Der Kriegsminister versichert, daß der ganze Wagen- und Geschützpark der Aufständischen in seine Hände gefallen sei.
Wie das Madrider Blatt meldet, erklärt sich eine Gruppe spanischer Bankiers bereit, dem Sultan von Marokko eine Anleihe von 10 Millionen Pesetas zu sechs Prozent zu gewähren. Die Anleihe soll durch eine zweite Hypothek aus die marokkanischen Zölle sichergestellt werden. Sie ist von der durch die Banque de Paris et des Pays-Has gegebenen Anleihe unabhängig.
‘jtuöt und Land.
Gießen, den 3. Februar 1903.
* • Oeffentliche Lesehalle. Im Januar 1903 wurden 2775 Bände ausgeliehen. Davon kommen auf: Erzählende Litteratur 1042, Illustrierte Zeitschriften 932, Jugendschrlsten 296, Litteraturgeschichte 31, Versdichtungen 19, Geschichte und ^Biographien 131, Naturgeschichte, Technologie 138, Länder- und Völkerkunde 72, Kulturgeschichte 36, Seewesen 15, Gesundheitslehre 8, Religion und Philosophie 16, Staatswissenschaft 11, Sprachwissenschaft 6, Fremdsprachliches 22 Bände. — An Auswärtige wurden 103 Bände verliehen.
— Gießener Volksbad. Im Januar wurden 7418 Bäder verabreicht gegen 5478 im Dezember 1902 und 7863 im Januar 1902 oder im Durchschnitt auf den ganzen Badetag 270Bäder gegen 207 im Dezember 1902 und 281 im Januar 1902. Der Besuch im einzelnen hat sich wie folgt verteilt:
Schwimmbad 3952 Männer, darunter 759 zu 10 Pfg.,
„ 554 Frauen, , 115 „ 10 „
Wannenbäder 1. Klasse 269 Männer, 94 Frauen, „ 2. , 625 „ 368 „
Dampf- und Heißlustbäder, sowie Massage zusammen 145 Männer, 16 Frauen. Brausebäder 1195 Männer, 220 Frauen. Die Personenwage wurde von 200 Personen benutzt.
* • Deutscher Flottenverein. Ehrenwart-Diplome erhielten Prinz Alsted zu Psenburg-Büdingen, Stationsvorsteher Hainer-Büdingen, Pfarrer Bär-Lindheim, Pfarrer Eckstein - Aüendorf, Lehrer Neeb - Groß-Felda , Kreisrat Dr. Melior-Alsfeld, Eifert-Londorf, Haberkorn-Mücke, Geh. Regierungsrat Schöllfeld - Schotten und Provinzialdirektor Geheimrat Freiherr o. Gagern-Mainz.
* * Gemischter Chor des Ev. Arbeitervereins. Das Stiftungsfest, das der gemischte Ehor am Sonntag in Steins Garten feierte, nahm einen recht schönen Verlauf. Außer den eigenen Darbietungen des Vereins trug vor allem der Gernhardt'sche Zither- und Mandolinenchor zur Verschönerung des Abends bei; die noch junge Veremigung erntete wohlverdienten, reichen Beifall. Eröffnet wurde das Fest nach einer kurzen Begrüßung seitens des Vorsitzenden Graulich durch eine Ansprache des Vorsitzenden des Hauptvereins Pfarrer Euler. Der Redner ivies, nachdem er Vorstand und Leitung des gemischten Chors Dank und Anerkennung ausgesprochen, auf die Entwickelung der Musik, vor allem des Gesanges im deutschen Volke hin, zuletzt speziell die Leistungen des gemischten Chores berührend. In einem Hoch auf letzteren klangen die trefflichen, mit reichem Beifall aufgenommenen Ausführungen aus. — Ueber die nun folgenden Emzel- und Chorvorträge wollen wir nur berichten, daß sie die gestellten Envartungen vollständig rechtfertigten und sich den Darbietungen des Perelns im letzten Jahre würdig anschlosien. Einer recht guten Darstellung er» freute sich das Singspiel „Die wilde Toni" Die Bühne war in eine Alpenlandschaft verwandelt worden, die sich besonders beim anschließenden lebenden Bild „Kirchgang" vortrefflich ausnahm. Und überall wirkte der rührige Dirigent. Begleitung des Singspiels auf der Zither, Leitung des gemischten Chors und seines Zither- und Mandolinenchors gelangen ihm so trefflich, daß wir ihm gern unseren Dank aussprechen. Auch zusammen mit den Herren Kasten und Jonas (Flötensolo) bot er uns Leitungen, die Anerkemning verdienen. — Mit einem Ball schloß die Feier.
