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2.7.1903 Zweites Blatt
 
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153. Jahrgang

Zweites Blatt.

Nr. 15Ä

täglich ander Sonntags.

Dem Gretzener Anzeiger werden tm Wechsel mit dem Keffischen Landwirt bte Siebener Kamillen« blätter viermal in der Woche beigelegt

ViolatlonSdrnck u. Ber» log bei 6 c ü h l'schen llnweri.-Buch» u. Stein» bruderet (Pietsch Geben) iSiebaltwn, Lrpedittoa und Drnckereir

Gchnlstratze 7.

ttbvetle Mr Deveschertt «n-etger Gietzen.

Frruiprrchanlchluh Ar. 51.

Gießener Anzeiger R M - < Zeilen preiS: total 11

** General-Anzeiger v-

ben poltt. und aUgefiL

Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießen MG«

W -eiqenteU: Han« Beck.

Ein Beleidrgungsprozetz.

-t Gießen, 1. Juli.

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(Schluß.) . . _

Geheimrat Professor cujuoel schildert, wie tief ihn die beiden Schreiben oes Angeklagten verletzt hätten. Ter Zeuge schildert den wesentlichen Vorgang. So habe er den Primanern Anweisungen erteilt zu einem Aussatz. Die Schüler hätten sämtlich nachgcschrieben, während Klein un- ausmerksam in die Luft gestarrt hätte. Er, der Zeuge, habe daraus dem Klein vom Katheder aus zugerusen, wenn er nicht nachschreibe, solle er das Klassenzimmer verlassen. Er haoe diese Aufforderung, die Klasse zu verlassen, wieder­holt, woraus Klein ihm schroff erwidert habe, das brauche er nicht. Darauf ist der Zeuge vom Katheder an Klern herangetreten, hat ihn leicht am Aermel gefaßt, um chu hinauszuführen. Da habe dieser förmlich eine Kampfstell­ung gegen chn eingenommen und sei mit dar Hand aus- gejahren. Direktor Schädel ist dann zurückgetreten und hat oor der ganzen Klasse dem Klein erklärt, wenn dieser nicht ihn um Verzeihung bitte, dann habe er sich die Folgen seines Benehmens zuzuschreiben. Klein sei dann am nächsten Mittag zu ihm gekommen und habe ihn um Verzeihung gebeten und dabei hinzugefügt, er sei bei dem Vorfall sehr erregt gewesen und wisse nicht, wie er dazu gekommen. Direktor Schädel erklärt, er habe Hans Klein den Vorfall verziehen, der Klasse sei davon Mitteilung gemacht und der Sache sei von seiner Seite nie mehr Erwähnung getan worden. Vor allem sei dieser Vorfall bei Erteilung der Betragensnote im Maturitätszeugnis außer Beachtung ge­blieben. Ueber die Zweckmäßigkeit der Betragensnote im Maturitätszeugnis könne man streiten, es müsse aber nach den bestehenden Bestimmungen diese aus dem Gesichts­punkte, den er in seinem (zur Verlesung gebrachten) Brief an Dr. Klein gerichtet hat, erteilt werden. Betreffs seiner beleidigenden Aeußerungen in seinem Bericht an das Großh. Ministerium über die Familie Klein spreche er sein Bedauern aus. Er habe inzwischen erfahren, daß die ganze Geschichte auf Klatsch beruhe. Ec bemerke ausdrücklich, daß jein Be­richt an das Ministerium nicht berechnet war, zur Kennt­nis des Herrn Klein zu kommen. Auf den Fall Netto eingehend, bemerkt der Zeuge, daß er diesem mitgeteilt habe, daß sein Sohn nicht versetzt werde, und fügt hinzu, daß er in dieser Weise jedem Vater, der sich nach seinem Sohn erkundigt, Auskunft erteile.

