Besuche? beS serbischen WniaSpaareS am Zavenhvfe be» ^effe, so liege vorläufig fein Anlaß für einen solchen Besuch vor. Nichtsdestoweniger sei es aber nicht ausgeschlossen, daß das serbische Königspaar in Zukunft einmal Vom Zaren empfangen werde.
Rom, 1.-Jan. Bei dem Em p fan g e im Quirin al verlasen die Präsidenten des Senats und der Kummer Adressen. In derjenigen der Kammer spricht sich die Kammer glücklich über die gegenwärtige Lage auL, die im Lande wachsende Bechätigung seiner Kräfte, den Frieden, der im Innern herrsche und den hohen Rang, den das Land billigerweise im Auslände einnehme. Tie weise Fürsorge und tiefe Liebe, die der König dem Lande widme, das Vertrauen, welches die Nation zu ihrem Könige habe, und der Patriotismus des italienischen Volkes seien ein sicheres Unterpfand für die Zukunft des Landes.
London, 1. Jan. Tie Antwort Castros auf den Cchiedögerichtsvorschlag wird vom Staatssekretär Hay heute den Regierungen von Berlin, London und Rom zugesandt werden. Tie Union-Regierung ist von der Antwort be- friebtgt und glaubt, sie ebene den Weg für das Schiedsverfahren. Castro acceptiert im allgemeinen die Prinzipien der gemachten Vorschläge und erklärt sich bereit, die Angelegenheit dem Schieosspruch einer gerechten und billigen Autorität, wie das Haager Dübunal ist, zu unterwerfen.
Paris, 1. Jan. Tie nächsten Wahlen für das Bureau der Kammer werden ohne besondere Ueberrasch- ungen vor sich gehen, da als einziger Kandidat Lson Bougelois für die Präsidentschaft der Kammer aufgestellt ist, nachdem der frühere Präsident Deschanel auf eine Wiederwahl verzichtet.
— Aus Anlaß des Neujahrstages übersandte der russische Kriegsminister General Kuropatkin in seinem und sämtlicher Offiziere des Kriegsministeriums Namen dem Kriegsminister Andrs ein Telegramm, in welchem er die Wünsche für das Wohlergehen und Glück für den Kriegs- Minister Andrs und die gesamte französische Armee aus- drückt. General Andrs erwiderte mit einem Telegramm- jin welchem er die Wünsche sämtlicher französischen Offiziere für das Glück und die Wohlfahrt der russischen Kameraden ausspricht.
— Ter Minister des Auswärtigen, Delcassö, leidet seit kurzem an Influenza. Ta sein Befinden fich heute nachmittag etwas verschlechtert hat, mußte er die Absicht, den Empfängen im Elyssöe beizuwohnen, aufgeben.
Konstantinopel, 1. Jan. Nach Meldungen aus Saloniki fand bei der Ortschaft Brossowv in der Näße von Monastir ein Zusammenstoß zwischen türkischen Truppen und bukgarischen Banden statt. Ein türkischer Offizier und 15 Soldaten wurden getötet, 2 Mitglieder der Bande fielen, die andern entkamen. Die Einwohner von Bresfowo beteiligten sich an dem Kcunpf. Mehrere Häuser wurden niedergebrannt.
Washington, 31. Tez. Das Staatsdepartement beschloß, die Zahlung der zweiten Rate der chinesischen Ent schädigung gemäß den von Ehina gemachten Vorschlägen anzunehmen.
Pretoria, 31. Tez. In dem ersten Budget der Transvaal-Kolonie für das mit dem 30. JUni 1903 endigende Finanzjahr sind die Einnahmen auf 4 Mill., die Ausgaben auf 3 702 755 Lstr. veranschlagt.
Aus Stadt und Zand.
Gießen, den 2. Januar 1903.
** Auszeichnungen. Von S. K. H. dem Großherzog wurde dem Konzertmeister August Helmer da§ Ritterkreuz 2. Kl. des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen.
