Kcsstscher Landtag.
R. B. Darmstadt, 3. März
Am Ministettische.- Staatsminister Rothe, Finanzminister Dr. Gnauth, Ministerialrat Eisenhuth, Oberschulrat Nodnagel.
Präsident Haas eröffnet die Sitzung um IO1/1 Uhr. Das Haus fetzt die Etatsberatung beim Ministerium des Innern, Kap. 41, Volksschulen, fort.
ALg. San g (freis.) führt Beschwerde über einen Vorfall in Grebenhain, wo eine gerichtliche Obduktion im Schulsaal vorgenommen wurde. Im allgemeinen glaube er allerdings, daß wir mit unserem Schulwesen in Hessen voll zufrieden sein können.
Abg. Weidner stellt den Antrag, die vom Finanzausschuß an dem Dispositionsfonds von 1OOOO Mk., aus dem Zulagen bis zu 150 Mk. an Lehrer, Schulverwalter und Schulgehilfen in ungünstig gelegenen Schulorten bewilligt werden sollen, gestrichenen 4000 Mk. wieder einzustellen, damit die Besetzung von Schulstellen in den entfernteren Gebirgsorten nicht noch mehr erschwert werde. Der Antragsteller gibt auch der Regierung zur Erwägung, ob der Betrag von 150 Mk. nicht in besonderen Fällen noch erhöht werden könne.
Ministerialrat Eisenhuth erwidert kurz, er müsse die Entscheidung über die Höhe des Dispositionsfonds natürlich dem Hause überlassen. Der Satz von 150 Mk. als Zulage sei nur zunächst einmal angenommen worden, man müsse abwarten, ob sich das Bedürfnis nach einer Erhöhung dieses Betrages herausstelle. Die Regierung habe bezüglich der Zuschußbedürftigkeit eine Rundfrage an die Gemeinden gerichtet, und es hätten sich etwa 70 zur Bewerbung um einen solchen Zuschuß gemeldet.
Abg. Dr. David stimmt dem Antrag Weidner zu. Es müsse betont werden, daß Handwerk und Landwirtschaft nur eine ungenügende Berücksia-tigung in der Volksschule fänden. Herr Köhler habe die mangelnde naturwissenschaftliche Vorbildung für die Landwirtschaft ausdrücklich anerkannt und er freue sich, in diesem Punkte ganz mit Herrn Köhler übereinzustimmen. Redner wünscht, daß weniger Religionsunterricht in der Volksschule erteilt, überhaupt die Trennung von Kirche und Schule mehr ins Auge gefaßt werden möge. Es gebe kein besseres Friedensinstrument, als eine allgemeine paritätische Volksschule, aber gerade die Herren vom Zentrum, die seiner Partei immer den Vorwurf der Verhetzung der Bevölkerung machen, seien gegen dieselbe. Die Volksschule sollte viel mehr bestrebt sein, als jetzt, den Einzelnen mehr für seinen Beruf vorzubereiten/
Nach einigen unwesentlichen Bewertungen des Abgeordneten Langenbach erklärt Abg. Molthan, er halte die Religion für einen wesentlichen Bestandteil des Volks- schulunterrichts, und seine Partei werde entgegen dem Abg. David stets für eine Beibehaltung des Religionsunterrichts in der Volksschule eintreten. Dem Abg. Weidner könne er nicht zustimmen. Mit demselben Recht, mit dem man dem Volksschullehrer besondere Remunerationen zuführe, könnte schließlich auch der Amtsrichter oder ein anderer, in eine ungünstige Gegend versetzter Beamter eine besondere Entschädigung beanspruchen.
Ministerialrat Eisenhuth bemerkt einer Aeußerung des Vorredners gegenüber, die Umfrage über die Zuschußbedürftigkeit der einzelnen Gemeinden sei notwendig gewesen, um überhaupt eine Grundlage für die Höhe dieser Position zu erhalten.
