Ausgabe 
4.3.1903 Zweites Blatt
 
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kechr mit den Polen nicht an Annehmlichkeit. Davon weiß zumal das Zentrum ein Lied zu singen. So grob wie der Pole, der sich auf seine Eleganz etwas zu gute tut, kann nur noch oie sittenfeine OffenbacherVolkswacht" mit ihrenurbanen" Hintermännern werden. Jetzt sind die Polen dabei, ihreBedingungen" für eine W a h l a b- rn a ch u n g mit dem Zentrum zu entwerfen. Da wird denn u. a. dem Bundesgenossen zugemutet, auf die Aufstellung eigener Kandidaten zu verzichten, d. h. Mandate preis- zugeben, die teilweise einentotsicheren" Besitz des Zen­trums bilden! Außerdem soll das Zentrum dafür sorgen, daß die deutschen Katholiken in der Provinz Posen für die nationalpolnischen Kandidaten eintreten. Wie gering die parlamentarische Hilfeleistung der ausschlaggebenden Partei von den Polen geschätzt wird, erhellt zur Genüge aus der Forderung: Die Polen in ihrem Kampfe gegen die polenseindliche Politik energisch, und nicht nur mit Redensarten, zu unterstützen. Da hat das Zentrum seinen Dank.

Deutsches Deich.

B e r l i n, 3. Äcärz. Das Kaiserpaar empsinggestern km königlichen Schloß den Besuch der Königin-Witwe Carola von Sachsen.

Der Kaiser und Prinz Heinrich trafen heute mittag kn Wilhelmshaven ein und begaben sich nach dem Exerzierhause der zweiten Matrosendivision, wo die Re- krutenvere idigung stattfano. Nach der Vereidigung hielt der Kaiser eine Ansprache an die Rekruten. Nach Beendigung der Feier besichtigte der Kaiser das kürzlich eingeweihte Denkmal der im Chinakriege gefallenen Sol­daten des zweiten Seebataillons, nahm militärische Meld­ungen entgegen und begab sich sodann zur Besichtigung nach dem neuen Seemannshause und von dort nach dem neuen Offizierspeisehause. Der Kaiser verließ kurz vor 4'Uhr das Offizierkasino und begab sich an Bord des Linien­schiffesKaiser Wilhelm IL".

Zur Feier des Papst-Jubiläums haben heute die katholischen Kirchen geflaggt. In den katholischen Schulen wurde heute auf die Bedeutung des Tages hingewiesen.

TerReichsanz." warnt die Personen, die nach Transvaal oder der Oranjekolonie zu reisen beabsichtigen, nachdrücklich davor, die Reise anzutreten, wenn sie sich nicht zuvor vergewissert haben, daß chnen der zum Eintritt nach Transvaal und die Oranjekolonie und zum Aufenthalt daselbst erforderliche britische Er­laubnisschein erteilt ist. Deutsche müssen zur Erlang­ung des Erlaubnisscheines die Vermittlung der kaiserlichen Konsulatsbehörden in Südafrika in Anspruch nehmen und haben sich hierzu an dasjenige Konsulat zu wenden, das für den südafrikanischen Hafenplatz zuständig ist, von wo die Reise nach Transvaal oder der Oranjeflußkolonie erfolgen soll. In den Anträgen auf Erteilung des Erlaubnisscheins ist genau anzugeben, ob der Schein für einen dauernden oder vorübergehenden Aufenthalt, in letzterem Falle für wie lange, gewünscht wird, der Ort, für welchen der Schein ausgestellt werden soll, der Name des Gesuchstellers und seiner Familienangehörigen, die gegenwärtige und frühere Adresse des Gesuchstellers, Stand oder Beschäftigung des Ge- suchstellerS, ob der Gesuchsteller ein eigenes Geschäft oder feste Anstellung besitzt, ob er über die notwendigen Mittel zum Lebensunterhalt für sich und seine Familie verfügt und ob er zwei gute Referenzen in Südafrika bezeichnen kann und welche. Da von dev britischen Regierung nur monatsweise einer begrenzten Anzahl von Personen die Reiseerlaubnis erteilt wird und es unbestimmt ist, wann ein jedes Gesuch zur Erledigung kommt, ist es daher dringend empfohlen, die betreffenden Anträge so frühzeitig tvie mög­lich bet dem zuständigen Konsulat in Südafrika einzureichen.

