Ausgabe 
4.5.1903 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Geh. Rat Haas und sagte ebenfalls sehr ausführlich aus. Er hat Wolff schon als jungen Assessor in Worms kennen gelernt und viel über die unerfreulichen Zustände in Offen­bach gehört. Als er daselbst persönliche wieder mit Wolff zusammenkam, hoffte er, es würde ihm gelingen, die da­mals gerade sehr erregten Streitigkeiten zwischen Wolff und der Lrtskrarrkenlasse beizulegen. Wolff habe bezüglich der von ihm beanstandeten Tal jachen häufia Recht gehabt, aber in der Form seiner Maßnahmen gefehlt und sich als leicht erregbar gezeigt. Im Oktober 1901 sei es zum offenen Konflikt mit ihm gekommen, weil er, Zeuge, infolge ver­schiedener begründeter Beschwerden gegen ihn einschreiten mußte. Von da ab glaubte Wolff auch, daß Zeuge gegen chn operiere, und er lvarf z. B- dem Kreisamt vor, es habe auf eine Beschwerde des Vorstandes der Ortskranken­kasse zwei Verfügungen erlassen, eine an die Bürgermeisterei und eine an den Vorstand, die sich inhaltlich widersprächen. Wenn auch nicht der Wortlaut, so sei doch der Sinn dieser Verfügungen derselbe gewesen. Ta Wolff dies bestreitet, wurden auf sein Verlangen die darüber vorhandenen um­fangreichen Aktenstücke verlesen. Bei Erläuterung derselben wurde Wolff sehr erregt und sagte:Was der Zeuge zu dem Protokoll ausführt, ist unwahr!" Kreisrat v. Hom­berg! bat den Präsidenten um Schutz, er sage unter seinem Eid aus. Ter Präsident wies den Beigeordneten zur Ord­nung und verbat sich dessen wiederholte Zwischenbemerk­ungen. Staatsanwall Ministerialrat Best äußerte sich nun ebenfalls zu dem Kranken kaffen strell, worauf Kceisrat von Hombergk noch ausführt, daß Wolff mll größter Mühe und Schroffheit seinen Standpunkt verteidigte; fast alle paar Tage sei ein neues umfangreiches Aktenstück von ihm versaßt worden und dieWolffiaden" hätten sich immer mehr angehäuft. Zeuge Schulrat Schaub gab nach einer kurzen Pause dem Verwalter Schiff bezüglich seiner frü­heren Tätigkeit ein gutes Zeugnis. Er sei ein gewissen­hafter Beamter gewesen, der alle seine Obliegenheiten zur vollen Zufriedenheit erfüllte. Zeuge Jöckel, der Vor­gänger Schiffs, als Armenhausverwalter, behauptet, von Wolff viel chrkaniert worden zu sein. Nach einigen anderen unwesentlichen Zeugenaussagen bekundet Stadtverordneter Ulrich, der sozialdemokratische Neichstagsabgeordnete, daß Wolff seine Amtsgeschäfte stets gewissenhaft und prompt erledigte, er pflegte immerreinen Tisch" zu machen; von der Amtsführung des Oberbürgermeisters Brinck könne er das nicht gerade ebenfalls behaupten. Zeuge hat die feste Ueberzeugung, daß Wolff immer nach bester Ueberzeugung gehandelt habe. Sein Unglück sei die schroffe Art seiner Geschäftsführung gewesen, er bade sich durch sein eckiges Auftteten in Offenbach überall Feinde gemacht. Zeuge bekundet Weller, daß gegen Wolfs eine starke Hetze statt­fand, an der auch der Oberbürgermeister nicht unbeteiligt gewesen sei. Die Beschtverdeschrrft über den letzteren habe Zeuge selber verfaßt und Wolff nur um Material ersucht- Zu dem Antrag auf Dienstentlassung habe in der Stadt­verordnetenversammlung nur der ©treu mit Schiff Ver­anlassung gegeben. Zeuge habe zugestimmt lediglich in der Absicht, durch diesen Beschluß Gelegenhell zu einer Dis- ziplinaruntcrsuchung und somit zu einer authentischen Fest­stellung der ganzen Sacl)lage zu geben. Wer die meiste Schuld« au den Konflikten mit Wolff trage, wolle er nicht entscheiden. Beigeordneter Walther-Offenbach, der sell 1899 das städtische Bauwesen verwaltet, (vorher war ein Sachverständiger dafür in Offenbach nicht vorhanden!), be­kundet, daß auch er mitunter scharfe Differenzen mit dem Oberbürgermeister Brinck hatte; es sei nicht leicht, mll ihm immer gut durchzukommen. Ueber Wolff weiß Zeuge nichts Nachteiliges zu bekunden. Ter Vorsitzende der Ortskranken­lasse, Streb, wird noch eingehend über die Stteitigkeiten Wolffs mit dieser Kasse vernommen. Wolff habe mehrfach beleidigende Entscheidungen über den Kassenvorstand ge­troffen, und dieser sah sich deshalb veranlaßt, beim Kreis- amt die Trennung der Funktionen der Ortskrankenkasseu- pflege von der Armenpflege, die Wolff unterstellt war, zu beantragen. Er- Zeuge, sei von Wolff auch der sozialdemo­kratischen Partei gegenüber, der er angehöre, verdächtigt worden und habe ein peinliches Schiedsgericht deshalb über sich ergehen lassen müssen, worüber er noch ausführlichere Angaben macht Nachdem alsdann noch die Vereidigung des Verwalters Schiff vollzogen worden war, benagte der Präsident die Sitzung au, Montag früh 8y2 Uhr. Für die nächste Sitzung wird auf Antrag Wolffs noch eine An­zahl von Aktenstücken voui Offenbacher Kreisamt zur Stelle geschafft werden, sodaß die Vertändlung voraussiäMch auch am Montag noch nicht zum Abschluß kommen wird.

