153. Jahrgang
Zweites Blatt.
Deutsches Keich
J>U heutige Yummer umfaßt 10 Seiteru
Breslau, 3. Niai. Der kommandierende General deS 6. Korps, der Erbprinz von Sachsen-Meiningen, hat seinen Abschied eingereicht und verlegt seinen Wohnsitz ----- " ' r‘ ' , Der Erbprinz ist bekanntlich der
werden wird.
Ter alte Reichstag hat nunmehr sein Ende erreicht, der, Termm für die Neuwahlen des Reichstages rückt immer näher heran. In der Hauptsache richten sich die Ermahnungen an die Wähler darauf, daß diese möglichst zahlreich zur Urne schreiten und chre Stimmen abgeben sollen; denn leider wird hierin noch viel gesündigt. Es wird dies am besten dadurch bewiesen, daß zirka 32 Prozent aller Wahlberechtigten überhaupt nicht von ihrem Wahlrechte Gebrauch machen (dies bedeutet einen Ausfall an Wahl- stimmen pro Wahlkreis im Durchschnitt von 9290 Stimmen). Indessen ist die Wahlbeteiligung bei den verschiedenen Parteien sehr verschieden und gerade bei den Ordnung S- parteien läßt sie am meisten zu wünschen übrig, denn bei den meisten dieser Parteien ist sie im Laufe der verschiedenen Legislaturperioden des Reichstages vielfach zurückgegangen. Ganz bedeutend gestiegen ist die Wahlbeteiligung bei den Sozialdemokraten, für welche im Jahre 1871 101 927 und 1898 2 107 076 Stimmen abgegeben wurden. Diese erhöhte Stimmenzahl verteilt sich natürlich auch auf eine größer oewordene Zahl von Abgeordneten, die bei den
Parteisekretär Philips I ,
christl.-soz. Partei, wobei er darauf hmwieS, daß dessen em-1 zelnen Punkte teils den Forderungen der liberalen, teils denen der sozialdemokratischen Partei entnommen feien. Demgegenüber entwickelte der Redner dann die Grundsätze der nationalliberalen Partei und bat zum Schluß seine Zuhörer, am 16. Juni dem Kandidaten der nationalliberalen Partei, Ingenieur Macco, ihre Stimme zu geben.
Berlin, 2. Mal. Die,Nat.»Ztg." bestätigt, daß Geh. Rat LüsenSky die ihm von den Liberalen im Wahlkreise Freiberg L S. übertragene Kandidatur zurückgezogen hat und daß dem bisherigen Vertreter des Wahlkreises, Dr. Oertel, ein neuer liberaler Kandidat entgegengestellt
König ßduard in Saris.
Paris, 2. Mcä.
Auf der Fahrt nach dem Rennfelde von Vincennes, wo heute vormittag die Revue über 12 000 Mann Truppen stattfand, wurde König Eduard mehrfach akklamiert. Auch wurden vereinzelte Hochrufe auf die Buren laut. Die Revue verlief bei gutem Wetter ohne Zwischenfall. Der König, in der Uniform eines Feldmarschalls mit dem Kordon der Ehrenlegion, hatte an seiner Seite Loubet und den SenatS- präsidenten Falliöres, mit dem er lebhaft sprach. Seine Haltung war stramm, das Aussehen frisch. Das Publikum war von
Montag 4. Mai 1803
vezugSpreiSr
Sozialdemokraten seit 1871 von 1 auf 67 gestiegen ist. Aber auch die Wahlbeteiligungen im Durchschnitt auf den einzelnen Abgeordneten zeigen sehr verschiedene Ergebnisse. Die Sozialdemokraten haben auf den einzelnen Abgeordneten eine Anzahl von 37 626 Stimmen vereinigt, der Bayerische Bauernbund folgt als der zweite in dieser Reihenfolge mit 37 576 Stimmen, darauf der Bund der Landwirte mit 36 796, die Antisemiten mit 28 425, die Nationalliberalen mit 20 666, Freisinnige Volkspartei mit 19 252, Polen mit 17 437, Freisinnige Vereinigung mit 16 307, Konservative mit 15 911, Dänen mit 15 439, Reichspartei mit 14 941, Volkspartei mit 13 566, Elsässer mit 13 427, Zentrum mit 18 228, Welfen mit 10484 und Fraktionslose mit 10 261. Zweifellos würde I das Wahlergebnis für den künftigen Reichstag ungleich anders sein, wenn sich die Wähler der Ordnungsparteien zu regerer Wahlbeteiligung entschlössen.
Heer und Flotte.
