Ausgabe 
2.7.1903 Zweites Blatt
 
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tonntet Seite eine Zuschrift, worin darauf hingewiesen x>urbe. baß ein Glementarlehrer Pri^rMnterricht erteile, her förmlich an eine Fabrik erinnere. Die Erwägung, daß, wenn die Angelegenheit unbeliebtet bliebe, der Anonymus seine Behauptung m der Ocsfentlichkeit wiederholen könnte, und damit der fedjule großen Nachteil Kusügen könne, der- anlabte den Zeugen, das Sck';nslstück an das Großh. Mini­sterium tii übersenden; dies führte zu einem Zerwürfnis mit Direktor Sclbidel und von drefem Zeitpunkt an datiert das Lia gen seines Sohnes über ungerechte Behandlung durch ^heimrat Schädel. Bei Gelegenheit einer hierdurch ver­anlaßten Rücksprache mit je ner Frau hat Direktor Schädel das Gespräch auf zwei Ärtike. derFrkf. Ztg." gebracht, welche aus Anlaß de- Ablebens des Geheimrats Schiller die Kranzspende der Lehrer hiesigen Gymnasiums und das Verhalten des Direktors Schadet zu dieser Sache be- handeUell, ob er, Dr. Rose, diese Artikel eingesandt oder versaßt habe. Frau Dr. R'.ue konnte dies mit Recht in Abrede steUen. Der Zeuge erklärt, daß er dann alles getan hat, um sich Geheimrat Schädel gegenüber von diesem Verdacht zu reinigen. Er hcu sich schriftlich an Direktor Schädel gewendet und diesen gebeten, die Animosität, welche er gegen chn wegen dieser Angelegenheit etwa gehabt, nicht Vts feine Kinder übertragen zu wollen.

Rechtsanwalt Dr. Spohr richtet an den Zeuaen die Frage, welche Tatsache er angeben könne für seine Behaup, tung, daß Geheimrat Schadet seinen Sohn animos be­handelt habe. Dr. Rose verweist auf die Tatsache, daß fein Sohn über Geheimrat Sel)ädel sich fortgesetzt beklagt bat, solange zwischen diesem und ihm das gespannte Ver­hältnis bestand, daß des Sohnes Klagen aber verstummt sind, seitdem die Spannung zwischen ihm und dem Leiter des Gymnasinu.s nicht mehr besteht, fitere Tatsachen, daß sein Sohn von Geheimrat SckMel sck)lecht oder un­gerecht behandelt worden ;et, wären anzugeben ihm un­möglich, da er in der Schule nicht zugegen gewesen sei. Auf Befragen des Rechtsanwalt Grünewald bestätigt Dr. Rose, daß er Dr. Klein, der sein Hausarzt sei, seinerzeit seine Klagen über das Verhältnis jeines Sohnes in Der schule mitgeteilt hat.

Geheimrat Schädel bestreitet, daß er dem jungen Röse etwa habe fühlen lassen, wenn zwischen ihm und dem Vater desselben eine Zeit lang em gespanm.es Verhältnis be­standen habe. Dr. Rose könne sich über ihn nicht beklagen, er habe dafür gesorgt, daß demseloen für seine beiden Söhne Freistellen im Gyninasium gewährt würden. Wenn er den Verkehr mit Rose abg.brechen hat, so geschah dieses, tocil dieser fick in die Angelegenheiten der Lehrer oder auch der Schüler des Gymnasiums gemischt hat und weit die Lehrer sich dies nicht gefallen lajicn wollten.

Lehramtsassessor Knauß schildert den Vorfall in jener Geschichtsstunde zwischen Hans Klein und Geheimrat Schädel. Er, der Zeuge, Hal m der Klasse so geses.en, daß er nur gesehen hat, daß Klein eine abwehreiide Bewegung gegen den Direktor machte, als dieser ihn gefaßt hatte. Der Zeuge hat den Eindruck gehabt, daß Geheimrat Schädel erregt war, als er das Katheder verließ, um zu Klein zu treten.

