Ausgabe 
4.12.1903 Erstes Blatt
 
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ttratbe zuerst fest genommen. Das ging natürlich nicht ab, I ohne daß er einen Geheimpolizisten durch eine Revolver-' kugel ins Jenseits spedierte. Noch schwieriger gestaltete sich die Festnahme der beiden anderen Verbrecher, die erst nach erbittertem Kampfe gelang. Sie wurden von 10 Geheimpolizisten in einer Jagdhütte bei Millers Station (Indiana) aufgespürt. Dort Hutten die beiden Mörder eine starke Defensivstellung inne. Kaum näherten sich ihr die Policemen, da wälzte sich auch schon einer von ihnen in seinem Blute. Er war tödlich getroffen. 100 Schüsse wurden herüber und hinüber gewechselt, wobei noch ein weiterer Polizist verwundet wurde. Die Belagerer sahen sich genötigt, um Vevstärkungsmannschaften zu depeschieren. Aber noch ehe diese eintrafen, durchbrachen die kühnen Verbrecher die Blockierung, flüchteten fünf englische Meilen weit über die Prairie und zwangen dann mit dem Re­volver in der Hand den Führer eines Güterzuges, sie aufzunehmen. Einen Zugbeamten, der sich dem wider- setzen wollte, schossen sie kurzer Hand nieder. Zu ihrer Verfolgung wurde ein Eilzug nachgesandt und nach heißem Kampfe, in dem beide verwundet wurden, gelang es, sie dingfest zu machen. Das Trifolium wird wahrscheinlich zu­sammen am Galgen baumeln. Sie geben an, daß Die verbrecherischen Neigungen durch das Lesen von Schauer­romanen in ihnen geweckt worden seien.

Der Ursprung derBezeichnung ^Stroh­witwe" undStrohwitwer". Wie der Gießener Professor Tr. Günther in seinem BucheDeutsche Rechts- altertümer in unsrer heutigen deutschen Sprache" mitteilt, liegt auch hier einer der häufigen Fälle der Nachwirkung alter Nechtsgebräuche vor. Das Wort ist eine Analogie­bildung zu der bekannten BezeichnungStrohjungfer", mit der in zahlreichen Gegenden jene Bräute bedacht wurden, die bei der Trauung nicht mehr als Jungfrauen gelten konnten und die deshalb in früheren Zeiten zum Schimpf mit einem Strohkranze zur Tkauung schreiten mußten. DieStroh­witwe" wäre also die scheinbare Witwe; die Bezeichnung ,Strohwitwer" ist dann natürlich nur in Anlehnung an sein weibliches Gegenstück gebildet.

* Da müßte ich ja Tinte getrunken haben. Neber die Entstehung dieser bildlichen Redensart gibt Alex. Büchner in seinemTollen Jahr" (Roth, Gießen) folgende Erklärung:Die Rheinbundtruppen, welche als französische Truppen seit 1808 in Spanien fochten, brachten die Redensart mit:Ei, da müßte ich ja Tinte (für vino tinto, d. h. Rotwein ohne Wasser) getrunken haben", um einen der Uebergeschnapptheit benachbarten Gemütszustand anzudeuten". Es haben, wie im Sinne der obigen Erklärung, manche LeuteTinte getrunken".

Kunst und Wissenschaft.

Berlin, 3. Dez. DemStaatsanzeiger" zufolge ist der Astvouom und ständige Sekretär der Akademie der Wissenschaften in Berlin, Professor Angers, zum Vize­kanzler des Ordens pour le merite für Wissen­schaften unb Künste ernannt worden.

Paris, 3. Dez. Tie internationale Sanitäts- konferenz, die soeben ihre Arbeiten vollendet hat, hat

die Konventionen von Venedig, Dresden und Paris in einen einzigen Tert zusammengefaßt und sie unter Berücksichtigung der Interessen oss internationalen Handels und der Not­wendigkeit schneller Verbindungen zeitgemäß umgestaltet, zu welchem Zwecke die neuesten Entdeckungen der modernen Wissensck)aft verwendet wurden. Ferner wurde im Prinzip die Emchtuna eines internationalen Sanitäts­amtes beschlossen, dessen (Ätz in Paris sein soll. Der Beschluß wurde von den Vertretern Frankreichs, Italiens und Ruß­lands gemeinsam gefaßt. Frankreich wurde beauftragt, den Mächten den endgiltigen Entwurf für Errichtung und Tätig­keit des Amtes zu unterbreiten.