•* Personalien. In den Ruhestand verseht wurde am 27. Dezember der Oberlehrer an der höheren Mädchenschule zu WormS Prof. Dr. Gustav Marx auf sein Nachsuchen unter Anerkennung seiner treu geleisteten Dienste.
"Schmiede-Berufsgenossenschaft. Joh. Becker in Gießen wurde als Vertrauensmann der Schmiede-BerufZ- genoffenschaft für den Kreis Friedberg und Ludw. Schmück in Büdingen zu desien Stellvertreter bestellt.
L.U. Promotionen. Im Monat Dezember 1902 wurden an der Landes-Universität promoviert: die approbierten Aerzte Karl Friedrich KrauS aus Frankfurt a. M., Theodor Sprenker aus Beckum i. W., Hermann Bär aus Hamm, Demeter Ritter von Tabora aus Czernowitz und Hermann Lindner auS Kaiserslautern.
** Oberhessischer Geschichtsverein. In einer Vorstandssitzung vom 30. Dezember v. I. wurde beschlosien, die Bewerbungsfrist für die Preisaufgabe über die Geschichte des Schiffenbergs bis zum 1. Januar 1904 zu verlängern. — Die auf nächsten Montag anberaumte Sitzung des Vereins, in der Herr Prof. Wolff au§ Frankfurt über die Eroberung und Sicherung der Wetterau durch die Römer sprechen wollte, muß wegen Erkrankung des Redners ausfallen.
** Stadttheater. In dem Bestreben, das neue Jahr mit einem durchschlagenden Heiterkeitserfolg einzuleiten, hatte die rührige Direktion unseres Stadttheaters für den Neujahrstag die lustige Gesangsposse von Mannstaedt und Schott „H ö h e r e T ö ch t e r" an gesetzt. Das hier als Novität bezeichnete Stück ist zwar bereits etwa 20 Jahre alt, aber trotzdem hat es seinen Zweck, das Publikum mit seinen schier Unglaublichen, meist an den Haaren herbeiaezogenen Witzen und Berliner „Mätzchen" zu amüsieren, vollkommen erreicht. So eine Gesangsposse wirkt schon deshalb' mehr animierend auf den Zuhörer, weil sie, wenn man des „trockenen Tones" satt ist, schnell ein flottes Couplet einschiebt und den Ge- sangskomilern hier und da das Wort, oder vielmehr ein Lied erteilt. Sodann aber bringt die Anwesenheit eines Orchester auch die Annehmlichkeit der Zwischenaktsmusik, die, bei großen seriösen Werken vielleicht entbehrlich, doch in den fangen Pausen öder moderner Lustspiele wenigstens eine kleine Abwechslung für die Nerven bringt. Für Gießen wird man eine solche um so erwünschter halten müssen, als sich die Peripathetiker beiderlei Geschlechts, anstatt in einer Wandelhalle, einem sogenannten Foyer, zu spazieren, in dem zugigen, engen und dumpfen Vorraum bei der Garderobe Herumdrücken müssen. Die meisten ziehen es daher vor, im Theaterraum selber auch in den Zwischenpausen aus- Äuharren. — Die alte Berliner Gesangsposse enthält verschiedene Figuren, die den Zuschauer interessieren, vor allem in den „höheren Töchtern" selber. Des Bauunternehmers Wesendonk Töchterlein Franziska ist so ein echtes verwöhntes und verschrobenes Kind der Neuheit, und Frl. Sieg, die dasselbe darzustellen hatte, fand sich schauspielerisch wie gesanglich sehr aut mit dieser Rolle ab; ihr Liebeswerben um den flotten Tertianer Fiedler, den Herr Gerl ach ganz
vorzüglich interpretterte, wurde mit Recht sehr lebhaft beklatscht. Auch Frl. Brücker als Erna Schumann war ihrem Verlobten, dem Baron von Klapper - Bumsky (Herrn Heypartz) gegenüber gut auf dem Platze, und der Dr. Schumann des Herrn Ramseyer, wie der Gelegenheitsdichter Klückhuhn (Herr Fritz Becker) spielten flott und humorvoll, besonders in den gelungenen Couplets. Die hübsche Musik wurde unter Herrn Direktor Kruses Leitung von der Kapelle des Jnf.-Regts. Nr. 116 (Kaiser Wilhelm) gestellt und hielt sich sehr brav.
