nanzwirtschaft, insbesondere der legieren. Nur wird vom Reichstag der Einwand erhoben, daß die Bundesstaaten, wenn sie künftig der Gefahr einer erhöhten Inanspruchnahme durch das Reich enthoben finb, die Forderungen im Reich weniger kritisch behandelt würden, als dies der Fnll ist, sobald, wie jetzt, bedeutende Zuzahlungen an das Reich den Einzel st aut en drohen.
Dlüitil'che Tagesschau.
Eia Theologieprofessor über die Sozialdemokratie.
Unter den Professoren, die für ein Bündnis der Liberalen mit den Sozialdemokraten bei den preußischen Landlagswaylcu eirrgetreten jinb, wurde auch der Berliner Professor der Theologie Pf leider er genannt. Pros. Psleiderer legt seine Stellungnahme folgenderinaßen dar:
„Schon im August dieses Jahres hatte ich in einer Sitzung unseres nationalliberalen ZwLlgvereius den Ge- danken verfochten, daß die liberalen Parteien der verschiedenen Schattierungen bei den bevorstehenden Landtagswahlen Zusammengehen und u. a. auch mit den Sozialdemokraten eine Verständigung suchen sollten ... Da nun aber die liberalen Parteien >ur sich allein ohne die Sozial- demokraten noch nicht im stände waren, tle gegnerische Majorität zu brechen, so schien mir der Versuch eurer Ver- ständiguirg mit dieser äußersten Linken schon durch das einfache Selbherhaltungsürtere,se des Liberal.A.Nt»s geboten zu sein. Dazu kam aber noch die weitere ^rwüguug, daß der Eintritt einiger sozialdemokratischer Abgeordneter in den Landtag nicht nur ganz ungefährlich, sondern sogar in mehrfacher Hin sicht nützlich wäre. Denn für eine Verfolgung ihrer radikalen Utopien hätten dieselben bei ihrer Minderheit gar keine Aussichten. Es bliebe ihnen also, um überhaupt etwas zu erreichen, nichts anderes übrig, als sich der Aroeit der liberalen Parteien für zeitgemäße Reformen auzuschließen. Tie gemeinsame Arbeit an praktischer Politik ist aber für jede Partei das beste Mittel der Erziehung zu gesunder politischer Gesinnung und der UeberWindung utopischer Schwärmerei. Mit dieser Auffassung stand ich auch unter meinen politischen Freunden reineswegs allein. Inzwischen kam nun der sozialdemokratische Parteitag in Dresden, dessen wüste Szenen freilich auf jeden anständigen Menschen einen äußerst abstoßeirden Eindruck machten. Es ließ sich voraus sehen, daß durch diese Vorgänge Sie Geneigtheit der liberalen Wähler zum Paktieren mit solchen Genossen stark erschüttert werden würde. Andererseits durste man aber auch mit der AüöglichLeit rechnen. Saß gerade der brutale Terrorismus eines Bebe 1 die besonneneren Elemente seiner Par.eigenosjen so zurückstoßen rurd empören werde, daß )ie zu einer Lossagung von dieser Tyrannei und zum Anschluß an den bürgerlichen Liberalismus geneigter werden könnten. Darum hielt ich auch noch im Oktober den Versuch einer Verständigung mit dem gemäßigten, revisionistisch gesinnten Teil der Sozialdemokraten nicht für ganz aussichtslos und begrüßte daher den dahin gehenoen Plan einer Kundgebung einiger meiner Kollegen als ein zeitgemäßes Vorgehen . . . Woran die Sache scheiterte, das hat Professor Delbrück, der die Verhanolungen führte — ich selbst konnte mich nicht persölckich daran beteiligen — im neuesten Hefte seiner „Preußischen Jahrbücher" einleuchtend auseinandergesetzt. Tie große Masse unserer liberalen Wähler ist noch zu sehr in der Gefühlspolitik besangen, als daß sie jetzt schon im stände wäre, chre Wahltaktik den Forderungen einer nüchternen verstandesmäßigen Realpolitik anzupassen."