Die ehemaligen Kameraden des Hans Klein in der Oberprima, Stud. theol. Rühl und Srud. Forst. Seeger, bestätigen, daß der Direktor erregt und eilig das Ka­theder verließ, als er an Klein herantrat und ihn faßte, genau konnten diese Zeugen den Vorfall, der sich schnell abfpielte, nicht beobachten.

Stud. jur. Steinreich ist der Ansicht, Geheimrat Schädel habe Klein an der Brust gefaßt Steinreich deponiert weiter, daß auch in der Unterprimc Geheimrat Schadet den Mein einmal, als dieser am Katheder vorüberging, an der Brust gepackt und ihn förmlich geschüttelt habe.

Hans Klein, der später über diesen Punkt vernommen wird," bestätigt dies, worauf Geheimrat Schädel erklärt, da beide Zeugen es behaupten, müsse er diesen Vorgang als möglich zugeben, aber er könne sich nicht mehr daran eminent.

Oberlehrer Tr. Ur st ad t gibt als Zeuge an, daß der Direktor ihn seinerzeit gefragt habe, ob er von dieser Affäre etwas wisse, die jener von einer Dame gehört haben wolle. Der Zeuge hat dies bestätigt und hinzugefügt, daß er auch davon gehört hat. Sicher sei, daß mit dem Gockel aber nicht der damals abgegangene Oberprimaner Hans, son­dern der ältere Klein gemeint gewesen sei. Nach seiner Ansicht sei Hans Klein als Primaner noch ein wenig unreif gewesen, er habe sich kindisch benommen; daß er heftig gewesen, habe er nicht wahrgenommen.

Ter 27 Jahre alte Kand. theol. Einjährige Bühler dient zurzeit mit dem 18y2 Jahre alten Hans Klein und verkehrt viel mit ihm. Er schildert ihn als einen den Frieden liebenden guten und gutmütigen Kameraden, der gesell­schaftlich lustig, aber keineswegs mutwillig ist. Hans Klein seinicht selbstbewußter, als andere junge Leute", er habe sich in die militärische Disziplin gut ein­gelebt.

Hans Klein erklärt, er wolle Zeugnis ablegen, und bemerkt, daß er gar nicht zu Hause gewesen sei, als das Maturitätszeugnis einaegangen ist. Was sein Vater in der Sache unternommen habe, sei nicht etwa auf seinen, des Sohnes, Einfluß hin geschehen.

Dr. Schmidt, Lehrer am Gymnasium, bekundet betreffs oes jungen Röfe, dieser sei überaus empfindlich und fühle sich leicht zurück gesetzt.

Der Verteidiger, Rechtsanwalt Grünewald, beantragt, Professor Tr. Stamm und weiter einen von der Gegenjette geladenen Zeugen als Sachverständigen zu vernehmen.

Geheimrat Pros. Schädel erklärt, daß er seine Hand­lungsweise als Pädagoge nur beurteilen lassen könne von der ihm vorgesetzten Behörde, nur dem Ministerium stände darüber ein Urteil zu.

Rechtsanwalt Tr. Spohr spricht gegen die Vernehm­ung der Sachverständigen. Es handle sich hier im Ver­fahren darum, festzustellen, ob die Tonart der Briefe des Angeklagten gerechtfertigt ist ober nicht, ob Dr. Klein des­wegen bestraft werden müsse ober nicht. Tie Gegenseite hatte Zeit genug, Beweisantrage vor ber Verhanblung zu stellen, es gehe nicht an, bie Lehrer als Sachverständige gegen ben Direktor ber Anstalt zu vernehmen.

Der Gerichtshof erläßt Beschluß, baß ber Antrag bes Verteidigers Rechtsanwalt Giünewalb abzulehnen sei, weil ber Gerichtshof ber Ansicht ist, baß der Punkt, worüber die Sachverständigen gehört werden sollen, sehr entfernt zur Anklage steht und daß die Mitglieder des Gerichts, soweit als dies &ur Urteilsfindung nötig, sich über bie Frage, um bie es sich allenfalls breht, ber Sachverständigen entraten können.