* *Das Präsidium der Hassia hält am 22. Febr. im Kaisersaal zu Darmstadt eine Sitzung ab mit der Tagesordnung: Jahresbericht, Rechnungsabschluß, Delegiertentag 1903, etwaige Anträge, Kysshäuserbund, Unter* stützungswesen. Anträge seitens der Vereine müssen bis 22. Februar eingelaufen sein.
t. Großen- Bus eck, 1. Febr. In dem Besitze des
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wenig gemein hat, und sich nur in einer eklektischen Szenenfolge mit gleicher Handlung an letzteres anlehnt, bietet die Oper eine Reihe erhebender Momente voll Glanz und Schönheit und läßt die Schaffens- und Gestaltungskraft des greisen Künstlers in höchstem Grade bewundern. Wenn das Werk auch den Ruhm der „Königin von Saba" nicht teilen wird, so zeichnet es sich doch durch seinen prachtvollen harmonischen Fluß und das glänzende Kolorit aus, das bekanntlich die stärkste und interessanteste Seite der Goldmark'schen Produktion bildet. Tie dramatische Durchschlagskraft geht der Oper leider ab, aber für dieses Manco ist nicht der Komponist, sondern seine Stoffwahl verantwortlich zu machen.
Aus Frankfurt a. M. schreibt man uns: In den Hermes' scheu Gemäldesälen ist neu ausgestellt eines der größten und bedeutendstenGemä.de von Arnold Böcklin „von Seeräubern überfallene Burg" aus dem Jahre 1886. Das Bild ist über 4 Meter groß.
Berlin, 2. Febr. Der ärztliche Setter des Kaiser- imb Kaiserin Friedrich-Krankenhauses, Professor Bagins- k y, der sich schon früher um die Berämpfung des Scharlachs veroient gemacht hat, kündigt jetzt in einem Bericht der Anstalt ein Scharlach-Serum an. — Zu Ehren von Adolf v. Menzel und Eduard Pave, die in Kürze das goldene Jubiläum der Mitgliedschaft der königlichen Akademie der Künste feiern, veranstaltete gestern abend der Präsident der Akademie Professor Ende ein Bankett im Künstlerhause, auf dem außer den Gefeierten auch der Kultusminister Dr. Studt anwesend war.
Paris, 2. Febr. Auf Verlangen iveitläufiger Verwandter des verstorbenen Komponisten P l a n q u e 11 e ist die Ausgrabung der Leiche und deren gerichtliche Obduktion angeordnet worden. Die betreffenden Ver- n-andten vermuten, wie es heißt, daß Planquette nicht auf natürliche Weife gestorben ist. In Musik- frelfen herrscht hierüber große Aufregung, da man glaubt, daß das Vorgehen der Verwandten daraus zurückzuführen ist, daß das gesamte Vermögen der Gattin Planquette's zu- ^ef allen ift
Handelsmannes Berlin befindet sich seit einigen Tagen eine vierhörnige Ziege.
-k. Wißmar, 2. Febr. Die Schneidersche Gastwirtschaft ging für den Preis von 40 000 Mk. an Herrn Forsthövel aus Dahlhausen a. Ruhr käuflich über. Die Uebernahme erfolgt am 1. Juni.
