sich auch mitunter im diplomatische« vccnm*- unv Meinungsaustausch Schwierigkeiten ergeben, und wenn auch keine Regieruna vorsichtiger behandelt sein will, als die russische, Haven dadurch allmählich Festigkeit und Stetigkeit erlangt, daß Kaiser Wilhelm sich die Pflege der familiären Beziehungen zum Zarenhause sehr angelegen sein läßt. Ueb- rigenS ist anzunehmen, daß der Kronprinz seinen Vater auf der für Anfang des April geplanten Reise nach Italien begleiten wird.
DaS „Schlaraffenland* Samoa.
Aus KolonialLeisen wird uns geschrieben:
Ter neue Kolonialetat ist bisher noch nicht veröffentliche wvrden. Man weiß einstweilen — von Kiautschou abgesehen — nur, daß die Reichstznschüsse für sämtliche Schutzgebiete in Berücksichtigung der Finanzlage auf düs' knappste bemessen fink Verhältnismäßig gering dürfte also auch der Betrag sein, bert, die Regierung für Samoa diesmal aus^uwenden gewillt ist, obwohl es an Wünschen um möglichste weitgehende Berücksichtigung dieses jüngsten deutschen Schutzgebietes nicht gefehlt hat.
An dis Erwerbung Samoas seitens Deutschlands knüpften sich mancherlei übertriebene Erwartungen in Be^ug auf die Entwickelung der Insel unter der schwarzweiß-roten Flagge. Phantastische Schilderungen hatten hier und da die Vorstellung erweckt, als sei Samoa, sofern nur Friede Und Ordnung dort herschten, eine Art Schlaraffenland, in dem sich ein müheloses und genuß> reiches' Dasein führen lasse. Es übersiedelten Leute nach dem Südseeeiland, denen nicht allein Kenntnisse über die einschlägigen Verhältnisse, sondern auch Barmittel fehlten, die auf Samoa vielleicht mehr als sonstwo zur Existenz erforderlich sind. Andererseits ließen sich durch effektvolle Berichte über den Ertragreichtum der samoanischen Kakao- Kultur Heimatmüde, denen ein kleines Kapital zur Seite stand, zur Auswanderung nach Samoa anregen. Enttäuschung und die Neigung, die Dinge allzu schwarz zu sehen und zu schildern, blieben nicht aus. Tatsächlich ist, darin stimmen alle Sachkenner überein, der Kakaobau auf Samoa rentabel; aber die Frucht muß auf sorgfältig ausgesuchtem Boden angepflanzt werden, und dann gestaltet sich der Betrieb der Plantage solange kostspielig, als die Beschaffung einer ausreichenden Zahl von Arbeitern Schwierigkeiten macht. Die Verhältnisse liegen jetzt allerdings etwas günstiger, weil die Regierung mit der Verwendung chinesischer Landarbeiter auf Samoa sich einverstanden erklärt hat. Aber auch jetzt noch verursachet die Arbeiterbeschäffung dem Pflanzer bedeutende Kosten, denn er muß dem Kuli einen Lohnvorschuß zahlen und für den Transport auffommen. Es würde sich vielleicht empfehlen, wenn die Regierung der Deutschen Samoa- Gesellschaft, der, wie es HÄßt, das Monopol der Chinesen- Ginsuhr znsteht, eine Subvention bewilligte, damit die Kosten der Arbeiterbeschaffung für die Pflanzer sich tunlichst verbilligen. Die Subvention könnte in der Form eines Darlehns gewahrt werden. Vielleicht erfolgt bei der Etats- debatte eine entsprechende Anregung. Ohne einschneidende Belastung des' Etats würde sich auch ermöglichen lassen die Anstellung ausreichender Lehrkräfte an der deutschen Schule in Apia. Vor allem aber tut not der direkte Anschluß Samoas an den deutschen Postdampferverkehr. Die Kosten dieser Einrichtung sind fteilich erheblich, doch der überwiegende Einfluß Australiens) Neuseelands und Nord- Amerikas auf der Jüsel kann nur dann zu Gunsten des deutschen Einflusses in beit Hintergrund gedrängt werden. Wenn die Kolonie unmittelbare und regelmäßige Schiffsverbindung mit dem Mutterlande erhält.