Der Wahlgesetz-Ausschuß der bayerischen Abgeordnetenkammer tat Bestrurmungen über gleich heituche Wahckouverts und Strmmzettel, über Wahlurnen und Jsolierraum bei den Wahlen angenomme n urrd nm den Stimmen des Zentrunrs, der Sozialdemokraten und der Konjervativ- Bauernbundlerischen freien Vereinigung den Antrag der Liberalen ab g e le hnt, daß Be amte und Geistliche, die dadurch zu öffentlichem Aerger'nis Veranlagung geben, daß sie unter Mißbrauch chres amtlichen oder kirchlichen Einflusses es unternehmen, aus das Ergeb
nis der Wahlen zu Gunsten oder zum Nachteil einer Person oder Partei einzuwirken, mit Gefängnisstrafe bis zu zwei Jahren belegt werden sollen. Weiter wurde bestimmt, daß auch die in München lebenden Abgeordneten Diäten (10 Mark täglich) erhalten sollen. Bisher bezogen die in München lebenden ^geordneten keine Diäten, weshalb mancher Münchener außerhalb Münchens Domizil nahm. Tie Beratung der Wahlkreiseinteilung wurde um 8 Tage vertagt.
Die Gesellschaft für soziale Reform,
welche soeben ihren Jahresbericht für 1903 veröffentlicht, hat ihren großen Nutzen schon wiederholt durch das Zusammenwirken der ihr angehörigen Parlamentarier im Reichstage gezeigt, so z. B. hinsichtlich des Phosphorverbots, des Kmder- schutzgesetzes, der Krankenversicherungsnooelle. Einen neuen Beweis für das erfolgreiche Wirken der Gesellschaft sieht der Bericht in dem Frankfurter Arbeiterkongreß: „Denn obschon der Anstoß, die Vorbereitung und Arbeit des Kongresses ausschließlich und allein das Werk der beteiligten Arbeiterorganisationen ist, so sind die Führer dieser Verbände, wie sie selbst öffentlich erklärt haben, doch erst ui nähere Verbindung untereinander getreten, seitdem sie sich im Ausschuß der Gesellschaft für soziale Reform persönlich kennen gelernt und zu gemeinsalnem Wirken hier vereint haben. Nachdem diese Fühlung hergestellt worden war, konnten die Führer der verschiedenen Gruppen sich dann auch über ein selbständiges Vorgehen in der Kongreßfrage verständigen. So darf die Gesellschaft für soziale Reform, obwohl sie als solche bcnr Arbeiterkongreß völlig fern gestanden hat, sich doch freuen, daß sie mittelbar den Zusammenschluß der vaterländischen Arbeiterschaft hat fördern können, der in den Verhandlungen zu Frankfurt so wertvolle Erfolge erreicht hat." — Die Gesellschaft hat im Jahre 1903 etwa 250 Einzelmitglieder und Korporationen neu ausgenommen, sodaß die Mitgliederzahl 130 überschritten hat; davon sind 128 korporative u. a. säst sämtliche nichtsozialdemokratischen Arbeiter- und Gehilfenverbände mit rund 600 000 Mitgliedern. Ortsgruppen der Gesellschaft bestehen in Berlin, Breslau, Dresden, Hamburg, Köln, Königsberg, Leipzig, Aachen; ferner besteht em das ganze Groß Herzogtum Hessen umfassender Zweigverein; weitere Ortsgruppen sind in Vorbereitung. An Schriften der Gesellschaft (Jena, Verlag von Gustav Fischer) sind in diesem Jahre erschienen die Referate von Dr. Pieper und Frl. Helene Simon über die gesetzliche Einführung des Zehn- stundentages für Frauen und die Eröffnung des Schutzalters der jugendlichen Arbeiter aus 18 Jahre (Heft 7—8), die Referate von Dr. Riehn und I. Giesberts über Arbeiter- konsumvereine (Heft 9), das Gesetz über die gewerbliche Kinderarbeit vom 30. März 1903 von Konrad Aghad (Heft 10), sowie der Vortrag: Warum treiben wir Sozialreform? von Frhrn. v. Berlepsch (Heft 11). In Vorbereitung ist Heft 12, das Abhandlungen über die Arbeitskammern in den Niederlanden und Frankreich enthalten soll. An weiteren Aufgaben liegen dem Ausschuß ob die Fragen der völligen Sonntagsruhe im Handelsgewerbe und des Vereins- und Versammlungsrechtes. Der Jahresbericht ist enthalten in dem genannten Heft 11. In dem hier wiedergegebenen Vortrage, den Frhr. v. Berlepsch vor der Ortsgruppe Hamburg gehalten hat, wendet er sich vornehmlich an die Gebildeten. Er will in demselben den Versuch machen, „durch Klarstellung der Motive, die uns (d. h. die Gesellschaft für Soziale Reform) treiben, der Ziele, die wir uns stecken, der Wege, die wir zur Erreichung dieser Ziele gehen wollen, den Widerstand, den die soziale Reform, so roie wir sie verstehen, noch immer in den besitzenden und gebildeten Kreisen findet, einigermaßen zu überbrücken." Wer über Sozialreform spechen oder schreiben will, findet hier eine Fülle von anregenden Gedanken.