Universität (Stetzeu.

Verzeichnis der neu mnnatrifulierten Studierenden.

c. Medizinische Fakultät

F. Allendors, Aled., Gießen, Frankfurterstr. 7.

& Bosch. Erimmilschau, Med., Ludwigstr. 14.

I. Brüggemaim, Wied., Köningen, Franksurterstr. 71.

G. Brenn, Med., Paris, Mittelweg 6.

B. Tennebaum, Aled., Heiligenroth, Crednerstr. 3b.

2L Flietner, Tierhlt, Halle a. L., SeUcrsweg 81.

H. Fluhrer, Med., Ansbach, Hillebrandstr. 9.

F. Harlnack Med^ Barmen, Lindenplatz 1.

F. Herzer, Lierhlk., Kirchheimbolanden, Franksurterstr. 91.

P. Kaennncrcr. Trerhlk Langstadr, Licherstr. 7.

H. Karrillon, Med., Weinheim, Licherstr. 7.

SL Koch, Med., Gießen, t'udwigslr. 61.

G. Krause, 'Med., Allenstem, Setleröweg 63.

H. Kuppelmayr, Tierhlt, München, Franksurterstr. 69.

H. Lust, Med., Steinbach u T, Grünbergerstr. 29.

K. Aiench, TierlM., Rerchenjachsen, Liebigstr. 29.

W. 'Misch, Med., Herne, Mittelweg 6.

H. Nölledrock, 'Med., Epe, Ludwlgstr. 62.

V. Ohnacker, 'Med., Butzbach, Grunbergerstr. 3.

5- Ohm, Med., Westerhold, Alicestr. 27.

SL Poeschel, Tierhlt, Emskirchen, Franksurterstr. 91.

SB. Schmidt, Med., Plettenberg, Tiezslr. 6.

W. Schmidt, Med., Gießen, Lonysrr. 20.

Ä. Schneider, T>erhlk Torteliveil, Slemstr. 68.

O. Schrauth, Tierhlt., Wimpsen, Ebelslr. 2.

W. Schürmann, Aled., Lüdenscheid, Wolsstr. 8.

R. Schuster, Med., 'Aachen, Wcstaiil. 10.

9L Sct)>valm, Aled., Gießen, Bahnbosstr. 63.

& Schwarzer, Tierhlt, Altwasser, Liebigstr. 69.

