Ausgabe 
3.12.1903 Erstes Blatt
 
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empörender Vorgänge, die sichbei der setzten Land­laaswahl in der Kirche zu Bernau nbipieltcn, von den Kirchcnbchörden eine eingehende Untersuchung ein* geleitet wurde. Der Gemeindekirchcnrat zu Bernau ha- beschlossen, die Kirche infolge der Vorkommnisse bei der letzten Landtagswahl zu Wahlzwecken nicht mehr herzu geben.

Ausland.

Wien, 2. Dez. Die ,Polit. Korresp.^ meldet aus Rom, die französische Regierung sei benachrichtigt worden, daß der Papst gegenüber den Besuchern fremder Staats­oberhäupter die gleiche Haltung beobachten werde wie Leo XIII. Daher sei ein Empfang des Präsidenten Loubet im Va tikan ausgeschlossen.

Swakopmund, 1. Dez. Nach der Erstürmung Sandfonteins durch den deutschen Hauptmann Koppp zogen sich die Bondelzwarts auf die aus britischem Gebiete gelegenen Inseln des Oranjestusses zurück. Der Kampf hatte am 20. und 21. November stattgefunden und war heftig. Die Hottentotten erlitten dabei schwere Verluste.

Budapest, 2. Dez. Abgeordnetenhaus. Nach­dem von der Obstruktion verschiedene formale Amendements zum Protokoll beantragt waren, führte Ministerpräsident Graf Tisza aus: Die Obstruktion erweist durch solche frivole Ainendements denjenigen einen großen Dienst, die prophezeien, daß Ungarn das Schicksal Polens erleiden werde, falls auf diesem Wege fortgefahren werde. Wir wollen die Herren, die auf diese Weise ihre patriotische 9)liffion zu er­füllen meinen, nicht hindern. Aber wir werden seinerzeit schon Waffen gegen dieses Treiben finden. (Lebhafter Beifall rechts.)

Petersburg, 2. Dez. Aus diplomatischen Kreisen wird mitgeteilt, daß in denselben eine gedrückte Stimm­ung herrsche angeblich infolge des Ergebnisses verschiedener Auskünfte, die über die wahre innere Lage Rußlands eingeholt worden sind. Das Ergebnis dieser Auskünfte ist die Feststellung einer öffentlichen Gährung, sodaß der Winter nicht ohne traurige Ueberraschungen ver­gehen dürfte. Die Zuverlässigkeit der Auskünfte lasse sich schon daraus schließen, daß verschiedene Gesaiidte in Peters­burg dieselben zum Gegenstand offtzieller Berichte an ihre Regierungen gemacht haben.

9tew-Port, 2. Dez. Ein Telegramm aus Panama meldet: Ter Isthmuskanal-Vertrag wurde heute vor­mittag unterzeichnet. Präsident Roosevelt erwartet, daß der Islhmuskanal-Vertrag, der von Panama ohne Abänderung genehmigt ist, binnen 14 Tagen zur Ratifizierung nach Washington zurückgelangt sein wird. Er wird, wie cs zur Zell den Anschein hat, sofort dem Senat vorgelegt werden.

Washington, 2. Dez. Der neue britische Botschafter Mortimer Durand wurde heute dem Präsidenten Roosevelt vorgestellt. Er erklärte, er habe von König Eduard die Weisung erhalten, dem Präsidenten die ernsten Wünsche des Königs zu versichern, daß die freundschaftlichen Be­ziehungen, die zwischen beiden Staaten befänden, aufrecht erhalten und befestigt werden möchten. Er habe Auftrag er­halten, dieses Ziel ständig im Auge zu behalten.

Aus Stadt und KanS.

Gießen, 3. Dezember 1903.