Keer und Klotte.
i— Nach einer Meldung der „Nat.-Ztg." aus Posen hat Oberstleutnant Roos vom 46. Infanterieregiment aus Polen, der am Samstag dem Sergeanten Reichelt anläßlich eines Herrenabends des Vereins ehemaliger 46er
in Posen in der Trunkenheit ohnejedeVeranlassung' eine Ohrfeige gab, nach voraufgegangener Tagung des Ehrenrats sein Abschiedsgesuch eingereicht.
Vermischtes.
* Paris, 3. Dez. In Belfort wurden eine Anzahl Nationalisten verhaftet, weil sie Schriftstücke aus der Kanzlei des Ge m e i n d e r a t e s gestohlen hatten.
* Budapest, 3. Dez. In Hajdudorog ermordete der Rabbiner Hermann Citrom im Wahnsinn seine 22jährige Frau und sein dreijähriges Kind, worauf er seinem eigenen Leben ein Ende machte. — Ter in Berlin verstorbene Bankier Tetr ich hat je in Vermögen im Betrage von 6 0 Millionen seinen in Ungarn lebenden Verwandten testiert.
* Newyort, 3. Dez. Einer Depesche aus Vancouver zufolge ist der britiscüe Kreuzer „Flora" im Nebel auf den Felsen bei Den maus Island gestrandet. Er ragt mit dem Vorderteil aus dem Wasser.
* Ein Eisenbahnunglück. W.e aus Newyork telegraphiert wird, wurde ein Güterzug der Penn.ylvania- ba 1)11 bei Dover auf der Tealwareliuie durch eine Explosion zerstört. Tas gesamte Fahrpersonal soll Dabei u m s Leben getommen sein.
* Von einem „w ähren K o n ig reich der Frauen" wird berichtet'2 Ter Insel Tiburon im Golf von Kalisornien fehlte fast jede Ve-burdung mit dem Kontinent; daher ist |ie fast unbeiannt, obwoyl sie gar nicht so weit vom Festlande entfernt liegt. Vor kurzem kam jedoch ein For.cyer auf die Insel, um ethnographische Studien zu urachen. Zu seinem Erstaunen sand er oort eine Regierungsform, die d.e Freude oer vortzcschiritiensten Femi- ni,.eu fein umroe. Tie Jn.el wird von Rothäuten bewohnt, den letzten Uebertebcnben mies ehemals zahlreichen unS mächtigen Stammes; und diese Indianer leben unter weiblicher Herrschaft. Ein Frauenrat leitet die öffentlichen Angelegenheiten. Tie Scanner haben teme Stimme im Rat, jie sind weder wählbar noch Wähler. Sie ertragen übrigens ihr Schiclsal mit jan^er Ergebung und denken nicht da^an, ihre Emanzipation zu fordern. Das Oberhaupt der Familie ist die Frau, der Mann hat nur zu gehorchen. Jeder ^berjua; des starten Geschlechts, sich irgend em Recht anzueignen, wird energisch zurnugechiesen. Loioer scheint diese Herrschaft der Frauen das Aussterben der Rasse zur Folge zu haben. Ter Staam der Sevias, der früher 5UX) Seelen zählte, ist jetzt au, einige Hundert zurüctgegangen.
* Das Verkaufen von Frauen in England. Das Verkäufen von Frauen scheint seit einiger Zeit Mode werden zu wollen. Erst vor ganz kurzer Zeit wurden mehrere solche Fälle gerichtlich bekannt und jetzt w'"derum berichten die Blätter von einem Falle, in dem ein Mann die Frau eines anderen für 500 Mark gekauft hat. Anna Gibson, eine hübsche Frau von 28 Jahren, steht zurzeit unter der Anklage Ser Bigamie. Sie heiratete im Jahre 1895 zum erstenmal, ober ihre Ehe war feine glückliche, so daß sie nach geraumer Zeit ihren Gatten wieder verließ und in einer Familie in Stellung ging. Ihr Brotherr, ein Fleischer, machte ihr bald ein Heiratsantrag und mußte zu seinem Bedauern erfahren, daß sie bereits verheiratet sei. Dies störte ihn jedoch verhältnismäßig wenig, denn er gab feiner Ungebetenen zur Antwort: „Das schadet weiter nichts, ich werde einmal mit ihm sprechen. Wenn er ferne Einwilligung gibt, will ich ihm 500 Mark dafür zahlen." Dieser „Kuhhandel" scheint tatsächlich zustande getommen zu sein, denn es wurde nichts gegenteiliges in der Verhandlung erwähnt, sondern nur festgestellt, daß diese zweite, natürlich ungesetzliche Heirat wirtlich stattgefunden habe.