L. Seibel, Tierhlt., Tarnistadl, Scknüstr. 10.

®. Seifferl, Mcd^ Tüsseldors, Bergstr. 17.

SL Staudmger, Med.. Darmstadt, Grünbergerstr. 14.

A. llllniuiiii, Aled., Nieder-Erlenbach, Löberstr. 7.

2)L Voß Tierhlt, Neu-Mecklenburg, Lrebigslr. 33.

3JL Weingarten, 'Med., Münster i. W., Blcichstr. 16».

SL Wuuerer, Tierhlt, Ettenheim, Wilhelmstr. 3.

F. Wirth, Tierhlt, Wörrsladi, Grünbergerstr. 12.

Aus Hladl und Juni).

Gießen, am 3. Dlai 1903.

Personalien. S. K. H. der Großherzog Haden dem Oberlehrer an der Realschule und an dem Progym-

nafmm zu Alzey Dr. Karl Zimmer den Charakter als Pro- feffor erteilt dem Gerichtsschreiber beim Oberlandesgericht Justizrat Scharmann die Krone zum Ritterkreuz I. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen und dem Weichensteller Wolf zu Darmstadt aus Anlaß seiner Der- etzung in den Ruhestand das Allgemeine Ehrenzerchen mit der InschriftFür treue Dienste* verliehen.

Straßenrohrbrüche. Infolge Lockerung des Erd­reichs durch Ausführung der Sielbauarbeüen haben in der letzten Woche verschiedene Gas- und Wasierrohrbrüche statt­gefunden, welche durch das Personal des Gas- und Wasser- werks in Kürze beseitigt wurden. Da sich solche Be­schädigungen während der Ausführung der Sielbauarbeiten voraussichtlich wiederholen werden, weisen wir darauf hin, daß es sich immer empsiehll, bei Auftreten von auch ganz unbedeutend erscheinenden Gasentweichungen in allen Fällen sofort für Lüftung der Räume Sorge zu tragen und demGaSwerk Nachricht zu geben. Die Benutzung von Licht von unberufener Seite bei Wahr­nehmung von Gasgeruch ist unter allen Umständen mit Ge- ahr verbunden und daher unzulässig.

Der erste Sonntag im Mai. Ein schöner Frühlingstag hatte endlich das rauhe und nasse Wetter ab» gelöst Der Himmel Härte sich, die Sonne schien warm und die Leute ergingen sich im Freien. Wie schön sind jetzt un- ere Gärten und Anlagen, in denen so viele blühende Bäume tehenl Es war eine Lust gestern spazieren zu gehen. Dem Volksfest auf der Liebigshöhe war auch das Wetter günstig; eine große Menschenmenge hatte sich bort eingefunden. Da Falb übles Wetter prophezeit, ist das Gegenteil so gut wie gewiß.

* * Rohheit. In der Nacht vom Sonntag auf Man­ag ist großer Lärm und Unfug in der Grünbergerstraße vorgekommen. Rohe Hände haben, wie man heute konsta- ierte, im Grabsteinlager von H e w e l Denkmäler umgeworfen und dadurch zwei stark beschädigt. Belohnung ist ausgesetzt, um die Täter namhaft zu machen.

TL Seltenes Jagdglück hatte am 1. d. M. der Metzgermeister Schreiner. Er erlegte an diesem Tage auf einem Jagdgebiete in Niedergemünden nicht weniger als vier Rehböcke.

* * Aus dem Theaterbureau. Die für Dienstag angesetzte BenefizvorstellungMikado" des Herrn Ober- Regisseurs und ersten Charakterkomckers Siegfried Bruck ist von der Direktion aufs Sorgfälligste vorbereitet, glänzend ausgestattet und mit den ersten Kräften besetzt worden. Der Benefiziant spiett die Rolle des Oberscharfrichters und ehe­maligen Schneidermeisters Koko, eine der dankbarsten Rollen, die je geschrieben wurden. Frl. Stöger und Frl. Bartl werden die japanesischen Pensionsbackfische spielen, tanzen und ingen. Herr Sommer spielt den Prinzen Nanki-Poo, Herr Nolte die komisch-groteske Titelrolle und Herr Gan- zert wird als Fächerträger Kikcki verschiedene Extrascherze anbringen.