Die Sylvesternacht ist auch diesmal unter dem üblichen Geräusch, Schießen, Froschwerfen, Prosit-Neujahr- Rusen, Punschtiünken und hier und da mit einer kleinen Keilerei verlaufen. Tas Treiben auf den Straßen erreichte gegen 12 Uhr seinen Höhepunkt, nachdem besonders Ueber- eisrige einen guten Teil ihres Pulvers verschossen, d. h. die eindringlich angepriesenen Feuerwerkskörper verknallt hatten. Es wurde wieder so nachhaltig geschossen, daß man meinen sollte, Gießen besitze ein ganzes Heer von Pulver- Erfindern, und hunderte von Schlaumeiern, die fest überzeugt sind, der Polizei ein Schnippchen zu schlagen. Freilich brachten dies nicht alte fertig, viele wurden erwischt und mit Namen, Stand, Wohnung und sonstigen für den Arm des Gesetzes notwendigen Angaben in den dicken Notizbüchern unserer Schutzleute eingetragen, um demnächst schriftlich be- stätigt zu erhalten, daß sie, wenn sie durchaus schießen wollen, auch gründlich blechen müssen. Dieselben Denkzettel werden für solche ausgesertigt, die nicht begreifen können, daß Ruhe eine der vornehmsten Bürgerpflichten ist, und eine extta starke Störung der Ruhe ebenfalls bestraft wird. Blechen, unter Umständen auch brummen müssen ferner diejenigen, die ihren durch den edlen Neujahr stt an k gesteigerten Ueberschuß an wirklicher oder eingebildeter Körperkraft an Anderen probieren, um hernach bami: prahlen zu können, diesen oder jenen gründlich verhauen zu haben. Auch in dieser .Hinsicht trat der Bleistift der Gesetzeswächter mehreremale in Thätigkeit. Diejenigen aber, welche sich mit der Notierung ihrer werten, meist schon bekannten Adressen nicht sofort begnügen wollten, sondern den Radau fort- und der Polizei sich widersetzten, wurden einfach eingesponnen. Dieses Veruhigungsmittel soll seine Wirkung selten verfehlen. — Lange hat übrigens der Neujahrstrubel nicht gedauert, die meisten hatten schon gegen 1 Uhr ausgetobt, die Straßen wurden leer, und nur in den Wirtschaften ging es noch fidel her, und mancher Affe resp. Kater kam noch an den Mann.
** Bevölkerungsstatistik für Hessen. Nach der von der Großherzoglichen Zenttalstelle in Darmstadt aufgestellten Statistik betrug bei der letzten Volkszählung in Hessen die Anzahl der daselbst wohnenden Personen aus der Provinz Hessen-Naffau 44 069, darunter aus der Stadt Frankfutt a. M. 6655. Wie bedeutend die Zahl der in Hessen wohnenden Frankfutter ist, geht daraus hervor, daß die Gesamtzahl der dott wohnenden Pettonen aus sämtlichen preußischen Großstädten 11 717 beträgt, mithin stammt die Hälfte davon aus Frankfutt a. M. Die Zahl der in Frankfutt wohnenden Heffen ist aber ungleich größer.