- Personalien. S. K. H. der Großherzog haben /em Hoskanzleisekretär Adolf Feeling den Charakter als Hofsekretär und dem Hofmarschallamts - Assistenten Heinrich Meinhardt den Charakter als Hoskanzleisekretär verliehen, sowie den Schloßbeschließer Philipp Huth zum Schloß- verwalter des Jagdschlosses Kranichstein ernannt. Dem Pfarrer Heinrich Koller zu Herchenhain wurde die evange­lische Pfarrstelle zu Kelsterbach, Dekanat Groß-Gerau über­tragen und der von Sämmtlichen Riedesel Freiherrn zu Eisen­bach auf die evangelische Pfarrstelle zu Brauerschivend, Deka­

nat Alsfeld, präsentierten Pfarrverwalter Heinrich Schlösser für diese Stelle bestätigt.

* Kreisausschuß. Seither sind dem Kreisaus- fchuß vielfach Gesuche um Dispensationen von den Vorschriften der allgemeinen Bauordnung und Lokalpolizeiordnung einge­reicht worden, nachdem das betreffende Bauwesen bereits vollendet war. Wir haben in Erfahrung gebracht, daß der Kreisausschuß beschlossen hat, künftig derartige Gesuche abzu- wei]en und nach vorheriger Prüfung der Sachlage nur Dis­pensationen von den Bauvorschriften für diejenigen Gesuche ve. zu erteilen, bezüglich derer der Bau noch nicht be­gonnen ist.

* * Folgenden Aufruf an alle Hessen veröffent­licht die /Worms. Ztg.", von Frhrn. Heyl zu Herrnsheim, Kreisrat Dr. Kayser und Oberbürgermeiiter Köhler, sowie sämtlichen Bürgermeistern des Kreises unterzeichnet:

Jii den Tagen jähen Unglücks, das Miseren geliebten G r o ß- .) erzog nach emer Zeil frohen Zujammeujems mit seinen An­gehörigen so plötzlich mid so schmerzlich betrosten hat, ist au,richtigue Teilnahnie und Stilgefühl m allen Teilen unserer Bevölkerung ziiin herzlichfien Ausdruck getommeii. Wohl in jedem lebt der uuuge Wunsch, dem twndesherrn das tiefe Ueiö miuragen zu Hellen, ihm aber auch durch die Tat zu beroeijen, daß der schmerzliche Verlust die Bande zwischen Füru nnb Volk nur noch inniger geknüpft hat. Aus bieiem Empfinden heraus ist der Gedanke empaiiden, der wohl überall im Hesjenlande freudigen Anklang finöen wird, dem Großherzog a m 1. Januar, an dem nach seinem Wun,ch seiii Geburtstag gefeiert werden soll, aus dem gejaulten Volke heraus eine Freude z u bereiten. Wir Alle wissen, daß jein hoher Sinn gerichtet i|l auf die Hebung und Ver­edelung der Kunst und des damit veibunbcnen Handwerks m un­serem Lande, wir Alle wissen, wie er unabläfjig bemüht ist, auf bieiem Wege auch Gewerbe und Jiidustrie zu sördern und neuzu- beleben, wie es sein Wille ist, bau auch durch Herstellung muster- giltiger Wohnungen für MindervemUleUe vorwärts geschritten werde. Wir Alle seheii, welche schönen Erfolge auch bereiiS ge­zeitigt sind zur Wohlfahrt uni) zum Ruhm unseres HefsentaiideS und seiner Bewohner. -lliesen Hoheit Benrebungen und Jiileressen wird unter trauernder Landesherr nach dem smweren Schicksals­schlag sich mit erneuter Krall zuwenden, in ihnen wird er Be­friedigung suchen, mid sie werben ihn wieder amrichten unO zum Leben zurückführen, nachdem ihm der Tod das ltieb|le geraubt. Hierin emer Förderung durch sein Volk teilljaitig zu werden, müßte chin die reinfie Freude jein. Es soll daher durch Spenden aus allen Tellen unjeres Landes und aus allen Berustkreiien ein Fonds geichasjen werden, der dem Grogherzog am 1. <januar zur Foroermig der gedachten Zwecke zur Verfügung gejitUi wird. Auch Oie kleinften Gaben sind roiUlommen.