* * SullivansMikado" wird morgen, Dienstag, zweifellos die große Zauberkraft seiner Melodien bewähren und unser Stadttheater wieder einmal in allen seinen Teilen füllen. Die Musik dieser Operette besitzt außerordent­liche intime Reize, wir werden also eines besonderen Ohren­schmauses teilhaftig werden. Herr Regisieur Bruck hat an diesem Abend sein Benefiz. Wir haben ihn bereits während der wenigen Wochen seiner hiesigen Wirksamkeit als einen sehr amüsanten Darsteller kennen gelernt, von wirksamstem Humor, der sich stets von allzu operettenhasten Karrikaturen fernhält und maßvoll in seinen Mätzchen ist. Seine Haupt­force ist der pointierte Coupletvortrag, in dem er seines Gleichen sucht. Vor allem aber schätzen wir ihn als einen Regisseur von eminenter Umsicht, der jeden Emzelnen im Ensemble stets scharf im Auge hält, manchmal sogar wäh- rend der Szene zu Ungunsten eigener Wirksamkeit, und mit sicherem Blicke die Masten dirigiert. Angesichts seiner beson­ders angestrengten Tätigkeit ist ihm ein volles Haus an seinem Ehrenabend zu wünschen, an dem es ihm an Huldig­ungen mancher Art gewiß nicht fehlen wird.

Dr. Fritz Friedmann, der ehedem allenthalben bekannte Berliner Rechtsanwalt, stellte sich am SarnStag abend im Neuen Saalbau als Chef eines Ueberbrettls vor. Zwar bemerkte er in seinen einleitenden Worten, daß seine und seiner Künstler Darbietungen nicht beanspruchten, zur Kategorie der Ueberbrettl zu gehören. Er wolle seinem Publikum nur eine harmlose Abendunterhaltung bereiten. Das war bescheidener gesprochen als alles andere, was wir an dem Abend von Dr. Friedmann zu hören bekamen. Nun, das Künstler­ensemble hatte unstreitig überbrettlmäßige Vorzüge. Und Dr. Friedmann fühtte ganz nach der Manier der Brettldirektoren seine Künstler dem Publikum vor. Da war Henriette Faulconnier, die temperamentvolle Französin, die einige hübsche deutsche und französische Lieder oortrug, und die Seccestionssängerin" Mara, die in ihren Leistungen ihrer ausländischen Gefährtin nichts nachgab. Da war denn vor allem auch Jean Paul Richter, der mit seinen Humorist- ischen Votträgen so viel Beifall fand, daß er das Interesse für das Auftreten Fritz Friedmanns, des vor Jahren ge­suchtesten Vetteidigers in Deutschland, beinahe in den Hinter­grund drängte. Friedmann erzählte einiges aus seinem Leben. ES war nicht sehr einnehmend, daß er sich dabei in der Herzählung seiner großartigen Lebensumstände und persön­lichen Vorzüge erging. Allerdings hat er ein außerordentlich bewegtes Leben geführt, seit er hier in Gießen zum Dr. jur. promovierte. Er genoß den Glanz des Lebens wie wenig andere, er, der gefeierte Anwalt, dem zahllose Klienten aus allen Gegenden zuströmten, der em so hohes Ansehen weit­hin besaß. Von der Höhe seines Erfolges sei er, so hörten wir von ihm, gestürzt worden durch feine Feinde, die er sich t'urd) seine Tätigkeit als Anwalt, besonders m dem bekannten Kotze-Prozeß, geschaffen habe. Man warf ihm Unterschlag­ungen vor; er erlangte jedoch in Berlin seine Freisprechung. Resigniett erzählte er von den Leiden, die er habe durch­machen muffen. Seine Gabe, sich objektiv mit allem abzu- finben, habe ihn über die Miseren alle hinausgesetzt. Er gab dann ein Bckd au3 der Tätigkeit und dein Verfahren des Vetteidigers. Wir wurden in die Lage versetzt, mitzu- crlebcn, wie einem Anwalt aus dem Studium der Ulkten seine Verteidigungsrede ensteht. Es war beinahe eine kleine 91ovelle, wa§ Friedmann uns da vorsagte. Er ist zweifellos

