then darüber gingen. TTHc fielen ins Wasser und erlitten Verletzungen. Tic zehnjährige Tochter des Arbei- kers Wonnser hat den Tod gefunden. Die Leick>e wurde n^> nicht geborgen. Die Badeanstalt ttft polizeilich ge- irt>Iessen. Tie Ursache deS llnglücko liegt in der schlechten Beschafsenhett der Tragbalken des Steges.
* M i e - b a ch, 3. Juli. Wie der „Miesbacher Anz." aus Hausham meldet, wurden beute vormittag durch eine Explosion schlagender Wetter in der Nähe des Hanpt- Ichachteö drei Hau er getötet.
* Antwerpen, 3. Juli. Gestern brach an Bord des spanischen Dampfers „Maria Madre" eine FeuerS- drunst aus. 20 Tonn en Del waren auf bis jetzt noch unaufgeklärte Weise in Brand geraten. Die an Bord be- schästigten Arbeiter konnten sich nur mit größter Mühe retten. Das brennende Del ergoß sich in den Hafen und eS bestand eine Zeit lang große Gefahr für die anderen Schisse. Nach großer Anstrengung gelang es der Feuerwehr, die gefährdeten Schiffe zu retten und das brennende Schiff zu isolieren. Gegen 2 Uhr nachts war der Brand gelöscht
* Paris, 3. Juli. Gestern sind wiederum 11 Personen an Hitz schlag gestorben. Das Thermometer zeigt 30 Grad über 9cull im Schatten.
* Bern, 3. Juli. Am Weißhorn ^Wallis) ist unterhalb der kleinen Gendarme der Bergführer Benoit Teytaz von Ayer infolge eines Steinschlags verunglückt. Von Zinal ist eine Hilsskarawane abgegangen.
Genf, 3. Juli. Aus Chamounix wird nachmittags berichtet: Vormittags meldete ein Bote des Genfer Piolet- klubs, daß alle vermißten deutschen Stuben- lenjebenD aufgefunden wurden. Später berichtete einer der Touristen selbst, er sei mit seinen sechs Kameraden Dienstag nachmittag bei der Schutzhütte „Aiguille du Gouter" angelangt und dort von einem Blitzstrahl getroffen worden. Es seien alle, mit Ausnahme eines Touristen, der unbeschädigt geblieben sei, leichtverletzt worben. Zur Stunde ift alles wohlbehalten in Chamounix eingetroffen bis auf die von St. Gervais und LestoucheS abgegangenen Hilsskolonnen. Bon der Schutzhülle hatten die Touristen Notsignale gegeben. Am Donnerstag nachmittag trafen als erste Hilfe vier Träger ein. —
* B o z e n, 3. Juli. Ein Münchner, Dr. DttvPawel, ist feit drei Tagen verschollen. Er machte eine Tour ins nördliche W e n d e l g e b i r g e. Wahrscheinlich ist er ' abgestürzr. Die Nachforschungen blieben bisher ergebnislos.
* Pils en, 3. Juli. Ter Bassist des hiesigen czechi- fchen Theaters, Hummel, attakierte heute den Theater- kritiker Dr. Sedlacek wegen abfälliger Kritik mit einer Hundepeitsche.
