Ausgabe 
4.3.1903 Zweites Blatt
 
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Zweites Blatt.

Mittwoch 4. Märzl S03

153. Jahrgang

Wr. 53

täglich oubei Sonnlags.

Dem «Lietzener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwitt die Lietzener Familien, blätter viermal tn der Woche beigelegL KolalionSdruck u. Ver­lag bei Brühl 'schen Univech-Buch- u.Slein- b ruderet lBielsch Erden) Vtcbaftion, Expedition und *£ruderet;

Schalftrahe 7.

Äbrefle tüt Depelchenr «azetger Gtetzen.

FerniprrchonlchlußAt 51

menatlich7b vl^oterret* lähilich Mk 2.20, durch Adhole- u. Hivetgfiellen monathd) 65 Ps., durch die Poll Tlt.2. ptertel» löhrl ausichl. Bestellg. Annahme von Anjelge» füt bie 'iageeuuminer dl« pormtttag« 10 Uhr, firtlenprei« lofal 12'Uk aafrvdrt« 20 Big.

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GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger "

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Eiehen

Die heutige Aummer umfaßt 12 Seiten.

«Hessischer Landtag.

R. B. Darmstadt, 3. März Nachmittags»Sitzung.

Präsident Haas eröffnet bie Sitzung um 4y< Uhr. Das Haus fährt mit der Etatsberatung fort und bewilligt zu­nächst Kap. 42, Tum- und Zeichenunterricht, Ausgabe 118U0 Mark, ferner Kap. 43, Landcswaisenanstalt, Einnahme 36 500 Mack, Ausgabe 221330 Mk., Kap. 44, Taubstummen- und Blindenanstalten, Einnahmen 16 890 Ml., Ausgabe 93 629 Morst 9)?? 45' Privat-Erziehungs- und Besserungsanstalten,

Bei Kap. 46, Hofbibliothek, Ausgabe 65 890 Mk., ersucht Abg. Hauck (B.-Bd.) die Negierung, einen Betrag von 5000 Mk. zur Förderung de r Volksbibliotheken im Lande auszusetzen.

Bei letzterer Position bringt Abg. Dr. Schmitt (Ztr.) namens des rheinischen Altertumsoereins zu Mainz den Wunsch zum Ausdruck, day die im Rhein entdeckten Alter­tumsfunde dem Lande erhalten resp. wie früher an das Mainzer Museum verkauft werden. Gfregenroärtig gingen dieselben infolge einer Verordnung meist an das Landes­museum in Darmstadt über.

Ministerialrat Frhr. v. Biegeleben erwidert dar­auf, es bestehe für alle diese Funde nur eine Anzeigepflicht beim Großh. Landesmuseum; dieselbe habe alleroings nur den Ztvect, dem Landesmuseum die Möglichkeit zum Erwerb dieser Gegenstände Darzubieten. Tie Regierung sei bestrebt, die berechtigten Wünsche der übrigen Sammlungen im Lande möglichst zu erfüllen, und sie habe die Bestimmung getroffen, daß von derartigen Funden Stücke dauernd an die Lokal­sammlungen abgegeben werden sollen. Die Wünsche des Abg. Schmitt bezögen sich, vermutlich auf einen Vorgang aus dem Jahre 1899, wo einem Bagger für einen Fund im Rhein von Mainz aus 50 Mk. geboten wurden, während er ihn für 25 Mk. an das Landesmuseum abgeben mußte.

Ministerialrat Eisenhut erklärt, daß die Regierung gern bereit sei, dieser Anregung Folge zu geben. Die Position wird darauf einstimmig genehmigt, ebenso Kap. 47, Landesmuseum, Ausgabe 58 600 Mk.

Bei Kap. 47 a, Hosmusik, werden 12 100 Mk. zur Ausbesserung der Gehalte der Hofmusiker gefordert. Der Finanzausschuß ist einig darin, daß sich die Mitglieder der Hosmusil in einer schwierigen Lage befinden und daß eine Abhilfe dieses Notstandes längst hätte erfolgen müssen. Die Mehrheit des Ausschusses hatte ausdrücklich erkannt, daß der Staat keinerlei Verpflichtung habe, diesen Betrag aus die Staatskasse zu übernehmen, aber geglaubt, sich dem augenblicklichen Notstände nicht verschließen zu dürfen und deshalb beschlossen, ohne jede Konsequenz die geforderte Summe für dies eine Jahr zu bewilligen, gleichzeitig aber die Regierung zu ersuchen, daß sie für Die kommenden Jahre für Abhilfe des Notstandes ohne Belastung staat­licher Mittel bemüht sei.

