Ausgabe 
3.7.1903 Erstes Blatt
 
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Kaujmänllischer Aervaudstag in glürnßerg.

ftern berechtigen.

d) Die von der Handelskammer befürwortete Ermäßig­ung der Staatsbahn-Abfertigungs-Ge- bühren im Uebergangsverkehr mit der Biebertalbahn ist genehmigt worden, sodaß vom 1. Juli d. I. ab die Frachtsätze der Staatsbahnstationen Abendstern und Gießen für Steine, Erze, Kohlen, Düngemittel, Wegebausrofse, Holz und einige andere Güter um 2 Pfg. für 100 Kilogramm gekürzt werden.

e) Ser Jahresbericht der Handelskammer für 1902 ist gedruckt und zum Teil versandt worden.

2. In einer Eingabe an die Kammer wurde auf den Mangel einer telephonischen Verbindung zwischen Grebenhain, Bermuthshain und Lichen- roth hingewiesen und die Einrichtung einer Fernsprech­verbindung zwischen diesen Orten angeregt. Die Kammer beschloß dieser Anregung Folge zu geben und bei der Ober-! Postdirektion in Darmstadt die telephonische Verbindung jener Ortschaften zu befürworten.

3. Auf eine Umfrage ist der Handelskammer eine Reihe von Wünschen bezüglich der Ausdehnung des F e r n s p r e ch- bereiches von Gießen und Alsfeld übermittelt worden. Da im Interesse von Handel und Industrie die Ausdehnung des Sprechbereichs beider Städte dringend erforderlich und eine hinreichende Benutzung zu erwarten ist so wird die Kammer auf Grund des eingcgangenen Materials bei der Postverwaltung ihre Erweiterung be-

7. Verträge, die die Wirksamkeit der kaufmännischen Schiedsgerichte umgehen oder aufheben wollen, smo als unzulässig zu erklären.

Zu Punkt 2 der Tagesordnung,Er Mittelung der Arbeitszeiten in bcu Kontoren d es Groß­handel s" sprach Hr. C. Fischer-Offenbach. Die von ihin beantragte nachstehende Resolution sand emstunmig

die hessische Gewerbesteueracsetzgebung nach der Richtuna hin abgeändert werde, daß^ie großen Betriebe entsprechend ihrer größeren Le ist uugssahigkeit stark progressiv nach oben bestenert luerbeit, um die kleineren Betriebe zu entlasten.!

a) Sedd" ÜX>"0bie Tätigleit der Zentralstelle für Ar- beitenvohlfahrtseinrichtungen bis zuni Schluß ihres 12.1 Geschäftsjahres. ,

b) Zur Geschichte und Entwicklung des Kohlenhandels, Denkschrift, herausgeaeben voll O. Polster.

C) Mitteilungen des Mitte!rheinisch,en Zwergverbandes deutscher Müller, Mai 1903.

b) 42. Bericht des Vereins Merkur, Kaufmännischer Verein

' in Nümrberg. _ ..

e) Mitteilungen des Berg und Küttenmanmschen Ver­eins zu Wetzlar.

f) Von zuverlässiger Seite sind der Kammer Mitteilungen über folgende Gegenstände zugegangen: Bedarf an Stahlschienen in Ecumoa, Winke sür den Export nach Padang (Sumatra), Auswahl und Packung von Waren nach Eoncepcion (Chile), Mexikanische E^porlkommissw- nen, Bestrafung von Zollvergehen in Australien, Warn­ung vor Kreditgewährung an Firmen in Transvaal,