* Ein wenig angenehmes „Wa h ler le b n is" hatte, wie man aus Straßburg schreibt, 'PrinzAlexan- der Hohenlohe-Schillingsfürst, der bei der letzten Reichstagswahl für Hagenau-Weißenburg kandidierte. In der Eigenschaft eines Bezirkspräsidenten vomOberelsaß hat Prinz Alexander seinen Wohnsitz in der Hauptstadt seines Bezirkes, in Kvlmar. Die Wahlkampagne brachte es nun mit sich, daß der Prinz zuweilen von Kolmar abwesend war, um den Kreis Hagenau-Weißenburg zu bereisen. Während einer solchen Fahrt waren ihm in seiner Wohnung zu Kolmar Siegelringe, Broschen, Orden und andere Gegenstände im Werte von 8000 bis 10 000 Mark aus einer Schatulle gestohlen worden. Der Verdacht lenkte sich schließlich auf einen jungen Schreinergesellen, der damals in den Wohnräumen der prinzlichen Familie gearbeitet hatte. Tie benachrichtigte Polizei nahm bei dem Verdächtigen eine Haussuchung vor und förderte aus einem Versteck im Keller außer dem größten Teile der gestohlenen Wertsachen auch noch ein seidenes Kleid der Gemahlin des Prinzen, Schuhe und einige Kisten Zigaretten zutage. Die Zigaretten waren es übrigens gewesen, die den Dieb verrieten; er hatte sie unvorsichtigerweise bei der Arbeit im Bezinspräsidium geraucht, bis den Bedienten der feine Dust ausgefallen war. In einer Westentasche des Spitzbuben fand man später zwischen losen Streichhölzern den Kronenorden des Bezirks- präfidenten. Außer einer mit Brillanten besetzten Busennadel tonnten jetzt alle gestohlenen Sachen ihrem Eigen- tümer wieder zugestellt werden.
Kunst und Wissen sch ast.
Professor Mommsen hal nach der Lektüre von Paul Hrabeins Vivat Aoademia an den Verleger Richard Bong in Berlin folgendes Schreiben gerichtet: .Geehrter Herr! Ten Roman, welchen Sie die Güte hatten, mir zuzusenden, habe ich durchaus mit Interesse und größtenteils auch mit aufrichtiger Freude an Form und Inhalt gelesen. Tas früher einigermaßen rückständige und philiströse Burschentum hätte wohl eine etwas mehr humoristische Behandlung erfordert; wobei der darin steckende ideale und nationale Kern sicher nicht zu Schaden gekommen wäre. Aber das sichle ich ans Ihrem Werke heraus, daß Sie die Notwendigkeit der Mauserung unserer Jugend, der die Zukunft gehört, ebenso deutlich empfinden wie ich alter Mann, dem die Hoffnung aus Gesundung der Nation mehr und mehr schwindet, imd m diesem Sinne wiederhole ich Ihnen meinen Tank. Ihr Mommsen "
Joachim und das Leichner-Komitee. In Musikerkreisen zirkuliert die folgende Geschichte, die, da fte gut verbürgt scheint, allgemeinen Glauben findet. Eine Teputation des Komitees zur Errichtung eines Richard Wagner-Denkmals in Berlin, an dessen Spitze der m Kunstkreisen bisher gänzlich unbekannte Pnder- mbnfant Kommerzienrat Leichner steht, hatte sich zu Josef Joachim begeben, um den berühmten Musiker zur Teilnahme au den Ent- hüllungsfesten zu gewinnen. Joachim erläuterte seine Ablehnung mit dem Bemerken, er gelte einmal als das Haupt der Anti- Wagnerianer, und deshalb könne er nicht gut bei einem Feste zu Ehren Richard Wagners erscheinen. „Zudem weiß ich nicht,- fuhr Joachim fort, „ob meine Gegenwart Frau Cosima Wagner erwünscht sein würde.* Darüber können cüe ganz ruhig fein*, fiel ihm ein Mitglied des Komitees ins Wort, „die kommt ganz gewiß nicht.* „Um so weniger kann ich fommen*, schloß Joachim mit feinem Lächeln, und die Unterredung war zu Ende. Was die Einladung an Frau Cosima Wagner betrifft, so soll sie mit der merkwürdigen Adresse abgesandt worden fein: An Frau Kapellmeister Wagner. — Gegenüber diesem schlichten Titel wäre ja wohl eine Rangerhöhung der Wlttwe des großen Meisters bei den bevorstehenden musikalischen Hofsesten angezeigt.
Universttüts-Nachrichten.
Marburg, 3. Juli. Prof. Tr. Herrmann von der hiesigen theologifchen Fakultät hat einen an ihn ergangenen Ruf nach Göllingen abgelehnt.