Mit der Sammlung werden dem Großherzog die Listen mit den Namen sämtlicher Spender durch die vereinigten Sammelstellen zur Kenntnisnahme überreicht werden. Wir sind überzeugt, daß ein solches Zeichen verständnisvoller und mitfühlender Liebe und Treue unseren tiefgebeugten Landes­herrn erfreuen und mithelfen würde, sein gebrochenes Herz zu heilen. Die Stiftung zum Gedächtnis an die ver­storbene Prinzessin Elisabeth ist in der Weise geplant,^ daß die Kreisräte der 18 Kreise unseres Landes sich an die Spitze von Kreiskomitees stellen und in den Gemeinden der be­treffenden Kreise Sammlungen betreiben. Die Gelder sollen bis zum 1. Januar an die Landeskreditkasse abgeführt sein. Betrag und Listen, letztere in einer von Professor Olbrich gefertigten Truhe, sollen von den sämtlichen Kreiskomitees in einer Audienz dem Großherzog überreicht werden. Sammel­listen und Aufruf gingen bereits am Montag an die Kreis­räte für jeden Ort ab.

** Reichstagsabg. Heyligen sta edt wohnt z. Zt. in Berlin in der Prinz Albrechtstraße, nicht Albrechtslraße. Es existieren beide Straßen in Berlin.

** Diebstäh 1 e. Aus dem Lager einer hiesigen Groß­handlung verschwand gestern morgen ein Sack gebrannter Kaffee. Da angenommen werden mußte, der Dieb besinde sich unter dem Personal, wurde die Hofraite abgesucht und der Sack Kaffee auf dem Boden des Pferdestalles unter Stroh versteckt gefunden. Zugleich fanden sich dort noch ein weiterer Lack Kaffee, sowie ein Hut Zucker und ein Säckchen Nüsse. Die Ermittelungen ergaben dann, daß zwei Knechte schon längere Zeit gemeinsam Waren aus dem Geschäft stahlen. In ihren Wohnungen sanden sich größere Mengen Waren vor. Die beiden Knechte wurden in Untersuchungshaft ge­nommen.

)( Grünberg, 2. Dez. In der heutigen Gemeinde­ratssitzung wurde der Neubau eines Schulsaales be- jchlossen, da infolge der stetigen Zunahme der Schüler in der höheren Bürgerschule die Räume nicht mehr aus­reichen. dtach Darlegung der Verhältnisse durch, Rektor Dernius wurde einem einstöckigen Bau für 65 b.s 70 Schüler zugestimmt. Die Kosten sind auf 9000 Mk. veranschlagt. Tie notwendige Ersetzung des alten Hydrantenwagens durch einen neuen wurde aneitannt, jedoch soll durch Besichtigung des vorhandenen festgestellt werden, ob jetzt schon hinjlcht- lich der hohen Belastung des Voranschlages eine Neuan- jchafsuug erforderlich ist. Eine in städtischem Besitze be­findliche defekte Fahne aus dem 18. Jahrhundert will der Oberhe,fische Gefchichtsverein wieder Herstellen und im Museum aushängen, jedocü müßte die Stadt bei Rückfor­derung die Kosten ersetzen. Der Gemeinderat beschloß, die Fahne nicht herzugeben und sorgfältig auszubewahren. Das Gehalt des Kirchendieners wurde durch Ein,uhrung der Kircyenheizung um 100 Mk. erhöht. Dem Ankauf eines Vogelsberger Bullen wurde die Genehmigung erteilt. Zum Schluß fanden verschiedene Anträge, wonach bei nicht erfolgter Räumung der städtischen Plätze von Holz, landwirtschaftlichen Geräten rc. gerichtliche Klage eintritt, ihre Zustimmung; desgleick>en die Herstellung einer neuen Einzäunung aus dem Jriedhos.