Abg. Dr. Heiden reich unterstützt den Antrag Weidner auf Bewilligung der vollen 10000 Mk. Es ständen hier doch allgemeine volkswirtschaftliche Interessen aus dem Spiele, und da müsse der Staat die nötigen Opfer bringen. Er würde auch vor den Konsequenzen, die Abg. Molthan bezüglich der übrigen Beamten angedeutet, nicht zurückschrecken. Auch bei anderen Beamtenkategorien sei ein großes Interesse vorhanden, daß das Personal nicht zu häufig auf dem Lande wechsele, sondern sich möglichst in die spezielleren Verhältnisse hineinlebe. Hinsichtlich der Einheitsschule weise er darauf hin, daß zwischen der Volksschule aus dem Lande und der in der Stadt doch ein großer Unterschied bestehe. Die Vorschulen für die Gymnasien seien unentbehrlich.
Abg. Wolf erklärt, daß er die hessische Volksschule für ganz vorzüglich halte, er wolle aber den schon genug belasteten Lehreren nicht noch mehr auserlegen. Die Volksschule müsse dem Schüler neben der Ausbildung in den Elementar fächern auch in der Liebe zum Vaterlande und der Achtung vor dem Gesetz und der Autorität geben. Zur Weiterbildung für die späteren Berufe sei die Fortblldungs- schule da. Er würde sehr bedauern, wenn der Geistlichkeit die Schulaufsicht entzogen würde. Es sei Sache der Regierung, dafür zu sorgen, daß das Volksbildungswesen auf dem Lande eine h)eitere Förderung erfahre.
Abg. Schlenger wendet sich gegen die verschiedenen Vorschläge des Abg. Dr. David und namentlich gegen die Trennung von Schule und Kirche. Mit der Einführung von Schulärzten sei er einverstanden, wenn chnen ein ganz bestimmtes Feld für ihre Tätigkeit zugelviesen würde.
Abg. Köhler meint, man solle an dem Pfarrer bezüglich der Schulaufsicht unbedingt festhalten. Schulärzte mögen in den Städten gut sein, auf dem Lande seien sie nicht nötig. Den Religionsunterricht solle man ganz der Geistlichkeit überweisen, die denselben aber interessanter gestalten sollte. Er denke noch mit Grauen an die Art und Weise seines eigenen Religionsunterrichts zurück, über den er noch mehrere spöttelnde Bemerkungen macht.
Ministerialrat Eisenhuth wendet sich mit erhobener Stimme gegen die Ausführungen des Vorredners. Er habe auch viel Sinn für Humor, aber in einer so ernsten Sache, wie der Ertellung des Religionsunterrichts, kenne er keinen Humor, da sei es ihm bitterer Ernst. Gerade in den hessischen Volksschulen werde der Religionsunterricht streng ge- rrennt. Wenn der Vorredner meint, daß Juden, Evangelische und Katholische beim Religionsunterricht zusammensäßen, so erkläre er diese Angabe für absolut falsch. Wäre das wirklich der Fall, so wäre es ein Mißbrauch und eine Nichtachtung der gesetzlichen Bestimmungen. Die Schulaufsicht führe Die Kreisschulkommission und nicht der Pfarrer, den Schulvorstand ernenne die Regierung, und der sei durchaus nicht immer der Pfarrer. Wenn der Vorredner ausführte, die Volksschullehrer empfänden die Ertellung des Religionsunterrichts als eine große Last, so erkläre er: Die überwältigende Mehrheit der Bolksschullehrer Hessens würde es als einen ungerechten Eingriff in ihre heiligsten Erziehungsrechte betrachten, wenn man ihnen öen Religionsunterricht nehmen und ihn den Geistlichen übertragen wollte. (Zustimmung.) Dem Abg. Dr. David bemerke er, daß der Regierung Anregungen auf Verbesserung immer willkommen seien, und. sie würden stets eine sorgfältige Prüfung erfahren. Aber der Abgeordinlle unterschätze die technischen Schwierigkeiten seiner Vorschläge. So schlimm, wie derselbe meine, sei
