen, zu Fuß nach dem Hotel Schweizerhof, wo die Kammerfrau mit dem Gepäck sie ein­holte. Der Aufenthalt m Genf ist evraussichttich nur kurz. Die Prinzessin begiebt sich angeblich allein nach Salzburg. Unmittelbar nach der Ankunft in Genf hatte die Kron­prinzessin von Sachsen eine Unterredung mit dem Rechtsanwalt La ch e n a l. Letzterer erklärt, der Reise der Kronprinzessin nach Genf komme durchaus nicht diejenige Bedeutung zu, welche ihr von der Presse beigemessen werde. Der Aufenthalt in Gens wird voraussichtlich eine Woche dauern. Giron weigert sich, irgend jemand zu empfangen.

DenDr. N. N. wird aus Mentone gemeldet: Die Plötz- ckche Abreise der ehemaligen Kronprinzessin wurde durch ein Telegramm aus Salzburg veranlaßt, wonach die Krankheit ihres Sohnes sich verschlimmert haben soll. Die Zttonprinzeffin wartet in Gens auf die Er- longung fr eien Geleites nach Salzburg oder Dresden. Giron reist in diesem Falle nach Mentone zurück, wo er die Prinzessin nächste Woche trifft. In Dresdener Hofkreisen hält man eine Reise der früheren Kron- p:mzes^in^nach^DrEden^ür^Disgeschl o sfen.

Deutsches Keich.

Berlin, 4. Febr. Heute vormittag 11 Uhr wurde in der Gnodenkttche im Invalidenpark eine T r a u e r f e i e r für den verstorbenen Staatsminister z. D. Dr. Delbrück ab­gehalten. Außer den Mitgliedern der Familie Delbrück nahmen der Kaiser und die Kaiserin, die Prinzen des königl. Hauses, das kaiserliche Hauptquartier, der Reichs­kanzler, die aktiven und inaktiven Staatsminister, die Staatssekretäre, die Generalität und Admiralität, die Ritter des Schwarzen Adlerordens, die Spitzen der Civil- und städtischen Behörden, die Gesandten der Bundesstaaten u. a. teil. Oberhofprediger D. Dryander hielt die Gedächtnis­rede. Unter Glockengeläute wurde der vor dem Altar aufge- b-cchrte Sarg aus den offenen Leichenwagen gehoben. Den Zug zum Friedhöfe eröffneten zwei Kranzwagen, ein Kranz des Kaisers und die Orden des Verstorbenen wurden dem Sarge vorangetragen, dem der sechsspännige kaiserliche Gala- wagen (leer) folgte.

Stuttg ar t, 4. Febr. Oberlandesgerichtsrat Lve d el wurde lautSchwäb. Merkur" als Nachfolger des Reichs­gerichtsrats Zimmerle an das Reichsgericht berufen.

Marokko.

Tanger, 4. Febr. (Havas.) Der spanische Gesandte empfing einen besonderen in der vergangenen Nacht ein- getroffeneu Boten, welcher die Nachricht von der Ge­fangennahme des Prätendenten bestätigte. Mu- ley Arafa verließ Tanger und begab sich mit Truppen noch dem Riff. DerFrkf. Zig," wird aus Tanger gemeldet: Die Gefangennahme Bu Hama ras er­scheint jetzt als erwiesen. Bestochene Führer der Beni Uaram^Kabylen übten Verrat; die Rebellen versuchten Bu Hamara zu befreien; sie brachten den Truppen des Sultans einen Verlust von tausend Mann bei, sie erreichten jedoch ihren Zweck nicht, da das Gros des Sultansheeres den Gefangenen in die Mitte nahm und in rasendem Galopp nach Fez zu ritt. Unterwegs machten die Giatta-Kabylen einen neuen Versuch, den Prätendenten zu befreien, trotz des mörderischen Kampfes abermals erfolglos, dagegen wurde das Heer des Sultans einen Tag lang aufgehalten. Der Einzug in Fez erfolgte am 1. Februar. Es verlautet, Bu Hamara und seine höheren Offiziere seien schon hin- gerichtet. Das Heer des Sultans soll im Lager des Präten­denten htm eilte gefunden haben, durch welche vornehme Bewohner von Fez kompromittiert werden, sodaß fürchter­liche Racheakte erwartet werden.

Die Lage in Mttelamerika.