The Manufakturers Commereial Coßip." Newyork, Amerikanischer Zündhölzertrust, Zweifelhafte Firmen in St. Petersburg, Bioslau, Budapest, Lille, London, North

antragen. , ,

4 Bon mehreren Eisenwarenhandlern m Gießen wurde darüber geklagt, daß aus der Station Gießen beim U m l a d e n u n d Ä u s l a d e n injolge Unvorsichtigkeit des Personals in unverhältnismäßig zahlreichen Fällen Guß- wareu beschädigt werden. Es wurde beschlossen, die Eisenbahnverwaltung aus diesen Mißstand aufmerksam zu machen.Handelskammer befragten Detaillisten haben' sich fast sämtlich für eine Sonderbesteuer- una der Warenhäuser ausgesprochen, um dre Er-! richwng solcher Geschäfte im Großherzogkum zu er­schweren Die Mehrzahl der Kammermitglieder hielt je­doch, abgesehen von sonstigen Bedenken, die Einführung einer Warenhaussteuer in Hessen nicht für em geeignetes Mettel, um Die Konkurrenz dieser Geschäfte gegenüber den kleineren und mittleren Detailgeschäfteii zu be- schräui i' 2u .bei. Lämmer wirb sich daher in ihrem (Sitaci LCTt an L . .:!Regierung gegen eine Sonder- beäea tu: l, ujer aussprechen, reooch der Re-

aierung zugleich von den n^chen der a.etaillisten Kennt­nis oeben. Reimer wird die Kammer beantragen, daß

Die Haupt Versammlung des Deutschen Verbandes Kaufmännischer Vereine nimmt unter dein Ausdruck ihres Dankes an die Reichsregierung davon Kenntnis, daß |ie durch das Kaiserliche Statistische Amt im Anschluß an Die Erhebungen vom September und Oktober 1901 eine schrist­liche Umfrage bei den Handelskammern und freien Ver­einigungen der deutschen Kaufmannschaft über die Arbeits- Verhältnisse in den Kontoren des Großhandels angeordnet hat. Die Versammlung begrüßt es insbesondere, daß der Deutsche Verband Kaufmännischer Vereine ui dieser Um­frage euibezogen, und es dadurch den Verbandsvereinen ermöglicht ist, ihre die Regelung der oben genannten Arbeitsverhältnisse betreffenden Wünsche zur Kenntnis der Reichsregierung zu bringen." . .

Im Hinblick auf den aufgestellten Fragebogen be­schließt die Haupt-Versammlung: e

Der Deutsche Verband Kaufmännischer Vereine kann in der Ausdehnung des 8 139 der G. O. auf sämtliche kaufm. Betriebe eine Schädigung dieser Betriebe auch dann nicht erblicken, wenn die Mmimalruhezeit auf 12 Stunden und die Mittagspause auf 2 Stunden ausgedehnt wird. Wo die Arbeitszeit mehr als. 9 Stunden beträgt, muß sie durch die gesetzliche Ruhepause unterbrochen werden. Diese Bestimmuiigen werden nach der Ansicht des Ver­bandes dem Einreißen allzulanger Arbeitszeiten, wie solche in der ersten Erhebung festgestellt sind, vorbeugen.

Für dringend nötig hält oer Verband, daß die Arbeits­zeit der kaufmännischen Lehrlinge und jugendlichen Per­sonen unter 18 Jahren eine gesetzliche Begrenzung erfahrt, damit deren körperlicher un geistiger Entwickelung ge­nügend Rechnung getragen wird.

Der Verband wiederholt seine Bitte, vor dem Erlaß gesetzlicher Bestimmungen Auskunstspersonen mündlich zu hören und ihn bei dieser Erhebung zu berücksichtigen. I Nach einer Frühstückspause um 12 Uhr folgte dann zu Punkt 3 der Tagesordnung,Praktische Ausbild­ung der Lehrlinge im Handelsgewerbe", ein Vortrag des Herrn Pf itz n er-Apo ld a. Redner stellte folgende Grundsätze aus, die allgemeine Zustimmung fanden.