Staatsanwalt Reuß erklärt daß ber verhältnismäßig einfache Tatbestand ber Anklage, zu bessert Beweisführung er nut drei Zeugen gclaben habe, eine verhältnismäßig sehr grOj/i Zuhörermenge, meistens bestehend aus ehe­maligen Schulen Gymnasiums, veranlaßt habe, in den Gerichtssaal zu kommen, um interessante Tatsachen zu

vernehmen, welche die Verhanblung nicht gebracht habe. ES handle sich uni zwei Briefe, bie ber Angeklagte gfr­ei) rieb en und die den Geh. Schulrat Pros. Dr. Schädel, >en Direktor deS Gießener Gymnasiums, schwer beleidigt haben. Der Staatsanwalt beantragt eine Geld- träfe von 300 Mark, eventuell einen Mvnat Ge- ängnis.

Der Verteidiger, Rechtsanwalt Grünewald, plaidiert in längerer Rede für bie Freisprechung seines Klienten, bem der § 193 (Wahrnehmung berechtigter Interessen) zur Seite tehe.

Rechtsanwalt Dr. Svohr spricht als Nebenkläger seine Ansicht dahin aus, daß Der Angeklagte geflissentlich Dinge in die Verhandlung hineingetragen, bie schlechterdings nicht hineingehören. Der Fall Netto habe sich als ein müßiges Gerede entpuppt, und mit bem Fall 9iöse fei~ gar nichts bewiesen. Wegen ber Höhe ber zu erkennenben Strafe wolle er kein Wort verlieren.

Das Urteil lautete, wie bereits gestern mitgeteilt, auf 150 Mark Geldstrafe gegen Dr. Klein.

Aus Stadl und Land.

Gießen, 2. Juli 1903.

* Landesuniversität. Von der hiesigen Universi- ätSbibllothek ist der außerordentliche Hilfsarbeiter Dr. pbil. Will). Tavernier am 1. Juli als außerordentlicher Hilfs­arbeiter an die Kaiser Wilhelm-Blbliothek nach Posen über­gesiedelt. Die theologische Fakultät hat aus Anlaß der Ein­weihung der EhristuSkirche in Mainz Kirchenrat Frohn- häuser zum Doktor und Pfarrer Grünewald zum Licen- tiaten honoris causa ernannt. Ter Dekan der theologischen Fakultät, Prof. Dr. Baldensberger, hat gestern beiden Herren die Ehrenurkunden überreicht.

* * Zum Jahresfest der Landesuniversität haben, wie es üblich ist, auch gesellige Veranstaltungen statt- gesunden. Gestern nachmittag von 4 Uhr ab war Konzert tm Garten des neuen Saalbaues, wo die hiesige Regiments­kapelle die zahlreichen Festteilnehmer gut unterhielt. Abends war im Saale der Kommers der Studentenschaft, wozu der Rektor, bie Lehrer der Universität und zahlreiche Gäste sich eingefunden hatten.

* Gesetzentwurf, die Dienstverhältnisse der Staatsbeamten betreffend. Seitens des Großh. Staats- minisleriums ist derDarmst. Ztg." zufolge den Stände­kammern, zunächst der Zweiten Kammer, em Gesetzentwurf, die Dienstverhältnisse der Staatsbeamten betreffend nebst Begründung mit dem Ersuchen um verfassungsmäßige Beratung zugegangen. Wir bringen den Gesetzentwurf morgen im Wortlaut.

** Oktroi-Einnahmen der Stadt Gießen. Nach dem Jahresbericht des Oktroi-Inspektors Mäser pro 1902/03

1902,03

1

1.

4.

Abschluß.

190L02

2.

3.

3.

4.

5.

beträgt:

A. Das Oktroi-Einnahmen der Stadt Gießen.

Von Schlachtvieh.....

, Fleisch, Flenchwaaren und Wildpret

# Biemunalerlallen . . . .

, Mühlensabrilcuen und Hafer

, toetiänfen «

Summa In 1902,03 wurden vergütet Daher m 1902/3 weniger .