Abg. Cramer (Soz.) wünscht über den Antrag des Ausschusses noch hinauszugehen und die Bewilligung der 12 100 Mark auf 23 Jahre auszusprechen, bis das Hof­theater nach erfolgtem Umbau in der Lage fei, seine Mit­glieder selber vollständig zu bezahlen.

Abg. Molthan (Ztr.) bemerkt, er verkenne die Not­lage der HofmusitmttglieDcr nicht, er meine aber, daß die Kosten für dieselben nicht vorn Lande, sondern von der Kabinettskasse getragen werden müßten. Er beantrage des­halb namens der Minderheit des Finanzausschusses die Ab­lehnung der Forderung.

Abg. Ulrich (Soz.) legt bar, daß die Zustände bezüglich 6er Bezahlung der Hofmusik die denkbar schlechtesten feien; es seien dadurch schön LeutebiszumWahn sinnge­trieben worden (hört!). Es scheine überhaupt, als wenn die Regierung hier in einer Weise wirtschafte, die man nicht mehr für gut halten könnte. Man habe den Musikern indirekt gedroht, daß sie sichunliebsame Folgen" zuziehen würden, wenn sie in ihrer Sache Beschwerden an die Auf­sichtsbehörde richten würden. Bis über den Umbau des Hoftheaters hinaus wolle er sich mit der Bewilligung der 12 100 Mk. auch nicht festlegen, der Umbau habe aber mit der heutigen Forderung nichts zu tun, man habe heute nur die Pflicht, der Notlage der Musiker ein Ende zu machen, und deshalb bitte er, die Regierungsvorlage zu genehmigen.

Abg. Säug (frei).) führt aus, die Stadt Darmitadt habe ihrerseits für das Hostheater schon viel (Mb bewilligt, für bie Umbaukosten 365 000 Mk. Die Besolbung ber Hof­musik sei eine innere Angelegenheit des Hoftheaters, in bie sich die Stadt nicht einzumischen habe, sie habe ja auch nichts dabei mitzusprechen. Die Stadt sei auch wegen dieser Sache noch nicht angegangen worden. Hier müsse eben die Zivilliste herangezogen werden.

Aba Dr. Frenay (Ztr.): Es handle )ich hier um ein Kunstinstttut, das eine gewisse Bedeutung m ber deutschen Kunstgeschichte besitzt und bas weit über Sarno;abt hinaus bas Interesse erweckt. Es gehe also nicht an. zu sagen, das Hoftheater sei etwas, was das Land gar mmtj angehe. Menn bei jeder Posttion eine besondere gJc'Gro.; Perpfiich- tung nach gewiesen werden sollte, dann fdnnie man gleich den halben Etat streichen. Er meine, h^habe Darmstadt bie Verpflichtung, helfend einzugreifen, ö'W? di?)es Jahr möge man aber bie Forderung aus ber >staatska))e be-

Abg. Langenbach (freif.) verteidigt bie Haltung ber Stabt Darmstadt in ber Angelegenheit.

Abg.-Jo utz erkennt ben Notstand der $ormu|iferjin. Er sei aber ber Ueberzcugung, wenn die Kammer die For­derung ablehne, werbe die Stadt Darmuadt oder die Zivil­

liste schon Mittel und Wege finben, die Forderung der Musiker zu befriebigen. Eventuell sei er zur einmaligen Bewilligung der Forderung bereit, wenn sich die Regierung verpflichte, vorn nächsten Jahr ab anderweitig die Mittel wetter zu beschaffen.

Abg. Weidner meint, daß die Regierung bei An­nahme des Ausschußantrages zu letzterem verpflichtet sei.

Abg. Wolf bemerkt, die Darmstädter Vertreter hätten ja ausdrücklich angebeutet, baß man sie gar nicht um diese Summe angegangen habe. Wenn die Kammer die Forder­ung einfach ablehne, werbe bie Stadt schon so nobel sein, und die Summe bewilligen müssen.