— Ter diesjährige Frankfurter Peter Wilhelm M ü l l e r- Vreis, 9000 Mk., wurde dem Wiener Historiker Dr. Heiitrich F r l e d j u n g und dem Leipziger Theologieprofessor Albert Hauck verliehen.
— Au» der Jahresversammlung deutscher Ingenieure in Miinchen sprach u. a. Geheimrat Professor ^''twald-Leipzig übet Jngenieurwissenschaft und Chemie. Zur Er- relchung der immer hoher zu bemessenden Unterrichtsziele ist erforderlich, daß die „beklagenswerte Trennung der höchsten deutschen Lehranstalten in Universität
und Technische Hochschule beseitigt werde. Da dies nicht durch eine einseitige Aussaugung der einen Anstalten durch die anderen geschehen kann, so sei die Entwickelung beider Anstalten zu einem gemeinsamsn Ziele, daS die von beiden gepflegten Gebiete unisaßt, anzustreben; dann höre der Unterschied von selbst auf. Für eme solche Entwickelung aber sei eine gegenseitige wohl- ivoüende Förderung zu dem gemeinsamen Ziele, unbeeinflußt von Zionkur retizsor gen, uoiwendig.
Berliner Medizin studierende in llnnscken Semestern haben an den Reichskanzler eine Eingabe gerichtet, worin sie um Milderung der Best i m m unge n über das praktische Jahr bitten. Zur Ableistung des praktischen Jahres sind alle diejenigen Mediziner verpflichtet, die bis zu dem eben eingetretenen Schlüsse des Prüfungshalbjahres die ärztliche Staatö- prüfnng nicht beendet haben. Es kommt nun den Medizin- itndierenden, die jetzt in den klinischen Semestern stehen, darauf an, von der Ableistung des praktischen Jahres noch befreit zu werden. Sie begründen ihr Gesuch in der Eingabe mit zweierlei. Einmal hätten sie das medizinische Stuoium seinerzeit unter der Voraussetzung begonnen, daß sie nach neunsemestrigem Studium und Ablegung der Staatsprüfung die ärztliche Approbation erlangen würden. Jetzt aber sei rnieriüartet zwischen Ablegung der Staatsprüfung und Erteilung der ^lpvrobation das praktische Jahr eingeschoben worden. Wider alle Voraussicht werden die Medizin studierenden durch die Einrichtung des praktischen Jahres ein Jahr später als früher erwerbs- fähig. Dann aber hätten die Klinizisten ihr Studium nach der alten Ordnung eingerichtet, uni) danach meist längere Zeit auf ihre praktische Ausbildung verwendet, indem sie in der jetzt üblichen Weise die Stellen von Famuli und Koajsistenten annahmen. In § 70 der neuen Prüfungsordnung ist nun vorgesehen, daß Kandidaten, welche die ärztliche Staatsprüfung erst nach dem 1. Oktober 1903 ablegen, von der Ableistung des praktischen Jahres ganz oder teilweise entbunden werden können, aber nur in Berücksichtigung zwingender persönlicher Verhältnisse." Die Berliner Klinizisten bitten nun den Reichskanzler zunächst darum, in Erwägung zu ziehen, ob nicht allen Medizin- studierenden, die noch, nach der alten Prüfungsordnung die Staatsprüfung ablegen, von der Verpflichtung des praktischen Jahres zn befreien seien. Wenn ihm dies aber nicht angängig erscheine, so möchte der Reichskanzler § 70 dahin auslegen, daß Mangel an Mitteln oder der Nachweis einer erfolgreichen Bcschästigung als Famulus die' Enb- bindung vom praktischen Jahre begründe. Von Ha Iles' ch e n Medizinstudicrenden ist eine in diesem Sinne gehaltene Eingabe an das Reichsamt des Innern schon vor einiger Zeit ein geschickt worden. Die Heidelberger Klinizisten haben sich der Bewegung in einem Rundschreiben an die deutschen Aerzte angeschlossen. Die Klini- zisten anderer Universitäten werden dem Vorgehen folgen. Sicher enthält für manchen ärmeren Studierenden die Einführung des praktischen Jahres eine Härte. Ibib diese könnte für die militärpflichtigen Praktikanten der Medizin gemildert werden, wenn die "Dienstleistung als e-injährig- jreüüilliger Arzt auf das vraktischc Jahr angcrechnet würde. Jmmerhm aber sollten die Bittsteller beachten, baß bie Beschäftigung in einem Krankcnyause ihnen für bie spätere Praxis reichlichen Vorteil bringt.