Auf Vorhalt des Verteidigers Grünewald, daß Ge­heimrar Netto unter seinem Ew bekundet hat, daß er ohne schriftliche oder mündliche Aufforderung vom Zeugen die Mitteilung erhalten hat, daß der junge Netto nicht versetzt werde, bleibt der Zeuge zuerst bei ferner Aussage, ändert diese aber, als der Vorsitzende an Hand der eigenen von Geheim rat Netto zu den Akten gegebenen Briefen auf einen Irrtum über diesen Punkt hinweift. Rechtsanwalt Grüne­wald fragt weiterhin diesen Zeugen, ob Hans Klein in jener Geschick)tsunterrichstssiundi in der Oberprima nötig gehabt hätte, nachzuschrerben, ob jener sich nicht hätte aus sein Gedächtnis verlassen können? Und schließlich, ob Ge­heimrat Schädel ihm befohlen habe, nachzuschreiben, worauf eine klare Darlegung nicht erfolgt.

Daraus sagt der ehemals G unnasial-Oberlehrer, jetzige Privatlehrer Dr. R ö s e aw Zeuge aus, daß er nach dem Fortgang des Geheimrat Schiller als dessen Nachfolger empfohlen wurde. Ec stand darauf sehr gut mit Direktor Schädel. Eines TageS erhielt der Zeuge von ihm unbe-

Ai« heutige Kummer umfaßt 8 Seite»

Ausland.

Kallundborg (Dänemark, Seeland), 1. Juli. Dar amerikanische Geschwader ist heute vormittag, von Kie kommend, hier eingetroffen und ankert aus der Rhede. Ei wird einige Tage hier verbleiben.

London, 1. Juli. Wie einige Provinzblätter melden lehnte das englische auswärtige Amt ab, eine Re­solution der Juden Australiens, betr. Kischinew an Rußland weiterzugeben. Das Auswärtige Amt teilte den Lordmayor Sir MarcuS Samuel, der ihm diese Resolutior übermittelt hatte, mit, die Sache sei dine innere Angelegen, heit Rußlands.

Paris, 1. Juli. Der KreuzerGnischen", mit welchen Präsident Loubet seine Reise nach England antritt, ver­läßt nächsten Sonntag abend Brest und geht in Boulogn vor Anker. Die Mannschaft des Kreuzers und der beider Begleitschiffe sind zu den anläßlich, des Besuches Loubets ir England slattfindenden Festlichkeiten schriftlich eingelader worden.

Wegen des bevorstehenden Besuches des König!

Deutsches Reich.

Berlin, 1. Juli. Aus Kiel wird gemeldet: Der Meteor" mit dem Kaiser an Bord beteiligte sich un dem Handicap EckernfördeKiel. Es herrschte strammer, etwas böiger Wind aus Nordwest von mindestens sechs Wind­stärken, so daß die Yawls, welche um 8 Uhr m Eckern­förde starteten, zeitig das Ziel erreichten. Mv erste pas­sierteNavahoe", dicht gefolgt vonOrion die Ziellinie. In weiteren Ab ständen folgtenTherese' undZbommo- bore". Die Schonerkreuzer hatten um 9 Uhr Eckernförde ver­lassen.Hamburg" traf auch heute früher als derMe­teor" ein und schlug die Kaiserjacht um ea. 1 >2 Mmuten. Als dritte folgteIduna".

An den König von Sachsen sandte der a n 11 - semitische Reichstagsabg. Grüse im Verein mit feinen l'-esinnungsgenossen am Abend des Stichwahltages folgen­des Telegramm:Eurer Majestät senden 100 treue Sach­senherzen Gruß und Treuegelöbnis für alle Zeit aus der vom Feinde ungebrochenen Feste des Sachsenlandes. Die

Politische Tagesschau.

Wahlmogelei.