Die gegenwärtig übliche Ausbildung der Lehrlinge im Handelsgeiverbe kann als eine ausreichende und für das spätere Fortkommen der jungen Leute die genügende Grund­lage schaffende in den meisten Fällen niajt angesehen wer­den. Vor allem ist der Lehrling nicht lediglich als eine billige Arbeitskraft zu bettachten, sondern als der heranzu- bildende Nachwuchs des Standes. Um ungeeignete junge Leute vom Kaufmannsstande möglichst fernzuhalten, muß auf ausreichende Schulbildung gesehen werden und es darf auch die Lehrzeit nicht allzu sehr abgekürzt werden. Dem Lehrling ist fooann während der Lehrzeit neben der Gelegen­heit zur FachiOUsbilLung auch genügend freie Zeit und Ge­legenheit zu weiterer Allgemeinbildung zu gewähren. Der Deutsche Verband kaufmännischer Vereine erachtet es hier­nach als eine besonders wichtige Aufgabe des Staates, der Gemeinden und insbesondere auch der Handelskammern, an allen Plätzen, wo eine größere Anzahl kaufmännischer Lehrlinge beschäftigt werden, für die Errichtung kaufm. Fachschulen und für die Einführung des allgemeinen §ort- bildungsschulzwanges Sorge zu tragen. , . ..

Zu Punkt 4 der Tagesordnung,Jnvalidrtats- und Altersfürsorge für kaufm. Angestellte", stellte der Berichterstatter, Herr A. Helms-Nürnberg, nachsteheiiden Antrag, der angenommen wurde:

Der Deutsche Verband Kaufmännischer Vereine betont wiederholt die Notwendigkeit der Errichtung einer allge­meinen Pensionskasse mit Alters-, Invaliden-, Wllwen- und Waisenversorgung für die Angehörigen des deutschen Kaufmannsstandes, da für diesen Zweck weder die staatliche Jnvaliden-Versicherung, noch die privaten und Vereins- Penjionskassen genügen. Den raschesten und leichtesten Weg zur Erreichung dieses Zieles erblickt der Deutsche Verband , Kaufmännischer Vereine in der Errichtung einer Berufs- ' genossenschaft des deutschen Kaufmannsitandes, ähnlich der '. See-Berufsgenosfenschiaft. , ,

Dann folgte als Punkt öUrlaubsverhaltnisje d e r k a u f m. A n g e st e l l t e n" (Berichterstatter Herr H e r- tel-Nürnb er.g) die Resolutton:

Ein Sommerurlaub ist für die Erhaltung eines arbeits­kräftigen Gehilfcnstandes eine unbedingte Notwendigkeit. Der stutzen einer solchen Einrichtting wird nicht nur den Gehilfen, sondern dem gefamten deutschen Kaufmanns­stande zu gute kommen. Die heutige Versammlung des Deutschen Verbandes kaufmännischer Vereine stellt an alle Prinzipale, welche in ihrem Geschäfte einen regelmäßigen Urlaub noch nicht eingeführt haben, das dringende Ersuchen, dies zu tim, um ihren Angestellten alljährlich die so not­wendige Erholung zu gewähren.

Punkt 6 der Tagesordnung,Stellen vermittel» u n g s b u n d, s o w i e B e s ch a f f u n g st at i st i s ch e ü M a- terialS für das kaiserliche statistische Amt", besprach Direktor Trauner-Frankfurt. Die bezügl. Verhandlungen führten zu folgendem zum Beschluß er­

hobenen Antrag:

In Anbetracht, daß es die wichtigste Aufgabe eines jeden kaufmünnischeii Vereins ist, seinen itellesuchenden Mit­gliedern jede Gelegenheit zum Erhalt einer Stellung und die weitgehendste Mtthilfe hierfür zu bieten, spricht der Verband den Wunsch und die Erwartung aus, daß 1. seine Bundesvereine mit bedeutender Stellungsvermittelung sich aktiv dem Stellenvermittelungsbnnd anschließen; 2. die übrigen Vereine bei demselben die passive Mitgliedschaft erwerben. Der Verband erblickt ferner in der richtigen Aus­gestaltung des Stellenvermittelungsbnndes ein Mittel zur Beschaffung wertvollen statistischen Materials für die Be­urteilung der Verhältnisse des Arbeitsmarktes im Handels­gewerbe.