Nr. 103
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Fnnisprrchanlckluß Nr. 6L
Nach Schluß des Festaktes im Elysöe hatte der König mit Loubet und dem Minister des Aeußeren, Delcassö, eine Unterredung im Kabinet deS Generalsekretariats. Ter Festvorstellung in den prächttg geschmückten Räumen der Großen Oper wohnten alle hervorragende Vertreter der Politik und der Wissenschaft bei. Als der König, welcher Admiralsuniform trug, und Loubet den Saal betraten, spielte die Musik die englische Nationalhymne und die Marseillaise, welche die Anwesenden stehend anhörten. Tas Programm der Vorstellung bestand aus GesangSvorträgen und Balletaufführungen. Der König gab wiederhott das Zeichen zum Beifall Wie die Blätter melden, wurde kurz vor dem Eintreffen König Eduards eine dort anwesende Dame, eme bekannte Schönheit, ersucht, daS Theater zu verlassen, da ihre Anwesenheit nicht erwünscht sei. Gegen Mitternacht, als König Eduard daS Theater verließ, um nach der englischen Botschaft zu fahren, wurden auf der Straße einige Pfiffe hörbar. Die Polizei schritt em und nahm 67 Verhaftungen vor, von denen 26 aufrecht erhalten
wurden. „ , . , •
Ministerpräsident Eombes und dessen Sohn wurden beim Verlassen des Rennplatzes von mehreren Mitgliedern des Jockeyklubs mit Geheul und anderen feindlichen Rusen verfolgt Die Frau des Generals Bonnal wurde durch das Pferd eines Kavalleristen leicht verletzt.
Paris, 3. Mau
Der König ging heute vormittag zu Fuß vön der englischen Botschaft nach dem protestantischen Tempel und wohntt dem Gottesdienst bei. Mittags kehrte ber der Botschaft zurück, von wo er sich m einem von Kürassieren eskortierten Wagen zum Frühstück in das^Mmisterium des Aeußern begab. In den Sttatzen wurde der Kömg überall mit Hochrufen begrüßt. t .
An dem Diner im Ministerium befl Aeußern nahm das gesamte biplomat-fc^e RorpS teil. Die Botschafter und ®e- Indien wurden dem König Eduard »otgeftelUj, der sich mck ihnen der Reihe nach unterhielt. Nach dem Mahle lieh sich der König Wald e ck - Ro ujs e au norstellen und zag ihn m ein längeres Gespräch. Daraus forderte der Kon.g den Minister DeleassS zu emer pr.oalen Unterredung auT und fugte ihm, daß er sich freute, nach Frankreich gekommen zu ein. Er sprach ih," se,ne Dankbarkeit sür den 'hm bereiteten Empfang ans und überreichte ihm d.e Jnstgmen des Groß- kreuzes des Viktoriaordens. Um 3»/. Uhr kehrte der fiomg, von der Menge lebhaft begrüßt, nach der Bot,chaft zurück.
König Eduard oerlieh dem Mmisterprapdenten Combes bas Großkreuz des Viktoriaordens.
Hftozetz Wolff vor dem Aeiwaituagsgerichtsyof.
(Lriginalbericht von unserem R. B.-Korrespondenten.) Darmstadt, 2. Mai.