§ Flensungen, 2. Dez. Ein dreijähriges Kind ver­suchte Brot zu schneiden. Hierbei glitt ihm das Messer aus und geriet ins Auge. Das Kind wurde noch am Abend in die Klinik nach Gießen verbracht. Dort mußte ihm das schwer verletzte Auge herausgenommen werden.

§§ Aus dem Vogelsberg, 3. Dez. In einem Dorfe unseres Gebirges huldigte der Ehemann zuweilen dem Trünke, nicht dem des Bachus und auch nicht dem Gambrinus, son- dern wie man hier zu sagen pflegt demKorzen". Darob erzürnte denn allemal die biedere beffere Ehehälfte und machte, wie Busch singt, nicht seltenmit einem Besen groß und lang dem Ehemanne angst und bang". Bei einer solchen Gelegenheit erhob sich kürzlich im Hause ein nicht geringer Tumult, der die Nachbarn auf die Beine brachte. Als sie bei der resoluten Nachbarin erschienen, gewahrten sie den Mann unter dem Tische sitzen, davor seine bessere Hälfte mit einem Lesen. Drohend ruft sie dem unter dem Tisch Kauern­den zu:Gihst D' herraus!"Häi bleib ich", schallt es ihr entgegen,ich will doach seh', wer Herr vom Haus easl"

li. 11. D a r m st a d t, 2. Dez. Der Finanzausschuß der zweiten Kammer hielt heute vormittag eine Sitzung ab, in welcher eine allgemeine Vorbesprechung über den neuen Staatshaushalt fiattfanb. Tie dann zu Tage tretende bessereGestaltungdergesamtenFinanzlage macht auch bei den Ausschußmitgliedern einen durchaus günstigen Eindruck. Der Ausschuß wird zwecks Vorberatung des Etats jetzt täglich Sitzung abhalten. Großfürstin Sergius wird am nächsten Samstag den Großh. Hof wieder verlassen und nach Rußland zurückkehren. Heute ist der russische General Stepanoff hier eingetroffen, der die Groß­fürstin nach Rußland geleiten wird. Ter Großherzog erteilte heute vormittag im Residenzschloß eine Anzahl Audienzen.

Maiyz, 2. Dez. Das hiesige naturhistorische Musenm erhielt auf die Fürsprache unseres Großherzogs vom Kaiser von Rußland einen ausgestopften Wisent nebst dem Skelett zum Geschenk. Tas Großh. Kreisamt Mainz hat den Beschluß der Stadtverordneten-Versammlung, daß das Offenhalten der Ladengeschäfte von 10'/, bis 1 Uhr nachmittags an Sonntagen gestattet werden soll, nicht gutgeheißen. Der Vorstand des Vereins Mainzer Kaufleute hat daraufhin eine Beschwerde an die Bürgermeisterei gerichtet nut dem Ersuchen, den Stadtverordnetenbeschluß auf­recht zu erhallen, da die hiesigen Geschäftsleute ohnedies durch die Konkurrenz der benachbarten preußischen und auch hessischen Städte geschädigt seien.

Kleine M i c l e t l u n g e n aus Hessen und den N a d) b a r ft a a 11 e n. Das Verfahren in dem 1901 in Hanau verhandelten Ltordprozeß gegen den Bauernburschen Johann Gläser von Herolz, der damals zum Tode verurteilt und zu Anfang April 19ü2 in Hanau hingerichtet wurde, ist wieder ausgenommen worden. Der Mittäterschaft war auch der Vater des Hingerichteten angeklagt, doch wurde dieser frei- gesprochen. Auf Grund von Itotizen seines toten Sohnes, die unter den Dielen von dessen Gefängniszelle versteckt auf­gefunden worden sein sollen, ist nun erneut das Verfahren gegen den alten Glcher eingeleitet worden. TaS Ergebnis per siattgehablen Vernehmungen war bis jetzt nicht derart, daß die Verhafiung GläierS verfügt roerb.tn konnte. An dem Rhemufern bei Mainz wurde ein Hiit und ein Stock