es mit dem naturwissenfchaftlichen Unterricht durchaus nicht bestellt. Man müsse doch überlegen, was es heißt, den Kindern von 6—14 Jahren alles das zu geben, was chnen die Schule geben soll. Das Hauptmoment des Volks- schulunterrichts liege doch int Deutschen und im Rechnen. Er gebe zu, daß vielfach noch zu wenig Rücksicht auf die Bedürfnisse der Natur und des täglichen Lebens genommen werde; es werde in Zukunft noch mehr Wert darauf gelegt werden, den Utllerricht auf die praktischen Lebensanforderungen einzurichten. Aber das müsse er hier erklären : Die Regierung wird jeden Angriff auf das gegenwärtige hessische Schulgesetz unter allen Umständen energisch abwehren und mll allen Mitteln es als ihre heiligste Pflickt betrachten, das seit drei Jahrzehnten zuni Segen des Landes bestehende liberale Dolksschulgesetz aufrecht zu erhalten. Wenn der Bau, der sich seit Jahrzehnten zum Wohle des Landes so vorteilhaft bewährt hat, ins Schwanken käme, so wäre das ein Unglück für unser Land. Ter Anregung bezüglich der Schulhygiene sei sellens der Regierung bereits näher getreten worden. Es wurde die Frage erwogen, ob man in allen Kreisen Vorträge halten lassen solle. Aber der Wert dieser Vorträge sei noch nicht zu übersehen, die Urteile darüber gingen auseinander. Wenn die Schulhygiene zweckmäßig durchgeführt werden solle, so müsse dem Schularzt ein verständnisvoller Lehrer zur Seite stehen. Die Regierung habe sich daher jetzt mll einer hessischen Autorität auf diesem Gebiete, Herrn Prof. Dr. Gaffky in Gießen, tn Verbindung gesetzt und er hoffe, demnächst schon mit näheren Vorschlägen kommen zu können. Es werde sich empfehlen, einen Versuch mll hygienischen Vorträgen oder Kursen für Rektoren und Schulaufsichtsmllglieder zu machen.
Abg. Weidner (chr. soz.) rechtfertigt nochmals seinen Standpunkt und weist darauf hin, daß man sich im Fälle der Ablehnung seines Antrags mit dem früheren Beschluß in Widerspruch setzen würde. In einer ihm bekannten entlegenen Gemeinde seien in 30 Jahren 30 verschiedene Lehrer gewesen. Ten Religionsunterricht in der Schule wolle er nicht vermissen. Verschwinde derselbe aus der Schule, so werde auch Segen und Wohlstand schwinden. Die Ausführungen des Abg. Köhler über den Religionsunterricht halte auch er für unangebracht. Er have da wohl etwas gesagt, was er nicht habe sagen wollen.
Präsident Haas rügt den letzteren Ausdruck als unzulässig.
Abg. Korell (fr. Vp.) erklärt sich für den Antrag Weidner und stimmt auch dessen Ansicht über den Religionsunterricht zu.
Abg. Reinhart (nl.) fragt an, wie es mit dem im vorigen Jahr gestellten Antrag über die Anstellung der israelitischen Religionslehrer stehe.
Ministerialrat Eisenhuth erllärt, die Anfrage im Augenblick nicht beantworten zu können; der betreffende Referent fei nicht zugegen.
Abg. Dr. David i|t der Ansicht, daß im Gegensatz zu dem Regierungsvertreter die Lehrer die Befreiung von der Erteilung des Religionsunterrichts mit Freude begrüßen würden. Es läge im Interesse der Iieligwn selber, wenn die Kinder nicht schon im frühen Alter damit geplagt würden. Ueber die Stellung der Lehrer zur Frage des Religionsunterrichts tonne nur eine besondere, geheime Enquete Aufschluß geben. Die Schulhygiene würde am besten nach dem Beispiel von Sachsen-Meiningen gepflegt w erden tonnen.