Im hochkonservatcvenReichsboten" liest man: Wenn ullramontane Blätter, wie die BonnerReichsztg.", die traurigen Gerüchte über die Großherzogin-Witwe Anastasia von Mecklenburg-Schwerin benutzen, um schadenfroh von dem Skandal eines protestanti­schen Hofes zu sprechen, nachdem sie eben den in allen Mitwirkenoen reinkatholischen zu Dresden gehabt haben, so sollten sie nicht vergessen, hinzuzufügen, daß die mecklen­burgische Fürstin-Mütter, der man eine folgenschwere Ver­irrung mit einem untergeordneten Manne nachsagt, noch heute griechisch-katholischen Bekenntnisses ist.

Hamburg, 3. März. Dem ,Zamb. Korresp." zufolge wurde hier ein VereinSeefa h rt" gegründet, an dem unter Führung der Bürgermeister Dr. Burchard und Dr. Mönckeberg zahlreiche Mitglieder von Rhedereien und der Kaufmannschaft beteiligt sind. Der Verein wlll neben der Heranbildung von Seeleuten auf Hamburgischen Segel­schiffen Rennyachten bauen, den Renn spart betreiben, sowie einen Stamm deutscher Pachtmannschaften erziehen und besondere Leistungen zur See oder beim Segelsport durch Medaillen oder Geldgeschenke belehnen. Der Kaiser ist ordentliches Mitglied des Vereins geworden, ebenso der Hamburgische Senat. Tie Geschäftsführung des Vereins, für den bereits über 300000 Mark gezeichnet sind, hat einstweilen Generaldirektor Ballin übernommen.

Ausland.

Rotterdam, 3. März. Die Regierung verhindert durch Truppenaufgebot, daß Soldaten den Protest­versammlungen beiwohnen, die im ganzen Lande fortdauern. Unter den Typographen im Haag ist eine Bewegung im Gange, die Artikel der rcgierungsfteundlichen Presse nicht mehr zu setzen. Gegen einen Amsterdamer Oekonomie- Privatdozenten wurde wegen Aufreizung zu Ge­walttaten ein Strafverfahren eingeleitet, weil er in einer Versammlung die Soldaten angespornt hatte, in ent­gegengesetzter Richtung zu schießen. Ein großer Amerika­dampfer ist im Rotterdamer Hafen zur Aufnahme von 800 Sol­daten hergerichtet worden.

Brüssel, 3. März. Wie au§ halbamtlicher Quelle verlautet, sind augenblicklich Verhandlungen im Gange, betr. die Einstellung von 30 belgischen Offizieren in das für M a c e- donien neu zu schaffende Polizeikorps. Dieselben sollen den Rang eines Kommandanten erhalten.

Die Königin-Witwe von Sachsen ist gegen mittag hier eingetroffen. Sie wurde am Bahnhofe vom König, dem Grafen und der Gräfin von Flandern und dem deutschen Gesandten empfangen.

Paris, 3. März. Der Abg. Dauzou' hat an den Justizminister eine Bittschrift gerichtet, er möge die gegen Studenten wegen Straßen un ruhen verhängten Strafen aufheben.

Ter heute im Elysäe abgeha'tcne Mimslerrat be­schäftigte sich mit dem Budget. Es wurde die Erwartung ausgesprochen, daß die Deputiertenkammei die Beratung de»

Budgets vor Ablauf dieser Woche zu Ende führen werde, um die Bewilligung eines weiteren Budgetzwölftels zu vermeiden. Finanzminister Rouvier teilt mit, daß die Emission von 100 Millionen Francs Obligationen, für welche die Zeichnung vorgestern begonnen hat, bereits gezeichnet sei.