aufgefunden, bei welchen ein mit zitternder Hand geschriebener Zettel lag, nach welchem sich der Eigentümer der Gegenstände durch einen Sprung in den Rhein das Leben genommen habe. In dem Selbstmörder vermutet man einen nahezu 70 jährigen Mann. Von dem oberen Rhein wird noch fortwährendes Steigen gemeldet, die Wiesen bei Gauls- Heim sind schon überschwemmt. Auch die 9t a h e ist enorm angeschwollen, hat verschiedentlich die Ufer überfliegen und große Flächen Landes unter Wasser gesetzt.

Vermischtes.

Köln, 2. Dez. In einem hiesigen erstklassigen Hotel wurde heute nachmittag ein Mord und Selb st mord ver­übt. Ein feingekleideter Herr aus Paris, der seit gestern mit einer Berliner Dame dort logiert und mittags noch mit seiner Begleiterin gespeist hatte, erschlug mit einem Hammer die Dame und entleibte sich alsdann durch einen Schuß in den Kopf. Die Beweggründe sind unbekannt. Aus den vorgefundenen Briefschaften ging hervor, daß der Mörder aus Pans hierhergekommen war. Seine Familie wurde durch die Kriminalpolizei von dem Verbrechen verständigt. Die Identität der Berliner Begleiterin ist noch nicht festgestellt.

* Duisburg, 2. Dez. Th eaterdirektor Stein- furt, der seinerzeit größere K autionsschwindeleie n bei der Gründung eines Theaterensembles verübte, ist in Hanau ergriffen worden.

* Berlin, 3. Dez. Bei einer Probe im Zirkus Busch, bei der eine D a m e den dort ausgeführten Todes- s p r u n g auf dem Zweirad nachmachen wollte, ver­unglückte sie und erlitt mehrfach Verletzungen.

Kiel, 2. Dez. DieGauß"erlitt auf der Fahrt nach Geestemünde eine Maschinenhavarie und mußte Anker werfen.

* Breslau, 2. Dez. Aus Zabrze (Oberschles.) wird berichtet, daß auf der Gottessegen - Grube zwei Häuer von herabstürzenden Kohlenmassen verschüttet wurden. Der eine ist getötet, der andere schwer verletzt.

* Dresden, 2. Dez. Eine furchtbare Bluttat bat, wie schon kurz gemeldet, die Bewohnerschaft des V'llenvororts Plauen in Angst und Schrecken versetzt. Tie in der VillaCamilla" wohnhafte Kaufmanns­witwe Tannenberg ist meuchlings ermordet worden. Verschiedene Wahrnehmungen lassen darauf chlietzen, daß der Mordgeselle nach verübter Tat in der Wohnung nach Geld Umschau gehalten hat, bei dem Suchen aber gestört worden ist. - Es liegt also zweifellos ein Raubmord vor. Als gegen 9 Uhr die Tochter ahnungslos heimkehrte, fand sie die Mutter hinter der Korridortür mit schweren Kopfwunden tot vor. Dr. Lunge stellte fest, daß Die 66jährige Dame wahrscheinlich mit einer Rüstklammer erschlagen worden und sofort tot gewesen ist. Eine Stunde nach der Mordtat umzingelten 12 Kriminalbeamte -das Grundstück und suchten den Garten nach hinterlassenen Spuren ab. Im Schnee fanden sie wahrscheinlich von dem jlüchtigen Mörder herrührende Fußsiapfen vor, in welchen genau die abgedrückten Stieselzweaen zu erkennen waren. Diese Wahrnehmung führte zunächst zu der Verhaftung eines im Souterrain wohnhaften jungen Menschen, dessen Stiefel­sohlen mit Zwecken versehen waren. Er wurde aber, als er fein Alibi Nachweisen konnte, wieder auf freien Fuß gesetzt. Ter Verdacht lastet nun auf dem einen Sohn der Ermordeten, der in Berlin einen lüderlichen Lebenswandel führt und vor dem die eigene Mutter wieder­holt Furcht zu erkennen gegeben hat. Wahrscheinlich ist es ihm bekannt geworden, daß feine Mutter kürzlich 2200 Mk. in der Lotterie gewonnen hat, zumal diese in ihrer Freude jedermann Mitteilung davon gemacht hat. Tie sofort nach dem Sol>ne angestellten Ermittelungen haben noch zu feinem Resultat geführt. Amtlich wird hierzu noch ge­meldet: Tie Tat ist durch. Schläge mit einem oierfantigen Jri,crumeiit, vermuilich einer Rüstkammer, einem Schie.er- deckerhammer oder dergleichen, ausgeführt worden. An­scheinend mit dem gleichen Werkzeug hat der Täter einen im Wohnzimmer stehenden Schrechseiretär an verschiedenen Stellen augehackt und zu öffnen verbucht. Tie im Besitze der Berstorveneen gerne jenen Wertpapiere und ein Spar- lajjenbuch hat er nicht gefunden, dagegen sind ihm mehrere in einem Kästchen ausbewahrte Schmucksiüae: eine goldene Brosche in tzujeisenform, eine Mojail'brosche, ein goldener Ohrring mit Wach sperre, ein paar g-wdene Ohrringe, rund, Platte mit ein gravierten: Stern, ein goldener Tamenring mit einem eingelegten Rubin, in die Hände gefallen, viel­leicht auch einiges Kleingeld. Tie Tat ist vermutlich in Den Nachmittag:-guriden zwischen 3 und ö Uhr begangen mürben, während welcher Zeit die Eruiordete allein in der Wohnung gewesen ist.