Abg. Damm (freif.) spricht sich gegen die Bewilligung aus.

Staatsminister Dr. Rothe macht darauf aufmerksam, daß es sich hier nicht um eine Regierungsvorlage handle, sondern lediglich um die Ausführung eines Beschlusses, den die Kammer im vorigen Jahre gefaßt hat. Ter Herr Staatsminister bespricht die näheren Umstände bei dem vor­jährigen Beschlüsse, ist aber bei der herrschenden Unruhe im Saale auf der Journalistentribüne nur bruchstückweise zu verstehen. Er empfiehlt, das Haus möge feinen früheren Standpunkt in der Sache nicht verlassen, die Großh. Cioil- liste habe für das Hofcheater ohnedies viel mehr Aufwend­ungen gemacht, als sie verpflichtet gewesen wäre, ober man zu glauben scheine.

Abg. Schönberger führt aus, im Lande verstehe man absolut nicht, wie man überhaupt eine solche Forderung stellen könne. Den Zusicherungen, daß späcer Die Summe in anderer Weise beschafft werden würbe, schenke er wenig Glauben. Er stimme für einfache Ablehnung ber For- berung.

Abg. Schill spricht ebenfalls für Ablehnung unb meint, Darmstadt sollte sich schämen, baß es diese Forderung nicht gleich bewilligt habe.

Abg. Sang legt unter teilweise großer Heiterkeit des Hauses alle die großen Lasten dar, die der Stadt für bie Ehre, die Residenz des Großherzogtums zu fein, aufge­bürdet würden. Nicht einmal bas Recht habe sie Dafür, einer Straße einen Namen zu geben. Nicht die Stabt, son- bem bas Laub habe die Pflicht, für die auskömmliche Besold­ung ber Hosmusik wenigstens für bas eine Jahr zu sorgen.

Abg. Kramer (Soz.) macht darauf aufmerksam, daß Darmstadt ein Siebentel ber ganzen Staatssteuem aufbringe. Rebner pläbiert bann nochmals mit großer Wärme für bie Annahme des Regierungsvorschilags.

Abg. Dr. Heidenreich (natL; legt kurz den Stand­punkt ber Mttiderheit bas Finanzausschusses dar, welche bie Ablehnung ber Vorlage beantragt. Wenn eine solche Po­sition einmal in bas Budget mit aufgenommen worben sei, werbe sie schwer wieber baraus zu entfernen fein. Dem Abg. Ulrich gegenüber, ber bie Vorlage so begeistert ver­teidige, und sie gar noch ausgebehnt wissen will, müsse er boch bemerken, baß bie Regierung selber anerkannt habe, es liege eine gesetzliche Verpflichtung hier nicht vor.

Abg. Ulrich entgegnet, wenn auch eine rechtliche Ver­pflichtung nicht vorliege, so sei doch eine moralische Ver­pflichtung für die Kammer zur Bewilligung dieser Forder­ung vorhanden, denn das Ersuchen an bie Regierung um Besserstellung ber Hofmusiker sei mit 27 gegen 3 Stimmen gestellt worben.

Abg. Braun kann nicht einsehen, worin bie moralische Verpflichtung für das Land bestehen soll, dem Notstand ber Hofmusiker abzuhelfen. Moralisch verpflichtet bazu könne nur bie Stadt Darmstadt fein.

Abg. Dr. Schmitt meint, gegen den Antrag der Aus- schußmajorität auf Bewilligung ber 12 000 Mk. hätten eigent­lich am meisten die Vertreter ber Stadt Darmstadt selber gesprochen. (Zustimmung.) Es handle sich boch in 9 von je 10 Bewilligungen stets um bie Interessen von Darm­stadt, unb dessen Vertreter kämen jetzt und klagten noch Gerade Darmstadt wäre doch in erster Linie berufen, für diese Ausgabe aufzukommen, und roeim ber eine Vertreter sage, wenn bie Kammer nichts tue, so werbe die Stadt erst recht nichts tun, nun, so könne man es ja einmal darauf ankommen lassen. Redner empfiehlt schließlich die Forderung für dieses eine Mal zu bewilligen.

Abg. Bähr wird mit seinen Freunden für bie ein­malige Bewilligung stimmen in der bestimmten Hoffnung, daß Die Regierung bie Sache im nächsten Jahr nicht wieder bringe.