Montreux, 3. März. Die Befferung im Befinden des Präsidenten Stein macht erfreuliche Fortschritte. Der Prä­sident kann bereits 100 bis 150 Schritte ohne Hilfe gehen. Er wird anfangs Mai von Montreux nach Reichenhall über­siedeln.

Prag, 3. März. Der hervorragendste czechische Staats­mann Dr. Franz Ladislaus Frhr. v. Rieger, der über em halbes Jahrhundert im politischen Leben stand, ist heute nach- mittag im 85. Lebensjahre an Altersschwäche gestorben.

Aus tzladt uni) Kaud.

Gießen, den 4. März 1903.

* Hessisch-Thür. Staatslotterie. Bei der heute begonnenen Ziehung der 6. Klasse wurden folgende Gewinne gezogen: 100 000 Bll. auf Nr. 23193 (Worms), 60000 Mk. auf Nr. 88487 (Eisenach), 50 000 Btt. auf Nr. 29032 (Weimar und Offenbach), 10 000 Mk. auf Nr. 72439 (Darmstadt), 8000 Mk. auf Nr. 22722 (Schotten), 33396 (Roda sS.-A.j), 28022 (Alzey), 87174 (Jena, Weimar), 3000 Mk. auf 9k. 18392 12005 (beide nach Offenbach), 14225 23955 (beide nach Darmstadt), 34049 (Seligenstadt), 56667 (Weimar), 87818 (Gotha), 90883 (Mainz), 67553 (Gotha), 13535 (Coburg und Mainz), 4733 (Altenburg), 6666 (Gießen, Balser), 76461 10160 33344 (sämtlich nach Mainz), 2000 M. auf Nr. 43862 61300 90982 33907 25154 47497 62631 27554 35010 9733 (sämtlich nach Mainz), 96852 (Alzey), 62602 (Mainz). Ohne Gewähr.

** Verkehrsverein. Gestern abend fand im Cafe Ebel die konstituierende Versammlung desVerkehrs­vereins" statt. Die Anregung zur Gründung eines der­artigen Vereins war vor ca 3 Monaten int Cafe Leib ge­geben worden. Es wurde eine Kommission gewählt, um die Vorarbeiten für die Gründung des Vereins zu erledigen. Gleichzeitig sollten schon möglichst viel Mitglieder geworben werden. Bis jetzt gehören, wie oer Vorsitzende in der Ein- lettung ausführte, dem Verein 271 Mitglieder an. Das Einkommen des Vereins aus den Beiträgen. ketrug 1013 Mark. Es ist tief bedauerlich, daß sich bis jetzt nicht mehr Mitglieder für den Verein gefunden haben. Die Ziele, die oer Verein verfolgt, sind rein gemein­nützige; die Vorteile, die ein gesteigerter Frem- )e n-Verkehr für Gießen in jeder Weise und für alle Kreise mit sich bringen muß, liegen auf der Hand. Besonders unsere Kaufleute sollten sich bestreben, den Verein durch Detträge rc. zu unterstützen, da sie an einer Hebung des Fremdenverkehrs doch am meisten interessiert sind. Jeder ollte in seinem Bekanntenkreise nach Möglichkeit Anhänger ür den Verein zu gewinnen suchen. Denn nur, wenn die inanzielle Lage des Vereins gesichert ist, d. h. wenn er iber genügende Mitgliederanzahl verfügt, kann er mit Er­folg für die Allgemeinheit tätig sein. Das nähere über die Ziele des Vereins rc. findet sich in den Statuten. Die Statuten, die von Oberbürgermeister Mecum verfaßt sind, wurden in der Form, die dem Entwürfe mit einer einzigen geringen Aenderung entspricht, einstimmig angenommen. Der Verkehrsverein ist ein eingetragener Verein. Er be­zweckt, Fremde zum Besuch Gießens mtd zum vorübergehen-- oen oder dauernden Aufenthalt zu veranlassen. Zu diesem Zweck will er auf die Schönheiten der Stadt und ihrer Umgebung, sowie auf die Annehmlichkeiten des Auftritt Halts in derselben aufmerksam machen; Veranstaltungen, welche den Fremdenzuzug zu fördern geeignet sind, ver­anlassen oder unterstützen und zur Besettigung von Miß­ständen, die ihn beeinträchtigen können, beitragen; Frem­den über alle hiesigen Verhältnisse Auskunft erteilen und ihr Interesse fördern; mit anderen Vereinen, deren Be­strebungen den Zwecken des Verlehrsvereins förderlich sind, zusammen wirken; die hierfür nötigen Mittel beschaffen Die Geschäfte werden geführt von der Mttgliederversamm- lung, dem Ausschüsse und dem Vorstände. Der Ausschuß be­steht aus mindestens zwölf Vereinsmitgliedern. Er hat das Recht der Zuwahl. Der Ausschuß wählt aus seiner Mttte den Vorsitzenden, den Schriftführer (zugleich Stellvertreter des Vorsitzenden) und den Rechner. Der Ausschuß führt die Geschäfte des Vereins und verwaltet das Vermögen des­selben nach Maßgabe des.Voranschlags. Der Vorstand be­steht aus den Herren. Max JaSkowsky, Th. Haubach, C. Röhr, Wilhelm Hornberger, Kindt, H. Winn, Otto Meyer, L. Pirr und Mecum.