noch heute ein glänzender Redner. Aber ob er sich heute noch als so hervorragender Anwalt bewähren würde, konnte man aus dem Erempel nicht entnehmen. Er war allzu thea- ttalisch, und seine Rede klang zu sehr als ob sie vorgelesen würde. Friedmann hatte auch vorher bemerkt, er wünsche nicht mehr wie im Gerichtssaal zu sprechen, sondern so, wie es ihm von Herzen komme. Die helleren kleinen Anekdoten, die Friedmann im Anschluß daran aus seinen persönlichen Crlebnisten noch oortrug, waren sehr gut, aber^nicht so gut wie zahlreiche, ebenfalls verbürgte Vorkommniste, die wir unterHeiteres aus dem Gerichtssaal" öfters in den Zeit­ungen zu lesen pflegen. Jean Paul Richter entwickelte viel kräftigeren Humor als der Führer des Ensembles. Er würde auch aus dem Gerichtssaal amüsanter geplaudert haben, wenn es seine Aufgabe gewesen wäre. Tie beiden schon er­wähnten Damen haben sich um den schönen Verlauf des Abends ebenfalls reichlich verdient gemacht Der Vottrag war übrigens nicht so gut besucht, als man erwartet hatte.

ft Wieseck, 3. Mai. Hier wurde heute von den So­zialdemokraten eine Maifeier abgehalten. Bon Gießen zog man unter Musik und Vorantraaung einer Fahne hier­her, wo man bei Tanz und anderen Vergnügungen bis zum Abend verweilte. Dann gings mit Fackelzug nach Gießen zurück.

4- Wißmar, 3. Mai. Herr Schönweis, Pächter der hiesigen Jagd, ging heute morgen in Begleitung des Gemeindeförsters Lukas durch das Jagdrevier, wo sie einen jungen Mann von hier mit einem Flobettgewehr antrafen. Förster Lukas rief ihm mehrmals zu, er solle das Gewehr ablegen, was er aber nicht tat. Er war sogar so dreist, sich in Anschlag zu stellen und auf den Förster zu zielen. Im Momente der Bedrohung traf ihn auch die Schrot­ladung des Herrn Lukas in die Beine. Der 21jährige junge Niensch wird eine exemplarische Strafe zu ermatten haben.

iv. Rod heim a. Bieber, 3. Mai. Auf dem hiesigen Rathause fand heute die Generalversammlung der ge­meinsamen Ortskrankenkasse des Sparkassenbezicks Rod­heim statt. Der Kasse gehören u. a. alle Bauhandwerker, landwirtschaftliche Dienstboten, selbst aus denen in unmittel­barer Nähe von Wetzlar gelegenen Ortschaften (Naunheim und Hermannstem) an. Nachdem die vorjährige Rechnung geprüft war, wurden auch einige Statutenänderungen vor­genommen. So soll z. B. der übliche OrtStagelohn von 1,80 Mk. auf 2 Mk. und dem entsprechend auch daS Kranken­geld erhöht werden. Jedoch müsten diese Abänderungen der Königl. Regierung zu Wiesbaden zur Genehmigung vorgelegt werden.

() Krumbach, 3. Mai. Die hiesige Gemeindejagd war dis zum vorigen Herbste gegen einen geringen Preis an Privatleute verpachtet. Nunmehr hat sie aber, wie auch die benachbarte Jagd zu Kirchvers einen Liebhaber aus der Stadt gefunden, sodaß die Gemeinde mit dem erzielten Mehrerlös wohl zufrieden sein kann. Ter neue Pächter, Rechtsanwalt Grünewald-Gießen, zahlt die jährliche Pacht­summe von 1020 Mk. Da die hiesigen Meldungen mit dem angrenzenden Krofdorfer Königl. Forst innig verbunden sind und bekanntlich viel Hochwild bergen, so hat der Pächter auch ein reiches Revier. Grünewald scheint die hiesige Jagd- nutzung auch mit regem Eifer betreiben zu wollen, denn er läßt sich zurzeit hier ein Jagdhaus erbauen. Dasselbe kann schon im Laufe des Sommers bezogen werden, und ein Jagdaufseher soll einen ständigen Aufenthalt darin nehmen. Die Billa ist am Eingang des Dorfes erbaut, gewährt Aussicht nach dem Dünsberg. Leider schonte aber seither der neue Pächter die Hirsche zu viel, denn sie machen sich oft in ganzen Rudeln auf der Wintersaat bemerkbar, worüber unsere Bauern allgemein Klage führen.