Damit ist die Debatte geschlossen.

Auf Antrag ber Abgg. Pennrich, Molthan u. Gen. er­folgt namentliche Abstimmung, in welcher ber Aus­schußmehrheitsantrag auf einmalige Bewilligung mit bem schon erwähnten Vorbehalten mit 19 gegen 17 Stimmen angenommen wirb. Für die Bewilligung stimmten sämtliche Sozialdemokraten und ein Teil des Zentrums, von den Freisinnigen die Abgg. Dr. Gutfleisch und die beiden Darmstädter Bertteter, von den Nationalliberalen Die Abgg. Reinhart und Haas-Darmstadt.

Alsdann wurde bie Sitzung um 6Vt Uhr abgebrochen.

Nächste Sitzung Mittwoch früh 9 Uhr.

politische Tagesschau.

Vom preußischen Kultusetat.

Bei ber Forftetzung Der Beratung Des Kultusetats in ber Budgetkommission des Abgeordnetenhauses wurde auf eine Anfrage, ob bie Behauptung, Daß ber für ein Ber­liner Extraordinariat in Aussicht genommene Ge­lehrte nur vier Monate in Afrika gebummelt habe, unb von afrikanischen Idiomen, über die er lesen solle, wenig wisse, zutt-sftnd sei, wurde von ber Siegierung festgestellt. Daß ber fragl.che Geistliche sich in seiner pommer- schen Gemcinbe im Verkehr mit afrikanischen Eingeborenen

eine außergewöhnliche Kenntnis ber afrikanischen Phonetik ungeeignet habe, unb dieselbe so vortrefflich beherrsche, wie kaum ein anderer Gelehrter. Aus der Mitte ber Kom­mission wurde angeregt, auf den deutschen Hochschulen den Doktor med. bet, ähnlich, wie dies bereits in Gießen geschehen sei, ein zu führ en. Ministerial- Direktor A l t h o s s erklärte, der Gießener Dr. med. vet sei eine Singularität, Die nicht auf andere Hoch­schulen zu übertragen sei. Dagegen wurde aus ber Kommission geltenb gemacht, baß biefe Erklärung doch nichts­sagend sei. Warum sollten Denn nicht auch in Preußen die Tierärzte durch Zulassung zum Dr. med. vet. zu wissen­schaftlicher Betätigung angeregt werden. Für Hallea. S. wurde eine Professur für Phonetik gefordert, auch aus dem Grunde, weil ber sächsische Dialekt einer solchen Korrektur besonbers bedürfe. Ministerialdirektor Althofs er­klärte, dieser Anregung wohlwollend gegenüberzustehen. Doch sei zu erwägen, ob nicht für Westfalen eine gleiche Korrektur ebenso wünschenswert märe. (Heiterkeit.) Ans die Anregung, in Halle eine Professur für tech­nische Chemie zu errichten, erklärte der Regiemngs-- Vertreter, diese Frage werde Gegenstand weiterer Erwäg-, ungen sein. Auf eine Anfrage, ob ber Sekretär des Historischen Instituts in Rom, Professor Schulte, einen doppelten Gehalt beziehe, erklärte Ministerial­direktor Althoff, Professor Schulte lese im Sommer in Breslau und wirke im Winter in Rom. Sein Gesamtein­kommen sei nicht höher, als es ihm nach seinen Leistungen zustehe. Indessen schwebten schon Verhandlungen, um in Zukunft das römische Gehalt bem Professor Schulte als Remuneration zufließen zu lassen. Aus Der Zbommissivn wurde Dem Ausbru>ck gegeben, daß es ungehörig sei, daß die Regierungsvertteter bei Der Forderung von 10000 Mk. für das Archiv in Rom Die doppelte Besoldung des Pro­fessors Schulte verschwiegen haben. Ta bie Univer­sitätskliniken oielsa ch erhebliche Etats­überschreitungen aufweisen, würbe die Frage auf­geworfen, wie diesem Uebelstande zu begegnen sei. Ein Regierungsvertteter legte Dar, baß Die Ansätze auf An­schlägen beruhen, bie einerseits wegen Verteuerung ber Ver­brauchsmittel, andererseits infolge Mehrbebarfs an Des- infektions- mib Verbaubematerial überschritten worden seien. Aus der Kommission heraus wurde Darauf hinge­wiesen, daß sich viele Ersparnisse erzielen ließen, wenn Dem Direktor Der Klinik tüchtige subalterne Verwaltungs- beamte beigegeben mürben. Aus ber Mitte ber Kom­mission wurde angeregt, die S t ad t B e r li n zur Erstattung der Unkosten für ben Unterhalt der Charite heranzuziehen, ba bie Gemeinde ja ben Unterhalt eines großen Kranken­hauses erspare. Don einem Mitgliede ber Rechten wurde verlangt, daß man überhaupt Die Stadt Berlin für Die großen Vorteile, Die sie durch Errichtung staatlicher Ge­bäude in ihrem Weichbilde ohne Gegenwert erhält, zu be­sonderen Abgaben an bie Staatskasse, eventuell auf Dem Wege eines Spezialgesetzes heranziehen solle. Tie Re­gierung erklärte sich mit der Anregung, Berlin zu erhöhten Abgaben heranzuziehen, einverstanden.