•* Postanweisungen im Verkehr mit französischen Kolonien in Westafrika. Vom 1. Januar ab sind Postanweisungen nach den französischen Kolonien Dahomey, Elfenbeinküste, Guinea, Kongogebiet, Ober-Senegal und Senegal bis zu 500 Franken zulässig. DaS vom Äb- ’enber zu entrichtende Franko ist das gleiche wie für Postanweisungen nach Frankreich selbst, doch erstreckt sich die Frankierung nur bis Patts, während für die weitere lieber* Mittelung eine Gebühr von >/« Prozent für die ersten 100 Franken und von V4 Prozent für die überschießenden Be- räge von dem EinzahlungSbetrage in Abzug gebracht wird. Zu schriftlichen Mitteilungen dürfen die Abschnitte der Postanweisungen nicht benutzt werden, lieber die sonstigen Bedingungen etteilen die Postanstalten auf Erfordern Auskunft.
-i- Alten- Buseck, 1. Jan. Am Neujahrstage wurde in der hiesigen Kirche mitgeteilt, daß im Jahre 1902 in der Pfarrei Alten-Buseck (mit Trohe) bei 1355 (172) Evangelischen beider Gemeinden 19 (2) Trauungen, 39 (8) Taufen und 44 (1) Beerdigungen stattgefunden haben.
nn. Burg-Gräfenrode, I.Jan. Statt der Sylvesterglocken um 12 Uhr ertönten heute nacht 10 Minuten vor 12 Uhr die Sturmglocken. Die Scheuer des Landwirtes Karl Heß stand bereits in Hellen Flammen, als die das Neujahrsfest feiernde Bevölkerung aus den Wohn- und Wirts- )äusern zu tatkräftiger Hilfe herbeieilte. Allein, viel war nicht zu machen/und eS war'eine glückliche Fügung, daß der Wind eine für den Brand äußerst günstige Richtung hatte, denn bei dem sich alsbald einstellenden Wassermangel wäre an eine Beschränkung des Feuers auf seinen eigenen Herd nicht zu denken gewesen. So stürzte das baufällige Gebäude alsbald in sich zusammen und nach einstündiger Thätigkeit war die Hauptlöscharbeit bereits vollendet. Daß das Feuer von verbrecherischer Hand angelegt worden ist, unterliegt einem Zweifel, allein über den Thäter ist bis jetzt nichts bekannt.
Lehnheim, 29.Dez. Einen rätselhaften Selbstmord beging dieser Tage ein hiesiger, in den besten Vermögens- hältnissen lebender Landmann, ein braver, arbeitssamer und geachteter Bürger in vorgerücktem Lebensalter.
Groß-Zimmern, 30. Dez. In verschiedenen Gemeinden unserer näheren Umgebung haben die Barbiere einmütig beschloßen, vom 1. Januar 1903 ab ihre Kund- chast mit einem Preisaufschlag von 6 auf 10 Pfg. für das Rasieren zu bedenken.
w. Krofdorf, 1. Jan. Während die Zusammenlegung der Grundstücke bereits in 4 Gemeinden des Kreises Wetzlar erfolgt ist, wird dieselbe zur Zeit in 7 weiteren Gemeinden betrieben. Die mit Gleiberg gemeinschaftliche Gemarkung hat einen Flächeninhalt von 2500 Hektar, darunter sind 406 Hektar Gemeindewald. Die bei der hiesigen Grundstückszusammenlegung in Bettacht kommende Fläche umfaßt etwa 10000 Parzellen, und die Planlegung ist bereits im abgelaufenen Jahr erfolgt. Nach §§ 2 und 3 des Kostengesetzes vom 24. Juni 1875 sollen 12 Mk. Regulierungskosten für jedes Hektar der der Umlegung unterworfenen Fläche berechnet und erhoben werden. Alein die Generalkommission zu Düffeldorf hat in allen zur Zeit betriebenen • Sachen den Pauschalsatz der Regulierungskosten bis auf 6 Mk. pro Hektar ermäßigt. Dieses Pauschquantum — 6 Mk. pro Hektar = 1.50 Mk. pro Morgen — bezieht der Staat und trägt da- ür die Kosten für alle Arbeiten der Beamten und Boniteure. Die Tagelöhne, sowie die Kosten für Steine, Stangen, Pfähle, Wege- und Grabenbau tragen bei den zur Zeit anhängigen
Gemeinden zum überwiegenden Teile Staat, Provinz und Kreis. Diejenigen Gemeinden, bei denen die Zusammenlegung in Angriff genommen ist, dürfen hoffen, daß ihnen 7/10—8/10 dieser Kosten vergütet werden.