* Einer Bande jugendlicher Mörder kam die Polizei in Chicago, wie man von dort der „Taily Mail" meldet, auf die Spur. Es find drei Burschen von noch nicht 20 Jahren mit Namen Marx, Neidemeier und Roeck, die zusammen die Schule besucht haben und schließlich aus Hang zum müßigen Wohlleben zu Verbrechern geworden sind. Sie haben seit Ende Juli gemeinsam vier Menschen das Lebenslicht aufgeblasen, um sie zu berauben. 3000 Toll, bar Geld fielen im Ganzen in ihre verbrecherischen Hände. Marx hat aus seinem Konto noch zwei weitere Mordtaten, die er allein ausgeführt hat. Er
erschreckten Vater des Täufers Haupt. Er scheut das Blut des von Gott Gesandten, aber mit der trotzigen Verstocktheit eines eigenwilligen Kindes hält sie an dem Worte fest. Und sie lehnt sich über die Zisterne und horcht mit wollüstigem Grausen, wie das brennend begehrte schöne Haupt des Verhaßten, vom Schwert des Henkers abgetrennt, zu Boden rollt. Aus silberner Schale wird es ihr gebracht, mit heißer Begierde drückt sie den von dem Lebenden verweigerten Kuß auf den Mund des Toten, im Toppelgefühl gestillten Liebesoerlangens und befriedigten Rachedurstes. Herodes aber, in wilder Eifersucht auffahrend, heißt die Krieger, mit ihren Schildern das Weib zu Boden schlagen. — Man empfindet zunächst des Dichters seltsame Kraft des Zusammendrängens eines starken Inhaltes. Und man möchte meinen: die Hinrichtung des Täufers Johannes könnte sich als so grausiger Lustmord wirklich zugetragen haben. Ist es allerdings denkbar, daß eine Königstochter, und sei sie tausendmal vom Blute der Herodias, so wie Wildes Salome zu einem Gefangenen redet, zumal im Angesicht der herum stehenden Soldaten? Trotzdem, die psychologische oder psychopathische Motivierung ist einfach meisterlich. Und es ist Größe darin. Tie verruchten Züge Salomes prägen sich wie die jener Strindbergschen Weibnaturen, denen sie durch ihre schrankenlose Perversität verwandt ist, tief in die Seele cm. Sieht man von dem Pathologischen in dem Charakter der Hauptfigur ab, so bleibt die Kraft der Charakteristik und die Kunst des dramatischen Aufbaues zu bewundern. Auf die starke dramatische Explosion in einer Art von Mascagni- Stil kam es dem Dichter an. Der raffinierte Neroenkünstler entrollte zugleich ein Phantasiebild voll üppiger Farbenpracht, von symbolischem Zauber, von berückender Sinnlichkeit und hinreißender Wirkung. Eine berauschende, eng an althebräische Antithesenpoesie sich anlehnende Wortkunst und zugleich auch eine große Kunst, die ja nie vom Standpunkt der Moral zu beurteilen ist, die ini Ungesunden, Unnatürlichen, ja Widernatürlichen, Neuropathischen wurzelt. Die untergehende Kultur, die hier gezeigt wird, streift mit wenigen Ausnahmen das Individuelle ab und taucht auch die Geister in ein Milieu, w. alle Naturwahrbeiten ickwanken.
Die Dichtung ist für ein Theater mit künstlerischer Betonung des Szenischen eine dankbare Aufgabe. Bei den unvollkommenen Äkitteln un seres Theaters mußte das Wesentliche mißraten. Es war vorher viel die Rede gewesen von der Zusammenwirkung aller dekorativen Künste. Der 9tamc eines Meisters, wie Louis Corinth, der Schöpfer eines ungemein ■ packenden Salome - Gemäldes, war genannt worden. Man hätte mit gleichem Unrecht mit Max Klingers berühmter Salome-Porträtbüste die Reklametrommel schlagen können. Zu der schwülen Farbenglut, der bilderreichen Sprache, zu den zarten lyrischen Gesängen auf den Mond, zu der orientalischen Königspracht, von der wir hören, paßte unser Bühnenbild wie an einen blühenden Myrtenbaum eine Knoblauchwurst. Hehler Unfug wars, von „plastischen Bühnenbauten" und dergleichen vorher Wesens zu machen. Nach dieser Richtung hat der „Salon für alle Kunst" kein Atom von Kunst geboten.