G- Stadttheater. Gestern schlug man zwei Fliegen mit einer Klappe. FrauJennygab ihr Benefiz undFrl.Hohenfels, unser vorjähriges Bühnemnitglied, war von Hanau herüberge­kommen, um die Rolle der Crevette in Feydeau'sDame von Maxim" zu übernehmen. Der tolle Schwank verfehlte auch gestern nicht, die Lachmuskeln der Zuschauer beständig in Tätigkeit zu erhalten. Frau Jenny hatte sich gestern wieder mal eine der ihr besonders gut liegenden Rollen der resoluten komischen Alten" ausgesucht. In der Tat leistete sie auch als Gabriele Gutes undverkörperte" diese mit einer der­artigen Natürlichkeit, daß wir für dieAffaire" ihres kleinen schmächtigen Ehegesponstes mit der kleinen Tänzerin vom moulain rouge eine tiefe psychologische Erklärung fanden, zumal da diese Crevette derartig chik, sidel und ausgelassen war, daß man ein kleinesüber die Stränge schlagen" des­jenigen, der ihr in die Hande fiel, vom menschlichen Stand­punkt aus wohl begreiflich finden konnte. Frl. Hohenfels hat entschieden Fortschritte gemacht, sie kann damit zuftieden sein. Diese Excentric-Demimondaine mit ihremHoppla, Vater sieht's ja nicht", toll und übermütig, stets bereit, den Phi­listern ein Schnippchen zu schlagen, lebte und war natürlich. Sicherheit und Gewandheit der Bewegung, neckisch und ausdrucksvoll Minenspiel, Eleganz der Erscheinung, alles das sind Vorzüge, die einer Künstlerin nur von Vorteil sein können. Wie wir hören, beabsichtigt Frl. Hohenfels sich um ein Engagement am neuen Städtebundtheater zu bewerbenso ost sie kommt, sie soll willkommen sein". Herr Zoder als Dr. Petypon zeigte sich wieder als jugendlicher Komiker von seiner besten Seite. Geschickt, und jeder Uebertreibung abgeneigt, versteht er sich trefflich in den Rahmen des Ganzen emzufügen, zu dessen Gelingen er auch gestern wieder einen Hauptteil beitrug. Herr Ramseyer als General war sowohl in Maske wie Spiel vorzüglich. Mit Herrn Gerl ach als Dr. Mongicourt konnte man zufrieden sein. Ten Corlgnon 1. , >,xrrn d. £ : * hatte man sich etwas anders gedacht. Ter Schwc: ' , Freund" Crevettc's,

