Ausgabe 
2.7.1903 Zweites Blatt
 
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des Herrn Ulrich. DaS Offenbacher sozialdemokratische Preßorgan schreibt übrigens, mit den Ausschreitungen hätten die sozialdemokratischen Arbeiter nichts zu tun gehabt. Als die Nachricht von den Tumulten, bei denen auch Dr. Becker einen Stockhieb über den Kops erhielt, imSchützenhos", wo die sozialdemokratischen Arbeiter versammelt waren, bekannt wurde, erregte sie dort allgemeine Entrüstung.

- k-. Mainz, 27. Juni. (Eigentelegramm des Gieß. Anz."). In Anwesenheit S. K. H. des Groß- herzogs und des Staatsministers Dr. Rothe sand soeben die feierliche Einweihung der neu erbauten Ehristus- kirche statt.

Frankfurt, 1. Juli. Das Großfeuer ist bis zur Stunde noch nicht erloschen und die Feuerwehr arbeitet noch fortgesetzt mit zwei Schlauchlinien an der Bewältigung des Brandes. In der Nacht brach in dem Hauptbau, der bis jetzt noch zum Teil verschont war, das zweite Stockwerk plötzlich durch und stürzte durch den 1. Stock aus das Par­terre nieder. Dadurch vergrößerte sich der Brandschaden sehr, well sehr wertvolle Maschinen uunmehr vernichtet sind. Einen interessanten Prozeß führen zwei Theater- Abonnenten hier mit der Theater-Aktiengesellschaft. Der Rechtsstreit wirft zugleich ein Licht auf die Verhältniffe im neuen Schauspielhause. Die beiden Abonnenten weigern sich, die von ihnen abonnierten Logenplätze, zweite Reihe, zu be­zahlen, well sie angeben, sie könnten von dort nichts sehen. Das Gericht hat die Verhandlung aus September vertagt, inzwischen soll durch Inaugenscheinnahme festgestellt werden, ob man in der Tat von jenen Plätzen aus nichts sehen kann.

Marburg, 30. Juni. Eine von 80 Genoffen besuchte sozialdemokratische Versammlung hat mit allen gegen 3 Stimmen ein Tadelsvotum gegen denVor­wärts" beschlossen und denVorwärts" um Abdruck dieser Resolution ersucht. DerVorwärts" hatte sür die Stichwahl entgegen dem Beschluß der hiesigen Lokalparteileitung die Wahl o. Gerlachs (nationalsozial) empfohlen. Die Mehrzahl der Genoffen hat sich nämlich, wie bekannt, für Herrn v. Gerlach entschieden.

() M arb urg, 2. Juli. Bei Erd arbeiten in der Schwanallee stießen die Arbeiter gestern in einer Tiefe von etwa 3 Metern auf eine uralte Holzwasser­leitung. Die Heerstraße entlang zieht sich ein dicker, hohler, aber mit einem Deckel versehener Eichstamm, in dem noch Wasser fließt. Das Holz ist tiefschwarz und so hart wie Glas. Um 11 Uhr nachts brach in der Haas'schen Lumpenfabrik, mit welcher zugleich ein großes Papier­lager verbunden ist, ein furchtbares Feuer aus, das in Zeit von drei Stunden die gesamte Fabrik, so­wie zwei Nebengebäude und ei n. e Scheune nebst Stall der Bierbrauerei Bopp in Schutt und Asche legte. Die gesamte Feuerwehr war am Platze; man mußte sich hauptiächlich darauf beschränken, das Feuer von den angrenzenden Wohnhäusern und von der Oberstadt abzuhalten. Durch die brennenden Lumpen- und Papier­setzen entwickelte' sich ein furchtbarer Funkenregen. Das Feuer war weithin sichtbar. Wie der Brand entstanden ist, weiß man nicht.

Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Die bauernbündlerischeDeutsche Volks­macht" schreibt:Der liberale Sieg in Alsfeld-Lauter­bach wird den Reichstag noch beschäftigen, der entscheiden wird, ob die Herren Beamten aus dem Vogelsberg ein Klein- Sibirien machen dürfen". Der Verband der Herdbuch- gesellschaften für das Vogelsberger Rind mit dem Sitz in Biedenkopf, der sich aus Oberheffen erstreckt, hat bet der Landwirtschaftlichen Ausstellung in Hannover einen großen Erfolg gehabt. Auf 30 ausgestellte Nummern entfielen 22 Preise im Gesamtbeträge von 2530 Mk., darunter 11 erste Preise und ein Sieger-Ehrenpreis. Die Preisrichter lobten besonders die Ausgeglichenheit der ausgestellten Tiere. Aus der sogen. Maulbeerau bei Worms, jenseits des Rheins, wurde bei einem Gewitter ein Landwirt aus Biblis samt seinen beiden Pferden vom Blitz erschlagen.

Vermischtes.

* Mühlheim a. Rh., 1. Juli. Auf Friedrichs Wilhelmshütte wurden drei Arbeiter durch glühende Eisen­massen tätlich verletzt.

* Kiel, 1. Juli. Drei Dampfpinassen des Kreuzers Victoria Luise" und des SchulschiffsMoltke" kollidier­ten im Kriegshafen gegenüber dem Admiralitätsgebäude, Beide erhielten ein Leck und sanken sofort. Die Besatzungen der Pinassen wurden gerettet.

l Wißmar, 1. Juli. Vor einiger Zeit berichteten wir von einem Uebeltäter, der hier einen jungen Mann durch Messerstiche jo schwer verletzte, daß an seinem Aufkommen gezweifelt wurde, weiter, daß der Täter aus dem Hastlokal ausbrach, seinem Schwager Geld stahl, und hieraus die Flucht ergriff. Der Täter wurde im April d. I. in Frankfurt a. M., wo er ebenfalls schwere Körper­verletzung begangen hatte, ergriffen. Heute sollte vor dem Gericht in Wetzlar gegen den Täter verhandelt werden. Kurz vor der Verhandlung ist dieser mit Hilfe des Mit­angeklagten Heinrich Wagner hier, der dem Inhaftierten von außen das Fenster öffnete, entflohen und mit ihm noch ein zweiter Sträfling. Der Helfershelfer Wagner, der schon selbst wegen schwerer Körperverletzung vor­bestraft, und in unserem sonst so friedlichen Dorf ge­fürchtet ist, hatte dem Flüchtling Geld zugesteckt. Infolge oieier Vorgänge wurde Wagner verhaftet. Auf dem Trans­port iiciuj uciii Amtsgerichtsgejängnls setzte er bem Polizei­beamten heftigen Widerstauo entgegen. Nach einem in Wißmar verbreiteten Gerücht sollen die Flüchtlinge heute abend in der Nähe von Gießen wieder ergrifjen wor­den sein.

* G e n f, 1. Juli. Samstag früh brachen sieben deutsche Stüderlten von der Genfer Universität von hier aus zu einer M o n t bl a n ep a r t i e auf. Bis heute abend sind keine Nachrichten von ihnen eingegangen. Der Verein, welchem sie angehören, organisiert zwei Expeditionen nach Chamo unix.

* Die deutschen Land wirte in Amerika. Der Times" wird darüber aus Newyork folgendes Nähere ge­meldet:Von den vielen ausländischen Deputationen, die uns in letzter Zeit aussuchten, scheint keine so wenig zu bewundern gcfintben haben als die Deputatioil der deutschen Landwirte, cl bestaub aus 1/ Herren und wurde von bem kaiserlichen Oekouomierat Speck von Fleugge ge­führt. Die Deputation war vom Kaiser direkt zum Studium

der amerikanischen Ackerbaumethoden gesandt worden. Bei ihrer Rückkehr nach Newyork nach einer Tour von sieben Wochen erklärten sie, Amerika sei ein wundervolles Land, aber es könne in Bezug auf den Ackerbau Deutsch­land nichts lehren. Die amerikanischen Far­mer seien so verschwenderisch, daß sie demnächst von Deutschland Holz importieren müßten, weil sie die W ä l d e r zerstörten, und Kunstdünger, wett sie den Boden erschöpften. Die Herren kritisierten auch die ameri­kanischen Schlafwagen, die schmutzigen Negerdiener und die übertriebenen Preise sür Speisen und Zigarren. Karl Fuhr­mann, der Student der Berliner Unrverfität und ein Mitglied der Deputation ist, sagte, die amerikanischen Uni* versitäten seien vorzüglich mir Ausnahme des Umstandes, daß das Biertrinken nicht Aepslegt werde. Wenn die Studenten Wasser trinken, so können sie nicht den Enthu­siasmus besitzen, oen wir auf unseren deutschen Schulen, von Bier inspiriert, an den Tag legen."