Tie heutige Sitzung brachte eine Fortsetzung, aber immer noch kein Ende der Zeugenvernehmungen. Zuerst wurde eine Frau Klaus vernommen; dieselbe bestätigt, daß Schiff eines Tages zu ihr gekommen und sie um tausend Mark angegangen habe, die er dem Beigeordneten Wolff leihen solle. Sie habe aber das Ansuchen abgelehnt Sehr eingehend wurde alsdann Zeuge Geh. Reg.-Rat und Kammerpräsidenr Laas-Tcrrmstadt befragt, der bis zum 3ahre 1900 Kreisrat in Lsfenbach war. Er stellte den ganzen Zuständen daselbst kein günstiges Zeugnis aus. Wolff seien in der ersten Zeit vielerlei Schwierigkeiten bereiter worden, es hatte sich sogar eine gewisse Hetze geaen ihn ^entwickelt Zeuge habe den Beigeordneten wiederholt zur Mäßigung ermahnt und auch energische Vorhaltungen über die Art seines Verkehrs mit den behördlichen Organen gemacht er sei aber auch rückhaltlos sür ihn eingetreten, wenn chm, wie es häufiger geschah, Unrecht zugefügt wurde. Zeuge gab aus Befragen auch zu, daß auch in der^Amtsführung des Oberbürgermeisters Brinck manche Sonderlichkeit zu tage getreten sei, und dieser z. B. hinsichtlich der Kompetenzen der Beigeordneten i!lnschauungen hegte, die vom Kreisamt zurückgewie,en werden mußten. Zeuge Lreis- r3t r tzombergi' Offenbach ist der Nachfolger desHerrn
seiner Erscheinung entzückt
König Eduard begab sich von Vincennes mit Loubet nach dem Pariser Rathaus. Auf dem ganzen Wege harrte eine dichte, Kopf an Kopf gedrängte Volksmasse. Seit Jahren hat Paris keine so herzliche Volkskundgebung gesehen. Der König wurde im Rathaus vom Gemeinderat empfangen und zeichnete sich in daS Ehrenbuch der Stadt ein, wo vor seinem Namen die Namen der Burengenerale eingetragen sind. Der Präsident des Munizipalrats begrüßte den König und dankte für seinen Besuch, in welchem Paris eine Bürgschaft für den Frieden zwischen den beiden Nationen und ein Unterpfand für immer engere und herzlichere Beziehungen zwischen London und Paris sehe. Der Präfekt des Departements schloß sich dem Vorredner an und bat den König, seine aufrichtigen Wünsche für das Wohlergehen der königlichen Familie uud des englischen Volkes entgegenzunehmcn. Der König dankte den Herren in französischer Sprache für den Empfang, den ihm die Bevölkerung von PanS bereitet habe, und versicherte, er werde diesen Besuch, der ihm das größte Vergnügen bereite, nicht vergessen. Den Worten des Königs folgte lebhafter Beifall. Der Präsident deS Munizipalrats bot sodann dem König in einem prächtigen Knstallbecher den BegrüßungStrunk an. Der König und Präsident Loubet ver» ließen sodann daS Stadthaus.
Beim Diner im Elysöe brachte Loubet einen Trinkspruch aus, worin er dem König für dessen Besuch dankte und die Hoffnung auSsprach, daß er den Wettfrieden fördern werde. Der König antwortete:
-ich bin glücklich, daß diese Gelegenheit das Band der Freundschaft beteiligt und Aur Annäherung in ihrem gemeinsamen Interesse beiträgt. Unser hervorragender Wunsch (^»°6 d6sir) ist, daß wir zusammengehen auf dem Wege der Zivilisation und des
Berlin, 3 Mai. Der Kaiser hat dem Vorsitzenden deS Bayerischen Landesverbandes und Vizepräsidenten des Deutschen FlottenvereinS, Reichsrat Frhrn. v. Würtz- bürg in München, in Anerkennung seiner hervorragenden Verdienste um den Deutschen Flottenverein seine Photographie mit Unterschrift und Rahmen verliehen.
Dresden, 3. Mai. Bei herrlichstem Wetter hielt König Georg heute mittag seinen festlichen Einzug in die Stadt. Auf dem Bahnhof wurde er von den Spitzen der Behörden und dem Festausschuß empfangen und nach dem Köntgspavillon geleitet, wo em Dresdener Tamen- quartett den König mit einem Vortrag begrüßte. Die O v a- tionen taufen der von Frauen und Mädchen, die auf dem Platz vor dem Bahnhof Aufstellung genommen hatten, rührten den König sichtlich Unter Glockengeläut fuhr der König, von Gardereitern eskorttert, durch die Prager- straße nach dem Altmarkt, von endlosem Jubel des Publikums begrüßt. Am Altmarkt entbot Oberbürgermeister Beutter einen Willkommengruß. Eine nach Hunderten zählende Sängerschar trug einen Degrußungs- hymnus vor. Für alle Huldigungen dankte der Monarch tief gerührt und gab besonders seiner großen Freude über. - - Liebenstein,
die äae Teilnahme der Vereine, Innungen, Korporationen nach ^cyiog ^uvenpe