Summa In 1902/03 gingen cm Daher in 1902,03 weniger

B. Rückvergütung

Für gefallenes Vieh und ausgeiühries Fleisch . . . . .

, ausgeführtes Brennmaterial.

, ausgeführie Mühlenjabritate und Hafer......

4. , ausgesührte Getränke

ö. an das Militär, für Fleisch und Kohlen

C.

Von dem Einkommen Die Rückvergütungen ab .

37 439

12

35 738

62

7 272

10

6 385

65

36 025

17

37 826

68

5 644

83

5 014

57

33 316

11

32 716 71

119 697

33

117 682

23

117 682

23

2 Ulö

10

e 11.

822

25

942

71

6UU

33

720

52

3 246

93

2 555

87

6 761

68

6 631

48

2 686

62

2 762

05

14 117

bl

13 612

63

13 612

63

505

18

119 697

33

117 682

23

14 117

81

13 612

63

Bleiben 10Ö Ö79 62 104 069 6u

In 1902,03 104 069 60

Daher in 1902 03 weniger 1509 92

** Kirchbau. Die im Neubau begriffenen Kirche ber hiesigen katholischen Gemeinde in der Liebigstraße wird bis Ende September oder Anfang Oktober im Rohbau soweit fertiggestellt sein, daß man sich dann ungefähr schon ein Bild von dem Gesamteindruck ber Kirche machen kann. Sie wird in rheinisch-gotischem Styl in der bekannten Berckschen Manier ausgeführt und verspricht mit zwei der inneren Stadt zugekehrten Türmen eins der schönsten Bau­werke unserer Stadt zu werden. An eine Änweihung ist vor nächstem Jahr natürlich nicht zu denken.

* Die Soiree (Sief ermann im Stadttheatersaal hat

gestern Abend die Besucher sehr vergnügt und befriedigt. Herr Eickermann und seine Frau sind ein fideles Künstlerpaar, das sich dadurch nicht entmutigen ließ, daß der Besuch ihrer Erstlingsvorstellung zu wünschen übrig ließ. Man hatte keinen günstigen Tag gewählt. Die humoristischen Vorträge sind nicht von gewöhnlicher Art, sondern verdienen ein .besseres" Publikum. Möge es sich zur nächsten Vorstellung zahlreicher einsinden.

* Jubiläums- und Schützenfest. Wie schon gemeldet, begeht am 19. bis 21. Juli unser Schützenverein das Fest seines 25 jährigen Bestehens. Aus diesem Anlaß sind in unserer Feststadt der Bedeutung des Vereins wür­dige, große festliche Veranstaltungen geplant. Mr erfahren darüber das Folgende: Dem Motto aller deutschen Schützen-Gilden getreu,lieb Äug' und Hand für's Va'ter- land", werden an den drei Festtagen große Preis- und Jubiläumsschießen ftattfinben, an denen sich zahlreiche aus­wärtige Schützenvereine beteiligen. Am Vorabend des Festes, gewissermaßen als Einleitung dazu, wird am 18. Juli abends im Neuen Saalbau ein Bankett ftattfinben, zu welchem sämtliche Vereine Gießens Einladungen er­halten; man erhofft von diesen eine rege Beteiligung! Am ersten Festtage, dem 19. Juli, wirb in ber Frühe ein Weckruf bie Burger unserer Vaterstadt begrüßen. Für drei Uhr nachmittags ist ein großer Festzug geplant, dem sich auf bem schattigen Schützenplatz ein großes Volksfest an- schließt, wobei bas junge Volk reichlich Gelegenheit finden wird, sich im Reigen zu schwingen. Am Montag, den 20. Juli, ist auf bem Festplatz vormittags Frühkonzert, mit­tags um 1 Uhr im Schützenhaus Festmahl und nachmittags wieber im Schützengarten Konzert und Tanz vorgesehen. Ter Dienstag, 21. Juli, ist tagsüber bis abends 6 Uhr für das Schießen bestimmt, nach dessen Schluß bie Preisver­

teilung stattfinbet. Am 9lbcnb wirb Konzert, Tanzdeiusttg- ung uno ein Monstre-Schlachtenseuerwerk bas Jubiläums- est beschließen.