() Dutenhofen, 2. Febr. Seit einer Reihe von Jahren wird die hiesige dreiklassige Schule von nur zwei Lehrern versehen. Laut Anordnung der Regierung zu Koblenz werden wir mit Beginn des neuen Schuljahrs einen dritten Lehrer erhalten. Auch soll der Bau eines neuen Schul Hauses in Kürze in Angriff genommen werden. Zum Neubau und zur dritten Lehrerstelle hat die Regierung einen namhaften Zuschuß zugesagt. Die Zahl der Schulkinder beträgt fast 200. Auch Lützellinden oll im Frühjahr einen dritten Lehrer erhalten, die dortige Schule ist ebenfalls dreiklassig und hat fast dieselbe Schülerzahl.
t. Birklar (bei Lich), 1. Febr. Gestern wurde dem hiesigen 65jährigen Bürger St. das 2 3. Kind geboren.
(?) Burkhards, 1. Febr. Hier gründete man einen Musikverein für Burlhards und Umgegend. Dem Vereine gehören bis jetzt fünf Lehrer und sechs Berufsmusiker an.
(-) Sichenhausen, 31. Jan. Heute fand in der Fischer'schen Wirtschaft die Verpachtung unserer Feld- und W a l d j a g d statt, insgesamt 414,84 Hektar. Pächter wurde der Rentner Johann Wilhelm Jörg V. aus Oberrad bei Frankfurt. Die frühere Pachtsumme von 200 Mark wurde wieder erzielt. Ter seitherige Pächter war Landwirt Schmalbach-Crainfeld.
)( O b b o r n h o f e n, 1. Febr. In einer im Gemeindehause abgehaltenen Versammlung wurde die Gründung einer Spar- und Tarlehnskasse vollzogen. Der in der Versammlung anwesende Verbandsrevisor Le la aus Darmstadt schilderte in einem Vortrage die Einrichtungen der Spar- und Darlehnslassen, sowie deren Zwecke und Ziele. Die Statuten des Verbandes der Hess, landw. Gcnvjjsenschaften fanden einstimmige Annahme. Zum Direktor wurde Bürgermeister L e s ch h o r n gewählt. Sämtliche anwesende Ortsbürger — aO — erklärten sofort ihren Beitritt.
Gedern, 1. Febr. Ter eine Reihe von Jahren hier stationierte Stationsverwalter Hau dach, ein sehr beliebter Beamter wurde nach Niedernhausen (Strecke Frankfurt—Limburg) versetzt.
)( Fr i edb er g, 1. Febr. In der Nacht vom Samstag auf Sonntag wurde in der Burg die Statue des Ritters Sankt Georg auf dem vor dem Großh. Schloß befindlichen St. Georgsbrunnen schwerbeschädigt. Der rechte Arm und die Lanze, mit welcher der Ritter den am Boden liegenden Drachen tötet, ist ab gehauen und verschwunden. Von den Tätern fehlt jede Spur. Hoffentlich gelingt es den eifrigen Nachforschungen der Polizei der Schandbuben habhaft zu werden unb sie einer exemplarischen Strafe ent- g.genzusühren. Ter St. Georgsbrunnen ist von jeher eine Zierde der Burg.
ZNieder-Weisel, 2. Febr. Wieder ist einer der wenigen Kriegskameraden von 1870/71 aus unserem Flecken verstorben, nämlich der Bürger Joh. Georg Kraus- grill V. Bis vor kurzem war es ihm noch vergönnt, seinem Beruf als Landwirt mit voller Rüstigkeit obzuliegen; die Influenza warf den 58jährigen ehemaligen Streiter in letzter Woche aufs Krankenlager und setzte seinem Leben heute ein frühes Ziel.
Frankfurt a. M., 1. Febr. Heute fand hier im „Frankfurter Hof" eine von Angehörigen der hiesigen ersten Gesellschaftskreise und der ftanzösischen Kolonie arrangierte Soiree zum Besten der bretomschen Fischer statt, in der Cleo de Merode mitwirlte. Etwa 200 Personen waren anwesend. Das finanzielle Ergebnis war sehr günstig.