Kunst und Wissenschaft
— Das nächste Bonner Beethovenfest findet vom 17. bis 21. Mai statt. Das Programm ist sehr einfach: Joachim und Genoffen werden Beethovcn's sämmtliche Quartette vortragcn. Die Kompositionen werden nicht chronologisch aufeinander folgen, sondern jeder Abend wird je ein Quartett aus den drei Entwicklungsperioden des Meisters bringen. Jedes Konzert wird also für sich ein Bild von dem Werdegang Bcethoven'S geben.
— Felix Weingartner, so verkündet eine vorläufig unkontrollierbare, aber mit großer Sicherheit auftretende Meldung, wird demnächst seinen Posten als Kapellmeister am königl. Schauspielhaus wieder antreten. Er hat dieses Amt bekanntlich vor Jahren aus Gesundheitsrücksichten niedergelegt.
Die deutsche Kaisergruft. Aus Speyer wird berichtet: Nach Vollendung der neuen Kaisergruft im Dom zu Speyer wurden die Reste der hier bestatteten deutschen Kaiser uno Könige,.darunter die Leichen Rudolfs von Habsburg und Albrechts von Oesterreich, -rus den provisorischen Holzsärgen in ihre definitiven Ruhestätten
übertragen. Die Bleisärge wurden verlötet, die Steinsärge mit Zement verschlossen. Der einzige noch vorhandene figürliche Gröbstem, der Rudolf? von Habsburg, welcher zu den Meisterwerken frühmittelalterlicher deutscher Bildhauerei gehört und bisher verstaubt rmd mtt Wachs betropft in einem finsteren Winkel der Krypta untergebracht war, wurde sachgemäß gereinigt, restauriert und in dankenswerter Weise durch Aufstellung im Königschor der allgemeinen Befichttgrmg zugänglich gemacht. Die Beigaben der Leichen, wie Mäntel, Hosen, Strümpfe. Schuhe, Handschuhe, dann Ringe, Grabkronen, Brustkreuze, bleierne Jnschrifttafeln u. s. w., welche seinerzeit in sehr schadhaftem Zustande vorgefunden und gehoben worden sind, wurden in daS Laboratorium des bayerischen Nationalmuseums nach München gebracht und dort genauerer Untersuchung unterwoffen.
Handel und Verkehr. Volkswirtschaft.
Mainz, 81. Dez. In dem Konkursverfahren über das Vermögen des Hutfabrikanten Adam Berndrorh soll nunmehr die Schlußverteilung erfolgen. Während die nicht vorberechtigten Forderungen sich auf Mk. 23 382.22 belaufen, können unter "den Gläubigern, welche diese Summe zu fordern haben, nur Mk. 3085.80 zur Verteilung kommen.
— Die Allgemeine Deutsche Kredit-Anstalt in Leipzig wird für 1902 voraussichtlich 8 pEt. Dividende verteilen.
— Am 2. Januar er. wurden zum ersten male die 4 pCt. Pfandbriefe, Abteilung 10, der Deutschen Grundkredit-Bank zu Gotha mit dem Kurs von 102.50 bez. und Geld gehandelt.
— Die Januar-Kokons der 3 pEt. Portugiesen, welche noch nicht zur Konversion angemeldet sind, bleiben unbezahlt.
— Die nächste ordentliche Generalversammlung der Bielefelder Maschinenfabrik vorm. Dürkopp u. Co. findet am 29. Januar er. in Bielefeld statt.