An Fräulein JreneTriesch, die demnächst in Berlin in SudermannsJohannes" als Salome auftreten wird, ge­langte am Montag die telegraphische Einladung des Wiener Volkstheaters, dort in einem Gastspiel Oscar Wilde's Salo m e" zu geben. Die Künstlerin ist vorerst in Hermann Bahr'sM e i st e r", der für den 12. d. angesetzten nächsten Novität desDeutschen Theaters", beschäftigt.

Gisenvahn-Zeitung.

Stuttgart, 3. Dez. Am 9. und 10. Dezember findet in Stuttgart unter Leitung der Generaldirektion der Staatseisenbahnen die europäische Fahrplankon­ferenz zur Beratung der Sommerfahrpläne für 1904 statt. An den beiden vorhergehenden Tagen werden sogen. Vorkonferenzen abgehalten. Für die Konferenz, zu der gegen 200 Vertreter von den Regierungen und Eisenbahn­verwaltungen erscheinen werden, sind über 300 Anträge angemeldet, von denen eine große Zahl auf die Einricht­ung neuer und die Verbesserung bestehender Zug- verbiudungen im internationalen Verkehr gerichtet sind. Zwischen Stuttgart und Frankfurt a. 9N. soll eine weitere Abendverbindung geschaffen werden. Ferner soll der Versuch gemacht werden, eine Verbesser­ung in den Zugverbindungen zwischen Ham­burg, Bremen und Süddeutschland und mit der O st s ch w e i z zu erzielen.

Wnoerjitüts-Uachrichttn.

Neues aus Byzanz und Anderes." Die Zukunft des deutschen Studenten korps von A. S a e n g e r. (1 Mk. Literarisches BureauDer Lotse", Stuttgart.) Seit hundert Jahren haben die Versuche nicht aufgehört, die Institutionen des deutschen Korpsstudententums zu befänpfen und zu reformieren. Auch in dieser Broschüre, die sich nicht nur an die Korpsstudenten richtet, sondern an alle, die am öffentlichen Leben Jntsresse haben, werden schädliche Institutionen aufgedeckt. Doch außer einer Kritik an dem Bestehenden werden beachtenswerte Ratschläge gegeben für die Zu­kunft, zu einer Vertiefung des Lebens im Korps. Auch gegen die geistige Atmosphäre im Korps, die politische Richtung und den Al- koholgenuß erhebt der Verfasser seinen Riis und fordert als Vor­bedingung wahrer Ehrehonestas. Für jedermann enthält diese frisch und anschaulich geschriebene Broschüre interessantes.

Gerichtssaal.

R. B. Darmstadt, 3. Dez. Ein Apparat von einem Viertel- Hundert Zeiigen ronrbe heute vor der hiesigen S t r a f k a m m e r ausgeboten, um einen raffinierten Burschen, den verheirateten Hand­arbeiter Heinrich Jost aus Semd, zu überführen, welcher m den

Wildparks in der Umgebung von Darmstadt, besonders zwstchen Kranichstein, Messel und Einsiedel, Wilddiebereien rc. verübt hatte. Er stahl wiederholt Gewehre in der Absicht, sie beim Ab­schuß von Wild zu gebraiichen, und wurde auch tm Besitz von Beißzangen und anderen Werkzeiigen angetroffen, das dazu diente, Schlingen für Wild zu legen. Nach der Bekundung verschiedener Zeirgell hat Jost gewerbsmäßig Wilddieberei getrieben, roa§ aud) seine eigene Frau bestätigte. Er wolle und müsse ein freies Leben führen, so äußerte er Zeugen gegenüber, arbeiten wolle er nicht, das täten andere Leute auch nicht. Und dabei deutete er an, daß es ihm auch nicht darauf ankomme, Menschenleben zu gefährden. Der Angeklagte wollte von alle dem nichts wissen und spielte den Unschuldigen.' Das Gericht hielt ihn aber der Wilddieberei, des einfachen Diebstahls unb der Unterschlagung für überführt und verurteilte ihn den Anträgen des Staatsanwalts gemäß zu drei Jahren, 6 Monaten und einer Woche Gefängnis, sowie 5 Jahren Ehrverlust und Stelluiig unter Polizeiaufsicht.

Schiffsnachrichten.

e b Star Linie.