Washington, 4. Febr. (Reuter.) Mexiko ist eben­falls in die Reihe der Glaubigernationen gegenüber Ve­nezuela eingetreten. Der hiesige mexikanische Bot­schafter d»e Azpiroz machte Bowen davon Mitteilung, indem er die Forderungen der mexikanischen Untertanen an Venezuela gleichzeitig auf etwa 18 000 Pfund Sterling berechnete. Nach einem über Panama in Newyork eingegangenen Telegramm aus Honduras weigert sich der Präsident Sierra, die Präsidentschaft an den er­wählten Präsidenten Bonilla abzutreten. Letzterer be­reitet einen Aufruhr vor. Die Lage in Salvador wird schwieriger. Die Aufständischen erhalten Unter­stützungen seitens Guatemalas. Die Armeen von Guate­mala und Salvador sammeln sich an» der Grenze. Nikara­gua unterstützt Salvador. Ter nikaraguanische Kreuzer Momodombo" landete in Aeajritta 1010 Gewehre und 300 000 Patronen, welche der Präsident Zelaya den Revolu­tionären in Guatemala sendet, die sich bei der Armee von Salvador befinden. Die Bewegung richtet sich gegen Guate­mala und Costarika. Das Ziel des Krieges ist augenscheinlich die Gründung einer centralamerikanischen Union.

Washington, 4. Febr. Amerikanische Kriegs­schiffe wurden zum Schutze der Interessen der Vereinigten Staaten nach Amapala ^Honduras) beordert.

Newyork, 4. Febr. Der deutsche Geschäftsträger Freiherr Speck von Sternburg schlägt dreimonat­liche Vorzugsrechte vor.

Aus Stadt uud Kaust.

** Personalien. Durch Entsaft; cßimg vom 3. Febr. 0. I. wurde der Bereinigungskommissär, Regierungsrat Rach in Darmstadt aus sein Nachsuchen, bis zur Wieder­herstellung seiner Gesundheit, mit Wirkung vom 4. d. M. ab in den Ruhestand versetzt. Durch «antschiießungGroßh. Ministeriums des Innern vom 31. Fan. o. I. wurde der Großh. Regierungsassessor S cy n i t t p a h n in Friedberg mit Versetzung der Stelle eines Bereinigungskommissärs für den Kreis Büdingen niti dem Amlssine in Bübingen vis au; weiteres beauftragt. Durch Entschließung Großh.

Ministeriums des nJnern vom 31. Jan. d. I. wurde der Großh. Negierungsassessor Karl Traudt in Lauterbach mit Aushilfeleistung Lei dem Großh. Vereinigungskommissär in Friedberg bis auf weiteres beauftragt.

31. AlenaLververlammiung des Deutschen ^arrd- wrrtschaftsrats

(Ausführlicher Bericht.)

L

Berlin, 3. Februar.

In Gegenwart des Oandwirtschaftsministers v. P o d- b i e l s k i und zahlreicher Vertreter aus Ministerien, Reichs­ämtern und Bundesregierungen begann heute die 31. Ple­narversammlung des Deutschen Landwirtschaftsrats mit einem Hoch auf den Kaiser und die Bundesfürsten.

Herr v. Oldenburg sprach das Ersuchen aus, daß bei so wichtigen Angelegenheiten, wie die Stellungnahme zum Zolltarif der Ausschuß nicht selbständig vor­gehen, sondern daß jedesmal die Vollversammlung ein- berusen werden möge, weil sonst die Ansicht des Landwirt- fchastsrates nicht deutlich zum Ausdrucke komme. Tas Herabgehen von ?i/2 Mark auf 6 Mark Getreidezoll sei ein Fehler gewesen und habe nicht die Zustimmung der gesam­ten Körperschaft. Ter Vorsitzende Graf Schwerin-Lö­witz nahm das Verfahren des Vorstandes als satzungs­gemäß berechtigt und durch die damals vorliegenden Verhältnisse geboten in Schutz. Es sei auch nicht von einem Zurückgehen der Forderung die Rede, da der Land- wirtfchaftsrat von jeher einen Zoll von 6 Mark für alle Getreidearten für ausreichend erachtet habe. Der Gegenstand ries noch eine weitere Erörterung hervor. Graf Rantzau-Ra st orf erklärte, eine erneute Stellung­nahme des Landwirtschaftsrates sei nicht nötig und des­halb vor der Oesfentlichkeit ein Fehler gewesen. Min­destens hätte eine Vollversammlung einberufen werden müssen. Frhr. v. Soden- Frauen Hofen (Bayern) ver­teidigt das Vorgehen des Ausschusses. Sein Schweigen wäre gerade als Zeichen von Mutlosigkeit gedeutet und namentlich in Süddeutschland nicht verstanden- worden, v. Oldenburg betonte, daß das Fallenlassen des Mi­nimaltarifs seitens des ständigen Ausschusses in weiten Kreisen als besonderer Fehler enipfunden werde. Freiherr v. Wan gen heim wies daraus hin, daß sich der Aus­schuß mit seiner Erklärung von dem sachlichen auf das politische Gebiet begeben habe, indem er von dem Vor­gehen gegen die Sozialdemokratie sprach. Schließlich wurde in namentlicher Abstimmung folgender Antrag des Frhrn. v. Ow-Württernberg mit 40 gegen 16 Stimmen angenommen (die neun Mitglieder des ständigen Aus­schusses enthielten sich der Abstimmung.):