— Braunschweiger 20Thaler°Lose. Auf die am 1. November gezogenen 61 Serie,: als 191, 588, 659, 703, 868, 923 1123, 1211, 1898, 1541, 1632, 1640, 2093, 2304, 2430, 2511, 2560,
2613, 3471, 3661, 3950, 3951, 4256, 4505, 4568, 4733, 4799, 4858,
4881, 4959, 5216, 5352, 5617, 5772, 6396, 6458, 6460, 6629, 6750,
6879, 6962, 6980, 6989, 7364, 7365, 7701, 7733, 7753, 7792, 8063,
8087, 8132, 8211, 8807, 9049, 9058, 9093, 9239, 9262, 9368, 9424,
entfielen auf nachstehende Serien folgende Prämien: auf Ser. 191 Nr. 4 Mk. 150, Ser. 588 Nr. 4 Mk. 3000, Ser. 588 Nr. 27 Mk. 10 800, Ser. 923 Nr. 43 Mk. 300, Ser. 1123 Nr. 22 Mk. 150, Ser. 1632 Nr. 13 Mk. 300, Ser. 1640 Nr. 34 Mk. 300, Ser. 2560 Nr. 19 Mk. 150, Ser. 3950 Nr. 12 Mk. 300, Ser. 5352 Nr. 6 Mk.7200, Ser. 5772 Nx. 9 Mk. 300, Ser. 6396 Nr. 38 Mk. 300, Ser. 6629 Nr. 49 Mk. 45 000, Ser. 6750 Nr. 30 Mk. 150, Ser 6962 Nr. 25 Mk. 800, Ser. 6980 Nr. 49 Mk. 300, Ser. 9049 Nr. 4 Mk. 300, Ser. 9049 Nr. 39 Mk. 150, Ser. 9058 Nr. 5 Mk. 300, Ser. 9424 Nr. 6 Mk. 150. Alle übrigen zu obigen Serien gehörenden Nummern: kommen mit Mk. 78 zur Einlösung. Die Abzahlung der gezogenen Lose erfolgt vom 31. März 1903 ab.
I»WS MS den Standes,mtsrkMmi der Stabt Sikßrn. Aufgebote.
Am 31. Dezember. Heinrich Junker, Kaufmann dahier mit Johmmette Karoline Bercha Marie Wilhelmine Brückmann Hierselbst. Am 2. Januar. Georg Karl Kloos, Former in Offenbach a. 2JL mit Auguste Margarethe Katharine Zeidter dahier.
Geborene.
Am 11. Dezember. Dem Taglöhner August Rausch ein Sohn, Ernst Wilhelm. Am 20. Dezember. Dem Bezirksfeldrvebel Heinrich Kaiser eine Tochter. Dem Fabrikarbeiter Philipp Hahn eine Tochter. Dem Mechaniker Jakob Schlaffer ein Sohn, Friedrich. Am 21. Dezember. Dem Ingenieur Theodor Eigel ein Sohn, Leopold Josef. Am 22. Dezember. Dem Drechsler Wilhelm Walther ein Sohn. Dem Glaser Wilhelm Kreß ein Sohn, Eduard Karl Wilhelm. Am 23.-Dezember. Dem Zimmermann Christian Staffel ein Sohn. Dem Maurer Heinrich Müller eine Tochter, Elisabethe Margareche Juliane. Am 25. Dezember. Dem Kaufmann Friedrich Jung ein Sohn. Dem Kaufmann Karl Häuser eine Tochter, Elsa Regina Sophie. Dem Kaufmann Heinrich Friedrich Roth ein Sohn, Karl Walter. Dem Eisenbahntelegraphist Paul Neumann ein Sohn, Heinrich Wilhelm Albert. Am 26. Dezember. Dem Schmied Johannes Groß ein Sohn, Johannes Josef Wilhelm. Am 27. Dezember. Dem Gerber Hermann Höhn ein Sohn, Johann Anton. Dem Platzmeister Heinrich Westecker eine Tochter, Lisette Luise. Am 29. Dezember. Dem Artist Friedrich Jörg ein Sohn, Heimich.
Gestorbene.
Am 27. Dezember. Elise Bra:m, 9 Jahre 11 Monate alt, Tochter des Bremsers Johannes Andrea? Braun dahier. Am 28. Dezember. Marie Elise Müller, 78 Jahre alt, Rentnerin dahier. Jakob Bamberger, 60 Jahre alt, Lcderhändler dahier. Am 31. Dezember. Heinrich Hattenhauer, 34 Jahre alt, Schneider dahier.
Kirchliche Nachrichten.
Evangelische Gemeinde.
Gottesdienst.
In der Stadtkirche.
Sonntag nach Neujahr, den 4. Januar.
Vorrmttags 9l/8 Uhr: Pfarrer Dr. Naumann.
Vorm:ttags 11 Uhr: Kindergottcsdienst für die Markusgemeinde.
Pfarrer Scheunemann.