Veteranen und Wehrsteuer.

Unser Berliner parlunieiiiarifujer Mitarbeiter schreibt unterm 3. März:

Der Gedanke, durch Einführung einer Wehrsteuer eint umfangreichere und durchgreifendere Veteranenfürsorge ins Werk zu setzen, ist nicht neu. Wiederholt sind in diesem Sinne bie deutschen Kriegervereine in der Stärke von li/2 Millionen gedienter Soldaten und 60000 Veteranen beim Reichstag vorstellig geworden. Auch an parlamen­tarischen Anwälten fehlt es diesem Steuerprojekt nicht; es seien nur die Abgg. Dr. Arendt (Rp.) unb Prinz Schön- aich-Carolath (wildlib.) genannt, bie auch heute wieder beim Etat für ben Reichs-Jnvalibenfonds, biefe Frage an­schnitten. Dr. Arenbt verkündete sogar, daß er eine ent­sprechende Resolution einbringen werde, von der er hoffe, daß sie ber Mehrheit des Reichstages genehm sei. Auch wenn bies &u treffen sollte, ist es sehr zweifelhaft, ob die Regierung ber Resolution Folge giebt Tie heutige Er­klärung des Staatssekretärs Frhrn. o. Thielmann lautete nicht gerade entgegenkommend. Ter Schatzsekretär er­innerte an die einstimmige Ablehnung ber Wehrsteuervor­lage burch den Reichstag im Jahre 1881: er verwies auf die finanziell wenig günstigen Erfahrungen, Die Oesterreich-Ungarn unb Fr untre ich mit biefer Steuer ge­macht haben, und meinte, daß bie Erträge auch bei uns, selbst mit 20 Millionen Mark, zu hoch geschätzt seien. Man geht wohl nicht fehl in Der Annahme, Daß bie Regierung hauptsächlich mit Rücksicht auf bie ibeale Seite ber all­gemeinen Wehrpflicht, die durch Die Wehrsteuer gewisser­maßen zu einer geldlosen Leistung im Sinne des Stell- verttetungswesene fjerabgebrüdr würde. Der Einführung dieser Steuer widerstrebt. .us diesem Grunde war s. Zt. auch der Fttdma . - oitke Gegner der Wehr­

steuer. Richtig nun . -; für bie oft ui kümmerlichen Verhältnissen . J_:e an... neue Reichsgelber flüssig gemacht werben .. ai; .benso richtig aber ist, wie Abg. Dr. Seniler sti.ic. barfegte, daß es nicht Sache des Reichstags, sotd au Der Regierung sei, einen Weg zu finben, auf bem bie- öewe.rAelligc werden kann. Ho'sentlich zählt eine entsprechende ccaage zu ben ersten gesetzgeberischen Arbeiten, mit Denen sich Der neue Reichstag zu beschäftigen haben wird. Doppelt giebt, wer schnell giebt

Polen und Zentrum.

Daß bie Pole . : an S..l nterschätzung leiden,

ist eine allbekannte Tatsache. Das G iihl Des /i jenen Wertes liegt ihnen noch von früheren G.an-.eiten her im Blute. Im parlamentarischen Leben genannt aber dadurch Der Ver-