* Dresden, 2. Dez. Prinzessin Schönburg- Waldenburg reift Freitag nach Italien zurück, da der zweite Termin im Ehescheidungsprozeß nach Weih­nachten stattfindet.

* Mannheim, 2. Dez. In Hockenheim ist heute vor­mittag die Zigarrrensabrik von Alfred Le vyso hn zuin größten Teil niedergebrannt. Von den bedeutenden Vorräten konnte nur wenig gerettet werden.

* London, 2. Dez. Das richterliche Tribunal des Oberhauses unter dem Vorsitze des Lordkanzlers entschied gegen die Zulassung vonDamen zurJuskiz- t a r r i e r e in England.

Montreal, 2. Dez. Tie katholische Universität in Ottawa wurde heute durch ein Feuer total zer­stört. Eine Anzahl Priester und Studenten wurden teilweise schwer verletzt. Der Verlust beträgt eine halbe Million. Das Gebäude war mit 125 000 Dollars versichert.

* Bergamo, 2. Dez. Gestern abend zerstörte ein Schadenfeuer die Gebäude der V e r l a g § a n ft a 11 für graphische Künste. 5 00000 Bücher ver­brannten. Der Schaden beläuft sich auf zwei Millionen Lire.

* Wien, 2. Dez. Der von mehreren Gerichten steck­brieflich verfolgte Kaufmann Heinrich Knson aus Borsigwerk ist hier verhaftet worden.

* 3 n Stier uiewiee hat, derStsatSb.-Ztg." zu- foltze, schon seit dem Frühjahr bei den Truppen der ThphuS geherrsiht. Iu unverantwortlicher Weise hat man das ver,ihwlegen. Leckrer hat sich inzwischen bei Der Kaiserin oos Ohrenleiden, eine Folge for­cierten Aut-o mv bil) po rts, dcrorr verjchlcMiuert, duß ,ie genötigt war, in Stieruiewice zu bleiben, und darum ulieb auuj der Mi,er einstweilen fort. Arckürlich sind al.e B^r^iMsma^iegetu geLr^fjen, um die Lyphusgesahr für oas Kicherpäa-r va St.srniewice zu beseitigen. TS hat sofort eine strenge Untersuchung st«L.ge,unbrn, um bU^cuigen J&e-