*• Frankfurt a. M., 2. Febr. Bei der gestern von der Zentrale für private Fürsorge veranstalteten Arbeitslosenzählung wurden 3 2 34 Arbeitslose festgestellt.
Hanau, 30. Jan. An unserem Gymnasium werden sich bei dem Ostertermine auch drei junge Damen als Nichtschülerinnen der Reifeprüfung unterziehen. — Als am 30. Januar abends die Haushälterin des vor einiger Zeit aus seiner Stellung entlassenen Feldhüters Sauritz diesem Vorhalt darüber machte, daß er nicht genügend für seine Kinder sorge, geriet dieser in heftigen Zorn und setzte schließlich seine Wohnung in Brand. Die im anderen Zimmer befindlichen Kinder mären bereits aufs höchste durch die Flammen gefährdet, als es der Haushälterin im Verein mit anderen Leuten endlich gelang, den Brand zu löschen. Sauritz entzog sich seiner Verhaftung durch die Flucht. — Eine blutige S^at spielte sich heute vormittag gegen 9 Uhr am Ballplatz ab. Der etwa 22 Jahre alte, aus Gera gebürtige arbeitslose Schlossergeselle Adler drang in die Wohnung des Formermeisters Vor ast und verlangte dessen sechzehnjährige Tochter zu sprechen, die er in letzter Zeit wiederholt erfolglos mit Lievesanträgen bedrängte. Als die Mutter des Mädchens den Eindringling abwies, versetzte er der Frau mehrere schwere Dolchsti ch e i n d i e B r n st. Der Attentäter wurde verhaftet. Da er sich aber mit dem Dolchmesser selbst bedeutend verletzt hat, so mußte er in das Landkrankenhaus gebracht werden. Die Verletzungen der Frau sind lebensgefährlich.
Vermististes.
Berlin, 30. Jan. Die Angelegenheit der Gräfin Isabella Wesierska-Kwilecka, die der Kindesunterschiebung verdächtig erscheint, ist nach einer hiesigen Korrespondenz schon so gut wie aufgeklärt. An der Unterschiebung soll nicht mehr zu zweifeln fein. Der Knabe ist angeblich der Sohn einer österreichischen Bahnwärtertochter, die Frucht eines Liebesverhältnisses, das diese mit einem österreichischen Hauptmann hatte. Die Ermittelungen zeigten, daß zwei Frauen ihn von Posen nach Berlin gebracht hatten. Hier mußten ihn zwei vornehme Damen in Empfang genommen und in einer Droschke nach der Geburtsstätte weiter gebracht haben. Hierüber konnte nur der Kutscher Auskunft geben. Darum las man vor kurzem in den hiesigen Zeitungen, für eine polizeiliche Ermittelung sei es wichtig, daß ein Droschkenkutscher sich melde, der vor 6 Jahren am 25. Januar zwei Damen vom Schlesischen Bahnhofe nach der Kaiserin Augustastraße, wo die Gräfin damals wohnte, gefahren habe. Der Erfolg dieser Aufforderung schien sehr zweifelhaft zu sein. Wie sollte sich ein Kutscher einer sechs Jahre zurückliegenden Fahrt noch erinnern ? Aber es dauerte gar nicht lange, da meldete sich der Mann schon. Der Droschkenkutscher Adolf Wilke aus der Hermannstraße 18 zu Rixdorf hatte an jenem 25. Januar einen so guten Tag ge
habt, daß er ihn sobald nicht wieder vergaß. Und d<yu hatte die gute Tour auch noch so einen besonderen Anstrich gehabt. Den ganzen Tag war niemand gekommen, um mit ihm zu fahren. Da nahmen ihn abends noch zwei Damen aus dem Hause Kaiserin-Augustastr. 74 zu einer Fahrt nach de« Schlesischen Bahnhof. Es waren sehr vornehme Damen, die nur polnisch sprachen. Am Bahnhof mußte Wilke eine ganze Weile warten, bann kamen die Damen zurück und forderten ihn auf, sie wieder noch der Kaiserin-Augustastraße 74 zu fahren. Die eine hatte unter ihrem Mantel ein Packet, mit dem sie sehr behutsam einftieg. Was die Damen sprachen, davon verstand der Kutscher kein Wort. Aber daß es etwas sehr Feines fein mußte, das merkte er zu feiner Freude am Trinkgeld. Es war so reichlich, daß er auf eine zweite Fuhre nicht zu warten brauchte, sondern sich gleich auf den Heimweg machte. Als er seiner Frau von dem Glück des Tages erzählte, fügte er hinzu, er glaube, in dem Packet sei ein Kind gewesen. Nach Wilkes Beschreibung wurden auch die beiden Damen ermittelt. Die eine ist inzwischen schon gestorben, die andere trat im Posener Prozeß als Zeugin auf.