* U eb-er die Zigarette des Kaisers hatte sich in sachlichen Kreisen eine Meinungsverschiedenheit ent­spannen. Das FachorganDie Zigarre" hat in dieser An­gelegenheit folgerte Feststellung gemacht: Als der Sultan bem Kaiser vor 15 Jahren Zigaretten zum Geschenk machte, gefielen diese dem Kaiser so gut, daß ein Hoflieferant in Berlin bald darauf aufgesorbert wurde, ein in Größe und Qualität ähnliches Fabrikat herzustellen. Die Zigarette ist 150 Millimeter' lang, wovon 75 Millimeter auf das Mundstück kommen. Der Durchmesser ist 9 Millimeter. Die Zigarette ist aus dem feinsten türkischen Mowsal-Dubee gearbeitet.

* Luise von Toskana hat einen Brief an eine Freundin in Dresden, datiert aus Schloß Ronno, gerichtet, in welchem es u. a. heißt:Ich bin froh und Gott von Herzen dankbar für die Gnade, die er mir infolge der Aus­söhnung mit meinen Eltern erwiesen hat. Hier . . . hoffe ich nach schweren Kümmernissen an Leid und Seele wieder zu genesen. Ich lebe nur meinem Kinde und bin stets glücklich, wenn ich von meinen lieben Dresdener Freunden gute Nachrichten über das Wohlergehen meiner so heiß­geliebten übrigen Kinder erhalte. Mir sind in der letzten Zett aus ganz Sachsen so mannigfache Beweise treuer Anhänglichkeit des lieben Sachsenvolkes, an dem ich mit unveränderter Liebe hänge, zuteil geworden, daß ich die schöne alte Heimat nie in meinem Leben vergessen werde. Ich bin aber auch meinem Gatten, dem Kronprinzen, zu aufrichtigem Donk verpflichtet, daß er meinen Wün­schen und Bitten in so weitem Maße in edelmütigster und ritterlichster Weise entgegengekommen ist. Mein Töchterchen kann ich nun auf Jabre hinaus bei mir behalten, und auch die vermögensrechtliche Regelung meiner Verhältnisse wird nicht mehr auf Schwierigketten stoßen. Ich bin glück­lich und froh, daß attes Schwere überstanden ist... . Ihre Luise."

Kunst und Wissenschaft.

Augsburg, 1. Juli. Die Teilnehmer an der Hauptver­sammlung des Vereins deutscher Ingenieure trafen heute vormittag mit Sonderzug hier ein. Im goldenen Saale des Rathauses wurde zunächst eine geschäftliche Sitzung abgehalten. Vlad) einigen Begrüßungsansprachen wurden verschiedene Vereins- angelegenyeiten beraten, und u. a. em fünfgliederiger Ausschuß eingesetzt zur Mitwirkung des Vereins bei der Beteiligung an der Wettausstellung in St. Louis. Ferner wurde ein Jahresbeitrag von Dlk. 5000 für das Museum von Meister­werken der Naturwisjenjchaft und der Technik in München geneh­migt und zum Vorsitzenden für 1904/05 Professor Linde-München gewählt. Als Ort der nächsten Hauptversammlung wurde Frant- i nrt a. 9JL bestimmt. Hierauf hielt Diplomingenieur Paul Möller- Berlin einen Vortrag über die amerikanische Maschinen-Jndustrie und die Ursachen ihrer Erfolge. Nach der Sitzung fand ein gemein­sames Essen statt. Am Nachmittag ruurben verschiedene industrielle Anlagen besichtigt.