Der deutsche Landwirtschaftsrat billigt das Vor­gehen des ständigen Ausschusses und geht über die Resolution v. Oldenburg zur Tagesordnung über".

Diese Resolution lautete: Der Landwirtschaftsrat hätte gewünscht, daß sein ständiger Ausschuß die Beschlußfassung zum Anträge Kardorsf unterlassen hätte: denn erstens handelte es sich um eine außerhalb der Zuständigkeit des Landwirtschaftsrates liegende Angelegenheit allgemein po­litischer Natur, zweitens hatte der ständige Ausschuß ein Mandat des Plenums, diese Angelegenheit zu verhandeln, zum Gegenstand seiner Beschlußfassung zu machen und namens des Landwirtschaftsrats zu vertreten, nicht er­halten.

Dann verhandelte man über Maßnahmen gegen die Verunreinigung der Flüsse. Es lag eine Reso­lution vor, die eine reichsgefetzlichc Regelung dieser Ma­terie und in Amaugelung dessen landesgesetzliche Vor­schriften dahin verlangt, daß die Einleitung ungereinigter Schmutzwässer verboten und für ständige lleberwachung der Gewässer durch geschulte Persönlichkeiten gesorgt wird. Geheimrat Bumm vom Reichsgesundheitsamt wies auf die Unmöglichkeit hin, allgemeine Grundsätze aufzustellen, da die Flußläufe nicht alle gleiche Mengen Schmutzwässer gefahrlos aufnehmen könnten. Ter Bundesrat habe 1902 beschlossen, eine (Einleitung von Fäkalien in die Flußläufe erst nach Zustimmung de." Reichsgesundheitsamts zu ge­statten, falls zu befürchten steht, daß durch die Einleitung der Fäces mehrere Bundesstaaten berührt werden. Das Reichsgesundheitsamt hat sich infolgedessen bereits mehr­fach mit derartigen Fragen besaßt, so bei der Kanali­sation von Mannheim, wo Wo r m s sich gefährdet fühlte, und bei der beabsichtigten Kanalisation von Mainz. Er werde die Sache auch weiter verfolgen. Mehrere Redner wiesen auf eine Verbreitung des Milzbrandes durch die Abwässer der Gerbereien hin, und da alles Schädliche nur aus dem Auslande stammt, beantragt Graf Rantzau folgendes:

1. Angesichts der durch die Abwässer der Gerbereien entstehenden Verbreitung des Milzbrandes sind die zur Ver­hütung der bezüglichen Flußverunreinigungen erforder­lichen reichsgesetzlichen Vorschriften zu erlassen. 2. Die über die Reichsgrenzen eingehenden Rohhäute sind auf das Vorhandensein von Milzbrand hin zu untersuchen.

Geheimrat Bumm meinte, es gebe keine zuverlässige Methode, um Milzbrandspuren in eingeführten Häuten festzustellen. 1902 betrug die Einfuhr von Rohhäuten 1 216 000 Doppelzentner. Es würde also ungeheuer schwie­rig sein, alle diese Häute an der Grenze zu untersuchen. Arn empfehlenswertesten scheint noch die gründliche Desin- sektiou. Tie Anträge der Referenten wurden einstimmig, die des Grasen Rantzau mit großer Mehrheit angenommen.

Die Frage der Errichtung einer Vermittelungsstelle für Abbildungen (Cliches) in landwirtschaftlichen Zeit­schriften behandelten Gras Brühl (Sigmaringen) und Kam­merherr v. Rheden. Der Vorstand wurde ermächtigt, die Vorbereitungen für diese Vermittelungen in die Hand zu nehmen.