Nachmittags 5 Uhr: Stehe Johanneskirche. Donnerstag den 8. Januar.
Abends 8 Uhr in: unteren Konfirmandensaal, Kirchstr. 9, Bibel- slunde, Marc. 2.
Pfarrer Scheunemann.
In der Johanneskirche.
Vormittags 91/« Uhr: Pfarrassistent Vogt.
Vormittags 11 Uhr: Kindergottcsdienst für die Lukasgemeinde. Pfarrer Euler.
Nachmittags 5 Uhr: Pfarrer Ludwig Naumann aus Siefersheim.
Am Sonntag, dem 4. Januar, abends 8 Uhr: Versammlung und biblische Besprechung im Konfirmandensaal der Johanneskirch^ Montag den 5. Jannar, abends 8 Uhr: Sibel ft unbe tm Konfirmandensaale der Johanneskirche. Text Psalm 115.
Pfarrer Euler.
Nächstkünftigen Sonntag den 11. Januar: Feier des Landesmissionsfestes. An diesem Tage wird in beiden Kirchen eine Kollekte für die Heidenmiffion erhoben werden. -----
Krielkaflen der Redaktion.
(Anonyme Auftagen bleiben unberücksichtigt.)
W. W. Drei Stücke Würfelzucker haben denselben Nährwert wie en: Ei. Ob ein Ei in weich- oder hartgekochtem Zustande leichter verdaulich ist, können wir nicht sagen. Von einem Gelehrten wird behauptet, daß ein hart gekochtes Ei bester vom Körper ausgenommen wird.
Sie und Andere bitten wir, Manuskripte, die für btt Redaktion bestimmt sind, immer nur auf einer Seite zu beschreiben. „Braunschweig". Ueber den Stapellauf des ^.:n:enschiffs „Braunschweig" lesen ivir in der Zeitschrift „Ueberall": „Am 20. Dezember, dem Tage der Flottmachung der „Wittelsbach" lief auf der Kruppschen Germaniawerft der Neubau "ft von Stapel und erhielt den Namen „Braunschweig". Den Taufakt, welchem der Prinz und die Prinzessin Heimich, Udrmral von Köster, Admiral von Tirpitz, eine große Anzahl anderer hoher Oifiziere, sowie das Direktorium der Kruppschen rv m beiwohnten, vollzog der Prinzregent von Braunschweig. L>:e „Braunschweig" bildet bekanntlich den ersten schwimmenden Vertreter unseres neuen Linienschiffs-Typs, welcher, wie wir be- • ausführlicher erörtert haben, einen ganz bedeutenden Fortschritt im Vergleiche zu unseren anderen Linienschtffen darstellt. ±cr Uebersicht halber seren hier noch einmal die Konstrukttons- Angaben zusammengefaßt: Länge 121,5 Meter, Breite 22,5 Meter, Tiefgang 7,6 Meter: Deplacement 13 200 Tons. Es sind drei dreifache Expansionsmaschinen vorhanden, welche als Höchstleistung 16 000 ind. Pferdekräfte entwickeln und dem Schiffe dann eine Fahrtgeschwindigkeit von 18 Seemeilen in der Stunde geben sollen. °1®r, st: eingeschaltet mit Rücksicht auf die vielfach verbreiteten falschen Angaben, daß das Schiff 19 Knoten laufen solle oder aber, baß man wegen ber schweren Gewichte ber Panzerung netge- brungen ficb mit einer solchen von 18 habe begnügen müssen, daß d:e Geschwindigkeit von 18 Knoten mit reiflicher Ueberlegnng als ausreichend erkannt worben ist. Wir glauben aber annehmen zu können, baß diese 18 Knoter: Leistung nicht nur die sogenannte Probefahrt-Geschwindigkeit darstellt, welche meist in der Praxis überhaupt nicht ober aber nur aus ganz kurze Zeit erreicht wird, sondern eine solche, welche während längerer Dauer eingehalten wird. Den prakttschcn Beweis hierfür können erst die Probefahrten liefern. Von den vierzehn Keffeln sind sechs Cylinderkeffel, acht Wasterrohrkeffel System Schultz. Der normale Kohlenvorrat beträgt 700 TonS und kann durch die Zuladung auf 1600 TonS erhöht werden. Dazu kommen noch 200 TonS flüssiges Heizmaterial. Die Armierung setzt sich zusammen aus vier 28-Zenttmeter Länge 40, vierzehn 17-ZenttmeterLänge 40, davon zehn tn der Kasematte und vier in Einzeltürmen darüber, zwölf 8,8-Zenttmeter Länge 35 mit Schutzscktlden, sämtlich Schnellladekanonen; ferner zwölf 3,7-Zenttmeter-Maschinenkanonen, acht 8,8-Millimeter-Maschtnen- gewehre und endlich sechs 45-Zenttmeter-Torpedo-AuSstoßrobre> davon fünf unter Wasser und nur das Heckrohr über Wasser. Der das Schiff umgebende Gürtelpanzer besitzt im mittleren Telle eine Stärke von 225 Millimeter und verjüngt sich nach dem Ende bis auf 100 Millimeter. Der Citadellenpanzer ist 140 Millimeter, der der Kastematte 150 Millimeter stark. Die schweren Türme besitzen eine Stärke von 280, die der 17-Zenttmeter-Geschütze eine solche von 170 Millimeter. Die Besatzung beläuft sich auf 660 Köpfe."