* Garde-Verein Gießen. Nach einer an das Großh. Hessische Staatsministerium gelangten Note der König!. Preußischen Gesandtschaft vom 12. v. MtS. hat S. Nt. der Kaiser genehmigt, daß der Gardeverein zu Gießeil auf seiner neu zu beschaffenden Fahne Gardeadler und Garde st er n nach einer Sr. Majestät vorgelegten Zeichnung neben den übrigen darauf gezeichneten Wappen ühren darf. Da der Garde-Verein kauin drei Jahre besteht, ist dies als eine recht ehrende Auszeichnung für den Verein zu bezeichnen, zumal die Allerhöchste Genehmigung zur Führung einer derartigen Jahne bis jetzt nur wenigen Ver­einen erteilt wurde. Wie uns mitgeteilt wird, ist die An- fertigung der Fahne, die sehr gediegen und geschmackvoll auSgcfüßrt und demnächst in würdiger Weise geweiht werden oll, der Thüringer Jahnenfabrik zu Eoburg übertragen worden.

** Bismarckturm auf dem Taufstein. Von heutL ab ist der Entwurf eines Bismarckturmes auf dem Taufstein in den Schaufenstern der Papierhandlung von Kühn auf dem Seltersweg ausgestellt. Er rührt von dem auch hier wegen einer kunstsinnigen Erneuerungen und Ausbesserungen alter Gebäude von architektonischem Wert rühmlichst bekannten Architekten Hofmann her. Der Entwurf, der in der Ge­staltung des unteren Teiles des Turmes kraftvolle Originalität zeigt, hält sich doch im ganzen und besonders in den oberen Teilen an die gebräuchliche Form der Blsmarcktürme. Es ist zweifellos, daß der Turm in der Gestalt des Entwurfs auf dem für ihn bestimmten Platz einen würdigen und, dem Grundzlige des bismarckischen Eharakkers entsprechend, wucht­igen Eindnlck machen wirb. Unseren Lesern ist es be­kannt, daß der hiesige Zweigverein Taufstein des Vogels­berger Höhenklubs (gleichzeitig Sektion Belchen des Vogesen- klubs) sich seiner Zeit mit einem Aufruf an die Oeffentlichkeit gewendet hat, indem er zu freiwilligen Gaben für den ge­planten Turm aufforderte. Seinen erfolgreichen Bemühungen i|t es mit zu danken, daß bis jetzt schon über die Hälfte der erforderlichen Summe von 12 000 Mk. aufgebracht ist. Die vom Verein abgeschickten Einzeichnungslisten sind noch nicht alle zurückgestellt worden. Es sind also noch Beiträge zu erwarten, und wir werden deshalb ersucht, auch an dieser Stelle wiederholt zu weiteren Zeichnungen aufzufordern.

** Unnötige Sorge. DieNeuen Hess. Volksbl.^ hatten dieser Tage eine Warnung vor dem Verschlucken der Kirschkerne ergehen lassen. Jetzt schickt diesem Blatt ein Leser folgende sehr zutreffende Antwort darauf:

Tie Warnmig vor den Kirschenkernen Erscheint in diesem Jahr wie Hohn; Tenn um die Kerne zu emsernen Bcbürse es derKirschen" schon.

Toch diese sind so sündhaft teuer, Taß man sie kaum erschwingen kann. Drum hat man mchts zu iürd)tcn beiter: Das Volk verschluckt sich nicht daran.

i. Lich, 1. Juli. Ein schwerer Unfall trug sich im benachbarten Ettingshausen zu. Ter Landwirt Heinrich Keil stürzte gestern in der Scheune vom Gerüst und blieb bewußt­los in der Tenne liegen, wo ihn die Angehörigen fanden. Es wurde sofort der ^lrzt geholt. Der Bedauernswerte zog sich mehrere Rippenbrüche, äußere und wahrscheinlich auch innere Verletzungen des Kopfes und Rückens zu. Das Bezirksfest des Kriegerbezirks Lich des Hassia-Verbandes wurde am Sonntag und Riontag in Nonnenroth abge­halten. 25 Vereine nahmen an dem Feste teil.