w. Wetzlar, 1. Jan. Die hiesigen Stadtterordneten haben unter anderm in ihrer letzten Sitzung beschloßen, eine städtische Sparkasse zu gründen, die mit dem 1. April 1903 ins Leben treten soll. — Die hiesige KreiSsparkaße wurde im Jahre 1838 als eine Art genossenschaftlichen Unternehmens begründet, in welcher Verfassung sie beinahe 2 Jahrzehnte, bis zum Jahre 1857 bestand, wo sie Kreis- institut wurde.
1>. Darmstadt, 2. Jan. (Gig. Dra htber.) Die „Dcirmst. Ztg." meldet aus Selters bei Stockheim, daß dort von einem Gießener Unternehmer eine Soolquelle mit großem Kohlensäuregehalt erbohrt worden sei.
Mainz, 31. Dez. Nachdem erst in der vorigen Woche an den Kellerbauten der Aktienbrauerei zwei Maurer abgestürzt waren, von denen der eine inzwischen im St. Vineenz- spital gestorben ist und der andere noch in Lebensgefahr schwebt, ist gestern daselbst wieder ein Zimmermann in einen Schacht gestürzt und ebenfalls schwer verletzt in das benachbarte St.' Vineenzhospital verbracht worden.
fc Bingerb rück, 1. Jan. Dieser Tage hielt der Rheinische Pfarrverein hier eine Versammlung ab, in welcher er sich auch mit Schulangelegenheiten beschäftigte. In einer Resolution sprach sich der Verein grundsätzlich für eine technisch-fachmännische Schulaufsicht aus. Die Stellung der Kirche im Schulorganismus soll darauf beschränkt sein, daß der OttSgeistliche jeweils den Vorsitz im Schulvorstande führen soll. Der Verein hofft, daß den jetzigen unhaltbaren Zuständen möglichst bald durch ein Schulgesetz abgeholfen werde.
z. Frankfurt a. M., 1. Jan. Die Frankfutter Akademie für Sozial- und Handelswissenschaften hat für ihr 3. Semester abermals einen verhältnismäßig bedeutenden Zuwachs ihrer Besucher (Studierenden) zu verzeichnen, indem deren Zahl von 45 auf 94 gestiegen ist. Dem Berufe nach sind darunter 40 Kaufleute, 12 Industrielle und Techniker, 13 Juristen und höhere Verwaltungsbeamte, 4 mittlere Verwaltungsbeamte, 9 Lehrer, 1 Lehrerin und 13 Angehörige sonstiger Berufe und Beruflose. Von den Besuchern haben 30 bereits eine anderweitige akademische Bildung abgeschlossen. Außer von den „Besuchern" im emgeren Sinne (Studierenden) wird die Akademie im laufenden Semester von 312 Hospitanten und 131 Hörern besucht, sodaß die Gesamtfrequenz 537 beträgt, 109 mehr als im voraufgehenden Sommer-Semester. Der Zuwachs ist in erster Linie den „Besuchern" zugute gekommen, also derjenigen Kategorie, die für das Gedeihen der Hochschule in erster Linie von Bedeutung ist. — Die Hospitanten und Hörer setzen sieh ihrem Berufe nach folgendermaßen zusammen: Kaufleute 168, Industrielle und Techniker 30, Juristen und höhere Verwaltungsbeamte 29, mittlere Verwaltungsbeamte 19, Lehrer 51, Lehrerinnen 41, sonstige Berufe und Beruflose 32, abgesehen von den beruf- losen Frauen, deren Zahl 69 betrug. Die Gesamtzahl der die Vorlesungen der Akademie besuchenden Frauen betrug 115. — Von den Hospitanten waren 82 akademisch gebildet.