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tue schon die Wagen hatten packen taffen, um sofort die Flucht ergreifen Mr können. Cs ist oft gar nicht hübsch^ wenn man zu fcharf hinter die Kulissen sicht, die großen Manner gehen verloren.
Tadellos in ihrer spezifischen Größe bleiben mir allein Moltte und Bismarck. Ihre innere Verschiedenheit hat sie freilich auseinander gebracht; sie stehen sich scharf gegenüber, und nur mühevoll gelingt es, wenigstens die Geschäfte in Fluß zu halten. Mvltke ist der Mann der vornehmen Ruhe, Bisprarck der leidenschaftliche Politiker; jener die Sache kühl erwägend, dieser immer fest die Personen anfassend. Selbst innerhalb des Generalstabes ist der Kamps entbrannt, weil es Bismarck versteht, die Menschen zu bestechen und zu beherrschen. König und Krvn- prmz sind höchst unglücklich über Hefen Konflikt, haben aber keine Mittel, ihn beizulegen.
Versailles 25. 1. 71.
„Nun sind doch schon ein gute# Stück weiter; 2e- tDar gestern amüsant, wie sich die Wett mit der hiesigen Tätt'gleit von Jules Favre beschäftigte. Der eine wußte dies, der andere jenes, die eigentlich Wissenden aber spielten Versteckens mtt ihren Kenntnissen. Um 12 Uhr mittags war ich bei Bismarck und wurde eingeweiht; um fünf war Diner beim König, der die Diskretion selbst war; auch der Kronprinz war furchtbar zurückhaltend, und heitt früh fand Mvttke nur schwer die Sprache. Morgen oder übermorgen wird Favre zurückkommen und alle Zungen lösen.
Ich habe Gelegenheit gehabt, Bismarck in der Mion 5u sehen, und muß sagen, daß ich die Energie seiner Anschauungen und Handlungen bewundere. Eigentümlich war, daß er bei allen entscheidenden Verhandlungen ängstlich jede Person von seiner Sette entfernte, wo er nicht gerade, wie in meinem Fall, eines technischen Beirates bedurfte. Er faß' ganz allein dem Gegner gegenüber und zerzauste chn. Der Vorzug ist, daß die Verhandlungen rasch von statten gehen, der Nachteil, daß das Sttpulierte ost doch auslcgbar bleibt. Da muß dann die Gewalt die «Entscheidung geben."
.Versailles, 2. 2. 71.
_ „Verhandlungen zwischen Favre und Bismarck find unausgesetzt im Gange. Män sieht, wie tausendfach die Berührungen sind- die das in Frankreich erwachende Leben überall hervorruft. Ich muß gestehe::, daß id). es jetzt schon sehr vernünftig finde, wenn Bismarck das Verhandeln als seine unbedingte Domäne in Anspruch nimmt und alles und Mar gmrz allem abmacht. Gewiß erregt er so allgemeines Mißvergnügen bei Attlitär und Zivil, aber je mehr Menschen sich in solche Sachen mischen, je mehr ^wollen sich wichtig machen und um so mehr Zett wird vertrödelt. Die kleinen Eitelkeiten aber süid die niederträchtigsten, und' manch einer wird es ihm sein Leben lang nicht vergessen, daß er jetzt nicht zu Rate gezogen wttd."