Zum letzten Punkt der TagesordnungBund der Kaufleute" fand folgender Antrag des Berichterstatters, Herrn Voigt-Berlin, Annahme:

Der Deutsche Verband Kaufulannischer Vereine hat von der Gründung des Bundes der Kaufleute und von dessen Programm Kenntnis genommen. Ta nach den Bundessatz­ungen Verbände nicht aktive Mitglieder sein können, so liegt zunächst für den Verband leine Veranlasiuug vor, zu dem Bunde 'und feinen Bestrebungen sich offiziell zu äußern. Er überläßt es vielinehr den einzelnen Verbands-Vereinen und deren Mitgliedern, zu beni Bunde Stellung zu nehmen.

Darauf folgte die Neuwahl des Vorstandes, welche eine glatte Wiederwahl ergab. An Stelle des verstorbenen 2. Vorsitzenden WitzigmanwMannheim wurde Kinkel-

In den Tagen vom 11. bis 14. Juni hatten sich aus allen Seilen Deutschlands Vertreter in Nürnberg ein ge­funden, um an den Jahresversammlungen des Deutschen Vorttags-Verbandes und des Deutschen Verbandes Kauf­männischer Vereine teilzunehmen. Ter hiesige Kaufm. Verein, welcher beiden Verbänden angehört, war durch seinen Vorsitzenden vertreten. Am 12. Juni von 9 bis 4 Uhr, fand die Tagung des Vortrags-Verbandes im großen Saale des Hotel zum goldenen Mler statt. Diese Ver­handlungen waren, wie gewöhnlich, nicht öffentlich und bezogen sich auf die Vorträge, die gehalten worden sind, und auf die Feststellung der Rednerliste. Am nächsten Tage war von 10 bis 5 Uhr die Jahresversammlung des Verbandes kaufm. Vereine, wobei die Reichsregierung, die bayrische Staatsregieruug, die Stadt Nürnberg, die Nürn- j berget und die benachbarten Handelskammern vertreten waren. Ueber den ersten Punkt der TagesordnungKa u f-! mannsgerichte" berichtete Hr. O. Backasch-Zwickau! und stellte folgende Forderungen, die zum Beschluß er­hoben wurden: Der Deutsche Verband Kaufmännischer Ver­eine spricht die feste Zuversicht aus, daß dem zusammen- tretenben Reichstage als eine der ersten Vorlagen ein Gesetzentwurf zugehen werde, die Errichtung kaufmänni­scher Schiedsgerichte betreffend. Er stellt hierzu erneut folgende Forderungen:

1. Die kaufmännischen Schiedsgerichte sind den Amts­gerichten anzugliedern.

2. Das Gesetz muß ein rasches, einfaches und billiges Verfahren gewährleisten.

3. Das Gesetz muß auf alle Handlungsgehilfen ohne Rücksicht auf Die Höhe des Gehaltes Anwendung

5. Sitzung der Großh. Handelskammer Gießen, für die Kreise Gießen, -Usseld und Lauterbach.

Protokoll-Auszug.

Gießen, den 30. Juni 1903.

Anwesend die Herren: Kommerzienrat Koch, Vor- sißender, Kommerzienrat Heichelheim, Hoos, Katz, M oll,Nowack,Ram speck, Röhr,Steinecke,Znr- buch, sowie der Syndikus Tr. Knipp er.