* Eine Boykottierung. Der Neuhalbensiebener Bürgerverein machte ben Zeitungen brieflich Vorschriften bezüglich ber Berichterstartung über Vereinsversammlungen. Der Verein wünsck'te nicht, baß bei ber Verhanb- (ung öffentlicher Angelegenheiten Tinge in die Oeffentlich- keit bringen, bie zwar wahr, aber bem Verein unangenehm waren. Den Zeitungen wurde „Entziehung ber Berichterstattung" angebroht. Taraus eröffneten bie beiben dortigen Blatter, ber „Stabt- unb Sanbbote" und ber „General- Anzeiger", bem Verein, baß vorläufig ber Name des Vereins mit keinem Worte mehr im rebaktionellen Teile beider Blätter erwähnt werbe. Nun kamen bie Stabtvervrbneten- wahlen. Ter Vorstanb bes Bürgervereins hatte sechs Kan- bibaten für bie 3. Wahlabteilung auf gefüllt: nur einer kam burch, währ en b in an ber en Jahren, als bie Presse bem Vereine zur Seite stanb, stets alle Kanbibaten glatt als Sieger aus der Mahl hervorgingen. Wenige Tage bar* auf leistete ber Vorstanb in ber festgesetzten Form ber Presse Abbitte.
* Carl Stangen's Reise-Bureau, Berlin W., Friebrichsttaße 72, hat auch in biesem Jahre bie Zahl ber zu unternehmenden Gesellschaftsreisen und Sonderfahrten wiederum vermehrt. In den ausgedehnten Reisen nach bem Orient, nach Italien, Tunis, Algier, Spanien, Rußland usw. sind den Wünschen ber Reisenden entsprechende Verbesserungen unb Veränderungen ber Fahrpläne vor genommen worben. Für Touristen, benen nur kurze Zett für eine Reise zur Erholung unb Belehrung zur Verfügung steht, sind viele kurze unb billige Sonberfahrten nach verschiebenen Richtungen hin eingelegt unb für Liebhaber von Seereisen bieten bie interessanten Sonberfahrten mit bem prächtigen Dampfer „Therapia" von ber Deutschen Levante-Linie, die Stangen's Bureau veranstaltet, die beste unb billigste Gelegenheit. Man verlange von Carl Stangen's Reise-Bureau die Spezial-Reisepläne für Frühjahr unb Sommer. -Dieselben werben kostenftei versanbt.
* Kegelschieben unb Tenor gesang. Daß zu Zeiten ber Schuldhaft unb länger zurück noch unter dem wenig für Primabonnenlaunen enrpfänglichen alten Fritz bie Sänger aus bem Gefängnis auf bie Bühne geholt würben, war nichts Seltenes. Gemütlicher ging es neulich in Breslau her, als in ber Siegfrieb-Vorstellung Herr No- wack plötzlich von einer stimmoernichtenben Heiserkeit befallen würbe und man auf den zweiten Mime-Sänger Herrn Martini fahndete. Man besann sich, daß derselbe Börsitzender eines Kegelklubs ist, und bald war er dort entdeckt, als er — auch Homer schlief bisweilen — gerade einen ganz präsidiumSwibrigen „Sanbhasen" geschoben hatte. Der Theaterbiener bot ihm Gelegenheit, sich auf anberm Felbe, nämlich im zwetten Akt bes Siegftied, glän- zenb zu rehabilitieren. Er wetzte burch Derbo^cltc Sanges kraft sogar bie Scharte bes Stimmankos seines Vorgängers wieder aus, unb ein allgemeiner Ausbruck des Bebauerns entrang sich bem Publikum, als ©iegfrieb ihn kurzer Hanb abmudfte unb im Abgrunb neben ber Fafner- höhle verschwinben ließ. Herr Marttttt aber ließ sich nicht met)t graue Haare wachsen, als er als Mime schon trug, kehrte in seinen Kegelklub zurück unb schob im stolzen Gefühl, bas Theaterschifs vor bem Aufsitzen gerettet zu haben, biesmal „alle Neun".