Ibsen. Aus Kopenhagen berichtet man, daß Henrik Ibsen nad) längerer Krankheit gestern zum ersten male wieder ausgefahren ist. Bei dieser Gelegenheit sei erwähnt, daß in der neuesten Nummer desMagazins für Literatur" (H. Seemann Nachf. in Leipzig) Hegner rm Aufsatze gegenStrindberg gegen Ibsen" sehr entgegen Stellung nimmt zu gunslen des jüngeren schwedischen Poeteti gegen den greisen Norweger.

Gerichtssaal.

M ainz, 1. Juli. Wegen verleumderischer Beleidigimg des Bürgermeisters Hoffmann und der Gemeinderatsmitglieder von Sprendlingen hatte sich gestern der katholische Pfarrer Peter Schönherr aus Ober-Ingelheim, zur Zeit Pfarrer in Sprend­lingen, vor der S t r a f k a in m e r zu verantworten. Der Ange­klagte hat wegen des Voranschlages der Gemeinde an den Bürger­meister einen Brief geschrieben, in dem er ihn der Urkunden­fälschung und der schlechten Geschäftsführung beschuldigte. In an­deren Briefen warf er ihm Ungesetzlichkeiten vor und als dem Pfarrer zur Abhaltung einer Versammlung das Rathaus ver­weigert wurde, meinte er zu dem Polizeidiener, der Bürgermeister habe mit dem Aermel das Zuchthaus gestreift. ImRhein. Beob­achter" veröffentlichte er dann ein Inserat, in welchem er den Bürgermeister, den Beigeordneten Schnell und den Gemeinderat beleidigte. Die Vernehmung des Angeklagten und von 24 Zeugen nahm fast den ganzen Tag in Ansprud). Der Angeklagte will nur das gesetzlidie Recht verteidigt haben, aber niemals die Absicht gehabt haben, zu beleidigen. Die Staatsanwaltsd)ast beantragte eine mäßige Gefängnisstrafe oder eine empfindliche Geldstrafe, die Verteidigung, Herr Rechtsanwalt Loewensberg, Freisprechung. Der Vertreter des Nebenklägers, Herr Justizrat Görz, schloß sich den Anträgen der Staatsanwaltschaft an. Das Urteil wird in acht Tagen verkündet. (M. Tgbl.)

Wiesbaden, 1. Juli. Als Nachtrag zu den Reichstags­wahlen wurde heute vor dem hiesigen Schöffengericht eine Be­le i b i g u n g k l a g e des nationalliberalen Reichstagskandidaten Kommerzienrat Bartling gegen den verantwortlichen Redakteur derFranks. Ztg." verhandelt. Am 9. April war in derFranks. Ztg." zum ersten Male gemäß einer Bemerkung des Bürgermeisters Wolff in Biebrich öffentttd) festgestellt, daß Bartling auch Mitglied des Bundes der Landwirte sei. Zur Erhärtung dieser Tatsache war dann gesagt: Tie Aeußernngen sind stenographisch sestgelegt und wenn Bartling demnächst vielleid)! versichern sollte, daß er nicht Mitglied des Bundes sei, so wird man annehnten dürfen, daß er schleunigst wieder ausgetreten ist. Bartling erblickte darin eine Beleidigung und klagte. Das Gericht nahm nicht an, daß in dem Artikel irgend eine Beleidigung enthalten fei und es erfolgte demgemäß die Freisprechung.

Frankfurt a. 9)1., 1. Juli. Die heutige Schwurgerichts- s itz u n g nahm ein unerwartetes End e. Auf der Rolle stand die Verhandlung gegen den 32jährigen Gärtner Wilhelm Strack, dessen Tat Ende Januar ganz Rödelheim in hochgradige Aufregung versetzt hat. Am Abend des 29. Januar war die Tochter des Bäckers Josef Simon in Rödelheim, die 10jährige Julie Simon, spurlos verschwunden. Sie hatte noch um 7 Uhr mit anderen Kindern gespielt. Alen suchte alles nack) ihr ab, unb am 2. Februar fand der Weißbinder Leonhard die Leiche in der Nidda, 300 Meter unterhalb der Eisenbahnbrücke, in eine Baum- ivurzel eingeklemmt. Der Tod war durch Ertrinken erfolgt; Spuren äußerer Gewalt fanden sich an der Leiche nicht vor. Die Ein- wotzner von Rödelheim waren aber überzeugt, daß das Kind einem Verbrechen zum Opfer gefallen sei, und der Verdackst lenkte sick) bald aus den Wilhelm Strack Erst am 14, März machte er die ersten