Abg. Köhler verwahrt sich gegen die Art und Weise, wie vom Regierungstische aus gegen ihn vor gegangen werde. Als der Redner daraus von einer Verdrehung seiner Worte spricht, die man sich gegen chn schon früher habe zu schulden kommen lassen, wird er vom Präsidenten zur Ordnung gerufen. Auch ihm sei, so führt Redner alsdann aus, die Religion eine heilige Sache, aber er wolle, daß sie richtig gelehrt werde. Wenn er humoristisch geworden sei, so fei' das doch nicht unreligiös; Humor sei etwas göttliches, denn: „Nicht eigen ist der Humor auch dem finsteren Heuchler" — und ein solcher sei er nicht. Man solle ihm nur einen Lehrer bringen, der den Religionsunterricht gern erteile. Er bestreite entschieden die Auffassung des Ministerialrats Eisenhuth. Er sei im übrigen, wie Dr. David, ein Gegner der Vorschule und ein Freund der Einheitsschule.
Ministerialrat Eisenhuth legt Namens der Regierung nochmals gegen die Ausführungen des Vorredners Verwahrung ein. Derselbe hätte jedenfalls besser getan, wenn er seine Ausführungen unterlassen hätte. Die Regierung werde sich jederzeit das Recht Vorbehalten, die Aeußerungen der einzelnen Redner zu kritisieren oder richttg zu stellen. Er halte sich verpflichtet, als Vorstand der hessischen Schulverwaltung die Lehrer gegen den Borwurf Köhlers in Schutz zu nehmen, als empfänden die Lehrer die Erteilung des Religionsunterrichts als eine Last. Wäre dies wirklich der Fall, so würde er das nur aufrichtig bedauern tonnen.
Nach einigen weiteren Bemerkungen der Abgg. Säug, Ulrich, der für die Bewilligung der vollen 10000 Mk. eintritt, und Wolf, Weidner und Dr. H e i d e n r e i ch wird die Debatte geschlossen und die Gesamtausgabe für die Volksschulen (mit der vom Abg. Weidner beantragten Wiedereinstellung der 10000 Mark, anstatt nur 6000 Mk.) mit 2 078100 Mark bewilligt.
Darauf vertagt sich das .Haus auf heute nachmittag 4 Uhr.
Preußisches Abgeordnetenhaus.
Die Forderung für einen neuen Unterstauts- sekretä r im Ministerium der öffentlichen Arbeiten, wurde heute vom Abgeordnetenhausc entgegen dem Anträge der Budget-Kommission bewilligt. Im Laufe der Debatte beantragten die Nationalliberalen, die Regierung möge dafür sorgen, daß Lllle, die sich dem höheren Bahnfach widmen wollen und die erste Prüfung bestanden haben, auch zur Ablegung Der Dahnmeister-i Prüfung zugelassen werdey. Dieser Antrag gelangte nach längerer Debatte zur Annahme mit einem Zusatzantrage des 2lbg. Grafen Lirnburg-Sttrum. — Ein Regierungs-Ver- treter erklärte, die Kanalisierung der Lahn begegne großen Schwierigkeiten und lasse sich deshalb einstweilen nicht ausführen. Tie Regierung erkenne die Zustände an der Lahn als verbesse- run gsbedürftig an. Der Regierungspräsident in Wiesbaden sei angewiesen worden, ein Projekt auszuarbeiten, in dem auf Die Wünsche aller Lahn-Interessenten möglichst Rücksicht genommen werde. Nächste Sitzung morgen. Kleine Vorlagen und Etat der Staats-Schulden-Ver- waltung.