Frankfurt a. M., 1. Jan. Unser weltberühmter Neujahrs-Janhagel bessert sich von Jahr zu Jahr. Er wirb gesitteter. Die vergangene Neujahrsnacht verlief, wenn man von einer Kleinigkeit, einem aus einem Fenster heraus abgegebenen scharfen Revolverschuß, der einen Passanten in den Oberschenkel traf, absieht, sozusagen harmlos. Man braucht allerdings deshalb nicht zu glauben, daß vor 2—3 Uhr nachts in den Hauptstraßen jemand hätte schlafen können. Dazu wurde dem neuen Jahr denn doch ein bischen zu viel Salut geschossen. Es böllerte und krachte in allen Ecken. In Fröschen usw. war viel Geld angelegt worden. Aus den oberen Stockwerken regnete es bengalische Lichtkörper. Massenhaft sausten die Feuergarben zur Erde. Immerhin sah sich die in voller Stärke ausgerückte Polizei auf der Zeil nur einmal genötigt, vom Leder zu ziehen, um den sich stauenden randalierenden Pöbel zu zerstreuen. Bis 1 Uhr wurden nur 12 Verhaftungen vorgenommen. Den Verhafteten folgte jedesmal eine johlende Menge bis vor das Polizeigefangnis, wo sie Schu^eute zu Fuß und w Pferd mit blanker Klinge empfingen. „Angströhre" imo „Hartmänner" wurden natürlich in Masfen „eingetrieben". Dagegen'hatten die an der Hauptwache und der Konstabler- toadje, sowie in der Trierischen ($>affe errichteten Hilfs- tationen der Rettungsgesellschaften nur wenig zu tun. Nur ein junger Expedient hatte sich durch Wbrennen eines Feuerwerkskörpers schwere Brandwunden an den Augen zugezvgen.
c. Marburg, 1. Jan. Der Magistrat wird demnächst den Stadtverordneten eine Vorlage unterbreiten, betreffend die Herstellung einer Pferdebahn zwischen Hauptbahnhof und WilhelmSplatz (Nord-Süd). Die Kosten werden auf 47 000 Mk. veranschlagt.
— Kassel, 1. Jan. Der Provinzialausschuß fiir die Provinz Hessen-Nassau beschloß entsprechend einem Anträge des Verbandsdirektors ländlicher Genossenschaften des Regierungsbezirks Kassel die Einführung obligatorischer Fortbildungsschulen auf dem Lande.
Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. In einem Hotel in Frankfurt erhängte ich der Schreiner Ludwig Loos aus Velbett im Rheinland. — Oberbürgermeister Gaßner-Mainz wird den Stadtverordneten in einer der nächsten Sitzungen die Eingemeindungsangelegenheiten von Mombach, Bretzenheim und Gustavs- >urg unterbreiten. — Die Mombacher Waggonfabrik ah sich genötigt, aus Mangel an Aufträgen einer Anzahl Arbeiter zu kündigen. — Der Sindlinger Arbeiterkonsumverein hat im abgelaufenen Jahre 154000 Mk. umgesetzt und 16 Prozent Dividende (19 000 Mk.) verteilt. Dabei hat sich der Verein auch noch ein eigenes Geschäfts- )au§ für 18 000 Mk. gekauft.
Vermischtes.
* Montabaur, 31. Dez. Mehrere Burschen gerieten auf dem Heimweg vom hiesigen Jahrmarkt in Streit. Gin junger Mann wurde dabei laut „Montabaurer Kreisblatt" gestochen und verschied bald.
* Mocheln, 1. Januar. Gestern wurde in ihrer Wohnung die Leiche der 80jährigen Witwe Bogaetts aufge-