Ein Berliner Mitarbeiter schreibt uns:

Wie wir erfahren, ist anläßlich der bekannt gewordenen Falle vonWahlmogelei", die nicht nur in Berlin, son­dern auch anderswo, wie z. B. in Königsberg, sich er­eignet haben, ein beschleunigtes behördliches Ermittelungs- Verfahren angeordnet worden. Die Wahllisten werden aus das genaueste insbesondere darauf geprüft, ob Grund zu der Annahme vorhanden ist, daß Wahlberechtigte unter verschiedenen Namen zweimal oder gar dreimal gewählt haben. Weiterhin soll ermittelt werden, ob etwa Plan­mäßige Vereinbarungen vorliegen, und von welchen Per­sonen der Anstoß dazu ausgegangen ist. Die strafgesetz­lichen Folgen für die Schuldigen können sehr ernste sein, Gefängnis bis zu drei Jahren.____________

öalgarijch-türkischm KrenjjUnschevMe.

Aus Sofia meldet die amtlicheAgence Telegraphique Bulgare": Die Gerüchte von der Dtobilisieruug einer Division sind vollkommen unbegründet. Infolge der wachsenden Einwanderung von Flüchtlingen aus der Türkei, einer Tat ache, die die Gemüter aufgeregt und Anlaß zur Bildung aufständischer Banden gegeben hat, die die Grenze zu überschreiten versuchten, beabsichtigt die Regierung, eine Anzahl Reservisten aus den an der Grenze ge­legenen Ortschaften zur Verstärkung der Grenzposten einzuberusen. Ferner meldet aus Konstantinopel das Men. Korr. Dur.": Bulgarien verlangte neuerdings be­züglich der letzten Grenzvorsälle von der Pforte freund­schaftliche Aufklärungen, die sich jedoch verzögerten, da der Kriegsminister genaue Berichte abwartet. Nach An­gaben der Pforte wurde der Grenzposten in Goektepe in­folge eines Zusammenstoßes zwischen türkischen und bul­garischen Truppen durch ein Bataillon verstärkt, bas den Grenztruppen entnommen ist. Der Zusammenstoß ist burch bulgarische Truppen hervorgerufen worden, welche die türkische Grenze überschritten und einen Atohamme- baner erschossen.

Die bulgarische Regierung setzt fortwährend dem De­mentierapparat in Bewegung. Sowie von einer Mobili­sierung bulgarischer Truppen die Rede ist, wird flugs das Gegenteil behauptet. In Sofia wittert man zwar Feinde ringsum. Gleichwohl muß die bulgarische Tele­graph enagentur zugeben, daß für alle Fälle gewisse krie­gerische Vorbereitungen gegen die Türkei getroffen werden, denn nichts anderes bedeutet doch dieAbsicht" der Re­gierung, Reservisten einzuberusen. In Konstantinopel wird auch die Sprache angewendet, um die Gedanken zu ver­bergen.Freundschaftliche Aufklärungen" ist gut Wie uns von zuverlässiger Seite mitgeteUt wird, ist die be­treffende bulgarische Note an die Pforte in einem Tone gehalten, der dem Charakter eines Ultimatums sehr nahe kommt Nicht genug damit, hat die bulgarische Di­plomatie in Petersburg wie in Wien dringliche Vorstell­ungen erhoben über die Haltung der Pforte Diese gehe darauf aus, Grenzzwischenfälle künstlich zu schaffen, um einen Konflikt vom Zaune zu brechen und dadurch die un­bequeme Verpflichtung abzulenken^ wirksame Reformen in Macedonien ein zu führen. Die Pforte erklärt sich für un­schuldig und in hohem Grade friedenssreundlich; sie kon­statiert, daß der Zusammenstoß durchBulgaren hervor- gerusen". Wem sollen nun dieBalkanwächter" Rußland und Oesterreich-Ungarn Glauben schenken? Vermutlich wer­den sie beide Darlegungen, die bulgarische wie die türkische, mit Vorsicht aufneymen. Es scheint aber, daß die Ver- mittelungsbemuhungen mehr und. mehr ihre Kraft ver­lieren. Weiß doch dasWien. Korr.-Bur." auch zu be­richten, daß in Bulgarien sich kriegerische Stim­mungen zu regen scheinen. Es scheine der Gedanke er­wogen zu werden, ob ein Krieg, zu dem man die Türkei herausfordern könnte, nicht die beste Lösung der jetzigen heiklen Lage wäre. Es gehen in Konstantinopel feit einigen Tagen Gerüchte über militärische Vorbereitungen Bul­gariens um. Maßgebende diplomatische Kreise meinen einstimmig, daß Bulgarien die Folgen des Krieges allein zu tragen hätte, auch wenn es siegreich bliebe, und weder für sich noch für Mazedonien Erfolge erzielen würde. Es verlautet ferner, daß die Pforte wegen des Zusammen­stoßes türkischer und bulgarischer Truppen in Goektepe ein Rundschreiben an die Botschaften vorbereite.