Germpslaai.
—t Gießen, 3 Juli. Berufungskammer. Aus Deranlasfung beS Kreisamtes Lauterbach war seinerzell von Amtswegen Aiiklage erhoben worben gegen ben Bürgermeister Hemrich Fr. von R., ber beschulbigt war, ben ehemaligen Lanbtagsabg. Bürgermeister M. von S. burch bie Presse beleibigt zu haben. Der Tatbestanb ber Anklage ist kurz ber folgende: Im Kreisblatt für Lauterbach erschien aus Anlaß ber Wahl zur zweiten hessischen Kammer ein Inserat, worin M. den Wahlmännern eines Bezirks als Abgeorbneter empfohlen und sehr gelobt würbe, und der seitherige Abg. Schmalbach, ber zur Wieberwahl stanb, herabgesetzt war. Tas Inserat war ohne Namensnennung bes Einsenders abgebruckt. F. verfaßte ebenfalls eine in demselben Blatte veröffentlichte Ectlärung, worin er die Ansicht aus sprach, daß 2JL selber der Verfasser jener ersten Erklärung sei, was, wie er sich ausdrückt, „an ein bekanntes Sprichwort vom eigenen Lob erinnert". In dem Inserat gegen sJJL’d Wahl wird dann auf die Landtags- Verhandlungen vor, während und nach M.'s Tätigkeit un Landtage hingewiesen und bemerkt, daß vieles aiiders sei, als es M. in seinem Inserat hingestellt habe, und dessen Eigenlob größtenteils Selbstüberhebung sei. Der inkrimi- nierte Artikel des Angeklagten schließt die Betrachtung wie folgt: „Betrachten wir alle» in allem, so hat M. im Landtage nicht mehr gewirkt, als Schmalbach, und würde auch nicht mehr wirken können. 9hir seine, M.'s Interessen, würde M. stärker vertreten als Schmalbach, wie z. B im Jahre 1893, 1894 und 1895 bei ber Notstandsgeschichte, wo M. bahin gearbeitet haben soll, baß Unbemittelte ihre bezogenen Artikel geschenkt erhielten. M. aber hat sich ba- mals seine Waren rc. ebenfalls ganz ober teilweise schenken lassen, weniger Bemittelte aber in seiner Gemeinde mußten bezahlen. Das Schöffengericht hatte auf Freisprechung in ber Sache erkannt unb zwar weil bem Angeklagten nicht nur ber § 193, Wahrung berechtigter Interessen, zur Seite stünbe, onbern well er auch teilweise ben Wahrheitsbeweis geführt habe. In ber Verhandlung vor ber Strafkammer würbe festgestellt, baß es bei ber Notstanbsvorlage resp. ber Durchführung berfeiben 1894/95 8er Regierung darum zu tun war, ben weniger bemittelten Lanbwirten im Vogelsberg Unterstützungen zu gewähren. Die Strafkammer erklärt in ihrem Urteil, sie sei ber Ansicht, baß jeder, ber sich um ein öffentliches Amt, besonbers um ein Abgeorb- netenmanbat öffentlich bewerbe, sich eine öffentliche Kritik nicht nur seiner Person, sonbern auch seiner ganzen Verhältnisse gefallen lassen müsse. Die Strafkammer erkennt an, baß bie Tätigkeit des Bürgermeisters M. in bei ftammei betreffs ber Notstanbsvorlage vollstänbig einwandfrei sei, jedoch stehe sest, daß er nachher, als es sich um die Aus- uhrung dieser Maßregel gehandelt habe, durch, eine Korre- pondenz mit bem Kreisamt erreicht habe, daß gegen die Jntensionen des Ministeriums und gegen bie anfänglichen Absichten bes Kreisamts bie Beträge nach einem Modus in seiner Gemeinbe gewährt worben seien, baß ihm, bem Betrage nach, ber größte Vorteil zuteil würbe. Das Urteil ergeht bahin, baß ber Spruch bes Schöffengerichts insoweit zu bestätigen sei, als bem Angeklagten ber Schutz des § 193 bes Str.-G.-B. im vollen Umfange zuzubilligen sei unb bejsen Freisprechung burch die Strafkammer ausgesprochen wirb, wobei bie Kosten ber Staatskasse zur Last fallen.