Grün berg, 29. Juni. Gestern fand eine Revision der hiesigen Handwerker-Sonntagszeichen- fchule jiuit, zu der Baumeister Traber auS Gießen, sowie der Vorsitzende des Bezirksverbandes der Orts­gewerbevereine, Herr Petri-Gießen, und sämtliche Vor- I iflcnbe der letzteren erschienen waren. Erfreulicherweise konnte sowohl den Einrichtungen der Schule, wie der Tätigkeit der Lehrer und den Leistungen der Schüler hohe Aner^nnung gezollt werden. Nach der Schulrevifion fand imWill)en Mann" eine Versammlung des Bezirksver­bandes statt, die sich vornehmlich mit Fragen beschäftigte, die in der in Darmstadt stattgefundenen Plenarversamm­lung des Landesgewerbevereins zur Erledigung gekommen waren. Das vom hiesigen Schützenverein veranstaltete Hauptpreis schieß en, an dem sich Schützen aus Gießen, Alsfeld und Laubach beteiligten, nahm gleich den jünf seit Bestehen des Vereins vorausgegangenen wieder­um den besten Verlauf, wenn auch die Beteiligung diesmal eine etwas geringere war. Die Ehrenscheibe am ersten Tage erhielt Herr Dr. Fritz-Grünberg, am zweiten Tage Herr Rudolf Ritter-Laub ach. (G. A.")

u. Bad-Nauheim, 1. Juli. Der Gesangverein Frohsinn, der älteste hiesige Männergesangverein, feiert am 4., 5. und 6. Juli fein 60 jähriges Stiftungsfest, verbunden mit Fahnenweihe. Aus diesem Anlaß sindet am Sonntag ein Gesangwettstreit, bestehend in Ehrenpreis- und Klassensingen im Konzertsaale des Kurhauses statt. Nahezu 60 Vereine haben ihr Erscheinen zugesagt. Montag ist ein großes Volks­fest. Der erste Ehrenpreis ist vom Großherzog gestiftet.

6. Alsfeld, 1. Juli. Die katholische Gemeinde im benachbarten Ohmes weihte gestern in Anwesenheit des Bischofs von Mainz ihr neues Gotteshaus ein.

R. B. Darmstadt, 2. Juck. Hier hat bekanntlich noch die Neuwahl zweier Landtagsabgeordneten anstelle der ungiltigen Wahlen der Abgg. Seng und Langenbach stattzufinden. Es bestand die Absicht, die Nemvahl ' auf den 20. Juli festzust'tzen; die Regierung hat jedoch in Rücksicht auf die heiße Jahreszeit und die damit verbundenen Wahlbehinderungen den Termin defi­nitiv auf den Herbst d. I. verschoben.

Offenbach, 1. Juli. Mit dem heutigen Tage ist das sozialdemokratischeOffenbach er Ab end blatt" des Herrn Earl Ulrich in die Hände seiner Parteigenossen des Kreises Offenbach-Dieburg übergegangen. Als Firmeninhaber sind in Vertretung der soz. Partei die Genossen Kaspar Spieß- Offenbach, Andreas Roth-Offenbach und Peter Zahn lil.- Mühlheim in das Handelsregister eingetragen. Tas Verlags­recht wird von einer offenen Handelsgesellschaft ausgeübt. Die Geschäftsführung ist dem Genossen Julius Wolff über­tragen worden. Die redaktionelle Leitung desOffenbacher Abendblattes" bleibt in den Händen des Genossen Ph. Schei- demann. Neu eingetreten ist in die Redaktion mit dem 1. Juli Genosse Hauschildt. Die technische Herstellung des Offenbacher Abendblattes erfolgt nach wie vor in der Druckerei