1. Aus dem Geschäftsbericht ist Folgendes mit- zuteilen: ~

a) Am 6. Juni fand eine gemeinsame Sitzung von Ver­tretern der Handelskammern Friedberg und Gießen imd der Letter der Kaufmännischen Fortbildungs­schulen in Friedberg und Gießen statt, in der die 2lb- haltung von Konferenzen für die Lehrer an den Kaufm. Fortbildungsschulen Oberhessens beschlossen wurde. Tie Konferenzen sollen vorerst zwei­mal im Jahre und zwar im Frühjahre, nach Beendig­ung des Schuljahres und im Herbst in Gießen statt-1 nuden. Die erste Konferenz ist für den nächsten Herbst vorgesehen. Den zur Teilnahme berufenen Lehrern sollen Diäten und, sofern sie auslvärts wohnen, Reisekosten vergütet werden. Auch fand der Vorschlag allgemeine Zustimmung, daß zu den Prüf­ungen der chrer oberen Aufsicht und Lettung unter­stellten Schulen die beiden Handelskammern sich gegen* fettig einladen. .

b) Die Handelskammer hatte vor einiger Zett bei dem Reichspostamt beanttagt, daß Po st auf träge mit dem VermerkSofort zurück" nach der erften erfolglos gebliebenen Bestellung nicht sofort zurück-1 gesandt, sondern bis znm Schlüsse der Schalterdienst­stunden des betteffenden Tages zur Einlösung oder Erteilung der Annahmeerklärung bereit gehalten wür­den. Nach einer Mittellung des Herrn Staatssekretärs des Reichspostamts wird diesem Anttage durch eine entsprechende Aenderung der Postordnung Folge gege­ben werden. _

c) Ferner ist einem Anträge der Kammer zufolge von der Eisenbahn-Tirektton Frankfurt a. M. zugesianden worden, daß die Rückfahrkarten Gießen-Lol- lar in Zukunft auch zur Rückfahrt über Abend-

sinden.

4. Dem Gesetz unterstehen alle Streitigketten aus dem kausmäniiischen Anstellungsverhältnis, einschließlich jener aus der sogenannten Konkurrenzllausel.

5. Die Berufungsgrenze darf nicht unter 300 Mark liegen.

6. Dem ordentlichen Richter, als Vorsitzendem, sind je ein Prinzipal und ein Gehilfe als Beisitzer zuzn- ordnen, die nach Art her Schössen zu ernennen sind. Den kaufmännischen Vereinen und Körperschaften ist hierbei ein Vvrschlagsrecht zu gewähren.

b e m o f v a t e n ebenfalls mit 36,5 pCt. (gegen 33,9), das l Zentrum mit 17,1 (1898: 12,9), die greifinnige Volkspartei mit 5 pEt. (1898: 6,3), die Antisemiten mit 6,4 (1898: 13,4 pEt.). Allerdings ist daö starke An- ioachfen der Nationalliberalen zu Teil darauf zurückzuführen, daß sie in weit höherem Blaße als früher schon bei der I Hauptwahl Unterstützung auö anderen Lagern fanden.

Landwirtschaft und Handelsverträge.

DaL Schicksal der deutschen Landwirtschaft bei den neuen Handelsverträgen ist durch die 9leiiwahlen vollkommen in die Hund der Negierung gegeben worden. Daö ist nach der ,Dtsch. Agrarcorr." die Signatur dieses neuen Reichstages. Die wirtschaftliche Rechte fei nicht verstärkt worden, also nach wie vor zu schwach, um gute Tarifverträge von der Negie­rung erzwingen zu können. Nur eines kann nach dein genannten bündlerifchen Organ der Landwirtschaft noch helfen. Die wirtschaftliche Rechte, die zusamluen 98 Mann zahle, muffe sich mit der .aus Grundsatz fteihändlerischen" Linken von 122 Mann zusammentun, um unter Ablehnung aller Tarifverträge die Rückkehr zuni Freihandel zu bewirken, So biete sich .ein Rettungsweg für die Landwirtschaft aus der sonst unvermeidlichen, abermaligen und dann tätlichen .Um­klammerung durch den HandelsvertragspolypenDie .Agrar- corr.* beruft sich bei ihrer Empfehlung des Freihandels auf die .trefflichen Leitartikel*, in denen die .Kreuzztg.* vor etwa Jahresfttst den Beweis erbrachte, daß absoluter Freihandel für die Landwirtschaft günstiger sei, als ungenügender 'Agrar­schutz bei hohen Jndustriezöllen, sowie auf eine, auch vom Grafen Mirbach und vom Frhrn. v. Manteuffel unter» schrieben Eingabe des Bundes der Landwitte.