Bad Nauheim, 3. Mai. Der Beigeordnete Kaiser von Worms wurde einstimmig zum Bürgermeister von Bad Nauheim gewählt.

§§ Büdingen, 3. Mai. Gestern er banale sich im hiesigen Gefängnis der Sch-neider Geis, welcher wegen Sittlichkettsvergehens, verübt an schulpflichtigen Mädchen, angeklagt war. Der Mann hinterlaßt eine Frau und zwei unmündige Kinder.

Darmstadt, 2. Mai. Der Ausschuß der Studen­tenschaft der Technischen Hochschule hat laut Anschlag am Schwarzen Brett wegen eines Artikels in den »Mainzer Neuesten Nachrichte n* in welchem die hiesige Stu­dentenschaft beleidigt wird, gegen den verantwottlichen Re­dakteur Steigerwald bei der Staatsanwaltschaft Strafan­trag eingelcitct. Ein Studierender namens Kreis hatte in einer Mainzer Wirtschaft eine wüste Lärmszcne verursacht, und genanntes Blatt knüpfte an den Vorgang beleidigende Betrachtungen über die Darmstädter Studentenschaft im All­gemeinen. Die Studentenschaft wird zmn Mastenprotest mit Unterschttft aufgefordert. (W. Ztg.)

Darmstadt, 3. Mai. S. K. H. der Großherzog empfingen am 2. Mai u. a. den Oberst a. T. Cullmann von Gießen, den Oberstleutnant Fryrn. v. Normann, Kommandeur des Gendarmeriedisttikts Rheinhessen, den Kreis-Schulinspektor Kleinschmidt von Gießen, den Hofschauspieler Loehr von Darmstadt, den Bolksschullehrer Eifert von Gießen, die Vorsteherin der Gewerbeschule in Offenbach Fräulein Geist; den Großbritannischen Geschäfts­träger Herbert.

Mainz, 3. Mai. Heute mittag wurde als 8. Krema­torium in Deutschland das in Mainz in feierlicher Weise und in Anwesenheit der städtischen und RegierunEvertreter, sowie Vertretern aus Elberfeld, Darmstadt, Wiesbaden, Stettin, Offenbach, Frankfurt a. M, Köln und Aachen er­öffnet. Tie Feier wurde mit Lrgelspiel und Ehorgesang cingcleüct, bann sprachen der Vorsitzende des Mainzer Feuer­bestattungsvereins und Oberbürgermeister Tr. Gaßner. 2luch die Vertreter der oben genannten Stabte hielten kurze Ansprachen.

Frankfurt a. M., Im Cafs Bristol wurde heute nacht der etwa 14 Jahre alte Sohn des Polizeipräsi­denten v. Puttkamer in Kiel wegen Zechprellerei verhaftet. Derselbe hatte das Elternl-aus heimlich ver­lassen. Auf seine Auffindung batte fein Vater 300 Mark Belohnung ausgesetzt.

Marburg, 2. Mai. Dem Direktor der hiesigen chi- riirgischen Klinll, Geh. Rat Prof. Küster wurde der Rang als Gene ralmajor oerliehen. Bisher war er General­arzt ä la suite des SanitätskorpS. (Hess. LandeSztg.)

[] Marburg, 3. Mai. Heute nachmittag wurde hier adcrhalb der Weidenhäuser Brücke die Leiche des seit An- rang Februar d. I. oerntißten SchuloicarS Wällner au5 Laasohe gelänbct