UniverstMs Nachrichten.
Marburg, 2. Febr. Der Professor der Philosophie, Elster, hat einen Rus an bie Universität London erhallen. .
— An der neuen Akaddrnie in Posen werden Professor Kühnemann in Marburg für Philosophie unb Litteratur, Prof. Wuttke für Geschichte, sowie Prof. Krüger tätig sein. , .
— Der Professor des Angelsächsischen an der Universität tu Oxford, John Carle, ift, 70 Jahre alt, geftorben.
Kandel and Verkehr. Volkswirlschafl.
— Zur Umwandlung der Firma Krupp io eine Aktiengesellschaft schreibt die »K. V.-Ztg.": Ter R e i n e r t r a g oer Krupp'schen Werke im Verhältnis zu dem darin angelegten Gelbe ist nicht so bebeutenb, rote meist angenommen nnrb, und hält jedenfalls auch nicht im entferntesten einen Vergleich aus nut dem, was die ameritanischen „Stahlkönige" aus ihren Unternehmungen herauswirtjchasten. Was die Untosten der llmroanoumg in eine Aktiengesellschaft betrifft, die man aus 5 Prozent b^ Aknen- kapitals geschätzt hat, was bei 200 Mtlllonen Mark 10 Mtlltonen betragen würde, so ist mit Sicherheit anzunehmen, daß aus dem Wege freier Uedereinkmtft eine ivesentliche Herabmtnderung dieser Kosten erfolgt, dezw. zugesagt ist. Uebrtgens ist es nicht ausgeschlossen, daß später bet der Verherr a t u n g v o n F r a u- l e t n B e r t a K r u p p dte A k t t e n g e s e l l s ch a f t tutebet aufgelöst und die Werke wieder tn aUetntgen Privat besitz zurückkehren werden. Die jetzige Umwandlung erfolgt hauptsächlich aus dem Grunde, weil man dem Direktorium eine größere Bewegungsfreiheit sichern und der Besitzerin den schwersten Teil ber Verantwortung abnehmen will. Nach ben Vorgängen der letzten Keit erscheint dies ja auch durchaus begreiflich. — Nach Angabe be§ „Aktionär" wurde das Aktienkapital nur auf 100 fNtlltonen Mk. normiert werden.
Die Braunschweig-Hannoversche Hypothekenbank hatte am 31. Dezember 1902 147 840 500 Alk. Pfandbriefe im Umlauf, denen 152056 488 Mk. eingetragene Hypotheken gegenüber standen.
Eislebeu, 30. Jan. In der letzten Sitzung des Auhtchtsrats des Eisleber Bankvereins Ullrich,Zikkert LCo., Kommandtt- Gesellfchaft auf Aktien, wurde befchlossen, der auf den 25. ^ebrtiar emzuderufenden Generalverfammlung eine Dividende von 9 Prozent für das verflossene Geschäftsjahr vorzuschlagen.
Wien, 1.Febr. Dte amerikanische Standard Oel Eo m-- p a n y beabsichtigt, sämtliche galizischen Rohöl-Gruben zu Erwerben und hat bereits delegierte in das dortige Revier behufs In- formatioit über die Verhältnisse der galiztfchen Rohol-Produktton abgesandt.