Mainz, 3. Juli. Vor ber zweiten Straftem» tn c r haben sich heute 18 Einwohner aus Gau Bickel heim wegen Störung goiiesbiensllicyer Verrichtungen auf bem bortigeii Friebhos, ferner wegen Beb-rohung und tät
licher Deleidtgnng des freireligiösen Predigers 'Freiyerrn v. Zucea-Cnccagna von hier unb bes besckümpfenben Unfugs zu veranttvorten. Das Alter ber Angeklagten variiert Mischen 17 bis 60 Jahren. Folgenber Tal bestaub liegt bei Anklage zu Grunde: Am ‘27. Dezember würbe auf bem Friebhose in Gau-Bickelheim ein Landwirt beerdigt, der aewünscht hatte, baß ihm ber freireligiöse Prebiger bie Leichenrebe halte. Frecherr v. Zueeo-Euceagna tarn biesem Wunsche nach. Sck>on vor Beginn der Leichenfeier hatte sich a^if dem allgemeinen Friedhof eine große Menge, darunter mehrere Leute mit Pfeife und Zigarre im Munoe, vor dem offenen Grabe eingefuiibcii. Muhdem ein Gesang verein ein Lied üorgctragcn und der Prediger mit der Leichenrede begonnen hatte, wurde er durch laute Pfuirufe unterbrochen. Als er trotzdem weitersprach und die Ewigkeit erlvähnte, entkstand ein tvüstes Geschrei und furchtbarer Tumult. Leute sprangen über b<3 offene Grab und von allen Setten wurde nun der Prediger beschimpft und bedroht. Die Menge schlug und stieß auf ben Prebiger ein, bespuckte ihn unb bewarf ihn mit Erdschollen. Auch auf bie Leidtragenden hagelten Schimpsworle nieder. „Hin - aus nut dem Lump!" hieß es gegen ben Prediger, „schlagt ihm den Schädel ein!" Mit einem bitten Pfahl, aus bem vorher bei Sarg geruht hatte, spraug einer auf ben Pre) biger los, ber sich, schließlich unter ben Schutz der herbeigeeilten Gendarmen stellen mußte. EH erfolgten dann ver schiedene Verhafttlngen. Die Angeklagten bestreiten in der heutigen Verhandlung, den Prediger bedroht zu haben, als er die Ewigkeit unb daS Jenseits bestritten habe, sei allerbings gejchinipft tvorben. Ein Angeklagter gibt zu, gerufen zu haben: „Mgefallener, w^ibersüchtiger Pfafs!" Anbere aus der Menge hatten gerufen, baß eine solche Rebe nicht aus den Friedhof gehöre, Pas sei eine Schande. Keiner Ivill wissen, wer auf den Prediger getvorsen hat, ba es regnete unb die Leute mit cftifgespannten Regenschirmen bagestanben hätten. — Es sind 75 Zeugen zu vernehmen, weshalb bie Verhanblung agcl), noch morgen ben ganzen Tag in Anspruch nehnien bürste. Als Staatsanwalt ist Herr Dr. Beruharbs, als Verteidiger die Herren Dr. Schmitt uub Dr. Billharbt, als NebeLtläger bes Prebigers Herr Justizrat Görz tätig. (M. Tgbl)