Tie Tarstelliing dagegen war teilweise hohen Lobes wert. Vor allen Herr Waldemar war als der gleißende, schwache, seiner Schwäche bewußte, in Gewissensqualen und sinnlichen Leidenschaften qualvoll taumelnde Herodes vortrefflich; eine bis ins kleinste durchdachte, jedes Wort des Dichters scharf nachempfindende Leistling. Bei der Salome kommt es doch wohl darauf an, eine Mädchengestalt zu zeichnen halb kindlich-kindisch trotzend, in Unbewußtheit, und aus dieser äußerlich noch unberührten Unbewußtheit herausblickend, sinnliche Mystik, die erblich überkommene Verderbtheit, die Grausamkeit und die Wollust des Herodias-Geschlechts. Frl. Riechers betonte eigentlich nur das Letztere, sie gab nicht ein verderbtes Kind, sondern ein reifes Weib von viel- erfahrenem Wiffen, ganz auf das Animale gestellt, bis zu den Naturlauten brünstigen Hasses und brünstiger Gier. Ihr Organ aber wußte in chromatischem Tonfall zu stehen, zu winseln, zu wimmern, und dann wandelten sich die streichelnden, kosenden Eamintpsötchen zu dräuenden, mordlustigen Krollen. Ist c5 übrigens richtig, daß die blendenden Vorstellungsreihen, des Herodes nach der Weufccrung ihres fürchterlichen Wunsches so ganz eindruckslos an ihr vorüber,.iehen? Ist eS nicht vielmehr weibischer, an
ihnen eine flüchtig vorüberflackernde Freude zu gewinnen und vielleicht doch immer mit eigensinnigem Starrsinn den alten Wunsch zu wiederholen? Den Tanz führte Frl. R. weder mit besonderem Geschick noch mit besonderer Charakteristik aus. Man könnte sich seine Wirkung wohl so vorstellen wie nervenberauschenden Duft exotischer Pflanzen in schwüler Atmosphäre zu dem Klange süß schmeichelnder Nlelodien von berückender Sinnlichkeit. Herr Fogge sprach den Jochanaan, aber die gewaltigen Worte des Propheten erschütterten nicht, sondern verklangen eindruckslos trotz oder wegen überstarken Stimmaufwandes. Rauh und eintönig hervorgestoßen, blieb es unverständlich, wie Salomes Sinne von ihnen sich fesseln lassen konnten. Und auch Wildes „Elfenbeinfigur" hätte man sich wohl anders denken können. Von innerlicher Zerrissenheit der Herodias bot Frau Werra nichts, desto mehr aber von niedrigem Haß und kleinlicher Verachtung. —
Vorauf ging der ergreifenden Tragödie „ein Dialog" ober vielmehr ein Monolog, von Friedrich Kayßler, einem Berliner Schauspieler, verfaßt und „Die Gefangene" betitelt. Ein Weib, das zu langen Jahren schweren Kerkers verurteilt ist, spricht von ihrer engen Zelle aus zu einem draußen vor dem Fenster die Wacht haltenden Soldaten, den sie einst in der Freiheit geliebt hat. Sie überredet ihn, zu ihrem Fenster emporzuklettern, denn auch sie ist, wie Salome, lüstern nach Küffen. Sie spricht forwährend auf ihn ein, sie erwidert auf seine Einwendungen, die man nicht hört, sie lockt und reizt ihn nach Dirnenart, und er unternimmt das halsbrecherische Wagnis, zu ihr hinaufzuklimmen. Es droht Gefahr, er wird unsicher und stürzt vor ihren Augen ab.
Frau Werra gab dieses wüste Weib mehr mit wilden fanatischen Zügen als müde unb traurig. Nicht ein einsames, leidendes Weib mit rührender Einfachheit darzustellen, ist ihre Absicht, sondern eine zu Tode gepeitschte vulgäre Versunkene, in der nur rabiate Sinnlichkeit lebt. Der Hauptfehler war zu schnelles Sprechen leichtem Anklang an Auswendig- gelerntLs. p.