In einem längeren Leitartikel bemerkt die „Germania" u. a. znm Verlauf der gestrigen Sitzung des Abgeordnetenhauses. Tas Echo, welches Die Interpel
lation der National liberalen gefunden habe, sei Der offenkundige Gegensatz zum Kulturkamps und eine allseitige Kundgebung zu Gunsten des konfessionellen Friedens gewesen. Tie Interpellation sei ausgelaufen wie das bekannte Hornberger Schießen. Nach Den Versicherungen Der Regierung ho'ft das Blatt, daß Der Trierer Zwischenfall zu einer Die Katholiken befrie- Di gen Den Regelung Der Schulfrage den Anstoß gc- geben habe.
Parlamentarisches.
Berlin, 3. März. Die Budgetkommifsion Des Reichstages setzte Die Beratung Des Militäretats fort und setzte von den geforderten 665 000 Mk. für Beschaffung von Feldbahnmaterial 165 000 Mk. ab und bewilligte für den Ausbau der Landesbefestigungen anstatt Der geforderten 19 3 92 400 Mk. nur 16 Millionen. Bei Dem Titel: Ersatz- und Verstartungsbauten in Ulm infolge Aufgabe Der Stadtumwallung Des linken Donauufers beantragt Gröber eine Resolution, welche Die Ermattung ausspricht, Daß Der StadtgemeinDe Ulm, falls sie Durch Den Ankauf de§ FestungsgelänDes nachweisbaren Schaden erleiden sollte, eine Ermäßigung Des Kaufpreises gewährt roerDe. Ueber die Resolution entspann sich eine längere Debatte, deren Fott- setzung schließlich auf morgen vettagt wurde.
Wahlbcwcgnng.
Am Sonntag, 15. d. M., findet in Dar m st a d t eine Sitzung des Landesausschusses Der national! iberaIen Partei im Großherzogtum statt. Hauptgegenstand der "Tages ordnung ftnd die Reichstagswahlen. — Die Konservativen und Nationalliberalen haben sich im Wahlkreis Deutsch- Krone wieder auf die Kandidatur des Abg. Ga m p (Reichs Partei) geeinigt. — Tie Sozialdemokraten sollen beabsich tigen, im Wahlkreis München II, der bisher durch Herrn o. B o l l m a r vertreten war, einen anderen Kandidaten aufzustellen, da ihnen dieser Wahlkreis durchaus sicher sei. v. Bollmar soll jetzt für München I kandidieren, und durch feine Person yoffl man auch diesen bisher von dem wildliberalen Abg. Schwarz oertretenen Wahlkreis Der Sozialdemokratie gewinnen zu können. Die Freisinnigen und Nationalliberalen einigten sich bekanntlich auf Die Kan didatur von Professor Dr. Lotz.
Vermischtes.
* Zur Verabschiedung vom Kronprinzen hatte sich, wie aus Bonn gemeldet wird, am 27. D. Mts. auf dem Bahnhose eine stattliche Versammlung eingefunden. Der Kronprinz und Prinz Eitel Fttedrich trafen kurz nach 91/, Uhr am Bahnhof ein. Der Kronprinz trug einen dunklen Anzug mit einer hellen Rose im Knopfloch und den Stürmer des Borussenlörps. Er trat sofort zu feinen Korpsbrüdern, mit Denen er sich längere Zett unterhielt. Aus einem großen silbernen Pokal trank Dann jeDer Borusse ihm Den Abschieds- trunk zu. Der Kronprinz trank als letzter unter kräftigen Prositrufen seiner Komilitonen. SoDann trat Der Kronprin- an zwei ihm bekannte Damen heran, Die sich auf Dem Bahn» steig vor Dem DichtgeDrängten Publikum aufgestellt hatten, unD verabschiedete sich von ihnen. Das Publikum brach hierbei in brausende Hochrufe aus. Den zur Verabschiedung erschienenen Herren reichte der Kronpttnz die Hand, küßte die Frau Prinzessin Adolf zu Schaumburg-Lippe und den Prinzen Adolf zu Schaumburg-Lippe und flieg, während die Borussen das Lied „O alten Burschenherrlichkeit" anstimmten, in den