Die Eingänge können während der üblichen Geschäfts-^ zett im Bnrcau der Handelslanuner eingesehen werden, i

7. Nach Erledigung der Tagesordnung folgten die Mit- glieder der Handelskammer einer Einladung des Herrn 1 Direktors Tr. Esch zur Besichtigung des Berg­werks der Gewerkschaft Gießener Braunsteinbergwerke vor­mals Fernie. Dieses Bergwerk ist schon seit den dreißiger Jahren des vorigen Jak)rhunderts im Betrieb und bildet seitdem eine wichtige Quelle des Erwerbs für einen großen Teil der Bewohner der umliegenden Ortschaften. Früher im Privalbcjitz des Herrn geruic in England ist das Werk seit einigen Jahren in eine Aktiengejellschast und kurze Zett nachher in eine Gewerkschaft nmgewandelt worden. Die Besichtigung des Bergwerks erfolgte unter der sach- i kundigeu Lettung des Herrn Dr. Esck>, der die Lagerungs­verhältnisse der Erze erklärte und ein klares Bild von der Gewinnung und dem Versande der Erze gab. Die Erze finden sich in wechselnder Tiefe aus Kalkstein und Schiejer ausgelagert. In das Erz selbst sind zuweilen Ton und Sand eingebettet. Obwohl das Bergwerk schon lange Jahre im Betrieb ist, so birgt es dock- noch einen großen Reich­tum wertvoller Erze, der noch der Erschließung harrt. Die wichtigsten Produkte sind Manganeiscnstein, der zur Herstellung des Spiegeleisens dient, und der wertvolle Braunstein. Die Gewinnmig erfolgt vorwiegend im Tage­bau. Im Jahre 1901 wurden 87 601 Tonnen, im Jnhre 1902 87 976 Tonnen Erz und Braunstein gefördert. Während früher der Betrieb mehr in extensiver Weise erfolgte, indem besonders die rcichl-alttgen und leicht zu gewinneiiden Erze abgebaut wurden, so ist man seit neuerer Zett zu einer durchaus rattoncllen Betriebsweise uvergegangen. Dein- gemäB werden die Erze an jeber Fundstelle bis tief hinab auf die Sohle gefördert und erst dann diese Aiulden wieder ausgefüllt. Die Fottfchasfung der Erze geschieht bekannt­lich durch die zur Main-Weser-Bahn führende Drahtsell- bahn. Um den Transport zu verbilligen, ist namenllich mit Rücksicht auf die im südwestlichen Telle des Gruben­bezirkes zu fördernden Erze die praktische Neuerung beabsichttgt, durch seitliche Verlängerung des,^Hauptstollens^ die östliche Höhe zu durchjchneiden, um alsdann mit elek­trischem Betrieb Erztransporte nach der nahe gelegenen | Gelnhäuser Bahnlinie verbringen zu können. Interessant ist es, daß Erze, die früher als nicht verwertbar, zur Auf­schüttung der Mulden verwendet wurden, jetzt wieder abbau­würdig sind und daß die Schlammablagerungen ehemaliger Teiche des Braunsteinbergwerks jetzt ein wertvolles terial für die Tonwarenfabriken geben.

Alle Tellnehmer gewannen bei der Besichtigung die Ueberzeugnng, daß unter der Leitung des Herrn Direktors Dr. Esch das Werk auch für die Zukunft eine glückliche Ent­wicklung erwarten läßt und der hiesige Bergbau auch weiter­hin eine Quelle wachsenden Woylpandes für die Umgegend bilden wird. An die Besichtigung des Bergwerks schloß i sich, Dank der liebenswürdigen Einladung des Herrn Di- - cektors, noch ein gemütliches Zusammensein der Teilnehmer : im neuerbauten Direktorialgebäude an.