Vermischtes.

B e r l i n, 4. Febr. Der sozialdemokratische Abgeordnete A g st e r, von dem seit längerer Zeit bekannt ist, daß er gemütskrank ist, machte in einem Anfall von Geistesstörung heute mittag im Reichstagsgebäude einen Selbst­mordversuch. Er hatte seinem hiesigen Logierwirte brieflich mitgeteilt, daß er sich am 4. Februar im Reichs­tage das Leben nehmen werde und von dieser Absicht auch einer Anzahl von Reichstagsabgeordneten brieflich Kenntnis gegeben. Der Wirt sandte den Brief dem Direktor des Reichsiags. Bevor aber noch Maßnahmen getroffen wer­den konnten, hatte Agster seine Absicht ausgeführt. Man hörte einen Schuß, eilte herbei und fand Agster bewußtlos am Boden liegen. Ter nationalliberale Abg. Smiitätsrat Tr. Endern aun, der mit dem Abg. Singer sofort herbei- gerufen wurde, konnte feine Verletzung feststellen. Agster hatte, bevor er den Schuß aus der Pistole abgab, die Kugel ans der Patrone entfernt, sodaß nur die Weste in der Gegend des Herzens vom Pulver verbrannt war. Es sind

Maßnahmen getroften, um Die rrusnayme rrgfrers in eure .Heilanstalt herbeizuführen. Agster wurde von der sozial- demokratischen Fraktion schon sert längerer Zeit im Hinter­gründe gehalten. So wurden die von der Fraktion gestellten Anträge, die sonst immer den Namen Agstein trugen, da er nach dem Alphabet der erste, war, schon seit längerer Zeit von Albrecht zuerst unterzeichnet.

B o n n, 4. Febr. In dem hiesigen B a n k h a u se D a - vid erschien heute nachmittag eine distinguiert aussehende Dame, um einen Wechsel in Höhe von 6000 Mark, der das Accept einer bekannten Getreidesirma in Neuß trug, zu veräußern. Da dem Inhaber des Bankgeschäfts die Sache verdächtig vorkam, wurde die Dame hingehalten, und inzwischen telephonisch in Neuß an gefragt, ob der Wechsel in Ordnung sei. Es stellte sich heraus, daß er ge­fälscht sei. Tie Dame wurde daraufhin von der sofort verständigten Kriminalpolizei verhaftet. Zwei Begleiter derselben, die in einem hiesigen Hotel ihre Rückkehr ab­warteten, wurden gleichfalls festgenommen. (Nach einer weiteren Mitteilung ist die Verhaftete die Inhaberin der Schreibmaschinenhandlung Scheuß u. Möltgen in Koblenz, die in Konkurs geraten war. In Koblenz hatte sie auf zwei fälsche Wechsel Mark 7000 erhalten. Bei dem ver­hafteten Geschäftsführer sollen noch i..hrere falsche Wechsel gesunden worden sein.)

Kiel, 4. Febr. Heute Mittag ist von einem Neubau an der Ecke der Tannstraße und Königsweg die hintere Halste ein gestürzt. Nach den vorläuftgen Feststellungen ist nie- manb zu Schaden gekommen. Die Arbeiten an dem Neubau sind eingestellt, da man ein weiteres Nachstürzen von Mauer­massen befürchtet.

Weißenfels, 4. Febr. Der Polizeisergeant Haase aus Graudenz, welcher von dort wegen Kuppelei und Meineids verfolgt wird, ermordete gestern in einem in der Nähe der Stadt gelegenen Gehölz seine Frau durch Revolver- schüfse und Messerstiche; dann floh er nach Weißenfels und versuchte sich im Garten des hiesigen Krankenhauses zu er­schießen. Seine Verletzungen sind nicht tätlich.

* Mün ch en, 3. Febr. Der heutige Polizei-bericht bringt folgende Mittellung: Der seit November vorigen Jahres von den Gerichts- und Polizeibehörden emsig ge­suchte Gabriel Kraitschir aus Trisail in Steiermark welcher mit Hilfe einer in München wohnhaften Freifrau v. F. und einer in Zürich wohnhaften Freundin unter dem falschen NamenGraf Alfred v. Lazansky" raffinierte Heiratsschwindeleien begangen und durch fortwäh­renden Wechsel des Namens und des Aufenthalles bisher der Festnahmen sich entzogen hat, ist nunmehr auf Grund der von der Münchener Polizei betriebenen Fahndung in La-Chaux-de-Fonds in der französischen Schweiz, wo er unter dem neuangenommenen falschen NamenFranz Ku- baut)" wohnte, verhaftet worden. Auch seine helsershelse- rinnen in München und Zürich sind verhaftet. Kraitschir wird zunächst nach Trient ab geliefert werden.