Lausitz hält die Treue! Hell! Gräfe, Reichstagsabgeord- neter." Darauf ist folgendes Antwort-Telegramm des Königs eingelausen:Reichstagsäbgeordneten Gräfe, Bischofswerda. Heute früh Ihr Telegramm erhalten, freue m ich herzlich über Ihren Sieg und den Sieg der guten Sache in Ihrem Wahlbezirk. Georg." Die Deutsche Tageszeitung gibt nicht zu, daß der Bund der Landwirte eine Niederlage er­litten habe. Sie behauptet, die agrarische Bewegung sei aus den Wahlen durchaus nicht geschwächt hervor- gegangen, sondern habe eine ganz entschiedene Stärkung erfahren, die sich schon dadurch gezeigt habe, daß der Bund der Landwirte numerisch eher stärker als chwächer in das Parlament einziehe.

Die sozialdemokratische Ruhepause wird jetzt nach den Reichstagswahlen wie in Sachsen, so auch in Preußen nicht lange dauern; bereits in den aller­nächsten Tagen wird die Agitation für d i e Land- tagswahlen einsetzen. Die Sozialdemokratie rechnet ganz positiv darauf, in zwei der Kreise Berlins die Mehr­heit der Wahlmänner zu erhalten; sollte dies der Fall ein, dann wird Dr. Leo Arons einer der ersten preußischen ozialdemokratischen Land tagsabgeordneten sein; er hat' die ;anze Organisation für die Landtagswahlen ausgearbeitet und geschaffen.

DerBielef. Gen.-Anz." schreibt:Die Regierung macht Emst. Die Ariegervereine von Leteln, Aming­hausen und Wietersheim wurden durch den Amtmann von Lahde aufgelöst. In der Hauptwahl fielen von 102 abgegebenen Stimmen, soweit wir jeststellen konnten, in Leteln 75 auf den sozialdemokratischen Kandidaten; in Aminghausen von 51 abgegebenen Stimmen 21 auf den sozialdemokratischen Kandidaten. Wie wir hören, steht die Auflösung einer ganzen Anzahl anderer Vereine nahe bevor."

Der Staatsanwalt in Köslin hat den An­trag des früheren Reichstagsabg. Dr. Barth auf Ver­folgung des Urhebers des während der Wahl-Kampagne in seinem Wahlkreise verbreiteten verleumderischen Fluchblattes abgelehnt.

Beuth en a. S., 1. Juli. Der neugewählte polnische Reichstagsabg. Korfanty, der heute hier Hochzell feierte, wurde nicht kirchlich g_e.tr a* /. D?r katholische Pfr. Schirmeister erklärte, daß er die kirchliche Trauung nur unter der Bedingung gewähren könne, daß er alles, was in dem Blatte Korfantys wemCornosla^al", gegen die Geistlichkeit stand, widerrufe, und zwar nicht nur in diesem Blatte selbst, sondern auch in mehreren Zentrumsblättern. Korfanty lehnte dies entschieden ab. Der Geistliche ist zu dem Entschluß gekommen auf Grund eines Beschlusses der Geistlichkeit der Dekanate Kattowitz und Beuthen. An bei betreffenden Versammlung haben auch der Berliner Pfarrer Stephan und der frühere Zentrumsabg. Stephan tellgenommen.