inzwischen an den Schnellzug angehängten Salonwagen. Unter den Klängen des Liedes und brausenden Hurrarufen fuhr der Zug, an dessen Fenster der Kronpttnz stehen blieb, langsam aus der Bahnhofshalle hinaus. — In Berlin hielten sich die beiden Prinzen Samstag und Sonntag über auf und nahmen noch am Sonntag an der kaiserlichen Abendtafel teil. Der Kaiser und die Kaiserin begletteten sie sodann nach dem Anhalter Bahnhof, von wo die Prinzen die Orientreise antraten. Am Montag früh passietten sie auf der Reise nach dem Süden den Eentralbahnhof in München. Der preußische Gesandte und die Attaches waren zur Begrüßung auf dem Bahnhofe anwesend. Nach einem Aufenthalt von zehn Minuten wurde die Reise fottgesetzt. Am Montag nachmittag passietten Die Prinzen A l a und trafen am Abend in Mailand em. Dort wurden sie vorn deutschen Generalkonsul Frhrn. von Hersi und einigen Mitgliedern Der deutschen Kolonie empfangen. Sie machten am Dienstag vormittag eine Spazierfahrt durch Die StaDt und besuchten Die KatheDrale unD Die Kirche ,St. Maria Delle Grazia" und andere Sehenswürdigkeiten. Zum Frühstück kehtten die Prinzen ins Hotel zurück. Um Mittag reisten sie nach Bttndisi ab.
* Zur sächsischen Skandalaffäre. Vor mehreren Tagen bereits mußten wir wegen Der voraussichtlich Daraus erwachsenden Konsequenzen Die Mitteilung eines Bamberger Blattes toieDergeben, Daß ein Zahnarzt von feiner eigenen Frau intimer Beziehungen mit Der Prinzessin Luise bezichtigt wurde. Vorgestern wurDe uns telegraphiert, Daß Der amerikanische Zahnarzt o'Brian in Dresden arg kompromittiert fei. Heute nun meldet das offiziöse D. T.-B. aus Dresden wörtlich: „Der Zahnarzt Levis Atwell o'Brian verläßt demnächst Dresden, um sich nach Amerika zu wenden. Tie Abreise wird mit Der Affäre Der früheren Kronprinzessin Luise in Verbindung gebracht. Eine polizeiliche Ausweisung erfolgte nicht." — Von anderer Seite erfährt man: O'Brian war Kompagnon des Hofzahnarztes Hoftats Dr. Jenkins. Er lebte 12 Jahre in Dresden, behandelte Die Mitglieder des sächsischen Königshauses' und war auch der Zahnarzt Der Kronprinzessin, die sich oft unD lebhaft mit ihm unterhielt. Den äußeren Anlaß zu Den Unterhaltungen boten Die musikalischen Talente Des Arztes, Der ein vorzüglicher Oboespieler ist unD sich wiederholt in öffentlichen Konzerten proouzierte. Tr. O'Brian hatte in Den besten .Kreisen Der Dresdener Gesellschaft eine ausgebreitete Praxis. — Die Meldung italienischer und englischer Blätter, paß der Kronprinz von Sachsen seine Schwägerin Erzherzogin Margarethe Maria heiraten werde, wird von unter* richleier Seite als unbegründet bezeichnet.
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Originaldrahtmcldttngctt des Gießener Anzeigers.
Berlin, 4. März. Im Befinden des Wirkt. Geh. Rats von Leoetzow ist eine Besierung eingetreten.
Dortmund, 4. März. Aus dem Kreise Hörde wird gemeldet, daß die fünf Kinder einer Bergmannsfamilie an Genickstarre erkrankten. Zwei Kinder sind gestorben, die drei anderen liegen hoffnungslos danieder.
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In der' Inspektion ir meldet, die nunmehr üb von ihnen, d wenn sie au eintreten, d stellung Flw ihrem Germs geblieben un gehalten bis dabei auf n schichte der ■ Wahlsvruch b und den ,4 Vereideten, ei Tapferkeit.
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