* Brüssel, 4. Febr. Das Schwurgericht verur­teilte van der Meulen wegen des von ihm am 80. Sep­tember 1902 gegen das Haus des llerikalen Abgeordneten Carton de Wiart verüben Dynamitanschlags zu zehn Jahren Zwangsarbeit. Gegen CammaertS, den van der Meulen als Mitschuldigen bezeichnet, wird wahr­scheinlich das Verfahren von neuem eröffnet werden.

Innsbruck, 4. Febr. Gestern wurden auS dem Bodensee zwei Leichen gezogen: eine 30 Jahre alte Fran und ein dreijähriges Kind, die in Bregenz übernachteten und wahrscheinlich den Tod gesucht haben. Die Frau heißt Hockers und stammt aus dem Württembergischen.

Arbeiterbewegung.

Valladolid, 4. Febr. Tausend b e schäftigungs- losePersonen zogen heute vormittag durch die Straßen der Stadt und suchten die Erdarbeiter und die Maurer zur Arbeitseinstellung zu bringen. Sie verlangten Brot und Arbeit. Die Teilnehmer an der Kundgebung bemächtig­ten sich eines mit Brot gefüllten Wagens. Die Genoar- merie mußte einschreiten. Es wurden mehrere Schüsse gewechselt. Mehrere Personen wurden verwundet und zahl­reiche Verhaftungen vorgenommen.

Barcelona, 4. Febr. Die Arbeiter der Städte Mo- nistrol, Manresa und ©dient haben sich zusammen mit den Arbeitern der umliegenden Ortschaften dem in Mus ausgebrochenen Ausstand an geschlossen. Die Arbeiter in Barcelona erklärten es für notwendig, für nächsten Montag die allgemeine Arbeitseinstellung zu beschließen.

Gerichtslaat.

Frankfurt, 4. Febr. Im hiesigen Bürgerverein hatte am 21. November der L i s t j u n g e Atzert, der den greisen Drchtei Dr. Wilhelm Jordan in den ersten Stock befördern sollte, einen Unfall erlitten. Er stürmte aus dem Fahrstuhl in den Schacht und zog sich erhebliche Verletzungen zu. Atzert verlangt nun von Jordan einer strafrechtlichen Anzeige hatte die Staats­anwaltschaft keine Folge gegeben im Civilweg eine monalliche Rente von 25 Alk. und 1Ö00 All. Schmerzensgeld. Das Landgericht hatte die Klage abgewiesen, das Oberlandesgericht, bei dem jetzt der Rech isst reck in der Berufungsinstanz anhängig ist, beschloß gestern, daß die Unfallstelle richterlich in Augenschein genommen und eine Anzahl n e u e r Z e u g e n gehott werden soll.

Kirchliche Nachrichten.

Evangelische Gemeinde.

Donnerstag, den 5. Februar:

Abends 8 Uhr im unteren Konftrmandensaal, Kirchstraße b, Bibelstniide, Mare. 3. Pfarrer Scheunemann.

Neueste Wrlstuuüen.

Originaldrahtmeldnngen des Gießener Anzeigers.

Prag, 4. Febr. Fürst Lobkowitz ist heute früh auf seinem Schloße Raudnitz gestorben. Fürst Moritz v. Lobkowitz, Herzog zu Raudnitz und gefürsteter Graf zu Sternstein, das Haupt der älteren Linie des Hauses Lobkowitz, war am 2. Juni 1831 geboren; er war mit einer Liechtensiemschen Prinzessin verheiratet und war erbliches Mitglied des öster­reichischen Herrenhauses.

Madrid, 4. Febr. Der Ministerrat hat für die zum Denkmal für die mit der Gneisenau untergegangenen See­leute in Malaga bestimmten Materialien die Eingangs- zölle aufgehoben.

Barlelona, 4. Febr. 8000 Färber sind in den Aus* stand getreten. Der allgemeine Ausstand ist abgewendet, well die Fuhrleute und Kutscher sich weigerten, sich am Streit zu beteiligen. In Reus hält der allgemeine Ausstand an.