Versailles^, 4. 2. 71.
„Tie großen Dinge sind immer die Früchte von Kompromissen ganz entgegengesetzter Meinungen und Interessen, folglich passen sie dem einzelnen nie ganz. Aber glaube mir, wenn wtt jetzt Paris nicht knechten, so wie Napoleon einst Berlin, so handeln wir unter den gegebenen Verhältnissen nur weise, und vor allem sichern wir uns die Mögttchkett, daß aus dem Waffenstittstand der Friede wird. Hier macht man Bismarck allein verantwortlich, und es finden sich eine ganze Menge Menschen, die sich bestreben, die Macht dieses^ großen Tyrannen auf ein Minimum zu reduzieren; das wirkliche allgenreine Friedensbedürfnis wird schlieWch auch auf unserer Seite das Einsehen erleichtern."
Versailles, 13. 2. 71.
„Manteuffel hat vorzüglich manövriert, aber er kam nicht an den Feind und ist deshalb trotz der schönen Erfolge fein HÄd geworden; er wird auch aus diesem Feldzuge ohne Popularität zurückkehren. Fransecki dagegen hat sich wie 1866 als famoser und zuverlässiger Soldat gezeigt. Werder ist augenblicklich der große Mann für das Volk, wie Falckenstein 1866. Belforts^ Fall mutz aHe Tage erwartet werden, man verhandelt hier um die Einstellung der Feindseligketten, . da Belfort allein vom Waffenstillstand ausgeschlossen ist.
Als ich dann nach Haus fam, fand ich die FranAofen: bei mir mtt 2 Millionen Franken, deren Abnahme nnd)' bis 6i/2 Uhr in Anspruch nahm: sie haben nur Banknoten und große Wechsel zur Stelle gebracht, müssen aber, um den Bestimmungen des Wass en still stand es zu genügen, 50 Millionen in Gold zahlen, die erst von außen kommen unb noch nicht heran sind. Morgen wird die erste Zahlung in Gold erfolgen.
Zum Empfang der Wechsel ist Bleichroeder hierher kommittiert. Er geriet in spaßhafte Begeisterung über zwei Wechsel zu je zwei Millionen Thalern von Rothschild, zeigte sie mir wiederholt und ftagte mich, ob es wohl schöneres gäbe. Er war Feuer und Flamme dafür, so viel GeD auf so kleinem Zettel vereinigt zu sehen.
Außer ihm hat man nock den Geheimrat Scheidtmann von der Seehandlung hierher geschickt. Er ist ein alter reicher Junggeselle, der viel von Rotwein versteht und die Langeweile und körperlicke Unbequemlichkeit des Geld- zählens dadurch zu überwinden sttebt, daß er plötzlich auf- springt und einige Freiübungen oder Zimmergymnastik vornimmt, wie Helmerding auf der Bichne. Er erzählte, er ziehe ein Paar Sttefel nur einmal in der Woche an und würde, da er nur drei Paar bei sich! habe, in Versailles! nicht viel ausgehen können. Wozu die Menschen alles Zeit haben!
Herren von der stanzösiscken Kommission wahrten ehre -Wurde dadurch, daß keiner einen Bissen von meinem Frühstück annahm, waren aber sonst höftickn"
An Gustav v. Rosenstiel-Gorgast.
m. . t , Versailles, 18. 2. 71.
„4uel angenehmer und erwärmender wie das Nachzählen der 200 Millionen ur wie Bleichroeders Entzücken über die Rothschildschen Wechsel ist es mir, wenn ich von Bismarck nad> Tische große Politik höre. Es war ein Meisterstück von ihm, daß er von dem Tage an, wo Favre anfing zu verhandeln, diesen zu stützen und zu heben suchte um das bestehende Gouvernement zu fertigen. Es gelang' Favre wurde eine Macht, Gambetta fiel daran, und wir haben jetzt die Nationalversammlung, die ein großes Maul