W i e s b a b e n , 3. Juli. Der pratjsche Arzt Dr. in e b. Voigt von Frankfurt a. 'M. hatte fit) heute vor ber hiesigen Strafkammer wegen fahrlässiger T öl u n g zu verautworten. Er hatte die Frau des Lehrers Liudner zu Hochs! a. 'M aus deren Wunsch vorzeitig entbunden und damit tts zum siebenten Atonat bewartet. Tas Kind kam tot zur 'Leit und die At utter starb am K i n d be 11 f i e b er. Die Anklage behauptet nun, baß V. ben Tod der Frau L. verschuldet habe durch uuzureicheude Antisepttk uud überhaupt dadurch, daß et es unternommen habe, von Frankfurt aus eine derartige Kur aukzulühren. Der Anaetlagte stellt jede Fahrlässigkeit entschieden in Aprede und berief sich auf seine große praktische Evfahriing. Ein Lammriß, den die Verstorbene bei einer früheren Geburt crüien, habe die Frübgeburt iiotwendig gemacht. Die Sachverstäud^cn, Kreisarzt Tr. Beiu- hauer. Dr. Rath uud Tr. Schweriu oonjvöchst a. 9)1, Gerichtsarzt Tr. Roth-Fraulsurt und Professor Dr. ’sp a » n e \\ ft i e l von der Universität G i e ß e ii hielten im vorliegtnden Falle die (Einleitung einer Frühgeburt uicht für angebracht, ije Anliseptik für mangelhaft unb meinten, daß V. die Entbindtinb nicht hätte überiiehmen durfeti, da es ihm an der Gelegenheit mjmgelte, die Patientin ausreichend au überwachen. Hofrat Alsfeld von Marburg legte zu Guiisten des Angeklagten Sem Dammriß doch etwas mehr Bedeutung bei. Das Gericht sprach daraufhin Dr. Voigt von der Anklage der fahrlässigen Tötung frei.
II Marburg, 3. Juli. Die Strafkammer ocrurteilU beute den Holzhändler und Sägemnller Deubel aus Kleiiiseel- beim wegen Vergehens gegen das W u ch r r g e s e tz zu 2 Atonalen GesängnlS und 500 Mt. Geldstrafe. D. |atte dem Landwirt Herbener in Schönbach, einem jungen, unerfahrenen Alenschen, nach und nach etwa 7000 Mk. teils bar, teils auf Wechsel geliehen iind ließ sich als Gegenleistung eme Hypothek von 10 000 Mk auf desseu Gitt geben. H. versicherl zwar heute, daß er überhaupt keine 7000 Alt., sondern höchstens 2000 Mk. bekommen habe; die Wechsel habe er immer, ohne sich etwas zu beuten, unterschrieben. Wegen dieser Sache mufcte jedoch Freisprechung erfolgen, da sie nicht genügend aufgeklärt war.