der sich zur Vernunftheirat entschließt, muß freier und kecker sein, stmimlich schien Herr v. S. auch wenig disponiert. Es würde zu weit führen, die übrigen Leistungen im Speziellen aufzuführen; es wurde flott gespielt und die (Spielleitung hatte vorzüglich dafür gesorgt, daß alles am Schnürchen ging. Das Haus, das leider noch bedenkliche Lücken aufwies, un­terhielt sich allem Anschein nach trefflich. Sowohl die Bene- fizlantin, wie Frl. Hohenfels, wurden mit hübschen Blumen- und Lorbeerarrangeinents bedacht.

w. D ü n s b e r g, 3. Dkärz. Die 2. Lehrer stelle zu Fellingsha usen wurde vom 1. März ab dem Schul­amtsbewerber Heinrich Berg aus Bornheim und die zur Erledigung kommende Schulstelle zu Crumbach Hermann Bott vom 1. April ab übertragen. Wie wir erfahren, erhalten sämtliche Schulamtstandidaten, welche in diesen Tagen die Abgaiigsprüsung in Ufingen bestanden haben und nicht gesonnen sind, am 1. April tn das Heer einzutreten, noch vor diesem Zeitpunkte eine Anstellung. Auch hier ist diese rasche Verwendung im Schuldienst ein erneuter Be­weis von dem herrschenden Lehrermangel.

w. Wetzlar, 3. März. Zu der am vorigen Sonntag in denSchützengarten" einberufenen Versammlung zur Besprechung der schwebenden Eisenbahn f ragen yalten sich wohl 500 Personen aus Stadt und Land erngefunben. Bürger meiner Ioutz - Butzbach war als Bevollmächtigter der Stadt Butzbach erschienen und nahm an den Verhand­lungen lebhaften Anteil. Zum Schlüsse einer kurzen Debatte einigte man sich fast ein|iimmig in einer Resolution für den Bau der,Bahn von Ao-etzlar über Nauborn, Weidenhausen, Volpertshausen, Ober- uno "Niederkleen nach Butzbach.

2. Marburg, 3. März. Eine traurige Spinnstuben- geschichte, die am Abend des 1. Dezember v. I. in Röddenau bei Franlenberg sich abspielte, oejchäftigte heute das Schwurgericht. An dem Abend wurden sich beim Tanzen die Burschen uneins und später gabs auf der Straße eine Schlägerei, in deren Verlaus ein junger M ann Namens Mütze durch einen Messerstich in den Kopf getötet wurde. Heute standen zwei Burschen Namens Gunst und Maurer deshalb vor den Geschworenen. Nach einer umfangreichen Verhandlung bejahten die Geschworenen, da nicht viel Klar­heit geschaften werden konnte, nur die F.age betreffs Be- teiügung an einem Raufhandel mit tödlichem Ausgang. Das Gericht verurteilte darauf beide zu je einem Jahr Gefängnis.

Vermischtes.

* Berlin, 3. Marz. Heute Nachmittag stürzte anschei­nend infolge einer Gasexplosion das auf dem Vorort­teile des Stettiner Bahnhofes belegene alte Stellwerkgebäudc ein. Dabei wurde ein Bahnarbeiter verschüttet. Die Leiche ist geborgen. Ein anderer Arbeiter wurde leicht verletzt.

Magdeburg, 2. März. In der Citadelle hat jetzt der Oberleutnant Werner v. Grawert seine zwei­jährige Festungshaft angetreten, die ihm wegen Tötung des Rechtsanwalts Dr. A y e-Flensburg im Duell zuerkannt ist.