Straßburg i <SL, L Juli. Die dem französi­schen General Farny kürzlich verweigerte Aufent- Haltserlaubnis in Straßburg ist nunmehr für einige Tage erteilt worden, da der Zustand seines 97 jährigen Vaters sich bedenklich verschlimmert hat.

Heer und Flotte.

Ueber die Servisberechtigung der Einjahr.- Freiwilligen hat das Berliner Oberverwaltuiigägericksi kürzlich ein Urteil in folgender Angelegenheit gefällt: Ell Kammergerichtsreferendar diente in Frankfurt a. O. ein* jährig, wuroe zur Gemeinde-Einkommen st euer nach seinem Einkommen aus Kapitalvermögen herangezoger und erhob Klage mit. dem Anträge auf Freistellung, well er zu den servisberechtigten Milllärpersonen ge­höre. Der Bezirksausschuß gab der Klage statt und nahrr an, daß die (Änjährig-Freiwllligen unter die servisberech­tigten Milllärpersonen zu rechnen feien. Das Oberver­waltung sgericht beft igte die Vorentscheidung mit der Be­gründung, es verkenne nicht die Zweifelhaftigkeit bei Sache, habe sich aber der Ansicht des Bezirksausschüsse- angeschlosfen und angenommen, daß die Einjährig-Frei­willigen im Heereskörper zu den Gemeinen zu rechnet seien und zwar ungeachtet der Verpflichtung zur eigener Verpflegung. Die Gemeinen gehörten aber zu den servis- berechtigten Militärpersonen. Die Servisberechtigung bei Einjährigen trete auch z. B. bei Manövern hervor, wo bi, Einjährigen Naturalverpflegung erhalten.

von Italien ist seitens des Chefs der hiesigen Sicherheits­polizei allen Polizeiagenten ein vollständiges Signalement derjenigen europäischen Anarchisten zugestellt worden, deren Aufenthalt gegenwärtig unbekannt ift Die betreffenden Be­amten sind angewiesen worden, Nachforschungen anzustellen, ob dieselben sich etwa in Paris aufhalten.

Wien, 1. Juli. Der ,N. Fr. Pr.* zufolge verlautet in politischen Kreisen, die vom Kabinet überreichte De­mission werde vom Kaiser nicht angenommen werden. An maßgebender Stelle werde der höchste Wert darauf ge­legt, die bisher in der inneren Politik eingeschlagene Richtung auch fernerhin beizubehalten. Es wird angenommen, daß auch der Landesverteidigungsminister Welsersheimb und der Flnanzminister Böhm von Bawerk sich bestimmen lassen werden, in dem Kabmet zu verbleiben, nur der Landsmannsminister Rezek dürfte wegen der zwischen ihm und dem Tschechenklub herrschenden gegenseitigen Verstimmung ausscheiden.

Budapest, 1. Juli. Ministerpräsident Khuen erörterte in der heutigen Sitzung des Abgeordnetenhauses die Vorlage, betreffend die Ermächtigung zur Einleitung von Handels­vertrags-Verhandlungen mit Italien, und er­klärt, er sei bereit, die Ausgleichsvorlagen mit Einschluß beS Zolltarifs während des Sommers im Hause zu verhandeln. Es werde jedenfalls zum Abschluß eines Handelsvertrages eine separate Ermächtigung gefordert werden muffen.

Belgrad, 1. Juli. Heute ist auch die Antw ort des Königs von England auf die Notifikation König Peters oon seiner Thronbesteigung eingetroffen. Am Schluß feiner Depesche giebt König Eduard der Hoffnung Ausdruck, daß es König Peter gelingen werde, das durch die letzten Geschehnisse gewissermaßen geschädigte Ansehen Serbiens wlederherzustellen. Der englische Gesandte kehrt demnächst nach Bel­grad z u ck. Nunmehr haben alle europäischen Staats­oberhäupter die Notifikation des Königs beantwortet.

Washington, 1. Juli. Die Staatsschuld nahm im Juni um 10 676 306 Dollars ab. Der Barbestand des Schatzes beträgt 1 362 698 474 Doll.