Zugeständnisse. Er gab zu, das Kind an sich gelockt und unsittliche Handlungen mit ihm vorgenommen zu haben. Aber er versicherte, er sei kein Mörder und Totschläger; das Kind habe sich von ihm losgeriffen und fei dabei über Oie steile Böschung in die Nidda gestürzt. Der Angeklagte wurde wegen versuchter Notzucht und vorsätzlicher Tötung vor das Schwurgericht verwiesen und für die Verhandlung wurden zwei Tage in Aussicht gennmmen; denn es waren nicht allein 45 Zeugen zu verhören, sondern es erschien auch eine Fahrt nach Rödelheim zur Besichtigung des Tatortes er­forderlich. Indessen es kam nicht dazu. Heute teilte Staatsanwalt Dr. Knecht mit, der Angeklagte habe sich durch Selbstmord der irdischen Gerechtigkeit entzogen. Strack hatte sich (wie bereits kurz mitgeteilt), zwischen 5 und 7 Uhr früh an seinen Hosenträgern in der Zelle erhängt.

Landwirtschaft.

Der Hessische Landwirtschaftsrat teilt uns mit, daß eine größere Zahl Landwirte, die sich für die Studienreise nach dem Nheinlande und Belgien (6.11. Juli) bereits angemeldet hatten, ihre Anmeldung zurückgezogen haben, sodaß noch einige Teilnehmer ausgenommen werden können, wenn sie sich sogleich beim Landwirtfchaftsrat anmelden. Insbesondere wäre erwünscht, wenn sich für die Vorreise an die Mosel (6. und 7. Juli) noch Teil­nehmer finden würden, da für dielen Teil der Reise die Anmel­dungen weniger zahlreich sind.

Gottesdienst der israelitischen ßeligionsgelellschast.

Sabbathfeier am 4 Juli 190 3.

Freitagabend 8 Uhr. Samstag Vormittag 8 Uhr.

Nachmittag 4 Uhr.

Sabbathausgang 9.35 Uhr.

Wochengottesdiensl: Morgens 6 Uhr, abends 8 Uhr.

Briefkasten der Redaktion.

(Anonyme Anfragen bleiben unberücksichtigt.) Leihgestern. Es ist doch wohl ein kleiner Unterschied, ob Herr O., oder ob HerrDr.* Bebel, wie Sie schreiben, redet.

Neueste Melau naen.

Originaldrahtmeldnngen des Gießener Anzeigers.

Berlin, 2. Juli. In der Schwimm-Anstalt des Pionier-Batattlons in Spandau ereignete sich $in tät­licher Unfall. Vor den Augen einer Anzahl Mann­schaften versank der Pionier Lengler und kam nicht wieder lebend zum Vorschein. Nach einiger Hell wurde seine Leiche geländet. Er war einem Schlaganftttl erlegen.

Seidig, 2. Juli. Der akademische Verein der Armenier an der hiesigen Universität protestiert öffentlich gegen die Unterschriftarmenische Studenten­schaft" unter der Glückwunschadresse, die an die sozialdemokratische Reichstagsfraktion zum Wahl­erfolg gerichtet wurde. Der Korporation sei von der Adresse nichts bekannt gewesen.

London, 2. Juli. In der stark besuchten Versamm­lung des Generalausschusses des Verbandes der libe­ralen Vereine, die besonders einberufen war, um CH amb erlains Zollvorschläge zu erwägen, wurde eine Resolution gefaßt, die zum Widerstande gegen die Vorschläge ermahnt, deren Annahme unvermeidlich die Lebensmittel und Rohstoffe verteuern, durch Erhöhung der Produktionskosten oen Handel herab- mindern, England in Zollkriege verwickeln, die Be­ziehungen zu den Kolonien gefährden und die Festigkeit oes Reichesbedrohen wurde. Asquith brachte Gründe gegen die Aenderung des Zollsystems vor. Deutsch­land habe allerdings riesige Fortschritte gemacht, aber England könne nicht erwarten, das Handelsmonopol zu behalten.