* Karlsruhe, 3. März. Der Studirende der tech­nischen Hochschule Goldberg aus Warschau ist infolge der Verwundung, die er am Sonntag Morgen im Pistolen­duell erhielt, gestorben. Er wird in Warschau beerdigt. Zur Duell-Affäre erfährt dieBadische Korr." von zuständiger Seite, daß der Anlaß nicht in einer Liebesgeschichte, sondern in einer persönlichen Streiterei zu suchen ist, die schon fünf Wochen zurückliegt. Die Duellanten waren früher eng bc freundet, bis es eines Tages wegen Geldangelegenheiten zum Streit kam. Goldberg soll den Schwarz in dessen Wohnung und später auf der Straße geohrfeigt haben. Es er­folgte eine Forderung und beide suchten bei den Korps Alemannia" undFrisia" um Waffenschutz nach. Der Ehrenrat genehmigte nach langen Verhandlungen eine Pistolenforderung, da Schwarz, der schwer herzleidend ist, mit blanker Waffe nicht fechten konnte. Es steht nicht fest, wohin Schwarz geflohen ist.

Paris, 3. Mürz. Depeschen aus La Rochelle, Brest und Bordeaur berichten von einem heftigen cyclonartigen Sturme, der in dem ganzen westlichen Frankreich herrscht. Bei La Rochelle ist auf hoher See em großes Schiff, dessen Nationalität noch nicht festgestellt ist, untergegangen. In Bordeaux riß der Sturm Dächer und Schornsteine von den Häusern und zerstörte die Telegraphen- und Telephondrähte.

* Paris, 3. März. In Rethel verhaftete die Polizei einen auf dem dortigen Bahnhofe eingetroffenen Mann, welcher der Polizei mitteilte, daß seine Tochter im Zuge gestorben sei. Die ärztliche Untersuchung ergab, daß das Mädchen an Ent­behrungen gestorbeu war. Sie war bis zum Skelett ab­gemagert.

* Budapest, 3. März. Auf einer Kohlengrube in Hun fand eine Dynamit-Explosion statt, durch welche ein Schachtmeister tätlich verletzt wurde.

' Babel und Bibel. Der »Stoib. Anz." bringt daS folgende interressanteEingesandt:"

Als Leser desStolb. Anz." muß ich auf gründ der^eiligen Schrift und der Bekenntnisschriflen unserer evangelisch-lulherychen Kirche gegen die in dem Aufsatz der Nr. 16 jenes BlattesBabel, Bibel und der Kaiser" gepriesene B ek e n u l n is st c ll u n g e r. Majestät, unseres kaiserlichen Herrn, um bes Gewchens willen protestieren, weil sie nicht 0en Christus der cchrisl zum Gegenstände hat. o. B r a n d t, Amtäger.chtsrat

Die Urteilsbegründung im Ehescheidung 8- prozeß des sächsischen Kronprinzenpaares beschränkt sich, wie derFrkf. Ztg." mitgeteilt wird, auf das eigene Geständnis der Prinzessin Luise, mit Giron Ehe­bruch begangen zu haben. Das Geständnis wurde von den Prozeßbetelligten nicht angezweifelt, die Beweisführung durch Einvernahme von Zeugen rc. weder gefordert noch durch­geführt.

Feuer. Wie man aus Corsenz (Schlesien) meldet, brach in der Nacht zum Sonntag in dem Gemeinde-Armen- Hause Feuer aus. Dieses sowie das Wohngebäude und das Stallgebäude eines benachbarten Gastwirts brannten vollständig nieder. Vier Frauen kamen in den Flammen um.

Durch Ueberschwemmung und Feuersnot wurden in Korea etwa 4000 Häuser zum Einsturz gebracht, wobei, soweit bis jetzt feststeht, 18 6 Menschen um8 Lebe» käme n. ,____________ _

Kunst und Wstenschüst.

Profehor W. Trübner hat den Ruf an die Akademie K a r 1 s r u h c angenommen. Er wird am 1. November d IL nach der badischen Hauptstadt übersiedeln und in die Stellung emeS Mehrer«, der Malerei an der Akademie eintreteu.