Schuld Ausdruck Im Schloß nmrbe der König ponsichwager des Ka.serS. den Prinzen und Prinzessinnen des königlichen Hauses und Kirche und Schule,
den Hofstaaten begrüßt. 9tach kurzer Raft begab sich der Berlin 2. Mai. Die „Nordd. Allg. Ztg." ist in der finig Lage Nachrichten über die Maßnahmen, welche die Staate-
'Nachmittag Tafel statlfand^ regierung bezüglich der staatlichen höheren Mädchenschule
Deleaiertentaa und des Lehrerinnen.Seminars in Trier getroffen
Berlin 9 Mai hat, richtigzustellen. Es ist unrichtig, daß eine Trennung der
Der öentralvorstand der nationalliberalen Partei"beriet Schülerinnen nach Konfessionen für den Unterricht m Deutsch heute den Entwurf des allgemeinen Wahlaus- und Geschichte beabsichtigt sei. ES ist ferner unrichtig, daß r u fs In unermüdlicher Frische präsidierte der nun ins der für den katholischen Religionsunterricht angestellte Kaplan 80 j^bensiahr tretende Dr.H a m m ache r der Versammlung Reitz auch Unterricht in Deutsch und Geschichte erteilen soll, und leitete mit Umsicht die Debatte. Er eröffnete die Sitzung ist ferner unrichtig, daß die neu angestellte katholische mit Worten des Dankes über die ihm gestern anläßlich Seminarlehrerin den Unterricht m Deutsch und Geschichte auf seines Geburtstages zugegangenen GlüQvunsche und Zeichen Oberstufe der höheren Mädchenschule und im Lehrerinnen» der Anerkennung und fügte diesem Danke ba3 (SelobmS @emmQr allein erteilen soll. Wie bisher werden auch & Ä-Ä °°ans°l'!ch°Lehrpersonen biefen Unterricht uutuersehen Richtig
d^Purteigenpsseu ist lediglich. daß die Lehrbücher van Os,ermann und H-Umann Gtückwünschc ab. Rach der Sitzung vereinigte die Mitglieder (Teil U) von Ostern ab nicht mehr gebraucht werden, und des Zentr alausschuss es ein Wlahl im Kaiserhof. Arn Abend daß eß endlich gelungen ist, eine katholische Lehrerin mit dem 7 uhr fand ein Begrüßungsabend für die Delegierten in den Oberlehrermnen-ZeugniS für die Mitwirkung bei der Etteilung ErftisckMngsräumen des Reichstages statt. Vor der Dele- Unterrichts in Deutsch und Geschichte für beide Anstalten giertenver,ammlung wird Abg. Basser mann zum Ent- gewinnen.
wurf des allgemeinen Wahlaufrufs namens des Zentral- °
°011 ^freC^tii)tuinibentte Delegierte hatten sich heute AUblüNö.
abend in den Restaurattonsraumen des Reichstages zu London, 2. Mai. Nach einem Telegramm aus
einem geselligen Beisammensein eingefunden. Abg. Basser- ang^ai kamen die in Yuankan angegriffenen Inge-
mann begrüßte die Delegierten in einer kurzen Ansprache, wohlbehalten, aber unter Verlust aller ihrer die ausklang in die an alle Parteigenossen gerichtete Aus- Habe in Kanton an. Außer dem amerikanischen gingen forderung, die Fahne des Liberalismus hochtzuhalten. Es au$ deutsche, französische und chinesische Kanonenboote herrschte eine sehr animierte und zuversichtliche Stimmung. I 200 chinesischen Soldaten nach Yuankan ab. Die Juge- ------- nieure entkamen durch die Hilfe des Dorfvorstehers.
»alil-Beweauna. Paris, 2. Mai. Gerüchtweise verlautet, daß König
' . ,. r k !Le0p0ld den König von England ersucht habe, vor
w. Biedenkopf, 3. Mai. 3^ ^Hgen Kreise wurden - -ner Rückkehr nach Eiigland Belgien einen Besuch ab* in der abgelaufenen Woche in verschiedenen größeren ®e- ,U|-tatten König Eduard soll jedoch angesichts des fest- meinden sowohl von den Ehristlich-Sozialen, rote vonI ^setzten Programms abgele yn t haben.
den Nationalliberalen Wahlversammlungeu abgehalten. Madrid, 3. Mai. Das Eintreffen schauerlicher Stöcker rechtfertigte sich gegen Vorwürfe, die verleumderisch Einzelheiten über dasBlutbadinJnsiesto erregt aeaen ihn geschleudert worden wären, dann ging er auf seine allgemeine Entrüstung. Vie le Un s chuldig e sind m ihren tM
y r, I zählt, drei davon starben.
Tanger, 3. Mai. Der englische Dampfer „Herkules" ist heute hier mtt 250 Israeliten aus Arzila angekommen, welche die von Munition und Lebensmitteln entblößte Stabt verließen. Sie zahlten an Raisuli, den Führer der Beni Aros, 10000 Frs. unter der Bedingung, daß er Arzila nicht angreife. Raisuli und seine Untergebenen rufen in jenem Bezirk starke Beunruhigung hervor. Die Gegend von Tanger ist ruhig.
m0nn111d)76^31.,otertel-
M . sährltch Mk. 6.20; durch
GietzenerAnzeiger «
M General-Anzeiger v mit.
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen MW