K a s se t, 3. Juli. Zeuge Bergmann bestreitet, daß die T r bergesellschaft durch sein Verjähren in eine arge Bedrängnis geraten sei. Er hätte von der Gesellschaft 1200 000 Mk. zu fordern gehabt, er habe aber darauf verzichtet, um ihre Schwierigkeiten nicht zu vermehren. So handle kein Schwindler, als welchen der Sachverständige ihn hinzuslellen versiiche. Nach weiterer Verlesung und Erörterung des Beweismatenals und der Korrespondenz Schmidts mit Otto Sumpf und Extier teilt der Vertreter der Anklagebehörde mit, daß ein Brief von Frckiz Schmidt eingelantcn sei, worin er mitteilt, er habe Schmidt vochergesagt, daß der tecy- nische Zusammenbruch der Trebergesellschajt binnen zwei Jahren erfolge. Ta dies dem guten Glauben SchinidtS in Bezug auf die Güte der Verkohlungspatente widerspricht, beantragte der Staatsanwalt bie Labimg Franz Schniidts als jengen. Die Verteidigung erklärt, Franz Schmidt habe 1900 behauptet, wenn man ihu ruhig arbeiten lasse, werde er binnen einem Jahre die Werke in Betrieb haben. Als Zeugen hierfür ,verden genannt Prof. Borchers-Hagen und die Mitglieder des Aufsichtsrals Hermann Sunips und SchulAe-Tellwig. Ten Aiitra'gen auf Ladwig der Zeugeii wird vom Gerichtshöfe ftattgegeben; dieselben sollen zii Montag geladen werden. Es folgt eine längere Verhandlung über das Expos« des Dr. Auspizer bezüglich der Fusion, worin Anspitzer iioch eine Rentabilität von 35 pCt. herausgerechnet hatte, ^rchniidt beruft sich hierauf, um seinen guten Glauben im Jahre 1901 zu beweisen. Des iveiteren kommt ein Vriefivechsel zwischen Berginann rind bem Angeklagten zur Verlesung, roorin Bergmann ben Aiigeklagien hm- Ijält unb hinsichtlich der Karbibversuche versichert, daß es ihin gelingen werde, bie Tonne Kohlen und die Tonije Kalk für höchsteiis zehn Aiark herzustellen. Schinidt solle Taten s^hen, denn er, Berg- maiiii, wisse, daß der Schein gegen ihn sei. Auch hieraus will Schmidt beweisen, daß er sich im gute» Glauben an Sas Gelingen der Bergmannschen Versuche befunden habe.
Duisburg, 3. Juli. (T e r 1 i n d e n p r o z e ß.) In der heutigen Verhandliing wurde festgestellt, daß Terlinden von der Aktimgesellfchast Terlinden Patente für Mk. lOOOO gcfanit und sie aii Surmondt für IV, Aiillionen oerfanft hat, trotzdem er zu dieser Transaktion Nicht berechtigt war. lieber die m der Bilanz vom 31. Dezember 1900 aufgeführten Alk. 638 755 dreselnhalbprozentiger preußischer Konsols befragt, erwiderte TerlmdM, er habe diese Wertpapiere besessen. Die Norddeutsche Bank, vln der die Konsols stamnien sollen, erklärte dagegeii, niemals Papiere an Terliiiden geliefert zu haben. Alsdann wurden die Verbuidmigen Terlindens mit 17 von ihm geschädigten Banken besprock)eii. '
Brom berg, 3. Juli. Stach zweitägiger perhandliing vor dem hiesigen Schtviirgericht gegen die erste Gr ilppe der Teilnehmer an ben Unruhen anläßlich des M a u r e r - und Z j m m c voran d ft o it b e s am 1. April d. I. mürben 3 Angeklagte wegen schweren, 5 wegen einfachen Landsnedensbrilchs vertivteilt, und zivai einer 311 zwei Jahren Zuchthaus, einer zu zwei Jahren GeiängnlS, je einer zu 1’/, Jahren, zu 1 Jahr, zu 9 und zu 4 Atonaten' die anderen zu je 6 Atonaten Gefängnis; einer wurde irelgesprochen. *
Kiel, 3. Juli. Das Ober-kriegsgericht der Ostseeslalion hoi die Berufung gegen die Freisprechung des M arm e - Sta b s - arzteö Dr. P 0 d e st a wegen ausdrücklicher Gehorsanisver- roeigcvutig bem Lbeileutnant Leonhardi gegenüber, da der Transportführer- nicht eut Vorgesetzter des ranghöheren Sanitälsossiziers gewesen sei, verworfen. Es war ein dreiwöchentlicher Stubenarrest beantragt.
Dresben, 3. Juli. Die Verhandlimgen vor dein Amts, gerichr gegen die Teilnehmer an den Straße n l r a wall e 11 bie am 26.-27. Atai anläßlich bes allgemeinen Bauarbeiter.' Aussta n b es stattfanben haben begonnen. Bisher wurden meT