Der PostdampferFiulaud" der Red Star Linie, in Ant­werpen, ist laut Telegramm am 30. November wohlbehalten in New-Pork angekommen.

December1903.

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Was habt ihr denn gegen den Katarrh getan?"Ach, was man eben so tut: den Hals hab ich ihm eingewickelt, Bonbons hat er gekriegt und Kamillen hab ich ihm gekocht und trotzdem ist' der Husten stärker geworden."Kein Wunder 1 Das Einwickeln hilft nichts, wenn der Katarrh da ist; die Bonbons hat Willi nutzlos verschluckt, und daß er keine Kamillen mag, das verdenke ich ihm gar nicht. Da, gebt ihm einmal ein vaar Fah's ächte Sodener Miueral- Pastillen in heißer Milch ich habe stets eine Schachtel bei mir und morgen ist der Junge wieder in Ordnung. Zs, Und in Zukunft kauft ihr eben sofort die Pastillen, wenn der

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Für Anfuhr an das Haus werden 5 Pfennig für den Zentner berechnet. t r.

M3. Sofern das Verbringen der Koks bis zu 6 Zentnern auf die betr. Lagerplätze (Keller, Stall zc.) mit feinem außergewöhnlichen Zeitaufwand verbunden ist, geschieht dies ohne besondere Vergütung.

Im Gaswerk findet nur ein Verkauf von über 5 Zentner Koks statt; dagegen ist bei folgenden hiesigen Firmen der

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von 1 bis 5 Zentner

eingerichtet, nämlich bei den Herren:

Bachenheimer & Schaumberger, Marburgerstraße 22, Andreas Euler, Sleinstraße 11,

Joh. Fischer, Alicestraße 19,

H. Hof, Bahnhofstraße 34, Gebr. Kahl, Franksurterstraße 151, Ed. Klinket, Bahnhofstraße 10, Emil Lotz, Kirchenplatz 9, Emil Pistor Nachfolger, Marktstraße 10, Georg Schäfer, Licherstraße 2, August Struck, Bismarckstrave 6, _ Georg Unverzagt, Grünbergerstraße 13.

Daniel Wirth s Nachf. (Th. Geiffus) Westanlage 38

Diese Firmen berechnen obenstehende Prelle unserer Gasloks samt Anfuhr wie das Gaswerk unb verabfolgen dieselben auch «awus®.» « brr ewarlnufl tokS«. «wäftia«« s'ch NM d-n Sielvag bet Oktroirückvergütung von 4 Pfg. nw den Zentner.

Städtisches Gas- rud Wasserwerk Gießen.

Für Gesunde und Kranke. 3« Erwachsene und Kinder.

ChristbkslherMglittAeiMlliler-Belliahkllllßlllt

Am 4. Advent-Sonntag, den 20. Dezember d. I., soll die Christbescherung für die Kinder unserer Anstalt stattsinden. Wir haben für 250 Kinder die Bescherung herzurichten und den Weihnachtstisch mit Gaben zu decken. Um dies zu können, wenden wir uns wieder an die Liebe und den wohlwollenden Sinn der Fretlnde innerer Anstalt und ihrer Kinder. Wir bitten, uns Gaben an Kleidungsstücken, Stoffen, Garn und dergleichen, beson­ders aber auch Gcldgabcn, die uns die gleichmäßigste Bescherung für unsere Kleinen ermöglichen, zuwenden zu wollen.

Eine Liste zur Erhebung von Beiträgen wird nicht herum-- gegeben. Vielmehr bitten wir, die uns zttgedachten Gaben recht bald an eine der nachbenannten Vorstandsdamen gelangen zu lassen: Frau Rechtsanwalt Grünewald, Liebigstraße 21; Frau Johanna .Haas, Ostanlage 31; Frau Kommerzienrat Hehligeustacdt, Liebig- straße 49; Frau Rechnungsrat Kalbfleisch, Ludwigstraße 7; T-rau Professor Leist, Ostanlage 36; Frau Pfarrer Naumann, Südan- lage 8; Frau Luise Ottens, Bismarckstraße 11; Frau Lina Schwall, Ostanlage 36; Fräulein Luise Wortmanu, Dammstraße 32.

Altch die Schwestern unserer Anstalt sind bereit, Gaben an­zunehmen; man wolle freundlichst beachten, daß es die Kleinkinder- schulschwestern sind Diezstraße 15.

Gießen, den 7. November 1903.

Ter Vorstand der Klemkinderbewahranstalt.

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