Rotterdam, 2. Juli. Von der Ostküste Sumatras wird ein heftiger Kampf zwischen holländischen Trup­pen und aufständischen Atchinesen gemeldet. Eine hollän­dische Kolonne stieß auf starke Befestigungen, welche ge­nommen werden mußten. Aus.holländischer Seite gab es drei Tote und 45 Verwundete. Die Verluste der Einge­borenen waren schwer. Die Kolonne kehrte zurück, da die vielen Verwundeten ein Hindernis für den Wettermarsch bildete.

Wien, 2. Juli. Der Kohlen-Großhändler Sieg­fried Landau ist nach Verübung großer Betrüge­reien und Wechselsälschungen flüchtig geworden. Kaufleute erleiden einen Schaden von mehreren hundert­tausend Kronen. Man glaubt, daß Landau sich nach Ame­rika geflüchtet habe.

Arad, 2. Juli. Der Kutscber eines Grundbesitzers in Ten ko, Namens Szabo, welcher mit der Frau seines Dienst- Herrn ein Liebesverhältnis unterhielt, dem ein Zwillings­paar entsprossen war, wurde von Gendarmen wegen Dieb­stahls verhaftet. Vor seiner Abführung bat Szabo die Gen­darmen, nochmals in das Haus treten zu dürfen, um seine Habseligkeiten zu holen. Daselbst angelangt, tötete er die im Bette liegende Frau und ihjre Zwil­linge. 'Nur mit Mühe konnte der rasende Mörder über­wältigt werden.

Belgrad, 2. Juli. Die Münster, Senatoren und Ab­geordnete waren zu einem längeren Gastmahl bei Hose. Der König drückte in einer Rede den Wunsch aus, datz durch einiges Ärbeiten die Festigung des Landes gelingen möge. Der Senatspräsident anttvortete in ähnlichem Sinne. Nach Tisch hielt der König Cerele ab, woraus er mit den An­wesenden Kolo tanzte. Tie Stimmung war sehr herzlich

Konstantinopel, 2. Juli. Mehemed Ali Bey, der die Polizei im Aildiz Kiosk leitet, wurde in Bujukdere verhaftet und nach Angora verbannt. Den Vorwand bildete feine Anzeige, daß ein Beamter der Regie Beleidig­ungen gegen gegen den Sultan ausgestoßen habe.

Red Star Linie.

Der PostdampserKroonland" der Red Star Linie in Ant­werpen ist laut Telegramm am 29. Juni wohlbehalten in New- Pork angekommen.

Telephonischer Kursbericht» fr VHtikiujM m. 2. Juh 3

3Va°/o Reichsanleihe .

. 102.10

30/9 do. . .

. 91.80

3Ve% Konsols . . .

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3°/0 do ....

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SVg0/« Hessen . . .

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. 100.00

496 Oesterr. Goidrente .

. 102.80

4l/6 96 Oesterr. Silberrente

100.25

496 Ungar. Goidrente .

. 101.75

4°/v Italien. Rente . .

. 103.50

4Va 96 Portugiesen . .

. 50.00

3°/ Portugiesen. . . .

. 81.10

196 0. Türken . . .

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Türkenlosu.....

. 132.00

4% Griech. Monopol.-Anl. 44.80 4l/a% iiuBBtiro Argentiner.

3u/o Mexikaner . . . 26.60

4,/sVü Chinesen , . . 92.95

Electric, »otuckert . . . 93.20 Nordd Lloyd . . . . 99 80

Kreditaktien . ... 208.30

Diskonto-Kommandit. . 187.20

Darmstädter Bank . . . 137.20 Dresdener Bank .... 147.60 Ber iner Handolsges. . . 154.50 Oesterr. Staats bahn . . . 143.80 Lombarden . . . . , 18.20 Gotthardbahn ..... 190.00 Laura hätte ...... 216.00 Bochum.......172.00

llatpener......179.75

Tendenz: still.